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Mt 25, 1-13

Für wen der Gottesdienstbesuch zum Ewigkeitssonntag dazugehört, der hat auch schon häufiger die Lesung von den 10 Jungfrauen gehört. Für andere ist es heute vielleicht das erste mal, dass sie gehört wurde. Ich weiß, dass diese Geschichte immer wieder Menschen ärgert, dass sie Widerstand hervorruft, dass sie zum Widerspruch reizt. Auch mir geht es so, wenn ich sie lese oder höre. Da stehen Menschen bei Jesus vor verschlossenen Toren, da verweigern Menschen die Hilfe, da wird Angst gemacht und der Gedanke von menschlicher Gemeinschaft und Verantwortung füreinander beiseite geschoben.
An einer Stelle können wir uns heute vielleicht sehr schnell in die Geschichte einfinden. Nämlich am Ende. Hier in diesem Gottesdienst sitzen viele Menschen, die in diesem vergangenen Kirchenjahr bis hin in die letzten Tage vor dem heutigen Sonntag einen Angehörigen verloren haben. Dem Tod gegenüberstehen, mit dem Tod konfrontiert zu werden, das hat etwas davon, vor einer verschlossenen Tür zu stehen. Mit einem Mal ist der Zugang zum Anderen versperrt, nichts ist mehr möglich, eine Beziehung unwiderruflich beendet. Da gibt es keine Tür, die diese Beziehung wieder möglich macht, der Weg zu einer neuen Gemeinschaft ist abgeschnitten.
Das ist eine sehr bittere Erfahrung, vor allem dort, wo Menschen mitten aus dem Leben gerissen wurden, wo noch so viele Hoffnungen, so viele Ziele vor einem lagen, wo gemeinsames Leben im Grunde noch nicht zu Ende gewesen ist, sondern man noch mitten drin stand, oder zumindest noch vieles möglich gewesen wäre. Und da stehen sie nun heute, alleingelassen mit der Erinnerung an das Gewesene, mit der Trauer, die heute wieder tief ergreift. Und vor allem dort, wo der Tod nicht mit Dankbarkeit und dem Gedanken von Erleichterung und Erlösung für den Verstorbenen in Verbindung gebracht werden kann, wo die Unverständlichkeit des Todes und die Frage nach dem Warum und wo die Klage sehr laut wird, da fühlen wir uns wie die 5 Jungfrauen, denen gesagt wird: ich kenne euch nicht.
Kennt Gott uns nicht, dass er uns so allein lässt? Weiß Gott nicht um uns. dass er uns eine solche Last auferlegt? Wo ist denn Gott, wenn ich so etwas erleiden und erdulden muss? Was sind da all die schönen Reden, wenn doch mein Herz voller Trauer ist und meine Augen nur den Verlust sehen? Das kann doch nicht sein, dass Gott uns so vor der Tür stehen lässt. dass wir so vom Leben abgeschnitten werden?
Verständliche Fragen und Klagen, wenn es darum geht, den Tod zu begreifen, den Verlust anzunehmen und mit dem Verlust zu leben. Das fehlt mir in der Geschichte mit den Jungfrauen, dass diese Fragen, diese Klagen, dieser Schmerz ausgesprochen wird. Es findet irgendwie keinen Raum, höchstens bei uns. die wir in unseren Gedanken dies alles zur Sprache, bringen, ob ausgesprochen oder nicht spielt dabei keine Rolle.
Allerdings stellt sich doch die Frage, ob wir denn wirklich nur am Ende dieser Geschichte stehen, ob wir mit unserem Leben nur vor dieser Tür stehen, die vor uns zugeschlagen wurde. Jesus spricht in seinem Gleichnis ja nicht zu Trauernden, er erzählt sein Gleichnis vielen Menschen, Trauernden und Nichttrauemden. Und für beide liegt in diesem Gleichnis mehr drin als nur die Angst oder die Beschreibung vor der geschlossenen Tür zu stehen.
Am Anfang der Geschichte steht eine großartige Einladung. Eingeladen zum Bräutigam sind diese Frauen. Sie sind eingeladen zu einem hochzeitlichen Fest. Gerade dies ist immer wieder ein Bild für ein Leben in der Gemeinschaft mit Gott, ein Bild für die Teilhabe an Gottes Reich. Zu diesem Fest sind wir Christen alle eingeladen, auf dem Weg in diese Gemeinschaft befinden wir uns alle. Diese Einladung, an Gottes Reich teilzuhaben steht am Anfang und sie ist auch das Ziel unseres Lebens. Gerade wenn wir den Sinn unseres Lebens befragen, und wir tun das immer wieder, wenn wir mit den Tod konfrontiert werden, dann ist es wichtig, dies zu sehen und anzunehmen: Wir sind eingeladen in die gute Welt Gottes, wir sind eingeladen, darin mitzuwirken, wir sind eingeladen, am Fest des Lebens teilzuhaben.
Wir selber sehen uns auf diesem Weg sicher manchmal an der Tür stehen, die verschlossen ist. Vor allem dann, wenn das Leben nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen, wenn Ereignisse unser Leben betreffen, die uns unsere Lebenshoffung nehmen, die uns nicht mehr nach vorne sehen lassen. Doch grundsätzlich gilt doch erst einmal zu hören, dass wir Eingeladene sind, dass wir nicht vor der Tür stehen sollen, dass wir mit dazugehören sollen. Die Einladung wird doch nicht ausgesprochen, um uns vor der Tür stehen zu lassen, sondern um hineinzugelangen. Gott will, dass wir mit am Tisch sitzen, Gott will, dass wir teilhaben an seiner Welt, er will, dass wir erkennen und begreifen, dass wir nicht allein dastehen. Darum sind wir eingeladen, darum werden wir zu diesem Fest gerufen. Nur - und darin unterscheidet steh dieses Fest von den Festen, die wir als Hochzeitsfest vor Augen haben - es ist kein herkömmliches Fest mit festgelegtem Anfang, wo der Sekt das Erste ist. Die Einladung zu diesem Fest, der Weg dorthin und die Feier, das verschmilzt auf dem christlichen Lebensweg. Christsein heißt, sich auf den Weg machen, von der Freude der Einladung her leben und so zu leben, dass spürbar wird, dass Gottes Herrschaft schon längst begonnen hat und auch durch unser menschliches Ende nicht unterbrochen wird.
Und dies macht nun die Schwierigkeit aus. Wer lange auf dem Weg ist, der wird auch müde, der wird schläfrig. Wer kennt nicht die Zeiten in seinem Leben, wo der Glaube an Gott nur wenig im Vordergrund steht, wo dies alles wenig berührt, keinen großen Tiefgang hat. Das Leben geht einfach voran und zumeist ja auch nicht schlecht. Gedanken des Glaubens ruhen sich aus, könnte man etwas bildhaft sagen, sie sind nicht weg aus unserem Leben, aber sie schlummern vor sich hin, weil sie zur Zeit nicht gebraucht werden. Bis sich dann irgendwann das Leben verändert, bis wir aus dem gewohnten Trott herausgerissen werden, bis wir in eine Situation geraten, die die Frage nach Gott stellt. Plötzlich steht der Bräutigam vor der Tür, plötzlich ist der Glaube gefordert, werden wir aufgeweckt aus dem Glaubensschlaf. Und dann ist die Frage, reicht es aus, was ich da im Gepäck habe? Kann ich damit diese Situation durchstehen oder bleibt die Lampe meines Glaubens verloschen, weil nicht genügend Öl da ist, um sie wieder zu entfachen?
Hier stellt sich nun die Frage, was ist klug und was ist töricht? Die klugen und die törichten Jungfrauen sind für mich immer ein Beispiel dafür, dass für uns Menschen der persönliche und lebendige Glaube nicht ersetzbar ist. Wir können für den eigenen Glauben keine Anleihe nehmen bei anderen. Nicht andere können mit ihrem Glauben den unseren ersetzen. Wir müssen selber genügend im Gepäck haben, um im entscheidenden Moment etwas in der Hand zu haben. Mitten in der Nacht, also zu einer Zeit, in der wir überrascht werden, weil wir normalerweise schlafen, in einer Zeit, wo wir überhaupt nicht damit rechnen, geschieht die Ankunft des Bräutigams und geschieht damit das Ereignis, das uns zum Fest führt. Und dann sind wir eben gefragt, wie viel wir im Glaubensgepäck unseres Lebens haben. Schaffen wir es bis zur Tür oder erleben wir eine zugeschlagene Tür?
Gott will uns nicht vor der Tür stehen lassen, deshalb erzählt Jesus ja dieses Gleichnis. Er will, dass wir unser Glaubensgepäck richtig packen, er will, dass wir klug sind, und uns auf diese Begegnung mit Gott richtig vorbereiten. Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden, dieser Vers aus dem 90. Psalm spricht genau dies an. Wenn ich dies einmal in unser Alltagsleben übertragen darf, dann heißt das doch, dass wir unser Leben als Einzelne und in der Gemeinschaft sehr viel bewusster wahrnehmen sollten. Die Zeit die wir haben, die wir miteinander haben, ist von Gott geschenkte Zeit. Jeder Tag ist bedeutsam, jede gemeinsame Stunde eine von Gott geschenkte. Und das gilt für die Tage der Liebe genauso wie für die mit Auseinandersetzung und Streit. In jedem Tag liegt etwas von dem Weg zum großen Fest Gottes. Das macht ja jedem Tag unseres Leben so unendlich wertvoll.
Gleichzeitig liegt aber auch darin der Gedanke, dass nicht wir Menschen allein verantwortlich sind für diese Welt. Klug werden im Blick auf das Sterben heißt auch: meine Arbeit in der Welt Gott ist wichtig und unersetzbar, aber nicht ich, sondern ein anderer hält die Welt in Gang. Wir Menschen haben Grenzen und die dürfen wir auch anerkennen.
Und klug werden im Blick auf den Tod, das heißt weiter, darauf zu hoffen und darauf zu vertrauen, dass der Tod nicht die letzte Station bei Gott ist. Das Fest zu dem wir eingeladen sind, das Fest der Gemeinschaft mit Gott wird durch nichts unterbrochen. Gottes Gemeinschaft geht nicht verloren auch nicht durch den Tod. Wir mögen uns manchmal fühlen, als ob wir vor der Tür stehen, als ob wir abgewiesen werden. Doch wer Jesus Christus vertraut, wer an ihm sieht, wie Gott mit uns Menschen handelt, der wird auch inmitten von Leiderfahrungen spüren, dass Gott seine Tür weiter offen hält, dass die Einladung weiter gilt. Wer Jesus Christus vertraut, hat - um im Bild der Jungfrauen zu bleiben - genügend Öl im Gepäck um den Weg zum Fest fortzusetzen.
Insofern ist diese Geschichte von den 10 Jungfrauen, die uns vielleicht immer etwas ärgert, dennoch eine, die uns erfreuen will, weil sie uns daran erinnert, dass wir als Glaubende Eingeladene sind, eingeladen zur Gemeinschaft mit Gott. Und das gilt, gleich wie verdunkelt wir diese Gemeinschaft auch erleben durch die Umstände unseres Lebens. Werden wir klug, füllen wir unseren Rucksack, dann wird sich auch die vermeidlich zugeschlagene Lebenstür öffnen, dessen bin ich gewiß. Amen
 

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied:
Psalm 126 EG 750
Eingangsliturgie
Gebet
Ewiger Gott.
Unsere Zeit liegt in deinen Händen. Du schenkst uns die Zeit zum Leben, die Zeit der Gemeinschaft mit anderen Menschen, die Zeit der Gemeinschaft mit dir.
Hilf uns, in unserem Leben jedem Tag, jeder Zeit ihr eigenes Recht zu geben. Lass uns das Schöne und das Schwere bewusst durchleben, denn wir wissen: unsere Zeit hat ihre Grenzen, doch zu führst uns in die Ewigkeit. So stärke unseren Glauben an dich auf unserem Weg.
Das bitten wir durch Jesus Christus ...
Lesung: Mt 25, 1-13
Glaubensbekenntnis
Lied
Predigt
Lied
Gedenken der Verstorbenen
Totengedenken
Wir wollen nun unserer Verstorbenen gedenken. Wir werden dazu für jeden und jede Verstorbene eine Kerze anzünden. Die Kerze ist eine kleine Flamme der Hoffnung gegen die große Dunkelheit des Todes. Wir erinnern damit an das Wort Jesu Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. So wie wir es am Tag der Taufe sagen, so soll es nun Licht sein in Erinnerung an den Verstorbenen, Licht für unser Vertrauen zu Gott, der Leben und Tod in seinen Händen hält. Die Kerzen wollen uns zeigen: die Toten sind nicht vergessen. Bei uns nicht und erst recht bei Gott nicht. Angezündet werden die Kerzen an unserer Osterkerze, dem Zeichen der Auferstehung Jesu Christi, der uns vorangegangen ist und uns auferwecken wird. So wollen wir uns nun erheben und der Menschen aus unserer Gemeinde gedenken, von denen wir im letzten Jahr Abschied genommen haben. So denken wir an:
(Verlesen der Namen)
Barmherziger Gott! Der Tod mag Türen zuschlagen, doch du öffnest neue und andere Türen des Leben für uns. Dafür danken dir wir. Hilf uns dass wir deinen Verheißungen vertrauen, dass wir Hoffnung haben, wo Angst und Trauer uns quält. Schenke uns die Gewissheit, dass unsere Toten bei dir geborgen sind. Gib du uns Geduld mit uns selber in unser Trauer und Geduld mit den Trauernden in unserer Nähe. Lass uns gewiss sein, dass du uns an allen Tagen in deiner Güte hältst und bewahrst. Das bitten wir durch Jesus Christus, der uns deine Liebe zeigt in Ewigkeit. Amen.
Lied: 99
Feier des Abendmahles:
Wir kommen zu dir mit all unserer Trauer, mit unseren Tränen, mit unserem Klagen, mit der Dankbarkeit für Gewesenes und dem was unser Herz belastet, aber auch erfreut.
Und nun lädst du, großer Gott, uns ein an deinen Tisch, du willst uns stärken und erneuern. Dafür danken wir dir und wollen dich loben, denn du bist der Gott, der über Leben und Tod steht und der die Macht hat in beidem liebevoll zu wirken. Großer Gott wir loben dich 331,1+2
Herr, Jesus Christus. Deine Angst und Not, sind uns Trost, denn wir wissen dich an unserer Seite. Dein Tod ist uns die größte Kraft, die uns Hoffnung macht, der Zukunft entgegen zu gehen. Deine Auferstehung eröffnet den Weg ins Leben für Tote und Lebende. Daran lass uns festhalten und zu dem Vertrauen darauf ermutige uns, wenn du uns nun in Brot und Kelch mit deinem Sterben verbindest.
Einsetzungsworte
Geheimnis des Glaubens ....
Ja, komm Herr, Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns gegeben hast. Lass deinen Geist in uns dringen, der den Glauben wirkt, der uns tröstet und stärkt und uns den Weg ins Leben geleitet.
Vaterunser
Sendungswort: Leben wir, so leben wir dem Herrn und sterben wir, so sterben wir dem Herr. Darum: ob wir leben oder sterben, wir sind und wir bleiben des Herrn.
Abkündigungen
Fürbittengebet
Ewiger, barmherziger Gott!
Vor dir gedenken wir der Menschen, die wir verloren haben.
Dankbar denken wir an die Jahre mit ihnen. So vieles erinnert an sie, und wir spüren, wie sehr sie uns fehlen.
Behalte sie in deinen gnädigen Händen. Lass sie in deinem Frieden geborgen sein. Lass sie und uns verbunden sein mit Jesus Christus, der den Tod überwunden hat und unser Friede ist in Ewigkeit. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir denken an die vielen Menschen, die durch Gewalt und Unrecht gestorben sind. Wir kennen ihre Namen nicht, wir wissen nichts von ihrem Leben, nur die Bilder haben wir von manchen gesehen. Herr, lass die Opfer nicht vergessen werden! Zieh die Täter zur Rechenschaft und mache ihnen Umkehr möglich! Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gott, wir denken auch an unser eigenes Ende. Wir haben Angst vor Krankheit, vor Schmerz und vor dem Verlassensein im Alter. Schenke uns einen gnädigen Tod und nimm uns am Ende mit Ehren an.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
In allem können wir uns dir anvertrauen. Darum gilt dir die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Segen
163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe, Klein Elbe  und Gustedt

Ewigkeitssonntag
23. 11. 2003

Liturgischer
Ablauf
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