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Mt 21,1-9

 

Das alte Kirchenjahr ist vergangen, das neue bricht an. Für unseren Lebenskreis heißt das auch: inmitten der dunkelsten Zeit kommt ein neues Licht auf uns zu, das unsere Dunkelheit erhellen will.

Im Wochenspruch dieser Woche heißt es: Siehe, dein König kommt zu dir, ein gerechter, Helfer.

Ein Licht kommt auf uns zu, ein König, der die Welt verändert. Doch nicht mit einem Schlag, sondern langsam und mit kleinen Schritten und vor allem auf eine ungewöhnlich Weise.

Besonders deutlich wird das in der biblischen Lesung des Evangeliums, das in diesem Gottesdienst ausgelegt werden soll.

Der König der da kommt, ist kein König im herkömmlichen Sinne. Das Bild eines prächtigen, von Glanz und Gloria bestimmten Königs wird hier stark verändert. Der König, der da kommt, er kommt als Wanderprediger auf einem Esel.

Es gehört mit zu den stärksten Bildern des Christentum, dass der, von dem alles Heil ausgehen soll, dass der, der so unmittelbar mit der Macht des Höchsten verbunden ist, genau diesen Weg geht: den Weg der Armut und der Niedrigkeit. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.

Gelobt sei, der da von Gott kommt, der mit ihm in engster Verbindung steht, der den Namen dieses Gottes in der Welt neu bekannt macht. Gelobt sei der, der auf so ganz andere Weise seinen Weg durch die Welt geht und der damit eine ganz neue Art des Lebens vor Augen stellt.

Inmitten einer Welt der Macht, der Gewalt und der Herrschaft der Waffen, wie es die römische Welt damaliger Zeit gewesen ist, kommt einer, der mit anderen Gedanken zeigt, dass ein anderes Leben gewollt und möglich ist. Im Gegensatz zu einer Welt, in der die Reichen und Mächtigen sich in der Regel gegenseitig das Leben erleichtern, in der die Vermehrung von Reichtum und Macht im Mittelpunkt steht, kommt da ein könig, dessen Ziel es ist, vor allem denen Lebensmöglichkeiten zu verschaffen, die von den Möglichkeiten des Reichtums und der Macht abgeschnitten sind.

Dass Jesus mit einem Esel nach Jerusalem kommt, macht dieses Anliegen für alle Menschen damals deutlich. Hier kommt niemand, der für sich Ehr und Ruhm sucht, sondern hier kommt jemand, der die Menschen im Blick hat, die von diesem menschlichen Ruhm ausgeschlossen sind. Er wird mit diesem Symbol der Armut verehrt, weil die einfachen Menschen erkennen, hier kommt jemand, der für uns da sein will, der uns im Blick hat, der weiß, wie es uns geht. Damit öffnet die Bibel einen Blick, den wir immer wieder gerne vermeiden, den unsere Geschichtsbücher nicht zeigen, weil sie an der Macht das Leben der Menschen damaliger Zeit zeigen wollen. Die Bibel sieht das anders und beschreibt so eine Sichtweise des Lebens, die für Jesus und für den Glauben an ihn wichtig ist.

Und eine solche Sichtweise hat Konsequenzen. Eine dieser Konsequenzen ist zum Beispiel die Arbeit einer Organisation, die in diesem Jahr zum 50. Mal zur Hilfe für die Armen aufruft: Brot für die Welt“ vor 50 Jahren ihre Arbeit aufgenommen hat.

Es war die Zeit 13 Jahre nach dem Krieg. Die Wirtschaft ging dank des sogenannten Wirtschaftswunders aufwärts. Den Menschen ging es langsam wieder gut. Jeder hatte genügend zu Essen, und es war ein wenig Geld über.

In dieser Zeit ging der Blick auch in die Welt. Und dieser Blick war leider, wie so oft, sehr traurig. Nicht alle Menschen konnten von der neuen Lage profitieren. Der Hunger in der Welt wurde wieder deutlich sichtbarer.

12 Millionen Menschen in Indien waren von einer aktuellen Hungersnot bedroht. Die katholische Kirche hatte mit ihrer Aktion „Misereor“ einen ersten Schritt getan, den Blick wieder auf die Armut in der Welt zu lenken. Die evangelische Kirche zog nach und rief ihre Aktion „Brot für die Welt“ ins Leben.

Viele Menschen in Deutschland hatten die Hilfsleistungen in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg noch vor Augen. Sie haben den Hunger in den Zeiten dieses Krieges gespürt und wussten, wie es sich anfühlt, nicht zu wissen, ob und wann man wieder etwas zu essen bekommt. Sie wollten das Ihre nun dazu beitragen, dass Menschen dem Hunger entkommen.

Manch einer von ihnen erinnert sich vielleicht an die kleine orangefarbene Spendendose mit der nach oben gestreckten Hand. Der am Boden liegende Mensch sucht nach einem kleinen bisschen Hilfe.

"Wenn Du wieder satt geworden bist, gib 5 Pfennig für die Hungernden". Dieser heute seltsam fremd anmutende Satz traf das damalige Lebensgefühl der Deutschen. Nicht nur 190.000 Exemplare der Broschüre "Brot für die Welt" wurden in der Bundesrepublik und in der DDR verteilt, sowie Faltblätter in Millionenauflage gedruckt und ausgelegt. Es kam auch ein sensationelles Spendenergebnis zustande. Am Ende der Aktion hatten evangelische Christinnen und Christen die für damalige Verhältnisse unglaubliche Summe von über 19 Millionen Mark aufgebracht, davon stammten fast 4,8 Millionen Mark aus der DDR. Zu keiner Zeit hatte eine kirchliche Opfersammlung ein besseres Ergebnis erzielt. Schlicht und unaufgeregt verkündete der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), Bischof D. Dr. Otto Dibelius: "Wir haben einen guten Anfang gemacht."

Diese Spendenaktion war eigentlich als einmalige Sammlung geplant. Doch sehr schnell merkte man, dass diese Hilfe nicht einmalig bleiben durfte. Die Armut in der Welt war zu groß, als dass die Kirchen sich aus ihrer Verantwortung für diese Menschen herausziehen konnten. „Brot für die Welt“ wurde zu einer dauerhaften Einrichtung gemacht und unter dem Dach des Diakonischen Werkes der EKD angesiedelt.

Durch die regelmäßig eingehenden Spenden konnte "Brot für die Welt" seine Hilfsprogramme ständig erweitern. Im Laufe der Jahre entwickelte sich diese Hilfsaktion so zu einem wesentlichen Zweig der diakonischen Arbeit der evangelischen Kirche. Bis zum Jahr 2007 gingen über 1,7 Milliarden Euro an Spenden für Hilfsprojekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und seit einigen Jahren auch in Osteuropa ein.

Das ist ein Riesenbetrag, wenn man bedenkt, dass diese Gelder überwiegend aus privaten Spenden und Aktivitäten zusammengekommen sind. Angesichts der Geldbeträge über die wir während der Finanzkrise sprechen ist dies ein Betrag, der kaum der Rede wert ist. Und doch ist es Geld, das unendlich wichtig ist für die Menschen, die mit Hilfe dieses Geldes neue Lebensmöglichkeiten bekommen.

Hinwendung zu den Armen, das war der Ausgangspunkt. Jesu Hinwendung zu den Armen war das Vorbild dieser Arbeit. Und genau daraus entwickelte sich auch ein ganz bestimmtes Verständnis dieser Arbeit, die mich immer wieder sehr anspricht. Das Geld, das „Brot für die Welt“ einnimmt, wird nicht einfach so verteilt an Stellen, wo Hilfe am dringendsten ist. „Brot für die Welt“ hilft wenig in Katastrophenfällen. Und das hat seinen besonderen Grund. Hilfe für die Notleidenden, die sich auf den König der Armen beruft und auf damit auf den Geist Jesu Christi, diese Hilfe will kein Almosen sein. Ziel der Arbeit ist es, den Menschen in seinen Möglichkeiten ernst zu nehmen, seine Würde als Mensch zu unterstützen und ihm Möglichkeiten zu geben, sein Leben selber in die Hand zu nehmen. Hilfe zur Selbsthilfe, das ist die Formel für einen partnerschaftlichen Umgang mit den Ärmsten der Welt. Die Arbeit von „Brot für die Welt“ will nicht das Geld der Reichen als milde Gabe weitergeben, sondern auf Augenhöhe Eigeninitiativen der Menschen vor Ort fördern.

Miteinander macht man sich auf den Weg, die Lebensverhältnisse so zu verändern, dass Menschen aus ihrer Armut herausfinden, dass sie einen Weg für sich und andere finden, das Leben in die eigene Hand zu nehmen. So wird Jesu Geist am ehesten umgesetzt, wird die Würde der Armen ernst genommen und letztlich auch langfristige Hilfe gewährleistet.

„Das Tägliche Brot der Armen ist christliche Verpflichtung und entwicklungspolitische Zielsetzung zugleich. Denn Jesus sagt: „Was ihr getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir getan.“ (Mt. 25, 40)“

Wenn hier das tägliche Brot angesprochen ist, dann geht es nicht mehr nur um Hunger nach Brot. Sondern nach dem, was Martin Luther ja auch in seinem kleinen Katechismus beschrieben hat, als er die Brotbitte des Vaterunser ausgelegt hat. Brot ist alles, „was Not tut für Leib und Leben – wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld und Gut.“ Das „täglich Brot“ steht für alles Lebensnotwendige, über das alle Menschen in der Welt verfügen sollten.

Wie der Reformator setzt sich „Brot für die Welt“ für das ein, was Menschen brauchen, um in Würde zu leben: menschliche Arbeits- und Lebensbedingungen, ausreichend Nahrung, ein Dach über dem Kopf, Gesundheitsversorgung und Ausbildung – unabhängig von Herkunft und sozialem Status. Den Benachteiligten und sozial Ausgegrenzten ein Leben in Würde zu ermöglichen, ist das Grundanliegen dieser Organisation

Ich stelle diese Arbeit in diesem Gottesdienst so ausführlich vor, einmal natürlich weil diese große Aktion der evangelischen Kirche heute ein Jubiläum begeht. zur 50. Aktion aufruft, zum anderen weil der Basar in Groß Elbe mit der Unterstützung dieser Aktion einmal begonnen hat und in diesem Jahr das Jubiläum aufgreift, diese Aktion wieder zu unterstützen. Für mich ist diese Tätigkeit so etwas wie das Palmwedeln der Menschen, die Jesus vor Jerusalem begrüßten. Wir ehren und anerkennen Jesus am besten dadurch, dass wir uns von ihm auf den Weg bringen lassen, die Not von Menschen ernst zu nehmen und Wege und Möglichkeiten suchen, finden und gehen, um diese Not ein wenig zu lindern. Auch in Zeiten, wo wir über Finanzkrisen und eine schwächer werdende Wirtschaft sprechen, dürfen wir diese Menschen nicht aus den Augen verlieren. Uns geht es gut, wir sind mit Möglichkeiten gesegnet, die nur wenige Menschen auf der Welt haben. Seien wir dankbar dafür und lassen diese Dankbarkeit sichtbar werden. Wir wissen, wir können die Welt damit nicht retten, aber wir können ein deutliches, christliches Zeichen setzen, dass die Hilfe für die Armen zum Wesen unseres Glaubens und zum Dienst des Christen gehört.

Geben wir mit diesem Dienst unserem Gott die Ehre und schenken den Menschen ein Stückchen Hoffnung. Amen

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Liturgischer Ablauf

Begrüßung - Orgelvorspiel

Lied: 13,1-3

Psalm 24 ev. mit Liedruf

Eingangsliturgie - Gebet:

Du wunderbarer Gott,

du kommst zu uns in Jesus Christus, deinem Sohn,

ohne Gewalt und doch stärker als alle Macht der Welt. Du kommst in Armut, um den Armen ganz nahe zu sein.

Lass alle Menschen dein Kommen in die Welt spüren, erhelle die Dunkelheit der Menschen durch dein Licht der Liebe. Das bitten wir durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Lesung: Mt 21, 1-9

Glaubensbekenntnis

Lied: 11,1,2,6-7

Predigt

Lied: 1,1-4

Abkündigungen

Gott, dein Kommen nehmen wir zum Anlass, auf jene zu achten,
die du uns besonders ans Herz legst:
die Heimatlosen und Flüchtenden,
die Hungrigen und Armen,
die Entrechteten und Unterdrückten,
die Kleinen und Unscheinbaren,
die Verängstigten und Mutlosen,
die Kranken und Schwachen,
die Außenseiter und Fremden,
die Traurigen und Enttäuschten,
die Suchenden und Zweifelnden,
die Alten und die Sterbenden ...

Sie alle sehnen sich nach Erlösung. Gott gib uns die Kraft und mach uns fähig, dass wir ihnen ein wenig Hoffnung machen können, Hoffnung die in dir gründet.

Vaterunser

Segen

163

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe

30. 11. 2008

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Ablauf
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