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Mt 12, 38-42

Ich weiß nicht wie es ihnen geht, aber immer wieder hört man ja von Menschen, die den Glauben kritisieren, dass man Gott ja nicht sehen könne, dass es keine Beweise gäbe für Gott. Und mal ehrlich: wünschen wir uns nicht so etwas auch. Gott müsste man ein Zeichen setzen, er müsste sich mal ganz deutlich und außergewöhnlich zeigen, damit der Glaube wirklich einen festen Anhalt hat. Gott festmachen können, ihn für sich und andere plausibel machen können, das wäre doch gut. Dann würde man nicht immer so unsicher sein, dann hätte man doch endlich etwas, woran man sich halten könnte.
Die Pharisäer in unserer Geschichte suchen auch ein Zeichen. Wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. Das war der Wunsch, mit dem sie an Jesus herangetreten waren. Was wäre eigentlich, wenn Jesus nun wirklich ein Zeichen gesetzt hätte? Ware wäre geschehen, wenn Jesus etwas besonders außergewöhnliches getan hätte in dieser Situation? Was hätte dies bei den Schriftgelehrten oder bei uns ausgelöst?
Ein wenig kann man das festmachen an Erzählungen der Evangelien. Die Skepsis gegenüber Jesus war groß. Und wenn er dann mal etwas besonderes getan hat, z.B. eine Heilung vollzogen, dann waren die Menschen beeindruckt, doch seine Gegner haben dies nicht als ein Zeichen Gottes verstanden, sondern sie haben es eher als das Gegenteil angesehen: der steht mit dem Teufel im Bunde. Nicht die guten Kräfte Gottes waren wirksam, nein. Die Kräfte des Bösen waren zu sehen. Jemand der das traditionelle Denken kritisiert und dann noch so etwas schafft, der kann eigentlich gar nicht von Gott kommen, der muss mit dem Teufel im Bunde sein. So lesen wir an anderer Stelle im Neuen Testament. Was also hätte dann ein besonderes Zeichen Jesu bewirkt?
Ich denke, überhaupt nichts. Die vorgefasste Meinung der Gegner Jesu wäre dadurch bestärkt worden. Es ist eben eine Frage der Sichtweise, wie man an bestimmte Dinge herangeht. Mein Vor-Urteil, das Urteil, das ich schon vorher gefällt habe, bestimmt schon das Urteil über die kommenden Ereignisse. Das war nicht nur bei Jesus so, das ist an vielen anderen Stellen genauso. Der andere hat schlecht gesprochen, er wird es wieder tun und gleich, was er sagt, ich höre es mit den Ohren des Urteils: dieser Mensch redet schlechtes. Und wenn es nach gutem klingt, dann steckt irgendetwas schlechtes dahinter. So ist es doch oft genug auch in unserem Leben.
Und selbst, wenn man vielleicht kein Vorurteil über Jesus hat, wären nicht besondere Zeichen auch immer wieder zweideutig? Ist es nicht die vornehmliche Aufgabe heutiger Menschen zu schauen, wie man die Wundertaten Jesu mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen begründen kann. Jesu Sturmstillung z.B. wird mit plötzlich auftretenden und abklingenden Winden erklärt, die es am See Genezareth häufiger geben soll. Und auch bei anderen Wundern versucht man ähnliche Erklärungen, ich will darauf jetzt gar nicht näher eingehen. Und selbst wenn man das nicht kann, ist dann ein solches Tun wirklich ein Zeichen für das Wirken Gottes? Wäre es ein Beweis, dass Jesus von Gott her kommt?
Ich denke, nein. Das wäre es nicht. Aus zwei Gründen nicht. Einmal ist jedes Ereignis immer auch anderes deutbar. Ich spreche angesichts dieser Frage immer das Beispiel von einem Autounfall an, bei dem allen Beteiligten nichts passiert ist. Ich kann dieses Ereignis verstehen als es Eingreifen Gottes, als das Beschützen Gottes in dieser Situation. Ich kann es aber auch sehen als einen glücklichen Umstand, dass die auftretenden Kräfte eben nicht zu mehr Schaden geführt hat. Das muss mit Gott überhaupt nichts zu tun haben. Jede Situation kann ich aus verschiedenen Sichtweisen deuten und so erhält man nie eine klare, eindeutige und in diesem Fall auf Gott hindeutende Erklärung.
Den zweiten Grund, der mir sehr viel einleuchtender und wichtiger ist, habe ich bei meiner Vorbereitung in den Gedanken von Eugen Drewermann gelesen. Er schreibt:
Die offiziellen Amtsträger suchen nach einer Demonstration, mit der man „sozusagen schwarz auf weiß Überprüfbares“ hätte. „Jesus also hätte sich vor ihren Augen zu legitimieren. Und wie kann er das? Ganz Einfach! Er müsste lediglich ein Werk vollkommen außerhalb jeglicher Naturordnung setzen! Vermöchte r im Namen Gottes etwas ganz und gar Stupende, Mirakulöses, vollkommen Spektakuläres aufzuführen, so wäre er beglaubigt als von Gott selber stammend. Da ist ein Gottesbild im Schwange, von dem man ernstlich erwartet, es gebe im Himmel einen allmächtigen Vater, der jederzeit bereit und willens sei, seine eigene Welt zu demolieren, um sich dem Menschen mitzuteilen. Gott, mit anderen Worten, zeigst ich dieser Vorstellung nach wesentlich im Ausnahmefall, nicht in der Normalität, nicht im Alltäglichen, seine Erhebung, anders ausgedrückt, bestehe in der Erniedrigung dessen, was wir tagaus, tagein, Stunde um Stunde miteinander leben und erleben. Das Gewöhnliche ist da kein Erweis des Göttlichen. Aber passiert etwas Ungewöhnliches, das wir so noch nie gesehen haben, dann so muss man glauben, ist dies die eigentliche Bestätigung des Religiösen. (E. Drewermann Das Matthäusevangelium 2. Teil S. 258)
Soweit Drewermann. Ich finde das ungeheuer eindrücklich und genau so ist es. Gott ist etwas so außergewöhnliches, dass wir ihn nur im Außergewöhnlichen wahrnehmen wollen. Das Alltägliche, das hat doch wenig mit Gott zu tun. Aber genau ein solches Denken schiebt Jesus beiseite. ES geht im Glauben nicht um Zeichen, die man anschauen und vor sich hertragen kann. Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert solch ein Zeichen. Gott lässt sich so nicht einfangen, Jesus in seiner göttlichen Bedeutung zeigt sich nicht darin, dass ungewöhnliches geschieht. Das sind zweideutige Zeichen, die niemals etwas taugen. Und es sind Zeichen, die außerhalb bleiben von uns selbst, von dem der glaubt, von dem der hofft, von dem, der in inniger Beziehung zur Kraft des Lebens leben will.
Es wird ein Zeichen geben, sagt Jesus. Aber es wird kein anderes Zeichen sein, als das des Propheten Jona. Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches so wird erzählt. Auch Jesus wird drei Tage und Nächte im Grab verbringen. Und dann ergibt sich etwas, das wohl das normale und natürliche Denken übersteigt, aber nicht deshalb zum Grund des Glaubens wird, sondern aus einem anderen Grund. Die Menschen von Ninive haben sich nicht verändert, weil ein Wunder wirkender Mann vor ihnen Stand und die Naturgesetze außer Kraft gesetzt hat, sondern sie haben sich verändert, weil sie das Wort Gottes in sich eingelassen haben, weil sie ihr eigenes Verhalten auf den Prüfstand gestellt haben, weil sie sich auf sich besonnen haben und das eigene Leben von Gott her neu bedacht haben. Und so ist es auch mit Jesus und seiner Auferweckung. Das Zeichen das darin steckt ist nicht, dass etwas äußergewöhnliches Geschehen ist, sondern dass in uns selber, in unserem Innersten Jesus aufersteht und wir an dem, was uns von ihm und durch ihn gesagt wird, deutlich wird, wir sind angesprochen, es geht um uns, um mein Menschsein, um meine Gaben und Möglichkeiten in dieser Welt, es geht um das Heil meiner ganz persönlichen Seele.
Genau das wollten die Pharisäer nicht. Sie wollten etwas, was außen bleibt, was nichts mit ihnen zu tun hat. Sie wollen nur ein Zeichen, das dann vielleicht auch noch gegen ihn verwandt werden könnte. Sie wollen Gott zu einem Gegenstand machen. Jesus aber lässt Gott gerade nicht zu einem Gegenstand werden, er will nicht so ein Zeichen geben auch nicht so ein Zeichen sein, sondern er ist in seiner Göttlichkeit derjenige, der Menschen zu sich selber führt, ihnen etwas gibt, was ihnen hilft, menschlicher zu werden. Er will jemand sein, der sie zu sich zurückführt: der den Blindgewordenen die Augen öffnet, der den Unsicherem auf dem Meer des Lebens einen festen Stand gibt, der den Gelähmten im Leben wieder neue Bewegungsmöglichkeit verschafft. Jesu Zeichen sind Zeichen dafür, wie wichtig und bedeutsam der Mensch ist, wie sehr er an ihm hängt und ihn wirklich zum Menschen machen will. Das ist seine Aufgabe, das will er erreichen, dass wir mit uns und mit anderen offen, ehrlich, liebevoll, annehmend leben können, dass wir uns nicht einfangen lassen durch falsche Grenzen, Gebote und Gesetze, sondern dass wir Wege und Möglichkeiten erkennen in Freiheit zu leben. Begegnung mit Gott ergibt sich genau darin, wo Menschlichkeit Raum greift, wo wir mit all unsrer Menschlichkeit uns hineinbegeben ins Leben, uns ansprechen lassen von Jesus auf das hin, was in diesem Leben an hellen und dunklen Seiten liegt. Und wer das tut, sich im Innersten ansprechen lässt, wer in sich selber offen ist für Gottesbegegnung, der wird dann auch spüren, wo Gott ist, wo er in seiner befreienden Wirklichkeit mitten unter uns ist. Und das immer wieder neu.
Wer feste Zeichen sucht, der sucht außerhalb von sich, der bleibt weit weg von Gott, der will Gott auch festmachen und festlegen. Wer aber offen ist für das immer Neue in der Begegnung mit Gott, der wird den wirklich lebendigen Gott entdecken, der wird erkennen, wie Gott letztlich wirklich ist, als befreiender, ermutigender, Hoffnung schenkender, Zukunft ermöglichender Gott. Und dann geht es letztlich auch nicht darum, ob das für andere vermittelbar, zeigbar ist, sondern nur darum, dass wir unser Vertrauen darauf setzen und daraus die Kraft zum Leben schöpfen. Und dieses Vertrauen heißt dann auch, dass wir uns nicht festhalten an besonderen Zeichen, sondern es wagen, uns auf ihn einzulassen, ohne etwas festes in der Hand zu haben. Und das hat etwas mit Buße, mit Umkehr zu tun: nicht angstvoll zu starren auf die Zeichen, die vermeintlich von Gott kämen, sondern hoffnungsvoll mit Vertrauen zu leben.
So war es auch bei der Königin des Südens, die Königin von Saba. Sie machte sich von weither auf den Weg, um die Weisheiten Salomos zu hören. Sie trug Sehnsucht in sich, sie suchte etwas für sich, für ihr Leben, für ihr ganz persönliches Leben und für ihr Leben in der Verantwortung für andere. Ihre Sehnsucht steht gleichsam da als Grundhaltung für Menschen, die Gott suchen, die danach suchen, für ihr Leben etwas zu finden. Sie ließ sich ansprechen und machte sich auf den Weg.
Und dazu ruft diese Ablehnung der Zeichenforderung uns alle auf. Bleibt nicht distanziert stehen, versucht nicht Gott einzufangen, sondern macht euch auf den Weg, voller Sehnsucht und in der Offenheit dem Wort Gottes, dem Wort Jesu vertrauend. Darin wird sich Gott ereignen, darin wird Gott sichtbar, darin wird das Leben sichtbar, so wie Gott es für jeden einzelnen in seiner Art und Weise gedacht hat und gestaltet haben möchte. Zeichen sind out – Sehnsucht und Vertrauen zeigen den Weg. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 455,1-3
Psalm 91 EG 736
Eingangsliturgie
Gebet
Barmherziger Gott!
Wir Menschen suchen nach Zeichen deiner Gegenwart, doch du gibst uns keine besonderen Zeichen. Wir bitten dich, lass uns dich finden und erkennen im Alltag dieser Welt, in der Begegnung mit unseren Mitmenschen, in der Liebe, die uns gegeben wird, in der Veränderung, die wirksam wird, in dem tröstenden Wort, das auf uns zukommt. Lass uns dich erfahren, im Wort deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: Röm 5, 1-5
Lied 366,1-4
Lesung Mt 12, 38-42
Glaubensbekenntnis
Lied 389,1-5
Predigt
Lied EG NsB 603, 1-3 Ins Wasser fällt ein Stein
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vater im Himmel!
Wir sind auf der Suche nach dir, auf der Suche nach Halt und Freiheit, nach Geborgenheit und Heil. Komm du uns auf dieser Suche entgegen, lass dich Hören und erfahren. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die dich in den Äußerlichkeiten des Lebens suchen, die dich festlegen wollen oder schon festgelegt haben. Lass sie erkennen, dass du ein freier Gott bist, immer fähig ganz anders und doch ganz natürlich uns entgegen zu kommen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die es wagen, auf dein Wort hin ihr Leben zu leben. Lass sie nicht allein, hilf in schwierigen Tagen, wo Zweifel kommen, wo die Richtung fehlt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die krank danieder liegen, die schweres zu tragen haben, denen tragisches bevorsteht. Lass sie aus deiner Kraft schöpfen, auf dass sie tragen können, was ihnen auferlegt wird. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Vaterunser
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe

20. 2. 2005

Liturgischer
Ablauf
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