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Worüber ist am heutigen Sonntag zu reden? Wir haben einen
Bibeltext gehört, der unsere Gedanken leiten soll. Er bietet viele
Möglichkeiten, die Situation Jesu, die literarische Dramaturgie des
Matthäus oder auch der religiösen Botschaft dieser Worte darzustellen.
Alles hätte seinen Reiz, alles seine Bedeutung und Wirkung.
Daneben steht unser Leben, mit dem was uns beschäftigt, vor allem
natürlich immer noch die Flutkatastrophe in Südostasien, die wohl über 200
000 Opfer gefordert hat.
Worüber also reden an diesem Morgen?
Ich möchte versuchen, die Worte der Bibel aufzunehmen und mit dem in
Beziehung zu setzen, was wir in diesen Tagen erleben.
Als nun Jesus hörte, dass Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er
sich nach Galiläa zurück. Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in
Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, damit
erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht:
»Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land
jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa, das Volk, das in Finsternis
saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im
Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.« Seit der Zeit fing Jesus
an zu predigen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe
herbeigekommen!
Wir hören eine geographische Nachricht: Jesus verlässt seinen Heimatort.
Warum verlässt er ihn? Weil er hörte, dass Johannes der Täufer gefangen
genommen wurde. Jesus kommt – mitten im Leiden einer Einzelperson. Hier
wird ein ganz wichtiger Teil des Lebens Jesu angesprochen. Der Beginn
seiner Wirksamkeit steht unter dem Zeichen der Gefangennahme. Und das
heißt, sein eigenes Lebensschicksal wird hier schon vorweggenommen. Denn
so wie Johannes, der die Menschen zur Umkehr gerufen hat, so wird auch
Jesus selber den Weg in die Gefangennahme, ins Leiden, in den Tod gehen.
Bevor auch nur eine gute Tat Jesu verkündigt wird, steht schon sein Leiden
im Raum.
Für mich zeigt dies, wie sehr die Botschaft des Evangeliums verbunden ist
mit der Lebenswirklichkeit unserer Welt, vor allem aber auch damit, dass
die Botschaft des Evangeliums nicht das Leiden, die Bosheit oder das
Unbegreifbare des Lebens nicht aus dieser Welt nimmt.
Wie oft wurde von uns, die wir weit weg sind von Indonesien diese Frage
gestellt: wie kann Gott so ein Leiden zulassen? und umso mehr werden es
die Menschen vor Ort gestellt haben. Diese immer wieder den Menschen
beschäftigende Frage, warum es Leid in der Welt gibt und Gott nicht ein
Gott ist, der dieses Leid verhindern möge.
Die Geschichte Jesu ist eine Geschichte des Leidens. Es ist eine
Geschichte der Gegenwart Gottes in den tragischen Lebensmomenten der
Menschen, es ist eine Geschichte der Präsenz Gottes auf der Schattenseite
des Lebens. Und das steht von Anfang an über dem Lebensweg Jesu.
Das erklärt in keiner Weise die Fragen, die wir da an Gott stellen, es
bleiben die ungeklärten und bedrückenden, den Zweifel nährenden Fragen.
Fragen, die wir nicht beiseite schieben können, wollen oder sollten. Nur
wir dürfen sie nicht einfach so stellen, sondern sie sind auch in
Beziehung zu setzen zur Botschaft, die von Gott weitergesagt wird.
Und da wird deutlich, dass es sehr subjektiv ist, was Menschen dort unten
in Südostasien über Gott denken. Wir sehen die Bilder von den Menschen,
die voller Trauer und Leid sind, schwer verletzt, mit dem Tode ringend,
oder auch den Tod der Angehöriger betrauernd. Wo bist du Gott?
Verständliche Fragen im Horizont der Not.
Dann gibt es Menschen, die haben etwas ganz anderes erlebt. Sie haben es
vielleicht auch gesehen im Fernsehen: eine ganz christliche Gemeinde dort
hat überlebt, weil der Pfarrer zu Weihnachten auf die Idee kam, eine
Wallfahrt zu machen an einen hoch gelegenen Ort, wodurch diese Menschen
alle überlebt haben. Wir danken dir Gott, so werden sie in den
Gottesdiensten der nächsten Tage gesprochen haben.
Was ist mir Maßstab zur Beurteilung des Tuns Gottes? Habe ich als Mensch
über das Recht mit Gott zu rechten? Ich kann wohl mit meinen Mitmenschen
über richtiges und falsches Handeln diskutieren, kann menschliches Handeln
beurteilen und befragen, aber kann ich Gott befragen, kann ich ihm meine
Gedanken als höheren Maßstab gegenüber stellen?
Ich denke, da wird es schwierig. Der Mensch, das Geschöpf will mit seinem
Schöpfer rechten? Was für eine Anmaßung, wie schon der alte Hiob einsehen
musste.
Mein Blick auf Gott darf also nicht nur geprägt werden, von dem, was ich
als Mensch an Fragen und Vorstellungen habe, so sehr dies auch in mein
Glaubensdenken einfließt, sondern ich werde in meinem Glauben geprägt von
dem, was Gottes Wort mir vorgibt, was mir in der biblischen Botschaft von
Gottes Handeln vor Augen gestellt wird.
Ja und da ist es eben Gottes Weg mit Jesus Christus in die dunklen Orte
dieser Welt. Das Paradies liegt hinter uns, ja es wird es so nie gegeben
haben. Das Paradies liegt hinter uns und das Leben dieser Welt ist nun
das, was wir vor Gott und mit Gott führen müssen. Und darüber wird uns
erzählt, dass das Leiden, das die Dunkelheit der Ort ist, an dem Gott
wirken will, um diese Lebenswirklichkeit zu erhellen.
Und dazu muss der Mensch seinen Standort manchmal wechseln. Jesus geht von
Nazaret nach Kapernaum heißt es in der Geschichte. Das kann man rein
geographisch verstehen, aber es hat mehr. Es hat etwas von verlassen des
heimischen Territoriums, verlassen des bisherigen Denkens, verlassen der
sicheren, wohl situierten Lebenssituation, hin zu einem anderen neuen
Denken und Leben.
Ich denke, wir spüren angesichts dessen, was uns in den letzten zwei
Wochen vor Augen gestellt wurde, das die Werte des Lebens sich verschoben
haben. Die Betroffenheit der Menschen, die sich vor allem in der
ungeheuren Spendenbereitschaft ausdrückt, macht deutlich, hier ist etwas
geschehen, was das ganz persönliche Lebensgefühl, den eigenen Stellenwert
des Lebens neu in den Blick nimmt. Oft habe ich in den Interviews der
letzten Tage gehört, dass Menschen sagen, dass sie neu über das Leben und
das, was wirklich wichtig ist, nachgedacht haben. Die wirtschaftlichen
Fragen stehen hinten an. Ausgaben von Staaten, Spendengaben im privaten
Bereich, es wird nicht darüber nachgedacht, dass dieses Geld fehlen kann,
dass damit Lebensqualität sinkt, nein, es wird abgegeben, weil es seine
persönliche Bedeutung verloren hat und nun Mittel zur Hilfe für andere
wird. Das ist eine ganz wichtige Veränderung des Denkens. Wir spüren: für
die Menschen in Not ist Geld als Aufbauhilfe nötig – wir selber aber
können auf einen Teil verzichten, ohne dass das Leben davon Schaden nimmt.
So wichtig ist es denn auch nicht. Es zählt eben doch etwas anderes:
letztlich die Liebe zu den Menschen, zu denen, die mir eng verbunden sind.
In den Bildern des Fernsehens wird deutlich, wie schnell man getrennt
werden kann, man sieht, wie brüchig Beziehung ist und dass wir dankbar
sein sollen über jeden Tag gemeinsamen Lebens. Und das gilt es zu pflegen,
jeden Tag neu. Das gewohnte nebeneinander leben – vielleicht muss man sich
davon entfernen, eine Ortswechsel vornehmen, um in der neuen Sicht der
Dinge dann auch das zu erleben, was Gott für uns Menschen will:
Gemeinschaft, gegenseitige Achtung und Fürsorge, Leben aus der Liebe und
in der Liebe zum anderen. Für manch einen hat das etwas von Umkehr, von
der die Botschaft Jesu spricht.
Das wäre so die eine Seite der Ortsveränderung. Es gibt noch eine andere,
die mit den Ereignissen dieser Tage zusammenhängt.
Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits
des Jordans, das heidnische Galiläa, das Volk, das in Finsternis saß, hat
ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des
Todes, ist ein Licht aufgegangen.
Mt spricht von Sebulon und Naftali, ich möchte diese Wort auf die
Inselstaaten in Südostasien beziehen. Die Menschen dort haben
Furchtbarstes erlebt und durchgemacht. Sie leben in Finsternis dort, im
Schatten des Todes. Aber gleichzeitig dürfen diese Menschen auch erleben,
dass Millionen von Menschen in aller Welt ihr Schicksal nicht gleichgültig
lässt. Die reichen Menschen der westlichen Welt, aber auch die armen
Menschen in der so bezeichneten zweiten und auch dritten Welt zeigen ihre
Verbundenheit, zeigen ihre Hilfsbereitschaft. Das ist ein Licht im
Dunkeln, ein Licht in der Finsternis, die dieses Ereignis gebracht hat.
Und viele Menschen tun das auch als ein Zeichen des Glaubens, als ein
Zeichen der Liebe, die Gott ihnen selber geschenkt hat und die sie nun
weiter weitergeben wollen. Inmitten aller Fragen ist da auch die
Dankbarkeit gegenüber Gott, der das eigene Leben trägt und der uns
braucht, um anderen Licht zu bringen.
Diese Bereitschaft ist da, jetzt in diesem Katastrophenfall. Allerdings
darf man auch nicht vergessen, dass es neben diesen Problemen in den
Inselstaaten Südostasiens noch viele andere Bereiche der Welt gibt, wo
Menschen unter den normalen Lebensbedingungen katastrophal leiden. Die
Hungergebiete Afrikas sind im Augenblick nicht in den Schlagzeilen, die
Kriegs- und Gewaltgebiete, die so vielen Menschen Leid bringen, sie
scheinen nichtig zu sein, gegenüber der unvorstellbaren Kraft der Natur,
die so viele Menschen in so kurzer Zeit das Leben und die
Existenzgrundlage nahmen. Doch die anderen Menschen sind auch noch da, sie
leiden nicht weniger als die Menschen in Banda Ace oder anderen Orten.
Den heimischen Standort wechseln, das kann auch heißen, den Blick immer
wieder zu denen zu lenken, die auf der Schattenseite des Lebens stehen,
die im Dunkeln wohnen, die im Schatten des Todes sitzen. Nicht nur wenn
sie in den Medien auftauchen, sondern auch sonst, wenn alle schweigen.
Auch dies kann ein Weg sein, das Licht weiter zu tragen, das Gott in die
Welt gebracht hat. Denn das Leid der Welt löscht das Licht nicht aus, das
vermag nichts und niemand in der Welt, aber es kann klein bleiben, weil
wir Menschen nicht bereit sind, Licht der Welt, Licht Gottes in der Welt
zu sein.
Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen: Kehr um, denn das Reich der
Himmel ist nahe herbeigekommen! Unsere menschliche Umkehr ist eine stete,
sie ist immer wieder nötig, als Hinkehr zu Gott und zur Liebe zu den
Menschen. Darin liegt die Mitte des Kommens Gottes in die Welt, darum ist
er Mensch geworden, darum ist er mit Jesus den Weg des Leidens gegangen,
damit das Licht sich in den Finsternissen dieser Welt ausbreiten kann. Und
wo es sich ausbreitet, da wird dann auch Himmel sichtbar, da wird Gottes
Gegenwart spürbar, auch inmitten aller Zweifel. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 441, 1-5
Psalm 89
2 Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich und seine Treue
verkünden mit meinem Munde für und für;
3 denn ich sage: Für ewig steht die Gnade fest; du gibst deiner Treue
sicheren Grund im Himmel.
4 »Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten, ich habe
David, meinem Knechte, geschworen:
5 Ich will deinem Geschlecht festen Grund geben auf ewig und [a] deinen
Thron bauen für und für.« SELA.
6 Und die Himmel werden, HERR, deine Wunder preisen und deine Treue in der
Gemeinde der Heiligen.
20 Damals hast du geredet durch ein Gesicht zu deinem Heiligen und gesagt:
Ich habe einen Helden erweckt, der helfen soll, ich habe erhöht einen
Auserwählten aus dem Volk.
21 Ich habe gefunden meinen Knecht David, ich habe ihn gesalbt mit meinem
heiligen Öl.
22 Meine Hand soll ihn erhalten, und mein Arm soll ihn stärken.
23 Die Feinde sollen ihn nicht überwältigen und die Ungerechten ihn nicht
demütigen.
27 Er wird mich nennen: Du bist mein Vater, mein Gott und Hort, der mir
hilft.
28 Und ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen, zum Höchsten unter den
Königen auf Erden.
29 Ich will ihm ewiglich bewahren meine Gnade, und mein Bund soll ihm
festbleiben.
30 Ich will ihm ewiglich Nachkommen geben und seinen Thron erhalten,
solange der Himmel währt.
47 HERR, wie lange willst du dich so verbergen und deinen Grimm wie Feuer
brennen lassen?
48 Gedenke, wie kurz mein Leben ist, wie vergänglich du alle Menschen
geschaffen hast!
49 Wo ist jemand, der da lebt und den Tod nicht sähe, der seine Seele
errette aus des Todes Hand? SELA.
50 Herr, wo ist deine Gnade von einst, die du David geschworen hast in
deiner Treue?
51 Gedenke, Herr, an die Not deiner Knechte.
53 Gelobt sei der HERR ewiglich! Amen! Amen!
Eingangsliturgie
Gebet
Gott allen Lichtes, wir danken dir, dass Jesus Christus gekommen ist: als
Licht für die Welt, als Ziel für die Suchenden, als Wegzeichen für die
Verirrten. Was immer auch geschieht, lass uns an ihm festhalten und damit
an dir und deiner Liebe zu den Menschen. Gib, dass wir auf ihn hören und
ihm folgen und darin dir die Ehre geben alle Zeit, dazu hilf uns durch
deinen Geist.
Lesung Röm 12, 1-3
Lied: 299,14
Lesung Mt 4, 12-17
Glaubensbekenntnis
Lied: 533,1-3
Predigt
Lied:
Gott entzündet ein Licht J. Grote
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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