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Röm 5, 1-5

Stellen Sie sich vor, sie müssten sich um einen Platz in der Ewigkeit bewerben. Eine etwas merkwürdige Vorstellung vielleicht, aber wir können uns das ja einmal vorstellen. Wie bei der Suche um einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle müssten wir alle wichtigen Unterlagen einreichen, um sich für den Fall des Ablebens schon jetzt eine Stelle im Himmelreich zu sichern. Zu den geforderten Dokumenten gehörte an erster Stelle ein ausführlicher, handgeschriebener und vor allem ein lückenloser Lebenslauf.
Zunächst werden sie jetzt vielleicht einwenden, warum man denn Gott einen solchen Lebenslauf schreiben solle, denn der kennt doch unser Leben sehr viel besser als wir selbst. Und als nächstes vielleicht: Was passiert, wenn ich aus Versehen etwas Wichtiges vergesse oder unterschlage. Das würde Gott doch auf jeden Fall merken.
Alles richtig. Dennoch: der Lebenslauf muss sein. Wofür? Nun, er würde weniger für Gott, als viel mehr für uns selber geschrieben werden. Vor Gott liegt gewiss alles offen, er kennt uns, bis in unser Herz hinein. Aber steht uns selber unser Leben so ehrlich, offen und deutlich vor Augen? Diese Besinnung auf den Lebenslauf sie ist wichtiger für den Absender, denn für Gott, den Adressaten.
Also begeben wir uns doch mal an einen solchen Lebenslauf. Welche Informationen müsse dieser Lebenslauf enthalten? Welche Besonderheiten sind neben den üblichen Daten wie Geburtstag, Namen und Schulbildung von Bedeutung? Wenn wir aufs Leben schauen, dann geht es ja doch darum, was sich so entwickelt hat im Leben. Was sich verändert hat, was anders gewesen und geworden ist, als man zuvor geplant hat. Auch gab und gibt es ja Wünsche, die wir uns erfüllt haben, aber auch viele, die unerfüllt geblieben sind. Welche Träume habe ich verwirklichen können, welche sind auf der Strecke geblieben? Und vor allem welche Hoffnungen haben mich getragen, welche sind erfüllt, welche zunichte gemacht worden?
Und damit das ganze nicht nur so dahin gesagt wird, möchte ich an sie an dieser Stelle einladen, hier in Gedanken mit dem Schreiben der Lebensgeschichte zu beginnen.
Lassen Sie einmal die Jahre ihres Lebens vor ihrem inneren Auge vorbeiziehen und merken Sie sich die Besonderheiten, die ihnen da jetzt in den Sinn kommen.
Musik
So manches ist Ihnen jetzt durch den Kopf gegangen. Dem einen oder der anderen ist es vielleicht in den letzten Minuten ein wenig mulmig geworden. Vor Gott mein Leben ausbreiten? Alles aufschreiben, was ich getan habe? Wer tut das schon gern. So manches, was da eben in Erinnerung gekommen ist, das war doch auch nicht so gut, da war so manches dabei, was schief gelaufen ist. Vielleicht auch manches, was ich lieber gelassen hätte, was ich im nachhinein betrachtet anders gemacht hätte. DA wird auch vor Augen gekommen sein, worin man sich verrannt hat, wo ich in die Irren gegangen bin. Auch werden Gedanken dabei gewesen sein, wo ich mit Menschen nicht so umgegangen bin, wie es richtig gewesen wäre. Hätte ich mit wenig Aufwand viel liebevoller sein können? Und das alles aus meinem Leben steht vor Gott. Steht in meiner Bewerbung um einen Platz in der Ewigkeit.
Und dann haben wir vielleicht auch das Wort von Gottes Gericht vor Augen, von dem in der Bibel immer wieder mal die Rede ist. Doch dahinter steckt letztlich genau das, was wir eben gemacht haben: Gottes Gericht das ist der Mut, unseren eigenen Lebenslauf genau anzuschauen, um daraus etwas zu lernen. Das Entscheidende dabei ist, dass wir zu unseren Wegen und vor allem den Umwegen des Lebens stehen, das das etwas ist und wird, was zu uns gehört und das wir auch solches annehmen, eben als Teil unseres Lebens. Die Fehler und Verfehlungen sie sind Teil unseres Lebensweges und sie gehören zu uns.
Und um genau dies zu erkennen, schreiben wir diesen Lebenslauf nicht für Gott, sondern für uns selber. Denn Gott will, dass wir in seiner Gegenwart und Liebe Frieden mit unserem Leben schließen können. Gott nimmt uns an mit unseren guten Seiten, aber auch mit unseren Fehlern und mit unseren Umwegen und Brüchen in unserem Leben. Gottes Zuwendung zu uns als schwachen Menschen hilft uns, dass wir uns versöhnen können mit uns selbst, mit unseren enttäuschten Hoffnungen, mit den unerfüllten Sehnsüchten, mit den fehlerhaften Wegen des Lebens. Und das verhilft uns dazu das anschauen zu können, was uns im Innersten beschäftigt, belastet, wovor wir eigentlich davonlaufen möchten, um Schmerzen und Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Doch solange wir vor unserem eigenen Leben davonlaufen, bleiben in uns Ruhe und Frieden aus, selbst wenn dir dem noch so sehr nachlaufen.
Insofern klingt der erste Satz der ersten Lesung wie eine Überschrift über einem neuen Leben: Nachdem wir nun auf Grund unseres Glaubens bei Gott angenommen sind, haben wir Frieden mit Gott. Das heißt doch so viel wie: wir müssen in unserem Leben nicht Vergangenem hinterher trauern, wir müssen nicht immer wieder sagen: hätte ich man, oder wäre ich man oder ähnliches, sondern ich darf mit meinem Leben vor Gott stehen, so wie es ist. Das Herz darf ruhig werden. Gott setzt diesem Denken ein Ende, er nimmt uns die Qual der immer wieder aufkommenden Selbstrechtfertigung und der Suche nach einem Leben, das vorzeigbar ist. Durch das schlichte Vertrauen zu Gott haben wir Frieden mit Gott und dürfen diesen Frieden für uns ganz und gar annehmen. Garant dafür ist nach Paulus Jesus Christus. Durch den Glauben haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus.
Wir können auf sein Vertrauen bauen, das von Gott gestärkt wurde, um verschiedenste Lebenssituationen zu durchstehen. Wir können auf seine Liebe bauen, die immer wieder Menschen ansprach, die sich selber als wenig würdig ansahen oder die von anderen so behandelt wurden, als wären sie von Gott ausgestoßen. So wie diese Menschen in die Gemeinschaft Gottes gehörten und von Jesus in diese Gemeinschaft gerufen wurden, so dürfen auch wir uns ansehen als solche, die von Gott gerufen werden, um aus seiner Liebe das Leben anzunehmen.
Und wir dürfen unsere Ängste und unsere Leidenserfahrungen mit den Ängsten und Leiden Jesu in Verbindung bringen, so dass er uns stark machen will für unser Leben. Denn dies alles geschieht nicht ohne dass Gott die begleitet. So öffnet Jesus den Weg des Vertrauens und wir finden einen wirklich festen Stand im Leben - wie immer es auch aussehen mag.
So hat es auch Paulus für sich erlebt, der ja auch so manchen schwierigen Weg im Leben gehen musste. ER schreibt: wir haben guten Grund unserer Freude laut Ausdruck zu verleihen, uns zu rühmen, wie er sagt, denn wir haben eine feste Hoffnung, dass Gott uns an seiner Herrlichkeit teilhaben lässt. Und Paulus geht sogar soweit, dass er sagt: Wir rühmen uns sogar der Leiden, die wir in unserem Leben auferlegt bekommen. Wir rühmen uns der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.
Im Glauben geht es nicht nur um die Brüche und Fehler des Lebens, sondern auch die Leiden haben ihre Bedeutung. Nur ist das schwer zu beschreiben. Denn welche Bedeutung haben Trauer und Schmerz, haben Krankheit oder Verlust, haben Ereignisse, die wie ein Blitz aus heiterem Himmel ins Leben treten und dann bleibende Spuren hinterlassen?
Oft genug fragen wir nach dem Warum von Ereignissen. Doch die Antwort bleibt aus. Und dann suchen wir nach logischen Begründungen. Manche versuchen dann sogar, eine scheinbare Schuld für diesen Schicksalsschlag auf sich zu nehmen, nur um eine Deutung zu finden, mit der sie leben können. Um mit enttäuschter Hoffnung umzugehen, suchen wir oft die Schuld bei andren oder bei uns selber, weil wir nicht damit umgehen können, dass das Leben manchmal nicht fair ist. Wrir suchen Erklärungen und Verursacher, um nicht zugeben zu müssen, dass wir in all unserer Lebensplanung, in all unseren Lebenshoffnungen unrealistisch waren, weil wir das Unvorhersehbare im Leben ausgeblendet haben.
Was aber können wir tun, wenn die unerklärbaren Dinge im Lebenslauf geschehen? Wie gehen wir um mit den Schicksalsschlägen, die dem Leben eine ganz andere Wendung geben?
Paulus meint mit seinen Gedanken, dass wir zuerst einmal annehmen sollten, was da geschieht. So wie wir unsere schwierigen Seiten annehmen müssen um Frieden zu erlangen, so ist das auch mit den Schicksalsschlägen des Lebens. Nur wenn wir dem, was uns bedrängt in die Augen sehen, verliert es seine Macht. Wenn wir das Vertrauen aufbringen, das das Bedrängende nichts Böses ist, also etwas, was dem Leben nicht den Sinn nimmt, wenn wir diese Bedrängnis als Teil des eigenen Lebens aufnehme, dann können wir in einem zweiten oder dritten Schritt, vielleicht nach Jahren diesem Schicksal auch einen Sinn abtrotzen. Nicht weil das Geschehen deshalb geschehen ist, aber doch in dem Sinne, dass es in mir hilfreich gewirkt hat. Wir können für uns etwas darauf lernen, wenn wir es annehmen als einen Teil des Lebens.
Und dann wird auch deutlich, was Paulus da sagt, wenn er schreibt: Wir rühmen uns der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Er beschreibt darin eine reife Hoffnung, die nicht in der Vordergründigkeit des Lebens stehen bleibt, sondern die darin gründet, dass das Leben als getragenes Leben zu jeder Zeit, an jeder Stelle seinen Sinn behält. Und dann hören wir auch auf, Hoffnung in bestimmte Dinge oder Ereignisse zu setzen, sondern wir können inmitten all dessen, was mit uns geschieht, Hoffnung auf Heil und Frieden entwickeln.
Gott liest unseren Lebenslauf mit sehr liebevollen Augen. Manches streicht er vielleicht sogar rot an, damit wir es uns noch einmal genauer ansehen. Und es werden in der Regel die Dinge sein, wo wir meinen unser Leben sei trostlos oder schwierig gewesen. Schau es dir an, nimm es an und schau, was es aus deinem Leben gemacht hat, was inmitten dessen an verborgenen Schätzen gewesen ist. Und wir werden merken, wie sehr Gott uns schon längst angenommen hat, wie sehr wir getragen und geborgen sind. Der Weg in den Himmel ist längst angetreten, und auf den Weg gehört jeder Tag, jeder Umweg, jeder Bruch und alles, was es uns schwer gemacht hat. Vor Gott hat alles seinen Sinn, er schreibt auch auf krummen Wegen gerade, wie mal jemand gesagt hat. Nehmen wir das für uns an, nehmen wir uns selber so an, wie Gott uns in Christus angenommen hat: Durch dieses Vertrauen haben wir wirklichen Frieden durch Gott. Amen

Die grundlegenden Gedanken dieser Predigt sind einer Lesepredigt von Anne Henning übernommen. Veröffentlich in Lesepredigten II. Perikopenreihe  2004

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 279, 1-2, 7+8
Psalm
Eingangsliturgie
Gott du hast uns Gnade und Barmherzigkeit verheißen. Von Anbeginn warst du für deine Kinder da, für dein Heiliges Volk. So bitten wir dich, nimm auch uns an mit allem, was in uns ist und unser Leben begleitet. Lass uns so erkennen, dass niemand vor verloren ist. Darum bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lesung: Röm 5, 1-5
Lied: 79, 1-4
Lesung: Mk 12, 1-13
Glaubensbekenntnis
Lied: 366, 1-4
Predigt
Lied 345, 1-5
Fürbittengebet
Gütiger Gott und Vater!
In deinem Frieden dürfen wir leben, weil du uns wirklich liebst - einen jeden von uns, so wie er oder sie ist.
Dafür danken wir dir und bitten dich, lass diesen Frieden in vielen Menschen wirksam sein. Öffne Ohren und Herzen für deine Botschaft, auf dass wir Menschen erkennen, wie du uns trägst. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die sich durch Arbeit und äußere Anstrengung bemühen, ein gutes Leben zu führen. Lass sie nicht verzweifeln daran, wenn die Bemühungen fehlschlagen, wenn ihr Tun keine Anerkennung findet oder sie gar ins Leere laufen. Hilf ihnen zu erkennen, welche Anerkennung du uns schenkst. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen, die durch ihre Vergangenheit gebunden sind, die immer wieder suchen nach Antworten, die keiner geben kann, die sich von Fehler und Schwächen immer wieder niederdrücken lassen. Lass dein Wort der Gnade und Liebe laut werden, auf dass sie neu anfangen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die von schweren Schicksalsschlägen gezeichnet sind und mit ihrem Schicksal allein gelassen werden. Hilf ihnen, ihre Lebenssituation anzunehmen und nicht zu verzweifeln. Öffne du ihr Innerstes, dem du immer wieder leben schenken möchtest. da
Wir bitten für alle Menschen, die von schweren Schicksalsschlägen gezeichnet sind und mit ihrem Schicksal allein gelassen werden. Hilf ihnen, ihre Lebenssituation anzunehmen und nicht zu verzweifeln. Öffne du ihr Innerstes, dem du immer wieder Leben schenken möchtest. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen in unseren Gemeinden, die schweres zu tragen habe. Sei nahe mit deiner Kraft, mit deinem Liebe und schenke du Vertauen und Zuversicht für alles, was auf diese Menschen zukommt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

Reminiszere
 
7. 3. 2004

Liturgischer
Ablauf
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