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Freut euch in dem Herrn, und abermals sage ich euch: Freut
euch! Was für eine Ermunterung heute am 4. Advent.
In mir kommen 2 sehr unterschiedliche Gedanken hoch, wenn ich diese
Aufforderung der Bibel höre. Zum einen spüre ich eine wirklich echte und
tiefe Freude, die da weitergegeben wird. Paulus meint ernst, was er hier
sagt, er trägt diese Freude in sich und will sie weitergeben. Und bei mir
kommt sie auch nach 2000 Jahren noch an. Warum kommt sie an? Vor allem
natürlich dadurch, dass ich weiß, in welcher Situation Paulus diese Worte
geschrieben hat. Er saß nämlich im Gefängnis. Er musste damit rechnen
wegen Volksverhetzung zu sterben. Ein Urteil, das aus heutiger Sicht
sicherlich völlig unangemessen ist, allein dafür, dass er christliche
Gedanken verkündet. Doch das war damals so. In dieser Situation hatte er
wohl aber doch die Möglichkeit einen Brief an seine Brüder und Schwestern
in Philippi zu schreiben. Vielleicht war es für ihn so etwas wie eine Art
Testament, das er hinterlassen wollte. Wir wissen, dass er frei kam, dass
er später noch andere Gedanken schreiben konnte. Aber in diesem Moment war
es für ihn Endzeitstimmung.
Doch diese Endzeitstimmung war nicht besetzt von Verzweiflung und Angst,
von Hoffnungslosigkeit und Resignation, sondern es war zutiefst bestimmt
von Freude und Hoffnung.
Warum? werden wir uns fragen. Nun, weil Paulus und mit ihm viele andere
Christen davon ausgingen, dass die Wiederkunft Christi und damit die
Veränderung der Welt im Sinne Gottes direkt bevorstand. Wenn zu diesem
Zeitpunkt auch Leiden zu ertragen waren, so war das nichts gegen die
Hoffnungen, die die Christen im Herzen trugen und die das Leben in einem
ganz anderen Licht erscheinen ließen. Insofern spricht aus den Worten:
Freut euch im Herrn allezeit, eine wirkliche, tiefe empfundene Freude, die
bis heute hin spürbar ist. Sie strahlt aus, vom Gefängnis des 1.
Jahrhunderts bis in die freie Welt des 21. Jahrhunderts.
Von solcher Freude möchte ich auch erfüllt sein, eine Freude, die durch
alle schwierigen Seiten des Lebens hindurch trägt, die über alle
Tagesereignisse des kleinen und großen Lebens hinaus reicht.
Nur - und da stellt sich dann der zweite Gedanke ein - kann man eine
solche Freude befehlen, kann man äußerlich dazu ermutigen? Ist Freude
nicht so etwas wie Liebe, die sich einfach einstellt, sondern die sich
ergibt? Liebe kann ich nicht einfordern und auch Freude kann ich nicht
einfordern. Entweder ich freue mich oder ich freue mich nicht. So erleben
wir es zumindest.
Einfordern oder befehlen können wir nicht, aber wir können zur Liebe
ermutigen. Und wir können zur Freude ermutigen. Ich kann Hinweise geben,
warum es richtig ist, Liebe zu entwickeln, ich kann Gründe aufzeigen,
warum wir Grund zur Freude haben, warum die Freude das Grundelement
unseres Lebens sein kann.
Freut euch im Herrn allezeit, in diesem Satz steckt schon ein ganz
wichtiger Hinweis. Es geht bei der christlichen Freude nicht um ein
allgemeines sich Freuen, sondern um ein sich Freuen im Herrn. Christliche
Freude besteht nicht darin, dass unsere Lebensumstände freudig sind, dass
wir also ein Leben führen, das freudvoll ist. Gerade Paulus hatte nun
wahrlich keinen Grund zur Freude und doch war er voller Freude. Allerdings
in einer Art, die für uns nicht mehr so möglich ist. Er konnte noch an
eine baldige Ankunft Jesu glauben, uns fällt das nach 2000 Jahren schon
ein wenig schwer. Wir gehen eher davon aus, dass sich in dieser Weise
nichts ändert. Der Herr ist nahe! das war für Paulus noch ein Ruf
dahingehend, sein Leben auf dieses Kommen auszurichten. Für uns klingt es
er nach: Weihnachten ist nahe am 4. Advent.
Aber vielleicht dürfen wir eben diesen Satz auch nicht einfach zeitlich
verstehen, wie es Paulus getan hat, sondern wir müssen ihn personal
verstehen. Jesus Christus kommt uns nahe, Gott ist uns nahe. Er ist wohl
nicht direkt greifbar, nicht vorzeigbar, das muss immer wieder gesagt
werden, aber er ist nahe, er ist gegenwärtig, seine Wahrheit, seine
Wirklichkeit ist mitten unter uns.
Die Menschlichkeit Gottes ist unter uns, sie ist wirksam. Darum geht es
auch am 4. Advent, dem letzten Sonntag vor dem Weihnachtsfest. Daran will
erinnert werden, wenn Paulus zur Freude im Herrn allezeit erinnert. Die
biblischen Geschichten, die wir erzählen, dienen ja nicht nur dazu längst
Vergangenes in Erinnerung zu rufen. Sie sollen eine andauernde
Wirklichkeit beschreiben, die unabhängig ist von irgendwelchen Festen, die
Menschen einmal festgelegt haben. Und eine der bedeutendsten Wahrheiten
und Wirklichkeiten ist eben, dass Gottes Gegenwart unter uns Menschen
lebendig ist.
Mir wird das immer deutlich in dem Lied von Jochen Klepper, die Nacht ist
vorgedrungen. Ich fände es schön, wenn wir die Verse 1,3 und 4 von diesem
Lied an dieser Stelle gemeinsam singen würden, damit jeder von uns diese
Gedanken einmal ausgesprochen zu hat.
Dieses Lied ist für mich erfüllt von tiefer christlicher Freude, wie ich
sie an anderen Stelle kaum beschrieben finde. Diese Verse sind für mich
durchdrungen von einer ganz tiefen Ernsthaftigkeit und Lebensnähe, die mir
gerade dadurch sehr viel Mut machen, am christlichen Glauben festzuhalten.
Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. Jochen Klepper
weiß 1938 wie schwierig die Lebenssituation der Menschen ist. Er selber
steht unter stärkstem Druck, seine Frau ist Jüdin, er ist von der
Judenverfolgung direkt mit betroffen. Leider konnte er selber diesem Druck
am Ende doch nicht standhalten. Er hat 4 Jahre später zusammen mit seiner
Frau Selbstmord begangen. Doch 1938 hat ihn der Gedanke an Weihnachten,
dass da ein Licht in die Welt gekommen ist, das alle Dunkelheit vertreiben
kann, noch dazu gebracht, zu einem Lobgesang aufzurufen.
Trotz des Wissens um das Ende von Jochen Klepper ist dieses Lied für mich
einer der wichtigsten Adventsgedanken. Wenn wir uns auch in der Situation
der Nacht befinden, wenn wir auch unser Leben mehr im Finstern als im
Hellen sehen mögen, die Mitternacht ist immer überschritten, es geht dank
unseres Gottes immer auf den Tag zu. Selbst mitten im Karfreitag scheint
irgendwie auch schon das Licht von Ostern, mitten in der Dunkelheit der
Trauer, des Leides und der Not scheint doch auch das Licht des Advent, das
Licht des Kommens Jesu. Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und
-schuld, doch wandert schon mit allen der Stern der Gotteshuld. Schöner
und lebensnäher kann man es nicht in Worte fassen. Klepper verspricht
keine heile Welt, Weihnachten ist nicht die Idylle eines heilen Lebens.
Die dunklen Zeiten begleiten uns weiter und auch an Weihnachten und da
spüren wir sie besonders. Da werden wir ja auch gerade sehr aufmerksam für
dieses Zeiten. Und doch ist das eben nicht alles. Es gibt diesen Stern von
Bethlehem, es gibt dieses Licht in der finstern Nacht und dieses Wort des
Engels: Fürchte dich nicht. Es wandert nun mit allen der Stern der
Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr, von
Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.
Darum feiern wir ja auch Weihnachten, darum gehen wir mit kleinen
Schritten, Kerze für Kerze auf Weihnachten zu, dass wir dies erkennen und
begreifen für unser Leben: Es gibt ein Licht in jedem Dunkel, wir können
trotz aller Finsternisse dieses Lebens dennoch Freude empfinden. Und das
gilt dann auch nicht nur in der Adventszeit, das gilt jeden Tag unseres
Lebens, das ganze Jahr hindurch.
Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern in allem lasst eure
Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden. Das ist
dann die Lebensseite dieser so freudvollen Gedanken, die uns heute vor
Augen gestellt werden. Wir werden aufgefordert unser Leben intensiv zu
betrachten, es anzuschauen darauf hin, wo wir denn für dieses Leben Danke
sagen können. Bitten, beten, flehen, das sind Lebensäußerungen, die Gott
suchen, die Leben suchen. Aber das ist nur die eine Seite des Lebens. So
sehr wir auch bei Gott Hilfe und Beistand suchen und von ihm her auch
brauchen, so sehr gilt sicher auch immer: Wir sind nie ganz am Ende, es
gibt so vieles wofür wir auch inmitten des Betens und Flehens dankbar sein
können. Ein Leben, das sich selber von Jesus Christus her versteht, von
diesem menschlichen Zeichen der Zuwendung Gottes bis in den Tod hinein,
das wird diese Dankbarkeit auch immer wieder spüren, wird sie zum Ausdruck
bringen. Darin wird dann auch Glaube sichtbar, ein Glaube, der das ganze
Vertrauen auf den setzt, der uns zugewandt ist. Diese Dankbarkeit lässt
uns immer wieder nach vorne schauen, lässt uns Freude und Lebenshoffnung
entwickeln. So wie Paulus auf die Wiederkunft Jesu Christi gewartet hat,
so auch mögen wir auf eine bessere Welt warten und hoffen. Aber wir dürfen
schon heute so leben, als gäbe es sie schon. Wir leben nämlich unter dem
Stern Jesu. Das macht uns dankbar, das macht uns freudig.
Amen
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Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 17, 1-4
Psalm: 102
Eingangsliturgie
Gebet
Gütiger Gott!
Du kommst uns nahe, auf dass das Dunkel Hell werden, auf dass die
Niedrigen erhöht werden. Du stärkst, was schwach ist und du trocknest die
Tränen derer, die Leid tragen. Inmitten von Armut und Not hören wir die
Botschaft der Freude. Dafür danken wir dir und bitten dich, lass uns daran
teilhaben. Öffne uns für diese Botschaft und mach uns bereit sie mit
anderen zu teilen.
Das bitten wir ...
Lesung Phil 4, 4-7
Lied: 9, 1,2,5,6
Lesung: Lk 1, 46-55
Glaubensbekenntnis
Lied: 4,1-4
Predigt
Lied:16, 1, 3, 4
Predigt
Lied: 13, 1-3
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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