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Was für ein biblisches Wort, das uns da zum zweiten Advent
vor Augen gestellt wird. Wir sind dabei, uns auf das Weihnachtsfest
vorzubereiten, Fenster zu schmücken, Geschenke einzukaufen, Plätzchen zu
backen, Glühwein zu trinken und Adventslieder zu singen. Und jetzt heute
solche Worte. Jesus wird von den Jüngern nach seiner Rückkehr, seiner
Wiederkunft - also nach dem Jüngsten Tag - gefragt. Und er erzählt von
Naturkatastrophen, Kriegen und Hungersnöten. Wir warten aufs Christkind!
Und Jesus erinnert an diesem Sonntag an das Ende der Welt.
Jesu Jünger beschäftigen sich mit der Zukunft. Was da wohl noch auf uns
zukommt? Diese Frage stellen sich sicher auch viele von uns, die an diesem
Morgen hier in die Kirche gegangen sind. Nein, nicht weil wir den 2.
Advent feiern und auf die Geburt Jesu Christi zugehen. Sondern weil viele
ahnen, dass es so wie bisher in Zukunft nicht weitergehen wird, nicht
weitergehen kann.
In der Politik und in der Wirtschaft merken wir es täglich. Unser Staat
lebt auf Kosten der nächsten Generationen, er schiebt einen riesigen
Schuldenberg vor sich her, um nicht zugeben zu müssen, dass er -
wirtschaftlich gesehen - pleite ist. Die Probleme sind groß und niemand
hat ein wirklich gutes Konzept die Probleme zu lösen. Die Rentner haben
Angst vor weiteren Kürzungen und ob die Rente überhaupt noch sicher ist.
Die Arbeitslosen wissen nicht, wie es im nächsten Jahr weiter geht, was
die neue Gesetzgebung an Veränderungen bringen wird. In den letzten Wochen
wird wieder Angst geschürt davor, dass Menschen anderer Kulturen uns
überfremden könnten. Nicht die Bereicherung durch fremde Menschen wird
gesehen, sondern nur noch die Bedrohung. Weil einzelne Fremde hier
versuchen, den Schutz der Demokratie zu nutzen, um undemokratische
Gedanken voranzutreiben. Das gab es schon immer auch bei Deutschen, denken
wir an die RAF oder die Nazis, aber jetzt sind es ja Ausländer und die
können wir deutlicher diffamieren oder gar abschieben.
In der Ukraine bleibt die Situation angespannt, niemand weiß, welches
Pulverfass dort zu explodieren droht. Im Irak sieht es immer noch nicht
friedlicher aus und wie es in Israel und Palästina weiter geht, niemand
weiß es so genau. So mag man sich schon besorgt fragen, was denn in
Zukunft noch auf uns zukommen wird und für manch einen ist da auch große
Sorge mit im Spiel, wenn es um die Zukunft des eigenen Lebens oder die
Zukunft für unser Land und unsere Welt geht.
Diese Sorge hatten auch die Jünger Jesu. Sie werden von Jesus unsanft
daran erinnert, dass das Leben in dieser Welt vieles enthält, das in sich
selber keine Zukunft hat. Was kündigte Jesus am Anfang des Textes an: Der
Tempel wird verbrechen und nicht ein Stein auf dem anderen bleiben. Im
Jahre 70 war es soweit, da ist es passiert. 40 Jahre nach seinem Tod
legten die Römer den Tempel in Schutt und Asche. Ob Jesus dies historisch
gesehen wirklich gesagt hat, oder ob es ihm in den Mund gelegt wurde, ist
dabei eigentlich unerheblich. Wichtig ist die dahinter stehende Botschaft.
Und sie sagt: selbst die prachtvollsten Bauwerke und heiligsten Hallen des
Menschen sind nicht für die Ewigkeit bestimmt. Das Leben enthält stete
Veränderungen. Unsere Gedanken an die Zukunft und ob alles so bleibt, wie
es ist, wie wir es gerne hätten, werden hier mit dem Gedanken verbunden,
dass selbst so etwas wie ein Tempel, also das Zentrum des Wirkens Gottes,
keinen unendlichen Bestand hat. Was wir da vor Augen sehen, das ist
veränderlich, das ist kein Schutzraum.
Was heißt das für uns? Es heißt, dass Veränderungen zum Leben dazugehören,
Und das gilt eben auch für problematische, negative Veränderungen im
Leben. Wenn es um die Frage der Zukunft geht, um die Frage nach dem Ende
und das war für die Jünger damals die Frage nach dem Heil, nach einer
wirklich von und mit Gott verbundenen Zeit, da dürfen wir uns nicht einem
Traum hingeben, dass die Welt sich in ihrem äußeren schlagartig verändert,
wie die Menschen damals es sich vorgestellt haben und wir uns das
vielleicht manchmal wünschen.
Was Jesus den Jüngern vor Augen malt ist ein Horrorszenario, wie es das
Leben von damals bis heute beschreibt. Ihr werdet hören von Kriegen und
Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen;
aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk gegen das
andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden
Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.
Es ist nicht ermutigend, was Jesus da vor Augen stellt. Er erzählt von
Verrat, Katastrophen, Krieg und Hunger. Alles Dinge, die wir nur zu gut
aus den Nachrichten kennen. Wir könnten es ergänzen durch die
Katastrophenmeldungen dieser Tage: Das Grubenunglück in China – Menschen
werden rücksichtslos in brennende Kohlengruben geschickt, es ist völlig
egal, was da passiert. Ich war in China dieses Jahr, ich kann es mir
vorstellen, wie es da zugeht und wie völlig gleichgültig dort mit
Menschenleben umgegangen wird. Wir sehen sie vor uns die Toten und
Verletzten im Irak, in Afghanistan, in Ramalla, Bethlehem und anderswo im
Heiligen Land. Wir sehen auch die tragischen Unfälle in unserem Land, und
in der Vorweihnachtszeit auch die Hungernden oder von Naturkatastrophen
betroffenen wie jetzt wieder auf den Philippinen.
Und Heilsbringer, sie tauchen auch an vielen Stellen auf. Menschen, die
meinen, dass sie die Welt erlösen werden von dem, was sie als Böse
empfinden. Vor 70 Jahren hier so einer Adolf Hitler, oder Stalin. Sie
tragen auch den Namen Arafat, Bush, Bin Laden, oder es sind kleine
religiöse Menschen, die andere verführen mit ihren Gedanken: Zeugen
Jehovas, Scientologiesekten und viele andere mehr, die Heil anbieten, aber
letztlich nur Verderben bringen.. Und immer wieder fragen wir uns, ob sich
daran irgendwann einmal etwas ändern wird? Oder ob alles so weiterlaufen
wird, wie bisher?
Die Zeit des Advent ist für uns Christen eine Zeit des Wartens, eine Zeit
der Erwartung, der Hoffnung und der Zukunft. Wir erwarten und erhoffen,
dass Gott das Leben der Zukunft begleiten wird, dass er unser Leben teilt.
Und das heißt auch: unsere Freude und unser Leid, unsere Ängste und
Hoffnungen, unsere sorgenvollen und zuversichtlichen Gedanken, die wir uns
um unsere Zukunft machen.
Mit der Geburt Jesu begann eine neue Zeitrechnung und mit ihr eine neue
Beziehung. Man könnte sagen: der Mensch lernt Gott auf eine ganz neue Art
kennen lernen. Und Gott hat für uns so manche Überraschung bereit. Und das
wichtigste war und ist, dass Gott diese Welt nicht sich selbst und den
Menschen überlässt. Er sieht nicht zu, wie wir den Karren in den Dreck
fahren. Sondern er begleitet diese Welt und uns Menschen, indem er uns
durch all die schlimmen Erfahrungen, die wir machen müssen, seine Zukunft
offen hält. Jesus kommt nicht und sagt: so jetzt ist die Welt anders und
wunderbar. Ganz im Gegenteil: Krieg, Hunger, Verrat, Elend kündigt er an,
sieht es als einen Teil dieses Leben an. Aber trotz und inmitten aller
dieser Katastrophen bleibt Gott gegenwärtig.
Das ist paradox für uns, weil wir es uns anders wünschen. aber Gott ist
eben kein Wunschprodukt der Menschen, sondern er geht seinen eigenen Weg,
und der geht auch mitten durch das, was wir gerne anders sehen würden. Das
heißt nicht, dass Gott das gut heißt, sondern dass er trotz allem ein Gott
für die Menschen ist. Nur anders als wir es gerne hätten. Nicht machtvoll,
nicht dreinschlagend, eben nicht mit Gewalt und noch größerem Leid.
Advent, das heißt Gott kommt, aber er kommt eben immer anders, als wir es
uns vorstellen. Gottes Wege sind wahrlich unerforschlich, aber immer
welche, die für uns Menschen die Zukunft öffnen. Und das ist das
Entscheidende dieser so dramatisch klingenden Botschaft Jesu.
Es geht nicht um das Festschreiben des Negativen, sondern es geht um das
Festhalten an ihm inmitten des Bösen. Wer beharrt bis ans Ende, der wird
selig werden. Wer sich nicht irre machen lässt durch die schwierigen
Lebenserfahrungen, wer sich nicht abbringen lässt, weil andere Wege doch
so viel einfacher sind, wer sich selber die Zukunft nicht zustellt mit
Zweifeln und Miesmacherei, sondern wer offen ist für das, was Gott immer
wieder neu für jeden einzelnen, aber auch für viele bereit hat, der wird
begreifen, dass dieser Gott diese Welt trägt und zum Guten bringen und
verändern will.
Und in Jesus, in seinem Leben, in seinem Sterben und vor allem in seinem
Auferstehen haben wir den lebendigen Anhalt an dem, was diese Welt in alle
Zukunft trägt. Daran können wir uns halten, daran können wir uns
festhalten, das ist es, was das Leben ausmacht. Advent heißt: offen zu
sein für diese Zukunft, für eine Zukunft in der sich dieses Botschaft
durchsetzt. Vieles in der Welt vergeht, wird zunichte gemacht, aber die
gute Botschaft Gottes, die Botschaft des Friedens, der Liebe, der
Vergebung und der Hilfe im Leid, sie breitet sich aus und wird am Ende das
Leben bestimmen. Sich daran auszurichten, sich davon bestimmen zu lassen,
sich von dieser Botschaft her im Leben nicht unterkriegen zu lassen, das
ist das Ziel dieser Gedanken, die uns zwar das Leid der Welt vor Augen
führen, aber letztlich durch dieses Leid hindurch in eine gute Zukunft
führen will. Wie diese Zukunft wird, wissen wir nicht. Doch wir können von
ihr etwas erahnen, wenn wir auf das Weihnachtsereignis blicken, auf das
Kind, das da geboren wird. So und nicht anders kommt Gott zur Welt. Er
kommt mit einem kindlichen Vertrauen, zu dem er uns ermutigt. Lassen wir
die Zukunft Gottes auf uns zukommen, sie allein ist wirklich
hoffnungsvolle Zukunft. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 11,1-3+7
Psalm 80, 2-7, 15-20
Eingangsliturgie
Lesung Jak 5, 7-8
Lied 13, 1-3
Lesung: Mt 24, 1-14
Glaubensbekenntnis
Lied 7, 1-4
Predigt
Lied 16, 1,3,4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
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