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(Leichte Abwandlung einer Osterpredigt aus
dem Jahr 2002)
Der 6. Sonntag nach Trinitatis hat das Thema Taufe und
damit die Tauferinnerung zum Inhalt.
Jeder Sonntag ist eigentlich Tauferinnerung und Osterinnerung, aber auch
Karfreitagserinnerung, denn wir verkünden jeden Sonntag neu Tod und
Auferstehung.
Aber was haben Karfreitag und Ostern mit der Taufe zu tun?
Nun, der Apostel Paulus hat diesen Bezug sehr deutlich und treffend
hergestellt. Hören wir seine Gedanken noch einmal, jetzt in der
Übertragung von Jörg Zink lese: Paulus erinnert seine Leser: Wir sind auf
Jesus Christus getauft. Als man uns ins Wasser tauchte, geschah an uns
derselbe Tod wie an Jesus Christus. Alles, was wir vorher waren, das ist
nun, da wir getauft sind, tot und begraben, wie Christus begraben war. Und
wie Christus durch die Macht des Vaters neues Leben empfangen hat aus dem
Tod, so haben wir auch ein neues Wesen erhalten und sollen ein neues Leben
führen. Wir sind, als unser altes Wesen in der Taufe starb, zu Grunde
gegangen wie er am Kreuz, nun werden wir ihm noch einmal ähnlich sein in
der neuen, lichten Lebendigkeit, die ihm, dem Auferstandenen eigen ist.
Wir wissen, dass unser früheres Menschenwesen mit ihm gekreuzigt ist und
dass der eigenmächtige Wille vernichtet wurde, damit wir dem Zwang,
Unrecht zu tun, nicht mehr zu gehorchen brauchen. Denn Christus ist vom
Tode auferweckt und wird nicht mehr sterben. Der Tod hat keine Macht mehr
über ihn. So steht es auch mit euch selbst. Darum lebt durch und für die
Gnade Gottes. Mit diesen Gedanken rückt Paulus Taufe, Karfreitag und
Ostern ganz dicht an uns heran – auch wenn seine Gedanken uns erst einmal
fremd klingen.
Ich möchte dies also versuchen ein wenig lebendig zu machen.
Als man uns ins Wasser tauchte, geschah an uns derselbe Tod wie an Jesus
Christus, sagt Paulus. Das fällt uns sicher schwer uns das bildlich
vorzustellen, was allerdings daran liegt, dass wir Taufe lediglich als ein
Beträufeln mit Wasser kennen. Als Paulus Menschen getauft hat, die in der
Regel erwachsen waren, standen sie in einem Fluss und der Mensch wurde
völlig untergetaucht. Und wer untertaucht, der erlebt in diesem Moment ja
sehr deutlich diese Seite der Taufe, die mit dem Tod zu tun hat. Wasser
hat lebensbedrohende Macht. Menschen, die in Überschwemmungsgebieten
leben, wissen um diese Macht, sie haben ihre eigenen leidvollen
Erfahrungen damit gemacht, wir haben das ja gerade wieder im Fernsehen
alle gesehen. Auch die Sintflutgeschichte erzählt dies sehr schön. Und
jeder, der schon einmal mit einem Schiff unterwegs war, kann sich dieser
Macht nicht entziehen. Wasser hat eine tödliche Seite, und diese Seite hat
eben auch Bezug zur Taufe, diesem sonst so fröhlichen Geschehen. Mit der
Taufe wird ein Sterben an uns vollzogen, symbolisch, aber doch als
Wirklichkeit für unser Leben. Alles, was wir vorher waren, das ist nun, da
wir getauft sind, tot und begraben. Ein Teil unseres Lebens ist da zu Ende
gegangen, ist durchgestrichen, ist durchkreuzt worden.
Alles, was uns von Gott trennt, soll im Wasser der Taufe untergehen, so
sage ich immer bei der Taufe. Alles, was von Gott trennt, ist von Christus
durchkreuzt worden, durchgestrichen, es ist von Christus her beiseite
gelegt.
Dies kann aber nur deutlich werden, wenn wir einmal danach fragen, was wir
Menschen als etwas erleben, das uns von Gott trennt? Als Erstes wird uns
das einfallen, was uns beschwert in unserem Leben an Fehlern, an Falschem,
an selbst- oder mitverschuldetem, an dem, wofür wir nichts können und was
uns doch belastet. Und das kann aus ganz verschienen Bereichen des Lebens
kommen.
Als weiteres möchte ich Angst nennen. Angst, die wir haben angesichts
politischer Ereignisse, angesichts von Zukunftsaussichten, angesichts von
Diagnosen von Ärzten oder was immer uns noch einfallen mag. Und viele
Menschen leben mit Ängsten, begründeten und unbegründeten. Und Angst
trennt uns von Gott, weil Angst die Hoffnung und das Vertrauen beiseite
schiebt, Vertrauen, das sonst gerichtet ist auf Gott, der es gut mit uns
meint und der uns Zukunft schenkt.
Trauer wird als Trennung von Gott erlebt: Warum hat er mir genommen, was
mir doch so wichtig war, die Zeit miteinander war doch so kurz.
Depression, Verzweifelung, Schmerz, Not auch dies alles sind
Lebensbereiche, die von Gott trennen. Oder anders gesagt, all das, was wir
mit dem Zeichen des Kreuzes in Verbindung bringen würden, all das wird
auch oft erlebt als Trennung von Gott, zumindest als etwas, wo Gott sich
nicht gegenwärtig zeigt. Mein Gott, mein Gott warum hast du mich
verlassen? So spricht Jesus es mit den Worten des 22. Psalmes aus. Darin
leben wir, darin stehen wir, dahinein sind wir auch getauft.
Unsere Taufe schreibt dies alles aber nicht fest, sondern sie sagt uns:
dies alles habt ihr überwunden. Auch wenn es euch heute trifft, wenn es
euch morgen treffen wird, wenn viele dieser Erfahrungen euer Leben
begleiten, sie haben durch die Taufe an Kraft verloren. Sie haben nicht
mehr die Macht euch von Gott wegzureißen, auch wenn sie das immer wieder
versuchen. Der darin liegende Tod, das darin liegende Ende, das ist durch
die Taufe längst schon vollzogen, das habt ihr hinter euch. Paulus sieht
das so: wenn dies alles euch Kraft nimmt, euch Leben nimmt, die Taufe hat
das schon einmal an euch wahr gemacht, es wird euch kein zweites Mal
wirklich erreichen, auch wenn der Druck noch so groß ist.
Denn vergegenwärtigt euch: Wie Christus durch die Macht des Vaters neues
Leben empfangen hat aus dem Tod, so haben wir ein neues Wesen erhalten und
sollen ein neues Leben führen. Aus dem Wasser der Taufe soll der neue
Mensch auferstehen und mit Christus leben. Der Täufling bleibt nicht unter
Wasser, er wird heraus geholt aus diesem Grab des Todes, wird aus der
Taufe gehoben in ein neues Leben. Und für die erwachsenen Christen zur
Zeit des Paulus war dies wirklich ein einschneidendes Erlebnis. Jetzt ist
mein Leben anders, jetzt beginnt ein ganz neues Leben. Das alte lasse ich
hinter mir, diesem alten Leben bin ich gestorben, jetzt geht es los in ein
neues, ein wirklich von Gott getragenes Leben. Und sie bekamen ein weißes
Kleid an und zeigte so aller Welt: das Leben ist neu, unbefleckt, ich kann
ganz neu beginnen.
Wenn wir heute Kinder taufen, wird das so deutlich leider nicht mehr
sichtbar und nur selten wird im Leben lebendig, was da großartiges
passiert ist. Das Trennende von Gott ist durchbrochen, Jesus hat in seiner
Auferstehung ein ganz neues Leben in die Welt gebracht, hat eine ganz neue
Wirklichkeit sichtbar werden lassen, eine Lebenswirklichkeit, die durch
den Tod nicht mehr angreifbar ist, die sich durch eine grenzenlose Zukunft
für uns Menschen auszeichnet.
Und diese Lebenswirklichkeit ist nicht nur eine, die erzählt wird als alte
Geschichte von der Auferstehung Jesu, sondern das ist etwas, das uns
Menschen zugeeignet ist in der Taufe. Das Wasser mit seiner
lebenserhaltenden Kraft macht das deutlich: mit Christus können wir leben,
mit ihm steht dem Tod das Leben entgegen. Es mögen Schuld, Verzweifelung,
Angst, Trauer, Not, Bedrückung und Schmerz in uns und an uns zerren, sie
haben aber letztlich keine wirkliche Macht mehr über uns. In uns ist die
Grundlage gelegt, dass wir dieser Macht widerstehen können, weil wir für
ihre lebensbedrohende Seite gleichsam schon gestorben sind und eine andere
Macht, die Lebensmacht Gottes uns umgreift. So wie der Tod keine Macht
mehr über Christus hat, so haben auch alle Kräfte und Mächte um uns und in
uns keine Macht mehr, wir gehören durch die Taufe auf die Seite des
Lebens. Das ist fast nicht zu verstehen, aber es ist so. Das ist die
Taufe. Und wenn wir uns heute daran erinnern, dann wird uns eben gerade
diese so tiefgehende Bedeutung vor Augen gestellt. Taufe ist nicht nur
nettes und niedliches Geschehen an einem Säugling oder Kleinkind, nein es
hat tiefe Lebensbedeutung.
Jedem getauften ist ganz persönlich zugesprochen, du gehörst auf die Seite
des Lebens, du stehst auf der Seite des Lebens, auch wenn du umgeben bist
von Mächten und Gewalten, die dich diesem Leben entziehen wollen.
Und ich glaube, dies vergessen wir viel zu oft, diese Bedeutung des alten
christlichen Ritus, der an uns vollzogen wurde. Wir meinen, es müsse in
unserem Leben alles glatt gehen, wir müssen doch gute Zeiten erleben und
dann ist Gott da, dann ist Lebenshoffnung und Zukunft da. Und es muss sich
gleichsam jeden Tag in meinem Leben erweisen und wenn es das eben nicht
tut, dann ist Gott auch nicht da.
Aber die Taufe erzählt etwas ganz anderes, sie erzählt von den Tagen von
Karfreitag und Ostern. Als Christen, so sagt uns die Taufe, leben wir
immer unter dem Kreuz, leben wir in einer Welt, die vom Kreuz gezeichnet
ist. Aber dieses Kreuz ist nur zwei Tage lang ein Zeichen vom Sieg des
Todes über die Macht der Liebe und der Hoffnung gewesen. Am dritten Tag
hat Gott seine Macht erwiesen, und hat diesen Elenden am Kreuz auferstehen
lassen, er hat das Elend aufgebrochen und hat Liebe und Zukunft für die
Menschen erneuert, Liebe und Zukunft, denen der Tod nichts anhaben kann.
Das heißt für mich, dass wir Menschen durch Christus eine unendliche
Perspektive bekommen haben, dem Tod das Leben entgegenzusetzen. Neben die
Verzweifelung kann die Hoffnung treten, neben die Schuld die Vergebung,
neben die Angst kann der Mut treten, neben die bedrückende Not kann die
Kraft zum Neuanfang treten. Und das alles sind nicht nur leere Worte, das
ist Wirklichkeit, durch Jesus Christus, durch sein Kreuz und seine
Auferweckung. Das ist die Wahrheit und Wirklichkeit für jeden Einzelnen
von uns durch das Wasser der Taufe, durch das symbolische Sterben und
Auferstehen über dem Taufstein.
Lebendig wird diese Wirklichkeit in uns durch den Glauben, mit dem wir
darauf antworten. Er ist das Vertrauen, das wir Gott entgegenbringen,
allem negativen Anschein zum Trotz an ihm festzuhalten, von ihm
Veränderung zu erhoffen, zu erwünschen, zu erbitten. In diesem Vertrauen,
das dem Leben mehr zutraut und vertraut als dem Tod, in diesem Vertrauen
wird die Taufe lebendig. Und dieses Vertrauen führt uns zu einem neuen
Leben, von dem Paulus spricht. Es macht uns fähig für uns und andere, den
todbringenden Geschehnissen entgegenzustehen und in kleinen und großen
Schritten dem Leben zu dienen. Und genau darin leben wir, wie Paulus sagt,
„durch und für die Gnade Gottes," darin leben wir Gott in Jesus Christus.
Wir stehen auf der Seite des Lebens, der Tod hat seine Macht verloren.
Darin liegt das Großartige der Taufe, das über unserem Leben steht. Und
das gilt es zu verkündigen, jeden Sonntag, jeden Auferstehungstag, den
Gott werden lässt. Diese frohe Botschaft steht durch die Taufe jeden Tag
über unserem Leben.
Und an diese Botschaft möchte ich uns alle jetzt erinnern. Nehmen Sie
bitte ihr Gesangbuch mit und kommen nach vorne. Dann wollen wir hier
gemeinsam den Abschluss des Gottesdienstes feiern. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel Lied: 445 Psalm 139 – EG 754
Eingangsliturgie Gebet:
Es ist Sonntag, Tag des Herrn, dein Tag, gütiger Gott. Es ist der Tag des
Lebens, Fest des Lebens über den Tod.
Wir können das mit unserem Denken so gar nicht recht begreifen, Gott, was
das wirklich heißt. So hilf uns zu erkennen, was du großartiges durch
Jesus Christus getan hast, damals am ersten Tag des Herrn, als die
Menschen erfüllt waren von Trauer und du das neue Leben geschenkt hast. So
komm du zu uns und erneuere uns, denn du bist das Licht des Lebens von
Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Lesung: Mt 28, 16-20 - Lied: 327 - Lesung: Röm 6, 3-11
Glaubensbekenntnis - Lied 200,1-3 – Predigt - Lied: 200,4-6
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vater im Himmel. Die Mächte dieser Welt wollten sich dir in den Weg
stellen. Gewalt, Hass und Mord wollten deinen Weg der Liebe verhindern.
Doch du hast dich als stärker erwiesen. Deine Liebe ist und bleibt stärker
als die zerstörerischen Kräfte der Menschen. So bitten wir dich, lass
diese Kraft der Liebe in uns wirken. Hilf, dass wir – was in unseren
Kräften steht - alles überwinden, was Menschen einengt, bedrängt oder
bedrückt, was ihr Leben unerträglich macht. Lass uns so dazu beitragen,
die Botschaft des Lebens an andere weiter zu geben. Das bitten wir durch
Jesus Christus, mit dessen Worten wir beten:
Vaterunser - Segen 163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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