| Predigt |
NT |
|
Predigt für den 24. 2. 2002 Entwurf vom: 22.2.02 Abraham, Abraham, verlass dein Land und deinen Stamm, haben wir eben als Lied gehört. Abraham soll aufbrechen in eine neues, unbekanntes Land. Aufbruch, etwas Neues beginnen, aber unter welcher Führung, das soll heute unser Thema sein. Etwas Neues beginnen, das tun wir Menschen nicht nur, weil äußere Gegebenheiten uns dazu drängen, sondern oft auch, weil wir neugierig auf etwas geworden sind. Zumeist sind es andere Menschen, die uns etwas zeigen, was uns interessiert, oder jemand steht im Rampenlicht, der etwas Herausragendes macht, dem wir nacheifern möchten. Skifliegen können wie Sven Hannerwald – so wird um die Jahreswende oder bei der Olympiade mancher Jugendliche gedacht haben. Ich selber wollte als Kind immer Fußball spielen können wie Uwe Seeler oder Franz Beckenbauer. Und manch einer träumt davon, Auto fahren zu können wie Michael Schumacher. Auch wenn die Beispiele nicht die Ihren sind, liebe Gemeinde an den Radiogeräten und hier in der Kirche, Vorbilder haben, Vorbildern nacheifern - das gehört irgendwie zum Menschsein und zu den Aufbrüchen im Leben dazu. Wir lernen von anderen, wir orientieren uns an anderen, und manchmal möchten wir eben auch so werden, wie andere sind. Diese Menschen bringen uns voran, sie machen uns Mut, zu zeigen, was in uns steckt. Es müssen dabei auch gar nicht die Großen dieser Welt sein, denen wir nacheifern, oft genug sind es Menschen um uns herum, die uns zum Vorbild dienen - vielleicht der Vater, ein Lehrer, ein Freund. Wie sieht das für unseren Glauben aus? Gibt es da auch Vorbilder? Wer wäre da für uns so eine Person, die wir als vorbildlich erkennen, die wir vor Augen haben, wenn es um das religiöse Leben geht? Am Anfang des 3. Jahrtausends sind diese Vorbilder rar geworden, zumindest was das öffentliche Hervortreten angeht. Die bekanntesten Christen des vergangenen Jahrhunderts sind Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King und Mutter Theresa. Dietrich Bonhoeffer – er ist ein Vorbild für den politischen Widerstandes gegen einen totalitären Staat. Martin Luther King, er war Menschenrechtler, ein Eiferer für die Rechte der Schwarzen und für den Frieden. Mutter Theresa, sie war unermüdlich im Einsatz für die Ärmsten der Armen, für die Sterbenden in den Slums von Kalkutta. Diese Menschen waren und sind Vorbilder des Glaubens, weil sie vor Augen gestellt haben, wie das Vertrauen zum dreieinigen Gott zu ihrer Zeit und in ihrer Lebenswirklichkeit lebendig werden kann. Und neben ihnen gibt es viele andere Menschen, die nicht ins öffentliche Interesse rücken, sondern die still und leise ihren Glauben leben und so zum ganz persönlichen Vorbild für andere werden. Von einem sehr alten Vorbild des Glaubens spricht der biblische Text für den heutigen Gottesdienst, der im 11. Kapitel des Hebräerbriefes steht:
Andere Sprecherin: Frau Köhler Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.
Prediger Abraham ist für das Volk Israel und für die christlichen Gemeinden so etwas wie ein Urvater des Glaubens und so eine ganz wichtige Vorbildfigur des christlichen Lebens. Wir haben es vorhin in der 1. Lesung gehört: eines Tages vernahm Abraham eine Stimme, die er als Gottes Stimme vernahm. Er soll mit seiner ganzen Familie sein Heimatland verlassen und mit Gott in ein anderes Land gehen. Verbunden wurde dies mit einer Segensverheißung für ihn: Er werde ein großes Volk werden. Und am Schluss heißt es dann ganz einfach: Da zog Abraham aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte. Ohne ein Wort der Überlegung zieht er los, so stellt es uns das Alte Testament vor Augen. Abraham weiß nicht, wohin es geht. Wir hören nichts von Fragen oder Widerständen, da ist kein langes Überlegen. Abraham lässt sich auf diese Verheißung Gottes ein. Mit großem Vertrauen geht er seinen Weg. (Von der Lebenssituation des Abraham wird nichts geschildert. Ob es ihm gut ging oder schlecht, das wissen wir nicht. Angesichts der nachfolgenden Erzählung könnte man annehmen, dass er ein guter Viehzüchter war, der etwas von seinem Beruf verstand und so sicher auch nicht unvermögend gewesen ist. Warum sollte er sich eigentlich auf den Weg machen und sein Land verlassen?) Abraham macht sich auf den Weg und verändert sein Leben, weil er sich von Gott angesprochen weiß. Er hört seine Stimme, die ihn tief im Innersten bewegt. Dieser Stimme muss er folgen. Das alte Leben spielt dabei keine Rolle, er nimmt diese grundlegende Veränderung seines Lebens in Kauf. Hinter diesem Schritt sehe ich die Hoffnung des Abraham, dass es einen Ort gibt, wo er mit Gott wahrhaftig leben konnte. Ich möchte diesen Ort gerne beschreiben als einen, an dem wir Menschen wirklich innerlich zu Hause sind, gehalten, getragen und begleitet, so dass uns möglichst nichts mehr anfechten kann. Zu diesem Ort ist Abraham aufgebrochen, dieser Hoffnung ist er hinterhergegangen. Und zwar so, dass er nicht mit zweifelnden Fragen angefangen hat, sondern indem er vertrauensvoll losgegangen ist. Für mich ist das eine immer wieder faszinierende Geschichte dieser Aufbruch von Abraham. Wie wäre es, wenn wir diese Stimme hören würden? Wie würden wir auf so etwas reagieren? Ich denke, dass wir eher mit Zaudern und Zögern, mit Bedenken und Vorbehalten regieren würden, wenn nicht sogar mit großer Angst und Sorge. Wie oft sind wir mutlos und zagend, wenn es darum geht, wichtige Lebensentscheidungen zu treffen, Veränderungen anzunehmen, das Leben noch einmal neu und ganz anders in Angriff zu nehmen. Das Vorbild des Abraham will uns ermutigen, Vertrauen zu haben, Vertrauen zu einem Gott, der uns Menschen nicht ins Verderben, sondern in eine verheißungsvolle Zukunft führt.
Musik Wir haben soeben eine Musik aus Russland gehört, gespielt von Konstantin Buryan. Er kommt aus der Ukraine und lebt seit 1996 hier in Deutschland. Er gehört zu den vielen Menschen, die sich aus ihrer Heimat auf den Weg zu uns gemacht haben, um hier zu leben und zu lernen. Ihn hat die Musik auf den Weg gebracht, die seit vielen Jahren sein Leben prägt. Er lernte durch deutsche Musiker unsere Musik kennen und über 6 Jahre lang wuchs der Wunsch in ihm, in Deutschland die Musik des Barock und die moderne Musik unseres Kulturkreises näher kennen zu lernen, sie zu studieren und in das eigene musikalische Wirken einzubeziehen. Er hat in dem fremden Land Deutschland die Möglichkeit gefunden, dies zu verwirklichen und reist inzwischen durch die ganze Welt, um sein musikalisches Können zu zeigen. Der Weg hinaus aus der Heimat war für ihn ein Weg in die Freiheit, in eine fremde Kultur, die sein Leben aber reicher und tiefer gemacht hat. So wie er haben sich viele Menschen aus Russland auf den Weg gemacht, um ein neues Leben zu beginnen. Für Konstantin war dieser Schritt mit viel positiven Gedanken verbunden, für manch anderen war der Weg aus der Heimat ein Weg mit vielen Ängsten. Abraham als Vorbild des Glaubens ermutigt dazu, das Leben auch in einem anderen Land und anderen Kulturkreis neu zu beginnen. Abraham wusste sich geführt von seinem Gott, der ihn auch in einem fremden Land begleitet.
Musik
Johannes Lowes Ich bin 16 Jahre und gehe noch zur Schule. Ich habe also noch sehr viel Zeit mir Gedanken über meine Zukunft zu machen. Aber ich sehe auch andere, die am Ende der Schulzeit stehen. Sie erzählen mir, welche Vorstellungen vom Leben sie haben und wie schwer es ist, mit den Ansprüchen der Eltern und Freunde zurechtzukommen Immer wieder werden sie enttäuscht, wenn wieder Absagen auf Bewerbungen kommen. Und einen Ausbildungsplatz vor Ort ist bei uns auf dem Dorf nur schwer zu bekommen. Die sind dann oft ganz schön fertig. Und der Frust ist dann der Grund für Gewalt, weil sie einfach nicht wissen, wohin mit ihrer Enttäuschung. Wenn ich die Geschichte von Abraham höre und ihn als Vorbild ansehe, dann möchte ich das für mich eigentlich so verstehen: Geh los, mach dich auf den Weg! Bleib in deinem Frust nicht still sitzen und warte, sondern geh los mit Vertrauen und Zuversicht! Kein Weg ist dabei nutzlos, den Weg hat Gott in seiner Hand. Vielleicht muss ich dabei Umwege machen. Ich muss etwas anderes lernen, als ich zunächst wollte. Vielleicht muss ich auch meine Umgebung hier verlassen. Ich muss schon etwas in Kauf nehmen, um mein Leben zu gestalten. Ich habe Hoffnungen und Träume für mein Leben und dafür muss ich mich auf den Weg machen. Mein Ziel ist unbekannt, aber ich will darauf vertrauen, dass der Weg dorthin von Gottes Segen begleitet ist.
Musik
Betina Heinecke Ich saß vor einiger Zeit bei einer Freundin. Das Gespräch wurde ernst, denn sie ist krank. Mit Krebs hatte sie nicht gerechnet. Ihre Diagnose trifft sie tief, unerwartet... Angst nimmt sie gefangen, der Boden unter den Füßen schwindet, und in ihrer Seele ist alles totenstille. Plötzlich ist alles anders – nichts ist mehr so, wie es mal war. Operation, Chemotherapie, Bestrahlung – ein Leben mit großer Ungewissheit liegt vor ihr. Immer wieder denke ich an sie. Wie wäre es, wenn mich ein solches Schicksal treffen würde? Eine völlige Veränderung des Lebens. Von einem Tag auf den anderen sähe meine Zukunft anders aus. Von Abraham wird gesagt, dass er ohne zögern losging. Ich wünsche mir, dass ich das dann auch könnte. Ich möchte dann mit Gottvertrauen, Zuversicht und Hoffnung meinen neuen Weg gehen. Ich wünsche mir dann ein Leben mit der Krankheit zu führen und im Kampf gegen die Krankheit. Und es soll ein Weg sein, mit den Menschen an meiner Seite. Und selbst wenn dieser Weg noch so schwer sein wird, es soll mein Weg mit Gott sein, ein Leben in der Gemeinschaft mit anderen und in gegenseitigem Geben und Nehmen. Ich höre, wie schwer es ist, nicht zu verzweifeln, wenn der körperliche und seelische Schmerz in einem bohrt. Ich wünsche mir, dass ich nicht zweifele an Gottes Nähe, der mich begleitet auf meinem Weg, auch wenn ich ihn nicht sehe.
Musik
Jürgen Grote Aufbrechen in eine neue Welt: in ein anderes Land mit anderer Kultur. Aufbrechen in die Arbeit und damit in die Zukunft des eigenen Lebens. Aufbrechen ins Leben trotz der Beeinträchtigung, die in einem ist. Aufbrechen in den nächsten Abschnitt des Lebens, mit voller Zuversicht auf das, was man hofft, und ohne Zweifel an dem, was man nicht sieht. Aufbrechen in jeden neuen Tag mit dem Vertrauen zum begleitenden Gott. Das heißt: Leben nach dem Vorbild des Glaubens von Abraham.
Durch diesen Glauben, so heißt es in unserem Predigtext, ist Abraham zu einem Fremdling geworden, der in Zelten lebte. Das ist ein schönes Bild für Menschen, die nach dem Vorbild des Abraham ihren Alltag gestalten wollen. Fremdling sein, das heißt: man ist nicht ganz zu Hause und verwurzelt in dieser Lebenswelt, sondern man ist immer offen für das Neue im Leben. Das bedeutet für das eigene Leben, dass es nie so ganz sicher ist. Es bleibt nicht alles so, wie es einmal war, sondern unser Leben unterliegt der Veränderung. Das Zelt wird abgebaut und woanders wieder aufgebaut. Gedanken von Heute werden verändert durch die Gedanken von Morgen. Ansichten von heute können morgen revidiert werden. Was heute richtig ist, könnte morgen schon falsch sein. Das heißt, das Leben ist offen. Es ist nicht fertig an einem bestimmten Punkt. Es kommt immer wieder Unerwartetes auf uns zu, dem wir uns stellen dürfen, dem wir uns aussetzen können. Unser Glaube weiß das. Er nimmt dies an. Ja er freut sich darauf, dass jeder Tag als ein lebendiges Geschehen anzusehen ist. Vorbilder des Glaubens machen dies deutlich und spornen uns an, ihnen nachzueifern. Abraham lebt Vertrauen vor, Vertrauen zu einer Kraft, die die unsrige übersteigt. Er zeigt eine Hoffnung, die den Alltag mit all seinen schwierigen Seiten zu übersteigen vermag, weil sie sich auf etwas gründet, das in dem Alltag nicht aufgeht: Die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist - so formuliert es der Hebräerbrief. Abraham ging los, diese Stätte zu finden. Dabei war er Wanderer ohne festen Ort. Dabei fand er diese Stadt, die einen festen Grund hat. Jedoch nicht an einem geografischen Ort im rein Sichtbaren, sondern er fand diese Stätte in dem Vertrauen, das sich ganz auf Gott gründet. Darin lag seine Heimat, darin liegt dieser feste Grund, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Finden konnte er den nur, weil er sich auf den Weg gemacht hat. Und genau dadurch wurde Abraham zum Vorbild des Glaubens. Folgen wir ihm! Machen wir uns auf den Weg, auf den Weg mit Gott! Vertrauen wir den neuen Wegen, die der Herr uns weist. Amen Und der Friede Gottes, der höher ist als all unserer menschliche Vernunft sich auszudenken vermag, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, ist ein Lied das hat Klaus Peter Hertzsch gedichtet. Es hat die Nr. 395 im evangelischen Gesangbuch. |
|
|||||||||||||||||||||||||
|
© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote |