Predigt

NT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Matthäus 13, 44-46

Ich weiß nicht, wie Sie Geschenke für bestimmte Anlässe einkaufen. Jeder hat da ja so seine ganz bestimmte Methode. Die einen überlegen sich sehr genau zu Hause, was sie verschenken wollen und gehen dann zielstrebig in die Stadt in den Laden, wo sie das Gesuchte vermuten. Bei mir ist das anders. Ich weiß meistens gar nicht so genau, was ich will. Ich habe eine Idee, aber die ist meistens so undeutlich in mir, dass ich zwar weiß, was ich nicht will, aber ich kann nicht genau sagen, was ich will. Ich gehe dann in bestimmte Geschäfte und schaue mich um, aber eben nicht mit zielgerichteten Gedanken. Und dann geht es meistens so, dass ich irgendetwas sehe, das mir gefällt, von dem ich dann der Meinung bin, das ist es, das will ich gerne verschenken.

Ich habe bei einem solchen Einkauf gesucht, ich bin bewusst losgegangen, um ein Geschenk zu kaufen, aber das Geschenk selber ist mir dabei eher zugefallen. Ich habe es gefunden, so wie man zufällig etwas findet, es ist trotz einer unbewussten Idee in mir dann doch auch eine Überraschung für mich.

So ähnlich mag es auch dem Kaufmann gegangen sein, von dem Jesus in seinem Gleichnis erzählt hat. Der war ja auch auf der Suche nach Perlen. Vielleicht handelte er damit, vielleicht war er aber auch nur ein Liebhaber von Perlen und sammelte sie um seiner Freude willen, so wie manch einer von uns hübsches und wertvolles Geschirr oder Briefmarken sammelt. Dieser Kaufmann suchte also und fand auch eine Perle. Wahrscheinlich eben so, wie ich ein Geschenk finde, überraschend, unverhofft, trotz bewussten Suchens.

So richtig überraschend und unverhofft hat der Ackerbauer in dem anderen Gleichnis etwas gefunden. Während seiner Arbeit mag er beim Pflügen völlig unerwartet auf einen harten Gegenstand gestoßen sein. Sicherlich zunächst fluchend, dass wieder einmal ein Stein im Wege liegt, machte er sich an die Arbeit den harten Gegenstand auszugraben, um ihn zu beseitigen. Doch bei dieser Arbeit macht er die Entdeckung, dass nicht ein Stein seine Arbeit behindert hat, sondern dass er einen verborgenen Schatz entdeckt, eben gefunden hat. Übrigens ein durchaus nicht an den Haaren herbeigezogenes Gleichnis, denn auch damals wurden, wie auch bei uns in unruhigen Zeiten, wertvolle Gegenstände vergraben. So glaubte man sie am sichersten aufbewahrt.

Worum es aber geht, ist, dass hier mitten in der alltäglichen Arbeit, ein so wertvoller Schatz gefunden wird, dass der Arbeiter sich aufmacht, alles zu verkaufen, um diesen Acker mit seinem Schatz zu erwerben. So handelte ja auch der Kaufmann, der eine besonders wertvolle Perle gefunden hat.

Warum erzählt Jesus diese Gleichnisse, und warum habe ich diesen Gleichnissen meine Einkaufserfahrungen vom Schenken vorangestellt? Der heutige Predigttext führt uns in Gedanken zum Reich Gottes ein und wie wir darin vorkommen.

Dem Himmelreich, dem Reich Gottes gleicht der Schatz im Acker, der ohne eigenes zu tun gefunden wird, es gleicht der Perle, die zwar gesucht, aber dennoch überraschend gefunden wird. Die gute Welt Gottes, wie eine neuere Übersetzung den Begriff Reich Gottes überträgt, so macht Jesus deutlich, das ist etwas, das da ist, das vor uns da ist und das wir nur zu entdecken brauchen. Solche Entdeckungen des Reiches Gottes geschehen auch bei uns, für jeden jedoch auf sehr unterschiedliche Weise. Da geht es dem einen von uns so wie diesem Ackermann. Inmitten der alltäglichen Arbeit, inmitten des oftmals auch beschwerlichen Lebens, wo mehr oder minder beschwerlich ein Furche nach der anderen auf unserem Lebensacker gezogen wird, mitten in diesem Pflügen durch die Lebenszeit, da stößt jemand auf etwas. Da stellt sich etwas in den Weg, das einen nicht so einfach weiterkommen lässt. Wir werden nun zunächst an Erfahrungen unserer menschlichen Grenzen denken, an Krankheit, Leiden und Tod, vielleicht an den Tod der Großeltern, Eltern oder dem eines Freundes. Oder an andere Grenzerfahrungen, die den glatten Weg unseres Lebens unterbrochen haben. Erfahrungen, die uns nachdenklich gemacht haben, die uns über Sinn und Ziel des ganzen haben nachsinnen lassen. Vielleicht waren es aber auch Glückserfahrungen, die dies bewirkt haben: die Freude an der Geburt eines Kindes, die Freude und Dankbarkeit, einer Gefahr entgangen zu sein, die Freude, Liebe erfahren zu haben.

Es gibt solche besonderen Situationen im Leben, in denen die Frage nach dem Leben, die Frage nach Gott plötzlich aufbricht, in denen Gott in unser Leben einbricht und wir dann auf einmal wissen und davon überzeugt sind, Gott ist da und er ist auch für mich da. Mit einem Male ist Gott gefunden, ist Glaube und Gewissheit gefunden, ist ein Halt fürs Leben da, der vieles andere um uns herum überflüssig, zweitrangig macht. Gottes Himmelreich leuchtet auf und bereitet große Freude. Und bei manch einem ist da eine so große Freude, dass er zwar nicht alles stehn und liegen lässt oder verkauft, aber doch so dass sich vieles ändert, dass man wirklich sehen kann, hier ist etwas passiert.

Neben diesem so offensichtlich unerwarteten Finden des Glaubens oder des Reiches Gottes gibt es aber auch das bewusste Suchen. Viele Menschen fragen von sich aus nach Sinn und Ziel des Lebens und sie machen sich dabei viele Gedanken. Ganz aktiv begeben sie sich an die Arbeit und versuchen, Gott zu entdecken. Und das führt dazu, dass sie Gott entdecken. Und wenn sie genau hinsehen, dann ist es wie in dem Gleichnis: nicht das Suchen hat den Erfolg gebracht. Das Finden der Perle, das Finden Gottes war ebenso unerwartet und unverhofft, wie bei dem Schatz im Acker ober bei dem Kauf eines Geschenkes.

So denke ich, ist das z.B. mit der Beschäftigung mit der Person Jesu Christi. Man hört etwas über ihn, man liest etwas über ihn, man versucht zu verstehen, was er getan hat, was er gesagt und gedacht hat. Man versucht seinen Lebensweg zu begreifen, aber alle diese Bemühungen sind noch nicht Glaube an Jesus Christus. Erst wenn er uns selbst anspricht, wenn das, was er gesagt, getan und erlitten hat, uns zum Schatz im Acker wird, zur lang gesuchten Perle, dann entsteht Leben schaffender Glaube, ein Glaube, der dann ein wahres Geschenk Gottes ist, für das man alles andere stehen und liegen läßt.

Für die gute Welt Gottes alles stehen und liegen lassen, das beschreiben diese beiden Gleichnisse Jesu. Das bedeutet ja, dass der Glaube auch Konsequenzen zeitigt, dass sich das Leben wegen des Glaubens auch verändert. Und zwar doch recht massiv, denn die beiden Personen des Gleichnisses lassen alles andere dafür beiseite, setzten alles in ihrem Leben dahinein, nun für diese gute Welt Gottes zu leben.

Wie sieht das so in unserem Erfahrungsbereich aus? Doch häufig so, dass wir den Glauben so als eine Nebensache betrachten. Wer nur noch von Gott her denkt, ihn gar immer wieder im Munde führt, wird schnell als frömmelnd und weltfremd abgetan. Aber ich denke, es gibt auch andere Formen, den Glauben immer wieder ins Leben einzubeziehen und zum Mittelpunkt des Lebens zu machen. Z.B. dadurch, dass wir unser Leben und das, was sich darin ereignet, aus der Perspektive des Glaubens, aus der Perspektive Jesu und der Perspektive Gottes zu verstehen suchen.

Lassen sie mich dies an zwei Beispielen deutlich machen. Einmal dem großen Thema dieser Tage: das Klonen von Menschen, das die beiden Forscher vorhaben.

Beim Schaf Dolly haben wir gesehen, welche Aufmerksamkeit der erfolgreiche Versuch des Klonens erzielt hat. War das nicht aus so etwas, wie der Schatz im Ackerfeld der Naturwissenschaft. Für diese Möglichkeit alles beiseitelegen und nur noch dafür leben. Welche Möglichkeiten stecken darin, wenn wir nur noch gesunde Menschen haben könnten?

Wäre das, das Reich Gottes, die gute Welt Gottes? Ich behaupte nein. Die Bibel spricht den Glaubenssatz am Ende des Schöpfungsberichtes aus: Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte. Und siehe, es war sehr gut. Für mich heißt das, dass diese Welt, so wie sie ist, in ihrer nicht perfekten Art, mit all den Fehlern, den Behinderungen, Krankheiten und Leidensformen nicht abzuwerten ist, sondern Gott es als ganzes so für gut befindet. Und auch das Leid, an dem Gott mit leidet am Kreuz, gehört hinein in diese Welt, die wir als Gottes Welt beschreiben. Gott wollte keinen perfekten Menschen, er wollte die Veränderung, die Unterschiedlichkeit, die bedrückenden Seiten des Lebens, weil nur so die Fülle des Lebens sichtbar werden kann. Es ist menschlicher Hochmut, wenn wir meinen eine Welt erschaffen zu können, die in unseren Augen besser und leidloser ist, dass wir gar Menschen herstellen können, die einem Ideal entsprechen oder so sind, wie ein anderer gewesen ist. Gerade der Mensch ist ein einmaliges Geschöpf, nicht wiederholbar, einzigartig. Der Wunsch, diese Einzigartigkeit aufbrechen zu wollen, vernichtet die einzigartige Würde des Menschen und macht ihn zum Objekt. Doch wo dies geschieht, da zerbricht Menschlichkeit und humanitäres Denken, da zerbricht auch der Glaube, dass Gott das Leben trägt und eben nicht der Mensch. Der Schatz im Acker und die gesuchte Perle, für die man alles andere stehen und liegen lässt, bedeutet für mich in diesem Bereich, dass wir all unsere Kraft für menschliche Hilfsentwicklungen einsetzen, die nachhaltig das Leben von Menschen überall auf der Erde verbessert, statt eigensüchtig und vermutlich eher wirtschaftlich geprägte, menschenunwürdige Forschung zu betreiben.

Das andere Beispiel, das uns sicher sehr viel näher liegt, das wäre ein Leben im Geiste der Versöhnung. Dies ist eines der wichtigsten Gedanken des christlichen Glaubens. Jesus hat gerade die Versöhnung in den Mittelpunkt seiner Botschaft von der guten Welt Gottes gestellt. Aber wir kennen das alle. Da hat uns jemand Übles getan, mit Worten verletzt oder in irgendeiner anderen Weise schlecht behandelt. Man ist im Streit, redet nicht miteinander, will miteinander nichts zu tun haben, obgleich man doch recht eng verbunden war. Das einzige, was helfen kann, das wäre die gereichte Hand, das erlösende Wort der Verzeihung, ob nun mit oder ohne Aussprache. Aber es fällt uns so unendlich schwer, diesen Weg zu gehen, weil er oft als Niederlage verstanden wird, als ein Zeichen der Schwäche. Dabei zeigt uns gerade unser Glaube, dass Gott selber in all seiner Größe und Macht, diesen Weg der Versöhnung gegangen ist. ER hat nicht auf sein Recht gepocht, hat nicht erst von den Menschen gefordert, dass sie anders werden müssten, bevor er Versöhnung anbieten könnte. Nein, er hat von sich aus den Schritt auf die Menschen zugetan. Jesus hat seine Versöhnung gerade denen gebracht, die als Gegner angesehen wurden. Und er hat so ein Beispiel gegeben für die Versöhnung, die wir einander schenken können. Der Schatz im Acker, der gefundene Glaube, er könnte uns dazu führen, ebenfalls einen solchen Weg zu gehen, all unsere so menschlich verständlichen Gedanken beiseite zu legen und ganz aus dem Glauben heraus zu handeln.

Und dafür gäbe es viele Beispiele im Leben, wo der gefundene Glaube das Leben nachhaltig verändern würde. Wir müssen uns nur trauen, das Gefundene auch so ernst zu nehmen, dass wir begreifen, dass es das wichtigste ist für unser Leben, neben dem alles andere doch nur zweitrangig ist. Im Kleinen und im Großen würde dies viel verändern in unserer Welt. Lassen wir die Perle des Glaubens doch strahlen in uns und um uns. Amen.

  oben

Liturgischer Ablauf

Begrüßung - Orgelvorspiel

Lied: 445,1-3+5

Psalm: 40, 9-12

Eingangsliturgie - Gebet:

Gütiger Vater!

Wir sind bei dir. Wir haben nehmen uns Zeit, um von dir zu hören. Wir bitten dich, öffne unser Ohren, unsere Herzen, unsere Augen, für dein Wort, auf dass wir von dir her unser Leben bedenken und erneuern. Das bitten wir ....

Lesung: Phil 3, 7-11

Lied: 346,1-4

Lesung: Mt. 14, 44-46

Glaubensbekenntnis

Lied: 497,1-4

Predigt

Lied: 497,5-8

Abkündigungen – Fürbittengebet

Gott, es gibt so vieles in dieser Welt, wo wir nicht nach deinem Willen leben. So bitten wir dich, hilf uns Menschen, dass wir erkennen, wo wir nur unseren eigenen Gedanken hinterherlaufen, statt dir zu dienen.

Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle Menschen, die versuchen mit Waffen ihre Probleme zu lösen, dass sie einsehen, dass dies Unrecht ist und nur Leid verursacht. Und wir bitten für alle, die sich für den Frieden in der Welt einsetzen, dass sie erfolgreich sind. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Menschen, die miteinander zerstritten sind, die in Hass und Streit leben, dass wie Wege zur Versöhnung finden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Menschen, die in der Forschung arbeiten, dass sie Wege zur Menschlichkeit gehen und die Würde des Menschen achten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir beten für unsere Gemeindeglieder, die von Krankheit und Leid betroffen sind, dass sie Hilfe erfahren von dir. Und für alle die sich freuen und fröhlich sind, dass sie dankbar werden dafür. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Vaterunser

Segen

Lied: 163

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe,  Gustedt
  9. n. Trinitatis

12.8.2001

Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote