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Mt 28 1-10

Die nachfolgenden Gedanken sind entnommen einer Predigtmeditation von Andreas Wackernagel, Travemünde. Ich danke herzlich für diese Gedanken, die ich gerne - leicht verändert - an die Osternachtsgemeinde in Groß Elbe weitergebe.


Im Dunkel der Nacht machen sich Maria Magdalena und die andere Maria auf den Weg. Sie wollen das Grab sehen, in das Jesus nach seiner Kreuzigung gelegt worden ist.
Sie wollen einen Ort für ihre Trauer finden. Sie wollen den Stein berühren, der vor das Grab gerollt worden ist, der sie, die Lebenden, von ihm, dem Toten, trennt, der Stein, hinter dem der Tod ist. Diesen Stein zu berühren, vielleicht würde dieses helfen, das Unfassbare zu begreifen.
Unfassbar: Vor wenigen Tagen waren sie mit Jesus den Weg der Liebe und des Lebens gegangen. Doch dann holte sie der Hass der Menschen ein und brachte Jesus den Tod. Vor wenigen Tagen hatten sie noch Hoffnungen und malten sich die Zukunft in hellen Farben aus. Doch nun sind sie verzweifelt und sehen Schwarz, weil Hass und Tod mächtiger erscheinen als die Liebe und das durch Jesus erneuerte Leben. Vor wenigen Tagen fühlten sie sich mächtig und sicher: „Gott ist an unserer Seite, was kann uns geschehen?“ Und dann ist es geschehen: Jesus wurde zu Grabe getragen.
Bei diesem Gedanken fühlen sie sich selbst wie abgestorben. Das Grab, dunkel, eng, kalt – es ist das Sinnbild all ihrer Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit, und auch für uns sind Kreuz und Grab Bilder des Endes inmitten unseres Lebens.
Und nun die Osterbotschaft – Fürchtet euch nicht. Jesus ist auferstanden von den Toten.
Mit den ersten Lichtstrahlen des neuen Tages erreichen die Frauen den Ort des Todes. Und dort erleben sie das unbegreifliche Wunder der Osternacht. Der Grabstein, der sonst Leben und Tod trennt, ist weggerollt, die Grenze zwischen Leben und Tod ist aufgehoben.
Ein göttlicher Bote verkündet das Wunder des neuen Leben: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten.“
Nach dem unfassbaren Leiden und Sterben Jesu nun die noch unbegreiflichere Wende zum Leben. Alles haben sie verloren geglaubt und nun erfahren sie: Jesus lebt! Gott will nicht, dass der Tod das letzte Wort hat. Liebe und Leben triumphieren über Hass und Tod.
Diese Osterbotschaft erschüttert die Frauen. Der Evangelist Matthäus beschreibt diese Veränderung als ein „großes Erdbeben“. Die engen Grenzen menschlicher Vernunft werden erschüttert, der Verstand kann es nicht fassen. Noch fürchten die Frauen, alles könnte nur ein Traum gewesen sein. „Können wir der frohen Osterbotschaft glauben? Können wir wirklich auf die göttliche Kraft der Liebe und des Lebens vertrauen?“ fragen sie sich. Noch halten die Vorbehalte des Verstandes die Osterereignisse auf sicherer Distanz. Noch ist die Botschaft des Lebens ... Wort ohne Wirkung.
Doch dann, als die Frauen sich auf die Osterbotschaft einlassen, kann diese ihre Kraft entfalten. Die Frauen kommen in Bewegung, machen sie sich auf den Weg – anfangs noch hin- und hergerissen zwischen Furcht und Freude –, dann aber eilen sie, weil sie spüren, wie wichtig diese Botschaft ist, nicht nur für die Freunde Jesu.
Die Jünger und alle Welt sollen es erfahren: In dieser Nacht hat neues Leben seinen Anfang genommen. In dieser Osternacht hat Gott dem Glauben an die Kraft der Liebe und des Lebens einen neuen Grund gelegt. In der Osternacht wird der traurige Weg Leidens zu einem neuen Lebensweg voller Vertrauen und Hoffnung.

Liebe Gemeinde!
Auch wenn die vier Evangelisten jeweils auf ihre eigene Art und Weise das wunderbare Geschehen der Auferstehung in Worte fassen, ist die frohe Botschaft eindeutig: „Jesus lebt! Gott hat ihn von dem Tod erweckt“.
Diese Osterbotschaft lässt sich ebenso wenig wissenschaftlich beweisen oder widerlegen wie Gott selbst. Der Verstand leistet wenig, um die gute Nachricht des neuen Lebens aufzuschließen. So möchte die Osterbotschaft als das gehört werden, was sie ist: als eine Glaubenserfahrung und als ein Glaubensbekenntnis.
Wie oft erleben wir das, was den Frauen widerfahren ist. Es muss ja nicht immer gleich die tragische, plötzliche Veränderung des Lebens sein, die uns ergreift. Aber diese Veränderung angesichts von Lebensereignissen, die ergreift uns immer wieder. Mit einem Mal ist es nicht mehr so wie vorher. Das eigene Hoffen, Planen und Wünschen hat ein Ende gefunden. Wie soll es nun weitergehen, wie kann das Leben am nächsten Tag aussehen? Zerstörte Hoffnungen – sie gehören zum Lebensalltag dazu. Wie oft verschließen Steine auf dem Weg etwas, an dem man gehangen hat, so wie der Stein vor dem Grab den Zugang zu Jesus verhindert. Sehnsüchtig stehen wir davor, suchen nach neuen Möglichkeiten, oder halten uns fest an der Trauer um das Gewesene.
Was ist Ostern? Ostern ist die Erneuerung der Hoffnung. Ostern ist die Eröffnung von Zukunft. Ostern ist die Annahme des Gewesenen als etwas Gewesenes. Ostern ist der Anfang des Abschiedes davon, um ein neues Leben zu beginnen. Der Osterglaube lädt ein: „Lass die Lebensangst hinter dir, wage im Vertrauen auf die göttliche Kraft des Lebens und der Liebe einen Neuanfang und gehe voller Freude in das Leben. Dein Glaube wird dich aufrichten!“
Und wo wir diese Botschaft in uns aufnehmen, da geschieht auch ein kleines Erdbeben, denn da fällt alles zusammen, was uns gefangen genommen hat. Da fallen Steine vom Herzen, da zerbrechen die Mauern, in denen wir uns selber eingesperrt haben, da gerät die ganze Lebenswelt in neue Bewegung. Nichts bleibt mehr so wie es ist, wenn Ostern uns ergreift, wenn die Auferstehung als Wahrheit unser Inneres erreicht.
Es ist eine Unfassbare Botschaft, eine Glaubensbotschaft, doch eine, die die ganze Kraft Gottes in sich trägt. Wer sie mit dem Verstand begreifen will, wird an viele Grenzen stoßen und letztlich niemanden in die Wahrheit der Botschaft führen. Die Erzählungen der Evangelien zeigen, wie man mit dieser Glaubensbotschaft umgehen kann: vertrauend, sich einlassend, sich auf den Weg machend. Und wo wir uns auf Grund dieser Botschaft auf den Weg des Lebens und der Liebe machen, da wird uns die Wahrheit offenbart, da wird sich die darin liegende Kraft erweisen. Das Dunkel ist überwunden, der Stein ist beiseite gerollt, der Weg ins Leben ist frei. Damit lasst uns gehen, den Weg des eigenen Lebens in der fröhlichen Zuversicht: Was kann uns geschehen? Gott hält Leben und Tod, Tod und Leben in seinen Händen. Amen

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Liturgischer Ablauf

Einzug mit Osterkerze
Singen der traditionellen Osternachtsliturgie bis zum Evangelium.

Lit.: Ehre sei Gott in der Höhe ...
Gem: Allein Gott in der Höh sei Ehr ....
Austeilen des Lichtes in der Gemeinde, Anzünden der Kerzen am Altar, Glocken läuten
Lied 99 - Predigt - Lied 229,1-3 Abendmahlsfeier
Hab Dank für diese Nacht der Auferstehung, hab Dank für alles, was du uns darin geschenkt hast. Dein Licht, das in unsere Dunkelheiten kommt und sie erhellt, gibt Hoffnung. Und wir feiern diese Hoffnung, wenn wir in Brot und Kelch deine Nähe spüren dürfen und unser Leben neu werden kann.
So geh mit uns durch diese Nacht in den neuen Tag, geh hindurch durch alle Nächte und Tage unseres Lebens. Halte uns mit dir und untereinander verbunden. Wo wir uns trennen, wo wir uns verlieren, führe du uns zusammen, so wie Jesus Christus seine Jünger verbunden hat, als er am letzten Abend mit ihnen zusammen gesessen hat.
Einsetzungsworte
Dein heiliger Geist komme nun über uns, gütiger Gott, er führe uns auf den Weg des Lebens und überwinde allen Tod in uns und um uns. So erneuere uns in lebendiger Hoffnung auf dich.
Vaterunser
Austeilung
Lied 115,1-2+5
Abkündigungen
Fürbitten
Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben. Dich loben wir, dir danken wir.
Du bist das Licht mitten in der Dunkelheit, die Stimme in sprachlosem Schweigen, die Wärme in tödlicher Kälte, die Bewegung in lähmender Starre, das Heil in verletzendem Streit. Dich bitten wir um das Leben, das dem Tod widerspricht.
So bitten wir, dass die Botschaft der Engel auch uns erreicht und wir den Weg finden, den du uns vorausgegangen bist, dass wir nicht stehen bleiben bei der Klage über das Dunkel, sondern selbst das hereinbrechende Osterlicht widerspiegeln.
Wir bitten, dass wir als Menschen leben, deren Leben wieder eine Chance bekommen hat, die noch einmal neu anfangen können.
Wir bitten für alle Menschen, die denen beistehen, deren Leben vom Tod bedroht ist, für alle, die Kranke pflegen und Sterbende begleiten, für alle, die den Kreislauf der Gewalt durchbrechen, für alle, die mithelfen, Feindbilder abzubauen und sich bemühen, auch in Feindin und Feind Gottes Geschöpf zu entdecken.
Wir bitten für alle, die dem Tod widerstehen, weil sie das Leben lieben und von dir, Gott, leben lernen. so lass es Ostern bei uns werden, innerlich, äußerlich, für uns und andere.
Das bitten wir dich, Jesus Christus, den Auferstandenen, das Licht des Lebens der du lebst und wirkst in Ewigkeit. Amen
Segen - 100,1-5

 

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Die Predigt wurde gehalten in
 Groß Elbe

Osternacht 2005
27. 3. 2005

Liturgischer
Ablauf
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