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Einige zwar predigen Christus aus Neid
und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe,
denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege;
jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie
möc,hten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was soll's aber?
Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum
Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.
Aber ich werde mich auch weiterhin freuen;
denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und
durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und
hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und
offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem
Leibe, es sei durch Leben oder durch den Tod. Denn Christus ist mein
Leben und Sterben ist mein Gewinn.
Gnade sei mit uns ...
In diesem Gottesdienst gilt es wieder einmal mehrere Anläße in einer
Predigt zu würdigen. Da haben wir zum einen die Wahl der neuen
Kirchenvorstände in unserem Gemeinden. Dann ist es die Passionszeit als
Vorbereitungszeit auf Karfreitag und Ostern und ein Predigttext, der uns
nicht unbedingt eingängige Gedanken vorlegt, mit denen wir uns
auseinanderzusetzen haben. Ich will mich bemühen, diese drei so
unterschiedlichen Gedankenstränge miteinander zu verbinden.
Beginnen wir mit der Wahl der Kirchenvorstände.
Die evangelischen Christen sind aufgerufen Kandidaten in ein Gremium zu
wählen, das die Belange der Kirchenmitglieder vertritt und damit das
Leben der Kirchengemeinde beeinflußt und gestaltet. Juristisch formal
lautet das im Kirchenvorstandsbildungsgesetz: Der Kirchenvorstand und
das Pfarramt tragen besondere Verantwortung für Gottesdienst, Seelsorge,
Unterrichtung und Unterweisung, Förderung von Diakonie und Mission sowie
für die kirchlichen Ordnungen. Vielfältige Aufgaben sind es, die in der
Kirchengemeinde zu erfüllen sind. Unterschiedliche Menschen mit
unterschiedlichen Gedanken sind aufgefordert in all diesen Bereichen
ihre Gaben und Möglichkeiten einzusetzen zum Wohle der Kirchengemeinde
und das heißt zum Wohle der Menschen, zum Wohle der Kirche und zum Lobe
Gottes.
Ich denke, es ist ein schönes Amt, in dem man vieles für andere, für das
Dorf und seine Gemeinschaft, für die Menschen im Dorf tun kann, aber
auch für sich selber. Denn kirchliche Arbeit ist sicher oft eine nach
außen orientierte Arbeit. Der Einsatz für die normalen Belange der
Kirchengemeinde, was den Ablauf der Kreise und Angebote angeht, oder
auch die Verwaltungstätigkeiten gehören dazu, genauso wie der Einsatz
für die Schwachen in der Gemeinde, zu denen wir als Kirche gerufen sind.
Aber es gehört auch dazu, dass wir in der Arbeit selber angesprochen
sind, unsere eigenen Gedanken des Glaubens stärken, in Frage stellen
lassen, oder in der konkreten Arbeit auch korrigieren, weil wir neue
Erfahrungen machen, die unsere Gedanken ganz neu werden lassen. ARbeit
im Kirchenvorstand ist darin nicht nur organisatorische oder
verwalterische Arbeit, sondern auch eine geistliche Arbeit, zur Stärkung
des Glaubens - des eigenen Glaubens wie des Glaubens anderer Menschen.
Das ist nun sicherlich nicht immer einfach, denn es müssen auch
Entscheidungen getroffen werden, die viele betreffen. Und wer
Entscheidungen zu treffen hat, der muß auch mit den Auswirkungen dieser
Entscheidungen leben. Und wie das so ist mit Entscheidungen, sie treffen
nicht immer auf das Lob aller. Die unterschiedlichen Sichtweisen von
Vorgängen, von äußeren und inneren Dingen in der Kirche führen dazu,
dass man auch auf Kritik stößt, dass man in besonderer Weise angegangen
und befragt wird. Die derzeitigen Kirchenvorsteherinnen und
Kirchenvorsteher haben dies in der Vergangenheit zum Teil sehr deutlich
zu spüren bekommen. Sie haben viel Mut und Kraft aufbringen müssen, um
den Weg zu Ende zu gehen, um getroffene Entscheidungen durchzuhalten.
Arbeit in der Kirche, Leben als Christ in Verantwortung für andere, das
ist kein leichter Weg. Dafür braucht man Mut und Kraft, dafür braucht
man eine Grundlage, auf der man steht und auf die man sich verlassen
kann, wenn der Wind ins Gesicht weht.
Von einer solchen Grundlage schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief
an die christliche Gemeinde in Philippi. Er selber sitzt im Gefängnis.
Er weiß nicht, was aus ihm wird. Wird man ihn freilassen, wird man ihn
nur gefangen gehalten, vielleicht auspeitschen lassen, oder muß er gar
mit dem Tod rechnen? Eine sehr ungewisse Zeit, in der er lebt und diesen
Brief schreibt und durch einen Boten überbringen läßt. Und er muß dort
im Gefängnis nicht nur mit dieser Ungewißheit leben, sondern auch damit,
dass dieser Gefängnisaufenthalt von anderen dazu genutzt wird, dass er
verunglimpft wird. Wer im Gefängnis sitzt, kann doch wohl keiner sein,
der die gute Botschaft von Gott weitergeben kann. Ihm solle man nicht
vertrauen, sondern eben denen, die an seiner Stelle das Wort ergreifen.
Wie geht Paulus mit dieser Verunglimpfung um? Zunächst einmal sagt er
sehr deutlich seine Meinung. Einige predigen Christus aus Neid und
Streitsucht. Paulus nimmt da kein Blatt vor den Mund, er spricht sehr
deutlich aus, was er von diesen Menschen hält. Neidisch sind sie, weil
sie nicht so viel Erfolg haben, nicht so viel Anerkennung genießen.
Streitsüchtig sind sie deshalb, suchen nach Möglichkeiten den
erfolgreichen Missionar Paulus schlecht zu machen. Eigennützig nennt
Paulus sie, nicht ehrlich in ihren Zielen, denn sie wollen mit ihrem
Predigen Paulus nur noch mehr Bedrückung schaffen. Doch weiter geht er
gar nicht auf diese Leute ein. Viel wichtiger ist im auch etwas anderes:
Was soll's, so schreibt er. Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede
Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich
darüber.
Das ist für uns ein sehr ungewöhnliches Denken. Wenn Menschen uns
angreifen zumal in einer Situation, die alleine schon unendlich
bedrückend ist, so werden wir doch in aller Regel sehr gereizt darauf
reagieren. Wir werden uns wehren und alles in Bewegung setzen, um diese
Menschen zur Räson zu bringen. Paulus ist da ganz anders. Ihn
interessiert das alles gar nicht. Er wird sicherlich davon betroffen
sein, auch in irgendeiner Form ärgerlich, aber er läßt sich davon nicht
bestimmen, sondern sein Ziel, seine Grundlage des Lebens ist wichtig,
und die steht im Vordergrund. Wenn nur Christus verkündigt wird, ob nun
zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.
Wenn ich dies höre, so habe ich unterschiedliche Gedanken dazu. Ich
bewundere Paulus auf der einen Seite, dass er so denken kann, dass er
seinen Lebensauftrag, die gute Botschaft von Christus weiterzutragen,
als absolut vorrangig ansieht, vor allem eigenen Ansehen seiner eigenen
Person. Es geht um Christus, nicht um Paulus. Und wenn die Gegner diesen
Glauben an Christus weitertragen, wenn auch mit unlauteren Gedanken
dabei, so dient das dem Ziel seines Lebensauftrages und darüber kann er
sich dennoch freuen. Könnten wir uns darüber freuen, können wir absehen
von unserer Person, wenn es Kritik geht? Mir fällt das schwer, auch wenn
ich mich immer darum bemühe. Paulus macht Mut dazu, immer zu fragen,
dient das, was mir da entgegenkommt, nicht vielleicht doch der Sache,
auch wenn es mir weh tut? So wird das auch im Kirchenvorstand sein. Die
Sache, die wir zu vertreten haben, steht im Vordergrund. Und auch wenn
Ideen abgelehnt werden oder kritisiert werden, es geht immer um die
Frage, wird Christus verkündigt, steht Gottes Weg in der Welt im
Vordergrund.
Und damit sind wir schon bei den beiden anderen Gedanken, die ich bei
den Gedanken des Paulus habe. Er macht nämlich sehr deutlich, dass
kirchliche Arbeit, dass christliche Gedanken sehr unterschiedlich
weitergegeben werden können. Es müssen ja nicht immer gegen Personen
gerichtete Gedanken sein, die das Handeln bestimmen, wie bei Paulus.
Aber doch gibt es Unterschiede im Umgang mit Glauben, mit christlichen
Gedanken. Wichtig für die Arbeit im Kirchenvorstand finde ich, dass
diese Gedanken Raum finden, dass wir sie gelten lassen, dass wir uns von
dieser Vielfalt bereichern lassen. Gerade der Kirchenvorstand ist nicht
Erfüllungsgehilfe des Pfarrers, sondern als eigenständiges Gremium
Zeichen der Vielfalt und der Lebendigkeit des Glaubens. Und das soll
Raum haben, in der Vielfalt des Lebens der Gemeinde. Natürlich müssen
Beschlüsse gefaßt werden, Ordnungen eingehalten werden, auch einmal eine
klare Linie gezogen werden, aber es gibt vieles, wo die Vielfalt des
Glauben seinen Ausdruck finden kann. Wichtig ist, dass wir das Grundziel
unseres Auftrages im Auge haben: nämlich Christus zu verkündigen, die
gute Botschaft Gottes von der Liebe, der Barmherzigkeit und er Vergebung
Gottes für die Menschen. Das gilt es weiterzugeben, in dem, was Kirche
tut, darin liegt die besondere Verantwortung für Gottesdienst,
Seelsorge, Unterrichtung und Unterweisung, Förderung von Diakonie und
Mission sowie für die kirchlichen Ordnungen, wie es im Gesetz heißt. Und
da ist jeder und jede Kirchenverordnete, aber auch jedes Gemeindeglied
aufgefordert, diesem Ziel nachzustreben. Das ist so etwas, wie eine
Meßlatte, an der das Handeln der Christen gemessen wird.
Und nur unter dieser Meßlatte kann man den Satz des Paulus so stehen
lassen. Denn einfach nur so zu sagen: egal was getan wird, Hauptsache
Christus wird verkündet, das geht nicht. Wie oft wird uns die
Vergangenheit der christlichen Kirche vorgeworfen, mit Recht: so z.B.
die Kreuzzüge, die Entdeckung Lateinamerikas, oder das Segnen von
Waffen. Die Kreuzritter sind in den Krieg gezogen, um Menschen zu
christianisieren, um Christusglaube zu wecken. So auch geschehen in
Lateinamerika oder anderen Länder, in denen Missionare gewirkt haben.
Nur war es so, dass wer sich nicht taufen ließ, sein Leben lassen mußte.
Mit Brutalität und Gewinnsucht wurden hinter dem Deckmantel des
Christentums eigensüchtige Ziele verfolgt. Was soll's? möchte ich da
nicht sagen. Hier wurde Christus, der Freund der Armen, der Sünder, der
selbst am Kreuz Leidende, vergessen, bzw. wahrhaft nur als Vorwand
benutzt, um eigene Interessen zu verfolgen. Darum ist es wichtig, in
jedem Handeln von Christen danach zu fragen, geht es wirklich um
Christus und sein Werk oder geht es um etwas ganz anderes. Und mögen
unsere Entscheidungen im Kirchenvorstand auch nicht das Ausmaß der eben
genannten Beispiele haben, so bleibt doch auch für uns, für die
Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, für den Pfarrer und jedes
Gemeindeglied immer wieder die Frage im Raum: steht das, was wir tun,
mit Jesus Christus in Einklang, befördert es seine gute Botschaft.
Das klingt jetzt vielleicht ungeheuer schwer, sehr gewichtig. Das ist es
sicher, aber nicht so, dass wir Menschen es nicht auch tun könnten. Denn
sonst hätte Gott uns Menschen sicher nicht dazu berufen. Für Paulus war
diese Bindung an die Botschaft die große Kraft für sein Leben. Er wußte,
dass in der Bindung an diesen Christus ihm nichts geschehen kann. Er
hatte genau den Halt, den er für sein Leben brauchte, nicht nur für
seinen Auftrag, sondern auch für die Bewältigung seines Lebens. Darum
konnte er auch mitten im Gefängnis, im Angesicht des Todes soviel von
Freude sprechen. Er sagte: gleich was mir geschieht, ob ich nun lebe
oder sterbe, ich habe etwas, das mir niemand nehmen kann. Christus ist
mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, so faßt er diesen Gedanken
zusammen. Er meint damit sicher nicht, dass der Tod etwas
erstrebenswertes ist. Aber weil Christus sein Leben ausmacht, weil er in
ihm seinen Halt bei Gott hat, kann der Tod ihm nichts mehr anhaben,
sondern er ist der letzte Weg zur einer innigen Gemeinschaft mit diesem
Gott. Karfreitag und Ostern - Zeichen des Leidens, der Vergebung, der
Überwindung des Todes und der letzten Geborgenheit bei Gott - das waren
für Paulus wichtigste Grundlage seines Glaubens und Wirkens, Grundlage
für die Freude inmitten seiner oft bedrückenden Lebenssituationen. Wir
wollen nicht hoffen, dass wir als Kirchenvorstand in solche Situationen
kommen oder dass wir Menschen in solche Situationen bringen. Aber wir
wollen uns von diesen Zielpunkten des Lebens bestimmen lassen, um unsere
Arbeit so zu tun, dass eben wirklich Christus verkündigt wird. Wir
wollen Freude fördern, Leiden mindern und aushalten, Vergebung leben und
alles Todbringende überwinden. Wir wollen das tun in der Hoffnung, dass
der Geist Christi uns darin leitet und dass wir so gute Mitarbeiter
Gottes werden.
Amen
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Die
Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
Gustedt |
Lätare
Tag der Kirchen-vorstandswahlen
in Niedersachen
2.April 2000 |
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