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Der Wochenspruch dieser Woche lautet: Kommt her zu mir
alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.
Ein bekanntes und schönes Wort, denn es lädt ein zu Jesus kommen, sich ihm
mit seinen Sorgen und Nöten anzuvertrauen. Und es liegt die Hoffnung
darin, dass er uns hilft, unser Päckchen zu tragen.
Ich möchte aber heute nicht diesen Spruch auslegen, sondern ihn mit sehen,
wenn wir uns dem Text nähern, den wir eben gehört haben. Denn diese Worte
sind sehr ärgerliche Worte. Es ist ein Gleichnis, das man so nicht hören
möchte von Jesus, der doch sonst ganz anders redet.
Lasse wir ein wenig die Bibelwissenschaft sprechen, vielleicht hilft es
uns, dass wir den Text besser verstehen und uns ihm anders nähern können.
Zunächst einmal muss man wohl sagen, dass dieses Gleichnis aus zwei
Gleichnissen besteht. Einmal geht es um die Einladung zum Hochzeitsmahl
und diesem Gleichnis wurde ein weiteres Gleichnis angefügt, nämlich das
vom hochzeitlichen Gewand.
Das erste Gleichnis kennt auch der Evangelist Lukas. Es scheint also eine
Gleichnis gewesen zu sein, das schon in einer Quelle stand, aus der Lukas
und Matthäus geschöpft haben. Jeder aber erzählt es auf seine Weise. Lukas
erzählt, dass der Hausherr, nachdem er erfahren hat, dass die Gäste nicht
kommen wollen und dafür verschiedenste Ausflüchte hatten, zornig war und
dann die Menschen von der Straße holte, um mit ihnen ein großes Abendessen
zu veranstalten.
Matthäus verändert dieses Gleichnis ein wenig. So stellt er das Gleichnis
unter das große Stichwort: Himmelreich. Das Himmelreich gleicht einem
König der seinem Sohn eine Hochzeit ausrichtete. Für die Zuhörer zur Zeit
des Matthäus war dies ein geläufiges Bild. Die Hochzeit, das bedeutet so
viel wie die Verbundenheit zwischen Gott und seinem Volk Israel, zwischen
Gott und den auf ihn vertrauenden Menschen. Und das Fest wäre lebendiger
Ausdruck dieses Vertrauensverhältnisses gewesen.
Das Fest ist angerichtet, alle Vorbereitungen sind getroffen, nun können
die Gäste kommen. Die Knechte machten sich auf den Weg, um den Geladenen
die gute Nachricht zu bringen. Doch, so erzählt das Gleichnis, die
Geladenen wollten nicht kommen. Sie wollten diese Gemeinschaft nicht
feiern. Oder anders ausgedrückt: die Menschen wollten dem Angebot Gottes
nicht folgen, sie wollten ihm nicht vertrauen.
Nachdem der König dies gehört hatte, schickte er abermals seine Leute aus,
um die Gäste zu holen: Ochsen und Mastvieh sind geschlachtet und alles ist
bereit. Der König bietet alles auf, um das Fest gelingen zu lassen. Er
will den Menschen wirklich etwas bieten, hier werden wie gewiss gutes
empfangen.
Doch was machen die Eingeladenen: sie lehnten diese Einladung klar ab. Ja,
Matthäus schreibt: sie verachteten das und gingen weg, einer auf seine
Acker, der andere an sein Geschäft. Die Arbeit, das Geldverdienen, das
eigen Wohlleben ist wichtig. Was interessiert mich da der König, der mich
einlädt. Was soll ich da, was hab ich davon? Ich habe wichtigeres zu tun,
etwas, wo man ganz schnell sieht, was es mir einträgt. Der Acker, das
Geschäft, das sind die Könige der Welt, die das Leben ausmachen. So sagen
die Eingeladenen und lassen die Knechte stehen.
Und einen Vers weiter erzählt Matthäus: Einige aber ergriffen seine
Knechte, verhöhnten und töteten sie. Hier erzählt Matthäus nun aus der
Geschichte des Volkes Israel. Und damit sind wir bei einer ganz wichtigen
Seite dieses Gleichnis, das Matthäus hier mit einer ganz bestimmten
Absicht erzählt. Er schreibt für die Menschen, die als frühere Juden nun
Christen sind. Er erinnert an ihre Geschichte, in der Gott auf
verschiedenste Weise durch Propheten versucht hat, das Volk in ihrer
Lebensweise zu verändern. Die Propheten haben sich darum gemüht, Gottes
Willen in die Welt zu tragen, sie haben das Volk zur Umkehr zu rufen,
ihnen klar zu machen, dass sie auf dem falschen Weg sind. Er wollte sie
wieder zu sich zurückbringen, die Gottverbundenheit erneuern und so die
Gemeinschaft von Gott und Mensch stärken. Im Bild gesprochen, er wollte
wieder Hochzeitsmahl halten, um so die Menschen in seiner Gemeinschaft zu
stärken. Doch die Propheten wurden nicht gehört, sie wurden verachtet und
verlacht. Auch dem Letzten, den Gott gesandt hat, erging es nicht anders.
Jesus wurde verachtet, verspottet und verhöhnt und am Ende wurde er
getötet am Kreuz. Die Menschen, mit denen Gott sich doch so eng verbunden
hat, wollten ihn nicht annehmen, sie wollen sich nicht von Gott ansprechen
lassen.
DA wurde der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese
Mörder um und zündete ihre Stadt an.
Matthäus wusste als er diese niedergeschrieben hat von dem Untergang der
Stadt Jerusalem im Jahre 70. Die Römer hatten die Stadt verwüstet und so
das Zentrum des Glaubens wieder einmal zerstört. Und bis heute hin gibt es
keinen Wiederaufbau der Stadt, wir kennen die Probleme, die die Stadt
Jerusalem auch heute noch hat.
Matthäus sieht in der Zerstörung ein Eingreifen Gottes, das den Menschen
widerfahren ist, weil sie die großartige Einladung Gottes in Jesus nicht
angenommen haben. Es ist seine Deutung eines geschichtlichen Ereignisses.
Ob diese Deutung richtig ist und wirklich im Sinne Gottes, das müssen wir
dahingestellt sein lassen, denn das können wir so nicht beurteilen. Dazu
muss Gott selber etwas sagen.
Wichtig aber ist, dass die Geschichte nicht stehen bleibt bei dieser
Erklärung, sondern dass sie weiter geht und nun die alte Wendung, die
Jesus erzählt hat, deutlich wird.
Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die
Gäste waren's nicht wert. Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur
Hochzeit ein, wen ihr findet. Und die Knechte gingen auf die Straßen
hinaus und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die
Tische wurden alle voll.
Mit Jesus hat Gott ja den Weg beschritten, sich nicht an ein Volk zu
binden, das sich als Gottesvolk bezeichnet, sondern er hat auch diejenigen
in seine Gemeinschaft gerufen, die als Heiden, als Sünder, als
vermeintlich Ungläubige angesehen wurden. In Jesus wurde deutlich, das
Verhältnis Gottes zu den Menschen ist kein exklusives, das nur dem Volk
Israel gilt, sondern die Einladung wird auf jeden ausgedehnt. Auf die
Guten genauso wie auf die Bösen. Auch das ist ein ganz wichtiger Gedanke,
den Matthäus nun den Menschen mitgibt. Er sagt: Das alte Volk hat Gott
abgelehnt, aber mit Jesus ist ein Weg eröffnet, der alle Menschen in die
Gemeinschaft mit Gott ruft. Und diese Gemeinschaft gilt den Menschen, die
in unseren Augen als gut anzusehen sind und denen, die in unseren Augen
als böse anzusehen sind. Gott ruft jeden Menschen in seine Gemeinschaft,
denn er weiß, der Gute ist nicht nur gut und der Böse ist nicht nur böse.
Wie sagt Paulus: Ein jeglicher ermangelt des Ruhmes vor Gott. Genau so ist
es und deshalb steht auch jeder gleich vor Gott dar. Gott macht gerecht
und nicht wir Menschen.
Dies führte allerdings dazu, dass die Menschen damals und ich denke, das
ist auch heute nicht anders, nun meinten, wenn ich dabei bin, dann ist
alles in Ordnung. Wer zur christlichen Gemeinde gehört ist ja nun auf der
richtigen Seite und Gott wird diese Gemeinschaft auch aufrecht erhalten.
Aber genau diese Selbstsicherheit hat Matthäus wohl in seinen Gemeinden
gesehen und deshalb verbindet er das eben erzählte Gleichnis mit einem
anderen Gleichnis.
In dem zweiten Gleichnis erzählt Matthäus davon, dass Gott kommt und sich
die Gäste anschaut. Und dann sieht er einen Menschen, der kein
hochzeitliches Gewand anhat. Er fragt ihn, gibt ihm die Möglichkeit sich
zu äußern, seine Lage zu erklären, aber der Mann bleibt stumm. Weiß nicht!
würden meine Konfirmanden wahrscheinlich sagen.
Und nun kommt der Teil des Gleichnisses, der uns große Schwierigkeiten
macht und der viele Menschen, auch Theologen, sehr bedrückt: Da sprach der
König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße und werft ihn in
die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern sein. Denn viele
sind berufen, aber wenige sind auserwählt.
Was für ein König, was für ein Gottesbild, das uns da vermittelt wird. Wo
ist da das Verständnis dafür, das man auf Grund einer so kurzen Einladung
kein hochzeitliches Gewandt tragen kann.
Aber ich glaube, darum geht es nicht, dass jemand schick gekleidet ist.
Hier wird ein Bild gebraucht, ein Bild für das Gottesverhältnis. Das Kleid
ist Ausdruck des Glaubens nach außen. Du bist angesprochen, du bist
gerufen, du bist eingeladen, mit Gott deinen Weg zu gehen. Festliche
Gemeinschaft schenkt Gott denen, die sich auf ihn einlassen, die ihm
vertrauen wollen. Das ist das große Angebot, das Gott macht. Mit offenen
Armen steht er da, wartend, sich freuend auf die Gemeinschaft, die er
schenken will.
Aber, und das ist die Frage, die ich hinter dem zweiten Gleichnis sehe und
das ist nicht nur eine, die die Christen in der Zeit des Matthäus betraf,
sondern die auch uns betrifft: reicht es aus, einfach dabei zu sein, ohne
sich innerlich und äußerlich auf diese angebotene Gemeinschaft
einzustellen? Natürlich sind wir Christen auf Grund der Taufe, auf Grund
des Geschenkes der Gemeinschaft, das Gott uns macht. Aber dieser
Gemeinschaft entspricht auch, dass wir daraus etwas machen. Es ist eine
Gemeinschaft, die uns auch in die Verantwortung ruft. Wer meint, das nur
die Zugehörigkeit zählt, der wird schnell merken, dass das zuwenig ist.
Für mich heißt das, das ich in meinem Leben einstellen muss auf Gott. Er
verändert mein Denken und Handeln. Der Glaube bezieht sich nicht nur auf
einen religiösen Bereich, der immer mal wieder anklingt, wenn Heilig Abend
die Glocken läuten. Was willst du hier, wenn es dir eigentlich nicht
wichtig ist, wenn du nur ein Plätzchen suchst, an dem du – und nun sage
ich es mal ganz hart – schmarotzen kannst.
Gebunden an Händen und Füßen – untätige Hände, Füße, die sich nicht auf
den Weg machen, im Sinne Gottes zu leben, das wird im Gleichnis als eine
Form von Strafe ausgedrückt. Für mich es ein Bild dafür, was geschieht,
wenn Menschen die Einladung Gottes nicht ernst nehmen. Sie landen gebunden
an sich selber in der Finsternis. Sie sind an sich selber gefesselt, sehen
nur sich selber, kommen auch nicht weg von sich selber, sind auf sich
selber geworfen, sehen keine Hilfe, finden keine Antworten, die weiter
bringen. Heulen und Zähneklappern wird das Leben bestimmen, wenn ich nur
mich selber habe und keine Hoffnung von außen auf mich zukommt.
Wir sind berufen von Gott und es gilt dieses Berufung anzunehmen, sie
einzubeziehen ins Leben. Sich auf irgend eine Form von reiner
Mitgliedschaft zu berufen, das reicht eben nicht, Glaube will leben,
Glaube will ins Leben einbezogen sein. Und darauf will Matthäus uns
hinweisen. Das Kleid, das wir dabei tragen, ist das Kleid der Hoffnung,
des Vertrauens, der Erwartung: kommt her alle, die ihr mühselig und
beladen seid, ich will euch erquicken. Dahinter steht die Ruf: lebe deinen
Glauben, in dem du dein Leben mit meinem in Beziehung setzt. Lass dich
ansprechen von mir, lege mir deine Nöte auf mich, hilf mir, die Nöte
anderer zu tragen. Lass dich einbinden in die Gemeinschaft der Glaubenden,
einbinden in die Liebe, die wir einander schenken sollen, lass so den
Glauben im Leben wirksam sein. Und du wirst spüren, darin liegt
Erquickung, darin liegt Seligkeit. Darin liegt hochzeitliche Gemeinschaft,
die Gott uns schenkt und der wir dankbar antworten mit unserem lebendigen
Glauben. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: EG NdB 564 Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind
Psalm 36, 6-11 719
Eingangsliturgie
Gebet EGb S. 353 – Gebet 2
Lesung: Eph 2, 17-22
Lied: 250, 1-4
Lesung Mt 22, 1-11
Glaubensbekenntnis
Lied: 390, 1-3
Predigt
Lied: 295,1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
EGb-Ergänzungsband S. 282
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
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