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 Mt. 17, 1-9

Lesung: Nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und er führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so wollen wir hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.
Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollte ihr hören! Als das die Jünger hörten fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.
Und als sie vom Berge hinab gingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Drei biblische Lesungen haben wir heute gehört: einmal die Berufung des Mose, dann einen Text von Paulus, der unseren Glauben beschreibt und nun noch diese Geschichte von der Verklärung Jesu. Wenn sie diese Geschichten nicht einfach nur so als Lesung hingenommen haben, werden sie für sich vielleicht gedacht haben, was haben diese drei Lesungen miteinander zu tun? So sehr unterschiedliches wird da erzählt. Mir als Theologen ging es da ganz anders. Ich bin ja gehalten heute diese Verklärungsgeschichte auszulegen. Und als ich einiges dazu gelesen hatte und dann die anderen Bibeltexte dieses Sonntages überflogen hatte, dachte ich: das ist etwas, was wirklich zusammenpasst. Ich will auch ganz bewusst alle drei Texte in diesem Gottesdienst heute morgen laut werden lassen und sie einbeziehen in meine Auslegung. Ich hoffe, es gelingt mir, ihnen diese drei Texte so nahe zu bringen, dass auch sie etwas davon mitnehmen können.
Um die Verklärung Jesu soll es vornehmlich gehen. Wie so oft muss man hier wieder einmal sagen, dass Matthäus hier etwa aufschreibt, was historisch so wohl nie stattgefunden hat. Was wir da hören und vor Augen haben, ist eine Glaubensgeschichte, die ihre Wahrheit darin hat, dass hier Glaubenswahrheit in der Form einer Geschichte ausgesprochen wird. D.h., es geht nicht um einen historisch beweisbaren Vorgang, sondern um die darin ausgesprochene Glaubenswahrheit. Und so möchte ich diesen Bibeltext auch betrachten.
Jesus geht mit drei Jüngern auf den Berg. Das heißt zum einen, Jesus führt die Jünger zunächst einmal heraus aus allem, was man so als Alltag beschreiben könnte. Es wird eine Erfahrung erzählt, die man so im Alltag nicht machen kann, wo einen so vieles ablenkt und nicht zum Kern der Sache vordringen lässt. Alleinsein, Stille, Ruhe, das sind wichtige Vorraussetzungen für Glaubenserfahrungen und die Erkenntnis von Glaubenswahrheiten. Das heißt nicht, dass nicht auch mitten im Trubel des Lebens Gott erfahren werden könnte. Sicher ist das möglich, aber die Ruhe bietet dazu mehr Möglichkeiten. Deshalb trifft man sich zum Gottesdienst auch in einem eigenen Raum, nimmt sich Zeit, sucht auch die Möglichkeit zur inneren Stille und Auseinandersetzung.
Zum anderen aber ist der Berg auch noch ein Bild für etwas anderes. Ein Berg ist so etwas wie der Mittelpunkt der Welt, zumindest innerhalb der uns erreichbaren Sphären. Auf dem Berg stehen wir zwischen Himmel und Erde. Wir sind dem Himmel nahe und gleichzeitig mit der Erde verbunden. Und auch die Horizonte links und rechts sind zu sehen und gehören dazu. Deshalb kann man von einem Mittelpunkt der Welt sprechen.
Dorthin begibt sich Jesus mit seinen Freunden, oder anders gesagt, Jesus führt die Jünger und führt uns zur Mitte der Welt.
Hier nun wird Jesus verklärt. Sein Gesicht wird leuchtend, seine Kleider weiß wie Schnee. Wir können uns das vielleicht durch heutige Filmtechnik ganz gut vorstellen. Jesus wird durch die Verklärung anders. Er ist nicht mehr ganz menschlich, aber ist auch noch nicht ganz göttlich. Die ganze Szene hat etwas sehr außerirdisches und ist doch ganz bei uns Menschen. Denn hier wird deutlich, dass es jetzt um die Bedeutung der Person Jesu geht. Seine Wahrheit, die Wahrheit des Glaubens an Jesus Christus wird lebendig. Es ist die leuchtende Wahrheit des Lichtes für unsere Welt, für unser Leben, die da auf uns zukommt.
Worin besteht diese Wahrheit? Sie liegt in den beiden Personen, die da nun auftauchen: Mose und Elia. Diese beiden Personen des Alten Testamentes stehen auf Grund ihrer Geschichte und Persönlichkeit für bestimmte Glaubenserfahrungen, die mit Jesus zusammenhängen.
Von Mose haben wir ja schon gehört. Mose wird von Gott beauftragt, das Volk Israel, das unter großer Bedrückung in Ägypten lebt, daraus befreien und in das gelobte Land führen. Für Israel ging es um Befreiung aus der Knechtschaft, aus bedrückenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, es ging um Freiheit gegenüber den einengenden und versklavenden Lebensverhältnissen in Ägypten. Das Volk lebte rechtlos in einem fremden Land, es war in seinem ganzen Dasein versklavt, ausgebeutet in seiner Arbeitskraft und betrogen um die eigene Zukunft, denn die Kinder sollten ermordet werden. Aus dieser Situation sollte Mose befreien.
Bis heute steht dieses Geschehen ja symbolisch für alle möglichen Knechtschaftsverhältnisse in denen wir Menschen leben. Sei es der Druck in der Arbeit, in der Familie, in den sozialen Gegebenheiten des Wohnumfeldes oder der Druck in der Schule, in der Gruppe oder gar auch in mir selber. Alles, wodurch wir den Eindruck haben, dass unsere innere und äußere Freiheit beschnitten wird, fällt unter dieses Bild der Knechtschaft und unter den Gedanken der Befreiung, wie ihn Mose vor Augen führt. Mose zeigt: Gott will keine Knechtschaft, Gott will freie Menschen, Menschen die ohne Druck leben können. Gott will, dass wir frei Leben können unter guten Verhältnissen. Gott will für uns da sein, auf unserem Weg in die Freiheit, so lautet ja auch sein Name, wie wir gehört haben: Ich werde für euch da sein.
Um eine andere Art von Freiheit ging es bei Elia. Elia war ein Prophet, der den Götzendienst der Menschen angeprangert und als nichtig erklärt hat. Freiheit von den Götzen, die nichts tun können, die machtlos sind, Freiheit von den falschen Bindungen an Mächte, die nur leere Versprechungen machen, das war das Programm des Elia.
Diese Gedanken der Freiheit sind ganz eng auch mit Jesus verbunden. Freiheit wollte er bringen, Freiheit von äußeren Zwängen des Lebens, Freiheit von den inneren Zwängen. Jesus will wohl eine Bindung für die Menschen, aber wenn Menschen sich schon binden, dann doch so, dass sie darin wahre Freiheit erfahren. Bindung an Gott, Bindung an Jesus Christus ist ja keine Einengung des Lebens, auch wenn es Gebote und Regeln gibt, die Jesus auch aufrechterhält. Bindung an Gott schenkt eine Freiheit, die befreit von den falschen Bindungen des Lebens, die befreit von Bindungen, die uns krank machen, die uns lieblos werden lassen, die uns unsere Menschlichkeit nehmen. Es geht um einen menschlichen Gott, einen freimachenden Gott, wenn Jesus von Gott spricht.
Wie sieht das im christlichen Leben konkret aus: nun das haben wir von Paulus gehört. Im Angesicht Christi sehen wir die Herrlichkeit Gottes, in ihm haben wir Freiheit und eine menschliche, unser Leben bereichernde Bindung. Im Glauben, in unserem inneren Gebundensein an Gott, in diesem zerbrechlichen Gefäß des Vertrauens auf Gott, haben wir einen Schatz, der uns mit der Kraft Gottes verbindet. Dann mögen uns die tagtäglichen Ereignisse berühren, aber sie können uns nie ganz einnehmen und von Gott losreißen. Wir werden von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Das war die Lebenswirklichkeit des Paulus, der trotz aller negativen Erfahrungen eine innere Freiheit bewahren konnte, die er eben aus dem Glauben an Jesus Christus schöpfen konnte. Er war frei, sich nicht von den Erfahrungen gefangen nehmen zu lassen, sondern sich der Macht Gottes anzuvertrauen, die tiefer greift als alles menschlich Sichtbare und Erfahrbare.
Und das meint denn auch die Verklärung. Es wird im Glauben sichtbar, dass in Jesus diese Macht Gottes aufscheint, dass Jesus eine Freiheit vorgelebt hat und sie uns weitergeben kann, die eben größer ist als alle menschliche Freiheit. Jesus wird durchsichtig für diese Macht Gottes, der wir uns im Glauben anvertrauen können. Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen haben. Schon bei der Taufe Jesu wurde dieser Satz gesagt, jetzt wird er noch einmal wiederholt, um wirklich deutlich festzumachen: In Jesus können wir diese Macht Gott sehen, an ihm können wir die Freiheit erfahren, die Gott für uns, seine Kinder, will.
Die Jünger wollten diese Glaubenserfahrung festhalten. Sie wollten Hütten bauen für Mose, Elia und Jesus. Doch so geht das im Glauben nicht. Die Erfahrung von Freiheit kann nicht einfach so konserviert werden. Wir können als Christen nicht abseits von der Welt leben, wir gehören in sie hinein. Deshalb auch müssen die Jünger wieder vom Berg herabsteigen. In das Leben, das Paulus geschildert hat, gilt es zurückzugehen. Auf dem Rückweg spricht Jesus auch schon von seinem kommenden Leiden und unten begegnen die Jünger und Jesus dann auch gleich wieder der Not des Lebens: Eltern, die einen kranken Jungen haben, der oft ins Wasser oder Feuer fiel. Hier zeigt Jesus noch einmal seine Macht, Menschen zu befreien von ihrer Angst und Not, indem er den Jungen heilt.
Aber genau das ist es auch, was wichtig ist. Es geht im Glauben nicht nur um bestimmte Erkenntnisse, um innere Erlebnisse auf einem Berg, in ruhigen Situationen, vielleicht sogar in einem Gottesdienst. So wichtig dies ist, Glaube bleibt nur lebendig, wenn wir wieder ins Leben zurückgehen. Glaube will mitten im Leben gelebt werden, dort wo Menschen sind, wo der Alltag herrscht, wo es Zweifel und Anfechtung gibt. Die Verklärung Jesu und sein anschließender Weg ans Kreuz macht dabei deutlich, der Glaube entnimmt uns nicht dem Leben, aber er verbindet uns eben mit einer Kraft, die größer ist als alle menschliche Kraft, und die uns stärkt, im Leben unseren Weg zu gehen.
Möge uns allen beides beschieden sein: Erfahrungen der Verklärung, Erfahrungen, wo wir im Glauben die Gegenwart Gottes spüren, und die Kraft, die uns trägt, wenn das Leben in all seiner Härte auf uns zukommt. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 70,1-4
Psalm 97
Eingangsliturgie
Gebet des Tages: Herr Jesus Christus, du bist das Licht der Welt. So bitten wir dich: erleuchte unsere Herzen durch den Glanz deiner Erscheinung. Gib uns Kraft, dass wir dein Licht weiter tragen können zu denen, die dich und uns so nötig brauchen. Hilf uns, dein Wort zu hören und zu verstehen, heute hier in diesem Gottesdienst, aber auch anderswo, wo du mit uns sprichst. Das bitten wir dich, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist....
Lesung: 2. Mose 3,1-14
Lied: 67, 1-4
Lesung: 2. Kor. 4, 6-10 - Glaubensbekenntnis
Lied: 66, 1-3+5
Predigt
Lied: Uns muss erst noch ein Licht aufgehn (Mel. 27)
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gütiger Vater im Himmel!
Glaube hat etwas damit zu tun, dass wir heraustreten aus der Welt, dass wir von deiner Wahrheit und Wirklichkeit leben. Wir bitten dich führe uns Menschen immer wieder an Orte, wo wir deine Wahrheit erkennen. Schenke uns dazu die Ruhe und Abgeschiedenheit inmitten unserer hektischen Welt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die im Glauben verwurzelt sind, dass sie die Welt im Blick haben mit all ihren Nöten und Sorgen, mit den Leiden und Freuden die in ihr auftauchen. Schenke du Kraft und Stärke, dieser Lebenswirklichkeit entgegen zu gehen, um Menschen hilfreich zur Seite zu stehen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die sich in religiösen Ideen verrannt und die Welt aus dem Blick verloren haben. Öffne ihnen die Augen dafür, hilf ihnen den Weg zurück in die Welt zu finden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die sich den Nöten der Welt stellen wollen, denen aber die Kraft abhanden kommt. Stärke du sie neu, dass sie hilfreich wirken können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die in unserem Gemeinden krank danieder liegen, deren Leben immer schwerer wird, und für alle, die diese Menschen begleiten. Schenke ihnen Geduld und Hoffnung, die über alles menschliche Denken hinausreicht. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten, gütiger Gott, für den Frieden in der Welt. Mögen die Kräfte der Vernunft und der Sorge um die Menschen in den politischen Verhandlungen obsiegen und Krieg abgewendet werden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Stille
Vaterunser
Segen
421

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe
Gustedt

Letzter n. Epiphanias
9.2.2003

Liturgischer
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