| Predigt | NT |
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Jörg Zink: Die heilsame Gnade Gottes, mit der unser Leben und Heil steht und fällt, ist strahlend hell aufgegangen und gibt nun allen Menschen das Licht. Sie will uns bewegen, unsere Gottlosigkeit und unsere vergänglichen Wünsche hinter uns zu lassen. Sie will, dass wir mit klarem Geist, in Gerechtigkeit und Glauben leben, solange wir in dieser Welt sind. Denn auf eine große Hoffnung hin sind wir ausgerichtet: dass die Herrlichkeit und Größe Gottes und unseres Retters Jesus Christus in Erscheinung tritt. Der hat sich an unserer Stelle geopfert, um uns von allem Unrecht frei zu machen, uns zu reinigen und zu läutern und eine Gemeinschaft aus uns zu machen, die ihm eigen ist, fähig und willens, sein gutes Werk in vielen guten Taten fortzusetzen.
Die heilsame Gnade Gottes, mit der unser Leben und Heil steht und fällt, ist strahlend hell aufgegangen und gibt nun allen Menschen das Licht. Das mögen für den ein oder anderen von uns heute sehr fromme, sehr kirchliche, sehr erhabene Worte sein. Damit hätten sie sicherlich recht. Aber ich denke, es gibt Ereignisse, die kann man nicht mit einfachen und platten Worten beschreiben. Überlegen sie einmal, wie auf besonderen menschlichen Feiern geredet wird, wenn eine Rede gehalten wird, zum Jubiläum, zum Geburtstag oder anderen entsprechenden Anlässen. Die Sprache unterscheidet sich von dem Alltäglichen. Sie ist herausgehoben, sie will die Besonderheit des Tages unterstreichen. Und so geht es auch dem Schreiber dieser biblischen Zeilen. Er ist zutiefst ergriffen von dem, was er hier kundtut. Das prägt sein Leben, das hat für ihn unendliches Gewicht und muss deshalb in entsprechenden Worten weitergegeben werden. Wir hören heute morgen eine erhabene Weihnachtsbotschaft. Aber erhabene Worte sind damit nicht weltfern. Erhabene Worte machen nur deutlich, dass etwas Herausgehobenes geschehen ist, das nun seine Wirkung zeigt. So wie ja auch die Weihnachtstage herausgehobene Tage sind. Ihre Wohnung ist geschmückt, jeder hat auf seine Weise und nach seinem Geschmack seinen Alltag verlassen, hat den Raum des Alltags festlich verändert und taucht damit in ein besonderes, eben weihnachtliches Licht. Das ist nicht ihr Alltag, das ist nicht ihr ganzes Leben, aber es gehört hinein in ihr Leben. Es ist Teil des Lebens und ein sicherlich wichtiger dazu. Weihnachten nimmt uns heraus aus unserem Alltag. Und gleichzeitig spricht dieses Fest uns auch gerade auf unseren Alltag an. Denn: die Gnade Gottes, mit der unser Leben und Heil steht und fällt, ist strahlend hell aufgegangen und gibt nun allen Menschen das Licht. Zwei Aussagen sind mir besonders wichtig: Erstens: Gottes Gnade ist strahlend hell aufgegangen. Jedes Weihnachtsfest erinnern die vielen Kerzen am Weihnachtsbaum genau daran: Gott ist in der Weit sichtbar geworden. Gott ist nicht nur eine Idee von Menschen, ein Hirngespinst, das die Menschen beruhigt. Nein Gott wurde Mensch, anfassbar, angreifbar, verletzlich und doch sehr wirksam handelnd in der Welt. Gott trägt seit der ersten Weihnacht ein menschliches Angesicht. Wir mögen unser Leben, unsere Weit als oft gottlos, als dunkel und friedlos erleben und sie ist es wirklich auch oft genug. Doch steht dem etwas entgegen. Neben der Friedlosigkeit von Menschen steht die Fülle des Friedens Jesu Christi. Neben dem Dunkel unserer Lebenserfahrungen in Leid, Not und Tod steht das Licht dieser Nacht, steht das Licht des Sternes, das Licht aus der Krippe, das uns hell entgegen scheint. Neben der Gottlosigkeit vieler Menschen, steht der Glaube, dass Gott diese Welt nicht sich selber überlässt, dass er Menschen ergreift, die auf vielfältige Weise zeigen, dass Gott Bedeutung hat in dieser Weit. Weihnachten ist das Fest, das gegen alle dunklen Seiten dieses Lebens deutlich sagt: es gibt ein Licht, das weiter reicht als alle dunklen Seiten dieses Lebens. Und dieses Licht kommt von dem her, der unser Leben in seinen Händen hält, der Heil für uns bereit hat. Dies gilt es zu hören, es zu glauben, darauf zu vertrauen, wenn wir unser Leben mit all den unterschiedlichen Seiten in den Blick nehmen. Gottes Licht leuchtet in der Welt, auch wenn die Zeitung schreibt, dass wieder Menschen hungern, dass unschuldige Kinder sterben müssen, dass Unglücke geschehen, oder wir selber in unserem Leben von Schicksalsschlägen betroffen sind. Uns wird gesagt: Da ist ein Licht, das mitten in der Nacht erschienen ist, dem wir uns anvertrauen können, aus dem wir Hoffnung fürs Leben schöpfen können. Ich kann hoffnungsvoll leben, weil Gott in diesem Jesus Christus zeigt, dass wir Menschen Möglichkeiten hätten, Hunger auf dieser Welt zu mildern, klimatische Bedrohungen zu beseitigen. Wir müssen nur unser Leben verändern, müssen bereit sein, Veränderungen hinzunehmen, müssen offener werden, nicht nur den eigenen Reichtum zu sehen, sondern auch das Lebensrecht anderer, die uns nun etwas von uns abfordern, weil wir ihr Leben durch unser Handeln bedrücken. Wo wir an uns selber zweifeln, wo wir Bedrückung erleben, wo wir Unabänderliches hinnehmen müssen, da zeigt uns Jesus Christus, dass es nichts gibt, was uns aus der Hand Gottes reißen kann, nicht einmal der Tod. Jesus zeigt auf dem ganzen Weg seines Lebens, dass es sich lohnt, Vertrauen zu Gott zu haben, von ihm etwas zu erwarten. Neues Licht in jedem Dunkel ist möglich. Jesus zeigt es. Er selber ist dieses Licht, das in seiner Geburt seinen Anfang nahm und nicht auszulöschen ist, weder durch die Bosheit von Menschen, noch durch blendendes Leben, das mehr verspricht, als es selber zu geben vermag. Die heilsame Gnade Gottes, mit der unser Leben und Heil steht und fällt, ist strahlend hell aufgegangen und gibt nun allen Menschen das Licht. Ein strahlender Satz fürs Leben. Das zweite dieses Verses, was mir gerade zu Weihnachten bedeutsam erscheint, ist, dass hier davon gesprochen wird, dass diese Gnade Gottes allen Menschen das Licht gibt. Hier werden keine Ausnahmen gemacht. Allen Menschen gilt dieses Licht, alle Menschen sollen damit in Kontakt kommen, jeder darf sich von diesem Licht Gottes angesprochen fühlen. Das ist wirklich universal gemeint. Nicht nur ich, nicht nur die Menschen, die zur Kirche gehen, nicht nur die westliche industrialisierte Welt, nein alle Menschen stehen unter diesem Licht. Das hat zwei Seiten: Wirklich jeder darf sich von Gott angenommen wissen, jeder darf der Gnade Gottes, dieser unverdienten Zuwendung Gottes gewiss sein. Ich muss mich nicht ausschließen, weil ich meine, zu gering zu sein. Ich darf dieser Zuwendung gewiss sein, denn sie gilt auch mir. Das Licht leuchtet auch in meinem Leben, es leuchtet für jeden von uns. Die andere Seite dazu ist die, dass wir erkennen, dass auch der Andere, die Andere im Lichte Gottes steht. Weihnachten macht aus jedem meiner Mitmenschen ein geliebtes Kind Gottes, denn Gott wurde für jeden neben mir Mensch. Darum zählen in der Achtung des andern auch nicht meine eigenen Gedanken. Gottes Gnade sagt ja zu ihm. Und das führt auf der anderen Seite dazu, dass dieses Ja auch mein Ja zu ihm, zu ihr sein kann. Gottes Gnade will uns bewegen, unsere Gottlosigkeit und unsere vergänglichen Wünsche hinter uns zu lassen. Sie will, daß wir mit klarem Geist, in Gerechtigkeit und Glauben leben, solange wir in dieser Welt sind. So hieß es in dem biblischen Text. Gottlosigkeit hieße: Gottes Gnade für alle Menschen nicht anzunehmen, sie zu leugnen im eigenen Verhalten, das den anderen klein und nichtig macht. Im Angesicht der gescheiterten Klimakonferenz heißt das, das die starken Nationen die Angst und die Not der kleinen und schwachen Staaten nicht wahrgenommen haben. Wir können nicht immer auf Kosten der kleinen unseren Wohlstand und unsere Art zu leben weitermachen, nur weil die andern weit weg sind. Sie gehören als Geschwister zu unserem Leben dazu. Das ist so in der globalen Welt, in der die Menschen sehr eng zusammengerückt sind. Die Gnade Gottes will, dass wir mit klaren Geist leben. Das heißt, das die Erkenntnisse auch umgesetzt werden müssen. Das als notwendig erkannte, muss uns zu Taten führen, damit Zukunft möglich ist: für die Eisbären, für die Inselbewohner, für die Armen und die Reichen, für unsere Urenkel, denen wir in den letzten Jahrzehnten schon so viel Lasten auflegen, ohne dass sie schon geboren sind. Gottes Geist will dass wir in Gerechtigkeit leben. Gerecht soll sein, was wir tun, wie wir leben. Oftmals leben wir nur so, dass wir unseren Wünschen gerecht werden und die anderen aus dem Blick verlieren. Und so denken die Nationen kurzsichtig nur an die eigenen Wünsche und Ziele, und verlieren dabei die Zukunft der kleinen, aber letztlich auch die eigene Zukunft aus dem Blick. So klingt der Aufruf des Titus hoch aktuell: Sie will, dass wir mit klarem Geist, in Gerechtigkeit und Glauben leben, solange wir in dieser Welt sind. Der Glaube ist nicht religiöses Rückzugsfeld, das zu Weihnachten die Herzen wärmt und ansonsten recht bedeutungslos ist. Ganz im Gegenteil: das Kind in der Krippe treibt uns an, durch seinen Geist der Gerechtigkeit in der Welt Raum zu geben. Der Glaube ermutigt uns dazu, solange wir in dieser Welt leben, alles dazu zu tun, dass alle Menschen Anteil erhalten an dem Licht, das Gott gebracht hat. Und das im ganz persönlichen Bereich, wo wir für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung eintreten und im politischen Bereich, wo wir mithelfen können, dass lichtvolle Wege beschritten werden. Mit klarem Geist in Gerechtigkeit und Glauben zu leben, ist tägliche Anstrengung, ist tägliche Arbeit. Und gerade die kleinen Schritte, die dazu nötig sind, sind oftmals die schwierigsten. Aber auch der Weg Jesu Christi hat klein angefangen, als Kind in einfachsten Verhältnissen. Das kann ein Vorbild sein für unsere kleinen Schritte. Die großen Worte der Weihnachtsbotschaft des Titus werden damit zu einer Überschrift für unser Leben. Es ist die Botschaft von der wir ausgehen, die uns trägt in unserem Leben und die uns anspornt, die Gnade Gottes für alle Menschen sichtbar zu machen. Das Licht strahlt schon. Wir müssen nicht die Quelle des Lichtes sein, aber wir dürfen den großen Schein der Heiligen Nacht weitertragen, nicht nur an Weihnachten, sondern an jedem Tag unseres Lebens. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 45,1-4 Psalm 96 Eingangsliturgie Gebet EGb 257 Gebet 3 Lesung Joh 1, 1-14 Glaubensbekenntnis Lied 30,1-4 Predigt Lied 56,1-5 Abkündigungen Fürbittengebet Gütiger Gott! Der Kalender sagt uns, dass das Weihnachtsfest zu Ende geht. Noch klingt es in uns und unserer Umgebung, doch auch der Alltag will uns schon wieder einnehmen. Darum bitten wir dich, lass das Fest deiner Geburt weiter in uns leuchten. Lass es Weihnachten bleiben in der jetzigen Weihnachtszeit, die vor uns liegt. Dein Stern möge uns führen auf dem Weg durch unser Leben, auf dass wir das rechte Ziel vor Augen haben. Erfülle uns mit deinem Geist, dem Geist der Liebe und des Friedens, der Versöhnung und des Verständnisses, auf dass wir einander die Liebe und Versöhnung schenken, dass wir im Verständnis füreinander den Frieden leben. Lass deine Gerechtigkeit Leitbild unseres Handelns sein, auf dass jeder Mensch empfängt, was er zum Leben braucht. Hilf uns diese Welt als ein ganzes zu sehen, als deine gute Schöpfung, die du uns in die Hand gegeben hast, auf dass wir sie verantwortungsvoll bebauen und bewahren. Schenke uns den Glauben, der im Stall seinen Anfang nahm, im Leben Jesu sein Vorbild hat, im Kreuz seine Tiefe gewinnt und an Ostern seine ewige Hoffnung. Erfülle uns mit diesem Glauben, der uns trägt durch Zeit und Ewigkeit. Vaterunser Segen 44
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