| Predigt |
NT |
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Wir haben heute zwei alttestamentliche Texte gehört, einer wurde erzählt, der andere wurde gelesen. Warum habe ich das getan heute? Das liegt daran, dass der heutige Predigttext eigentlich die Kenntnis dieser Geschichten voraussetzt. Zur Zeit Jesu oder zur Zeit der ersten Christenheit waren diese Geschichten durchaus bekannt. Wenn Jesus oder eben die ersten christlichen Prediger darauf verwiesen, so wußte jeder bescheid. Das ist heute anders, denn wir leben anders mit biblischen Geschichten, wir haben nicht mehr die Kenntnisse so wie die Menschen damals. Darum also diese beiden Geschichten aus dem alten Testament. Und nun hören wir den Predigttext des heutigen Sonntages, in dem diese beiden Geschichten aufgenommen wurden. Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. Er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn, der Messias drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. Und die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe hier ist mehr als Jona. Die Königin von Saba wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe hier ist mehr als Salomo. Manch einer von Ihnen wird gedacht haben: das habe ich ja noch nie gehört. Und selbst wenn dies nicht ganz stimmen mag, dieser biblische Text gehört nicht zu denen, die man behält, die eingängig sind, hilfreich und tröstlich. Dennoch wollen wir uns damit am heutigen Tag beschäftigen. Am Anfang bitten Pharisäer und Schriftgelehrte Jesus darum, ein Zeichen zu tun, damit sie sehen, dass er von Gott sei. Wir wissen nicht warum sie diese Forderung gestellt haben, ob sie Jesus bloß stellen wollten, wenn er keines zu bringen vermochte, oder ob sie wirklich auf der Suche danach waren, die Gottessohnschaft zu erkennen. Die Bitte an sich, sie ist ja gar nicht so ungewöhnlich. Wir möchten doch auch gerne klare Zeichen haben, an denen wir erkennen können, es gibt Gott, Jesus ist Gottes Sohn, der heilige Geist ist lebendig unter uns. Das wäre schön und doch viel einfacher, wenn man hinweisen könnte auf so etwas, dann müßte man sich nicht so abmühen, um den Menschen die Wirklichkeit Gottes näher zu bringen. Nur solche Zeichen haben wir nicht. Und Jesus selber lehnt diese Zeichen immer wieder ab. In unserem heutigen Text tut er es sogar sehr schroff. Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten werden hier hart zurückgewiesen. Es ist sicher nicht so gewesen, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten nur gegen Jesus waren, aber der Evangelist Matthäus lebt in einer Gemeinde, in der diese Gruppierungen die Christen sehr stark angegangen haben, so daß er in den Erzählungen von Jesus eine ebenso große Gegnerschaft darstellt. Die Repräsentanten des Volkes Israel waren ja diese beiden Gruppierungen. Und sie führen das Volk Gottes an. Nur in ihrer Beziehung zu Jesus, so erzählt Matthäus mit dieser Geschichte erweisen sie sich als Gegner Gottes, als ein böses und abtrünniges Volk, das lieber auf die eigenen Gesetze schaut, auf die eigenen Gedanken, statt auf das, was Jesus ihnen vor Augen stellt. Ihr werdet kein Zeichen bekommen, außer das Zeichen des Jona. Jona dieser Prophet, der Gott entfliehen wollte, der dem Anspruch Gottes nicht nachkommen wollte, der Angst hatte sich auf den Auftrag Gottes einzulassen. Er hatte drei Tage und drei Nächte Zeit, Zeit zum Nachdenken, Zeit für sich und seine Gottesbeziehung. Länger als drei Tage, so sagt der jüdische Glaube, länger als drei Tage läßt Gott den Gerechten nicht im Stich. Jona bekommt einen Neuanfang geschenkt. Er weiß, er kann Gott nicht entfliehen, er weiß, er muß diesen Weg gehen. Ein solches Zeichen werden auch die Christen bekommen. Allerdings eben nicht als ein eindeutiges Zeichen, sondern als sehr umstrittenes Zeichen. Jesus, der Gottessohn, am Kreuz. Die Fleisch gewordene Entmachtung Gottes, wenn man es einmal genau betrachtet. Wie sagt Paulus: Die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit, denen aber die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Den Juden ist diese Botschaft ein Ärgernis, denn Gott macht sich in ihren Augen nicht so angreifbar und klein; den Heiden ist es eine Torheit: so ein Quatsch, ein Gott, der am Kreuz leidet und stirbt. Uns aber, die wir glauben ist es eine Kraft Gottes. Nach dem Tod im Schoß der Erde und dann auferweckt und auferstanden. Das ist das große Zeichen der Christen. Etwas anderes haben wir nicht, aber etwas anderes brauchen wir auch nicht. Ich behaupte, dass dies die große Schwierigkeit des christlichen Glaubens ist, dass wir nur dies und nichts anderes haben, um die Gottessohnschaft Jesu deutlich zu machen. Wir haben nur dieses Zeichen Kreuz und Auferstehung, das Jesus zu einem für uns bedeutsamen Menschen, ja zum Sohn Gottes selber macht. Wie viele Sekten gibt es, die mit vielen anderen Zeichen, die mit bestimmten Erfahrungen oder auch mit der wortwörtlichen Übernahme des biblischen Wortes deutlich machen wollen, dass nur bei ihnen Gott zu finden ist. Das ist eigentlich wie bei den Fragen der Pharisäer und Schriftgelehrten. Auch sie wollten etwas ganz bestimmtes, irgendwie greifbares haben, aber genau das hat ihnen Jesus verwehrt. Er sagte: ihr wollt eigentlich nur etwas sehen, was ihr aus euch selber heraus annehmen und akzeptieren könnt. Wenn es euren Vorstellungen entspricht, dann wollt ihr glauben. Aber genau das ist falsch, genau deshalb sei ihr ein abtrünniges Volk, weil ihr Gott nicht mehr anerkennt als jemanden, der immer auch ganz anders handeln kann. Und Gott durchkreuzt genau menschliche Vorstellungen. Er handelt gegen unsere bisherigen Vorstellungen, er handelt gegen die Weisheit der Menschen, gegen den gesunden Menschenverstand, gegen alles, was Menschen bisher für möglich hielten. Gott geht in Jesus in den Tod hinein. Das war der Ort der absoluten Gottesferne, da war Gott am wenigsten zu finden. Eine Erfahrung, die wir heute doch teilen. Gott ist doch so weit weg. Und nun wird gesagt: genau da, genau mittendrin ist Gott. Schau auf das Kreuz und siehe, wie Gott mit uns Menschen mit leidet. Schau darauf, dass Jesus hinabgestiegen ist in das Reich des Todes, um dort Leben aufleuchten zu lassen. Schau darauf, dass der Tod als die Gottesferne überwunden ist durch die Auferweckung Jesu, wie immer wir sie uns auch vorstellen mögen. Der Tod, das Ende hat seine lebenszerstörerische Macht verloren. Drei Tage, drei Nächte und der größte Feind der Menschheit hat seine Bedeutung verloren. Das ist mit unseren Möglichkeiten eigentlich nicht zu verstehen, das können wir mit unserem Verstand nicht nachvollziehen, das ist fast zu hoch. Und doch ist es genau dies, was Jesus für den Glauben erwartet. Das Volk von Ninive kehrte um, als Jona seine Bußpredigt hörte. Sie ließen sich ein, auf seine Worte, schenkten ihnen Glauben, ließen sich verändern. Siehe hier ist mehr als Jona, läßt Matthäus den Jesus sprechen. Und recht hat er. Jesus ist mehr als ein Bote Gottes, Jesus ist mehr als nur ein Prophet, Jesus redet nicht nur, sein ganzes Leben ist Zeichen und Hinweis auf Gott. Nur dass das nicht sofort erkennbar ist, weil es an vielen Stellen unserem Denken widerspricht. Weil es unserer Weisheit widerspricht. Aber auch da wird uns ein Beispiel vor Augen gestellt: die Königin von Saba. Vom Ende der Erde, als völlig gottlose Frau, sucht sie die Begegnung mit dem weisen König, der von dem Gott der Juden in sein Amt gerufen und mit so großer Weisheit ausgestattet wurde. Sie ist ein Beispiel dafür, wie jemand sich selber zurückstellt, sich öffnet für die ganz anderen Gedanken, sich darauf einläßt und darin Weisheit erfährt. Und siehe, hier ist mehr als Salomo. Worauf uns der Evangelist Matthäus an diesem Sonntag also hinweist, das ist nichts anderes als ein Ruf zur Umkehr und zur Hinwendung. Ich denke, nicht nur die Juden damaliger Zeit wurden aufgefordert, Jesus in rechter Weise in den Blick zu nehmen, sondern auch wir Christen heute. Gerade wenn es darum geht, den christlichen Glauben zu leben, dann kommen wir nämlich nicht darum herum, Jesus in den Blick zu nehmen, Jesus als den Christus. Er sagt: die Zeichen, die ihr sucht, die findet ihr bei mir. Wenn wir Gott suchen, dann finden wir ihn bei Jesus. Wenn wir wissen wollen, wie Gott ist, dann müssen wir auf Jesus schauen, auf ihn hören, seine Worte wirken lassen, sein Handeln verstehen, die Bedeutung seines Lebens für uns annehmen. Und das ist dann auch das Geheimnis des christlichen Glaubens. Es geht nicht nur um einen, der da oben irgendwie über uns wacht und an den irgendwie doch alle glauben, ob Christen, Juden, Moslems oder wer uns sonst noch einfallen mag. Es geht im christlichen Glauben darum, zu erkennen, wie die Botschaft Jesu von Nazareth, wie die Botschaft des Gekreuzigten und Auferstandenen, uns frei machen kann, von uns selber und für uns selber. Wie sie uns helfen kann, die Bedrückungen des Alltages auszuhalten und zu überwinden, wie sie uns helfen kann in den menschlichen Begegnungen wirklich menschlich zu handeln, wie sie uns helfen kann, getrost zu leben und zu sterben. Das können wir nicht, wenn wir außen stehen bleiben. In Ninive hat sich etwas verändert, weil die Menschen zugehört haben. Die Königin von Saba war begeistert, weil sie sich ansprechen ließ. Wer nur Zuschauer bleibt, der bleibt draußen, der wird auch die Wahrheit nicht verstehen, die in Jesus liegt. Passionszeit ist Bußzeit, Umkehrzeit, Zeit für Veränderungen, Zeit zum Hören und Nachdenken auf dem Weg zum Kreuz, auf dem Weg zu Ostern. Auf diesen Weg sind wir geschickt. Nutzen wir die Zeit ihn zu gehen. Amen. Liturgischer Ablauf (Die Liedauswahl ist bestimmt vom kommenden Sonntag, an dem diese Melodien gesungen werden und heute musikalisch ausprobiert werden sollen.) Begrüßung - Orgelvorspiel Lied: 447, 1-3+8 Psalm 10 4.11-14.17-18 Eingangsliturgie - Gebet: Gebet des Tages: Barmherziger Gott und Vater. Du hast deinen Sohn in unsere Welt gesandt und hast ihn damit in die Hände der Menschen gegeben, die ihn verlacht, verspottet, angegriffen, gefoltert und getötet haben. Er traf auf Ablehnung aber auch auf Vertrauen. So bitten wir dich: vergib, wo wir dich in Christus ablehnen, laß uns in ihm erkennen, wie sehr du für uns da bist. Das bitten wir durch Jesus Christus .... Lesung: 1. Könige 10, 1-10 Lied: 243,1-4 Lesung: Erzählung von Jona Glaubensbekenntnis Lied: 361,1-4 Predigt Lied: 346,1-4 Abkündigungen – Fürbittengebet EGb 579 Segen Lied: 163 |
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