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Mt 4, 1-11

Jesus wurde getauft. Das war der Einstieg in sein neues Leben. Der Zimmermannssohn aus Nazareth beginnt ein neues Leben. Von nun an wird er Weg als Prediger durch die Lande ziehen, als einer, der den Menschen Gottes Reich vor Augen stellt, der ihr Leben verändern will, der zu Gott rufen will.

Da ist es schon interessant, was in den Evangelien als erstes von Jesus berichtet wird. Was wird so zusagen sein erster Auftritt sein, der dann ja alles bestimmt. Ich war am Donnerstag im Theater und waren es die ersten Minuten, in denen man schon die Charaktere des Stückes auf wunderbare Weise erkennen konnte. Diese Minuten prägten den gesamten Ablauf der dargestellten Geschichte. Und so ist das auch in den Evangelien. Was geschieht nun? Was ist sein erste Aktion?

Nach der Taufe Jesu ist seine erste Aktion: keine Action zu machen. Jesus zieht sich zunächst zurück. Vor all seinen öffentlichen Auftritten geht Jesus zunächst erst einmal in die Wüste. 40 Tage und 40 Nächte. Eine heilige Zeit. 40 Jahre war das Volk Israel unterwegs, als es aus Ägypten ins gelobte Land herausgeführt wurde. 40 Jahre waren die Israeliten in der Verbannung und mussten außerhalb ihres angestammten Landes leben. 40 Tage in der Wüste, das war seine Vorbereitungszeit auf sein großes Wirken. Kraft tanken, sich klar werden über seine Gedanken und seinen Auftrag, dem neuen Weg erst man innerlich seinen Raum geben, ohne Ablenkung von außen, das war Ziel dieser Zeit. Eigentlich ein gutes Vorbild, das Jesu hier abgibt.

Die Menschen sind oft anders. Da will man etwas Neues beginnen und geht mit vollem Elan und höchster Aktivität an die Sache heran. Es soll los gehen, die Kraft der neuen Idee soll gleich einsetzt werden. Aktivismus und Aktionismus treiben uns an. Aber es bleibt keine Zeit, um wirklich einmal darüber nachzudenken, wie dieser Weg aussehen kann, was er bedeutet, welche Auswirkungen er hat. Erst mal machen, alles andere kriegen wir später.

Vielleicht wäre es gut, sich Zeit zu nehmen, immer wieder einmal, um das eigene Leben zu bedenken. Wüstenzeit, Zeit der Stille, um den vielen auf uns einstürmenden Gedanken einmal Raum zu geben, sich zu entfalten oder sich getrost zu verflüchtigen. Dies noch machen, jenes noch vorbereiten, hierhin und dorthin. Schnell machen, damit das Nächste wieder beginnen kann. Oder schnell mal das Fernsehen anstellen, dann ist es nicht so still um mich herum, dann muss ich mich auch nicht mit meinen Gedanken beschäftigen. Doch wo haben wir dann noch Raum in unserem Leben, darüber nachzudenken, was wichtig ist, was uns hilfreich ist, was uns im Weg ist. Was wir selber wollen, was unser ganz persönliches Leben ausmacht, das findet gar keinen Raum mehr in unseren Gedanken. Wüstenzeit, Stille Zeit, das ist eine ganz wichtige Zeit für uns Menschen und unser Leben, es ist gut für unser Selbstbewusstsein und unseren Glauben. Die Fastenzeit die am Aschermittwoch begonnen hat, will dazu einladen, eine bewusste Zeit sein, in der unser Inneres mal Raum hat, sich zu entfalten.

Sicher hat das auch seine Kehrseite. Es kommen ja nicht nur gute Gedanken in uns hoch, auch kritische Gedanken melden sich. Die innere Stimme stellt auch in Frage, macht schön aussehende Gedanken kaputt oder stellt Überlegungen in den Weg, die uns hindern diesen Weg weiter zu verfolgen.

In der Versuchungsgeschichte Jesu ist es der Teufel, der am Ende der Zeit, wo Jesus ausgehungert und schwach ist, plötzlich auftaucht, um ihn in seinen Bann zu ziehen.

Und drei mal versucht er, Jesus von seinem Weg abzubringen. Doch die vierzig Tage Ruhe, diese vierzig Tage der Konzentration und Vorbereitung auf seinen Weg, zeigen ihre Wirkung.

Was steht ihm an Versuchung gegenüber? Als erstes spricht der Versucher die Möglichkeiten Jesu an. Du kannst doch alles. Mach aus diesen Steinen Brot.

Das wäre doch toll, wenn jemand aus Steinen Brot machen könnte. Das Hungerproblem der Welt wäre gelöst. Und Brot machen ist nichts anrüchiges, es ist doch gut, so etwas herzustellen. Mach etwas aus dem, was du kannst.

Du bist doch ein intelligenter Mensch, ein Physiker, der das Know-how hat, Atom zu spalten. Ungeheure Energie, die gebraucht wird in der industriellen Welt. Nutze deine Fähigkeiten, schaffe das, was dir möglich ist. Und dann entstanden die Labore der Atomphysiker, die die Kernenergie nutzen sollten und wollten. Und nun haben wir die Probleme: Atombomben mit ungeheurer Vernichtungskraft – wenn ich richtig informiert bin könnten wir die Welt damit mehrfach in die Luft jagen. Wir haben den Atommüll, von dem niemand weiß, welche Risiken er in sich trägt und wie man die Abfallprodukte in unbedenklicher Weise entsorgt. Die Endlager Asse und Konrad liegen direkt vor unserer Tür und machen uns entsprechende Sorgen.

Forscht in den Genen der Pflanzen, das ist gut für die Menschen in Hungergebieten, damit die Pflanzen dort wachsen können. Nutzt eure geistige Macht und Kraft, um einen ungeheuren Markt neuer Möglichkeiten zu schaffen. Es weiß zwar niemand, was da wirklich geschieht, weil jeder meint, dass das, was wir heute wissen, für alle Zeit richtig ist und Bestand hat, obwohl wir die Wissenschaft der letzten Jahrhunderte schon tausendfach Lügen gestraft haben und auch die heutigen Erkenntnisse die von damals sein werden, die man hinter sich gelassen hat.

Mach alles, was du kannst. Nutze deine Möglichkeiten – im wahrsten Sinne des Wortes: auf Teufel komm raus.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er lebt nicht nur von einer vermeintlich unerschöpflichen Energie, er lebt nicht nur von der Erschließung neuer Märkte, die Versprechungen machen – das Leben hat auch eine andere Seite.

Jesus erinnert an die Gottesbeziehung. ER erinnert daran, was Gott für diese Welt will. Jesus erinnert daran, dass nicht wir Menschen an erster Stelle stehen mit unseren Gedanken, Wünschen und Möglichkeiten, sondern eben die Wirklichkeit Gottes, der dieser Welt Zukunft geschenkt hat und weiterhin schenken will. Wer nur auf seine Möglichkeiten schaut, auf das persönliche Leben, der stellt sich selber an die Stelle Gottes und verliert dabei die Grundlagen des Lebens aus dem Blick. Es geht nicht immer darum, alles Machbare auch zu machen, sondern zu schauen, was dient den Menschen, was hilft wirklich und welche Risiken darf ich nicht erzeugen. Es gilt auch einmal Nein zu sagen, auch wenn ein Ja möglich wäre. Doch nicht jedes Ja ist wirklich gut. Ein aus dem Glauben herauskommendes Nein kann zukunftsträchtiger sein, als ein kurzsichtiges Ja.

 

Nun gut, wenn es denn um den Glauben geht, um Gottes Wort, dann bitte. Der Versucher gibt sich nicht geschlagen. Bitte, dann begeben wir uns an den Ort des Glaubens, in die Mitte des religiösen Denkens. Oben auf die Zinne des Tempels führt er Jesus und zitiert ein biblisches Wort aus dem 91. Psalm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«

Na, wenn das so ist, dass nur Gottes Wort zählt, dann stellen wir es doch mal auf die Probe, schauen wir doch mal, was es wirklich bringt. Voll erfüllt, am höchsten Punkt des Glaubens, in der Position des Sohnes Gottes – jetzt schau doch mal, was dir dein Gott so ermöglicht.

Es scheint die Glaubwürdigkeit des Wortes Gottes geprüft zu werden. Was steckt wohl wirklich dahinter und hält es auch, was es verspricht? Viele bibelkritische Menschen werden genau diese Stelle gerne hören und schauen, wie sich Jesus aus der Affäre zieht.

Er tut dies auf eine ganz besondere Weise. Die Zeit der Ruhe hat ihn an den Punkt gebracht, wo er für sich zutiefst erkannt hat, dass nicht der Mensch ganz oben steht, sondern da ist jemand, der ist höher und bedeutsamer. Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? Klein und unbedeutend. Hat der das Recht und die Möglichkeit, sich Gott untertan zu machen. Ganz gewiss nicht. Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. Glaube ist mehr. Der Glaube weiß um die Unverfügbarkeit Gottes, niemand kann Gott für sich vereinnahmen, auch der Sohn Gottes nicht. Das heißt nicht, das die Worte nicht tragen, doch sie tragen anders. Im Glauben sind wir durch sie getragen und dazu braucht es nicht des Beweis der Erfüllung bestimmter Worte, sondern dem Vertrauen dazu, dass Gott hält, wo wir fallen. Jesus sagt Nein, weil er dies vor Augen hat, weil der Gott in seiner Unverfügbarkeit anerkennt und gelten lässt, weil er so Gott Gott sein lässt.

Und diesen Glauben hält Jesus weiter durch. Als letztes holt der Versucher die stärkste Trumpfkarte heraus. Er zeigt Jesus alle Reiche der Welt und alle Herrlichkeit und verspricht, sie ihm zu geben.

Mir sind dazu James Bondfilme eingefallen, in denen skrupellose Menschen mit wahnwitzigen Ideen versuchen die Weltherrschaft an sich zu reißen, doch am Ende damit scheitern.  In er Macht liegt eine große Versuchung, und an vielen Stellen wird dies im politischen, gesellschaftlichen, aber auch persönlichen Bereich deutlich. Es müssen nicht immer die großen Dinge sein, die da vor Augen stehen, Macht kann auch im Kleinen ausgeübt werden und viel Schaden anrichten. Wer in der Ehe nur Macht haben will, wer seine Kinder mit den Gedanken des: ich habe Macht über sie, erziehen will, der wird letztlich nur an dieser persönlichen Macht interessiert sein und die Menschen um sich herum nur zu Dienern dieser Macht degradieren. So werden Menschen zu Objekten des persönlichen Denkens und Handelns.

Dazu sagt Jesus in aller Schärfe nein. Weg mit dir, Satan ruft er aus. Weg mit dir du zerstörerische Kraft des Lebens, du kannst mir kein wirklich erfülltes Leben bieten. Das finde ich allein bei meinem Gott, bei der Liebe, die den Menschen sieht, bei der Liebe, die nicht Macht will, sondern Hilfe, Zuwendung und Barmherzigkeit. Nicht der persönlichen Macht gilt es zu dienen, sondern dieser Kraft der Liebe für die Menschen. Selber dienen, das bringt Leben und Heil und nicht bedient werden und Macht ausüben. Dazu sagt Jesus: Nein.

Der Anfang des Weges Jesu, der Anfang des Weges als lebendiges Wort Gottes ist begleitet von der Versuchung, von den kritischen Gedanken, die den Weg des Glaubens in Frage stellen wollen. Jesus widersteht diesen Gedanken, er sagt Nein zu all den viel versprechenden Versuchungen, weil er den Weg des Glaubens, die Beziehung zum lebendigen Gott, die Unterordnung unter ihn als den Weg des Heils erkannt hat. Vorbild des Glaubens, Ermutiger zu einem kräftigen Nein, wo der Kern des Lebens in Frage gestellt wird. Tiefer Glaube ist es, der ihn trägt auf seinem Weg bis hin ans Kreuz. Und Gott geht diesen Weg mit. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 445,1,2,4,5 Gott des Himmels und der Erden

Psalm 91 nach EG NsB 736

Eingangsliturgie

Gebet  EGb S. 295 Gebet 3

Lesung Hebr. 4,14-16

Lied 347,16 Ach bleib mit deiner Gnade

Lesung: Mt4, 1-11

Glaubensbekenntnis

Lied 362,1-4 Ein feste Burg

Predigt

Lied EG NsB 596,1-5 Ich möchte Glauben haben

Abkündigungen

Fürbittengebet

Vater im Himmel!

Unser Leben geht dahin mit vielen Aktivitäten und Aktionen. Wir bitten dich, lass uns dennoch Ruhe finden, Zeit in der du im Mittelpunkt stehst. Lass uns darin dein Wort hören und durch dich neue Stärkung erfahren. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

In den Versuchungen des Lebens lass uns festhalten an dir und deinem Wort. Hilf uns, den richtigen Weg zu finden, in dem, was wir tun, auf dass wir deine Liebe und Güte weitergeben, dass wir Leben aufbauen und nicht hindern. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Lass uns an deinem Wort genügen, auch wenn wir dich nicht sehen und du oftmals weit weg bist. Mögen die Worte ihre Kraft entfalten, wo wir sie dringend brauchen, auf dass wir deine Gegenwart spüren. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Lass Macht zu einem Lebensfaktor werden, der den Menschen dient. Wo sie missbraucht wird, da lass deinen Geist wehen, der verändert und zu neuem Leben führt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die krank sind, die sich um ihr Leben oder ihre Angehörigen sorgen. Sei gegenwärtig und gib du die nötige Stärke. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Vaterunser

Segen

163

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  und Klein Elbe

1. 3. 2009

Liturgischer
Ablauf
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