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Ich weiß nicht wie es ihnen geht, aber immer wieder hört
man ja von Menschen, die den Glauben kritisieren, dass man Gott ja nicht
sehen könne, dass es keine Beweise gäbe für Gott. Und mal ehrlich:
wünschen wir uns nicht so etwas auch. Gott müsste man ein Zeichen setzen,
er müsste sich mal ganz deutlich und außergewöhnlich zeigen, damit der
Glaube wirklich einen festen Anhalt hat. Gott festmachen können, ihn für
sich und andere plausibel machen können, das wäre doch gut. Dann würde man
nicht immer so unsicher sein, dann hätte man doch endlich etwas, woran man
sich halten könnte.
Die Pharisäer in unserer Geschichte suchen auch ein Zeichen. Wir möchten
gern ein Zeichen von dir sehen. Das war der Wunsch, mit dem sie an Jesus
herangetreten waren. Was wäre eigentlich, wenn Jesus nun wirklich ein
Zeichen gesetzt hätte? Ware wäre geschehen, wenn Jesus etwas besonders
außergewöhnliches getan hätte in dieser Situation? Was hätte dies bei den
Schriftgelehrten oder bei uns ausgelöst?
Ein wenig kann man das festmachen an Erzählungen der Evangelien. Die
Skepsis gegenüber Jesus war groß. Und wenn er dann mal etwas besonderes
getan hat, z.B. eine Heilung vollzogen, dann waren die Menschen
beeindruckt, doch seine Gegner haben dies nicht als ein Zeichen Gottes
verstanden, sondern sie haben es eher als das Gegenteil angesehen: der
steht mit dem Teufel im Bunde. Nicht die guten Kräfte Gottes waren
wirksam, nein. Die Kräfte des Bösen waren zu sehen. Jemand der das
traditionelle Denken kritisiert und dann noch so etwas schafft, der kann
eigentlich gar nicht von Gott kommen, der muss mit dem Teufel im Bunde
sein. So lesen wir an anderer Stelle im Neuen Testament. Was also hätte
dann ein besonderes Zeichen Jesu bewirkt?
Ich denke, überhaupt nichts. Die vorgefasste Meinung der Gegner Jesu wäre
dadurch bestärkt worden. Es ist eben eine Frage der Sichtweise, wie man an
bestimmte Dinge herangeht. Mein Vor-Urteil, das Urteil, das ich schon
vorher gefällt habe, bestimmt schon das Urteil über die kommenden
Ereignisse. Das war nicht nur bei Jesus so, das ist an vielen anderen
Stellen genauso. Der andere hat schlecht gesprochen, er wird es wieder tun
und gleich, was er sagt, ich höre es mit den Ohren des Urteils: dieser
Mensch redet schlechtes. Und wenn es nach gutem klingt, dann steckt
irgendetwas schlechtes dahinter. So ist es doch oft genug auch in unserem
Leben.
Und selbst, wenn man vielleicht kein Vorurteil über Jesus hat, wären nicht
besondere Zeichen auch immer wieder zweideutig? Ist es nicht die
vornehmliche Aufgabe heutiger Menschen zu schauen, wie man die Wundertaten
Jesu mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen begründen kann. Jesu
Sturmstillung z.B. wird mit plötzlich auftretenden und abklingenden Winden
erklärt, die es am See Genezareth häufiger geben soll. Und auch bei
anderen Wundern versucht man ähnliche Erklärungen, ich will darauf jetzt
gar nicht näher eingehen. Und selbst wenn man das nicht kann, ist dann ein
solches Tun wirklich ein Zeichen für das Wirken Gottes? Wäre es ein
Beweis, dass Jesus von Gott her kommt?
Ich denke, nein. Das wäre es nicht. Aus zwei Gründen nicht. Einmal ist
jedes Ereignis immer auch anderes deutbar. Ich spreche angesichts dieser
Frage immer das Beispiel von einem Autounfall an, bei dem allen
Beteiligten nichts passiert ist. Ich kann dieses Ereignis verstehen als es
Eingreifen Gottes, als das Beschützen Gottes in dieser Situation. Ich kann
es aber auch sehen als einen glücklichen Umstand, dass die auftretenden
Kräfte eben nicht zu mehr Schaden geführt hat. Das muss mit Gott überhaupt
nichts zu tun haben. Jede Situation kann ich aus verschiedenen Sichtweisen
deuten und so erhält man nie eine klare, eindeutige und in diesem Fall auf
Gott hindeutende Erklärung.
Den zweiten Grund, der mir sehr viel einleuchtender und wichtiger ist,
habe ich bei meiner Vorbereitung in den Gedanken von Eugen Drewermann
gelesen. Er schreibt:
Die offiziellen Amtsträger suchen nach einer Demonstration, mit der man
„sozusagen schwarz auf weiß Überprüfbares“ hätte. „Jesus also hätte sich
vor ihren Augen zu legitimieren. Und wie kann er das? Ganz Einfach! Er
müsste lediglich ein Werk vollkommen außerhalb jeglicher Naturordnung
setzen! Vermöchte r im Namen Gottes etwas ganz und gar Stupende,
Mirakulöses, vollkommen Spektakuläres aufzuführen, so wäre er beglaubigt
als von Gott selber stammend. Da ist ein Gottesbild im Schwange, von dem
man ernstlich erwartet, es gebe im Himmel einen allmächtigen Vater, der
jederzeit bereit und willens sei, seine eigene Welt zu demolieren, um sich
dem Menschen mitzuteilen. Gott, mit anderen Worten, zeigst ich dieser
Vorstellung nach wesentlich im Ausnahmefall, nicht in der Normalität,
nicht im Alltäglichen, seine Erhebung, anders ausgedrückt, bestehe in der
Erniedrigung dessen, was wir tagaus, tagein, Stunde um Stunde miteinander
leben und erleben. Das Gewöhnliche ist da kein Erweis des Göttlichen. Aber
passiert etwas Ungewöhnliches, das wir so noch nie gesehen haben, dann so
muss man glauben, ist dies die eigentliche Bestätigung des Religiösen. (E.
Drewermann Das Matthäusevangelium 2. Teil S. 258)
Soweit Drewermann. Ich finde das ungeheuer eindrücklich und genau so ist
es. Gott ist etwas so außergewöhnliches, dass wir ihn nur im
Außergewöhnlichen wahrnehmen wollen. Das Alltägliche, das hat doch wenig
mit Gott zu tun. Aber genau ein solches Denken schiebt Jesus beiseite. ES
geht im Glauben nicht um Zeichen, die man anschauen und vor sich hertragen
kann. Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert solch ein Zeichen. Gott
lässt sich so nicht einfangen, Jesus in seiner göttlichen Bedeutung zeigt
sich nicht darin, dass ungewöhnliches geschieht. Das sind zweideutige
Zeichen, die niemals etwas taugen. Und es sind Zeichen, die außerhalb
bleiben von uns selbst, von dem der glaubt, von dem der hofft, von dem,
der in inniger Beziehung zur Kraft des Lebens leben will.
Es wird ein Zeichen geben, sagt Jesus. Aber es wird kein anderes Zeichen
sein, als das des Propheten Jona. Jona war drei Tage und drei Nächte im
Bauch des Fisches so wird erzählt. Auch Jesus wird drei Tage und Nächte im
Grab verbringen. Und dann ergibt sich etwas, das wohl das normale und
natürliche Denken übersteigt, aber nicht deshalb zum Grund des Glaubens
wird, sondern aus einem anderen Grund. Die Menschen von Ninive haben sich
nicht verändert, weil ein Wunder wirkender Mann vor ihnen Stand und die
Naturgesetze außer Kraft gesetzt hat, sondern sie haben sich verändert,
weil sie das Wort Gottes in sich eingelassen haben, weil sie ihr eigenes
Verhalten auf den Prüfstand gestellt haben, weil sie sich auf sich
besonnen haben und das eigene Leben von Gott her neu bedacht haben. Und so
ist es auch mit Jesus und seiner Auferweckung. Das Zeichen das darin
steckt ist nicht, dass etwas äußergewöhnliches Geschehen ist, sondern dass
in uns selber, in unserem Innersten Jesus aufersteht und wir an dem, was
uns von ihm und durch ihn gesagt wird, deutlich wird, wir sind
angesprochen, es geht um uns, um mein Menschsein, um meine Gaben und
Möglichkeiten in dieser Welt, es geht um das Heil meiner ganz persönlichen
Seele.
Genau das wollten die Pharisäer nicht. Sie wollten etwas, was außen
bleibt, was nichts mit ihnen zu tun hat. Sie wollen nur ein Zeichen, das
dann vielleicht auch noch gegen ihn verwandt werden könnte. Sie wollen
Gott zu einem Gegenstand machen. Jesus aber lässt Gott gerade nicht zu
einem Gegenstand werden, er will nicht so ein Zeichen geben auch nicht so
ein Zeichen sein, sondern er ist in seiner Göttlichkeit derjenige, der
Menschen zu sich selber führt, ihnen etwas gibt, was ihnen hilft,
menschlicher zu werden. Er will jemand sein, der sie zu sich zurückführt:
der den Blindgewordenen die Augen öffnet, der den Unsicherem auf dem Meer
des Lebens einen festen Stand gibt, der den Gelähmten im Leben wieder neue
Bewegungsmöglichkeit verschafft. Jesu Zeichen sind Zeichen dafür, wie
wichtig und bedeutsam der Mensch ist, wie sehr er an ihm hängt und ihn
wirklich zum Menschen machen will. Das ist seine Aufgabe, das will er
erreichen, dass wir mit uns und mit anderen offen, ehrlich, liebevoll,
annehmend leben können, dass wir uns nicht einfangen lassen durch falsche
Grenzen, Gebote und Gesetze, sondern dass wir Wege und Möglichkeiten
erkennen in Freiheit zu leben. Begegnung mit Gott ergibt sich genau darin,
wo Menschlichkeit Raum greift, wo wir mit all unsrer Menschlichkeit uns
hineinbegeben ins Leben, uns ansprechen lassen von Jesus auf das hin, was
in diesem Leben an hellen und dunklen Seiten liegt. Und wer das tut, sich
im Innersten ansprechen lässt, wer in sich selber offen ist für
Gottesbegegnung, der wird dann auch spüren, wo Gott ist, wo er in seiner
befreienden Wirklichkeit mitten unter uns ist. Und das immer wieder neu.
Wer feste Zeichen sucht, der sucht außerhalb von sich, der bleibt weit weg
von Gott, der will Gott auch festmachen und festlegen. Wer aber offen ist
für das immer Neue in der Begegnung mit Gott, der wird den wirklich
lebendigen Gott entdecken, der wird erkennen, wie Gott letztlich wirklich
ist, als befreiender, ermutigender, Hoffnung schenkender, Zukunft
ermöglichender Gott. Und dann geht es letztlich auch nicht darum, ob das
für andere vermittelbar, zeigbar ist, sondern nur darum, dass wir unser
Vertrauen darauf setzen und daraus die Kraft zum Leben schöpfen. Und
dieses Vertrauen heißt dann auch, dass wir uns nicht festhalten an
besonderen Zeichen, sondern es wagen, uns auf ihn einzulassen, ohne etwas
festes in der Hand zu haben. Und das hat etwas mit Buße, mit Umkehr zu
tun: nicht angstvoll zu starren auf die Zeichen, die vermeintlich von Gott
kämen, sondern hoffnungsvoll mit Vertrauen zu leben.
So war es auch bei der Königin des Südens, die Königin von Saba. Sie
machte sich von weither auf den Weg, um die Weisheiten Salomos zu hören.
Sie trug Sehnsucht in sich, sie suchte etwas für sich, für ihr Leben, für
ihr ganz persönliches Leben und für ihr Leben in der Verantwortung für
andere. Ihre Sehnsucht steht gleichsam da als Grundhaltung für Menschen,
die Gott suchen, die danach suchen, für ihr Leben etwas zu finden. Sie
ließ sich ansprechen und machte sich auf den Weg.
Und dazu ruft diese Ablehnung der Zeichenforderung uns alle auf. Bleibt
nicht distanziert stehen, versucht nicht Gott einzufangen, sondern macht
euch auf den Weg, voller Sehnsucht und in der Offenheit dem Wort Gottes,
dem Wort Jesu vertrauend. Darin wird sich Gott ereignen, darin wird Gott
sichtbar, darin wird das Leben sichtbar, so wie Gott es für jeden
einzelnen in seiner Art und Weise gedacht hat und gestaltet haben möchte.
Zeichen sind out – Sehnsucht und Vertrauen zeigen den Weg. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 455,1-3
Psalm 91 EG 736
Eingangsliturgie
Gebet
Barmherziger Gott!
Wir Menschen suchen nach Zeichen deiner Gegenwart, doch du gibst uns keine
besonderen Zeichen. Wir bitten dich, lass uns dich finden und erkennen im
Alltag dieser Welt, in der Begegnung mit unseren Mitmenschen, in der
Liebe, die uns gegeben wird, in der Veränderung, die wirksam wird, in dem
tröstenden Wort, das auf uns zukommt. Lass uns dich erfahren, im Wort
deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und
wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: Röm 5, 1-5
Lied 366,1-4
Lesung Mt 12, 38-42
Glaubensbekenntnis
Lied 389,1-5
Predigt
Lied EG NsB 603, 1-3 Ins Wasser fällt ein Stein
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vater im Himmel!
Wir sind auf der Suche nach dir, auf der Suche nach Halt und Freiheit,
nach Geborgenheit und Heil. Komm du uns auf dieser Suche entgegen, lass
dich Hören und erfahren. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die dich in den Äußerlichkeiten des Lebens
suchen, die dich festlegen wollen oder schon festgelegt haben. Lass sie
erkennen, dass du ein freier Gott bist, immer fähig ganz anders und doch
ganz natürlich uns entgegen zu kommen. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die es wagen, auf dein Wort hin ihr Leben zu
leben. Lass sie nicht allein, hilf in schwierigen Tagen, wo Zweifel
kommen, wo die Richtung fehlt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die krank danieder liegen, die schweres zu
tragen haben, denen tragisches bevorsteht. Lass sie aus deiner Kraft
schöpfen, auf dass sie tragen können, was ihnen auferlegt wird. Darum
rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
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Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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