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Die nachfolgenden Gedanken sind entnommen einer
Predigtmeditation von Andreas Wackernagel, Travemünde. Ich danke herzlich
für diese Gedanken, die ich gerne - leicht verändert - an die
Osternachtsgemeinde in Groß Elbe weitergebe.
Im Dunkel der Nacht machen sich Maria Magdalena und die andere Maria auf
den Weg. Sie wollen das Grab sehen, in das Jesus nach seiner Kreuzigung
gelegt worden ist.
Sie wollen einen Ort für ihre Trauer finden. Sie wollen den Stein
berühren, der vor das Grab gerollt worden ist, der sie, die Lebenden, von
ihm, dem Toten, trennt, der Stein, hinter dem der Tod ist. Diesen Stein zu
berühren, vielleicht würde dieses helfen, das Unfassbare zu begreifen.
Unfassbar: Vor wenigen Tagen waren sie mit Jesus den Weg der Liebe und des
Lebens gegangen. Doch dann holte sie der Hass der Menschen ein und brachte
Jesus den Tod. Vor wenigen Tagen hatten sie noch Hoffnungen und malten
sich die Zukunft in hellen Farben aus. Doch nun sind sie verzweifelt und
sehen Schwarz, weil Hass und Tod mächtiger erscheinen als die Liebe und
das durch Jesus erneuerte Leben. Vor wenigen Tagen fühlten sie sich
mächtig und sicher: „Gott ist an unserer Seite, was kann uns geschehen?“
Und dann ist es geschehen: Jesus wurde zu Grabe getragen.
Bei diesem Gedanken fühlen sie sich selbst wie abgestorben. Das Grab,
dunkel, eng, kalt – es ist das Sinnbild all ihrer Trostlosigkeit und
Hoffnungslosigkeit, und auch für uns sind Kreuz und Grab Bilder des Endes
inmitten unseres Lebens.
Und nun die Osterbotschaft – Fürchtet euch nicht. Jesus ist auferstanden
von den Toten.
Mit den ersten Lichtstrahlen des neuen Tages erreichen die Frauen den Ort
des Todes. Und dort erleben sie das unbegreifliche Wunder der Osternacht.
Der Grabstein, der sonst Leben und Tod trennt, ist weggerollt, die Grenze
zwischen Leben und Tod ist aufgehoben.
Ein göttlicher Bote verkündet das Wunder des neuen Leben: „Fürchtet euch
nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht
hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die
Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern,
dass er auferstanden ist von den Toten.“
Nach dem unfassbaren Leiden und Sterben Jesu nun die noch unbegreiflichere
Wende zum Leben. Alles haben sie verloren geglaubt und nun erfahren sie:
Jesus lebt! Gott will nicht, dass der Tod das letzte Wort hat. Liebe und
Leben triumphieren über Hass und Tod.
Diese Osterbotschaft erschüttert die Frauen. Der Evangelist Matthäus
beschreibt diese Veränderung als ein „großes Erdbeben“. Die engen Grenzen
menschlicher Vernunft werden erschüttert, der Verstand kann es nicht
fassen. Noch fürchten die Frauen, alles könnte nur ein Traum gewesen sein.
„Können wir der frohen Osterbotschaft glauben? Können wir wirklich auf die
göttliche Kraft der Liebe und des Lebens vertrauen?“ fragen sie sich. Noch
halten die Vorbehalte des Verstandes die Osterereignisse auf sicherer
Distanz. Noch ist die Botschaft des Lebens ... Wort ohne Wirkung.
Doch dann, als die Frauen sich auf die Osterbotschaft einlassen, kann
diese ihre Kraft entfalten. Die Frauen kommen in Bewegung, machen sie sich
auf den Weg – anfangs noch hin- und hergerissen zwischen Furcht und Freude
–, dann aber eilen sie, weil sie spüren, wie wichtig diese Botschaft ist,
nicht nur für die Freunde Jesu.
Die Jünger und alle Welt sollen es erfahren: In dieser Nacht hat neues
Leben seinen Anfang genommen. In dieser Osternacht hat Gott dem Glauben an
die Kraft der Liebe und des Lebens einen neuen Grund gelegt. In der
Osternacht wird der traurige Weg Leidens zu einem neuen Lebensweg voller
Vertrauen und Hoffnung.
Liebe Gemeinde!
Auch wenn die vier Evangelisten jeweils auf ihre eigene Art und Weise das
wunderbare Geschehen der Auferstehung in Worte fassen, ist die frohe
Botschaft eindeutig: „Jesus lebt! Gott hat ihn von dem Tod erweckt“.
Diese Osterbotschaft lässt sich ebenso wenig wissenschaftlich beweisen
oder widerlegen wie Gott selbst. Der Verstand leistet wenig, um die gute
Nachricht des neuen Lebens aufzuschließen. So möchte die Osterbotschaft
als das gehört werden, was sie ist: als eine Glaubenserfahrung und als ein
Glaubensbekenntnis.
Wie oft erleben wir das, was den Frauen widerfahren ist. Es muss ja nicht
immer gleich die tragische, plötzliche Veränderung des Lebens sein, die
uns ergreift. Aber diese Veränderung angesichts von Lebensereignissen, die
ergreift uns immer wieder. Mit einem Mal ist es nicht mehr so wie vorher.
Das eigene Hoffen, Planen und Wünschen hat ein Ende gefunden. Wie soll es
nun weitergehen, wie kann das Leben am nächsten Tag aussehen? Zerstörte
Hoffnungen – sie gehören zum Lebensalltag dazu. Wie oft verschließen
Steine auf dem Weg etwas, an dem man gehangen hat, so wie der Stein vor
dem Grab den Zugang zu Jesus verhindert. Sehnsüchtig stehen wir davor,
suchen nach neuen Möglichkeiten, oder halten uns fest an der Trauer um das
Gewesene.
Was ist Ostern? Ostern ist die Erneuerung der Hoffnung. Ostern ist die
Eröffnung von Zukunft. Ostern ist die Annahme des Gewesenen als etwas
Gewesenes. Ostern ist der Anfang des Abschiedes davon, um ein neues Leben
zu beginnen. Der Osterglaube lädt ein: „Lass die Lebensangst hinter dir,
wage im Vertrauen auf die göttliche Kraft des Lebens und der Liebe einen
Neuanfang und gehe voller Freude in das Leben. Dein Glaube wird dich
aufrichten!“
Und wo wir diese Botschaft in uns aufnehmen, da geschieht auch ein kleines
Erdbeben, denn da fällt alles zusammen, was uns gefangen genommen hat. Da
fallen Steine vom Herzen, da zerbrechen die Mauern, in denen wir uns
selber eingesperrt haben, da gerät die ganze Lebenswelt in neue Bewegung.
Nichts bleibt mehr so wie es ist, wenn Ostern uns ergreift, wenn die
Auferstehung als Wahrheit unser Inneres erreicht.
Es ist eine Unfassbare Botschaft, eine Glaubensbotschaft, doch eine, die
die ganze Kraft Gottes in sich trägt. Wer sie mit dem Verstand begreifen
will, wird an viele Grenzen stoßen und letztlich niemanden in die Wahrheit
der Botschaft führen. Die Erzählungen der Evangelien zeigen, wie man mit
dieser Glaubensbotschaft umgehen kann: vertrauend, sich einlassend, sich
auf den Weg machend. Und wo wir uns auf Grund dieser Botschaft auf den Weg
des Lebens und der Liebe machen, da wird uns die Wahrheit offenbart, da
wird sich die darin liegende Kraft erweisen. Das Dunkel ist überwunden,
der Stein ist beiseite gerollt, der Weg ins Leben ist frei. Damit lasst
uns gehen, den Weg des eigenen Lebens in der fröhlichen Zuversicht: Was
kann uns geschehen? Gott hält Leben und Tod, Tod und Leben in seinen
Händen. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Einzug mit Osterkerze
Singen der traditionellen Osternachtsliturgie bis zum Evangelium.
Lit.: Ehre sei Gott in der Höhe ...
Gem: Allein Gott in der Höh sei Ehr ....
Austeilen des Lichtes in der Gemeinde, Anzünden der Kerzen am Altar,
Glocken läuten
Lied 99 - Predigt - Lied 229,1-3 Abendmahlsfeier
Hab Dank für diese Nacht der Auferstehung, hab Dank für alles, was du uns
darin geschenkt hast. Dein Licht, das in unsere Dunkelheiten kommt und sie
erhellt, gibt Hoffnung. Und wir feiern diese Hoffnung, wenn wir in Brot
und Kelch deine Nähe spüren dürfen und unser Leben neu werden kann.
So geh mit uns durch diese Nacht in den neuen Tag, geh hindurch durch alle
Nächte und Tage unseres Lebens. Halte uns mit dir und untereinander
verbunden. Wo wir uns trennen, wo wir uns verlieren, führe du uns
zusammen, so wie Jesus Christus seine Jünger verbunden hat, als er am
letzten Abend mit ihnen zusammen gesessen hat.
Einsetzungsworte
Dein heiliger Geist komme nun über uns, gütiger Gott, er führe uns auf den
Weg des Lebens und überwinde allen Tod in uns und um uns. So erneuere uns
in lebendiger Hoffnung auf dich.
Vaterunser
Austeilung
Lied 115,1-2+5
Abkündigungen
Fürbitten
Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben. Dich loben wir,
dir danken wir.
Du bist das Licht mitten in der Dunkelheit, die Stimme in sprachlosem
Schweigen, die Wärme in tödlicher Kälte, die Bewegung in lähmender Starre,
das Heil in verletzendem Streit. Dich bitten wir um das Leben, das dem Tod
widerspricht.
So bitten wir, dass die Botschaft der Engel auch uns erreicht und wir den
Weg finden, den du uns vorausgegangen bist, dass wir nicht stehen bleiben
bei der Klage über das Dunkel, sondern selbst das hereinbrechende
Osterlicht widerspiegeln.
Wir bitten, dass wir als Menschen leben, deren Leben wieder eine Chance
bekommen hat, die noch einmal neu anfangen können.
Wir bitten für alle Menschen, die denen beistehen, deren Leben vom Tod
bedroht ist, für alle, die Kranke pflegen und Sterbende begleiten, für
alle, die den Kreislauf der Gewalt durchbrechen, für alle, die mithelfen,
Feindbilder abzubauen und sich bemühen, auch in Feindin und Feind Gottes
Geschöpf zu entdecken.
Wir bitten für alle, die dem Tod widerstehen, weil sie das Leben lieben
und von dir, Gott, leben lernen. so lass es Ostern bei uns werden,
innerlich, äußerlich, für uns und andere.
Das bitten wir dich, Jesus Christus, den Auferstandenen, das Licht des
Lebens der du lebst und wirkst in Ewigkeit. Amen
Segen - 100,1-5
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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