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Mt 24, 1-14

Was für ein biblisches Wort, das uns da zum zweiten Advent vor Augen gestellt wird. Wir sind dabei, uns auf das Weihnachtsfest vorzubereiten, Fenster zu schmücken, Geschenke einzukaufen, Plätzchen zu backen, Glühwein zu trinken und Adventslieder zu singen. Und jetzt heute solche Worte. Jesus wird von den Jüngern nach seiner Rückkehr, seiner Wiederkunft - also nach dem Jüngsten Tag - gefragt. Und er erzählt von Naturkatastrophen, Kriegen und Hungersnöten. Wir warten aufs Christkind! Und Jesus erinnert an diesem Sonntag an das Ende der Welt.
Jesu Jünger beschäftigen sich mit der Zukunft. Was da wohl noch auf uns zukommt? Diese Frage stellen sich sicher auch viele von uns, die an diesem Morgen hier in die Kirche gegangen sind. Nein, nicht weil wir den 2. Advent feiern und auf die Geburt Jesu Christi zugehen. Sondern weil viele ahnen, dass es so wie bisher in Zukunft nicht weitergehen wird, nicht weitergehen kann.
In der Politik und in der Wirtschaft merken wir es täglich. Unser Staat lebt auf Kosten der nächsten Generationen, er schiebt einen riesigen Schuldenberg vor sich her, um nicht zugeben zu müssen, dass er - wirtschaftlich gesehen - pleite ist. Die Probleme sind groß und niemand hat ein wirklich gutes Konzept die Probleme zu lösen. Die Rentner haben Angst vor weiteren Kürzungen und ob die Rente überhaupt noch sicher ist. Die Arbeitslosen wissen nicht, wie es im nächsten Jahr weiter geht, was die neue Gesetzgebung an Veränderungen bringen wird. In den letzten Wochen wird wieder Angst geschürt davor, dass Menschen anderer Kulturen uns überfremden könnten. Nicht die Bereicherung durch fremde Menschen wird gesehen, sondern nur noch die Bedrohung. Weil einzelne Fremde hier versuchen, den Schutz der Demokratie zu nutzen, um undemokratische Gedanken voranzutreiben. Das gab es schon immer auch bei Deutschen, denken wir an die RAF oder die Nazis, aber jetzt sind es ja Ausländer und die können wir deutlicher diffamieren oder gar abschieben.
In der Ukraine bleibt die Situation angespannt, niemand weiß, welches Pulverfass dort zu explodieren droht. Im Irak sieht es immer noch nicht friedlicher aus und wie es in Israel und Palästina weiter geht, niemand weiß es so genau. So mag man sich schon besorgt fragen, was denn in Zukunft noch auf uns zukommen wird und für manch einen ist da auch große Sorge mit im Spiel, wenn es um die Zukunft des eigenen Lebens oder die Zukunft für unser Land und unsere Welt geht.
Diese Sorge hatten auch die Jünger Jesu. Sie werden von Jesus unsanft daran erinnert, dass das Leben in dieser Welt vieles enthält, das in sich selber keine Zukunft hat. Was kündigte Jesus am Anfang des Textes an: Der Tempel wird verbrechen und nicht ein Stein auf dem anderen bleiben. Im Jahre 70 war es soweit, da ist es passiert. 40 Jahre nach seinem Tod legten die Römer den Tempel in Schutt und Asche. Ob Jesus dies historisch gesehen wirklich gesagt hat, oder ob es ihm in den Mund gelegt wurde, ist dabei eigentlich unerheblich. Wichtig ist die dahinter stehende Botschaft. Und sie sagt: selbst die prachtvollsten Bauwerke und heiligsten Hallen des Menschen sind nicht für die Ewigkeit bestimmt. Das Leben enthält stete Veränderungen. Unsere Gedanken an die Zukunft und ob alles so bleibt, wie es ist, wie wir es gerne hätten, werden hier mit dem Gedanken verbunden, dass selbst so etwas wie ein Tempel, also das Zentrum des Wirkens Gottes, keinen unendlichen Bestand hat. Was wir da vor Augen sehen, das ist veränderlich, das ist kein Schutzraum.
Was heißt das für uns? Es heißt, dass Veränderungen zum Leben dazugehören, Und das gilt eben auch für problematische, negative Veränderungen im Leben. Wenn es um die Frage der Zukunft geht, um die Frage nach dem Ende und das war für die Jünger damals die Frage nach dem Heil, nach einer wirklich von und mit Gott verbundenen Zeit, da dürfen wir uns nicht einem Traum hingeben, dass die Welt sich in ihrem äußeren schlagartig verändert, wie die Menschen damals es sich vorgestellt haben und wir uns das vielleicht manchmal wünschen.
Was Jesus den Jüngern vor Augen malt ist ein Horrorszenario, wie es das Leben von damals bis heute beschreibt. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.
Es ist nicht ermutigend, was Jesus da vor Augen stellt. Er erzählt von Verrat, Katastrophen, Krieg und Hunger. Alles Dinge, die wir nur zu gut aus den Nachrichten kennen. Wir könnten es ergänzen durch die Katastrophenmeldungen dieser Tage: Das Grubenunglück in China – Menschen werden rücksichtslos in brennende Kohlengruben geschickt, es ist völlig egal, was da passiert. Ich war in China dieses Jahr, ich kann es mir vorstellen, wie es da zugeht und wie völlig gleichgültig dort mit Menschenleben umgegangen wird. Wir sehen sie vor uns die Toten und Verletzten im Irak, in Afghanistan, in Ramalla, Bethlehem und anderswo im Heiligen Land. Wir sehen auch die tragischen Unfälle in unserem Land, und in der Vorweihnachtszeit auch die Hungernden oder von Naturkatastrophen betroffenen wie jetzt wieder auf den Philippinen.
Und Heilsbringer, sie tauchen auch an vielen Stellen auf. Menschen, die meinen, dass sie die Welt erlösen werden von dem, was sie als Böse empfinden. Vor 70 Jahren hier so einer Adolf Hitler, oder Stalin. Sie tragen auch den Namen Arafat, Bush, Bin Laden, oder es sind kleine religiöse Menschen, die andere verführen mit ihren Gedanken: Zeugen Jehovas, Scientologiesekten und viele andere mehr, die Heil anbieten, aber letztlich nur Verderben bringen.. Und immer wieder fragen wir uns, ob sich daran irgendwann einmal etwas ändern wird? Oder ob alles so weiterlaufen wird, wie bisher?
Die Zeit des Advent ist für uns Christen eine Zeit des Wartens, eine Zeit der Erwartung, der Hoffnung und der Zukunft. Wir erwarten und erhoffen, dass Gott das Leben der Zukunft begleiten wird, dass er unser Leben teilt. Und das heißt auch: unsere Freude und unser Leid, unsere Ängste und Hoffnungen, unsere sorgenvollen und zuversichtlichen Gedanken, die wir uns um unsere Zukunft machen.
Mit der Geburt Jesu begann eine neue Zeitrechnung und mit ihr eine neue Beziehung. Man könnte sagen: der Mensch lernt Gott auf eine ganz neue Art kennen lernen. Und Gott hat für uns so manche Überraschung bereit. Und das wichtigste war und ist, dass Gott diese Welt nicht sich selbst und den Menschen überlässt. Er sieht nicht zu, wie wir den Karren in den Dreck fahren. Sondern er begleitet diese Welt und uns Menschen, indem er uns durch all die schlimmen Erfahrungen, die wir machen müssen, seine Zukunft offen hält. Jesus kommt nicht und sagt: so jetzt ist die Welt anders und wunderbar. Ganz im Gegenteil: Krieg, Hunger, Verrat, Elend kündigt er an, sieht es als einen Teil dieses Leben an. Aber trotz und inmitten aller dieser Katastrophen bleibt Gott gegenwärtig.
Das ist paradox für uns, weil wir es uns anders wünschen. aber Gott ist eben kein Wunschprodukt der Menschen, sondern er geht seinen eigenen Weg, und der geht auch mitten durch das, was wir gerne anders sehen würden. Das heißt nicht, dass Gott das gut heißt, sondern dass er trotz allem ein Gott für die Menschen ist. Nur anders als wir es gerne hätten. Nicht machtvoll, nicht dreinschlagend, eben nicht mit Gewalt und noch größerem Leid.
Advent, das heißt Gott kommt, aber er kommt eben immer anders, als wir es uns vorstellen. Gottes Wege sind wahrlich unerforschlich, aber immer welche, die für uns Menschen die Zukunft öffnen. Und das ist das Entscheidende dieser so dramatisch klingenden Botschaft Jesu.
Es geht nicht um das Festschreiben des Negativen, sondern es geht um das Festhalten an ihm inmitten des Bösen. Wer beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. Wer sich nicht irre machen lässt durch die schwierigen Lebenserfahrungen, wer sich nicht abbringen lässt, weil andere Wege doch so viel einfacher sind, wer sich selber die Zukunft nicht zustellt mit Zweifeln und Miesmacherei, sondern wer offen ist für das, was Gott immer wieder neu für jeden einzelnen, aber auch für viele bereit hat, der wird begreifen, dass dieser Gott diese Welt trägt und zum Guten bringen und verändern will.
Und in Jesus, in seinem Leben, in seinem Sterben und vor allem in seinem Auferstehen haben wir den lebendigen Anhalt an dem, was diese Welt in alle Zukunft trägt. Daran können wir uns halten, daran können wir uns festhalten, das ist es, was das Leben ausmacht. Advent heißt: offen zu sein für diese Zukunft, für eine Zukunft in der sich dieses Botschaft durchsetzt. Vieles in der Welt vergeht, wird zunichte gemacht, aber die gute Botschaft Gottes, die Botschaft des Friedens, der Liebe, der Vergebung und der Hilfe im Leid, sie breitet sich aus und wird am Ende das Leben bestimmen. Sich daran auszurichten, sich davon bestimmen zu lassen, sich von dieser Botschaft her im Leben nicht unterkriegen zu lassen, das ist das Ziel dieser Gedanken, die uns zwar das Leid der Welt vor Augen führen, aber letztlich durch dieses Leid hindurch in eine gute Zukunft führen will. Wie diese Zukunft wird, wissen wir nicht. Doch wir können von ihr etwas erahnen, wenn wir auf das Weihnachtsereignis blicken, auf das Kind, das da geboren wird. So und nicht anders kommt Gott zur Welt. Er kommt mit einem kindlichen Vertrauen, zu dem er uns ermutigt. Lassen wir die Zukunft Gottes auf uns zukommen, sie allein ist wirklich hoffnungsvolle Zukunft. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 11,1-3+7
Psalm 80, 2-7, 15-20
Eingangsliturgie
Lesung Jak 5, 7-8
Lied 13, 1-3
Lesung: Mt 24, 1-14
Glaubensbekenntnis
Lied 7, 1-4
Predigt
Lied 16, 1,3,4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

5. 12. 2004

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