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Für wen der Gottesdienstbesuch zum Ewigkeitssonntag
dazugehört, der hat auch schon häufiger die Lesung von den 10 Jungfrauen
gehört. Für andere ist es heute vielleicht das erste mal, dass sie gehört
wurde. Ich weiß, dass diese Geschichte immer wieder Menschen ärgert, dass
sie Widerstand hervorruft, dass sie zum Widerspruch reizt. Auch mir geht
es so, wenn ich sie lese oder höre. Da stehen Menschen bei Jesus vor
verschlossenen Toren, da verweigern Menschen die Hilfe, da wird Angst
gemacht und der Gedanke von menschlicher Gemeinschaft und Verantwortung
füreinander beiseite geschoben.
An einer Stelle können wir uns heute vielleicht sehr schnell in die
Geschichte einfinden. Nämlich am Ende. Hier in diesem Gottesdienst sitzen
viele Menschen, die in diesem vergangenen Kirchenjahr bis hin in die
letzten Tage vor dem heutigen Sonntag einen Angehörigen verloren haben.
Dem Tod gegenüberstehen, mit dem Tod konfrontiert zu werden, das hat etwas
davon, vor einer verschlossenen Tür zu stehen. Mit einem Mal ist der
Zugang zum Anderen versperrt, nichts ist mehr möglich, eine Beziehung
unwiderruflich beendet. Da gibt es keine Tür, die diese Beziehung wieder
möglich macht, der Weg zu einer neuen Gemeinschaft ist abgeschnitten.
Das ist eine sehr bittere Erfahrung, vor allem dort, wo Menschen mitten
aus dem Leben gerissen wurden, wo noch so viele Hoffnungen, so viele Ziele
vor einem lagen, wo gemeinsames Leben im Grunde noch nicht zu Ende gewesen
ist, sondern man noch mitten drin stand, oder zumindest noch vieles
möglich gewesen wäre. Und da stehen sie nun heute, alleingelassen mit der
Erinnerung an das Gewesene, mit der Trauer, die heute wieder tief
ergreift. Und vor allem dort, wo der Tod nicht mit Dankbarkeit und dem
Gedanken von Erleichterung und Erlösung für den Verstorbenen in Verbindung
gebracht werden kann, wo die Unverständlichkeit des Todes und die Frage
nach dem Warum und wo die Klage sehr laut wird, da fühlen wir uns wie die
5 Jungfrauen, denen gesagt wird: ich kenne euch nicht.
Kennt Gott uns nicht, dass er uns so allein lässt? Weiß Gott nicht um uns.
dass er uns eine solche Last auferlegt? Wo ist denn Gott, wenn ich so
etwas erleiden und erdulden muss? Was sind da all die schönen Reden, wenn
doch mein Herz voller Trauer ist und meine Augen nur den Verlust sehen?
Das kann doch nicht sein, dass Gott uns so vor der Tür stehen lässt. dass
wir so vom Leben abgeschnitten werden?
Verständliche Fragen und Klagen, wenn es darum geht, den Tod zu begreifen,
den Verlust anzunehmen und mit dem Verlust zu leben. Das fehlt mir in der
Geschichte mit den Jungfrauen, dass diese Fragen, diese Klagen, dieser
Schmerz ausgesprochen wird. Es findet irgendwie keinen Raum, höchstens bei
uns. die wir in unseren Gedanken dies alles zur Sprache, bringen, ob
ausgesprochen oder nicht spielt dabei keine Rolle.
Allerdings stellt sich doch die Frage, ob wir denn wirklich nur am Ende
dieser Geschichte stehen, ob wir mit unserem Leben nur vor dieser Tür
stehen, die vor uns zugeschlagen wurde. Jesus spricht in seinem Gleichnis
ja nicht zu Trauernden, er erzählt sein Gleichnis vielen Menschen,
Trauernden und Nichttrauemden. Und für beide liegt in diesem Gleichnis
mehr drin als nur die Angst oder die Beschreibung vor der geschlossenen
Tür zu stehen.
Am Anfang der Geschichte steht eine großartige Einladung. Eingeladen zum
Bräutigam sind diese Frauen. Sie sind eingeladen zu einem hochzeitlichen
Fest. Gerade dies ist immer wieder ein Bild für ein Leben in der
Gemeinschaft mit Gott, ein Bild für die Teilhabe an Gottes Reich. Zu
diesem Fest sind wir Christen alle eingeladen, auf dem Weg in diese
Gemeinschaft befinden wir uns alle. Diese Einladung, an Gottes Reich
teilzuhaben steht am Anfang und sie ist auch das Ziel unseres Lebens.
Gerade wenn wir den Sinn unseres Lebens befragen, und wir tun das immer
wieder, wenn wir mit den Tod konfrontiert werden, dann ist es wichtig,
dies zu sehen und anzunehmen: Wir sind eingeladen in die gute Welt Gottes,
wir sind eingeladen, darin mitzuwirken, wir sind eingeladen, am Fest des
Lebens teilzuhaben.
Wir selber sehen uns auf diesem Weg sicher manchmal an der Tür stehen, die
verschlossen ist. Vor allem dann, wenn das Leben nicht so läuft, wie wir
uns das vorstellen, wenn Ereignisse unser Leben betreffen, die uns unsere
Lebenshoffung nehmen, die uns nicht mehr nach vorne sehen lassen. Doch
grundsätzlich gilt doch erst einmal zu hören, dass wir Eingeladene sind,
dass wir nicht vor der Tür stehen sollen, dass wir mit dazugehören sollen.
Die Einladung wird doch nicht ausgesprochen, um uns vor der Tür stehen zu
lassen, sondern um hineinzugelangen. Gott will, dass wir mit am Tisch
sitzen, Gott will, dass wir teilhaben an seiner Welt, er will, dass wir
erkennen und begreifen, dass wir nicht allein dastehen. Darum sind wir
eingeladen, darum werden wir zu diesem Fest gerufen. Nur - und darin
unterscheidet steh dieses Fest von den Festen, die wir als Hochzeitsfest
vor Augen haben - es ist kein herkömmliches Fest mit festgelegtem Anfang,
wo der Sekt das Erste ist. Die Einladung zu diesem Fest, der Weg dorthin
und die Feier, das verschmilzt auf dem christlichen Lebensweg. Christsein
heißt, sich auf den Weg machen, von der Freude der Einladung her leben und
so zu leben, dass spürbar wird, dass Gottes Herrschaft schon längst
begonnen hat und auch durch unser menschliches Ende nicht unterbrochen
wird.
Und dies macht nun die Schwierigkeit aus. Wer lange auf dem Weg ist, der
wird auch müde, der wird schläfrig. Wer kennt nicht die Zeiten in seinem
Leben, wo der Glaube an Gott nur wenig im Vordergrund steht, wo dies alles
wenig berührt, keinen großen Tiefgang hat. Das Leben geht einfach voran
und zumeist ja auch nicht schlecht. Gedanken des Glaubens ruhen sich aus,
könnte man etwas bildhaft sagen, sie sind nicht weg aus unserem Leben,
aber sie schlummern vor sich hin, weil sie zur Zeit nicht gebraucht
werden. Bis sich dann irgendwann das Leben verändert, bis wir aus dem
gewohnten Trott herausgerissen werden, bis wir in eine Situation geraten,
die die Frage nach Gott stellt. Plötzlich steht der Bräutigam vor der Tür,
plötzlich ist der Glaube gefordert, werden wir aufgeweckt aus dem
Glaubensschlaf. Und dann ist die Frage, reicht es aus, was ich da im
Gepäck habe? Kann ich damit diese Situation durchstehen oder bleibt die
Lampe meines Glaubens verloschen, weil nicht genügend Öl da ist, um sie
wieder zu entfachen?
Hier stellt sich nun die Frage, was ist klug und was ist töricht? Die
klugen und die törichten Jungfrauen sind für mich immer ein Beispiel
dafür, dass für uns Menschen der persönliche und lebendige Glaube nicht
ersetzbar ist. Wir können für den eigenen Glauben keine Anleihe nehmen bei
anderen. Nicht andere können mit ihrem Glauben den unseren ersetzen. Wir
müssen selber genügend im Gepäck haben, um im entscheidenden Moment etwas
in der Hand zu haben. Mitten in der Nacht, also zu einer Zeit, in der wir
überrascht werden, weil wir normalerweise schlafen, in einer Zeit, wo wir
überhaupt nicht damit rechnen, geschieht die Ankunft des Bräutigams und
geschieht damit das Ereignis, das uns zum Fest führt. Und dann sind wir
eben gefragt, wie viel wir im Glaubensgepäck unseres Lebens haben.
Schaffen wir es bis zur Tür oder erleben wir eine zugeschlagene Tür?
Gott will uns nicht vor der Tür stehen lassen, deshalb erzählt Jesus ja
dieses Gleichnis. Er will, dass wir unser Glaubensgepäck richtig packen,
er will, dass wir klug sind, und uns auf diese Begegnung mit Gott richtig
vorbereiten. Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass
wir klug werden, dieser Vers aus dem 90. Psalm spricht genau dies an. Wenn
ich dies einmal in unser Alltagsleben übertragen darf, dann heißt das
doch, dass wir unser Leben als Einzelne und in der Gemeinschaft sehr viel
bewusster wahrnehmen sollten. Die Zeit die wir haben, die wir miteinander
haben, ist von Gott geschenkte Zeit. Jeder Tag ist bedeutsam, jede
gemeinsame Stunde eine von Gott geschenkte. Und das gilt für die Tage der
Liebe genauso wie für die mit Auseinandersetzung und Streit. In jedem Tag
liegt etwas von dem Weg zum großen Fest Gottes. Das macht ja jedem Tag
unseres Leben so unendlich wertvoll.
Gleichzeitig liegt aber auch darin der Gedanke, dass nicht wir Menschen
allein verantwortlich sind für diese Welt. Klug werden im Blick auf das
Sterben heißt auch: meine Arbeit in der Welt Gott ist wichtig und
unersetzbar, aber nicht ich, sondern ein anderer hält die Welt in Gang.
Wir Menschen haben Grenzen und die dürfen wir auch anerkennen.
Und klug werden im Blick auf den Tod, das heißt weiter, darauf zu hoffen
und darauf zu vertrauen, dass der Tod nicht die letzte Station bei Gott
ist. Das Fest zu dem wir eingeladen sind, das Fest der Gemeinschaft mit
Gott wird durch nichts unterbrochen. Gottes Gemeinschaft geht nicht
verloren auch nicht durch den Tod. Wir mögen uns manchmal fühlen, als ob
wir vor der Tür stehen, als ob wir abgewiesen werden. Doch wer Jesus
Christus vertraut, wer an ihm sieht, wie Gott mit uns Menschen handelt,
der wird auch inmitten von Leiderfahrungen spüren, dass Gott seine Tür
weiter offen hält, dass die Einladung weiter gilt. Wer Jesus Christus
vertraut, hat - um im Bild der Jungfrauen zu bleiben - genügend Öl im
Gepäck um den Weg zum Fest fortzusetzen.
Insofern ist diese Geschichte von den 10 Jungfrauen, die uns vielleicht
immer etwas ärgert, dennoch eine, die uns erfreuen will, weil sie uns
daran erinnert, dass wir als Glaubende Eingeladene sind, eingeladen zur
Gemeinschaft mit Gott. Und das gilt, gleich wie verdunkelt wir diese
Gemeinschaft auch erleben durch die Umstände unseres Lebens. Werden wir
klug, füllen wir unseren Rucksack, dann wird sich auch die vermeidlich
zugeschlagene Lebenstür öffnen, dessen bin ich gewiß. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied:
Psalm 126 EG 750
Eingangsliturgie
Gebet
Ewiger Gott.
Unsere Zeit liegt in deinen Händen. Du schenkst uns die Zeit zum Leben,
die Zeit der Gemeinschaft mit anderen Menschen, die Zeit der Gemeinschaft
mit dir.
Hilf uns, in unserem Leben jedem Tag, jeder Zeit ihr eigenes Recht zu
geben. Lass uns das Schöne und das Schwere bewusst durchleben, denn wir
wissen: unsere Zeit hat ihre Grenzen, doch zu führst uns in die Ewigkeit.
So stärke unseren Glauben an dich auf unserem Weg.
Das bitten wir durch Jesus Christus ...
Lesung: Mt 25, 1-13
Glaubensbekenntnis
Lied
Predigt
Lied
Gedenken der Verstorbenen
Totengedenken
Wir wollen nun unserer Verstorbenen gedenken. Wir werden dazu für jeden
und jede Verstorbene eine Kerze anzünden. Die Kerze ist eine kleine Flamme
der Hoffnung gegen die große Dunkelheit des Todes. Wir erinnern damit an
das Wort Jesu Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird
nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.
So wie wir es am Tag der Taufe sagen, so soll es nun Licht sein in
Erinnerung an den Verstorbenen, Licht für unser Vertrauen zu Gott, der
Leben und Tod in seinen Händen hält. Die Kerzen wollen uns zeigen: die
Toten sind nicht vergessen. Bei uns nicht und erst recht bei Gott nicht.
Angezündet werden die Kerzen an unserer Osterkerze, dem Zeichen der
Auferstehung Jesu Christi, der uns vorangegangen ist und uns auferwecken
wird. So wollen wir uns nun erheben und der Menschen aus unserer Gemeinde
gedenken, von denen wir im letzten Jahr Abschied genommen haben. So denken
wir an:
(Verlesen der Namen)
Barmherziger Gott! Der Tod mag Türen zuschlagen, doch du öffnest neue und
andere Türen des Leben für uns. Dafür danken dir wir. Hilf uns dass wir
deinen Verheißungen vertrauen, dass wir Hoffnung haben, wo Angst und
Trauer uns quält. Schenke uns die Gewissheit, dass unsere Toten bei dir
geborgen sind. Gib du uns Geduld mit uns selber in unser Trauer und Geduld
mit den Trauernden in unserer Nähe. Lass uns gewiss sein, dass du uns an
allen Tagen in deiner Güte hältst und bewahrst. Das bitten wir durch Jesus
Christus, der uns deine Liebe zeigt in Ewigkeit. Amen.
Lied: 99
Feier des Abendmahles:
Wir kommen zu dir mit all unserer Trauer, mit unseren Tränen, mit unserem
Klagen, mit der Dankbarkeit für Gewesenes und dem was unser Herz belastet,
aber auch erfreut.
Und nun lädst du, großer Gott, uns ein an deinen Tisch, du willst uns
stärken und erneuern. Dafür danken wir dir und wollen dich loben, denn du
bist der Gott, der über Leben und Tod steht und der die Macht hat in
beidem liebevoll zu wirken. Großer Gott wir loben dich 331,1+2
Herr, Jesus Christus. Deine Angst und Not, sind uns Trost, denn wir wissen
dich an unserer Seite. Dein Tod ist uns die größte Kraft, die uns Hoffnung
macht, der Zukunft entgegen zu gehen. Deine Auferstehung eröffnet den Weg
ins Leben für Tote und Lebende. Daran lass uns festhalten und zu dem
Vertrauen darauf ermutige uns, wenn du uns nun in Brot und Kelch mit
deinem Sterben verbindest.
Einsetzungsworte
Geheimnis des Glaubens ....
Ja, komm Herr, Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns gegeben
hast. Lass deinen Geist in uns dringen, der den Glauben wirkt, der uns
tröstet und stärkt und uns den Weg ins Leben geleitet.
Vaterunser
Sendungswort: Leben wir, so leben wir dem Herrn und sterben wir, so
sterben wir dem Herr. Darum: ob wir leben oder sterben, wir sind und wir
bleiben des Herrn.
Abkündigungen
Fürbittengebet
Ewiger, barmherziger Gott!
Vor dir gedenken wir der Menschen, die wir verloren haben.
Dankbar denken wir an die Jahre mit ihnen. So vieles erinnert an sie, und
wir spüren, wie sehr sie uns fehlen.
Behalte sie in deinen gnädigen Händen. Lass sie in deinem Frieden geborgen
sein. Lass sie und uns verbunden sein mit Jesus Christus, der den Tod
überwunden hat und unser Friede ist in Ewigkeit. Darum rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.
Wir denken an die vielen Menschen, die durch Gewalt und Unrecht gestorben
sind. Wir kennen ihre Namen nicht, wir wissen nichts von ihrem Leben, nur
die Bilder haben wir von manchen gesehen. Herr, lass die Opfer nicht
vergessen werden! Zieh die Täter zur Rechenschaft und mache ihnen Umkehr
möglich! Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gott, wir denken auch an unser eigenes Ende. Wir haben Angst vor
Krankheit, vor Schmerz und vor dem Verlassensein im Alter. Schenke uns
einen gnädigen Tod und nimm uns am Ende mit Ehren an.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
In allem können wir uns dir anvertrauen. Darum gilt dir die Ehre von
Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
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