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Ostersonntag Gottesdienst mit Taufe
Taufe am Ostertag - das ist ein wunderbares Ereignis. Eine
Pfarrer freut es immer wieder, weil der Ostertag traditioneller Tauftag
der ersten Christenheit gewesen ist. Nach einer Zeit der Vorbereitung der
Taufkandidaten wurde in der Osternacht der Weg in das neue Leben
beschritten. Die Taufe war der Eintritt in das neue Leben. Äußerlich
sichtbar wurde dies darin, dass man dann dem Getauften ein weißes Kleid
anzog, Zeichen der Reinheit, der Erneuerung und des Lichtes ,in das man
nun hineingenommen wurde. Dieses weiße Kleid trug man bis zum kommenden
Sonntag, den wir ja bis heute weißen Sonntag nennen, und so stellten diese
Täuflinge damit ihr Christsein nach außen dar. Insofern erinnert die
heutige Taufe an diese alte Tradition.
Für die in damaliger Zeit erwachsenen Täuflinge war dieser Tag eine
wirkliche Erneuerung des Lebens. Das alte Leben wurde abgelegt und von nun
an war der christliche Glaube die neue Lebensgrundlage. Für uns ist das
heute etwas schwieriger nachzuvollziehen. Denn bei Babys kann man nun
nicht von einem alten Leben sprechen. Es hat ja man gerade erst begonnen,
insofern kann man kaum etwas erneuern. Insofern muss man die Gedanken der
Taufe etwas anders verstehen.
Es geht nicht um ein zeitliches nacheinander von altem und neuem Leben,
sondern um das nebeneinander und den steten Wechsel und manchmal auch
Kampf zwischen altem Leben - nämlich dem sich selber verhafteten Leben -
und dem neuen Leben, das sich auf Christus gründet und von ihm her lebt.
Wie hatte Paulus das doch beschrieben? Wir sind auf Jesus Christus
getauft. Als man uns ins Wasser tauchte, geschah an uns derselbe Tod wie
an Jesus Christus. (Denn das Wasser bedeutet den Tod!) Alles, was wir
vorher waren, das ist nun, da wir getauft sind, tot und begraben, wie
Christus begraben war.
Was heißt das für die getauften Kleinkinder, was heißt das für uns, die
wir getauft sind, als Kleinkinder oder auch zu späterer Zeit?
Wir Menschen leben als solche, die immer wieder von unterschiedlichsten
Bereichen des Lebens angesprochen und gefangen genommen werden. Unsere
Welt ist bestimmt davon, dass Macht, Gewalt, Geld, Eigensucht, Leistung
und vieles andere das Leben bestimmt. All dies zieht in den Bann und
drückt aus, dass wir selber das Leben in die Hand nehmen wollen oder dass
wir Annahme, Anerkennung und Bestätigung aus solche äußerlichen Bereichen
ziehen wollen. Und nicht nur dass wir für uns selber daraus etwas ziehen
wollen, sondern oft genug werden Menschen danach beurteilt, wie sie in
diesem Bereichen zum Stehen kommen. Leistung, Macht und Ansehen führen
dazu, dass Menschen entsprechend beurteilt, hofiert oder abgelehnt und
abgeschoben werden. Die Mächte dieser Welt bestimmen uns, und oft genug
können wir uns dem nicht entziehen. Und das geht im schicksalhaften
Bereich des Lebens weiter. Die negativen Erfahrungen von Schmerz, von
Leid, von Krankheit oder Tod, die Menschen gefangen nehmen und in ihrem
Urteil bestimmten, sind auch Kräfte und Mächte, die unser Leben bestimmen,
die uns gefangen nehmen.
Und nun kommt Paulus und sagt: du bist getauft. Und das heißt, du bist
gestorben. Du bist gestorben für all diese Kräfte, die dich davon
abbringen wollen, dein Leben so zu sehen, wie es der Schöpfer und Erhalter
deines Leben sieht. Was ist das für eine Macht, die ich angstvoll
festhalten muss, damit sie mir niemand nimmt, oder wenn man sie mir nimmt,
dass ich dann zu verzweifeln drohe. Was nützt Gewalt, die doch nur Schaden
anrichtet und die Welt nicht positiv verändert? Wie steht es um das Geld,
wenn es das Leben so bestimmt, dass anderes keinen Platz mehr hat. Wie
sieht es aus, wenn ich nicht mehr selber wirken kann, keine Leistung mehr
bringe und deshalb in meinen und den Augen anderer wertlos bin?
Diesem allen aber bist du gestorben. In der Taufe wurden die Kräfte dieses
Denkens zunichte gemacht, sie gingen unter im Wasser der Taufe. Alles was
uns von Gott trennt, soll im Wasser der Taufe untergehen. Und Paulus sah
dies ganz bildlich: das ist untergegangen, das hat keine Bedeutung mehr.
Du darfst anders, du darfst neu leben. Die Auferstehung war das Zeichen
für dieses neue Leben. Am Kreuz schien die Macht der Mächtigen noch zu
siegen, da schien dieses alte Denken von Macht, Ansehen, Gewalt, Leistung,
Einfluss gewonnen zu haben, aber genau dies zerstörte Gott, als er Jesus
eben nicht im Tod beließ, sondern ihn zu einem neuen Leben erweckte. Damit
machte er deutlich: das was Jesu mit seinen Worten und Gedanken in die
Welt getragen hat, das ist das wahre menschliche Leben, darin erkennt ihr,
was wirklich vor Gott zählt. Darin erfahrt ihr, was Gott für diese Welt
will. Und das ist eben etwas ganz anderes, als das was die Welt aus sich
heraus tut. Leistung, sie ist wichtig, aber kein Kriterium zur Beurteilung
eines Menschen. Schaut auf Jesus, dem war gleich, wen er vor sich hatte.
Die Prostituierte galt genauso viel wie der Fromme, ja vielleicht gar noch
ein Stück mehr, weil sie mehr Beachtung brauchte.
Macht, ja sie ist nötig, aber nicht für eigene Vorteile und persönliche
Bereicherung. Macht, Jesus hat sie gehabt, die Vollmacht Gottes. Doch er
hat sie eingesetzt als Diener. Er wurde zum Knecht, symbolisch deutlich in
der Fußwaschung der Jünger. Ich bin nicht gekommen zu herrschen, sondern
um zu dienen. Das ist die Umkehrung der Werte dieser Welt.
Gewalt sie führt nur zu neuer Gewalt. Den Kreislauf durchbrechen, der
Gewalt die Feindesliebe entgegensetzen, das führt zum Leben.
Geld - es ist wichtig, damals wie heute. Es hilft zum Leben, es ist ein
Lebensmittel, aber es ist nicht die Lebensmitte. Die Liebe zum Nächsten,
sie ist die Mitte, die Liebe zu Gott, das Vertrauen auf seine Liebe, das
ist das noch bedeutsamere Lebensmittel und die wahre Lebensmitte.
Krankheit, Leid und Tod. Die das Leben in Frage stellenden Mächte. Jesu
Lebensweg zeigt: der Mensch muss damit leben, es gehört zu seinem Leben -
wie das Kreuzeszeichen beim Täufling auch deutlich macht. Aber dies trennt
nicht von Gott, der das Leben auch im Tod und über den Tod hinaus in
seinen Händen hält. Vertrauen zu Gott hilft auch das Kreuz zu tragen, den
Willen Gottes anzunehmen ist Stärke des Lebens und hilft zu einem wirklich
getragenen Leben.
Die Auferweckung Jesu ist das Ereignis, das dies alles als Gottes Wille
und Weg in Kraft setzt. Die Mächte dieser Welt können dem nichts
entgegensetzen, Gott ist stärker.
Nun weiß ich und erlebe ja auch immer wieder, dass das gar nicht so
einfach ist. Immer wieder verfallen wir dem Alten. Darum sagt Luther auch,
dass wir den alten Adam jeden Tag ersäufen müssen, dass wir jeden Tag neu
uns klar machen müssen, dass wir im Lebensbereich des gütigen Gottes
stehen. Wir können anders leben, wir können anders handeln, wir dürfen uns
als solche sehen, die von Gott getragen sind und ermutigt werden zu einem
neuen und anderen Leben.
Wie Christus durch die Macht des Vaters neues Leben empfangen hat aus dem
Tode, so haben auch wir ein neues Wesen erhalten und sollen ein neues
Leben führen.
Wir haben es empfangen in der Taufe, wie müssen es nur lebendig machen.
Und das ist unsere Aufgabe auch an unseren Täuflingen. Christliche
Erziehung, die sie als Eltern und als Paten, aber auch wir als ganze
christliche Gemeinde übernehmen, bedeutet, dass wir dieses neue Leben
lebendig machen. Es gilt weiter zu geben, dass Gottes Zuspruch, Gottes
Annahme, Gottes Liebe, Gottes Wille zu einem menschenfreundlichen Leben
mehr wert ist, als alle anderen Versprechungen dieser Welt. Es gilt im
eigenen Vertrauen auf den liebenden Gott das Vertrauen weiterzugeben, dass
wir letztlich allein in Gott geborgene sind, in dem Gott, der die Macht
auch über den Tod hat.
Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Einzug mit Osterkerze
Lied: 99
Psalm 118, 14-21
Eingangsliturgie
Gebet - EGb S. 319 Gebet 2
Lesung Röm 6 - nach Jörg Zink
Wir sind auf Jesus Christus getauft. Als man uns ins Wasser tauchte,
geschah an uns derselbe Tod wie an Jesus Christus. (Denn das Wasser
bedeutet den Tod!) Alles, was wir vorher waren, das ist nun, da wir
getauft sind, tot und begraben, wie Christus begraben war, Und wie
Christus durch die Macht des Vaters neues Leben empfangen hat aus dem
Tode, so haben auch wir ein neues Wesen erhalten und sollen ein neues
Leben führen. Wir sind, als unser altes Wesen in der Taufe starb, zu
Grunde gegangen wie er am Kreuz, nun werden wir ihm noch einmal ähnlich
sein in der neuen, lichten Lebendigkeit, die ihm, dem Auferstandenen,
eigen ist. Nachdem wir mit Christus gestorben sind, glauben wir, dass wir
auch mit ihm leben werden.
Lied: Ins Wasser fällt ein Stein / Das Wasser der Erde
Taufe
Lied: Von Gottes Engeln
Predigt
Lied: 107,1-3
Abendmahl:
Wir preisen dich, Gott, du Schöpfer aller Dinge,
für das Licht, das wir sehen, das uns hinweist auf Christus, das Licht der
Welt und unseres Lebens.
Wir gepriesen für alles, was du uns zugute getan hast in Jesus Christus,
deinem Sohn:
für seine Geburt in dieser Welt,
für seine Worte und Taten der Liebe,
für sein Leiden und seinen Tod am Kreuz,
für seine Auferstehung am Morgen der neuen Schöpfung.
Lass uns daran teilhaben, in Erinnerung an unsere Taufe, wenn wir nun
feiern, was Jesus uns als Gabe seines Todes und seiner Auferstehung
hinterlassen hat:
Einsetzungsworte
Segne uns, Vater, diese Gaben, dass wir Christi Leib und Blut zu unserm
Heil empfangen.
Sende auf uns deinen Heiligen Geist,
den Atem, der Leben spendet,
den Tröster der Verzweifelten,
den Begleiter in alle Wahrheit;
der uns neu macht an Leib und Seele,
der uns das Leben schenkt, das nicht vergeht,
der uns Menschen versöhnt in der Kraft Jesu Christi.
Vaterunser
Austeilung
Sendungswort: Nachdem wir mit Christus gestorben sind, glauben wir, dass
wir auch mit ihm leben werden.
Abkündigungen
Fürbittengebet
Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben.
Dich loben wir als das Licht inmitten aller Dunkelheit, als die Stimme in
aller Sprachlosigkeit, als die Wärme in aller Kälte, als das Heil in aller
Heillosigkeit, als das Leben inmitten des Todes.
Wir bitten dich, lass die Botschaft deiner Auferweckung auch in uns
wirksam sein. Lass uns nicht stehen bleiben bei der Klage über das Dunkel,
sondern hilf uns, dein Osterlicht in die Welt zu tragen. Damit wir helfen,
neue Chancen zu sehen, neue Anfänge anzustoßen, neue Wege zu gehen.
Sei bei allen, deren Leben von Tod und Leiden umgeben ist, gib Hoffnung
und Zukunft durch das Wort der Auferstehung.
Unseren Täufling lass leben in deiner Güte und begleite uns alle auf dem
Weg des Lebens. Darum bitten wir dich, der du uns nahe bist jeden Tag.
Amen.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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