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Dies Predigt wurde auch als Lesepredigt
veröffentlicht:
Lesepredigten - II Perikopenreihe - Hrg. v. E. Domay Güterloh 2002
Wenn Menschen über die letzten Tage ihrer Verstorbenen sprechen, dann wird
häufig erzählt, dass der oder die Sterbende den Wunsch geäußert hat: ich
möchte nach Hause. Sei es im Altersheim, im Krankenhaus oder selbst in der
eigenen Wohnung, dieser Wunsch wird sehr häufig von Sterbenden geäußert.
Wir Außenstehende versuchen darauf mit der sachlich richtigen Ablehnung
einzugehen, dass es der Gesundheitszustand gar nicht zulasse oder dass es
demjenigen doch dort gut gehe, wo er oder sie ist. Doch unser Reden kommt
oft nicht an. Der Wunsch bleibt, wird immer wieder neu ausgesprochen.
Warum kommt unsere Antwort nicht an? Ist der Sterbende schon so unfähig,
klare Gedanken aufzunehmen? Kann er uns gar nicht mehr richtig verstehen?
Doch es ist anders! WIR sind diejenigen, die nicht richtig verstehen. Wir
hören die Worte: nach Hause. Wir denken an die alte Wohnung, die manchmal
gar nicht mehr existiert, oder wir wundern uns über diese Worte, wo der
Mensch doch in seinen eigenen vier Wänden liegt. Wir denken an das letzte
Lebensumfeld, vielleicht auch an die Heimat, aus der der oder die
Sterbende geflüchtet ist und dorthin nun wahrlich nicht zurück kann.
Doch darum geht es meistens nicht. Sterbeforscher haben festgestellt, dass
dieser Wunsch, nach Hause zu gehen, einen ganz anderen Sinn hat. In
symbolischer Sprache wird uns zu verstehen gegeben, dass der Wunsch
besteht zu sterben. Ich möchte in meine letzte Heimat gehen, in mein
himmlisches Zuhause. Es gehört zu unserem Menschsein dazu, dass wir ein
Gefühl von letzter Heimat in uns tragen. Nur wir Angehörigen, die wir
davor stehen, sehen das oft genug nicht, weil wir eben noch ganz mit
dieser Welt verbunden sind.
Letzte Heimat, Ewigkeit. Der christliche Glaube nährt diese Gedanken durch
seine Bilder, die das Ziel des Lebens vor Augen stellen.
Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, der erste Himmel und die
erste Erde sind vergangen und das Meer ist nicht mehr.
So beginnen die Worte aus der Offenbarung des Johannes. Schon dieser erste
Satz fasst alle Hoffnungen zusammen. Es wird etwas ganz Neues geben, einen
neuen Himmel, eine neue Erde. Das Alte ist vergangen, das Meer ist nicht
mehr. Das Meer, dieses Bild für all das Bedrohliche, das Bedrückende im
Leben, das Bild für alles, was uns den Boden unter den Füßen wanken lässt,
für das, worin wir unterzugehen drohen. Gerade dieses Bild vom Meer ist
eines, das eng verbunden ist mit dem Leben und dem Sterben. Wie oft
erleben wir den Verfall eines Menschen oder den plötzlichen Tod als eine
Situation wie auf dem Meer. Wir sind ausgeliefert, hilflos, haben das
Leben nicht mehr in der Hand. Hin und her geworfen werden wir durch das,
was auf uns einstürmt. Der sich verschlechternde Gesundheitszustand, das
Abnehmen der Kräfte, die eigene Hilf- und Kraftlosigkeit, diese Ohnmacht,
weil wir anerkennen müssen, dass wir am Ende sind.
Oder bei plötzlichem Tod. Da sind die vielen Gedanken, die auf einen
einstürmen. Unfassbares, Unwiederbringliches, die vielen Fragen ohne
Antworten. Die Menschen fühlen sich wie ein kleines Boot auf einem
stürmischem Meer, hin und her geworfen in den bedrängensten Gefühlen.
Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde und das Meer ist nicht mehr.
In diesen Worten liegt die feste Zuversicht, dass es ein gutes Ende geben
wird für all das, was den Weg zuvor begleitet hat. Es gibt einen Ort, an
dem Ruhe herrscht, an dem alles anders wird, an dem es ganz neu wird: das
himmlische Jerusalem. Es wird zum Bild des Zentrums für dieses neue Leben.
Jerusalem ist der symbolische Ort des Glaubens für das von Gott gehaltene
und umgebene Leben. Und so wird dieser Ort der Zukunft als „himmlisches
Jerusalem“ die Mitte des neuen Lebens sein. Eine Stadt, eine Heimat, in
der ich neu werden kann, in der ich eine hoffnungsvolle Zukunft sehen
kann, wird uns vor Augen gestellt. Siehe die Hütte Gottes bei den
Menschen. Gott wird bei ihnen wohnen, sie werden sein Volk sein. Gott
selbst wird bei ihnen sein. Das ist das Bild der himmlischen Heimat, das
Sterbende so oft vor Augen haben. In unterschiedlicher Weise wird dieser
Zukunftsort beschrieben, aber es steckt immer die gleiche Hoffnung
dahinter: Ruhe, zu Hause sein, befreit sein, dort ankommen dürfen, wo das
Ziel meines Lebens ist. Nicht untergehen in dem jetzigen Erleben, sondern
teilhaben an der Fülle des Lebens, bei Gott sein.
Dort wird er abwischen alle Tränen. Und wo ER die Tränen des Lebens
trocknet, da dürfen wir gewiss sein: es bleibt nichts ungesehen. Unser
Leben wird noch einmal in seinen guten und schwierigen Seiten angesehen
und angenommen, die Freude und vor allem das Leid, werden von Gott
wahrgenommen. Es wird getragen und die Last von uns genommen. Und es wird
keine Trennung mehr geben, keinen Tod, kein Leid, kein Geschrei, kein
Schmerz mehr. Gerade dieses Letztere lässt uns ja oft an Gott zweifeln und
nach ihm fragen. Doch am Ende wird dies alles vorbei sein. Fragen und
Zweifel werden aufgehoben in der Einheit mit Gott. Am Ende werden wir
teilhaben an der Fülle Gottes. Das ist die lebendige Hoffnung der
Christen.
Für viele von uns mag dies sehr pathetisch klingen, wie aus einer anderen
Welt, wo wir doch sonst lieber nüchtern und sachlich denken, nicht so
religiös zukünftig. Für andere mögen diese Gedanken klingen wie eine
billige Vertröstung auf bessere Zeiten. Hier hast du es schlecht, aber
warte nur, nach dem Tod geht es dir dann besser.
Wo es nur eine Vertröstung wäre, wäre es schlimm, so mit Menschen zu reden
und ihre Lebenssituation nicht ernst zu nehmen. Doch wir Christen sehen
darin keine bloße Vertröstung, sondern eine lebendige und trostvolle
Hoffnung angesichts der Ewigkeit, die nur in Bildern beschrieben werden
kann. Der christliche Glaube lebt davon, sich in der Gemeinschaft mit Gott
zu sehen und zu erleben, auch wenn das Leben es nicht immer zeigt. Wir
empfinden unser Leben nicht als paradiesisch, nicht als heil. Der Tod, der
uns allen heute vor Augen steht, macht uns das sehr deutlich. Leid,
Geschrei, Schmerz, Tränen, in diesem Raum leben wir. Aber wir nehmen ihn
an als den Lebensraum, den Gott uns zur Verfügung stellt und in dem es
auch viele Zeichen der Nähe Gottes gibt, Zeichen der Fülle des Lebens.
Doch die Zeichen der Trennung von dieser Fülle durch Krankheit, Elend, Not
und Tod sind uns oft näher.
Der christliche Glaube will dies überwinden. Die christliche Hoffnung lebt
nicht einfach so darauf hin und sagt: hinterher wird es schön. Nein! Sie
sagt: es gibt diese Fülle bei Gott, und von dieser Fülle, von dieser
unbegrenzten Gemeinschaft mit Gott dürfen wir hier und heute leben. Wer
überwindet, der wird es alles ererben, heißt es, und ich werde sein Gott
sein und er wird mein Sohn sein, und sie meine Tochter.
Wer überwindet, das heißt doch soviel wie: wer nicht stehen bleibt hier
und heute, wer nicht stehen bleibt in der Trauer, in den Gedanken von Leid
und Tod, wer sich nicht von den Widrigkeiten des Lebens einschüchtern
lässt, sondern wer aus der Hoffnung auf eine lebendige Gemeinschaft mit
Gott lebt und mit den Augen des Glaubens und der Perspektive der Ewigkeit
sein Leben betrachtet, der wird für sein Leben hier und jetzt etwas
gewinnen.
Für Trauernde kann das heißen, dass Verlust und Trauer nicht alles ist. Es
gibt noch mehr in diesem Leben, denn Gott will nicht das Leid und den
Schmerz. Er will erfülltes Leben - hier auf der Erde und dort in der
Ewigkeit.
Für Sterbende kann es bedeuten, dass ich nicht nur Abschied nehmen muss,
sondern dass mir ein neuer Anfang geschenkt wird, auch wenn ich nicht
weiß, wie er aussehen wird. Das Kommende bietet eine himmlischen Heimat.
Für uns, die wir mitten im Leben stehen, kann es heißen, dass wir unser
Leben nicht einfach so schicksalsbeladen hinnehmen müssen. Wir leben als
Begrenzte doch in Verbindung mit dem, der auch die neue Welt in seinen
Händen hält. Ich bin der Anfang und das Ende, das A und das O, sagt Jesus
Christus, der auf dem Thron sitzt. Er ist der, der den Durstigen das
Wasser reicht. Wasser, das ihnen hilft, nicht zu verdursten, sondern das
sie stärkt. Das Wasser des Lebens aus der Hand Jesu, das ist der Weg der
Auferstehung, der Weg durch den Tod ins Leben.
Solche Bilder der Hoffnung sind die lebendige Kraft, die wir gerade dort
brauchen, wo uns das
Leben zu entgleiten droht, vor allem dort, wo der Tod alle Hoffnungen
zunichte machen will. Nehmen wir diese Bilder noch einmal im Ganzen wahr
und nehmen wir sie mit nach Hause, diese wunderbaren Hoffnungsbilder eines
Glaubens, der den Tod zu überwinden vermag.
Nochmalige Lesung des Bibeltextes.
Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 529, 1, 7, 11 + 12
Psalm 126
Eingangsliturgie
Gebet
Du Gott des Lebens und nicht des Todes!
Umstellt vom Tod mit seinen vielen Gesichtern, trägt uns die Hoffnung auf
eine Zeit des Heils, an dem Zerstörung und ohnmächtige Tränen ein Ende
haben. Von dir hören wir, dass diese Zeit vor uns liegt und schon mitten
unter uns wirkt. Lass die Hoffnung auf deine Zukunft in uns stark werden,
damit wir inmitten des Todes die Zeichen des Lebens sehen und spüren. Das
bitten wir durch Jesus Christus ....
Lesung Off 21, 1-7
Glaubensbekenntnis
Lied 147,1-3
Predigt
Lied: 526, 1-3+7
Gedenken der Verstorbenen
Wir wollen nun der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres gedenken.
Als Zeichen unserer Erinnerung und unserer Hoffnung auf Gottes Verheißung
wollen wir für einen jeden und eine jede Kerzen anzünden.
Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der
wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens
haben. In der Taufe, diesem für uns sichtbaren symbolischen Anfang des
christlichen Weges steht dieses Wort, das uns Hoffnung gibt für unser
Leben. So möge dieses Licht Zeichen des Lichtes sein, das Gott für den
Verstorbenen und für die Hinterbliebenen sein will.
Namensverlesung
Wir haben für alle, an die wir uns erinnern, eine Kerze angezündet,
Zeichen unserer Hoffnung und der Liebe Gottes, die uns gilt. Wir vertrauen
darauf, dass die Menschen, die verstorben sind, die uns nahe waren und
bleiben, in Gottes Händen geborgen sind.
Barmherziger Gott, erbarme dich unser, dass wir dem Tod wachsam
entgegengehen können und ihn aus deiner Hand annehmen können. Hilf du uns
dabei, denn wir hoffen auf dich.
Lied 99
Feier des Abendmahles
Am Abend vor seinem Tod, hat Jesus mit seinen Freunden an einem Tisch
gesessen. Im Angesicht des Todes hat er Hoffnung weitergegeben, in den
Zeichen von Brot und Wein.
So wollen auch wir uns im Angesicht des Todes von Gott stärken lassen für
den Weg des Lebens, der auch im Tod kein Ende findet.
Gott, wir danken dir, dass du den Tod überwunden hast, dass du uns durch
Jesus Christus ewiges Leben schenkst. Schenke uns Vertrauen in deine Nähe,
lass sie uns spüren in den Gaben, die dein Sohn uns hinterlassen hast.
Einsetzungsworte – Geheimnis des Glaubens
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns gegeben hast.
Lass deinen Geist auf uns herabkommen, der uns ermutigt zum Leben im
Angesicht des Todes. Stärke uns mit deinem Geist.
Vaterunser
Austeilung
406, 1,2,5
Abkündigungen – Fürbittengebet
Gott, unser Vater im Himmel:
Durch den Tod Jesu Christi hast du uns gezeigt, dass es keine Zeit unseres
Lebens gibt, da du nicht gegenwärtig bist. Durch die Auferstehung Jesu
Christi hast du gezeigt, dass wir Hoffnung haben können über alle Tode und
Endstationen hinaus, die unser Leben begleiten. Dafür danken wir dir und
wir wollen all unser Vertrauen auf dich setzen, der du unser Leben stärken
willst.
Wir bitten dich für alle Trauernden, die an diesem Tag die Gräber ihrer
Verstorbenen besuchen. Lass sie in Liebe und Verbundenheit der
Verstorbenen gedenken, hilf ihnen die Last der Trauer zu tragen und
schenke ihnen Geduld und Kraft für das Neue im Leben. Darum rufen wir zu
dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die krank danieder liegen, die dem Sterben
entgegengehen. Hilf ihnen, ihr Haus zu bestellen und offen für dich zu
sein. Wo wir hilflos davor stehen, da schenke du ein seliges Ende nach
deinem Willen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, deren Trauer schwer auf der Seele lastet, dass sie
die Kraft finden, loszulassen, dass sie den Tod durch deine Botschaft vom
neuen Leben überwinden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die durch Krieg und Gewalt vom Tod betroffen sind.
Dass sie nicht verbittern und sich in Hass und Gewalt vergraben. Lass
deinen Frieden wirksam werden unter allen Menschen. Darum rufen wir zu
dir: Herr, erbarme dich.
Gott in deine Hände legen wir unser Leben. Schenke du uns deine Zukunft
und stärke uns dazu unseren Glauben. Denn du bist der Gott der Ewigkeit.
Amen
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
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