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Röm 6, 3-11

(Leichte Abwandlung einer Osterpredigt aus dem Jahr 2002)

Der 6. Sonntag nach Trinitatis hat das Thema Taufe und damit die Tauferinnerung zum Inhalt.
Jeder Sonntag ist eigentlich Tauferinnerung und Osterinnerung, aber auch Karfreitagserinnerung, denn wir verkünden jeden Sonntag neu Tod und Auferstehung.
Aber was haben Karfreitag und Ostern mit der Taufe zu tun?
Nun, der Apostel Paulus hat diesen Bezug sehr deutlich und treffend hergestellt. Hören wir seine Gedanken noch einmal, jetzt in der Übertragung von Jörg Zink lese: Paulus erinnert seine Leser: Wir sind auf Jesus Christus getauft. Als man uns ins Wasser tauchte, geschah an uns derselbe Tod wie an Jesus Christus. Alles, was wir vorher waren, das ist nun, da wir getauft sind, tot und begraben, wie Christus begraben war. Und wie Christus durch die Macht des Vaters neues Leben empfangen hat aus dem Tod, so haben wir auch ein neues Wesen erhalten und sollen ein neues Leben führen. Wir sind, als unser altes Wesen in der Taufe starb, zu Grunde gegangen wie er am Kreuz, nun werden wir ihm noch einmal ähnlich sein in der neuen, lichten Lebendigkeit, die ihm, dem Auferstandenen eigen ist. Wir wissen, dass unser früheres Menschenwesen mit ihm gekreuzigt ist und dass der eigenmächtige Wille vernichtet wurde, damit wir dem Zwang, Unrecht zu tun, nicht mehr zu gehorchen brauchen. Denn Christus ist vom Tode auferweckt und wird nicht mehr sterben. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn. So steht es auch mit euch selbst. Darum lebt durch und für die Gnade Gottes. Mit diesen Gedanken rückt Paulus Taufe, Karfreitag und Ostern ganz dicht an uns heran – auch wenn seine Gedanken uns erst einmal fremd klingen.
Ich möchte dies also versuchen ein wenig lebendig zu machen.
Als man uns ins Wasser tauchte, geschah an uns derselbe Tod wie an Jesus Christus, sagt Paulus. Das fällt uns sicher schwer uns das bildlich vorzustellen, was allerdings daran liegt, dass wir Taufe lediglich als ein Beträufeln mit Wasser kennen. Als Paulus Menschen getauft hat, die in der Regel erwachsen waren, standen sie in einem Fluss und der Mensch wurde völlig untergetaucht. Und wer untertaucht, der erlebt in diesem Moment ja sehr deutlich diese Seite der Taufe, die mit dem Tod zu tun hat. Wasser hat lebensbedrohende Macht. Menschen, die in Überschwemmungsgebieten leben, wissen um diese Macht, sie haben ihre eigenen leidvollen Erfahrungen damit gemacht, wir haben das ja gerade wieder im Fernsehen alle gesehen. Auch die Sintflutgeschichte erzählt dies sehr schön. Und jeder, der schon einmal mit einem Schiff unterwegs war, kann sich dieser Macht nicht entziehen. Wasser hat eine tödliche Seite, und diese Seite hat eben auch Bezug zur Taufe, diesem sonst so fröhlichen Geschehen. Mit der Taufe wird ein Sterben an uns vollzogen, symbolisch, aber doch als Wirklichkeit für unser Leben. Alles, was wir vorher waren, das ist nun, da wir getauft sind, tot und begraben. Ein Teil unseres Lebens ist da zu Ende gegangen, ist durchgestrichen, ist durchkreuzt worden.
Alles, was uns von Gott trennt, soll im Wasser der Taufe untergehen, so sage ich immer bei der Taufe. Alles, was von Gott trennt, ist von Christus durchkreuzt worden, durchgestrichen, es ist von Christus her beiseite gelegt.
Dies kann aber nur deutlich werden, wenn wir einmal danach fragen, was wir Menschen als etwas erleben, das uns von Gott trennt? Als Erstes wird uns das einfallen, was uns beschwert in unserem Leben an Fehlern, an Falschem, an selbst- oder mitverschuldetem, an dem, wofür wir nichts können und was uns doch belastet. Und das kann aus ganz verschienen Bereichen des Lebens kommen.
Als weiteres möchte ich Angst nennen. Angst, die wir haben angesichts politischer Ereignisse, angesichts von Zukunftsaussichten, angesichts von Diagnosen von Ärzten oder was immer uns noch einfallen mag. Und viele Menschen leben mit Ängsten, begründeten und unbegründeten. Und Angst trennt uns von Gott, weil Angst die Hoffnung und das Vertrauen beiseite schiebt, Vertrauen, das sonst gerichtet ist auf Gott, der es gut mit uns meint und der uns Zukunft schenkt.
Trauer wird als Trennung von Gott erlebt: Warum hat er mir genommen, was mir doch so wichtig war, die Zeit miteinander war doch so kurz.
Depression, Verzweifelung, Schmerz, Not auch dies alles sind Lebensbereiche, die von Gott trennen. Oder anders gesagt, all das, was wir mit dem Zeichen des Kreuzes in Verbindung bringen würden, all das wird auch oft erlebt als Trennung von Gott, zumindest als etwas, wo Gott sich nicht gegenwärtig zeigt. Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen? So spricht Jesus es mit den Worten des 22. Psalmes aus. Darin leben wir, darin stehen wir, dahinein sind wir auch getauft.
Unsere Taufe schreibt dies alles aber nicht fest, sondern sie sagt uns: dies alles habt ihr überwunden. Auch wenn es euch heute trifft, wenn es euch morgen treffen wird, wenn viele dieser Erfahrungen euer Leben begleiten, sie haben durch die Taufe an Kraft verloren. Sie haben nicht mehr die Macht euch von Gott wegzureißen, auch wenn sie das immer wieder versuchen. Der darin liegende Tod, das darin liegende Ende, das ist durch die Taufe längst schon vollzogen, das habt ihr hinter euch. Paulus sieht das so: wenn dies alles euch Kraft nimmt, euch Leben nimmt, die Taufe hat das schon einmal an euch wahr gemacht, es wird euch kein zweites Mal wirklich erreichen, auch wenn der Druck noch so groß ist.
Denn vergegenwärtigt euch: Wie Christus durch die Macht des Vaters neues Leben empfangen hat aus dem Tod, so haben wir ein neues Wesen erhalten und sollen ein neues Leben führen. Aus dem Wasser der Taufe soll der neue Mensch auferstehen und mit Christus leben. Der Täufling bleibt nicht unter Wasser, er wird heraus geholt aus diesem Grab des Todes, wird aus der Taufe gehoben in ein neues Leben. Und für die erwachsenen Christen zur Zeit des Paulus war dies wirklich ein einschneidendes Erlebnis. Jetzt ist mein Leben anders, jetzt beginnt ein ganz neues Leben. Das alte lasse ich hinter mir, diesem alten Leben bin ich gestorben, jetzt geht es los in ein neues, ein wirklich von Gott getragenes Leben. Und sie bekamen ein weißes Kleid an und zeigte so aller Welt: das Leben ist neu, unbefleckt, ich kann ganz neu beginnen.
Wenn wir heute Kinder taufen, wird das so deutlich leider nicht mehr sichtbar und nur selten wird im Leben lebendig, was da großartiges passiert ist. Das Trennende von Gott ist durchbrochen, Jesus hat in seiner Auferstehung ein ganz neues Leben in die Welt gebracht, hat eine ganz neue Wirklichkeit sichtbar werden lassen, eine Lebenswirklichkeit, die durch den Tod nicht mehr angreifbar ist, die sich durch eine grenzenlose Zukunft für uns Menschen auszeichnet.
Und diese Lebenswirklichkeit ist nicht nur eine, die erzählt wird als alte Geschichte von der Auferstehung Jesu, sondern das ist etwas, das uns Menschen zugeeignet ist in der Taufe. Das Wasser mit seiner lebenserhaltenden Kraft macht das deutlich: mit Christus können wir leben, mit ihm steht dem Tod das Leben entgegen. Es mögen Schuld, Verzweifelung, Angst, Trauer, Not, Bedrückung und Schmerz in uns und an uns zerren, sie haben aber letztlich keine wirkliche Macht mehr über uns. In uns ist die Grundlage gelegt, dass wir dieser Macht widerstehen können, weil wir für ihre lebensbedrohende Seite gleichsam schon gestorben sind und eine andere Macht, die Lebensmacht Gottes uns umgreift. So wie der Tod keine Macht mehr über Christus hat, so haben auch alle Kräfte und Mächte um uns und in uns keine Macht mehr, wir gehören durch die Taufe auf die Seite des Lebens. Das ist fast nicht zu verstehen, aber es ist so. Das ist die Taufe. Und wenn wir uns heute daran erinnern, dann wird uns eben gerade diese so tiefgehende Bedeutung vor Augen gestellt. Taufe ist nicht nur nettes und niedliches Geschehen an einem Säugling oder Kleinkind, nein es hat tiefe Lebensbedeutung.
Jedem getauften ist ganz persönlich zugesprochen, du gehörst auf die Seite des Lebens, du stehst auf der Seite des Lebens, auch wenn du umgeben bist von Mächten und Gewalten, die dich diesem Leben entziehen wollen.
Und ich glaube, dies vergessen wir viel zu oft, diese Bedeutung des alten christlichen Ritus, der an uns vollzogen wurde. Wir meinen, es müsse in unserem Leben alles glatt gehen, wir müssen doch gute Zeiten erleben und dann ist Gott da, dann ist Lebenshoffnung und Zukunft da. Und es muss sich gleichsam jeden Tag in meinem Leben erweisen und wenn es das eben nicht tut, dann ist Gott auch nicht da.
Aber die Taufe erzählt etwas ganz anderes, sie erzählt von den Tagen von Karfreitag und Ostern. Als Christen, so sagt uns die Taufe, leben wir immer unter dem Kreuz, leben wir in einer Welt, die vom Kreuz gezeichnet ist. Aber dieses Kreuz ist nur zwei Tage lang ein Zeichen vom Sieg des Todes über die Macht der Liebe und der Hoffnung gewesen. Am dritten Tag hat Gott seine Macht erwiesen, und hat diesen Elenden am Kreuz auferstehen lassen, er hat das Elend aufgebrochen und hat Liebe und Zukunft für die Menschen erneuert, Liebe und Zukunft, denen der Tod nichts anhaben kann.
Das heißt für mich, dass wir Menschen durch Christus eine unendliche Perspektive bekommen haben, dem Tod das Leben entgegenzusetzen. Neben die Verzweifelung kann die Hoffnung treten, neben die Schuld die Vergebung, neben die Angst kann der Mut treten, neben die bedrückende Not kann die Kraft zum Neuanfang treten. Und das alles sind nicht nur leere Worte, das ist Wirklichkeit, durch Jesus Christus, durch sein Kreuz und seine Auferweckung. Das ist die Wahrheit und Wirklichkeit für jeden Einzelnen von uns durch das Wasser der Taufe, durch das symbolische Sterben und Auferstehen über dem Taufstein.
Lebendig wird diese Wirklichkeit in uns durch den Glauben, mit dem wir darauf antworten. Er ist das Vertrauen, das wir Gott entgegenbringen, allem negativen Anschein zum Trotz an ihm festzuhalten, von ihm Veränderung zu erhoffen, zu erwünschen, zu erbitten. In diesem Vertrauen, das dem Leben mehr zutraut und vertraut als dem Tod, in diesem Vertrauen wird die Taufe lebendig. Und dieses Vertrauen führt uns zu einem neuen Leben, von dem Paulus spricht. Es macht uns fähig für uns und andere, den todbringenden Geschehnissen entgegenzustehen und in kleinen und großen Schritten dem Leben zu dienen. Und genau darin leben wir, wie Paulus sagt, „durch und für die Gnade Gottes," darin leben wir Gott in Jesus Christus. Wir stehen auf der Seite des Lebens, der Tod hat seine Macht verloren. Darin liegt das Großartige der Taufe, das über unserem Leben steht. Und das gilt es zu verkündigen, jeden Sonntag, jeden Auferstehungstag, den Gott werden lässt. Diese frohe Botschaft steht durch die Taufe jeden Tag über unserem Leben.
Und an diese Botschaft möchte ich uns alle jetzt erinnern. Nehmen Sie bitte ihr Gesangbuch mit und kommen nach vorne. Dann wollen wir hier gemeinsam den Abschluss des Gottesdienstes feiern. Amen

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Liturgischer Ablauf


Orgelvorspiel Lied: 445 Psalm 139 – EG 754
Eingangsliturgie Gebet:
Es ist Sonntag, Tag des Herrn, dein Tag, gütiger Gott. Es ist der Tag des Lebens, Fest des Lebens über den Tod.
Wir können das mit unserem Denken so gar nicht recht begreifen, Gott, was das wirklich heißt. So hilf uns zu erkennen, was du großartiges durch Jesus Christus getan hast, damals am ersten Tag des Herrn, als die Menschen erfüllt waren von Trauer und du das neue Leben geschenkt hast. So komm du zu uns und erneuere uns, denn du bist das Licht des Lebens von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Lesung: Mt 28, 16-20 - Lied: 327 - Lesung: Röm 6, 3-11
Glaubensbekenntnis - Lied 200,1-3 – Predigt - Lied: 200,4-6
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vater im Himmel. Die Mächte dieser Welt wollten sich dir in den Weg stellen. Gewalt, Hass und Mord wollten deinen Weg der Liebe verhindern. Doch du hast dich als stärker erwiesen. Deine Liebe ist und bleibt stärker als die zerstörerischen Kräfte der Menschen. So bitten wir dich, lass diese Kraft der Liebe in uns wirken. Hilf, dass wir – was in unseren Kräften steht - alles überwinden, was Menschen einengt, bedrängt oder bedrückt, was ihr Leben unerträglich macht. Lass uns so dazu beitragen, die Botschaft des Lebens an andere weiter zu geben. Das bitten wir durch Jesus Christus, mit dessen Worten wir beten:
Vaterunser - Segen 163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Gustedt

18. 7. 2004

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