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In diesen Tagen vor Weihnachten werden allerorten Adventsfeiern
durchgeführt, Weihnachtsfeiern werden sie dann vielfach genannt. Für
viele von uns sind das Feiern, zu denen wir gerne gehen, bei denen es
uns Freude macht, mit anderen in stimmungsvoller Runde zu sitzen, um
Kaffee zu trinken, ein schönes Stückchen Kuchen zu essen, oder ein
schönes Abendbrot zu uns zu nehmen. Manchmal wird in dieser Runde auch
gesungen, um so ein Stück kindlicher Freude und Geborgenheit zu erleben.
Manch einem aber werden die vielen Feiern auch zu viel, jeder Kreis
feiert Advent und langsam weiß man schon gar nicht mehr, was da
eigentlich gefeiert wird. Und wenn man ein wenig länger darüber
nachdenkt, dann wird diese Frage wirklich auch etwas ernster, sie wird
zu einer echten Frage, die wir auch stellen sollten, wenn wir uns auf
die adventlichen Feiern freuen. Was feiern wir zu Advent? Können wir
eigentlich Advent feiern, im Sinne einer richtigen Feier, können wir
doch eigentlich nur Weihnachten feiern?
Advent, man kann es eigentlich nicht oft genug sagen, ist eigentlich
Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Kirchlich gesehen eine Zeit der Buße
und der Besinnung, eine Zeit des Nachdenkens über unser Leben, über
unsere Hoffnungen, Wünsche und Ängste. Es ist also eigentlich eine Zeit,
die wenig feierlich ist, ja die vielleicht sogar eher bedrückend ist,
wenn wir unser Leben betrachten. Und in dieser stillen Zeit geht es ja
vielen von uns so, dass sie innerlich bedrückt sind über ihr Leben. In
dieser dunklen Jahreszeit wird deutlich, wie allein man lebt, wie wenig
Kontakt man wirklich hat. Im Sommer, wenn man spazieren gehen kann, dann
trifft man den einen oder anderen, jetzt sieht man vielleicht tagelang
niemanden, so dass man mit seinen Gedanken allein ist. Oder das Wetter
zeigt einem jetzt, wie beschwerlich das Leben im Alter geworden ist. Und
für manch einen sind viele Gedanken eher bedrückend, wenn die Frage
kommt: was habe ich von meinem Leben noch zu erwarten, was wird noch
alles auf mich zukommen?
Und wenn man sich dann sehr tief ins nachdenken hineinbegibt, dann kommt
sicherlich auch einmal die Frage auf, wo ist denn Gott in dieser Zeit in
meinem Leben, was bedeutet es, dass wir Weihnachten entgegengehen, dass
Gott uns entgegengegangen ist und uns zu Weihnachten Gottes Nähe neu
verkündet wird?
Das, liebe Gemeinde, könnten Gedanken von Advent sein, auch wenn diese
Gedanken vielleicht eher traurig klingen, etwas düster. Aber es sind
Adventsgedanken, die noch nicht von Weihnachten überlagert sind,
Adventsgedanken, die wirklich erst einmal fragen: was erwarten wir, was
erhoffen wir wirklich für unser Leben? Denn wir erhoffen ja mehr, als
nur eine kurze Zeit vorweihnachtlicher Freude auf einer Feier, die dann
zwar als schöne Erinnerung im Gedächtnis bleibt, die aber in unserem
Leben nicht viel verändert.
Solche Adventsgedanken hat wohl auch Johannes der Täufer gehabt, als er
im Gefängnis gesessen hat. Johannes war dort mit sich allein, er hatte
Zeit und kam zwangsläufig dazu, über sich und sein Leben nachzudenken.
Und er war ein Mensch, der voller Hoffnungen war. Wir kennen ihn alle
als Täufer im Jordan. Er hatte die Hoffnung, dass Gott nun bald kommen
wird, dass Gott sein Reich aufbauen wird, dass endlich Schluss ist mit
den Soldaten im Heiligen Land, mit Unrecht und Schuld. Und er war ganz
davon überzeugt, dass das Erscheinen Gottes nicht weit weg war. "Kehrt
um, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Kehrt um, bekehrt euch
von euren sündigen Wegen, und lasst euch als Zeichen dafür taufen, auf
dass ihr vor Gott bestehen könnt." So hat er am Jordan geredet und viele
Menschen in seinen Bann gezogen. Mit seinen Reden und Gedanken aber kam
er in Konflikt mit dem Herrscher. Denn neben anderen Dingen, die
Johannes bei den Menschen beklagte, war auch er es, der seine Angriffe
zu spüren bekam. Herodes hatte nämlich die Frau seines Bruders genommen.
Weil Johannes dies angeprangert hat, wurde er gefangen genommen. Im
Gefängnis nun hörte er von Jesus, von dem Mann, der durch die Lande zog
und ebenfalls Gottes Reich verkündigte. Aber er tat es anders als
Johannes erwartet hatte, nicht mit gewaltigen Taten, sondern nur mit
kleinen Zeichen, mit wenigen Taten, die sich aber bald herumsprachen.
Und Johannes besah seine Situation, unschuldig gefangen, er schaute auf
seine Verkündigung vom Reiche Gottes, auf seine großen Hoffnungen.
Nichts scheint davon erfüllt zu sein. Ihm geschah weiter Unrecht, die
Herrscher sind noch immer an der Macht, das Unrecht in der Welt geht
weiter. Und doch ist etwas anders geworden, mit Jesus hat angefangen,
was er verkündet hat. Für manche Menschen ist etwas angebrochen, das mit
dem Reich Gottes zu tun hat. Johannes ist verunsichert: ist Jesus nun
der Messias, ist er das Heil der Welt, oder müssen wir auf einen anderen
warten? Johannes war verunsichert: muss er warten oder darf er sich
schon freuen?
In dieser Situation stehen auch wir in jedem Advent. Wir stehen zwischen
Warten und Freude. Wir sehen das Leben um uns herum, wir sehen, wie es
uns selber geht, wie wir uns fühlen. Und oftmals ist dies nicht ein
Gefühl des Heils in uns, sondern oft nur die Hoffnung auf ein Stück
besseres Leben. Und daneben wissen wir von Jesus, wir wissen von
Weihnachten, wir freuen uns darüber, dass Gott in diese Welt gekommen
ist. Aber der Blick in die Welt, unser Leben im Gefängnis von Krankheit,
Einsamkeit, hilflosen Gedanken über die Situation der Welt, all das
macht uns unsicher und bringt uns ebenfalls zu der Frage, die Johannes
stellt: bist du wirklich der da kommen soll, oder müssen wir auf einen
anderen warten. Johannes möchte es genau wissen und wenn wir ehrlich
sind, wir möchten es doch im Blick auf Christus auch genau wissen, wir
möchten Gewissheit haben, dass unser Glaube an Jesus Christus wirklich
tragfähig ist im Leben und im Sterben.
Johannes schickt seine Freunde los, um Jesus selber zu fragen.
Eigentlich erwartet er ein klares Ja, oder ein klares Nein auf seine
Frage, aber die Jünger bekommen eine andere Antwort: Geht hin und sagt
Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen,
Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird
das Evangelium gepredigt. Und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.
Die Jünger werden nach Hause geschickt mit einer Antwort, die im ersten
Moment enttäuscht. Johannes wollte ein Ja oder nein, stattdessen bekommt
er die Auskunft, dass durch Jesus etwas in der Welt geschieht, das alten
Vorstellungen vom Heil entspricht. Auch das alte Testament hat schon
davon gesprochen, dass Gottes Heil anbricht, wo Blinde sehen, wo Taube
hören, wo Lahme gehen. Mit Jesus ist dieses Heil angebrochen, das können
die Jünger des Johannes berichten, das können wir als Christen heute
weitererzählen. Aber heißt das, das Johannes nicht mehr warten muss,
kann er nun beruhigt sein, angesichts seiner bedrängenden Frage?
Ich denke, er kann es nicht und Jesus weist auch genau darauf hin. Selig
ist, wer sich nicht an mir ärgert, so sagt er am Schluss den Jüngern des
Johannes und damit uns allen. Und gemeint ist damit folgendes: Johannes
wird weiter im Gefängnis bleiben, seine Lebenssituation wird sich
äußerlich überhaupt nicht ändern, alles wird beim Alten bleiben, ja er
wird sogar auf grausame Weise sterben müssen. Das Heil, wie er es
erwartet hat, ist so nicht gekommen, er wird weiter darauf warten
müssen. Gleichzeitig aber hat er erfahren, dass in kleinen Zeichen,
Gottes Heil angebrochen ist. Selig ist, wer sich nicht daran ärgert,
dass nur an wenigen Stellen Heil sichtbar ist, dass nicht überall das
Heil ist, dass vieles unheil bleibt, dass Jesus wohl Zeichen gesetzt
hat, aber nicht die Welt von Grund auf verändert hat. Selig ist, wer im
Vertrauen auf Jesus warten kann auf die Vollendung des Reiches Gottes
und wer trotzdem schon voller Freude darüber sein kann, dass Jesus
gekommen ist.
Warten und dennoch Freude haben, sich freuen können und dennoch Warten,
das ist jetzt die Situation der Christen, das ist der Geist unserer
Adventszeit, im Grunde ist es aber auch die Gestalt unserer Lebenszeit.
Wir wissen, dass sich das Negative aus der Welt nicht verbannen lässt,
so sehr wir Menschen uns auch darum bemühen, im Großen wie im Kleinen
werden wir mit Beschwernissen leben. Aber überall gibt es auch bei uns
Zeichen, die uns deutlich werden lassen: ganz heillos ist unsere Welt
nicht, da hat etwas mit Jesus angefangen, das bringt an vielen Stellen
schon heute Heil, auch wenn wir auf das Heil der ganzen Welt noch warten
müssen. Im Glauben geschieht so vieles, das wir verbinden können mit
dem, was an Heil in der Welt verwirklich hat: verbohrte Menschen, blind
für die Sorgen anderer Menschen, blind für die Schöpfung Gottes haben
durch Jesus gelernt, Liebe zu üben, Verantwortung für die Menschen und
für die Schöpfung Gottes zu übernehmen. Tote stehen auf: es gibt viele
Menschen, die seelisch tot waren, die keine Lebenslust, keine
Lebenshoffnung mehr hatten, die ohne Energie nur noch so dahinlebten
ohne Sinn und Ziel. Begegnung mit Jesus, hören von Jesus, der auch
seelisch Tote nicht abschreibt, sondern der Sinn und Ziel zu geben
vermag, das ist so etwas wie Auferstehung der Toten mitten im Leben.
Und den Armen wird das Evangelium gepredigt, selig sind die Armen, so
heißt es in der Bergpredigt. Diese Menschen finden Würdigung, finden
Anerkennung bei Gott, und in der diakonischen Arbeit der Kirche wird
gerade diese Tätigkeit groß geschrieben. Predigt des Evangeliums
bedeutet ja nicht nur Worte zu machen, sondern in Wort und Tat frohe
Botschaften zu bringen. Brot für die Welt ist ein Beispiel für die
Verwirklichung dieses Satzes.
All das, liebe Gemeinde, ist ein Aufleuchten der Wirklichkeit Gottes
unter uns, ein Zeichen seines mit Jesus angebrochenen Reiches. Noch aber
ist es eben nicht ganz vollendet. So wie Johannes warten wir, dass es
einmal vollendet werden wird, mit ihm warten wir, dass auch wir bei uns
ein solches Zeichen erfahren dürfen. Selig aber preist Jesus uns, wenn
wir schon im Warten ganz auf ihn vertrauen können und daraus Freude und
Hoffnung schöpfen für unser Leben. Selig sind wir, wenn wir noch im
Warten unserer Freude über sein Kommen zum Ausdruck bringen. Und genau
das wollen wir tun, wenn wir Advent feiern. So können unsere Feiern
vielleicht als solche gestaltet und erlebt werden, dass wir die inmitten
des Wartens und des Wissens um eine schwierige Welt, dennoch freudig
leben und feiern, weil wir von der Freude leben, die in dem Leben Jesu
schon offenbar wird und am Ende der Zeit ihre Erfüllung findet. Lassen
wir doch diese Freude bei uns ankommen, um von ihr her das Leben mit all
seinen schönen und schwierigen Seiten als von Gott umfangen zu sehen.
Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Begrüßung - Orgelvorspiel
Lied: EG NsB 538, 1-3
Psalm
Eingangsliturgie - Gebet:
Gott, wir feiern Advent. Wir freuen uns, dass du auf uns zugekommen bist
in Jesus Christus. Gleichzeitig aber sehen wir auch die Welt mit all
ihrer Not und zweifeln an deiner Nähe. Der Blick für dich ist verstellt
und so werden wir zu Fragenden, ob du überhaupt für uns da bist.
Überwinde, was uns von dir trennt, damit wir dir begegnen und dich in
unser Leben kommen lassen. Festige so unseren Glauben und mache uns
geduldig angesichts der Erfahrungen in dieser Welt.
Das bitten wir ....
Lesung: Jes, 40, 1-8
Lied 10,1-4
Lesung: Mt 11, 2-6
Glaubensbekenntnis
Lied: 4,1-5
Predigt
Lied: 6, 1-5
Abkündigungen - Fürbittengebet
Gütiger Gott!
Wir danken dir für alle Zeichen deiner Güte in unserem Leben. Auch wenn
wir vieles davon gar nicht wahrnehmen, so wirkst du doch jeden Tag zu
unserem Heil.
Wir bitten dich für alle Menschen, die auf der Suche sind nach Heil in
ihrem Leben. Das sie sich nicht verlieren in den leeren Versprechungen
der Heilsanbieter unserer Zeit. Lass sie Weg zu dir finden, dass sie
wirkliches Heil erfahren. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die gefangen sind in sich selber, durch bestimmte
Lebensgedanken und -vorstellungen und die da nicht mehr herauskommen.
Hilf, dass sie Menschen finden, die sie dabei liebevoll begleiten und zu
einer Freiheit führen, die sich auf deine Güte gründet. Darum rufen wir
zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die im Unheil dieser Welt verstrickt sind: für die
Menschen, die unter Gewalt leiden und die Gewalt ausüben, für die Opfer
von menschlichem Tun, aber auch für diejenigen, die sich einfach
ausgeliefert fühlen: für die schwer Kranken und Sterbenden. Lass sie
über dieses Unheil hinweg das Licht deiner Herrlichkeit sehen. Darum
rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir beten für alle Menschen, die uns am Herzen liegen und deren Leben
ein Lichtstrahl des Heiles braucht. In der Stille wollen wir ihre Namen
und ihre Lebenssituation vor Gott bringen:
Für sie alle rufen wir gemeinsam: Herr erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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