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Mt. 3, 13-17

In diesem Jahr stehen - wie schon häufiger gesagt - die Texte der Evangeliumslesung im Mittelpunkt der Gottesdienste. Jesu Leben, Jesu Handeln, so wie es in den Evangelien erzählt wird, werden wir in diesem Jahr hören und bedenken. Ich finde das gut, dass es immer wieder so ist, dass wir gezwungen werden uns diesem Leben Jesu zu stellen. Einmal weil wir oft genug viel zu wenig davon wissen, dann aber vor allem, weil Jesus ja das Vorbild des menschlichen Lebens ist, weil er uns Vorbild für unser Leben in der Welt und unser Leben vor Gott ist. Und so wollen wir uns dem stellen, was uns von Jesus berichtet wird und was wir Christen davon in unser Leben hineinnehmen können.
Nach dem Weihnachtsfest hören wir nun heute von der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer. Das ist zunächst einmal etwas verblüffend. Zuerst lesen wir im Matthäusevangelium die Kindheitsgeschichte mit Maria und Joseph, den heiligen drei Königen, wir hören von der Flucht nach Ägypten und dem Kindermord zu Bethlehem. Wir hören dann noch von der Rückkehr aus Ägypten nach dem Tod des Herodes als Jesus etwa drei Jahre alt war. Und dann ist erst einmal nichts mehr Berichtenswertes da. Aus Jesu Kindheit erfahren wir von Matthäus nichts, von Lukas nur, dass der zwölfjährige Jesus schon den Tempel, das Haus Gottes als heimatlichen Ort angesehen hat.
Die Kindheit also war nichts, was großer Erwähnung bedurfte. Erst als Erwachsener, vermutlich mit ca. 30 Jahren wird Jesus als Person wichtig, denn da beginnt sein Auftreten in der Öffentlichkeit, jetzt nehmen die Menschen erst richtig Notiz von seinen Gedanken.
Am Anfang dieses öffentlichen Auftretens steht die Taufe durch Johannes den Täufer. Johannes der Täufer war eine Art Prophet im Lande. Wir würden heute sagen, er war eine ziemlich abgerissene Erscheinung, vermutlich würden wir ihn für einen Penner halten, diesen Mann im Kamelhaar in der Wüste, der sich nur von Heuschrecken und wildem Honig ernährt hat. Doch Johannes war ein sehr bekannte und auch von vielen angesehener Mann. Seine Botschaft hieß: Tut Buße, denn da Himmelreich ist nahe herbeigekommen.
Johannes sah das Leben der Menschen seiner Zeit sehr kritisch an. Er sah, wie sich vor allem die religiösen Führer immer mehr dem politischen Leben angepasst haben, wie sie das Geistliche immer mehr aus dem Augen verloren haben. Und mit den Führern erstarb natürlich auch bei den Juden das geistliche Leben. Und Johannes kritisierte auch sehr das moralische Verhalten der Politiker. Herodes hatte nämlich die Frau seines Bruders als seine Lebensgefährtin gewählt. Unter welchen Umständen ist nicht bekannt, Johannes jedoch kostete es im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf; Herodes ließ ihn später köpfen.
Johannes war am Jordan und versuchte nun, ganz in der Tradition der alten Propheten, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie ihr Leben ändern müssten.
Seine Hoffnung war, dass es möglich ist, dass Menschen sich ändern können, dass sie ein besseres Leben führen können, das nicht mehr geprägt ist von Gewalt und Ungerechtigkeit. Ein Leben das nicht mehr geprägt ist von Ausbeutung und Zerstörung, von Angst und Schuld. Darum rief er die Menschen auf, sich zu ändern. Und dies sollte beginnen mit der Taufe im Jordan. Der Mensch sollte sein altes Leben abwaschen und nach der Taufe durch eigene Kraft ein neues Leben beginnen. Nur so, so sagte er, könnten die Menschen dem Zorn Gottes entrinnen.
Es kamen auch wirklich viele Menschen zu ihm. Johannes war eine Attraktion. Einige wollten ihn nur mal hören, wollten die Beschimpfungen gegen die obersten Führer hören. Andere waren sehr ergriffen von seiner Rede, sie wollten ihr Leben ändern und ließen sich taufen. Andere suchten nur Informationen, um ihn loszuwerden.
So war auch eines Tages Jesus unter denen, die da am Jordan gestanden haben. Und auch Jesus wollte sich taufen lassen. Ein Mensch, von dem gesagt wird, er sei ohne Fehl und Tadel, ein Mensch, der einen so intensiven Glauben in sich trug, der will sich taufen lassen, der will Schuld abgewaschen bekommen. Das ruft inneren Protest hervor, den Johannes dann auch laut werden lässt. Er will Jesus nicht taufen. Ich hätte es nötig von dir getauft zu werden und du kommst zu mir? Mit diesen Worten macht Johannes deutlich, welche Bedeutung Jesus zukommt, doch Jesus wehrt das ab. Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Und dann ließ er sich taufen.
Was meint Jesus damit und was bedeutet seine Taufe für ihn und für uns?
Die Menschen, die sonst zu Johannes kamen, meinten, dass sie durch diese Taufe ihr Leben verändern könnten. Sie meinten, sie könnten gut sein allein dadurch, dass jemand sie dazu aufruft und wenn sie beschließen, ein neues Leben zu führen. Aber wie sieht das in der Regel aus vor Gott? Es ist doch noch so wie bei Adam und Eva: wenn Gott vor uns tritt, verkriechen wir uns angstvoll im Gesträuch. Statt Gott zu vertrauen, laufen wir Menschen weg, fürchten Gott, und fürchten die Menschen, ja fürchten uns selber, weil wir die Wahrheit unseres Lebens fürchten. Niemand traut sich, sich vor einem anderen Menschen so zu zeigen, wie er oder sie wirklich ist, immer bestimmt uns unsere Angst zum Ausweichen, zum Lügen, zur Flucht vor uns selbst und voreinander. Selbst unser Gut-sein-Wollen ist oft ein Teil der Täuschung des eigenen Lebens.
Jesus hat genau dies in seinem Leben entdeckt, dass es eben nicht um diese äußerlich Veränderung geht. Nicht sich verändern, nicht sein Leben äußerlich anders gestalten, ist sein Lebensziel, sondern es gilt sich zu stellen, wie man eben ist. Und genau das tut Jesus in dieser kleinen Szene seiner Taufe. Jesus hat die Taufe des Johannes für sich angenommen, weil er zeigen wollte, dass man sich vor Gott nicht zu verstecken braucht, dass man sich nicht ducken muss oder gar fortlaufen. Die Taufe war für Jesus eine Art Auslieferung. Hier stehe ich, wie ich bin, ich bin ganz da für Gott, ihm will ich mich auf Gedeih und Verderb überlassen, trotz aller Angst, die da in uns Menschen ist. Kein Verstecken mehr, keine Täuschung mehr. Hier bin ich Gott, nimm mich, wie du mich jetzt vorfindest.
So gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Mit diesem Satz sagt Jesus: die Gerechtigkeit, die von Gott kommt, das ist nicht ein Handeln nach unseren Taten. Es geht in unserem Leben nicht vordergründig um die Veränderung unseres Handelns, es geht nicht um die guten Vorsätze, sondern es geht darum, dass wir uns anvertrauen, dass wir uns Gottes Urteil über uns anvertrauen. Die Taufe war für Jesus deshalb ein Akt der vollständigen Hingabe, ohne auch nur ein bisschen über sein eigenes Leben nachzudenken. Gottes Gerechtigkeit erfüllen, hieß es, Gott recht zu geben, sich ihm anzuvertrauen, sich seinem Urteil stellen, das ist wahres Leben vor Gott und damit auch wahres Leben vor den Menschen. Sich nicht verstecken, weder vor sich selber, noch vor den Menschen, noch vor Gott. Sich nicht einer Täuschung über sich selber hingeben, Gott und andere Menschen nicht täuschen wollen. Sich selber vor Gott stellen, sich ganz an Gott ausliefern und alles von ihm erwarten, das heißt, Gottes Gerechtigkeit erfüllen. Denn Gottes Gerechtigkeit heißt, sich der Gnade Gottes auszuliefern, sich von ihm das Leben, das Gut-Sein schenken lassen.
Jesus war von dem Vertrauen geprägt, dass Gott den Menschen nicht aburteilt. So wie Gott am Ende der Sintflut Gemeinschaft und Begleitung versprochen hat, so wird Gott auch weiterhin begleiten und Leben ermöglichen, vor allem in den Situationen, wo das Leben am Ende scheint. Deshalb hat er sich Gott stellen können, deshalb hat er sich ihm ganz anvertrauen können.
Und als er aus dem Wasser ausstieg, da tat sich für ihn der Himmel auf und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabschweben und über sich kommen. Und eine Stimme vom Himmel sprach, das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Das war so etwas, wie das Zerreißen des Vorhanges im Tempel von Jerusalem in der Todesstunde Jesu. Himmel und Erde, die Sphäre Gottes und des Menschen sind nicht mehr voneinander getrennt. Himmel und Erde berühren sich in diesem Moment. Hier wird deutlich, das es genau darum geht im menschlichen Leben vor Gott: um die Hingabe, um das sich anvertrauen dieser so umfassenden Macht über unser Leben. Wie gesagt, das ist keine äußerliche Veränderung unseres Lebens, sondern das ist grundlegend. Sich selber aus der Hand geben, alles, was uns selber betrifft aus der Hand legen und sich nur noch dem Gegenüber, nämlich Gott in die Hand geben. Das ist im Grunde so, als ob uns der Boden unter den Füßen weggenommen wird, als ob wir in einen Abgrund stürzen, weil wir keinen anderen Halt mehr haben, aber genau da ist es dann nicht der dunkle Abgrund in den wir fallen, sondern es ist der Himmel, der sich dann öffnet und der uns sagt: das ist genau das, was ich von euch Menschen erhoffe und erwarte: Vertrauen. Daran habe ich Wohlgefallen und wer dies aufbringt, der wird erfahren, dass er mein Sohn, meine Tochter ist, dass das Leben nun anders sein wird.
Diese Kindschaft wird uns verliehen, wir sind Tochter und Sohn durch die Hingabe, dadurch dass wir uns selber aus der Hand geben und von Gott her leben.
Für Jesus war das äußere Zeichen dafür die Taufe im Jordan. Leider ist die Taufe bei uns durch die Kindertaufe sehr weit weg von diesem Akt gerückt, wenn auch auf anderer Seite sehr nahe. Sehr nahe, weil in der Kindertaufe deutlich wird, dass Gott uns annimmt, ohne dass wir etwas mitbringen müssen. Sehr weit weg, weil dadurch das Geschehen der Hingabe und das sich aus der Hand geben nicht mehr deutlich wird. Aber das ist vielleicht auch unabhängig davon. Denn die Taufe ist zwar einmalig, insofern nur einmal das Wasser über uns gegossen wird, aber sie ist ein Geschehen, das immer wieder lebendig werden muss in uns. Die Hingabe ist im Grunde ein täglicher Akt. Vertrauen auf Gott und nicht Vertrauen auf uns selber, Vertrauen auf das Urteil Gottes über uns und nicht auf das Urteil, das wir selber oder andere über uns fällen, ist wichtig. Gottes Gerechtigkeit erfüllen, Gott das Sagen überlassen, sich diesem Gott mit allem, was zu mir gehört stellen, das ist die Hingabe in die Taufe, das ist der tägliche Schritt des Glaubens.
Die Taufe Jesu erzählt uns, dass sich der Himmel öffnen wird, dass der Geist Gottes uns umgeben wird. Trauen wir Gott, vertrauen wir uns ihm an, und holen wir so den Himmel auf Erden. Amen.

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Liturgischer Ablauf


Begrüßung - Orgelvorspiel
Lied: 441,1-5
Psalm 89 i.a.
2 Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für;
3 denn ich sage: Für ewig steht die Gnade fest; du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.
4 "Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten, ich habe David, meinem Knechte, geschworen:
5 Ich will deinem Geschlecht festen Grund geben auf ewig und deinen Thron bauen für und für."
6 Und die Himmel werden, HERR, deine Wunder preisen und deine Treue in der Gemeinde der Heiligen.
20 Damals hast du geredet durch ein Gesicht zu deinem Heiligen und gesagt: Ich habe einen Helden erweckt, der helfen soll, ich habe erhöht einen Auserwählten aus dem Volk.
21 Ich habe gefunden meinen Knecht David, ich habe ihn gesalbt mit meinem heiligen Öl.
22 Meine Hand soll ihn erhalten, und mein Arm soll ihn stärken.
25 und meine Treue und Gnade soll bei ihm sein, und sein Haupt soll erhöht sein in meinem Namen.
27 Er wird mich nennen: Du bist mein Vater, mein Gott und Hort, der mir hilft.
28 Und ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen, zum Höchsten unter den Königen auf Erden.
29 Ich will ihm ewiglich bewahren meine Gnade, und mein Bund soll ihm festbleiben.

Eingangsliturgie - Gebet:
Gütiger Gott!
In der Taufe hast du uns mit deinem Geist beschenkt. Doch oft verlassen wir uns nur auf unseren menschlichen Geist, verschließen unsere Sinne für deinen Geist in uns und um uns.
Darum bitten wir dich: nimm von uns, was uns daran hindert zu dir zu kommen, was uns hindert von deinem Geist her zu leben. Nimm von uns, was uns ängstlich macht und von dir weg führt. Lass deinen Geist wieder lebendig werden, den du in der Taufe über uns ausgegossen hast. Das bitten wir ...
Lesung: Jes 42, 1-9
Lied: 70, 1-4
Lesung: Mt 3, 13-17
Glaubensbekenntnis
Lied: 200, 1,2,4-6
Predigt
Lied: Da berühren sich Himmel und Erde u.a. in: Menschenkinderlieder 2 - Nr. 132
Abkündigungen - Fürbittengebet
Ewiger Gott. Wir danken dir für die Barmherzigkeit, durch die du uns annimmst, so wie wir nun einmal sind. Es ist immer wieder unbegreiflich, dass du zu uns Ja sagst, wo wir doch oft ein Nein hören oder es uns selber sagen. Lass uns von deinem Ja her unser Leben annehmen und gestalten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Nimm uns in deinen Dienst, in den Dienst der Liebe. Hilf uns, dass wir davon vielen weitergeben, auf dass sie in dir Ruhe und Geborgenheit finden.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir beten für alle, deren Leben belastet ist von Schuld, von Fehlern und Zweifeln. Lass sie deine Stimme hören, die ihnen Vergebung und Annahme zuspricht.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die von Krankheit und Sterben betroffen sind, dass sie ihren Weg mit dir gehen können und sich und andere nicht verloren geben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gebet in der Stille
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt

12.1.2003

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Ablauf
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