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Mt 10, 26b-33

Der Friede des Herrn sei mit Euch allen. Amen!

Liebe Gemeinde,
am heutigen Tage gedenken wir der Reformation, ihrem Initiator Martin Luther und anerkennen die Erkenntnisse, die Luther gewonnen hat. Was ist an dem, was Luther ans Licht gefördert hat so neu und aufsehen erregend, dass wir auch noch 500 Jahre nach dieser Entdeckung daran gedenken? Und hat das, was Luther getan und gelebt hat noch Auswirkungen auf unser heutiges, modernes Leben?
Ich möchte Sie auf eine ganz kurze Reise durch das Leben von Martin Luther mitnehmen und Ihnen zeigen, was Luther Neues erschlossen hat. Martin Luther – ein erfolgreicher Jurist, Theologieprofessor und Mönch – brachte den entscheidenden Stein ins rollen, der die Lawine der Reformation nach sich zog. Vielleicht war sein Mönchsleben dabei das Wichtigste, denn sein Dasein als Mönch hat ihn wieder und wieder nach der Wahrheit des Glaubens suchen lassen. In seiner Mönchszelle sitzend, konnte er nicht verstehen warum von der Kirche ein so harter, strafender Gott verkündet wurde. Vielleicht kennen Sie ja das damals geläufige Sprichwort „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“. Diese gängige Ablasspraxis machte Luther wütend. Mehr und mehr gewann er durch das Bibelstudium die Erkenntnis, dass wir Gott nichts darreichen müssen und schon gar kein Geld, damit er uns liebt und vergibt. Diese neue Erkenntnis Luthers war ein Grund, der ihn dazu antrieb seine berühmten Thesen an die Wittenberger Kirchtür anzuschlagen. Noch wichtiger aber als Luthers Kampf gegen die Geldgeschäfte der großen und mächtigen Kirche war aber sein konsequentes Eintreten für die Wahrheit des Glaubens und sein Gottesbild, was sich in ihm zu entwickeln begann und worauf unsere evangelisch-lutherische Kirche gründet. Luther erkannte Gott als jemanden, der ohne jeden Grund gnädig und bereit ist uns Menschen anzunehmen. Auf dieses Geschenk Gottes kann der Mensch mit Vertrauen und Glauben antworten, allein das reicht.
Luther war davon überzeugt, dass der Glaube und nur der Glaube allein, nicht Werke, Ablass, oder Fasten, zum Eintritt in Gottes Himmelreich genügt. Und genau das lief der gängigen Ablasspraxis natürlich zuwider. Trotz der Gefahren, die sich ergaben, sobald man sich gegen diese für die Kirche ergiebige Praxis auflehnte, hat Luther seine Überzeugung nicht für sich behalten, sondern hat das, was ihm in seinem Leben und in seiner Beziehung zu Gott wichtig wurde – bildlich gesprochen - laut von den Dächern gepredigt.
Im Predigttext, den wir ja eben gehört haben, heißt es: „Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern“. Genau das hat Luther getan!
Und mit dem, was Luther da sagt, behauptet er: Du bist Gott wichtig. Gottes Gnade und Barmherzigkeit sind Angebot für jeden Menschen – ohne Ausnahme. Gott möchte sich jedes Menschen annehmen. Auch dieser Gedanke findet sich im heutigen Text, wo es heißt: „Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt“. Weißt Du wie viele Haare du auf dem Kopf hast? Nun kommt es darauf an, ob Du alt oder jung bist. Bei mir werden es leider von Jahr zu Jahr weniger. Ein normaler Mensch hat ca. 100000 Haare auf dem Kopf. Jesus meint damit: Gott kennt uns durch und durch. Ja, er kennt uns sogar so gut, dass er die Anzahl der Haare auf unserem Kopf weiß. Soviel wie Gott von uns weiß, wissen wir über nichts und niemanden. Ich bin mir ganz sicher, dass Gott mich besser kennt als irgendwer sonst. Besser als meine Eltern oder mein bester Freund. Und weil er uns so gut kennt und in unser Herz schauen kann, weiß er auch besser als jeder andere, wessen wir bedürfen.
Wie wichtig jeder einzelne Gott ist, das erfahren wir auch aus dem Vers mit den Sperlingen: „Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater“. Spatzen zählten damals nichts. Sie wurden gefangen und dann billig, im Doppelpack, für nur einen Groschen verkauft. Und obwohl sie doch nun so unwichtig und billig sind, kennt Gott jeden und keiner fällt vom Himmel ohne das Gott davon weiß. Und weiter heißt es frei übersetzt dann: Wenn Gott schon die unwichtigen Spatzen liebt, kennt und sich um sie sorgt, wie viel mehr nimmt er sich dann erst eurer an?
Entgegenbringen müssen wir Gott dafür nichts. Gott sorgt sich um uns weil er so gnädig ist. Es reicht an ihn zu glauben, ihm zu vertrauen und unser Lebenshaus auf ihn zu bauen. Wenn wir das tun, verspricht uns Jesus uns oben im Reich Gottes, im Himmel, einen Platz freizuhalten und er wird uns vor seinem himmlischen Vater bekennen.
Aber weiter steht geschrieben: wenn wir das nicht tun, dann werden wir keinen Eintritt ins Paradies gewährt bekommen. Im letzten Vers heißt es: „Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater“.
Der Glaube ist Antwort des Menschen auf die gütige Liebe Gottes. Und dieser Glaube muss in unserem Leben sichtbare Konsequenzen haben. Er muss gelebter Glaube sein. Es muss Glaube sein, der sich praktisch und sichtbar bemerkbar macht. Luther sagt: Ein guter Baum bringt automatisch auch gute Früchte. Das heißt, dass ein von Gottes Liebe ergriffener Christ ganz automatisch in seinem Tun und Reden Jesus folgt.
Dafür gibt es viele Beispiele: Das kann im Nachbargespräch von Zaun zu Zaun sein. Das kann abends beim Bier sein. Das kann Hilfe für einen Freund sein, der uns jetzt sofort braucht. Das kann Fair play beim Sport sein. Aber was wir glauben und das wir glauben sollen wir eben nicht für uns behalten, sondern laut von den Dächern verkünden, also auch sichtbar leben. Wenn Luther für seine Überzeugung nicht eingetreten wäre und seinen Glauben nicht verkündet hätte, wäre die Botschaft vom guten Gott, der uns einfach so annimmt, vielleicht noch heute verborgen.
An einer anderen Stelle im Mt. Evangelium sagt Jesus: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“. Das bedeutet, wenn wir unserem Nächsten etwas Gutes tun und gelebte Nächstenliebe und Barmherzigkeit praktizieren, dann ist das so, als wenn wir es direkt an Jesus getan hätten.
Aber auch hier schildert Jesus die andere Seite der Medallie indem er weiter spricht: „Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan“.
Das bedeutet, wenn wir nicht dem, was Jesus uns vorgelebt hat folgen und den Armen oder den Hilfsbedürftigen mitten unter uns weder sehen, noch helfen, sondern links liegenlassen, dann ist das so, als wenn wir an Jesus selbst vorbeigegangen wären. Glaube fordert Konsequenzen – und zwar sichtbare!
Liebe Gemeinde, die Reformation und die ersten Protestanten haben uns gelehrt, dass der Glaube allein ausreicht um zu Gott zu kommen. Nur der Glaube allein.
Der Glaube allein? Das hört sich gut an aber aus meiner Erfahrung weiß ich: Das ist leichter gesagt als getan, denn unser oder zumindest mein Glaube wird oft auf die Probe gestellt. Damit meine ich in erster Linie nicht die großen Ereignisse der Welt, die oft sehr schrecklich sind. Vielmehr meine ich die kleinen und großen Ereignisse in meinem, in Ihrem Leben, die uns zweifeln lassen. Da sind Stunden der Einsamkeit, die uns an Gottes Fürsorge zweifeln lassen. Da gibt es vielleicht Trennungen von lieben Menschen, die uns traurig machen. Da ist der Verlust eines geliebten Menschen, den wir fragend Gott vorwerfen. Da ist ein Unfall, den wir nicht einordnen können, weil Gott uns doch liebt. Ich bin mir sicher, in diesen oder ähnlichen Schickschalsschlägen des Lebens finden Sie sich wieder. Ich frage mich oft: Wenn Gott uns durch und durch kennt und liebt, warum passieren dann diese kleineren oder größeren Schicksalsschläge?
Eine Antwort darauf habe ich nicht, aber ich weiß, das Hadern und Zweifeln zum Glauben dazu gehören und man sich dieser Gefühle nicht zu schämen braucht, denn mit den gelegentlichen Zweifeln sind wir in guter Gesellschaft mit prominenten Persönlichkeiten der Bibel. Selbst seine Jünger bezichtigt Jesus an einer Stelle der Kleingläubigkeit. Dennoch gibt es einen Grund in meinem Leben Gott trotz seiner Rätselhaftigkeit weiter zu glauben und zu vertrauen. Dieser Grund ist Jesus. Und zwar deshalb, weil ich darauf vertraue, dass er bei mir ist, sich um mich sorgt, seine schützende Hand über mich hält und er mich liebt, so wie er seine Jünger, Lazarus, Levi und all die anderen geliebt hat. Wenn wir vertrauen, dann tun wir das, weil wir auf etwas Gutes hoffen. So auch bei Jesus. Ob wir nun dem Sessellift, dem Anlageberater, der Fußballmannschaft oder unserem Anwalt vertrauen. Wir investieren unser Vertrauen, weil wir auf etwas Gutes hoffen und hoffen können. So eben auch bei Jesus. Ich gebe zu, dass sich damit nicht die Schicksalsschläge unseres Lebens erklären lassen, aber es lässt sich erklären, warum weiter zu glauben und zu vertrauen sich lohnt, denn ich weiß, dass Jesus uns für unseren Glauben und unser Vertrauen etwas anbietet – ganz umsonst: Das ewige Leben.
Das, was Jesus uns schenken wird, das Leben bei Gott, möchte ich mit einem Scheck vergleichen, der von Jesus für uns ausgefüllt worden ist und zur Abholung bereit liegt. Das einzige, was wir tun müssen, ist darauf zu vertrauen, dass der Scheck gedeckt ist und ihn bei der Bank einlösen.
Möge Gott uns die Einsicht schenken, zu erkennen, was für ein liebevolles, gnädiges und ewiges Angebot uns Jesus macht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 165,1,2,6,8
Psalm 46,2-8
Eingangsliturgie
Gebet EGb 437 - 2
Lesung: Röm 3, 21-28
Lied 362,1-4
Lesung
Glaubensbekenntnis
Lied 341,1-4+7
Predigt
Lied 351,1-4+7
Abkündigungen
Fürbittengebet

Fürbittengebet für den Reformationstag 2005

Lieber Vater, wir bitten dich, dass Menschen für ihren christl. Glauben eintreten. Wir bitten dich für solche Menschen wie Martin Luther, die für das, was sie glauben, eintreten und die Wahrheit des Glaubens ans Licht bringen. Hilf ihnen ihre christl. Ideale und Ziele
in der Nachfolge Jesu verwirklichen zu können.
Herr, dafür rufen wir zu dir:
Wir bitten dich für alle die, die sich einsam und verlassen fühlen. Zeig ihnen, dass du nahe bist. Sende ihnen Menschen, die für sie da sind, ihnen zuhören, sich um sie sorgen. Desgleichen bitten wir dich für die Kranken und Schwachen. Lass sie in ihrem Leid nicht allein, sondern zeig ihnen, dass du auch in Krankheit, Sterben und Trauer sicherer Hort und Tröster bist.
Herr, wir rufen zu dir:
Wir bitten dich für unsere Familien, Freunde und alle, die unser Leben lebenswert machen. Sei bei ihnen und begleite sie.
Darum bitten wir dich und rufen zu dir:
Wir bitten dich für eine Welt voll Liebe und Barmherzigkeit. Lass uns Menschen gegenseitig mit offenen Herzen und Nächstenliebe begegnen, so dass jeder ein kleines Bisschen zur Veränderung deiner Welt beitragen kann.
Darum rufen wir zu dir:
In der Stille wollen wir das, was uns bewegt, vor dir ausbreiten.

Für alles Benannte und Unbenannte rufen wir zu dir:

Vaterunser
Segen
163


© dieser Predigt: Dennis Stork
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten von Vikar Dennis Stork in
Groß Elbe und
Gustedt 

30. 10. 2005

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Ablauf
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