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Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Der auch seinen
eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle
dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer
will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Christus Jesus ist hier, der
gestorben ist, ja vielmehr der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes
ist und uns vertritt. Wer will uns trennen von der Liebe Christi? Trübsal
oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder
Schwert? Es heißt doch: Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag;
wir sind geachtet wie Schlachtschafe.
Aber wir werden dies alles weit überwinden durch den, der uns geliebt hat.
Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte
noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch
Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Ein gewaltiger Text, dieser Abschnitt aus dem letzten Brief des Apostel
Paulus, den er an die Christen in Rom geschrieben hat. Er steht wie ein
Fels in der Brandung, hier scheint es nichts zu geben, was diese Gedanken
umwerfen kann. Gut so, denn vielleicht sind es dann ja auch Gedanken, an
denen wir uns festhalten können, die uns hilfreich sein können für den Weg
ins neue Jahr.
Silvester, Neujahr, das sind ja immer Tage des Rückblickes, aber vor allem
auch der Vorausschau. Jeder von uns, wie er oder sie hier sitzt, wird das
in ganz anderer Weise tun. Manche von uns sehr global. Wie wird das
weitergehen in der Politik? Was wird sich ändern, welche Belastungen
werden neu auf uns zukommen? Welche Veränderungen wird es geben? Welche
Einschränkungen und Belastungen wird man uns noch auferlegen?
Oder die Vorausschau ist ganz persönlich: Arbeitsplatz,
Wirtschaftssituation, Rente, Ausbildung, Gesundheit, Familie, Kinder.
Alles Stichworte, die mit vielen Fragen und Gedanken verbunden sind.
Silvester kommen diese Gedanken, manchmal sehr klar und bewusst, manchmal
nur verschwommen, manchmal nur als unklares Gefühl im Bauch, in der
Sentimentalität dieses Tages und dieses Überganges von einem Jahr zum
anderen. Freuden, Ängste, Wünsche, Hoffnungen, Bedrückungen, Ziele,
Fragen, Gleichgültigkeit. All das gehört hinein in den Gefühlscocktail
dieses Jahreswechsels, der für jeden von uns anders aussieht. Jeder von
uns hat da seine ganz eigenen konkreten Gedanken zu, die an diesem
heutigen Abend vor Augen stehen.
Und nun kommt uns dieser so massive Text des Paulus entgegen. Ist Gott für
uns, wer oder was kann da schon gegen uns sein? Das klingt nach Stärke,
nach Macht. Das klingt nach kraftvollem und getrostem nach vorne gehen
können. Wir haben alle Macht der Welt hinter uns, nichts und niemand kann
uns schrecken oder aus der Bahn werfen. Lasst uns nach vorne gehen, lasst
uns dem neuen Jahr entgegengehen, ihm das Leben in aller Vielfalt
abgewinnen. Und so soll es ja doch auch sein. Mit solchem Mut sollten wir
nach vorne gehen können, das Leben angehen können, das uns da von Gott her
bereitet wird.
Was hält uns eigentlich davon ab, so kraftvoll nach vorne zu sehen, so
gestärkt in ein neues Jahr zu gehen? Oft genug habe ich den Eindruck, dass
uns Menschen diese Kraft fehlt, dass auch wir Christen da nicht anders
sind als alle anderen Menschen. Gerade uns Deutschen wird ja oft
nachgesagt, dass wir sehr nachdenklich, schwarzseherisch sind. Alles, was
uns als Problem vor Augen steht, wird gleich sehr groß und absolut
dargestellt. Da läuft etwas nicht so, wie es sein soll und schon scheint
es so, als sei alles schlecht und schwierig. Es stellt sich etwas in den
Lebensweg, Veränderungen stehen an, es geht nicht mehr so weiter wie
vorher, und schon können wir dem Leben nichts mehr abgewinnen. Unsere
Gedanken vom Leben müssen erfüllt werden, sonst stimmt es nicht, sonst ist
es nicht gut, sonst ist es nicht erfüllt. Vielleicht können Sie dies für
sich oder andere Menschen nachvollziehen. Aber was hilft uns ein solches
Denken? Kommen wir damit weiter in unserem Leben? In der Regel doch nicht.
Wir merken darin doch nur, wie sehr wir uns selber im Wege stehen, wie die
Lebenssituation nur noch schwieriger wird, wie Veränderungen damit nur
noch schwerer zu erwirken sind.
Deshalb bin in dankbar, dass Paulus diesen so kraftvollen Satz geschrieben
hat, dass er so wunderbar hoffnungsvolle Gedanken dazu geäußert hat. Ist
Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Das ist ja eine rhetorische Frage,
die aus der Sicht des Glaubens gar nicht anders beantwortet werden kann
als so: nichts und niemand kann gegen uns sein, wenn wir den auf unserer
Seite haben, der das Leben in seinen Händen hält. Nichts und niemand kann
uns etwas anhaben, wenn wir uns nur von ihm getragen wissen und unser
Leben bei ihm geborgen wissen. Darin liegt die ungeheure Macht und Kraft
des Glaubens, dass wir aus dieser Gewissheit heraus, dem Leben trotzen
können.
Der Glaube weiß sich getragen, weiß sich geliebt von Gott, weil er darauf
vertraut, dass wir Glaubenden als Brüder Jesu Christi ebenso behandelt
werden wie Christus, dass wir durch Christus denselben Stellenwert vor
Gott haben. Wenn Gott schon Mensch wird zu Weihnachten, dann doch nicht,
um nur für sich selber Mensch zu werden, um für sich selber in dieser Welt
Erfahrungen zu machen, sondern doch darum, um dieser Welt, um uns Menschen
zu zeigen, was Gott für uns tun will, was er für uns bedeutet, wie diese
Welt für uns Menschen lebenswert sein kann. Gott wurde Mensch für uns, für
unser Leben, für unsere Zukunft, dafür dass wir begreifen, was wirklich
zählt in dieser Welt.
Wer oder was will uns trennen von dieser Liebe Gottes, die in Jesus
Christus so lebendig geworden ist? Trübsal, nein, denn Gott ist mitten in
der Trübsal gegenwärtig. Im Garten Gethsemane, wo Jesus seine Angst vor
dem Ende ausgesprochen hat, am Kreuz, wo er seine Todesangst in dem Satz:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? herausgeschrieen hat,
da steht er neben uns, dort steht Gott uns zur Seite, darin sind wir Gott
unendlich nahe.
Angst: natürlich haben wir Angst im Leben, vieles macht uns Angst und
Sorge, aber wir vertrauen dem, der den Stürmen der Angst entgegenstehen
kann, der sie in die Schranken weist und uns damit genügend Kraft gibt,
selber dem ängstigenden entgegen zu gehen.
Verfolgung: nun Christenverfolgung haben wir nicht, aber es mag auch
anderes geben, das uns verfolgt, das uns immer wieder ergreift, uns aus
dem Leben reißen will - ich denke da unter anderem an Krankheit, oder auch
an Verleumdung und übler Nachrede. Jesus ist der Verfolgung nicht
ausgewichen, er hat sie angenommen, bis ins Kreuz, aber in der Gewissheit,
dass das Leben durch diesen Weg nicht zu Ende ist, sondern bei Gott
bestehen bleibt.
Hunger: Hunger in der Welt, er spricht so oft gegen Gott. Jesus hat 5000
speisen können, indem er Menschen zum Teilen ermutigt. Und er selber ist
das Brot des Lebens, das Brot, wonach wir suchen, dass unseren
Lebenshunger stillt. Blöße: Ohne etwas dastehen, ohne äußerlich
großartiges im Leben dastehen, nicht richtig vorweisen können im Leben,
oder für den Glauben. Auch Jesus hatte nicht vorzuweisen, sein Leben war
arm, ohne Bleibe, ohne Geld, ohne Macht, und doch so unendlich reich und
vollmächtig mitten in der Armut und Ohnmacht.
Gefahr: Natürlich ist unser Leben immer wieder Gefahren ausgesetzt, es
gibt kein Leben, das nicht auch bedroht ist. Wir sehen es an Jesus, auch
sein Leben war bedroht und es musste sogar leidvoll enden. Trotz aller
persönlichen Angst und menschlichen Not hat Gott jedoch im Schicksal Jesu
gezeigt, das Leben ist viel weit reichender von Gott umfangen, auch mitten
in größter Gefahr.
Schwert: Auch wirklich körperliche Gewalt bedroht unser Leben. Der
Autoverkehr als Haupttodesursache bei äußerer Gewalt und Kriminalität und
Kriege lassen sich nicht leugnen. Uns lässt es fragen nach Gott, nach
seinem Schutz, nach seiner Liebe zum Menschen, vor allem wenn Kinder Opfer
dieses Lebensstiles werden. Doch ist es nicht gerade die Liebe Jesu, die
uns aufruft zu einem verantwortlichen Handeln gegenüber den Menschen, im
Straßenverkehr und auch im Blick auf die Verteilung der Güter. Wir können
das Böse nicht abstellen, es gehört zu unserem Leben dazu, aber die Liebe
Jesu weist uns darauf hin, dieses Böse immer wieder zu überwinden. Wir
Menschen tun das Böse, nicht Gott. Seine Liebe gilt, auch wenn wir uns
dieser Liebe verweigern.
Aus diesem Grund kann Paulus dann vollmundig sagen: Ich bin gewiss, dass
weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder
Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere
Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist,
unserem Herrn.
Zu einem solchen Vertrauen, zu einer solchen Gewissheit möchte ich uns
alle heute Abend ermutigen. Wenn wir jetzt Abendmahl feiern, dann wird uns
in Brot und Wein diese Liebe Gottes symbolisch zugeeignet. Verlassen wir
uns doch einmal, verlassen wir unsere oft so angstvollen und
hoffnungslosen Gedanken, verlassen wir uns auf Gott, auf seine Liebe, auf
seine Nähe, verlassen wir uns auf sein Geleit, das in Jesus Christus so
lebendig geworden ist. Halten wir uns nicht an uns selber fest, sondern an
Gott, dann haben wir einen Fels in der Brandung des Lebens, der hält.
Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 61, 1,2,4-6
Psalm 121
Eingangsliturgie
Gebet EGb 265 - 2. Gebet
Lesung: Lk 12, 35-40
Glaubensbekenntnis
Lied: 63, 1-3
Predigt
Lied: 63, 4-6
Feier des Abendmahles
Gütiger Barmherziger Gott.
Wir schauen zurück auf das vergangene Jahr. Du hast es erfüllt mit deiner
Liebe und Gnade, du hast vieles schöne geschenkt, aber auch manches
Beschwerliche gebracht. Doch du warst an unserer Seite, hast uns Tragen
geholfen, willst uns weiter tragen. Dafür danken wir dir, loben und
preisen mit allen, die je auf dich vertraut haben. Großer Gott wir loben
dich.
331, 1-2
Herr, Jesus Christus.
In deinem Licht durften wir leben. Wir sind dir nicht immer gerecht
geworden, haben vieles versäumt, von dem, was du von uns erwartest. Dafür
bitten wir dich um Vergebung. So stärke uns auf dem Weg ins neue Jahr.
Lass uns darin an dir festhalten, der du für uns da bist, jeden Tag des
Lebens. Einsetzungsworte
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns gegeben hat.
Lass deinen Geist unter uns wirksam sein. Er rühre uns an und stärke uns
für unseren Weg ins neue Jahr. Er leite uns, auf dass wir dein Wort nicht
aus den Augen verlieren und danach leben.
Vaterunser
Sendungswort: Jahreslosung
65, 1,2,5
Abkündigungen
Fürbittengebet
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
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