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NT |
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Durch unseren Predigttext werden wir heute aufgerufen, über das nachzudenken, was wir Menschen reden. Die Bibel nimmt die Worte der Menschen sehr ernst So heißt es an einer Stelle z.B. die Zunge ist ein kleines Glied und richtet großes an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet es an. Ich habe dazu eine kleine Fabel entdeckt, die noch besser die Bedeutung des menschlichen Redens deutlich zu machen vermag: Ein reicher Mann hatte Gäste eingeladen und seinem Küchenchef befohlen, das Beste aufzutischen. So ging der auf den Markt. und kaufte Zungen ein, nur Zungen, die er auf verschiedene Weise zubereitete. Den Gästen schmeckte zwar das Mahl, aber sie beklagten die geringe Abwechslung. Zornig ließ der Gastgeber seinen Koch kommen und fragte ihn, warum er nur Zungen ausgewählt habe. Da erklärte ihm der Koch: Die Zunge ist das Beste was es gibt. Sie ist das Band im bürgerlichen Leben, der Schlüssel zu den Wissenschaften; sie ist das Organ, das Wahrheit und Vernunft verbreitet; durch ihr Wirken werden Städte gebaut und Menschen werden gelehrt und gebildet. Der Gastgeber gab sich damit zufrieden und beauftragte den Koch, für den nächsten Tag das Schlechteste aufzutischen. Und wieder kaufte der Koch Zungen, nur Zungen. Die Gäste beschwerten sich über die Mahlzeit und der Hausherr war empört. Er ließ den Koch kommen und fragte ihn, warum er das gleiche Gericht aufgetischt habe. Der Koch erwiderte: Die Zunge ist auch das Schlechteste auf Erden. Sie ist die Mutter allen Streites, die Quelle aller Prozesse. Sie hetzt zum Krieg und vernichtet Städte. Sie verbreitet Irrtum und üble Nachrede; sie stiftet Menschen zum Bösen an. Der Hausherr und die Gäste sollen sehr nachdenklich geworden sein. Wir haben nicht mit am Tisch gesessen, aber die Nachdenklichkeit bleibt da wohl auch bei uns zurück angesichts dessen, was der Koch da als Bestes und Schlechtestes gekocht hat. Jesus sagt in dem heutigen Predigtabschnitt: die Menschen müssen Rechenschaft geben am Tag des Gerichtes von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben. Auf dem Hintergrund der gehörten Fabel wird dieses Jesuswort sehr bedrängend. Denn mal ehrlich: was reden wir nicht alles den ganzen Tag über. Gutes, schlechtes, dummes, gescheites, wohlüberlegtes, einfach so daher gesagtes, liebevolles, böses, heiteres, trauriges. Und dann gibt es auch immer wieder die Worte, die mißverstanden werden, die zweideutig sind, die der andere ganz anders auffassen, als ich das gewollt habe. Und dann ist das Gesagte in der Welt und nicht wieder rückgängig zu machen. Gesagt ist gesagt, ob mit oder ohne Bitte um Entschuldigung. Wer von uns mag da bestehen vor Gott mit seinen Worten, mit dem, was wir tagtäglich von uns geben? Da scheint es doch besser zu sein, sich an dem alten Sprichwort auszurichten: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold? Es mag wohl manchmal besser sein, zu schweigen, nichts zu sagen. Aber zum Menschsein gehört nun einmal das Reden, und damit auch die beiden aufgezeigten Seiten des Redens. Und oft genug ist es ja weniger das Wort, das so böse Auswirkungen hat. Es ist, wie Jesus ja auch deutlich sagt, das Herz, das in den Worten sichtbar wird. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Dieses Sprichwort meint ja nicht nur, was mich gerade beschäftigt, das muß ich auch loswerden, sondern etwas anders: an den Worten, an der Rede könnt ihr oft erkennen, was für ein Mensch vor euch steht. Natürlich kann dies auch durch gute Schauspielerei verdeckt werden, und oft schimpfen wir ja gerade über die Menschen, die anders reden als sie handeln, die in Worten anderes deutlich machen, als sie in Wirklichkeit in sich tragen. Aber es bleibt schon dabei: Wo böse Worte laut werden, da zeigt sich auch ein böses Herz, das böse Innere. Aber wenn wir ehrlich sind, wer hat diese Seite nicht in sich. Keiner von uns ist wirklich von innen heraus immer nur gut, wird immer nur gute und liebevolle Dinge sagen. Auch Böses kommt aus unserem Mund. Aber Schweigen kann dann nicht die Lösung sein, selbst wenn das Sprichwort es als Gold bezeichnet. Auch Schweigen kann böse und verletzend sein, kann schädlich sein, z.B. wenn es eigentlich gilt den Mund aufzutun, einzutreten für das Gute. Einstehen für den Menschen, einstehen für Christus, einsehen für Gott, das können wir oft nur über die Sprache, über Worte, die aus uns herauskommen. Angstvolles Schweigen, das nicht verletzten oder nichts Falsches sagen will, kann dann auch Menschen wegbringen vom Guten, kann sie auf falsche Wege führen. Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut, sagt Jesus kurz vor unserem Text und weist damit genau auf diese Dimension des Redens bzw. des Schweigens hin. Und ein solches Reden gegen das Böse wird immer wichtiger, gerade in einer Zeit, wo durch Rundfunk und Fernsehen und die Vielzahl von Medien das Reden, das Wort immer weitere Kreise zieht. Ein kleiner Kreis von Menschen erreicht mit einen Worten oft Millionen von Menschen: vor allem Politiker, Schriftsteller und Journalisten. Sie ,machen" die Meinung von ungezählten Lesern, Hörern und Zuschauern und haben darum eine ungeheure Verantwortung. Sie können sehr viel gutes, aber auch schrecklich viel Böses bewirken. Krieg oder Frieden, Egoismus oder Gemeinschaftstreue, trennende Gewalt oder gemeinschaftliches Leben liegen oft in ihrer Hand. Ihre Worte bauen auf oder zerstören. Und ihre Wortwahl ist oft genug eine schönfärbende Umschreibung unmenschlicher Sachverhalte. Wir fühlen uns dagegen machtlos und ohnmächtig. Was können wir tun? Im Grunde nur dasselbe, nämlich: Reden. Reden für die Menschen, reden gegen oberflächliche nichtsnutzige oder gar gehässige Zeitungsartikel, Reden in den Vereinen und am Stammtisch, reden und aussprechen, wie die Sachverhalte wirklich sind. Reden kann an dieser Stelle Gold sein, wenn die Härte des Herzen sich in Worten der Unmenschlichkeit ausdrückt. Es gilt dabei das böse Herz aufdecken, aber nicht nur bei den anderen, sondern auch bei mir selber, um zu Worten zu kommen, die wirklich segensreich sind. Auch davon spricht ja die Fabel und spricht auch Jesus: Wir alle wissen von guten Worten, die uns für einen ganzen Tag fröhlich gemacht haben und sei es nur ein von Herzen kommender kleiner Gruß gewesen. Über manche guten Worte denken wir viele Tage, Monate, ja vielleicht gar Jahre nach. Sie helfen weiter, vertreiben Mißmut und Niedergeschlagenheit und schenken Mut zum Leben, Glauben und Hoffnung. Auch diese Worte gibt es, Worte die aus gutem Herzen kommen, so wie gute Frucht an einem guten Baum sichtbar wird. Auch und gerade dann wird man noch einmal sagen können: Reden ist Gold. Allerdings ist eben bei uns immer lebendig, dass in der einen Zunge, die wir in uns haben, beides sichtbar wird: die Zunge, die Schlechtes bewirken kann, und die Zunge, die Gutes bewirken kann. Wenn wir heute Buß- und Bettag feiern, dann gilt es davon zu reden, dass wir Menschen nach innen und außen wohl nie so eindeutig sind, wie es in unserm Predigttext beschrieben wird: ein guter Mensch bringt Gutes hervor, ein böser Mensch Böses. Das sind im Grunde nicht zwei Menschen, von denen hier die Rede ist, das ist nur einer. Jeder von uns trägt beide Seiten in sich, trägt Gutes und Böses in sich, sagt gute Worte, sagt böse Worte und zeigt damit auch die beiden Seiten des Herzens auf. Wir können uns nicht einfach auf eine Seite stellen, wenn es um unser Reden oder auch um unser Leben als ganzes geht. Wir stehen nicht entweder auf der guten Seite oder der bösen Seite, niemand ist nur gut, niemand nur böse. Warum aber redet. Jesus dann so klar abgegrenzt vom guten oder bösen Menschen, wenn es den doch gar nicht gibt? Ich denke, deshalb weil er uns Menschen aus einer Sicht des Menschen herausholen will, die sehr schnell entstehen kann, wenn ich sage: wir sind nie nur gut oder böse. Denn das heißt ja soviel wie, ich kann machen, was ich will, ich bleibe ja doch so, wie ich bin. Ich bin wohl nicht ganz gut, aber eben auch nicht ganz böse, also bin ich doch ein ganz ordentlicher Menschen. Jesus aber sagt: nimmt das Böse ernst, gestehe es dir zu, aber entschuldige dich dafür nicht mit dem wenigen Guten, sondern versuche dem Bösen zu entkommen: rede dem Bösen entgegen, schweige, wenn das Böse aus dir heraus will und andere trifft. Gib dem Guten großen Raum, rede das Gute, schweige, wenn es dem Guten dient. Mache damit deine Zunge zu einem Objekt im Dienste des Guten, im Dienste Gottes. Seid wahrhaftig im Reden, laßt in eurem Reden Gott wirksam werden, dann werden die Früchte dieses Redens auch reichlich sein. In dieser Sichtweise liegt genau das, was wir mit dem Bußtag feiern wollen. Buße klingt ja bei uns immer schlecht, weil wir dann an das Bußgeld denken, die Strafe, die uns auferlegt wird. Aber Buße hängt sprachlich auch mit dem Wort besser zusammen. Christliche Buße bedeutet dann nicht nur Erkenntnis der eigenen Schuld, der eigenen bösen Seiten, sondern auch der Hinweis, dass wir besser werden können, dass wir umkehren können. Zur Reue tritt Freude und Dank für empfangene Vergebung und einen Neuanfang. Und wo uns Freude und Dank gegen Gott erfüllen, da wird auch Raum für gute Worte sein, Worte in denen das Gute, das wir von Gott empfangen sichtbar wird. Buße heißt dann: dem besseren, dem besseren Raum geben. Und das können wir erreichen: durch Reden und durch Schweigen. Nur eben alles zu seiner Zeit. Bitten wir Gott darum, dass er uns das ermöglicht. Amen. Liturgischer Ablauf Begrüßung - Orgelvorspiel Psalmgebet Ps. 51 - EG 727 - Offene Schuld EG 020 355, 1-5 Gebet: Wir haben vor dir, barmherziger Gott, unsere Schuld bekannt. Du hast uns Vergebung zugesprochen. Wir hören die Worte, wir schauen in uns hinein. Laß das, was du uns sagst. Wirklichkeit werden in uns, laß es uns annehmen, auf dass wir befreit nach vorne schauen können. Das bitten wir durch Jesus Christus .... Lesung: Lk 15, 6-9 Lied: 389, 1-5 Lesung: Mt 12, 33-37 Glaubensbekenntnis 604, 1-3 Predigt 414,1-4 Abkündigungen - Fürbittengebet= EG 828 Segen 163 |
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