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Mt 28, 18-20

Der 6. Sonntag nach Trinitatis ist der Sonntag, an dem wir uns unserer Taufe erinnern. Und der Taufbefehl ist natürlich die Mitte dieser Erinnerung.

Jesus Christus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten, alles, was ich befohlen habe. Und siehe ich bin bei euch, alle Tage bis ans Ende der Welt.

Dieser Taufbefehl macht zusammen mit dem Element Wasser das Ereignis der Taufe zu einem Geheimnis, macht dieses Ereignis zu einem Sakrament unserer Kirche.

Aus dem Wasser der Erde wird das Wasser des Himmels, wie ich in einem meiner Lieder mal gedichtet habe. Das schlichte natürliche Element Wasser, das wir zur Taufe auch immer wieder aus der Leitung nehmen, wird durch das Wort Jesu zu einem himmlischen Zeichen, zu einem Ereignis, an dem Gott an uns handelt.

Schade eigentlich, dass wir dies in aller Regel nicht bewusst erlebt haben. Als Säuglinge über das Taufbecken gehalten, haben wir es nicht mit Bewusstsein wahrnehmen können, was da passiert ist mit uns. Das war in der Alten Kirche anders. Erwachsene wurden getauft. Menschen, die sich eine ganze Zeit lang darauf vorbereitet haben, die unterrichtet wurden, die sich mit diesem neuen Glauben auseinandergesetzt haben, sie wurden in der Osternacht getauft. Das österliche Zeichen des neuen Lebens haben sie empfangen und das haben sie dann ja auch deutlich gemacht, indem sie ein weißes Kleid angezogen haben. In Reinheit, wie neu geboren zeigten sie, jetzt ist mein Leben ein anderes geworden. Jetzt hat sich etwas verändert. Mein Leben steht auf einer neuen Grundlage.

Wir haben es eben in dem Lied besungen: Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist; ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt. Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.  

Die Lebensveränderung, die in der Taufe geschieht ist diese: mit der Taufe werden wir verbunden mit Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wir gehören nicht mehr nur uns selber, sind nicht nur auf uns selber angewiesen, wir gehören zu Gott. Natürlich wir gehören zu einer Familie, wir gehören in eine bestimmte Umgebung, sind Teil eines Landes und somit Bürger dieses Staates. Wir sind Teil der Menschheit, aber wir sind durch die Taufe eben auch Teil des Volkes Gottes.

Wir sind ein Same Gottes, sagt das Lied. Darin wird uns gesagt, dass wir etwas in uns tragen, womit wir diesen Gott lebendig machen können, dass wir gleichsam göttliche Früchte in unserem Leben bringen können. Gott selber legt das in uns hinein und möchte uns sehen als solche Menschen, die diesen Samen aufkeimen und Frucht bringen lassen.

Wir gehörten zum Volk, das Gott geheiligt heißt. Damit ist gemeint, dass wir nicht untergehen in der Masse Mensch, sondern dass wir ausgesondert sind, um diese Frucht lebendig werden zu lassen. Ausgesondert sein, das klingt ein wenig elitär. Der ist etwas besonders, der will mit den anderen nichts zu tun haben. Das erste stimmt auch bei Gott: wir sind etwas besonderes, Gott nimmt ein persönliche Beziehung mit dem Täufling auf, eine Beziehung, die von seiner Seite auch nicht abgebrochen wird. Aber das heißt nicht, dass wir mit den anderen nichts mehr zu tun haben wollen oder sollen, ganz im Gegenteil: Weil Gott alle Menschen am Herzen liegen, sind wir auch an sie gewiesen. Frucht bringen als Same Gottes, heißt: den anderen, den Nächsten nicht aus den Augen zu verlieren. Wir sind heilig, weil Gott uns anschaut und zu seinem Gegenüber erwählt, nicht weil wir herausragend fromm sind, das meint geheiligt zu sein.

Weiter heißt es in der ersten Strophe: Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.

In Christus eingesenkt sein, das ist die Umschreibung dafür, dass wir uns als Geschwister Jesu sehen dürfen, dass wir all das, was Gott an Jesus getan hat, auch wir für uns erhoffen dürfen. Wir werden dadurch nicht Jesusse, aber wir dürfen erkennen, dass Gott uns in gleicher Weise nahe sein will, wie er Christus nahe war. Er schenkt uns die Kraft, auch den Widrigkeiten des Lebens etwas entgegen zu setzen. Er läßt uns im Leiden nicht allein, auch wenn er es nicht weg nimmt. Er schenkt uns neues Leben, wo wir in die Sackgassen des Lebens geraten, wo der Tod uns trifft – als Trauernde oder als Sterbende. Die Taufe sagt uns: du bist darin nicht allein. Christus ist mit dir, Gott ist mit dir. Ich bin bei, euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Das ist das größte Versprechen, das Gott uns gemacht hat und das wir in Christus lebendig sehen können und das eben durch die Taufe auch uns gilt. Darauf dürfen wir uns verlassen, darauf können wir bauen. Wir sind Kind Gottes und Erbe aller Verheißungen, die Gott den Menschen gegeben hat.    Lied: 2) Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt; du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt; du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein.  

Getragen durch den Geist Gottes, mit dem wir in der Taufe beschenkt werden, können wir das für uns erkennen und im gläubigen Vertrauen darauf hin auch hoffnungsvoll leben. Und das heißt aber auch, dass wir den Werken des Bösen eine Absage erteilen, wie es im dritten Vers geheißen hat.

Singen von Vers 4

Die Taufe ist ein Bund der geschlossen wird. Gott verpflichtet sich zur Fürsorge, zur Gemeinschaft mit uns. Darauf können wir uns verlassen, das gilt uns bis ans Ende der Welt.

Wie sieht es mit dem Bündnispartner aus, mit uns, den Getauften. Gerade weil wir als Säuglinge getauft werden, ist das so schwierig. Wir haben ja die Taufe nicht selber erbeten und damit auch die eigene Verantwortung bestätigt. Das haben wir erst später bei der Konfirmation getan. Ob mit wirklichem Bewusstsein für das, was gemeint war, will ich jetzt mal dahingestellt sein lassen. Insofern ist der Druck: ich hab das doch versprochen, nicht sehr groß.

Und wir wissen, dass wir Menschen oft genug nicht so handeln, wie Gott es sich von uns erhofft, wie es im Sinne Gottes richtig wäre. Wir sind Menschen, die schwach sind, die gerne ihre eigenen Wege gehen, die Gottes Willen oft genug aus den Augen verlieren. Das spricht der 4. Vers an.

4) Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn überschreite, so lass mich nicht verloren gehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan. 

Ich finde diesen Vers immer wieder gut und lasse ihn auch in der Regel singen, wenn dieses Lied gesungen wird. Es wird darin deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Gott seinen Teil des Bundes einhält. Darauf ist Verlass, das gilt, daran gibt es nichts zu deuteln. Selbst dann, wenn das Leben aus unserer Sicht nicht so verläuft wie wir uns das wünschen, ja selbst in tragischen Erfahrungen. Gott bleibt dem Menschen zugewandt, er trägt ihn auch im Tod. Das ist die Gewissheit unseres Glaubens, so dass der Tod auch diesen Bund nicht zerstören kann. Wir mögen diese Ereignisse nicht verstehen, wir können sie mit Gott nicht in Verbindung bringen, wenn jemand auf tragische Weise viel zu früh den letzten Weg gehen muss, aber es bleibt die Hoffnung der Taufe, dass die Frucht des Sterbens Jesu auch diesen Menschen gilt: du bist auch im Leiden und Sterben in der Hand Gottes. Das bleibt fest bestehen.

Bei uns wie gesagt sieht das anders aus, Gott gerät oft genug aus dem Blickfeld. Lass mich nicht verloren gehen, lass mich nicht fallen, bittet der Dichter des Liedes und wir mit ihm, wenn wir diese Gedanken mitsingen. Nimm mich dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan. Es geht um die Vergebung, die wir in unserem Leben immer wieder nötig haben. Vergib, wo ich auf Abwegen war, bring mein Leben zurecht, wenn es falsche Wege beschritten hat.

Lehret sie halten, alles, was ich euch befohlen habe, so heißt es im Taufbefehl. Wir Menschen sind nicht Gott, wir sind nicht Jesus. Wir sind Menschen, die immer wieder in Frage gestellt werden müssen, die immer wieder in ihrem Handeln korrigiert werden müssen. Darum ist Unterricht, ist Gespräch, ist Gottesdienst so wichtig für den Glauben. Wer nur bei sich selber bleibt, bleibt auch bei sich selber, der verliert den Bezug zu seinem Gegenüber, verliert den Bezug zu Gott und dem, was er für die Menschen von uns erwartet.

Dass unser Leben gelingt, dass die Beziehung zu Gott lebendig bleibt, darum bitten die letzten beiden Strophen unseres Liedes.

Singen von Vers 5 und 6

Als Gebet sind diese Gedanken formuliert. Der Beter, der Getaufte sieht sein Leben und sagt, ja ich möchte es vor dir Gott leben. Dazu gehört der Leib, also all das, was ich mit meinem Körper tue. Dazu gehört meine Seele, also alles das, was mir in meinem Leben bedeutsam ist und was mich persönlich ausmacht mit meinen Gaben, Gedanken, meiner Persönlichkeit. Dazu gehört das Herz, also alle Gefühle, alle Beziehungsfähigkeit, alle Liebe, die in mir ist. All das will ich einsetzen, um für und vor Gott so zu leben und zu handeln, dass ich als Kind Gottes erkannt werde. Wobei ich das jetzt nicht so verstehe, wie bei den Zeugen Jehovas, die dann mit dem Wachturm in der Hand ihren Dienst tun. Sondern es will zum Ausdruck bringen, dass ich in allem, was ich tue, von der Arbeit, über das Privatleben, dem nachbarschaftlichen Leben und meiner gesellschaftlichen Verantwortung ich mich leiten lassen will von dem, was Gott durch die Bibel vorgibt. Dazu braucht es die Kraft Gottes. Darum heißt es im Vers 6) Lass diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist. Halt mich in deines Bundes Schranken, bis mich dein Wille sterben heißt. So leb ich dir, so sterb ich dir, so lob ich dich dort für und für.

Die Taufe ist ein großes Geschenk. Sie ist das Zeichen dafür, dass wir in allem umgeben sind, von der lebendige Kraft dessen, der das Leben in seinen Händen hält. Gleichzeitig aber ist die Taufe auch Anspruch dessen an uns, dass wir unser Leben daran ausrichten. Dies gilt es immer wieder zu sehen und umzusetzen, in den Möglichkeiten und Grenzen, die wir Menschen haben. Möge die Taufe so für uns Halt sein, der uns hilft, in den Widrigkeiten des Lebens nicht haltlos zu werden, und möge sie Ansporn sein, in dieser Welt viele Früchte des Guten sichtbar werden zu lassen.  Dazu helfe uns Gott. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 327,1-4

Psalm 754

Eingangsliturgie

Gebet EGb S. 361  Gebet 2

Lesung Röm 6, 3-8

Lied

Lesung: Mt 28, 18-20

Glaubensbekenntnis

Lied aufgeteilt  200 1-3 / 4 / 5-6

Predigt

Lied L 3

Abkündigungen

Fürbittengebet

Gott, Vater im Himmel

Dir zu gehören, dein Kind zu sein, ist das Größte, was du uns schenken kannst. Dafür danken wir dir von Herzen. Lass uns dies nie aus den Augen verlieren und hilf uns danach zu leben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

So stärke unseren Glauben, der auf dich vertrauen lässt. Stärke unsere Hoffnung, die uns immer nach vorne schauen lässt. Stärke unsere Liebe, auf dass wir in offener und achtungsvoller Weise miteinander leben können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wo wir dich aus den Augen verlieren, da hole du selber uns zurück zu dir. Führe uns auf deine Wege, auf dass wir hilfreich in dieser Welt wirken. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Hilf uns, Gott, all unser fehlerhafte Tun und Wirken zu erkennen. Schenke du uns die Kraft zur Umkehr und zur Veränderung unseres Lebens. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle, die deine Gabe der Taufe aus den Augen verloren haben, dass sie zu dir zurückfinden und sich von dir tragen lassen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle, die persönliches Leid zu tragen haben. Gib ihnen die Kraft deiner Liebe, um darin nicht zu verzweifeln. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Stille

Vaterunser

Lied: Herr, wir bitten komm uns segne uns

Segen

163

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe

19. 7. 2009

Liturgischer
Ablauf
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