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Röm 8,31b-39

Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. Wer will uns trennen von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Es heißt doch: Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.
Aber wir werden dies alles weit überwinden durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Ein gewaltiger Text, dieser Abschnitt aus dem letzten Brief des Apostel Paulus, den er an die Christen in Rom geschrieben hat. Er steht wie ein Fels in der Brandung, hier scheint es nichts zu geben, was diese Gedanken umwerfen kann. Gut so, denn vielleicht sind es dann ja auch Gedanken, an denen wir uns festhalten können, die uns hilfreich sein können für den Weg ins neue Jahr.
Silvester, Neujahr, das sind ja immer Tage des Rückblickes, aber vor allem auch der Vorausschau. Jeder von uns, wie er oder sie hier sitzt, wird das in ganz anderer Weise tun. Manche von uns sehr global. Wie wird das weitergehen in der Politik? Was wird sich ändern, welche Belastungen werden neu auf uns zukommen? Welche Veränderungen wird es geben? Welche Einschränkungen und Belastungen wird man uns noch auferlegen?
Oder die Vorausschau ist ganz persönlich: Arbeitsplatz, Wirtschaftssituation, Rente, Ausbildung, Gesundheit, Familie, Kinder. Alles Stichworte, die mit vielen Fragen und Gedanken verbunden sind. Silvester kommen diese Gedanken, manchmal sehr klar und bewusst, manchmal nur verschwommen, manchmal nur als unklares Gefühl im Bauch, in der Sentimentalität dieses Tages und dieses Überganges von einem Jahr zum anderen. Freuden, Ängste, Wünsche, Hoffnungen, Bedrückungen, Ziele, Fragen, Gleichgültigkeit. All das gehört hinein in den Gefühlscocktail dieses Jahreswechsels, der für jeden von uns anders aussieht. Jeder von uns hat da seine ganz eigenen konkreten Gedanken zu, die an diesem heutigen Abend vor Augen stehen.
Und nun kommt uns dieser so massive Text des Paulus entgegen. Ist Gott für uns, wer oder was kann da schon gegen uns sein? Das klingt nach Stärke, nach Macht. Das klingt nach kraftvollem und getrostem nach vorne gehen können. Wir haben alle Macht der Welt hinter uns, nichts und niemand kann uns schrecken oder aus der Bahn werfen. Lasst uns nach vorne gehen, lasst uns dem neuen Jahr entgegengehen, ihm das Leben in aller Vielfalt abgewinnen. Und so soll es ja doch auch sein. Mit solchem Mut sollten wir nach vorne gehen können, das Leben angehen können, das uns da von Gott her bereitet wird.
Was hält uns eigentlich davon ab, so kraftvoll nach vorne zu sehen, so gestärkt in ein neues Jahr zu gehen? Oft genug habe ich den Eindruck, dass uns Menschen diese Kraft fehlt, dass auch wir Christen da nicht anders sind als alle anderen Menschen. Gerade uns Deutschen wird ja oft nachgesagt, dass wir sehr nachdenklich, schwarzseherisch sind. Alles, was uns als Problem vor Augen steht, wird gleich sehr groß und absolut dargestellt. Da läuft etwas nicht so, wie es sein soll und schon scheint es so, als sei alles schlecht und schwierig. Es stellt sich etwas in den Lebensweg, Veränderungen stehen an, es geht nicht mehr so weiter wie vorher, und schon können wir dem Leben nichts mehr abgewinnen. Unsere Gedanken vom Leben müssen erfüllt werden, sonst stimmt es nicht, sonst ist es nicht gut, sonst ist es nicht erfüllt. Vielleicht können Sie dies für sich oder andere Menschen nachvollziehen. Aber was hilft uns ein solches Denken? Kommen wir damit weiter in unserem Leben? In der Regel doch nicht. Wir merken darin doch nur, wie sehr wir uns selber im Wege stehen, wie die Lebenssituation nur noch schwieriger wird, wie Veränderungen damit nur noch schwerer zu erwirken sind.
Deshalb bin in dankbar, dass Paulus diesen so kraftvollen Satz geschrieben hat, dass er so wunderbar hoffnungsvolle Gedanken dazu geäußert hat. Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Das ist ja eine rhetorische Frage, die aus der Sicht des Glaubens gar nicht anders beantwortet werden kann als so: nichts und niemand kann gegen uns sein, wenn wir den auf unserer Seite haben, der das Leben in seinen Händen hält. Nichts und niemand kann uns etwas anhaben, wenn wir uns nur von ihm getragen wissen und unser Leben bei ihm geborgen wissen. Darin liegt die ungeheure Macht und Kraft des Glaubens, dass wir aus dieser Gewissheit heraus, dem Leben trotzen können.
Der Glaube weiß sich getragen, weiß sich geliebt von Gott, weil er darauf vertraut, dass wir Glaubenden als Brüder Jesu Christi ebenso behandelt werden wie Christus, dass wir durch Christus denselben Stellenwert vor Gott haben. Wenn Gott schon Mensch wird zu Weihnachten, dann doch nicht, um nur für sich selber Mensch zu werden, um für sich selber in dieser Welt Erfahrungen zu machen, sondern doch darum, um dieser Welt, um uns Menschen zu zeigen, was Gott für uns tun will, was er für uns bedeutet, wie diese Welt für uns Menschen lebenswert sein kann. Gott wurde Mensch für uns, für unser Leben, für unsere Zukunft, dafür dass wir begreifen, was wirklich zählt in dieser Welt.
Wer oder was will uns trennen von dieser Liebe Gottes, die in Jesus Christus so lebendig geworden ist? Trübsal, nein, denn Gott ist mitten in der Trübsal gegenwärtig. Im Garten Gethsemane, wo Jesus seine Angst vor dem Ende ausgesprochen hat, am Kreuz, wo er seine Todesangst in dem Satz: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? herausgeschrieen hat, da steht er neben uns, dort steht Gott uns zur Seite, darin sind wir Gott unendlich nahe.
Angst: natürlich haben wir Angst im Leben, vieles macht uns Angst und Sorge, aber wir vertrauen dem, der den Stürmen der Angst entgegenstehen kann, der sie in die Schranken weist und uns damit genügend Kraft gibt, selber dem ängstigenden entgegen zu gehen.
Verfolgung: nun Christenverfolgung haben wir nicht, aber es mag auch anderes geben, das uns verfolgt, das uns immer wieder ergreift, uns aus dem Leben reißen will - ich denke da unter anderem an Krankheit, oder auch an Verleumdung und übler Nachrede. Jesus ist der Verfolgung nicht ausgewichen, er hat sie angenommen, bis ins Kreuz, aber in der Gewissheit, dass das Leben durch diesen Weg nicht zu Ende ist, sondern bei Gott bestehen bleibt.
Hunger: Hunger in der Welt, er spricht so oft gegen Gott. Jesus hat 5000 speisen können, indem er Menschen zum Teilen ermutigt. Und er selber ist das Brot des Lebens, das Brot, wonach wir suchen, dass unseren Lebenshunger stillt. Blöße: Ohne etwas dastehen, ohne äußerlich großartiges im Leben dastehen, nicht richtig vorweisen können im Leben, oder für den Glauben. Auch Jesus hatte nicht vorzuweisen, sein Leben war arm, ohne Bleibe, ohne Geld, ohne Macht, und doch so unendlich reich und vollmächtig mitten in der Armut und Ohnmacht.
Gefahr: Natürlich ist unser Leben immer wieder Gefahren ausgesetzt, es gibt kein Leben, das nicht auch bedroht ist. Wir sehen es an Jesus, auch sein Leben war bedroht und es musste sogar leidvoll enden. Trotz aller persönlichen Angst und menschlichen Not hat Gott jedoch im Schicksal Jesu gezeigt, das Leben ist viel weit reichender von Gott umfangen, auch mitten in größter Gefahr.
Schwert: Auch wirklich körperliche Gewalt bedroht unser Leben. Der Autoverkehr als Haupttodesursache bei äußerer Gewalt und Kriminalität und Kriege lassen sich nicht leugnen. Uns lässt es fragen nach Gott, nach seinem Schutz, nach seiner Liebe zum Menschen, vor allem wenn Kinder Opfer dieses Lebensstiles werden. Doch ist es nicht gerade die Liebe Jesu, die uns aufruft zu einem verantwortlichen Handeln gegenüber den Menschen, im Straßenverkehr und auch im Blick auf die Verteilung der Güter. Wir können das Böse nicht abstellen, es gehört zu unserem Leben dazu, aber die Liebe Jesu weist uns darauf hin, dieses Böse immer wieder zu überwinden. Wir Menschen tun das Böse, nicht Gott. Seine Liebe gilt, auch wenn wir uns dieser Liebe verweigern.
Aus diesem Grund kann Paulus dann vollmundig sagen: Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Zu einem solchen Vertrauen, zu einer solchen Gewissheit möchte ich uns alle heute Abend ermutigen. Wenn wir jetzt Abendmahl feiern, dann wird uns in Brot und Wein diese Liebe Gottes symbolisch zugeeignet. Verlassen wir uns doch einmal, verlassen wir unsere oft so angstvollen und hoffnungslosen Gedanken, verlassen wir uns auf Gott, auf seine Liebe, auf seine Nähe, verlassen wir uns auf sein Geleit, das in Jesus Christus so lebendig geworden ist. Halten wir uns nicht an uns selber fest, sondern an Gott, dann haben wir einen Fels in der Brandung des Lebens, der hält. Amen
 

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 61, 1,2,4-6
Psalm 121
Eingangsliturgie
Gebet EGb 265 - 2. Gebet
Lesung: Lk 12, 35-40
Glaubensbekenntnis
Lied: 63, 1-3
Predigt
Lied: 63, 4-6
Feier des Abendmahles
Gütiger Barmherziger Gott.
Wir schauen zurück auf das vergangene Jahr. Du hast es erfüllt mit deiner Liebe und Gnade, du hast vieles schöne geschenkt, aber auch manches Beschwerliche gebracht. Doch du warst an unserer Seite, hast uns Tragen geholfen, willst uns weiter tragen. Dafür danken wir dir, loben und preisen mit allen, die je auf dich vertraut haben. Großer Gott wir loben dich.
331, 1-2
Herr, Jesus Christus.
In deinem Licht durften wir leben. Wir sind dir nicht immer gerecht geworden, haben vieles versäumt, von dem, was du von uns erwartest. Dafür bitten wir dich um Vergebung. So stärke uns auf dem Weg ins neue Jahr. Lass uns darin an dir festhalten, der du für uns da bist, jeden Tag des Lebens. Einsetzungsworte
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns gegeben hat. Lass deinen Geist unter uns wirksam sein. Er rühre uns an und stärke uns für unseren Weg ins neue Jahr. Er leite uns, auf dass wir dein Wort nicht aus den Augen verlieren und danach leben.
Vaterunser
Sendungswort: Jahreslosung
65, 1,2,5
Abkündigungen
Fürbittengebet
Segen
163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe

31. 12. 2003

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