|
|
|
Lesung: Nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und
Johannes, dessen Bruder, und er führte sie allein auf einen hohen Berg.
Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die
Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da
erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. Petrus aber fing an
und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so wollen wir
hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.
Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke.
Und siehe eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn,
an dem ich Wohlgefallen habe; den sollte ihr hören! Als das die Jünger
hörten fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat
zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!
Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.
Und als sie vom Berge hinab gingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr
sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von
den Toten auferstanden ist.
Drei biblische Lesungen haben wir heute gehört: einmal die Berufung des
Mose, dann einen Text von Paulus, der unseren Glauben beschreibt und nun
noch diese Geschichte von der Verklärung Jesu. Wenn sie diese
Geschichten nicht einfach nur so als Lesung hingenommen haben, werden
sie für sich vielleicht gedacht haben, was haben diese drei Lesungen
miteinander zu tun? So sehr unterschiedliches wird da erzählt. Mir als
Theologen ging es da ganz anders. Ich bin ja gehalten heute diese
Verklärungsgeschichte auszulegen. Und als ich einiges dazu gelesen hatte
und dann die anderen Bibeltexte dieses Sonntages überflogen hatte,
dachte ich: das ist etwas, was wirklich zusammenpasst. Ich will auch
ganz bewusst alle drei Texte in diesem Gottesdienst heute morgen laut
werden lassen und sie einbeziehen in meine Auslegung. Ich hoffe, es
gelingt mir, ihnen diese drei Texte so nahe zu bringen, dass auch sie
etwas davon mitnehmen können.
Um die Verklärung Jesu soll es vornehmlich gehen. Wie so oft muss man
hier wieder einmal sagen, dass Matthäus hier etwa aufschreibt, was
historisch so wohl nie stattgefunden hat. Was wir da hören und vor Augen
haben, ist eine Glaubensgeschichte, die ihre Wahrheit darin hat, dass
hier Glaubenswahrheit in der Form einer Geschichte ausgesprochen wird.
D.h., es geht nicht um einen historisch beweisbaren Vorgang, sondern um
die darin ausgesprochene Glaubenswahrheit. Und so möchte ich diesen
Bibeltext auch betrachten.
Jesus geht mit drei Jüngern auf den Berg. Das heißt zum einen, Jesus
führt die Jünger zunächst einmal heraus aus allem, was man so als Alltag
beschreiben könnte. Es wird eine Erfahrung erzählt, die man so im Alltag
nicht machen kann, wo einen so vieles ablenkt und nicht zum Kern der
Sache vordringen lässt. Alleinsein, Stille, Ruhe, das sind wichtige
Vorraussetzungen für Glaubenserfahrungen und die Erkenntnis von
Glaubenswahrheiten. Das heißt nicht, dass nicht auch mitten im Trubel
des Lebens Gott erfahren werden könnte. Sicher ist das möglich, aber die
Ruhe bietet dazu mehr Möglichkeiten. Deshalb trifft man sich zum
Gottesdienst auch in einem eigenen Raum, nimmt sich Zeit, sucht auch die
Möglichkeit zur inneren Stille und Auseinandersetzung.
Zum anderen aber ist der Berg auch noch ein Bild für etwas anderes. Ein
Berg ist so etwas wie der Mittelpunkt der Welt, zumindest innerhalb der
uns erreichbaren Sphären. Auf dem Berg stehen wir zwischen Himmel und
Erde. Wir sind dem Himmel nahe und gleichzeitig mit der Erde verbunden.
Und auch die Horizonte links und rechts sind zu sehen und gehören dazu.
Deshalb kann man von einem Mittelpunkt der Welt sprechen.
Dorthin begibt sich Jesus mit seinen Freunden, oder anders gesagt, Jesus
führt die Jünger und führt uns zur Mitte der Welt.
Hier nun wird Jesus verklärt. Sein Gesicht wird leuchtend, seine Kleider
weiß wie Schnee. Wir können uns das vielleicht durch heutige Filmtechnik
ganz gut vorstellen. Jesus wird durch die Verklärung anders. Er ist
nicht mehr ganz menschlich, aber ist auch noch nicht ganz göttlich. Die
ganze Szene hat etwas sehr außerirdisches und ist doch ganz bei uns
Menschen. Denn hier wird deutlich, dass es jetzt um die Bedeutung der
Person Jesu geht. Seine Wahrheit, die Wahrheit des Glaubens an Jesus
Christus wird lebendig. Es ist die leuchtende Wahrheit des Lichtes für
unsere Welt, für unser Leben, die da auf uns zukommt.
Worin besteht diese Wahrheit? Sie liegt in den beiden Personen, die da
nun auftauchen: Mose und Elia. Diese beiden Personen des Alten
Testamentes stehen auf Grund ihrer Geschichte und Persönlichkeit für
bestimmte Glaubenserfahrungen, die mit Jesus zusammenhängen.
Von Mose haben wir ja schon gehört. Mose wird von Gott beauftragt, das
Volk Israel, das unter großer Bedrückung in Ägypten lebt, daraus
befreien und in das gelobte Land führen. Für Israel ging es um Befreiung
aus der Knechtschaft, aus bedrückenden politischen und
gesellschaftlichen Verhältnissen, es ging um Freiheit gegenüber den
einengenden und versklavenden Lebensverhältnissen in Ägypten. Das Volk
lebte rechtlos in einem fremden Land, es war in seinem ganzen Dasein
versklavt, ausgebeutet in seiner Arbeitskraft und betrogen um die eigene
Zukunft, denn die Kinder sollten ermordet werden. Aus dieser Situation
sollte Mose befreien.
Bis heute steht dieses Geschehen ja symbolisch für alle möglichen
Knechtschaftsverhältnisse in denen wir Menschen leben. Sei es der Druck
in der Arbeit, in der Familie, in den sozialen Gegebenheiten des
Wohnumfeldes oder der Druck in der Schule, in der Gruppe oder gar auch
in mir selber. Alles, wodurch wir den Eindruck haben, dass unsere innere
und äußere Freiheit beschnitten wird, fällt unter dieses Bild der
Knechtschaft und unter den Gedanken der Befreiung, wie ihn Mose vor
Augen führt. Mose zeigt: Gott will keine Knechtschaft, Gott will freie
Menschen, Menschen die ohne Druck leben können. Gott will, dass wir frei
Leben können unter guten Verhältnissen. Gott will für uns da sein, auf
unserem Weg in die Freiheit, so lautet ja auch sein Name, wie wir gehört
haben: Ich werde für euch da sein.
Um eine andere Art von Freiheit ging es bei Elia. Elia war ein Prophet,
der den Götzendienst der Menschen angeprangert und als nichtig erklärt
hat. Freiheit von den Götzen, die nichts tun können, die machtlos sind,
Freiheit von den falschen Bindungen an Mächte, die nur leere
Versprechungen machen, das war das Programm des Elia.
Diese Gedanken der Freiheit sind ganz eng auch mit Jesus verbunden.
Freiheit wollte er bringen, Freiheit von äußeren Zwängen des Lebens,
Freiheit von den inneren Zwängen. Jesus will wohl eine Bindung für die
Menschen, aber wenn Menschen sich schon binden, dann doch so, dass sie
darin wahre Freiheit erfahren. Bindung an Gott, Bindung an Jesus
Christus ist ja keine Einengung des Lebens, auch wenn es Gebote und
Regeln gibt, die Jesus auch aufrechterhält. Bindung an Gott schenkt eine
Freiheit, die befreit von den falschen Bindungen des Lebens, die befreit
von Bindungen, die uns krank machen, die uns lieblos werden lassen, die
uns unsere Menschlichkeit nehmen. Es geht um einen menschlichen Gott,
einen freimachenden Gott, wenn Jesus von Gott spricht.
Wie sieht das im christlichen Leben konkret aus: nun das haben wir von
Paulus gehört. Im Angesicht Christi sehen wir die Herrlichkeit Gottes,
in ihm haben wir Freiheit und eine menschliche, unser Leben bereichernde
Bindung. Im Glauben, in unserem inneren Gebundensein an Gott, in diesem
zerbrechlichen Gefäß des Vertrauens auf Gott, haben wir einen Schatz,
der uns mit der Kraft Gottes verbindet. Dann mögen uns die tagtäglichen
Ereignisse berühren, aber sie können uns nie ganz einnehmen und von Gott
losreißen. Wir werden von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns
nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung,
aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen
nicht um. Das war die Lebenswirklichkeit des Paulus, der trotz aller
negativen Erfahrungen eine innere Freiheit bewahren konnte, die er eben
aus dem Glauben an Jesus Christus schöpfen konnte. Er war frei, sich
nicht von den Erfahrungen gefangen nehmen zu lassen, sondern sich der
Macht Gottes anzuvertrauen, die tiefer greift als alles menschlich
Sichtbare und Erfahrbare.
Und das meint denn auch die Verklärung. Es wird im Glauben sichtbar,
dass in Jesus diese Macht Gottes aufscheint, dass Jesus eine Freiheit
vorgelebt hat und sie uns weitergeben kann, die eben größer ist als alle
menschliche Freiheit. Jesus wird durchsichtig für diese Macht Gottes,
der wir uns im Glauben anvertrauen können. Das ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Wohlgefallen haben. Schon bei der Taufe Jesu wurde dieser
Satz gesagt, jetzt wird er noch einmal wiederholt, um wirklich deutlich
festzumachen: In Jesus können wir diese Macht Gott sehen, an ihm können
wir die Freiheit erfahren, die Gott für uns, seine Kinder, will.
Die Jünger wollten diese Glaubenserfahrung festhalten. Sie wollten
Hütten bauen für Mose, Elia und Jesus. Doch so geht das im Glauben
nicht. Die Erfahrung von Freiheit kann nicht einfach so konserviert
werden. Wir können als Christen nicht abseits von der Welt leben, wir
gehören in sie hinein. Deshalb auch müssen die Jünger wieder vom Berg
herabsteigen. In das Leben, das Paulus geschildert hat, gilt es
zurückzugehen. Auf dem Rückweg spricht Jesus auch schon von seinem
kommenden Leiden und unten begegnen die Jünger und Jesus dann auch
gleich wieder der Not des Lebens: Eltern, die einen kranken Jungen
haben, der oft ins Wasser oder Feuer fiel. Hier zeigt Jesus noch einmal
seine Macht, Menschen zu befreien von ihrer Angst und Not, indem er den
Jungen heilt.
Aber genau das ist es auch, was wichtig ist. Es geht im Glauben nicht
nur um bestimmte Erkenntnisse, um innere Erlebnisse auf einem Berg, in
ruhigen Situationen, vielleicht sogar in einem Gottesdienst. So wichtig
dies ist, Glaube bleibt nur lebendig, wenn wir wieder ins Leben
zurückgehen. Glaube will mitten im Leben gelebt werden, dort wo Menschen
sind, wo der Alltag herrscht, wo es Zweifel und Anfechtung gibt. Die
Verklärung Jesu und sein anschließender Weg ans Kreuz macht dabei
deutlich, der Glaube entnimmt uns nicht dem Leben, aber er verbindet uns
eben mit einer Kraft, die größer ist als alle menschliche Kraft, und die
uns stärkt, im Leben unseren Weg zu gehen.
Möge uns allen beides beschieden sein: Erfahrungen der Verklärung,
Erfahrungen, wo wir im Glauben die Gegenwart Gottes spüren, und die
Kraft, die uns trägt, wenn das Leben in all seiner Härte auf uns
zukommt.
Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 70,1-4
Psalm 97
Eingangsliturgie
Gebet des Tages: Herr Jesus Christus, du bist das Licht der Welt. So
bitten wir dich: erleuchte unsere Herzen durch den Glanz deiner
Erscheinung. Gib uns Kraft, dass wir dein Licht weiter tragen können zu
denen, die dich und uns so nötig brauchen. Hilf uns, dein Wort zu hören
und zu verstehen, heute hier in diesem Gottesdienst, aber auch anderswo,
wo du mit uns sprichst. Das bitten wir dich, der du mit dem Vater und
dem Heiligen Geist....
Lesung: 2. Mose 3,1-14
Lied: 67, 1-4
Lesung: 2. Kor. 4, 6-10 - Glaubensbekenntnis
Lied: 66, 1-3+5
Predigt
Lied: Uns muss erst noch ein Licht aufgehn (Mel. 27)
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gütiger Vater im Himmel!
Glaube hat etwas damit zu tun, dass wir heraustreten aus der Welt, dass
wir von deiner Wahrheit und Wirklichkeit leben. Wir bitten dich führe
uns Menschen immer wieder an Orte, wo wir deine Wahrheit erkennen.
Schenke uns dazu die Ruhe und Abgeschiedenheit inmitten unserer
hektischen Welt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die im Glauben verwurzelt sind, dass sie die
Welt im Blick haben mit all ihren Nöten und Sorgen, mit den Leiden und
Freuden die in ihr auftauchen. Schenke du Kraft und Stärke, dieser
Lebenswirklichkeit entgegen zu gehen, um Menschen hilfreich zur Seite zu
stehen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die sich in religiösen Ideen verrannt und die Welt
aus dem Blick verloren haben. Öffne ihnen die Augen dafür, hilf ihnen
den Weg zurück in die Welt zu finden. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir bitten für alle, die sich den Nöten der Welt stellen wollen, denen
aber die Kraft abhanden kommt. Stärke du sie neu, dass sie hilfreich
wirken können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die in unserem Gemeinden krank danieder liegen,
deren Leben immer schwerer wird, und für alle, die diese Menschen
begleiten. Schenke ihnen Geduld und Hoffnung, die über alles menschliche
Denken hinausreicht. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten, gütiger Gott, für den Frieden in der Welt. Mögen die Kräfte
der Vernunft und der Sorge um die Menschen in den politischen
Verhandlungen obsiegen und Krieg abgewendet werden. Darum rufen wir zu
dir: Herr, erbarme dich.
Stille
Vaterunser
Segen
421
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
| |
|