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Röm 6, 3-5

Ostersonntag Gottesdienst mit Taufe

Taufe am Ostertag - das ist ein wunderbares Ereignis. Eine Pfarrer freut es immer wieder, weil der Ostertag traditioneller Tauftag der ersten Christenheit gewesen ist. Nach einer Zeit der Vorbereitung der Taufkandidaten wurde in der Osternacht der Weg in das neue Leben beschritten. Die Taufe war der Eintritt in das neue Leben. Äußerlich sichtbar wurde dies darin, dass man dann dem Getauften ein weißes Kleid anzog, Zeichen der Reinheit, der Erneuerung und des Lichtes ,in das man nun hineingenommen wurde. Dieses weiße Kleid trug man bis zum kommenden Sonntag, den wir ja bis heute weißen Sonntag nennen, und so stellten diese Täuflinge damit ihr Christsein nach außen dar. Insofern erinnert die heutige Taufe an diese alte Tradition.
Für die in damaliger Zeit erwachsenen Täuflinge war dieser Tag eine wirkliche Erneuerung des Lebens. Das alte Leben wurde abgelegt und von nun an war der christliche Glaube die neue Lebensgrundlage. Für uns ist das heute etwas schwieriger nachzuvollziehen. Denn bei Babys kann man nun nicht von einem alten Leben sprechen. Es hat ja man gerade erst begonnen, insofern kann man kaum etwas erneuern. Insofern muss man die Gedanken der Taufe etwas anders verstehen.
Es geht nicht um ein zeitliches nacheinander von altem und neuem Leben, sondern um das nebeneinander und den steten Wechsel und manchmal auch Kampf zwischen altem Leben - nämlich dem sich selber verhafteten Leben - und dem neuen Leben, das sich auf Christus gründet und von ihm her lebt.
Wie hatte Paulus das doch beschrieben? Wir sind auf Jesus Christus getauft. Als man uns ins Wasser tauchte, geschah an uns derselbe Tod wie an Jesus Christus. (Denn das Wasser bedeutet den Tod!) Alles, was wir vorher waren, das ist nun, da wir getauft sind, tot und begraben, wie Christus begraben war.
Was heißt das für die getauften Kleinkinder, was heißt das für uns, die wir getauft sind, als Kleinkinder oder auch zu späterer Zeit?
Wir Menschen leben als solche, die immer wieder von unterschiedlichsten Bereichen des Lebens angesprochen und gefangen genommen werden. Unsere Welt ist bestimmt davon, dass Macht, Gewalt, Geld, Eigensucht, Leistung und vieles andere das Leben bestimmt. All dies zieht in den Bann und drückt aus, dass wir selber das Leben in die Hand nehmen wollen oder dass wir Annahme, Anerkennung und Bestätigung aus solche äußerlichen Bereichen ziehen wollen. Und nicht nur dass wir für uns selber daraus etwas ziehen wollen, sondern oft genug werden Menschen danach beurteilt, wie sie in diesem Bereichen zum Stehen kommen. Leistung, Macht und Ansehen führen dazu, dass Menschen entsprechend beurteilt, hofiert oder abgelehnt und abgeschoben werden. Die Mächte dieser Welt bestimmen uns, und oft genug können wir uns dem nicht entziehen. Und das geht im schicksalhaften Bereich des Lebens weiter. Die negativen Erfahrungen von Schmerz, von Leid, von Krankheit oder Tod, die Menschen gefangen nehmen und in ihrem Urteil bestimmten, sind auch Kräfte und Mächte, die unser Leben bestimmen, die uns gefangen nehmen.
Und nun kommt Paulus und sagt: du bist getauft. Und das heißt, du bist gestorben. Du bist gestorben für all diese Kräfte, die dich davon abbringen wollen, dein Leben so zu sehen, wie es der Schöpfer und Erhalter deines Leben sieht. Was ist das für eine Macht, die ich angstvoll festhalten muss, damit sie mir niemand nimmt, oder wenn man sie mir nimmt, dass ich dann zu verzweifeln drohe. Was nützt Gewalt, die doch nur Schaden anrichtet und die Welt nicht positiv verändert? Wie steht es um das Geld, wenn es das Leben so bestimmt, dass anderes keinen Platz mehr hat. Wie sieht es aus, wenn ich nicht mehr selber wirken kann, keine Leistung mehr bringe und deshalb in meinen und den Augen anderer wertlos bin?
Diesem allen aber bist du gestorben. In der Taufe wurden die Kräfte dieses Denkens zunichte gemacht, sie gingen unter im Wasser der Taufe. Alles was uns von Gott trennt, soll im Wasser der Taufe untergehen. Und Paulus sah dies ganz bildlich: das ist untergegangen, das hat keine Bedeutung mehr. Du darfst anders, du darfst neu leben. Die Auferstehung war das Zeichen für dieses neue Leben. Am Kreuz schien die Macht der Mächtigen noch zu siegen, da schien dieses alte Denken von Macht, Ansehen, Gewalt, Leistung, Einfluss gewonnen zu haben, aber genau dies zerstörte Gott, als er Jesus eben nicht im Tod beließ, sondern ihn zu einem neuen Leben erweckte. Damit machte er deutlich: das was Jesu mit seinen Worten und Gedanken in die Welt getragen hat, das ist das wahre menschliche Leben, darin erkennt ihr, was wirklich vor Gott zählt. Darin erfahrt ihr, was Gott für diese Welt will. Und das ist eben etwas ganz anderes, als das was die Welt aus sich heraus tut. Leistung, sie ist wichtig, aber kein Kriterium zur Beurteilung eines Menschen. Schaut auf Jesus, dem war gleich, wen er vor sich hatte. Die Prostituierte galt genauso viel wie der Fromme, ja vielleicht gar noch ein Stück mehr, weil sie mehr Beachtung brauchte.
Macht, ja sie ist nötig, aber nicht für eigene Vorteile und persönliche Bereicherung. Macht, Jesus hat sie gehabt, die Vollmacht Gottes. Doch er hat sie eingesetzt als Diener. Er wurde zum Knecht, symbolisch deutlich in der Fußwaschung der Jünger. Ich bin nicht gekommen zu herrschen, sondern um zu dienen. Das ist die Umkehrung der Werte dieser Welt.
Gewalt sie führt nur zu neuer Gewalt. Den Kreislauf durchbrechen, der Gewalt die Feindesliebe entgegensetzen, das führt zum Leben.
Geld - es ist wichtig, damals wie heute. Es hilft zum Leben, es ist ein Lebensmittel, aber es ist nicht die Lebensmitte. Die Liebe zum Nächsten, sie ist die Mitte, die Liebe zu Gott, das Vertrauen auf seine Liebe, das ist das noch bedeutsamere Lebensmittel und die wahre Lebensmitte.
Krankheit, Leid und Tod. Die das Leben in Frage stellenden Mächte. Jesu Lebensweg zeigt: der Mensch muss damit leben, es gehört zu seinem Leben - wie das Kreuzeszeichen beim Täufling auch deutlich macht. Aber dies trennt nicht von Gott, der das Leben auch im Tod und über den Tod hinaus in seinen Händen hält. Vertrauen zu Gott hilft auch das Kreuz zu tragen, den Willen Gottes anzunehmen ist Stärke des Lebens und hilft zu einem wirklich getragenen Leben.
Die Auferweckung Jesu ist das Ereignis, das dies alles als Gottes Wille und Weg in Kraft setzt. Die Mächte dieser Welt können dem nichts entgegensetzen, Gott ist stärker.
Nun weiß ich und erlebe ja auch immer wieder, dass das gar nicht so einfach ist. Immer wieder verfallen wir dem Alten. Darum sagt Luther auch, dass wir den alten Adam jeden Tag ersäufen müssen, dass wir jeden Tag neu uns klar machen müssen, dass wir im Lebensbereich des gütigen Gottes stehen. Wir können anders leben, wir können anders handeln, wir dürfen uns als solche sehen, die von Gott getragen sind und ermutigt werden zu einem neuen und anderen Leben.
Wie Christus durch die Macht des Vaters neues Leben empfangen hat aus dem Tode, so haben auch wir ein neues Wesen erhalten und sollen ein neues Leben führen.
Wir haben es empfangen in der Taufe, wie müssen es nur lebendig machen. Und das ist unsere Aufgabe auch an unseren Täuflingen. Christliche Erziehung, die sie als Eltern und als Paten, aber auch wir als ganze christliche Gemeinde übernehmen, bedeutet, dass wir dieses neue Leben lebendig machen. Es gilt weiter zu geben, dass Gottes Zuspruch, Gottes Annahme, Gottes Liebe, Gottes Wille zu einem menschenfreundlichen Leben mehr wert ist, als alle anderen Versprechungen dieser Welt. Es gilt im eigenen Vertrauen auf den liebenden Gott das Vertrauen weiterzugeben, dass wir letztlich allein in Gott geborgene sind, in dem Gott, der die Macht auch über den Tod hat.
 Amen

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Liturgischer Ablauf

Einzug mit Osterkerze
Lied: 99
Psalm 118, 14-21
Eingangsliturgie
Gebet - EGb S. 319 Gebet 2
Lesung Röm 6 - nach Jörg Zink
Wir sind auf Jesus Christus getauft. Als man uns ins Wasser tauchte, geschah an uns derselbe Tod wie an Jesus Christus. (Denn das Wasser bedeutet den Tod!) Alles, was wir vorher waren, das ist nun, da wir getauft sind, tot und begraben, wie Christus begraben war, Und wie Christus durch die Macht des Vaters neues Leben empfangen hat aus dem Tode, so haben auch wir ein neues Wesen erhalten und sollen ein neues Leben führen. Wir sind, als unser altes Wesen in der Taufe starb, zu Grunde gegangen wie er am Kreuz, nun werden wir ihm noch einmal ähnlich sein in der neuen, lichten Lebendigkeit, die ihm, dem Auferstandenen, eigen ist. Nachdem wir mit Christus gestorben sind, glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.
Lied: Ins Wasser fällt ein Stein / Das Wasser der Erde
Taufe
Lied: Von Gottes Engeln
Predigt
Lied: 107,1-3

Abendmahl:
Wir preisen dich, Gott, du Schöpfer aller Dinge,
für das Licht, das wir sehen, das uns hinweist auf Christus, das Licht der Welt und unseres Lebens.
Wir gepriesen für alles, was du uns zugute getan hast in Jesus Christus, deinem Sohn:
für seine Geburt in dieser Welt,
für seine Worte und Taten der Liebe,
für sein Leiden und seinen Tod am Kreuz,
für seine Auferstehung am Morgen der neuen Schöpfung.
Lass uns daran teilhaben, in Erinnerung an unsere Taufe, wenn wir nun feiern, was Jesus uns als Gabe seines Todes und seiner Auferstehung hinterlassen hat:
Einsetzungsworte
Segne uns, Vater, diese Gaben, dass wir Christi Leib und Blut zu unserm Heil empfangen.
Sende auf uns deinen Heiligen Geist,
den Atem, der Leben spendet,
den Tröster der Verzweifelten,
den Begleiter in alle Wahrheit;
der uns neu macht an Leib und Seele,
der uns das Leben schenkt, das nicht vergeht,
der uns Menschen versöhnt in der Kraft Jesu Christi.
Vaterunser
Austeilung
Sendungswort: Nachdem wir mit Christus gestorben sind, glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

Abkündigungen
Fürbittengebet
Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben.
Dich loben wir als das Licht inmitten aller Dunkelheit, als die Stimme in aller Sprachlosigkeit, als die Wärme in aller Kälte, als das Heil in aller Heillosigkeit, als das Leben inmitten des Todes.
Wir bitten dich, lass die Botschaft deiner Auferweckung auch in uns wirksam sein. Lass uns nicht stehen bleiben bei der Klage über das Dunkel, sondern hilf uns, dein Osterlicht in die Welt zu tragen. Damit wir helfen, neue Chancen zu sehen, neue Anfänge anzustoßen, neue Wege zu gehen.
Sei bei allen, deren Leben von Tod und Leiden umgeben ist, gib Hoffnung und Zukunft durch das Wort der Auferstehung.
Unseren Täufling lass leben in deiner Güte und begleite uns alle auf dem Weg des Lebens. Darum bitten wir dich, der du uns nahe bist jeden Tag. Amen.
Vaterunser
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

11. 4. 2004

Liturgischer
Ablauf
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