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Phil 1,15-21

Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möc,hten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was soll's aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.
Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch den Tod. Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

Gnade sei mit uns ...
In diesem Gottesdienst gilt es wieder einmal mehrere Anläße in einer Predigt zu würdigen. Da haben wir zum einen die Wahl der neuen Kirchenvorstände in unserem Gemeinden. Dann ist es die Passionszeit als Vorbereitungszeit auf Karfreitag und Ostern und ein Predigttext, der uns nicht unbedingt eingängige Gedanken vorlegt, mit denen wir uns auseinanderzusetzen haben. Ich will mich bemühen, diese drei so unterschiedlichen Gedankenstränge miteinander zu verbinden.
Beginnen wir mit der Wahl der Kirchenvorstände.
Die evangelischen Christen sind aufgerufen Kandidaten in ein Gremium zu wählen, das die Belange der Kirchenmitglieder vertritt und damit das Leben der Kirchengemeinde beeinflußt und gestaltet. Juristisch formal lautet das im Kirchenvorstandsbildungsgesetz: Der Kirchenvorstand und das Pfarramt tragen besondere Verantwortung für Gottesdienst, Seelsorge, Unterrichtung und Unterweisung, Förderung von Diakonie und Mission sowie für die kirchlichen Ordnungen. Vielfältige Aufgaben sind es, die in der Kirchengemeinde zu erfüllen sind. Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Gedanken sind aufgefordert in all diesen Bereichen ihre Gaben und Möglichkeiten einzusetzen zum Wohle der Kirchengemeinde und das heißt zum Wohle der Menschen, zum Wohle der Kirche und zum Lobe Gottes.
Ich denke, es ist ein schönes Amt, in dem man vieles für andere, für das Dorf und seine Gemeinschaft, für die Menschen im Dorf tun kann, aber auch für sich selber. Denn kirchliche Arbeit ist sicher oft eine nach außen orientierte Arbeit. Der Einsatz für die normalen Belange der Kirchengemeinde, was den Ablauf der Kreise und Angebote angeht, oder auch die Verwaltungstätigkeiten gehören dazu, genauso wie der Einsatz für die Schwachen in der Gemeinde, zu denen wir als Kirche gerufen sind. Aber es gehört auch dazu, dass wir in der Arbeit selber angesprochen sind, unsere eigenen Gedanken des Glaubens stärken, in Frage stellen lassen, oder in der konkreten Arbeit auch korrigieren, weil wir neue Erfahrungen machen, die unsere Gedanken ganz neu werden lassen. ARbeit im Kirchenvorstand ist darin nicht nur  organisatorische oder verwalterische Arbeit, sondern auch eine geistliche Arbeit, zur Stärkung des Glaubens - des eigenen Glaubens wie des Glaubens anderer Menschen.
Das ist nun sicherlich nicht immer einfach, denn es müssen auch Entscheidungen getroffen werden, die viele betreffen. Und wer Entscheidungen zu treffen hat, der muß auch mit den Auswirkungen dieser Entscheidungen leben. Und wie das so ist mit Entscheidungen, sie treffen nicht immer auf das Lob aller. Die unterschiedlichen Sichtweisen von Vorgängen, von äußeren und inneren Dingen in der Kirche führen dazu, dass man auch auf Kritik stößt, dass man in besonderer Weise angegangen und befragt wird.  Die derzeitigen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher haben dies in der Vergangenheit zum Teil sehr deutlich zu spüren bekommen. Sie haben viel Mut und Kraft aufbringen müssen, um den Weg zu Ende zu gehen, um getroffene Entscheidungen durchzuhalten.
Arbeit in der Kirche, Leben als Christ in Verantwortung für andere, das ist kein leichter Weg. Dafür braucht man Mut und Kraft, dafür braucht man eine Grundlage, auf der man steht und auf die man sich verlassen kann, wenn der Wind ins Gesicht weht.
Von einer solchen Grundlage schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die christliche Gemeinde in Philippi. Er selber sitzt im Gefängnis. Er weiß nicht, was aus ihm wird. Wird man ihn freilassen, wird man ihn nur gefangen gehalten, vielleicht auspeitschen lassen, oder muß er gar mit dem Tod rechnen? Eine sehr ungewisse Zeit, in der er lebt und diesen Brief schreibt und durch einen Boten überbringen läßt. Und er muß dort im Gefängnis nicht nur mit dieser Ungewißheit leben, sondern auch damit, dass dieser Gefängnisaufenthalt von anderen dazu genutzt wird, dass er verunglimpft wird. Wer im Gefängnis sitzt, kann doch wohl keiner sein, der die gute Botschaft von Gott weitergeben  kann. Ihm solle man nicht vertrauen, sondern eben denen, die an seiner Stelle das Wort ergreifen.
Wie geht Paulus mit dieser Verunglimpfung um? Zunächst einmal sagt er sehr deutlich seine Meinung. Einige predigen Christus aus Neid und Streitsucht. Paulus nimmt da kein Blatt vor den Mund, er spricht sehr deutlich aus, was er von diesen Menschen hält. Neidisch sind sie, weil sie nicht so viel Erfolg haben, nicht so viel Anerkennung genießen. Streitsüchtig sind sie deshalb, suchen nach Möglichkeiten den erfolgreichen Missionar Paulus schlecht zu machen. Eigennützig nennt Paulus sie, nicht ehrlich in ihren Zielen, denn sie wollen mit ihrem Predigen Paulus nur noch mehr Bedrückung schaffen. Doch weiter geht er gar nicht auf diese Leute ein. Viel wichtiger ist im auch etwas anderes: Was soll's, so schreibt er. Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.
Das ist für uns ein sehr ungewöhnliches Denken. Wenn Menschen uns angreifen zumal in einer Situation, die alleine schon unendlich bedrückend ist, so werden wir doch in aller Regel sehr gereizt darauf reagieren. Wir werden uns wehren und alles in Bewegung setzen, um diese Menschen zur Räson zu bringen. Paulus ist da ganz anders. Ihn interessiert das alles gar nicht. Er wird sicherlich davon betroffen sein, auch in irgendeiner Form ärgerlich, aber er läßt sich davon nicht bestimmen, sondern sein Ziel, seine Grundlage des Lebens ist wichtig, und die steht im Vordergrund. Wenn nur Christus verkündigt wird, ob nun zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.
Wenn ich dies höre, so habe ich unterschiedliche Gedanken dazu. Ich bewundere Paulus auf der einen Seite, dass er so denken kann, dass er seinen Lebensauftrag, die gute Botschaft von Christus weiterzutragen, als absolut vorrangig ansieht, vor allem eigenen Ansehen seiner eigenen Person. Es geht um Christus, nicht um Paulus. Und wenn die Gegner diesen Glauben an Christus weitertragen, wenn auch mit unlauteren Gedanken dabei, so dient das dem Ziel seines Lebensauftrages und darüber kann er sich dennoch freuen. Könnten wir uns darüber freuen, können wir absehen von unserer Person, wenn es Kritik geht? Mir fällt das schwer, auch wenn ich mich immer darum bemühe. Paulus macht Mut dazu, immer zu fragen, dient das, was mir da entgegenkommt, nicht vielleicht doch der Sache, auch wenn es mir weh tut? So wird das auch im Kirchenvorstand sein. Die Sache, die wir zu vertreten haben, steht im Vordergrund. Und auch wenn Ideen abgelehnt werden oder kritisiert werden, es geht immer um die Frage, wird Christus verkündigt, steht Gottes Weg in der Welt im Vordergrund.
Und damit sind wir schon bei den beiden anderen Gedanken, die ich bei den Gedanken des Paulus habe. Er macht nämlich sehr deutlich, dass kirchliche Arbeit, dass christliche Gedanken sehr unterschiedlich weitergegeben werden können. Es müssen ja nicht immer gegen Personen gerichtete Gedanken sein, die das Handeln bestimmen, wie bei Paulus. Aber doch gibt es Unterschiede im Umgang mit Glauben, mit christlichen Gedanken. Wichtig für die Arbeit im Kirchenvorstand finde ich, dass diese Gedanken Raum finden, dass wir sie gelten lassen, dass wir uns von dieser Vielfalt bereichern lassen. Gerade der Kirchenvorstand ist nicht Erfüllungsgehilfe des Pfarrers, sondern als eigenständiges Gremium Zeichen der Vielfalt und der Lebendigkeit des Glaubens. Und das soll Raum haben, in der Vielfalt des Lebens der Gemeinde. Natürlich müssen Beschlüsse gefaßt werden, Ordnungen eingehalten werden, auch einmal eine klare Linie gezogen werden, aber es gibt vieles, wo die Vielfalt des Glauben seinen Ausdruck finden kann. Wichtig ist, dass wir das Grundziel unseres Auftrages im Auge haben: nämlich Christus zu verkündigen, die gute Botschaft Gottes von der Liebe, der Barmherzigkeit und er Vergebung Gottes für die Menschen. Das gilt es weiterzugeben, in dem, was Kirche tut, darin liegt die besondere Verantwortung für Gottesdienst, Seelsorge, Unterrichtung und Unterweisung, Förderung von Diakonie und Mission sowie für die kirchlichen Ordnungen, wie es im Gesetz heißt. Und da ist jeder und jede Kirchenverordnete, aber auch jedes Gemeindeglied aufgefordert, diesem Ziel nachzustreben. Das ist so etwas, wie eine Meßlatte, an der das Handeln der Christen gemessen wird.
Und nur unter dieser Meßlatte kann man den Satz des Paulus so stehen lassen. Denn einfach nur so zu sagen: egal was getan wird, Hauptsache Christus wird verkündet, das geht nicht. Wie oft wird uns die Vergangenheit der christlichen Kirche vorgeworfen, mit Recht: so z.B. die Kreuzzüge, die Entdeckung Lateinamerikas, oder das Segnen von Waffen. Die Kreuzritter sind in den Krieg gezogen, um Menschen zu christianisieren, um Christusglaube zu wecken. So auch geschehen in Lateinamerika oder anderen Länder, in denen Missionare gewirkt haben. Nur war es so, dass wer sich nicht taufen ließ, sein Leben lassen mußte. Mit Brutalität und Gewinnsucht wurden hinter dem Deckmantel des Christentums eigensüchtige Ziele verfolgt. Was soll's? möchte ich da nicht sagen. Hier wurde Christus, der Freund der Armen, der Sünder, der selbst am Kreuz Leidende, vergessen, bzw. wahrhaft nur als Vorwand benutzt, um eigene Interessen zu verfolgen. Darum ist es wichtig, in jedem Handeln von Christen danach zu fragen, geht es wirklich um Christus und sein Werk oder geht es um etwas ganz anderes. Und mögen unsere Entscheidungen im Kirchenvorstand auch nicht das Ausmaß der eben genannten Beispiele haben, so bleibt doch auch für uns, für die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, für den Pfarrer und jedes Gemeindeglied immer wieder die Frage im Raum: steht das, was wir tun, mit Jesus Christus in Einklang, befördert es seine gute Botschaft.
Das klingt jetzt vielleicht ungeheuer schwer, sehr gewichtig. Das ist es sicher, aber nicht so, dass wir Menschen es nicht auch tun könnten. Denn sonst hätte Gott uns Menschen sicher nicht dazu berufen. Für Paulus war diese Bindung an die Botschaft die große Kraft für sein Leben. Er wußte, dass in der Bindung an diesen Christus ihm nichts geschehen kann. Er hatte genau den Halt, den er für sein Leben brauchte, nicht nur für seinen Auftrag, sondern auch für die Bewältigung seines Lebens. Darum konnte er auch mitten im Gefängnis, im Angesicht des Todes soviel von Freude sprechen. Er sagte: gleich was mir geschieht, ob ich nun lebe oder sterbe, ich habe etwas, das mir niemand nehmen kann. Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, so faßt er diesen Gedanken zusammen. Er meint damit sicher nicht, dass der Tod etwas erstrebenswertes ist. Aber weil Christus sein Leben ausmacht, weil er in ihm seinen Halt bei Gott hat, kann der Tod ihm nichts mehr anhaben, sondern er ist der letzte Weg zur einer innigen Gemeinschaft mit diesem Gott. Karfreitag und Ostern - Zeichen des Leidens, der Vergebung, der Überwindung des Todes  und der letzten Geborgenheit bei Gott - das waren für Paulus wichtigste Grundlage seines Glaubens und Wirkens, Grundlage für die Freude inmitten seiner oft bedrückenden Lebenssituationen. Wir wollen nicht hoffen, dass wir als Kirchenvorstand in solche Situationen kommen oder dass wir Menschen in solche Situationen bringen. Aber wir wollen uns von diesen Zielpunkten des Lebens bestimmen lassen, um unsere Arbeit so zu tun, dass eben wirklich Christus verkündigt wird. Wir wollen Freude fördern, Leiden mindern und aushalten, Vergebung leben und alles Todbringende überwinden. Wir wollen das tun in der Hoffnung, dass der Geist Christi uns darin leitet und dass wir so gute Mitarbeiter Gottes werden.
Amen

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
 Gustedt
 Lätare
Tag der Kirchen-vorstandswahlen in Niedersachen

2.April 2000

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