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Ps 121 und Röm 8,31b-39

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?

Bekannte Worte des 121. Psalms. Heute ist Silvester, Jahresschlussgottesdienst. Zeit des Innenhaltens und der Rückschau.

Haben Sie in diesem Jahr diese Worte gesagt, gedacht, gebetet: Woher kommt mir Hilfe? Haben Sie in diesem Jahr Berge vor Augen gehabt, die sich als Sorgenberge vor ihnen aufgetan haben?

Die großen politischen Themen des Jahres waren: Wirtschaftskrise und damit verbunden Zukunftsängste. Drohende Arbeitslosigkeit, Firmenstilllegungen, Firmenverkäufe, staatliche Abwrackprämien, die aber die Probleme nur verschoben haben.

Sind diese Themen auch bei uns ganz persönlich angekommen? Was waren unsere Themen, wo der Satz: Woher kommt mir Hilfe? ausgesprochen oder gedacht wurde.

Ich habe an so manchem Krankenbett gesessen in diesem Jahr. Auch am Sterbebett einer 28jährigen Frau. Woher kommt Hilfe? Es gab menschliche Hilfe, es gab menschliche Erleichterung, es gab Liebe und Zuwendung, doch es gab keine Zukunft hier auf Erden. Unsere menschlichen Möglichkeiten waren so begrenzt. Und das erleben wir nicht nur am Kranken und Sterbebett. Das erfahren wir auch an anderen Stellen unseres Lebens. Die Berge des Lebens sind nicht nur mit eigener Kraft zu überwinden.

Die Worte des 121. Psalms stehen am Anfang eines neuen Lebensweges. Es ist ein Wallfahrtspsalm. Der Wallfahrer, der in Jerusalem war, um seinen Glauben zu stärken, steht am Tor der Stadt, die Berge um Jerusalem vor Augen. Er weiß, da lauern Gefahren und das Leben, das kommt, wird seine schwierigen Seiten nicht verbergen. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

Und dann wie eine Selbstermutigung: Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Für Außenstehende mag das Klingen wie ein Satz des alten Münchhausen, der versucht, sich selber aus dem Wasser zu ziehen. Für mich als Glaubenden ist das eine wichtige Form mit dem umzugehen, was mich hilflos macht.

Ich erkenne meine Grenze, ich erkenne, dass da etwas vor mir liegt, was mich schwach macht, was mich Kraft kostet. Es ist etwas, das mir Angst macht, was mich unsicher sein lässt. Man kann es aber auch anders sagen: Wo ich Hilfe brauche, da wird meine Menschlichkeit deutlich. Unsere Menschlichkeit liegt nämlich darin, dass wir begrenzt sind in unseren Möglichkeiten, dass wir nicht alles alleine zu lösen vermögen, obwohl wir das gerne möchten. Aber gerade darin sind wir  Menschen, dass wir eben nicht in allem der Herr sind und auch nicht in allem der Herr sein müssen.

Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. In der Situation der Hilflosigkeit, der Begrenztheit des Lebens, muss ich mich loslassen und anvertrauen. Doch der Vers zeigt, dass es nicht darum geht, sich irgendeinem Schicksal anzuvertrauen, oder allein darauf zu vertrauen, dass es in dieser Situation schon irgendwie weiter geht, sondern es wird ein klares Gegenüber genannt. Das ist der Herr, der als Schöpfer des Himmels und der Erde geglaubt wird. Wie gesagt, nicht ein namenloses, irgendwie höheres Gegenüber steht da vor Augen, sondern der Gott, der sich dieser Welt gegenüber verantwortlich sieht, weil er sie als Schöpfer und Erhalter in seinen Händen hält.

Als Christ höre ich in diesem Satz natürlich noch mehr. Gott ist nicht nur Schöpfer und Erhalter des Lebens, sondern der Vater, er in Leben, Sterben und Auferstehen des Sohnes deutlich gemacht hat, wie er den Menschen gegenüber steht. Und er ist auch der Geist, der uns durchdringt und stark macht zu dem, was nötig ist.

Wenn Gott für uns ist, wer kann dann schon gegen uns sein? Er ist in seiner Liebe so weit gegangen, dass er sich selbst in Jesus in den Tod gegeben hat, für uns, damit wir erkennen, dass er selbst in der aussichtslosesten Situation gegenwärtig ist, selbst im Zunichtewerden des eigenen Lebens. Warum als sollte er uns mit ihm, dem er doch das neue Leben geschenkt hat, nicht auch uns alles schenken, was wir für unser Leben nötig haben?

So haben wir vorhin, wenn auch mit etwas anderen Worten, die Gedanken des Paulus vernommen.

Diese Worte sind gleichsam eine Auslegung des Anfanges des 121. Psalms. Meine Hilfe ist Gott, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn er für uns ist, was kann es dann geben, was wirklich gegen uns ist, was uns daran hindert im Leben nach vorne zu schauen?

Hilfe zum Leben, Hilfe zum Überwinden der Berge liegt im Vertrauen. Genauer im Vertrauen darauf, dass Gott das Leben begleitet, dass er es hilfreich durchzieht. Das klingt immer nach ganz wenig. Wir mögen es im Leben lieber handfester, möchten etwas zeigen können, anfassten können, um diese Hilfe darstellen zu können. Die von Bildern geprägte Welt will etwas sehen. Wir haben aber nichts weiter als das Wort der Bibel und die Hoffnung darauf, dass diese Worte tragen.

Aber dann gibt es auch immer wieder Situationen, die diese Hoffnung schmälern. Es kommen uns Zweifel, denn die Kraft ist nicht zu spüren, wenn man wieder einmal ratlos vor all dem steht, was das Leben so bringt. Es kommen Zweifel auf, wenn die roten Zahlen auf dem Kontoauszug wieder so groß sind,  wenn die 30. Bewerbung zurückgeschickt wird, wenn andere mich mobben oder meiden. Die Zweifel überfallen einen, wenn die Probleme der eigenen Firma so groß sind, dass in der Öffentlichkeit schon über die Insolvenz nachgedacht wird. Sie überfallen uns, wenn wieder einmal ein Befund das Gesicht des Arztes sehr ernst werden lässt.

Und wie ist das, wenn man abends allein zuhause sitzt, das Bild eines Menschen das einzig Sichtbare von ihm ist und die Erinnerung weh tut und die große Einsamkeit das Herz aufzufressen droht? Dann sind sie da, die Berge und die Zweifel. Bin ich nicht doch ganz allein?

Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn Gott für uns ist, was kann dann gegen uns sein? Worte, die andere gesagt haben, Menschen, die auch die Tiefen des Lebens durchschritten haben, Worte die nicht aus uns selber kommen müssen, weil wir sie nicht sagen können in solchen Situationen. Aber es sind Worte, an denen wir uns dann festhalten können, Worte, die uns auf den Weg bringen, damit wir nicht stecken bleiben in unseren oft so trüben Gedanken. Der Blick auf den Berg des Lebens bleibt uns gewiss nicht erspart, aber wir haben einen Halt, der uns in bei diesem Blick hilft, angesichts der Berge nicht zu resignieren. Wir wissen, woher unsere Hilfe kommt, wir vertrauen dem, der die tiefen Täler selber durchschritten hat und deshalb hindurchführen kann.

Paulus schreibt: Wer will uns denn trennen von der Liebe Gottes? Meint ihr wirklich, dass die Trübsal, die ihr erlebt, euch von Gottes Liebe trennt? Oder die Angst, die einen befällt, wenn die Zukunft unsicher wird? Meint ihr, dass Neider und Hasser diejenigen sind, die euch den Halt nehmen können? Meint ihr dass wirtschaftliche Not wirklich euer Leben und eure Bedeutsamkeit in Frage stellt, oder eure Fehler und eure Schuld? Meint ihr, dass die Gefahr, das Leben zu verlieren, euch von Gott trennen wird?

Nein, ich bin gewiss, dass es nichts in diesem Leben gibt, das uns von der Liebe Gottes Trennen kann. Das schafft der Tod nicht, der doch sonst alles zunichte machen kann, und das schafft das Leben nicht, das uns so viele Anreize gibt, eigensüchtig ohne Gott zu leben. Da mögen Mächte kommen, die himmlisches Versprechen, da mögen Mächte sein, die bedrohlich irdisch sind, da mag es vieles geben, was jetzt bedrückt und das Leben jetzt dunkel und wenig lebenswert macht, da mag es in der Zukunft einiges geben, das das Leben belastet, und uns heute schon mit Sorge erfüllt, da mag es teuflisch schönes und teuflisch schreckliches geben, das uns entgegenkommt – doch all das kann uns nicht trennen von der Liebe Gott, die Jesus Christus in seiner Person den Menschen gebracht hat.

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn dieser Gott für mich ist, dann kann niemand gegen mich sein. Wenn dieser Gott für uns ist, dann kann niemand gegen uns sein.

Wenn ich bisher eher negative Beispiele gegeben habe, so liegt das natürlich an dem Anfangssatz mit der Frage nach der Hilfe im Leben. Diese Frage wird in den schwierigen Situationen des Lebens laut. In der Antwort darauf liegt eine ganz wichtige Hilfe in den dunklen Tagen des Lebens, wenn wir uns einfach immer wieder laut sagen: meine Hilfe liegt bei Gott. Er ist für mich da. Und das lass ich mir nicht nehmen, das kann mir niemand nehmen.

Und gleichzeitig liegt in diesem Wort in den guten Zeiten des Lebens ganz viel Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass Gott Hilfe war, dass er trotz mancher vermeintlich gegenteiligen Erfahrungen, mit seiner Liebe geführt hat, dass er motiviert und aufgerichtet hat, dass er Freude bereitet hat in dem, was in meinem Leben gewesen ist.

Manchmal brauchen wir nur Augen, dies zu sehen. So wie der gläubige Mann, der während einer Flut in seinem Hause blieb, darauf vertrauend, dass Gott ihm als gläubigem Menschen schon helfen werde. Als das Wasser höher stieg, ging er auf das Dach des Hauses. Ein Boot kam vorbei, man wollte ihn retten; er aber sagte, nein, ich bleibe, Gott wir mich schon retten. Das Wasser stieg weiter; der Mann stieg auf den Schornstein. Wieder kam ein Boot vorbei, das ihn retten wollte und wieder sagte der Mann: nein, ich bleibe, Gott wird mich schon retten. Als das Wasser ihm schon am Hals stand kam ein Helikopter, der ihn sah und wollte ihn retten: Und wieder sagte er: nein, ich bleibe, Gott wir mich schon retten. So starb der Mann. Bei Gott angekommen beschwerte er sich: Ich war so ein gläubiger Mensch; doch du hast mich nicht gerettet. Da sprach Gott: "Ich habe dir zwei Boote und einen Hubschrauber geschickt, du aber wolltest dich nicht retten lassen."

In diesem Sinne wünsche ich ihnen ein Jahr, in dem sie - gleich was auf sie zukommen wird – vertrauensvoll sagen können: Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Dazu ermutigt uns auch die Jahreslosung für das Jahr 2010: Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und mich. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 63,1-3+6

Psalm 121

Eingangsliturgie

Gebet EGb S. 265 Gebet 2

Lesung Röm 8, 31b-39

Lied 65,1,2,5,6

Lesung Lk 12, 35-40

Glaubensbekenntnis

Lied: L 17 Unsre Hilfe ist Gott

Predigt

Lied: 229,1-3

Abendmahl

Gott unser Vater!

Du begleitest unser Leben, du bist väterlich und mütterlich für uns da. Selbst dort, wo wir dich nicht erkennen, warst du gegenwärtig als mitleidender, tragender und stärkender Gott. Dafür wollen wir dir danken, dafür wollen wir dich loben und preisen. Großer Gott, wir loben dich.

331,1+2

Herr Jesus Christus.

Dir wollen wir vertrauen auf unserem Weg im neuen Jahr. Dir wollen wir uns anvertrauen und mit deiner Hilfe nach vorne sehen. Geleite uns mit deiner Kraft, deinem Vertrauen und deiner Liebe. Stärke uns dazu mit deinem Heiligen Mahl.

Einsetzungsworte

Heiliger Geist, erfülle uns und erneuere uns. Lass uns gestärkt unsere Wege ziehen, im Vertrauen zum lebendigen Gott, in der Liebe zu den Menschen, in der Hoffnung auf gute Zukunft.

Vaterunser

Jahreslosung als Sendungswort

Lied: 58,1,2,6,7,11

Abkündigungen

Fürbittengebet

Gott, wir nehmen Abschied vom alten Jahr!

In deine Hände legen wir alles hinein, was misslungen ist. Nimm in deiner Liebe unsere Schuld, unsere Unzulänglichkeiten, unseren Ärger, unsere Lieblosigkeit, unseren Frust, unsere Hartherzigkeit bei dir auf. Schenke uns deinen Frieden, dass wir nicht mit dem hadern angesichts dessen, was war und unser Herz beschwert. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

In deine Hände legen wir alles hinein, was gelungen ist.
Nimm in deiner Liebe  unsere Freude, unseren Dank, unser Glück, unsere Erfolge, unsere Hilfsbereitschaft, unsere Warmherzigkeit bei dir auf. Schenke uns deinen Frieden, dass wir nicht wehmütig werden angesichts des Guten, das war. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Gott, öffne uns für das neue Jahr, dass wir mit Zuversicht in die unbekannte Zukunft blicken; dass wir das Hoffen nicht verlernen oder neu erlernen; dass wir darauf vertrauen können, dass du bei uns bist und deine Liebe niemals endet. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Dir befehlen wir uns und alle Menschen an, die uns nahe stehen, dir vertrauen wir die Menschen an, die ferner sind und deine Hilfe dringend brauchen. Dir vertrauen wir die kommende Zeit an: mache sie zu deiner Zeit in der wir Menschen aus deiner Fülle schöpfen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

In deine Hände legen wir unser Leben. Denn du Gott bist unsere Hilfe an jedem Tag, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

L 58 Möge die Straße

Segen

44

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe

31. 12. 2009

Liturgischer
Ablauf
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