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Röm 13, 8-14

Seid niemandem etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt.

Das ist der erste Satz unseres heutigen Predigttextes aus dem Römerbrief. Abgeschlossen werden die Gedanken des Paulus mit dem Satz: Zieht an den Herrn Jesus Christus.

Diese beiden Sätze möchte ich mir für heute als Worte der Auslegung herausgreifen, denn wir haben heute den ersten Advent und damit Beginn einer kirchlichen Bußzeit und bei uns in Groß Elbe ist Basar.

Zunächst zum Basar. Ich denke, dass vieles von dem, was hier heute angeboten wird, was zum Verkauf für den guten Basarzweck – das Elternhaus in Göttingen und Brot für die Welt - gedacht ist, mit Liebe für diese Menschen getan ist. Menschen in unseren Dörfern geben ihre Zeit dafür hin, damit hier am 1. Advent finanzielle Mittel erwirtschaftet werden, die diesen Menschen ein ganz klein wenig helfen. Diese Hilfe ist ein Zeichen der Verbundenheit von Christen mit den Menschen in Notlagen, es ist ein Zeichen der Liebe und Dankbarkeit dafür, dass es uns selber gut geht. Und wir, die wir diese handgearbeiteten Dinge kaufen, machen nicht nur uns oder den Empfängern dieser Gegenstände eine Freude, sondern helfen dazu, diese Verbundenheit zu stärken.

Seid niemandem etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt.

Für das Christsein ist die Nächstenliebe ein ganz wichtiges Erkennungszeichen. Nächstenliebe ist die Zusammenfassung des Lebens in Verbundenheit mit Gott, in der Nachfolge Jesu Christi.             Verantwortung füreinander, Hilfe im Alltag, Hilfe in den schweren Situationen des Lebens, kennt keine Grenzen, sondern sie ist uns aufgetragen durch die Liebe Gottes zu uns Menschen. Paulus schreibt den Menschen in Rom, dass diese Liebe konkret wird in der Achtung der 10 Gebote, die Gott als Zeichen der Liebe und als Hilfe zum Leben in der Gemeinschaft geschenkt hat. In diesen Geboten wird deutlich, dass Liebe wirklich nicht den persönlichen Vorteil sieht, sondern dass Nächstenliebe den anderen fest im Blick hat.

Liebe wird konkret in der Erfüllung der Gebote, sie verwächst dadurch mit dem Alltag der Welt und des Lebens, auf dass Christen Leben nicht zerstören, dem anderen sein Gut (und Gutes) nicht nehmen, nicht begehren, nicht absprechen – »und was da sonst an Geboten ist«. Die Gebote (der 2. Tafel) werden als die konkreten, auf die Welt und die Menschen bezogenen Handlungsperspektiven der Liebe verstanden. Wer meint, dass sie unwichtig sind und wer sich von ihnen befreit, kann dies nicht im Namen der Liebe und im Namen Christi tun, sagt Paulus.

Wer die Gebote Gottes abschaffen wollte oder meint sie gelten für ihn nicht, ist noch nie weitergekommen als bis zur Abschaffung der Menschlichkeit. Insofern gilt es im Christentum darüber zu wachen, dass die »Liebe« sich nicht selbst durch das definiert, was uns selber ganz persönlich lieb ist, und dass sie uns am Ende nur genehmigt, was uns genehm und den Leuten sowieso eingängig ist. Was Liebe ist, definiert sich vielmehr durch Gott, durch dessen Wirken die Liebe konkret wird.

Seine Liebe gibt allen Weisungen einen Sinn. Und der geht nie im Buchstäblichen auf und taugt auch nicht zur Selbstrechtfertigung, nach dem Motto: schaut was ich alles einhalte und mache und deshalb bin ich ein liebender und guter Mensch. Darin käme nur die Selbstliebe zum Ausdruck, aber dies wäre nicht die Liebe zum Nächsten, die man ihm so entgegenbringen soll, so wie man sich selbst liebt.

Liebe, die wir einander schuldig sind, hat immer den anderen, im Blick, so wie er oder sie ist, so wie es seiner menschlichen Situation angemessen und hilfreich ist. Und das macht wirkliche Liebe aus, nicht die äußerlichen Taten. Und diese Liebe bleiben wir einander ein Leben lang schuldig, diese Liebe hat kein Ende.

Das hat Jesus Christus vorgemacht.

Darum sagt Paulus auch: Zieht den Herrn Jesus Christus an.

Ein schönes Bild, das Paulus da gebraucht. Er erinnert damit an die Taufe, wo viele ein Taufkleid angezogen bekommen haben. Dieses Taufkleid ist Symbol des neuen Lebens. Der Getaufte wird umkleidet von Gott, auf dass er ein neues Leben in Gemeinschaft und Liebe empfängt.

Ich möchte dieses Bild des Paulus einmal etwas bedenken. Was ist das für ein Mantel den Gott uns da umlegt?

Zu aller erst ist es ein Schutzmantel, eine Schutzkleidung die wir da von Christus empfangen. Die getauft sind, laufen nicht länger schutzlos durchs Leben. Denn die Taufe ist »ein Sakrament und göttlich Wortzeichen, wodurch Gott ... verspricht, daß er dem Getauften ein gnädiger Gott wolle sein« so heißt es im Katechismus von Johannes Brenz, einem Reformator zur Zeit Luthers. Das Taufkleid ein Kleid, dem wir nie entwachsen werden, das wir nie ablegen können, das aber auch mit uns mit wächst in den Veränderungen unsers Lebens. Sein Schutz ist, dass mit der Taufe Gott sein Vorwort der Gnade zu unserem ganzen Leben gesprochen hat, vor all den anderen Wörtern unseres Lebens und über unser Leben; es ist das Wort, mit dem Gott selbst all die Mäuler des Übelredenden stopft, die oft so gnadenlos über uns reden und herfahren, die uns schlecht machen. Und manchmal sind wir es sogar selber und Gott fährt uns damit über den Mund und sagt dagegen: du, Mensch bist wer, du bist wichtig. Das gilt für alle Zeit.

Als zweites sehe ich in dem Kleid, das wir da anziehen sollen, einen Arbeitsmantel. Jesus selbst band sich einmal einen Schurz um, als er seiner Jünger Füße wusch. Das heißt, Christen sollen nicht tatenlos auf sich selber bedacht durchs Leben gehen, sondern die empfangene Gnade weitergeben und darin das Gesetz der Liebe umzusetzen. In der Selbstachtung den anderen achten, in der Angst um wirtschaftliches Wachstum die Armut der Welt nicht aus den Augen verlieren, in dem eigenen guten Lebensstand den von familiärer Not Betroffenen nicht vergessen oder gar verachten, wie das z.B. mit Harz IV Empfängen leider immer wieder geschieht.

Insofern ist der Arbeitsmantel als drittes auch ein Dienstmantel, den wir Getauften tragen. An den Christen soll Christus erkannt werden. Am Taufkleid erkennt man den Täufling, am Talar den Prediger, die Predigerin, an der Tracht die Schwester, an der Dienstkleidung immer den Dienstgeber. Darum schließt man von den Christen auch auf Christus. Denn wie wir miteinander umgehen, Christen mit Christen, darin geben wir auch Zeugnis von dem Herrn ab, dem wir dienen. Und für uns Christen ist dies nun mal Christus, unser Herr und Heiland. Natürlich weiß ich,  wir haben allesamt dem Christentum schon Schande gemacht: eben durch die Art, wie wir Christen miteinander umgehen; durch die Art, wie undiszipliniert wir mit unserem »Leib« umgehen wie Paulus es in unserem Predigttext formuliert.

Gut dass wir daran erinnert werden, dass unser Christsein auch ein Kleid ist, das denn Herrn bezeugt.

Und da kommt nun die Adventszeit als Bußzeit, als Zeit der Umkehr in den Blick. Es gilt immer wieder umzukehren ins Taufkleid. Advent als Besinnungszeit hin als zu dem, auf dessen Name wir getauft sind, damit wir uns aufs neue von ihm in Schutz und in Dienst nehmen lassen für das, was dem Menschen dienlich ist.

Als viertes und letztes Kleid möchte ich sagen, dass das bildliche Taufkleid, das uns gegeben ist, auch ein Reisemantel ist. Als Getaufte stehen wir nicht an einer Stelle, sondern wir sind unterwegs, unterwegs mit Gott und den Menschen dieser Welt. Wir sind unterwegs, aber wir sind nicht ziellos, denn das Ziel unseres Lebens, der gütige Gott geht immer schon mit uns mit und wir haben ihn als Ziel vor Augen. Wir gehen nicht einfach nur so dahin, sondern der Weg, den wir beschreiten ist ein Weg, auf dem Gott mit uns etwas vor hat, auf dem er uns braucht, und auf dem er uns immer wieder stützend zur Seite ist. Wir gehen auf diesem Weg durch viele Dunkelheiten und manche Rätsel. Wir fallen hin, stolpern mitunter, wissen manchmal nicht weiter, fühlen uns am Ende. Doch da umgibt uns dieser Taufmantel als Mantel der Ermutigung und Stärkung zum Weitergehen und wieder Aufstehen.

Und vielleicht ist er dereinst auch Kleid für die letzte Reise. Aber gerade darin ist das Taufkleid unseres Bildes dann auch die Gewissheit: Christus geht mit bis ans Ziel der Ewigkeit. Umkehr zu ihm hat dann eine Perspektive, die uns in die Zukunft führt, als Begleitete, als Versorgte, als in der Gemeinschaft mit dem Schöpfer und Erhalter Lebende. Wir tragen ein Kleid, das uns Gewissheit gibt, nicht verloren zu gehen, an keinem Punkt des Lebens.

Darum dringt Paulus darauf: Zieht den Herrn Jesus Christus an. In ihm habt ihr alles, was ihr fürs Leben braucht.

1. Advent – Zeit der Ankunft, der Ankunft der Liebe Gottes in dieser Welt durch Jesus Christus. Umkehren zu dieser Liebe, einüben dieser Liebe, das wäre ein guter Vorsatz für das neue Kirchenjahr, das wir heute beginnen. Einen kleinen Teil davon können wir hier heute schon umsetzen. Amen

 

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 1, 1-4
Psalm
Eingangsliturgie
Gebet
Lesung: Röm 13, 8-14
Glaubensbekenntnis
13,1-3
Predigt
Lied: 16, 1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
Lied 1, 5
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe

27. 11. 2011

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