| Predigt |
NT |
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Gnade sei mit uns und Friede von dem der da ist und der da war und der da kommt. Amen Kreuz und Auferstehung, das sind die Grunddaten des christlichen Glaubens, Karfreitag und Ostern bilden zusammen die höchste Festzeit der Christen. Wie erleben wir diese Tage, wie erleben wir die Botschaft, die uns da verkündet wird? Hören wir sie als eine alte Geschichte, als ein Ereignis längst vergangener Zeiten, das uns nicht mehr berührt? Was hat das mit mir zu tun? Geht mich das heute noch etwas an? Betrifft mich das persönlich? Und wenn ja, wo und wie überhaupt? Das sind die Fragen dieser Tage und natürlich vor allem heute am Ostermorgen, wo wir diese ungeheure Botschaft der Auferstehung Jesu hören. Ich möchte versuchen, diese Fragen ein wenig zu klären am heutigen Morgen und ich möchte das tun, indem ich an etwas anknüpfe, das wohl fast allen von uns widerfahren ist: ich möchte wieder einmal anknüpfen an ihre Taufe. Was haben Karfreitag und Ostern mit der Taufe zu tun? Nun, der Apostel Paulus hat diesen Bezug sehr deutlich und treffend hergestellt. Hören wir seine Gedanken, die ich in der Übertragung von Jörg Zink lese: Paulus erinnert seine Leser: Wir sind auf Jesus Christus getauft. Als man uns ins Wasser tauchte, geschah an uns derselbe Tod wie an Jesus Christus. Alles, was wir vorher waren, das ist nun, da wir getauft sind, tot und begraben, wie Christus begraben war. Und wie Christus durch die Macht des Vaters neues Leben empfangen hat aus dem Tod, so haben wir auch ein neues Wesen erhalten und sollen ein neues Leben führen. Wir sind, als unser altes Wesen in der Taufe starb, zu Grunde gegangen wie er am Kreuz, nun werden wir ihm noch einmal ähnlich sein in der neuen, lichten Lebendigkeit, die ihm, dem Auferstandenen eigen ist. Wir wissen, dass unser früheres Menschenwesen mit ihm gekreuzigt ist und dass der eigenmächtige Wille vernichtet wurde, damit wir dem Zwang, Unrecht zu tun, nicht mehr zu gehorchen brauchen. Denn Christus ist vom Tode auferweckt und wird nicht mehr sterben. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn. So steht es auch mit euch selbst. Darum lebt durch und für die Gnade Gottes. Karfreitag und Ostern rückt Paulus ganz dicht an uns heran – auch wenn seine Gedanken uns erst einmal fremd klingen. Als man uns ins Wasser tauchte, geschah an uns derselbe Tod wie an Jesus Christus. Das fällt uns sicher schwer uns das bildlich vorzustellen, was allerdings daran liegt, dass wir Taufe lediglich als ein Beträufeln mit Wasser kennen. Als Paulus Menschen getauft hat, die in der Regel erwachsen waren, standen sie in einem Fluss und der Mensch wurde völlig untergetaucht. Und wer untertaucht, der erlebt in diesem Moment ja sehr deutlich diese Seite der Taufe, die mit dem Tod zu tun hat. Wasser hat lebensbedrohende Macht. Menschen, die in Überschwemmungsgebieten leben, wissen um diese Macht, sie haben ihre eigenen leidvollen Erfahrungen damit gemacht. Die Sintflutgeschichte erzählt dies auch sehr schön. Und jeder, der schon einmal mit einem Schiff unterwegs war, kann sich dieser Macht nicht entziehen. Wasser hat eine tödliche Seite, und diese Seite hat eben auch Bezug zur Taufe, diesem doch so fröhlichen Geschehen. Mit der Taufe wird ein Sterben an uns vollzogen, symbolisch, aber doch als Wirklichkeit für unser Leben. Alles, was wir vorher waren, das ist nun, da wir getauft sind, tot und begraben. Ein Teil unseres Lebens ist da zu Ende gegangen, ist durchgestrichen, ist durchkreuzt worden. Alles, was uns von Gott trennt, soll im Wasser der Taufe untergehen, so sage ich immer bei der Taufe. Alles, was von Gott trennt, ist von Christus durchkreuzt worden, durchgestrichen, es ist von Christus her beiseitegelegt. Was erleben wir Menschen, als etwas, das uns von Gott trennt? " Als Erstes wird uns das einfallen, was uns beschwert in unserem Leben an Fehlern, an Falschem, an selbst- oder mitverschuldetem, an dem, wofür wir nichts können und was uns doch belastet. Als weiteres möchte ich Angst nennen. Angst, die wir haben angesichts politischer Ereignisse, angesichts von Zukunftsaussichten, angesichts von Diagnosen von Ärzten oder was immer uns noch einfallen mag. Trauer wird als Trennung von Gott erlebt: Warum hat er mir genommen, was mir doch so wichtig war, die Zeit miteinander war doch so kurz. Depression, Verzweifelung, Schmerz, Not. Schlicht all das, was wir mit dem Kreuz verbinden würden, all das wird auch oft erlebt als Trennung von Gott, zumindest als etwas, wo Gott sich nicht gegenwärtig zeigt. Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen? So spricht Jesus es mit den Worten des 22. Psalmes aus. Darin leben wir, darin stehen wir, dahinein sind wir auch getauft. Unsere Taufe schreibt dies alles aber nicht fest, sondern sie sagt uns: dies alles habt ihr überwunden. Auch wenn es euch heute trifft, wenn es euch morgen treffen wird, wenn viele dieser Erfahrungen euer Leben begleiten, sie haben durch die Taufe an Kraft verloren. Sie haben nicht mehr die Macht euch von Gott wegzureißen. Der darin legende Tod, das darin liegende Ende, das ist durch die Taufe längst schon vollzogen, das habt ihr hinter euch. Denn vergegenwärtigt euch: Wie Christus durch die Macht des Vaters neues Leben empfangen hat aus dem Tod, so haben wir ein neues Wesen erhalten und sollen ein neues Leben führen. Aus dem Wasser der Taufe soll der neue Mensch auferstehen und mit Christus leben. Der Täufling bleibt nicht unter Wasser, er wird heraus geholt aus diesem Grab des Todes, wird aus der Taufe gehoben in ein neues Leben. Und für die erwachsenen Christen zur Zeit des Paulus war dies ein wahrhaft anderes Leben, was an vielen Stellen zu sehen war. Wenn wir heute Kinder taufen, wird das so deutlich leider nicht mehr sichtbar und nur selten wird im Leben lebendig, was da großartiges passiert ist. Das Trennende von Gott ist durchbrochen, Jesus hat in seiner Auferstehung ein ganz neues Leben in die Weit gebracht, hat eine ganz neue Wirklichkeit sichtbar werden lassen, eine Lebenswirklichkeit, die durch den Tod nicht mehr angreifbar ist, die sich durch eine grenzenlose Zukunft auszeichnet. Und diese Lebenswirklichkeit ist nicht nur eine, die erzählt wird als alte Geschichte von der Auferstehung Jesu, sondern das ist etwas, das uns Menschen zugeeignet ist in der Taufe. Das Wasser mit seiner lebenserhaltenden Kraft macht das deutlich: mit Christus können wir leben, mit ihm steht dem Tod das Leben entgegen. Es mögen Schuld, Verzweifelung, Angst, Trauer, Not, Bedrückung und Schmerz in uns und an uns zerren, sie haben keine Macht mehr über uns, wir können dieser Macht widerstehen, weil wir für sie gleichsam schon gestorben sind und eine andere Macht, die Lebensmacht Gottes uns umgreift. So wie der Tod keine Macht mehr über Christus hat, so haben auch alle Kräfte und Mächte um uns und in uns keine Macht mehr, wir gehören durch die Taufe auf die Seite des Lebens. Darin liegt für mich die persönliche Bedeutsamkeit des Ostergeschehens, das in der Taufe mir ganz persönlich zugesprochen wurde. Du gehörst auf die Seite des Lebens, du stehst auf der Seite des Lebens, auch wenn du umgeben bist von Tod. Und ich glaube, dies vergessen wir viel zu oft, diese Bedeutung des alten christlichen Ritus, der an uns vollzogen wurde. Wir meinen, es müsse in unserem Leben alles glatt gehen, wir müssen doch gute Zeiten erleben und dann ist Gott da, dann ist Lebenshoffnung und Zukunft da. Und es muss sich gleichsam jeden Tag in meinem Leben erweisen und wenn es das eben nicht tut, dann ist Gott auch nicht da. Die Taufe erzählt etwas ganz anderes, sie erzählt von den Tagen von Karfreitag und Ostern. Als Christen, so sagt uns die Taufe, leben wir immer unter dem Kreuz, leben wir in einer Welt, die vom Kreuz gezeichnet ist. Aber dieses Kreuz ist nur zwei Tage lang ein Zeichen vom Sieg des Todes über die Macht der Liebe und der Hoffnung gewesen. Am dritten Tag hat Gott seine Macht erwiesen, und hat diesen Elenden am Kreuz auferstehen lassen, er hat das Elend aufgebrochen und hat Liebe und Zukunft für die Menschen erneuert, Liebe und Zukunft, denen der Tod nichts anhaben kann. Das heißt für mich, dass wir Menschen durch Christus eine unendliche Perspektive bekommen haben, dem Tod das Leben entgegenzusetzen. Neben die Verzweifelung kann die Hoffnung treten, neben die Schuld die Vergebung, neben die Angst kann der Mut treten, neben die bedrückende Not kann die Kraft zum Neuanfang treten. Und das alles sind nicht nur leere Worte, das ist Wirklichkeit, seit Ostern, das ist Wirklichkeit für jeden Einzelnen von uns durch das Wasser der Taufe, durch das symbolische Sterben und Auferstehen über dem Taufstein. Lebendig wird diese Wirklichkeit in uns durch den Glauben, mit dem wir darauf antworten. Er ist das Vertrauen, das wir Gott entgegenbringen, allem negativen Anschein zum Trotz an ihm festzuhalten, von ihm Veränderung zu erhoffen, zu erwünschen, zu erbitten. In diesem Vertrauen, das dem Leben mehr zutraut und vertraut als dem Tod, in diesem Vertrauen wird die Taufe lebendig, die uns zu einem neuen Leben führt, von dem Paulus spricht. Es macht uns fähig für uns und andere, den todbringenden Geschehnissen entgegenzustehen und in kleinen und großen Schritten dem Leben zu dienen. Und genau darin leben wir, wie Paulus sagt, „durch und für die Gnade Gottes," darin leben wir Gott in Jesus Christus. Wir stehen auf der Seite des Lebens, der Tod hat seine Macht verloren. Darin liegt das Großartige der Taufe, das über unserem Leben steht. So steht die Botschaft von Ostern jeden Tag über unserem Leben. Amen. Liturgischer Ablauf Begrüßung - Orgelvorspiel Einzug mit der Osterkerze – Aufstellen der Osterkerze mit Votum Lied: 99 Psalm 747 Eingangsliturgie - Gebet: Ostern, wir das Fest des Lebens über den Tod. Gott, wir können das mit unserem Denken so gar nicht recht begreifen was das wirklich heißt. Hilf uns zu erkennen, was du großartiges getan hast, damals am Ostermorgen, als die Menschen erfüllt waren von Trauer und du das neue Leben geschenkt hast. So komm du zu uns und erneuere uns, denn du bist das Licht des Lebens von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Lesung: Mk 16, 1-8 Nicänisches Glaubensbekenntnis Lied: 116,1-5 Predigt Lied:229,1-3 Abendmahl Am Tag vor seinem Tod schenkte Jesus seinen Freunden das heilige Abendmahl. Heute am Ostermorgen, am dritten Tage nach dem Karfreitag, feiern wir dieses Heilige Mahl in der Gewissheit, dass Jesus Christus lebt. In Brot und Saft dürfen wir spüren, dass er uns nahe kommt, dass er für uns da ist und uns erneuert. Sein Sterben war ein Sterben für uns, sein neues Leben ist das neue Leben für uns, auf das wir hoffen dürfen, wann immer wir vom Tod umfangen sind. So lasst uns dieses Mahl fröhlich miteinander feiern, als ein Fest der Hoffnung für uns alle. Leben schaffender Gott. aus dem Nichts rufst du die Welt in Da sein, aus dem Dunkel der Nacht rufst du uns ins Licht, aus der Ferne in deine Nähe, aus der Schuld in die neue Freiheit, aus allem was dem Tod verfällt in die Zukunft Jesu Christi. Dafür danken wir dir. Lass uns in der Feier des Heiligen Abendmahles deine Gegenwart spüren und erkennen. Einsetzungsworte Komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, und segne, was du uns gegeben hast. Du tot geglaubter bist lebendig und nahe an jedem Tag und jedem Ort. Daraus wollen wir Kraft für unser Leben schöpfen. Stärke du uns dazu mit deinem Geist. Vaterunser Auf dem Weg zum Abendmahl kommen Sie am Taufbecken vorbei. Wenn Sie mögen, dann feiern Sie doch auch ein Stück Tauferinnerung für sich. Benetzen Sie ihre Finger und bekreuzigen sie sich. ES mag zunächst katholisch vorkommen, doch muss es deshalb falsch sein. Gerade zu Ostern wollen wir uns das Zeichen des Kreuzes vor Augen stellen, als Zeichen der Hoffnung für unser Leben. Austeilung Abkündigungen – Fürbittengebet Vater im Himmel. Die Mächte dieser Welt wollten sich dir in den Weg stellen. Gewalt, Hass und Mord wollten deinen Weg der Liebe verhindern. Doch du hast dich als stärker erwiesen. Deine Liebe ist und bleibt stärker als die zerstörerischen Kräfte der Menschen. So bitten wir dich, lass diese Kraft der Liebe in uns wirken. Hilf, dass wir alles überwinden, was Menschen einengt, bedrängt oder bedrückt, was ihr Leben unerträglich macht. Lass uns so dazu beitragen, die Botschaft des Lebens an andere weiter zu geben. Das bitten wir durch Jesus Christus, der auferstandenen Gekreuzigten, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Segen 110, 1-5
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