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Joh 14,2 und Jak 4, 13-15

Neujahrsabend. Der erste Tag des Jahres ist schon fast vorbei. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht, aber Neujahr ist ein eigentümlicher Tag. Er bildet für mich den Abschluss einer sehr arbeitsreichen Zeit. Viele Predigten waren zu schreiben, vieles, das vorbereitet werden musste. Ich habe mich zwar bemüht, vor dem Fest alles fertig zu haben, aber so ganz gelingt es mir nie. Und heute ist das der letzte Gottesdienst in der Reihe der Festtage am Ende des Jahres.

Und vielleicht war es auch bei ihnen so, dass sie bis zum Weihnachtsfest vieles haben tun müssen, und auch nach Weihnachten noch nicht ganz zur Ruhe gekommen sind. Heute aber macht sich die Ruhe vielleicht langsam breit. Der festliche Jahresabschluss liegt hinter uns, ein bisschen Müdigkeit noch in den Knochen, aber nun ist man auch froh, dass das normale Leben wieder beginnt. Und das gleich mit einem Wochenende und das ist ja auch schön.

Es liegt alles hinter uns – wir können uns jetzt verabschieden vom alten Jahr, von dem, was gewesen ist.

Und gleichzeitig geht der Blick natürlich nach vorne. Das neue Jahr steht vor Augen und die Gedanken wandern schon ein wenig dort hinein. Es wird schon geplant, man macht sich Gedanken, was so geschehen soll. Wir Menschen schauen ja gerne nach vorne und überlegen schon einmal, was so sein soll in dem kommenden Jahr.

Zwei biblische Texte begleiten uns bei diesen Gedanken. Es ist zum einen der für den heutigen Abend vorgeschlagene Predigttext und die Jahreslosung. Beide Texte haben wir schon gehört in den Lesungen dieses Abends.

Als ich die erste Sätze der nun kommenden Teils der Predigt begonnen habe, da wollte ich mich leiten lassen von der Jahreslosung: Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Und dann habe ich nach Beispielen gesucht. Die dunklen, schwierigen Ereignisse, die unser Herz erschrecken lassen. Doch dann habe ich innegehalten und mir gesagt: muss denn am Jahreswechsel immer negativ gedacht werden? Gibt es denn in unserem Leben nur schreckliches, auf das der Glaube und in der Predigt der Pastor regieren muss? Ist denn der christliche Glaube nur ein Schlechte-Tage-Glaube?

Und steckt in dem, was uns heute Abend an biblischen Texte vor Augen gestellt wird, nur das Negative drin?

Ich möchte versuchen, das Positive zu suchen, und das, was uns am Neujahrstag hoffnungsvoll nach vorne begleitet.

Das ist nicht ganz leicht, weil im Kontext der Jahreslosung der Abschied Jesu im Blick ist, und auch in dem anderen Text unser Leben als nichtig beschrieben wird. Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.

Fange ich bei der Jahreslosung an. Natürlich hat sie mit dem ersten Teil das im Blick, was uns Menschen erschreckt. Und das ist in der Regel nicht das Schöne, das unser Herz erfreut, sondern das, was uns aus dem gewohnten Leben herausreißt. Schlimme Nachrichten politischer, wirtschaftlicher, persönlicher Art. Sie erschrecken uns. Doch Jesus geht es nicht darum, dieses Erschrecken zu vertiefen, sondern das, was das Erschrecken überwinden hilft.

Glaubt an Gott und glaubt an mich. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.

Da ist der Text sehr nach vorne gerichtet ist. Das Haus Gottes, in dem es einen Platz für uns gibt. Und das zu jeder Zeit und in jeder Lebenslage. Ich stelle mir dieses Haus so vor, dass wir dort unsere Wohnung oder besser unser Zimmer haben. Aber wir bleiben nicht auf ewig in diesem Zimmer, sondern so, wie das Leben sich ändert, so verändert sich auch unser Lebensort in diesem Hause. Und das ist ja auch in unserem normalen Leben so: die Kinder werden älter, brauchen vielleicht mehr Platz oder sollen einfach einen größeren Raum haben. Dann wird schon mal getauscht. Das Schlafzimmer kommt woanders hin, das Büro wird umgebaut, es wird etwas angebaut. Die Jungen ziehen nach oben, damit die Alten nicht mehr die mühselige Treppe rauf müssen.

So stelle ich mir das auch für das Lebenshaus Gottes vor: da gehöre ich hin, da bin ich zuhause. Und für mich ist da gesorgt. Je nach Lebenslage habe ich dort meine Räumlichkeiten. Mal ganz allein für mich. Mal mit anderen Menschen zusammen. Mal eine, wo ich mit meiner Lebensfreude entsprechenden Raum habe, mal eine, wo ich mit meiner Traurigkeit meinen Platz finde. Es gibt ein Zimmer, wo ich hoffnungsvoll sein kann, ein Zimmer, wo ich auch mit meiner Mutlosigkeit sein kann. Ein Zimmer, in dem ich bestärkt werde, eines in dem ich mein Leben kritisch vor Augen geführt bekomme. Und so lebe ich in diesem Haus zu den verschiedensten Zeiten in den unterschiedlichsten Räumen. Und er Hausherr hilft mir dabei, den richtigen Raum zu finden, bzw. er ist der, der mir in den unterschiedlichsten Räumen meines Lebens als guter Geist zur Seite ist, mir Heimat gibt und weiß, was ich nötig habe.

Glaubt an Gott und glaubt an mich, das ist für mich das Heimatgefühl in diesem Haus. Und es ist ein offenes Haus, in dem ich in der Vielfältigkeit meines Lebens angenommen bin und in dem auch die anderen Menschen in ihrer Vielfältigkeit angenommen sind und ihren Raum haben. Und das ist erst einmal ein tolles Gefühl, zu wissen, in diesem Hause darf ich sein. Ich bin nicht heimatlos. Ich bin nicht einfach so in diese Welt geworfen, sondern ich bin Bewohner des Hauses Gottes – ich war es 2009 und darf es auch 2010 weiter sein.

Wenn Jesus nun sagt: Euer Herz erschrecke nicht! dann stelle ich mir das für unser Bild so vor. Ich trete vor mein Zimmer, will es öffnen und in der Tür stehend erkenne ich plötzlich, hier bin ich falsch. Es ist das Zimmer, das ich bisher immer aufgesucht habe, doch mit einem Mal ist alles anders. Ich merke, hier gehöre ich nicht hin. Das ist nicht mehr mein Leben, da ist jetzt etwas anders geworden, durch Krankheit, Arbeitslosigkeit, durch den Verlust eines Menschen, durch das plötzliche Verstellen der Zukunft oder was auch immer uns dafür einfallen mag. Und dann kommt der Hausherr und sagt: Komm her, ich weiß, wie es dir geht. Ich weiß, was dir fehlt. Ich zeige dir, wo du leben kannst mit dem, was dein Herz so erschreckt hat. Und dann bleibe ich nicht stehen, schaue nicht sehnsuchtsvoll nach dem, was gestern noch so wichtig war, sondern breche auf mit dem Hausherrn, vertraue ihm und nehme diesen neuen Raum an. Ich nehme ihn an, weil der Hausherr ihn schon erfüllt hat mit seinem Geist, weil er mir die Hand reicht, nicht nur damit ich da hingehen kann, sondern auch, damit ich dort gut leben kann.

Es braucht gewiss ein wenig Eingewöhnungszeit, es ist ja nicht mehr so wie vorher. Aber es ist gut zu wissen, dass da einer ist, der mich kennt und annimmt mit meinem Leben, mit dem, was darin geschieht, und der letztlich weiß, was für mich gut ist. Diesem Hausherrn will ich gerne vertrauen, dem will ich mich gerne anvertrauen.

Und genau dazu ruft uns Jesus in den Worten der Jahreslosung auf. Lasst euch nicht lähmen von dem, was an Erschreckendem im Leben auf euch zukommt. Es lässt euch wohl stillstehen, starr werden, doch vertraut darauf: da ist einer, der euch in seinem Haus den rechten Platz gibt, an dem ihr leben könnt.  Glaubt an Gott und glaubt an mich.

 

Da ist dieser Hausherr, der sich um mich kümmert, der weiß, wo meine Wohnung ist, wie ich dort leben kann und der die wechselnden Momente des Lebens auch entsprechend einordnen kann.

Nun hören wir in dem zweiten Bibeltext etwas über uns Menschen, das dem gar nicht so recht entsprechen will. Was ist euer Leben. Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.

Angesichts des vorher Gesagten möchte ich diesen Satz eigentlich gerne verwerfen. Was ist unser Leben? Bei Gott ist es höchst bedeutsam. Denn das kleinste Samenkorn ist Gott wichtig. Die Blumen auf dem Felde, die Vögel unter dem Himmel nimmt Jesus als Beispiel für die Gott sorgt, um so mehr wird er sich um uns Menschen sorgen.

Unter uns Menschen mag es so aussehen, als ob wir gering sind. Und darin liegt ja auch viel Wahres:  eine kurze Zeit des Lebens ist uns vergönnt und dann werden wir auch bald vergessen sein. Der Name auf dem Grabstein kündet noch von uns, vielleicht ein paar Worte, ein paar Erinnerungen, die die Zeiten überdauern, aber dann sind wir Geschichte unter den Menschen.

Und doch: bei Gott sind wir unendlich wichtig.

Und das heißt: nicht das, was wir unter Menschen sind, was wir hier im menschlichen Leben Großartiges vollbringen, ist wirklich bedeutsam, sondern dass wir in lebendiger Beziehung mit Gott leben, ist wichtig. Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.

Diese Worte dämpfen all unsere menschlichen Gedanken. Gerade am Jahresanfang wird uns gesagt: das, was du dir vornimmst, was du an Wünschen und Hoffnungen in dir trägst, das ist alles schön und gut, aber es ist nicht das Wichtigste. Das klingt vielleicht etwas negativ, aber ich finde es eher entlastend. Ich muss nicht krampfhaft selbstgestecken Zielen nachlaufen, ich muss auch nicht enttäuscht sein, wenn etwas nicht so klappt, wie ich es mir vorgenommen habe. Im Angesicht dessen, dass ich Rauch bin, nur einen kleine Zeit hier bin, ist doch so vieles völlig gleichgültig, worüber wir Menschen uns einen großen Kopf machen und was das Leben oft so bestimmt. Ich glaube die Älteren werden das noch viel besser empfinden können. Worüber hat man sich alles Gedanken gemacht in seinem Leben und am Schluss war das Meiste völlig gleichgültig. Ob es so oder anders gekommen ist, war nicht entscheidend. Was sicher nicht heißt, dass man alles laufen lassen sollte oder sich blind dem Schicksal fügen sollte. Wir sind schon aufgerufen, uns in diese Welt einzubringen. Wir sollen dem Guten dienen, das Böse vermeiden und bekämpfen. Und das im Kleinen wie im Großen.

Aber es ist hilfreich in all diesem aktiven Tun zu erkennen, nicht wir sind die Herren der Welt, nicht ich, die anderen haben auch etwas zu sagen, aber letztlich auch die anderen nicht, denn letztlich untersteht alles dem einen Gott. Der wird aus dem, was wir Menschen tun, das Seine wirken und zum Guten wenden.

Gestalten wir also unser Leben 2010 ganz aktiv, mit allen Einsatz der uns möglich ist, machen wir es zu unserem Jahr. Aber vertrauen dabei genauso intensiv auf Gott und seinen Willen und lassen uns von ihm leiten und begleiten. In seinem Haus haben wir immer Raum, in seinem Haus können wir leben und was er will, wird gut sein für unser Leben – selbst dann, wenn wir es nicht verstehen. Darauf vertraue ich. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: L 15

Psalm 8

Eingangsliturgie

Gebet

Ewiger Gott. Du schenkst uns die Zeit, unsere Lebenszeit. Lass uns in diesem neuen Jahr deine Gegenwart erkennen, lass uns in allem, was uns widerfährt deine Liebe spüren. So sei du nahe an jedem Tag dieses neuen Jahres. Das bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Lesung Jak 4, 16-21

Lied: Ich bin da L 70

Lesung Joh 14, 1-6 (III)

Lied 65, 1, 2, 5+6

Predigt

Lied 361, 1-4

Abendmahl

Gott, wir schauen auf das vergangene Jahr. Wir danken dir für alles, was du uns Gutes getan hast. Wir danken dir für alles, wo du uns bewahrt hast, so du uns die Kraft gegeben hast für den nächsten Schritt. Du lässt uns nicht allein, du letzt uns nicht vor der Tür stehen, du zeigst uns wo und wie wir leben können. Dafür danken wir dir und loben dich, du großer Gott.

331,1+2

Herr Jesus Christus, lebendiges Wort unseres Gottes. In Wort und Sakrament kommst du zu uns, stärkst und erfüllst unser Leben. So komme nun zu uns, werde ein Teil von uns, durch das Brot und den Kelch. Beides hast du uns hinterlassen als Brot des Lebens und Kelch des Heils, auf dass wir getrost leben können.

Einsetzungsworte

Gott, heiliger Geist. Erfülle unsere Herzen und Sinne auf dass wir in allem Kommenden die Gegenwart Gottes nicht aus den Augen verlieren. Erfülle uns mit dem Geist der Liebe, dass wir die Menschen so sehen, wie du sie siehst, auf dass wir in Güte und Annahme miteinander leben können. Dazu stärke uns mit deiner Kraft.

Vaterunser

Euer Herz erschrecke nicht, Glaubt an Gott und glaubt an mich. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.

Abkündigungen:

Fürbittengebet

Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde, stärke uns für die Herausforderungen, die das Jahr 2010 mit sich bringt. Lass uns bei allen Unwägbarkeiten nicht vergessen, dass du unser Gott bist und uns in deinen Händen hältst.
Erfülle unsere Herzen und Sinne mit deinem Geist,

dass wir den Menschen mit Respekt und Liebe begegnen,

dass wir den Bedürfnissen der Schwachen und Abseitsstehenden nachgehen,

dass wir ein Ohr für die Stummen und ein Auge für die Unsichtbaren haben,

dass wir sensibel und behutsam mit der Natur umgehen,

dass wir unseren Mitgeschöpfen, Raum zum Leben lassen, dass wir unsere Gegenwart nicht auf Kosten der Zukunft unserer Kinder gestalten.

Geleite du, Gott, uns so durch das neue Jahr, hilf tragen, was uns auferlegt wird und lass uns dankbar sein für alle großen und kleinen Geschenke dieses wunderbaren Lebens.

Auf dich wollen wir vertrauen in Zeit und Ewigkeit. Amen

Lied L 59

Segen

44

 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  und Klein Elbe

1. 1. 2010

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