| Predigt |
NT |
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Was sollen wir dazu sagen? Ist das nicht ungerecht von Gott? Keineswegs. (Wer will ihm das Recht nehmen, zu tun, was er will?) Er sagt zu Mose: »Freundlich bin ich zu dem, dem ich freundlich bin, wem mein Erbarmen gilt, dem gilt mein Erbarmen.« So liegt es also nicht am Wollen und Laufen des Menschen (ob er Gottes Freundlichkeit findet), sondern am Erbarmen Gottes. Andererseits steht in der Schrift, Gott habe über den Pharao (als er dem jüdischen Volk die Freiheit verweigerte) gesagt: »Ich habe dir deine Entscheidung (gegen die Juden) vorbestimmt, weil ich an dir (und deinem Untergang) meine Macht zeigen will und die Völker mich kennenlernen sollen überall auf der Erde.« So schenkt Gott seine Freundlichkeit, wem er will, und macht hart und unzugänglich, wen er will. Nun sagst du: Warum beschwert er sich dann über uns? Wer kann denn seinem Willen widerstehen? "Du kleiner Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Das Werk kann ja nicht zu seinem Bildner sagen: Warum machst du das und das aus mir? Ist der Töpfer dem Erdklumpen gegenüber nicht frei? Kann er nicht, wenn er will, aus derselben Masse ein schönes Gefäß gestalten, das er zur Zierde aufstellt, und ein hässliches, das er wegwirft? Nun aber wollte Gott (auf der einen Seite) seine Macht, Gericht zu halten, erweisen und zeigen, wozu er die Freiheit habe, und so ertrug er mit großer Geduld die zur Vernichtung bestimmten, dem Gericht verfallenen Gefäße und tat (auf der anderen) den Reichtum seiner Herrlichkeit kund an den Gefäßen, deren er sich erbarmte und die er zur Herrlichkeit bestimmt hatte. Zu diesen hat er auch uns berufen nicht nur aus dem Volk der Juden, sondern auch aus anderen Völkern. Text aus Jörg Zink Neues Testament
Was ist gerecht? So fragen wir Menschen immer wieder in unserem Leben. Was ist gerecht? Ist es gerecht, dass in Bochum tausend Menschen arbeitslos werden, damit Aktienkurse in die Höhe schnellen und wenige ein gutes Geschäft machen? Ist es ungerecht, dass in Bochum die Arbeitsplätze verlorengehen, in Rumänien aber nun tausend Menschen die Chance haben, einen festen Arbeitsplatz zu bekommen und ein Stück mehr vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren? Ist es gerecht, dass Menschen an unterschiedlichen Standorten in der Welt für dieselbe Arbeit unterschiedlichen Lohn bekommen und die Ausbeutung der Armen immer mehr im Trend der Wirtschaftsunternehmen liegt? Ist es gerecht, wenn in der Bildungspolitik immer fleißig gespart wird und man dann harte Strafen fordert für die Jugendlichen, die mehr Begleitung brauchen? Ist es gerecht straffällig gewordene Kinder wie Jugendliche zu behandeln? Ist es gerecht, wenn Vorsorge sich später nicht mehr auszahlt als ein mehr auf dem Konto? Ist es gerecht, wenn der Staat sagt, wer für sich selber sorgen kann, braucht nicht unsere Hilfe und dabei diejenigen trifft, die nicht in den Tag hinein gelebt haben? Man könnte die Liste der Fragen unendlich weiter schreiben. Wir bräuchten nur die Tageszeitung aufschlagen und hinter vielen Artikeln steht die Frage: Was ist gerecht? Nun sind wir hier in der Kirche. Wir stellen diese Frage im Angesicht Gottes. Und auch da taucht diese Frage immer wieder auf: Wie gerecht ist Gott? Wie erlebe ich mein Leben im Gegenüber zu Gott, wie erlebe ich es in seinen verschiedenen Facetten im Blick auf Gott. Wie gerecht geht es da zu? Den Bösen geht es gut, den Guten geht es schlecht, so erleben es viele Menschen, und fangen dann an, an Gott zu zweifeln. Die Psalmen sind voll von solchen Fragen. Oder wie haben vorhin dieses Evangelium gehört von den Arbeitern im Weinberg, wo es ja auch darum ging, wie Gott handelt – in unseren Augen einfach ungerecht, wenn er den allen gleich viel gibt, auch wenn sie unterschiedlich lange gearbeitet haben. Wenn Gott den einen vor dem anderen vorzieht, ist das nicht ungerecht von Gott? fragt Paulus im Sinne derer, die hier kritisch mit Gott ins Gericht gehen wollen. Keineswegs, antwortet er sofort. Und weiter schreibt er: Gott sagt zu Mose: »Freundlich bin ich zu dem, dem ich freundlich bin, wem mein Erbarmen gilt, dem gilt mein Erbarmen.« So liegt es also nicht am Wollen und Laufen des Menschen (ob er Gottes Freundlichkeit findet), sondern am Erbarmen Gottes. Zunächst einmal gilt die Erfahrung der Bibel: Gott handelt frei. Wer will Gott das Recht nehmen, zu tun, was er will. Gottes Handeln ist nicht hinterfragbar von uns Menschen. Er ist Gott, wir sind seine Geschöpfe, wir stehen mit ihm nicht auf einer Stufe, dass wir ihn zur Verantwortung ziehen könnten. Wir Menschen machen uns das oft nicht klar, wenn wir diese Fragen stellen. Wir tun immer so, als ob das möglich wäre aus unserer Sicht. Schon Hiob konnte seine kritischen Gedanken äußern, musste jedoch feststellen, dass er letztlich als Geschöpf Gottes seine Macht anerkennen müsse. Das war für ihn keine leichte Erkenntnis und ist es gewiss auch für uns nicht. Denn es heißt, sich selber anders zu sehen, es heißt seine vermeintliche Macht abzugeben. Ich bin nicht in der Lage Gott Vorschriften zu machen, ich muss sein Wirken anerkennen als das Wirken des großen Gottes. Ich muss es nicht verstehen, ich muss nicht immer einen Sinn sehen, und doch muss ich es anerkennen, dass Gott größer ist als ich selber. Im Positiven kann ich das nur, wenn ich letztlich Vertrauen habe, dass Gott ein gütiger und barmherziger Gott ist, dass er ein mir und die Menschen zugewandter Gott ist. Das darf ich erkennen in Jesus Christus und seinem Tun. Darin kann ich es entdecken, dass die Menschliebe das wichtigste Kennzeichen unseres Gottes ist. Zu diesem Vertrauen gehört für mich dann noch etwas anderes: nämlich dass nicht meine Beurteilung von gerecht und ungerecht der Maßstab ist, sondern dass ich Gott auch zutraue, dass er auf krummen Linien gerade schreibt. Es gibt so vieles, wo wir Menschen sagen würden, das ist ungerecht, das ist nicht recht und richtig, dass dies geschieht. Und viele Menschen würden das mit uns so sehen. Aber weiß ich denn, ob Gott darin nicht etwas ganz anderes sieht. Ist die Krankheit nur Leid? Ist der Tod nur tragisches Ende? Ist die von uns als ungerecht beurteilte Lebenssituation wirklich ungerecht, oder liegen darin Lebenschancen, die anders nicht möglich wären und nur auf diesem, wenn auch schweren Weg ermöglicht werden können? Ich weiß, es braucht viel Gottvertrauen, um in der entsprechenden Situation nicht im Hader stecken zu bleiben. Es braucht Kraft die Durststrecke zu überwinden, um das Licht am Horizont und die darin liegende Nähe Gottes zu erkennen, ja vielleicht erkenne ich sie nie. Und doch bleibe ich dabei: Wir können nicht mit Gott rechten, wir können ihm wohl unser Leid klagen, wir können die Ungerechtigkeit, wie wir sie sehen, aussprechen und vor Gott bringen, doch immer begleitet von dem Nachsatz, den Jesus vor seinem Tod im Garten Gethsemane in seiner Angst auch für sich so gesagt hat: doch nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille. Gläubiges Beten lässt Gott den Raum seinen Willen zu tun und diesen Willen hoffnungsvoll anzuerkennen, so schwer das auch immer sein mag. Paulus erörtert auch noch einen zweiten Gedankengang, der eng mit dem ersten zusammen hängt. Paulus gestaltet ja ein fiktives Gespräch in dem Brief und er lässt die kritischen Stimmen nun sagen: Wenn Gott nach den Aussagen des Alten Testamentes die einen mit seiner Freundlichkeit bedenkt und andere hart und unzugänglich macht, wie z.B. den Pharao, der die Israeliten nicht aus Ägypten ziehen lassen will, dann darf sich Gott doch nicht beschweren. Wenn wir so nach seinem Willen sind, dann sind wir eben so. Wer so denkt, der versucht, von seinen eigenen Möglichkeiten abzulenken. Es ist richtig: Gott hat uns gemacht, so wie er wollte. Er hat uns mit Gaben und Möglichkeiten ausgestattet, mit denen wir unser Leben gestalten. Angefangen von dem äußeren, das uns mitgegeben ist, bis hin zu Fähigkeiten, die uns eigen sind: handwerkliches, technisches, künstlerisches Verständnis, aber auch das fröhliche oder traurige, ruhige oder hektische Wesen. Vieles ist uns mitgegeben, woran wir nicht viel ändern können, wo uns Grenzen gesetzt sind. Aber das heißt eben nicht, dass wir uns nun, gleichsam als Richter hinstellen könnten, der dann zu Gott sagt: du hast uns so geschaffen, nun hast du auch kein Recht über uns zu richten. Ja, wir sind geschaffen von Gott, unterschiedlich, jeder ein Unikat, einmalig. Und wir haben die Möglichkeit als Menschen auf unserem Lebensweg mit Gott zu gehen oder ohne ihn. Natürlich können wir uns ihm in den Weg stellen, wir können gegen ihn handeln, wir können uns von ihm abwenden. Aber das ist das unser Tun und Handeln, nicht Gottes. Paulus schreibt: Gott uns hat zur Herrlichkeit gerufen. Als Menschen die Christus vertrauen, dürfen wir uns dies sagen lassen, in der Taufe ist es uns sogar ganz persönlich zugesagt: Du bis mein Kind, du bist in meiner Hand, unter meinem Schirm und Schutz. Wir glauben die Gemeinschaft der Heiligen, also die Gemeinschaft derer, die Gott berufen hat durch den Zuspruch seiner Gnade. Von Gott her ist alles geschehen, was möglich war, um uns auf seinen Weg zu bringen. Nun liegt es an uns, diesen Weg zu beschreiten, mit Gott diesen Weg zu gehen, uns von ihm führen zu lassen, ihn leiten zu lassen. Zur Herrlichkeit berufene sind wir, machen wir also das unsere daraus dies auch zu erkennen, davon zu leben. Darin liegt unsere Antwort auf diese wunderbare Zusage Gottes, dass er uns Erbarmen schenkt. Und da sind wir dann wieder am Anfang der Frage nach der Gerechtigkeit. Wir können nicht einfach sagen, Gott handelt eben mit dem einen so und dem anderen so, da haben wir nichts zu zu tun. Natürlich gibt es viele Bereiche, in denen wir annehmen müssen, wie Gott uns durchs Leben führt. Aber an vielen Stellen ist es dann auch an uns, die Gerechtigkeit weiter zu geben, die nötigt ist damit Menschen in dieser Welt entsprechend leben können. Da gilt es wirklich Verantwortung zu übernehmen für Menschen, die in einem Betrieb von den Entscheidungen abhängig sind. Wir dürfen mit Arbeitskräften nicht einfach so umgehen, als seien sie Gegenstände, die man beiseite legen kann. Und gleichzeitig gilt es auch die Verantwortung für die Menschen in den Armutsländern zu sehen, hier menschliche Gerechtigkeit zu üben in einer globalen Welt, wo jeder das Recht zum Überleben haben sollte. Unser Strafsystem muss in angemessener Weise gerecht handeln: eine Untat muss Strafe nach sich ziehen, gleichzeitig muss der Mensch gesehen und in ein soziales Handeln zurückgeführt werden, das nicht auf Drill und Gehorsam basiert, sondern auf anderen Werten. Denn Drill und Gehorsam hatten wir auch im Dritten Reich und das darf nicht Maßstab für unser Handeln sein. Die Sorge für die Menschen, die Sorge für die gute Entwicklung der Kinder muss eine uns immer wieder umtreibende und begleitende Sorge sein. Wir dürfen nicht verfallen in den Gedanken, die sind so und bleiben so, um dann jegliches hilfreiches Handeln beiseite zu schieben. Berufen zur Herrlichkeit das gilt allen Menschen. Und, um die Beispiele vom Beginn der Predigt alle aufzunehmen, wir müssen eine soziale Versorgung aller sicher stellen, Armut sollte sich in einem so reichen Land nicht weiter ausbreiten und gleichzeitig soll die persönliche Vorsorge auch Anreiz sein, Eigenverantwortung frühzeitig wahrzunehmen. Auf Kosten der anderen zu leben, weil man selber nicht bereit zu eigenem Tun ist, hat nichts damit zu tun, dass Gott manchem nur geringere Möglichkeiten hat zuteil werden lassen. Was ist gerecht? Diese Frage lässt sich nie allgemein beantworten. Wir Menschen werden in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Antworten finden. Wichtig aber ist, dass wir im Rahmen unserer menschlichen Möglichkeiten, den Menschen zukommen lassen, was ihnen hilfreich ist, und dass wir Gott das Vertrauen zu kommen lassen, dass er an uns recht und richtig, und aus seiner Sicht gerecht und barmherzig handelt. Dazu gebe uns Gott seinen Geist. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 165, 1+3+7+8 Gott ist gegenwärtig Psalm 32 Eingangsliturgie Gebet Lesung: Röm 9, 14-25 Lied 355, 1-4 Mir ist Erbarmung widerfahren Lesung: Mt 20, 1-16a Glaubensbekenntnis Lied: 409,1-6 Gott liebt diese Welt Predigt Lied: 262, 1,2,5-8 Sonne der Gerechtigkeit Abkündigungen Fürbittengebet: Vaterunser Segen 163
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