Predigt

NT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Offenbarung 21, 1-7

Dies Predigt wurde auch als Lesepredigt veröffentlicht:
Lesepredigten - II Perikopenreihe - Hrg. v. E. Domay Güterloh 2002


Wenn Menschen über die letzten Tage ihrer Verstorbenen sprechen, dann wird häufig erzählt, dass der oder die Sterbende den Wunsch geäußert hat: ich möchte nach Hause. Sei es im Altersheim, im Krankenhaus oder selbst in der eigenen Wohnung, dieser Wunsch wird sehr häufig von Sterbenden geäußert. Wir Außenstehende versuchen darauf mit der sachlich richtigen Ablehnung einzugehen, dass es der Gesundheitszustand gar nicht zulasse oder dass es demjenigen doch dort gut gehe, wo er oder sie ist. Doch unser Reden kommt oft nicht an. Der Wunsch bleibt, wird immer wieder neu ausgesprochen. Warum kommt unsere Antwort nicht an? Ist der Sterbende schon so unfähig, klare Gedanken aufzunehmen? Kann er uns gar nicht mehr richtig verstehen?
Doch es ist anders! WIR sind diejenigen, die nicht richtig verstehen. Wir hören die Worte: nach Hause. Wir denken an die alte Wohnung, die manchmal gar nicht mehr existiert, oder wir wundern uns über diese Worte, wo der Mensch doch in seinen eigenen vier Wänden liegt. Wir denken an das letzte Lebensumfeld, vielleicht auch an die Heimat, aus der der oder die Sterbende geflüchtet ist und dorthin nun wahrlich nicht zurück kann.
Doch darum geht es meistens nicht. Sterbeforscher haben festgestellt, dass dieser Wunsch, nach Hause zu gehen, einen ganz anderen Sinn hat. In symbolischer Sprache wird uns zu verstehen gegeben, dass der Wunsch besteht zu sterben. Ich möchte in meine letzte Heimat gehen, in mein himmlisches Zuhause. Es gehört zu unserem Menschsein dazu, dass wir ein Gefühl von letzter Heimat in uns tragen. Nur wir Angehörigen, die wir davor stehen, sehen das oft genug nicht, weil wir eben noch ganz mit dieser Welt verbunden sind.
Letzte Heimat, Ewigkeit. Der christliche Glaube nährt diese Gedanken durch seine Bilder, die das Ziel des Lebens vor Augen stellen.
Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen und das Meer ist nicht mehr.
So beginnen die Worte aus der Offenbarung des Johannes. Schon dieser erste Satz fasst alle Hoffnungen zusammen. Es wird etwas ganz Neues geben, einen neuen Himmel, eine neue Erde. Das Alte ist vergangen, das Meer ist nicht mehr. Das Meer, dieses Bild für all das Bedrohliche, das Bedrückende im Leben, das Bild für alles, was uns den Boden unter den Füßen wanken lässt, für das, worin wir unterzugehen drohen. Gerade dieses Bild vom Meer ist eines, das eng verbunden ist mit dem Leben und dem Sterben. Wie oft erleben wir den Verfall eines Menschen oder den plötzlichen Tod als eine Situation wie auf dem Meer. Wir sind ausgeliefert, hilflos, haben das Leben nicht mehr in der Hand. Hin und her geworfen werden wir durch das, was auf uns einstürmt. Der sich verschlechternde Gesundheitszustand, das Abnehmen der Kräfte, die eigene Hilf- und Kraftlosigkeit, diese Ohnmacht, weil wir anerkennen müssen, dass wir am Ende sind.
Oder bei plötzlichem Tod. Da sind die vielen Gedanken, die auf einen einstürmen. Unfassbares, Unwiederbringliches, die vielen Fragen ohne Antworten. Die Menschen fühlen sich wie ein kleines Boot auf einem stürmischem Meer, hin und her geworfen in den bedrängensten Gefühlen.
Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde und das Meer ist nicht mehr.
In diesen Worten liegt die feste Zuversicht, dass es ein gutes Ende geben wird für all das, was den Weg zuvor begleitet hat. Es gibt einen Ort, an dem Ruhe herrscht, an dem alles anders wird, an dem es ganz neu wird: das himmlische Jerusalem. Es wird zum Bild des Zentrums für dieses neue Leben.
Jerusalem ist der symbolische Ort des Glaubens für das von Gott gehaltene und umgebene Leben. Und so wird dieser Ort der Zukunft als „himmlisches Jerusalem“ die Mitte des neuen Lebens sein. Eine Stadt, eine Heimat, in der ich neu werden kann, in der ich eine hoffnungsvolle Zukunft sehen kann, wird uns vor Augen gestellt. Siehe die Hütte Gottes bei den Menschen. Gott wird bei ihnen wohnen, sie werden sein Volk sein. Gott selbst wird bei ihnen sein. Das ist das Bild der himmlischen Heimat, das Sterbende so oft vor Augen haben. In unterschiedlicher Weise wird dieser Zukunftsort beschrieben, aber es steckt immer die gleiche Hoffnung dahinter: Ruhe, zu Hause sein, befreit sein, dort ankommen dürfen, wo das Ziel meines Lebens ist. Nicht untergehen in dem jetzigen Erleben, sondern teilhaben an der Fülle des Lebens, bei Gott sein.
Dort wird er abwischen alle Tränen. Und wo ER die Tränen des Lebens trocknet, da dürfen wir gewiss sein: es bleibt nichts ungesehen. Unser Leben wird noch einmal in seinen guten und schwierigen Seiten angesehen und angenommen, die Freude und vor allem das Leid, werden von Gott wahrgenommen. Es wird getragen und die Last von uns genommen. Und es wird keine Trennung mehr geben, keinen Tod, kein Leid, kein Geschrei, kein Schmerz mehr. Gerade dieses Letztere lässt uns ja oft an Gott zweifeln und nach ihm fragen. Doch am Ende wird dies alles vorbei sein. Fragen und Zweifel werden aufgehoben in der Einheit mit Gott. Am Ende werden wir teilhaben an der Fülle Gottes. Das ist die lebendige Hoffnung der Christen.
Für viele von uns mag dies sehr pathetisch klingen, wie aus einer anderen Welt, wo wir doch sonst lieber nüchtern und sachlich denken, nicht so religiös zukünftig. Für andere mögen diese Gedanken klingen wie eine billige Vertröstung auf bessere Zeiten. Hier hast du es schlecht, aber warte nur, nach dem Tod geht es dir dann besser.
Wo es nur eine Vertröstung wäre, wäre es schlimm, so mit Menschen zu reden und ihre Lebenssituation nicht ernst zu nehmen. Doch wir Christen sehen darin keine bloße Vertröstung, sondern eine lebendige und trostvolle Hoffnung angesichts der Ewigkeit, die nur in Bildern beschrieben werden kann. Der christliche Glaube lebt davon, sich in der Gemeinschaft mit Gott zu sehen und zu erleben, auch wenn das Leben es nicht immer zeigt. Wir empfinden unser Leben nicht als paradiesisch, nicht als heil. Der Tod, der uns allen heute vor Augen steht, macht uns das sehr deutlich. Leid, Geschrei, Schmerz, Tränen, in diesem Raum leben wir. Aber wir nehmen ihn an als den Lebensraum, den Gott uns zur Verfügung stellt und in dem es auch viele Zeichen der Nähe Gottes gibt, Zeichen der Fülle des Lebens. Doch die Zeichen der Trennung von dieser Fülle durch Krankheit, Elend, Not und Tod sind uns oft näher.
Der christliche Glaube will dies überwinden. Die christliche Hoffnung lebt nicht einfach so darauf hin und sagt: hinterher wird es schön. Nein! Sie sagt: es gibt diese Fülle bei Gott, und von dieser Fülle, von dieser unbegrenzten Gemeinschaft mit Gott dürfen wir hier und heute leben. Wer überwindet, der wird es alles ererben, heißt es, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein, und sie meine Tochter.
Wer überwindet, das heißt doch soviel wie: wer nicht stehen bleibt hier und heute, wer nicht stehen bleibt in der Trauer, in den Gedanken von Leid und Tod, wer sich nicht von den Widrigkeiten des Lebens einschüchtern lässt, sondern wer aus der Hoffnung auf eine lebendige Gemeinschaft mit Gott lebt und mit den Augen des Glaubens und der Perspektive der Ewigkeit sein Leben betrachtet, der wird für sein Leben hier und jetzt etwas gewinnen.
Für Trauernde kann das heißen, dass Verlust und Trauer nicht alles ist. Es gibt noch mehr in diesem Leben, denn Gott will nicht das Leid und den Schmerz. Er will erfülltes Leben - hier auf der Erde und dort in der Ewigkeit.
Für Sterbende kann es bedeuten, dass ich nicht nur Abschied nehmen muss, sondern dass mir ein neuer Anfang geschenkt wird, auch wenn ich nicht weiß, wie er aussehen wird. Das Kommende bietet eine himmlischen Heimat.
Für uns, die wir mitten im Leben stehen, kann es heißen, dass wir unser Leben nicht einfach so schicksalsbeladen hinnehmen müssen. Wir leben als Begrenzte doch in Verbindung mit dem, der auch die neue Welt in seinen Händen hält. Ich bin der Anfang und das Ende, das A und das O, sagt Jesus Christus, der auf dem Thron sitzt. Er ist der, der den Durstigen das Wasser reicht. Wasser, das ihnen hilft, nicht zu verdursten, sondern das sie stärkt. Das Wasser des Lebens aus der Hand Jesu, das ist der Weg der Auferstehung, der Weg durch den Tod ins Leben.
Solche Bilder der Hoffnung sind die lebendige Kraft, die wir gerade dort brauchen, wo uns das
Leben zu entgleiten droht, vor allem dort, wo der Tod alle Hoffnungen zunichte machen will. Nehmen wir diese Bilder noch einmal im Ganzen wahr und nehmen wir sie mit nach Hause, diese wunderbaren Hoffnungsbilder eines Glaubens, der den Tod zu überwinden vermag.
Nochmalige Lesung des Bibeltextes.
 

Amen

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 529, 1, 7, 11 + 12
Psalm 126
Eingangsliturgie
Gebet
Du Gott des Lebens und nicht des Todes!
Umstellt vom Tod mit seinen vielen Gesichtern, trägt uns die Hoffnung auf eine Zeit des Heils, an dem Zerstörung und ohnmächtige Tränen ein Ende haben. Von dir hören wir, dass diese Zeit vor uns liegt und schon mitten unter uns wirkt. Lass die Hoffnung auf deine Zukunft in uns stark werden, damit wir inmitten des Todes die Zeichen des Lebens sehen und spüren. Das bitten wir durch Jesus Christus ....
Lesung Off 21, 1-7
Glaubensbekenntnis
Lied 147,1-3
Predigt
Lied: 526, 1-3+7
Gedenken der Verstorbenen
Wir wollen nun der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres gedenken. Als Zeichen unserer Erinnerung und unserer Hoffnung auf Gottes Verheißung wollen wir für einen jeden und eine jede Kerzen anzünden.
Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. In der Taufe, diesem für uns sichtbaren symbolischen Anfang des christlichen Weges steht dieses Wort, das uns Hoffnung gibt für unser Leben. So möge dieses Licht Zeichen des Lichtes sein, das Gott für den Verstorbenen und für die Hinterbliebenen sein will.
Namensverlesung
Wir haben für alle, an die wir uns erinnern, eine Kerze angezündet, Zeichen unserer Hoffnung und der Liebe Gottes, die uns gilt. Wir vertrauen darauf, dass die Menschen, die verstorben sind, die uns nahe waren und bleiben, in Gottes Händen geborgen sind.
Barmherziger Gott, erbarme dich unser, dass wir dem Tod wachsam entgegengehen können und ihn aus deiner Hand annehmen können. Hilf du uns dabei, denn wir hoffen auf dich.
Lied 99
Feier des Abendmahles
Am Abend vor seinem Tod, hat Jesus mit seinen Freunden an einem Tisch gesessen. Im Angesicht des Todes hat er Hoffnung weitergegeben, in den Zeichen von Brot und Wein.
So wollen auch wir uns im Angesicht des Todes von Gott stärken lassen für den Weg des Lebens, der auch im Tod kein Ende findet.
Gott, wir danken dir, dass du den Tod überwunden hast, dass du uns durch Jesus Christus ewiges Leben schenkst. Schenke uns Vertrauen in deine Nähe, lass sie uns spüren in den Gaben, die dein Sohn uns hinterlassen hast.
Einsetzungsworte – Geheimnis des Glaubens
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns gegeben hast. Lass deinen Geist auf uns herabkommen, der uns ermutigt zum Leben im Angesicht des Todes. Stärke uns mit deinem Geist.
Vaterunser
Austeilung
406, 1,2,5
Abkündigungen – Fürbittengebet
Gott, unser Vater im Himmel:
Durch den Tod Jesu Christi hast du uns gezeigt, dass es keine Zeit unseres Lebens gibt, da du nicht gegenwärtig bist. Durch die Auferstehung Jesu Christi hast du gezeigt, dass wir Hoffnung haben können über alle Tode und Endstationen hinaus, die unser Leben begleiten. Dafür danken wir dir und wir wollen all unser Vertrauen auf dich setzen, der du unser Leben stärken willst.
Wir bitten dich für alle Trauernden, die an diesem Tag die Gräber ihrer Verstorbenen besuchen. Lass sie in Liebe und Verbundenheit der Verstorbenen gedenken, hilf ihnen die Last der Trauer zu tragen und schenke ihnen Geduld und Kraft für das Neue im Leben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die krank danieder liegen, die dem Sterben entgegengehen. Hilf ihnen, ihr Haus zu bestellen und offen für dich zu sein. Wo wir hilflos davor stehen, da schenke du ein seliges Ende nach deinem Willen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, deren Trauer schwer auf der Seele lastet, dass sie die Kraft finden, loszulassen, dass sie den Tod durch deine Botschaft vom neuen Leben überwinden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die durch Krieg und Gewalt vom Tod betroffen sind. Dass sie nicht verbittern und sich in Hass und Gewalt vergraben. Lass deinen Frieden wirksam werden unter allen Menschen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gott in deine Hände legen wir unser Leben. Schenke du uns deine Zukunft und stärke uns dazu unseren Glauben. Denn du bist der Gott der Ewigkeit. Amen
Segen
163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  Klein Elbe

21. 11. 2004

Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote