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Die biblische Lesung heute bringt uns ein Stichwort, das wir alle
vermutlich kennen: das Buch mit den sieben Siegeln. Wir kennen es, wenn
wir sagen, dass uns ein Mensch ein Buch mit sieben Siegeln ist oder ein
Gegenstand oder eine Wissenschaft. Und wir bringen damit zum Ausdruck,
dass wir den Menschen oder die Sache nicht ergründen können. Er ist uns
fremd der Mensch. Wir können ihn nicht durchschauen, können ihn nicht
einschätzen, er gibt sich nicht so, dass wir ihn einordnen können in
unsere Lebenserfahrung und die Bilder, die wir sonst von Menschen haben.
Oder, wenn es um eine Wissenschaft geht: das ist etwas, was unserem
geistigen Vermögen zu hoch ist, wozu wir einfach keinen Zugang haben.
Und manchmal wird mit dem Buch der sieben Siegel die Bibel selber
beschrieben. Auch sie ist für viele Menschen ein Buch mit sieben
Siegeln. Verschlossen, unzugänglich, fern. Und dann übertragen wir das
auch noch auf Gott, der uns ebenso fern ist, unverständlich,
unzugänglich, so dass man schwer verstehen kann, was er eigentlich mit
uns vor hat und was er will.
In der Geschichte, die wir eben aus dem letzten Buch der Bibel gehört
haben, geht es um die Frage, wer denn würdig ist, das versiegelte Buch
zu öffnen, wer berechtigt ist, die Siegel zu brechen. Was macht dieses
Buch zu etwas besonderem, warum sollen die Siegel geöffnet werden?
Es geht darin um die Zukunft, um das was vor uns liegt. Nun weiß ein
jeder von uns, dass Zukunft niemals offen liegt, auch wenn die Zukunft
immer offen ist.
Den Wunsch, die Zukunft zu kennen, den kennen wir alle. Wer hat nicht
schon einmal daran gedacht, dass er gerne wissen würde, wie es
vielleicht in 500 Jahren hier aussehen wird. Das wäre doch etwas sehr
interessantes. Und auch für das eigene Leben wäre es doch manchmal
hilfreich zu wissen, was sein würde, wenn ich diesen oder jenen Weg
ginge. Zumindest würde ich mir davon Hilfe erhoffen für heutige
Entscheidungen.
Aber das Buch ist verschlossen. Mit sieben Siegeln. Eine heilige Zahl in
der Bibel. Sieben Tage hat die Woche, sieben mal sieben ist 49 – das
sind die Jahre der Schuldknechtschaft im 50. Jahr gibt es Befreiung im
so genannten Jubeljahr. 7 das ist in der Antike die Zahl der
Vollkommenheit und somit auch eine Zahl Gottes. Gott selber verschließt
dieses Buch, er verschließt diese Zukunft.
Ich weinte sehr, weil niemand würdig war, dieses Buch zu öffnen, so
heißt es in der Geschichte. Müssen wir weinen, weil wir die Zukunft
nicht kennen?
Wir müssten weinen, wenn wir den Herrn der Zukunft nicht kennten, wenn
die Zukunft unseres Lebens wirklich ungewiss wäre, wenn wir nicht etwas
hätten, was uns auf dem Weg nach vorne Richtung und Wegweisung gäbe, der
zu folgen sich lohnt.
Und einer der Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! siehe es hat
überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das
Buch und seine sieben Siegel.
Das Buch mit den Sieben Siegeln es bleibt nicht ungeöffnet. Da ist
jemand, der Zukunft öffnet. Es wird dabei zurückgegriffen auf eine Altes
Bild aus dem Propheten Jesaja: Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem
Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird
ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes,
der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der
Furcht des HERRN. Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des
HERRN.
Es ist ein Ros entsprungen, so haben wir vorhin gesungen. Eigentlich
schon ein Weihnachtslied, doch es hat auch seinen Platz in diesem
Adventsgottesdienst.
Der Zweig aus der Wurzel bringt neues Leben. Ein Zweig verheißt Zukunft,
zeigt, dass selbst im Zustand des Endes noch Hoffnung und Zukunft
möglich sein kann. Und diese Zweig begann zu wachsen vor 2000 Jahren,
als Jesus in die Welt kam, als deutlich wurde, mit diesem Jesus beginnt
die neue Zukunft Gottes mit den Menschen.
Nicht dass damit gleichsam jeder Tag unseres Lebens, unsers zukünftigen
Lebens auf dem Tisch liegt und wir in dem Buch unserer Zukunft lesen
könnten, nein, so ist das nicht. Aber Jesus öffnet den Zugang zu Gott,
zur Botschaft der Bibel, die uns ansonsten mit sieben Siegeln
verschlossen ist. Mit Jesus verliert die Zukunft ihre dunkle Seite, sie
wird erfüllt mit einem Licht, dem entgegen zu gehen, verbunden ist mit
Hoffnung und Zuversicht.
Und ich sage das auch, wenn ich weiß, dass es Lebenserfahrungen gibt,
von denen überhaupt keine Hoffnung ausgeht. Ich haben da diejenigen vor
Augen, denen der Gesundheitszustand keine lange Zukunft voraussagt, oder
diejenigen, die - durch Schicksalsschläge getroffen – wissen, die
nächste Zeit wird schwer. Weihnachten alleine in der geschmückten Stube
sitzen, vielleicht zum ersten Mal, das ist eine furchtbare Vorstellung.
Keine Arbeit haben und wissen, es wird vielleicht noch lange dauern, bis
sich das ändert, wenn es sich überhaupt ändert – und die Päckchen werden
sehr klein sein. Und vielleicht treiben uns überhaupt sorgenvolle
Gedanken, wenn wir an die Zukunft unserer Gesellschaft denken, mit den
vielen Problemen, die es zu lösen gilt.
Jesus öffnet das Buch der Zukunft nicht so, dass wir wissen, wie morgen
der nächste Tag aussieht, oder wie wir durch bestimmte Lebenssituationen
durchkommen. Er öffnet die Zukunft so, dass wir ganz allgemein und doch
darin auch ganz konkret darauf vertrauen dürfen, dass Gott auch in der
schwierigsten Situation Hoffnung und Zukunft schenkt. Die Wurzel Jesse:
da steht vor meinem Inneren Auge ein Wurzelstumpf. Der Baum, längst
zersägt, auf dem Holzstapel liegen. Wir warten auf das Verrotten des
Stumpfes. Und dann öffnet sich dieser Stumpf, ein Reis wird sichtbar,
aus dem verbunden mit der Wurzel der neue Baum entstehen kann. Das Alte
ist vergangen und doch entsteht in Verbundenheit mit dem Alten das neue
Leben.
Das ist für mich eines der schönsten Bilder der Bibel, denn es ist nicht
nur ein Bild für Jesus, der Gottes Botschaft neu in die Welt bringt,
sondern eben auch ein Bild für uns, an dem wir uns festhalten können, wo
wir nur auf den Stumpf unseres Lebens bringen, oder zumindest den
Eindruck haben, dass dort nur noch ein Stumpf steht.
Jesus Christus ist der große Hoffnungsträger, der mit dem Öffnen der
Siegel die Zukunft des Lebens groß macht, der den Weg nach vorne auf
unbeschreibliche Weise eröffnet hat. Sein Lebensweg, der das deutlich
gemacht hat, ist dabei kein leichter gewesen und am Ende standen Leiden
und Tod Aber gerade deshalb ist er für uns Menschen so wichtig, gerade
deshalb ist er für uns Hoffnungsträger und derjenige, der Zukunft
eröffnet. Er ist derjenige, dem zu folgen sich lohnt, der in seiner
Nachfolge Leben verheißt.
Und ein wenig dieses Lebens versuchen wir hier im Pfarrverband Elbe auch
umzusetzen. Denn Nachfolge Jesu heißt ja nicht nur im ganz persönlichen
Vertrauen seine Hoffnung auf ihn zu setzen und daraus Zuversicht für das
Morgen zu gewinnen. Sondern das heißt auch, dass wir Wege der Zukunft
ermöglichen und stärken wollen in dem, was wir tun.
Am 1. Advent, wo wir heute die Botschaft hören, Gott will Menschen ein
hoffnungsvolles Morgen ermöglichen, da wollen wir unseren Beitrag dazu
leisten, dass Menschen dahin kommen können, dass sie dem Morgen etwas
zutrauen, dass sie vertrauensvoll nach vorne schauen können.
Unsere beiden Projekte, die das zum Ausdruck bringen, sind für mich
wirkliche Hoffnungsprojekte:
so wollen wir das Elternhaus in Göttingen wieder unterstützen. Da sind
Eltern, die um ihre krebskranken Kinder bangen, die im
gegenüberliegenden Krankenhaus behandelt werden. Es sind Menschen, die
von großer Sorge zum die Zukunft ihrer Kinder geplagt sind. Im
Elternhaus finden sie eine Ort, an dem sie mit all ihrer Sorge
aufgenommen sind. Da sind Menschen, die ihnen als Gesprächspartner zur
Verfügung stehen, da sind ebenfalls Betroffene, die sich gegenseitig
stützen können. Da sind Räume in denen gemeinsam mögliche Zeit verbracht
werden kann. Da ist ein Ort geschaffen, in dem ich in der Not hier und
jetzt Hilfe erfahre, Kraft tanken kann, um dem Morgen entgegen gehen zu
können. Es ist ein Ort, in dem Hoffnung gedeihen kann. Hoffnung, die
auch über die Grenzen des möglichen und tatsächlichen Todes hinausgeht.
Auch so wird Zukunft geschaffen, wird Lebenshilfe und Lebensmöglichkeit
eröffnet, auch wenn das schlimmste vor Augen ist. Denn christliche
Hoffnung bleibt nicht am Ende des Lebens stehen, sondern Jesus hat
gerade dort das Tor der Zuversicht geöffnet. Und wir möchten mithelfen,
dass hier Menschen ganz konkret Zuversicht vermittelt wird, dass ihnen
Halt gegeben wird in schwierigster Zeit. Sie sollen darin etwas spüren
von der Gegenwart des lebendigen Gottes.
Und das ist auch Ziel unseres zweiten Projektes, das wir nun ebenfalls
seit vielen Jahren unterstützen: der Life-Line-Express in Indien. Ein
Eisenbahnzug, umgebaut zu einem mobilen Krankenhaus. Es fährt in
entlegenste Gegenden Indiens, um dort Menschen Hilfe anzubieten, die
sonst keinerlei Möglichkeiten haben, solche Hilfe zu erhalten. Für sind
es keine 20 Kilometer zum nächsten Krankenhaus, keine 3 Kilometer zum
nächsten Arzt. Wir haben ein System der Krankenversicherung, das uns
trägt. Für viele Menschen in Indien ist selbst die einfachste Krankheit
manchmal ein riesiges Problem, weil der nächste Arzt eben 30 – 60 –
100km weit weg ist und das Geld für Busfahrt, Arzt und Medikamente nicht
vorhanden ist. Schulden und Schuldenfalle nehmen der Zukunft ihren Raum.
Der Krankenhauszug kann – oft mit kleinsten Mitteln – großes bewirken,
kann so einem Menschen, einer ganzen Familie neue Zukunft schenken und
neue Lebenshoffnung wecken. Natürlich ist dies immer wieder nur ein
Tropfen auf den heißen Stein, doch für diejenigen, die dieser Tropfen
erreicht, ein Zeichen der Zuversicht.
Christliche Hoffnung ist persönliche Hoffnung und gleichzeitig Antrieb
diese Hoffnung weiter zu geben. Christliche Hoffnung ist Ausdruck dafür,
dass jedem Menschen Zukunft in menschenwürdigem Dasein möglich sein
soll. Christliche Hoffnung ist Lebensantrieb für den Weg, der nach vorne
gerichtet ist auch im Angesicht des Baumstupfes, der so wenig Hoffnung
ausstrahlt. Doch von dem, der die sieben Siegel lösen kann, der also der
Zukunftshoffnung ein menschliches Gesicht gibt, von ihm geht Kraft,
Reichtum, Weisheit und Stärke aus, sagt das letzte Buch der Bibel. Darum
gilt ihm Ehre, Preis und Lob, durch die Stimme unsers Mundes, durch
Wärme unseres Herzen, durch die Tat unserer Hände und durch das Mutige
nach vorne schauen im Leben.
Möge Jesus Christus selber uns durch seinen Geist zu einem solchen Leben
führen und uns zur Hoffnung ermutigen. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: EG NsB 538 Lobt den Herrn
Psalm 24 mit Liedruf

Melodie -
Notendownload
Eingangsliturgie
Gebet EGb 243 Gebet 2
Lesung: Off 5,1-5
Glaubensbekenntnis
Lied: 30, 1-4
Predigt
Lied: 1, 1-3+5
Abkündigungen
Fürbittengebet
Liedruf: Machet die Tore weit - s.o.
Wir möchten gerne die Tore öffnen für dich, Gott, dass du in unser Leben
trittst. Komm zu uns und verwandle uns. Hilf, dass wir dich einlassen
unter uns: dass deine Wärme in die Kälte zwischen uns verdrängt, dass
dein Friede unsere Auseinandersetzungen beilegt, dass deine Liebe unsere
Augen für den andern öffnet So kommt du zu uns, König der Ehre.
Liedruf
Komm, zieh ein und öffne die Türen der Herzens für die Menschen, die
Heil und Leben für sich suchen. Lass dein Licht unter ihnen aufleuchten,
komme mit deinem Licht der Hoffnung entgegen. Komm so zu denen, die
Sehnsucht nach dir haben, als König der Ehre.
Liedruf
Komm und öffne die Türen für alle, die im Dunkeln sitzen und denen das
Licht der Hoffnung weit weg ist. Sei bei Kranken, Sterbenden und
Trauernden, bei Verfolgten und von Gewalt betroffenen, bei denen die
nach Gerechtigkeit Ausschau halten. Schenke ihnen allen das Licht der
Zukunft und komme so zu ihnen als König der Ehre.
Liedruf
Komme zu uns in unsere ganz persönliche Not, die wir in der Stille vor
dir ausbreiten.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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