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Der Friede des Herrn sei mit Euch allen. Amen!
Liebe Gemeinde,
am heutigen Tage gedenken wir der Reformation, ihrem Initiator Martin
Luther und anerkennen die Erkenntnisse, die Luther gewonnen hat. Was ist
an dem, was Luther ans Licht gefördert hat so neu und aufsehen erregend,
dass wir auch noch 500 Jahre nach dieser Entdeckung daran gedenken? Und
hat das, was Luther getan und gelebt hat noch Auswirkungen auf unser
heutiges, modernes Leben?
Ich möchte Sie auf eine ganz kurze Reise durch das Leben von Martin
Luther mitnehmen und Ihnen zeigen, was Luther Neues erschlossen hat.
Martin Luther – ein erfolgreicher Jurist, Theologieprofessor und Mönch –
brachte den entscheidenden Stein ins rollen, der die Lawine der
Reformation nach sich zog. Vielleicht war sein Mönchsleben dabei das
Wichtigste, denn sein Dasein als Mönch hat ihn wieder und wieder nach
der Wahrheit des Glaubens suchen lassen. In seiner Mönchszelle sitzend,
konnte er nicht verstehen warum von der Kirche ein so harter, strafender
Gott verkündet wurde. Vielleicht kennen Sie ja das damals geläufige
Sprichwort „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel
springt“. Diese gängige Ablasspraxis machte Luther wütend. Mehr und mehr
gewann er durch das Bibelstudium die Erkenntnis, dass wir Gott nichts
darreichen müssen und schon gar kein Geld, damit er uns liebt und
vergibt. Diese neue Erkenntnis Luthers war ein Grund, der ihn dazu
antrieb seine berühmten Thesen an die Wittenberger Kirchtür
anzuschlagen. Noch wichtiger aber als Luthers Kampf gegen die
Geldgeschäfte der großen und mächtigen Kirche war aber sein konsequentes
Eintreten für die Wahrheit des Glaubens und sein Gottesbild, was sich in
ihm zu entwickeln begann und worauf unsere evangelisch-lutherische
Kirche gründet. Luther erkannte Gott als jemanden, der ohne jeden Grund
gnädig und bereit ist uns Menschen anzunehmen. Auf dieses Geschenk
Gottes kann der Mensch mit Vertrauen und Glauben antworten, allein das
reicht.
Luther war davon überzeugt, dass der Glaube und nur der Glaube allein,
nicht Werke, Ablass, oder Fasten, zum Eintritt in Gottes Himmelreich
genügt. Und genau das lief der gängigen Ablasspraxis natürlich zuwider.
Trotz der Gefahren, die sich ergaben, sobald man sich gegen diese für
die Kirche ergiebige Praxis auflehnte, hat Luther seine Überzeugung
nicht für sich behalten, sondern hat das, was ihm in seinem Leben und in
seiner Beziehung zu Gott wichtig wurde – bildlich gesprochen - laut von
den Dächern gepredigt.
Im Predigttext, den wir ja eben gehört haben, heißt es: „Was ich euch
sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in
das Ohr, das predigt auf den Dächern“. Genau das hat Luther getan!
Und mit dem, was Luther da sagt, behauptet er: Du bist Gott wichtig.
Gottes Gnade und Barmherzigkeit sind Angebot für jeden Menschen – ohne
Ausnahme. Gott möchte sich jedes Menschen annehmen. Auch dieser Gedanke
findet sich im heutigen Text, wo es heißt: „Nun aber sind auch eure
Haare auf dem Haupt alle gezählt“. Weißt Du wie viele Haare du auf dem
Kopf hast? Nun kommt es darauf an, ob Du alt oder jung bist. Bei mir
werden es leider von Jahr zu Jahr weniger. Ein normaler Mensch hat ca.
100000 Haare auf dem Kopf. Jesus meint damit: Gott kennt uns durch und
durch. Ja, er kennt uns sogar so gut, dass er die Anzahl der Haare auf
unserem Kopf weiß. Soviel wie Gott von uns weiß, wissen wir über nichts
und niemanden. Ich bin mir ganz sicher, dass Gott mich besser kennt als
irgendwer sonst. Besser als meine Eltern oder mein bester Freund. Und
weil er uns so gut kennt und in unser Herz schauen kann, weiß er auch
besser als jeder andere, wessen wir bedürfen.
Wie wichtig jeder einzelne Gott ist, das erfahren wir auch aus dem Vers
mit den Sperlingen: „Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen?
Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater“. Spatzen
zählten damals nichts. Sie wurden gefangen und dann billig, im
Doppelpack, für nur einen Groschen verkauft. Und obwohl sie doch nun so
unwichtig und billig sind, kennt Gott jeden und keiner fällt vom Himmel
ohne das Gott davon weiß. Und weiter heißt es frei übersetzt dann: Wenn
Gott schon die unwichtigen Spatzen liebt, kennt und sich um sie sorgt,
wie viel mehr nimmt er sich dann erst eurer an?
Entgegenbringen müssen wir Gott dafür nichts. Gott sorgt sich um uns
weil er so gnädig ist. Es reicht an ihn zu glauben, ihm zu vertrauen und
unser Lebenshaus auf ihn zu bauen. Wenn wir das tun, verspricht uns
Jesus uns oben im Reich Gottes, im Himmel, einen Platz freizuhalten und
er wird uns vor seinem himmlischen Vater bekennen.
Aber weiter steht geschrieben: wenn wir das nicht tun, dann werden wir
keinen Eintritt ins Paradies gewährt bekommen. Im letzten Vers heißt es:
„Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen
vor meinem himmlischen Vater“.
Der Glaube ist Antwort des Menschen auf die gütige Liebe Gottes. Und
dieser Glaube muss in unserem Leben sichtbare Konsequenzen haben. Er
muss gelebter Glaube sein. Es muss Glaube sein, der sich praktisch und
sichtbar bemerkbar macht. Luther sagt: Ein guter Baum bringt automatisch
auch gute Früchte. Das heißt, dass ein von Gottes Liebe ergriffener
Christ ganz automatisch in seinem Tun und Reden Jesus folgt.
Dafür gibt es viele Beispiele: Das kann im Nachbargespräch von Zaun zu
Zaun sein. Das kann abends beim Bier sein. Das kann Hilfe für einen
Freund sein, der uns jetzt sofort braucht. Das kann Fair play beim Sport
sein. Aber was wir glauben und das wir glauben sollen wir eben nicht für
uns behalten, sondern laut von den Dächern verkünden, also auch sichtbar
leben. Wenn Luther für seine Überzeugung nicht eingetreten wäre und
seinen Glauben nicht verkündet hätte, wäre die Botschaft vom guten Gott,
der uns einfach so annimmt, vielleicht noch heute verborgen.
An einer anderen Stelle im Mt. Evangelium sagt Jesus: „Was ihr getan
habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir
getan“. Das bedeutet, wenn wir unserem Nächsten etwas Gutes tun und
gelebte Nächstenliebe und Barmherzigkeit praktizieren, dann ist das so,
als wenn wir es direkt an Jesus getan hätten.
Aber auch hier schildert Jesus die andere Seite der Medallie indem er
weiter spricht: „Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten,
das habt ihr mir auch nicht getan“.
Das bedeutet, wenn wir nicht dem, was Jesus uns vorgelebt hat folgen und
den Armen oder den Hilfsbedürftigen mitten unter uns weder sehen, noch
helfen, sondern links liegenlassen, dann ist das so, als wenn wir an
Jesus selbst vorbeigegangen wären. Glaube fordert Konsequenzen – und
zwar sichtbare!
Liebe Gemeinde, die Reformation und die ersten Protestanten haben uns
gelehrt, dass der Glaube allein ausreicht um zu Gott zu kommen. Nur der
Glaube allein.
Der Glaube allein? Das hört sich gut an aber aus meiner Erfahrung weiß
ich: Das ist leichter gesagt als getan, denn unser oder zumindest mein
Glaube wird oft auf die Probe gestellt. Damit meine ich in erster Linie
nicht die großen Ereignisse der Welt, die oft sehr schrecklich sind.
Vielmehr meine ich die kleinen und großen Ereignisse in meinem, in Ihrem
Leben, die uns zweifeln lassen. Da sind Stunden der Einsamkeit, die uns
an Gottes Fürsorge zweifeln lassen. Da gibt es vielleicht Trennungen von
lieben Menschen, die uns traurig machen. Da ist der Verlust eines
geliebten Menschen, den wir fragend Gott vorwerfen. Da ist ein Unfall,
den wir nicht einordnen können, weil Gott uns doch liebt. Ich bin mir
sicher, in diesen oder ähnlichen Schickschalsschlägen des Lebens finden
Sie sich wieder. Ich frage mich oft: Wenn Gott uns durch und durch kennt
und liebt, warum passieren dann diese kleineren oder größeren
Schicksalsschläge?
Eine Antwort darauf habe ich nicht, aber ich weiß, das Hadern und
Zweifeln zum Glauben dazu gehören und man sich dieser Gefühle nicht zu
schämen braucht, denn mit den gelegentlichen Zweifeln sind wir in guter
Gesellschaft mit prominenten Persönlichkeiten der Bibel. Selbst seine
Jünger bezichtigt Jesus an einer Stelle der Kleingläubigkeit. Dennoch
gibt es einen Grund in meinem Leben Gott trotz seiner Rätselhaftigkeit
weiter zu glauben und zu vertrauen. Dieser Grund ist Jesus. Und zwar
deshalb, weil ich darauf vertraue, dass er bei mir ist, sich um mich
sorgt, seine schützende Hand über mich hält und er mich liebt, so wie er
seine Jünger, Lazarus, Levi und all die anderen geliebt hat. Wenn wir
vertrauen, dann tun wir das, weil wir auf etwas Gutes hoffen. So auch
bei Jesus. Ob wir nun dem Sessellift, dem Anlageberater, der
Fußballmannschaft oder unserem Anwalt vertrauen. Wir investieren unser
Vertrauen, weil wir auf etwas Gutes hoffen und hoffen können. So eben
auch bei Jesus. Ich gebe zu, dass sich damit nicht die Schicksalsschläge
unseres Lebens erklären lassen, aber es lässt sich erklären, warum
weiter zu glauben und zu vertrauen sich lohnt, denn ich weiß, dass Jesus
uns für unseren Glauben und unser Vertrauen etwas anbietet – ganz
umsonst: Das ewige Leben.
Das, was Jesus uns schenken wird, das Leben bei Gott, möchte ich mit
einem Scheck vergleichen, der von Jesus für uns ausgefüllt worden ist
und zur Abholung bereit liegt. Das einzige, was wir tun müssen, ist
darauf zu vertrauen, dass der Scheck gedeckt ist und ihn bei der Bank
einlösen.
Möge Gott uns die Einsicht schenken, zu erkennen, was für ein
liebevolles, gnädiges und ewiges Angebot uns Jesus macht.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft,
bewahre unsere Herzen in Christus Jesus. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 165,1,2,6,8
Psalm 46,2-8
Eingangsliturgie
Gebet EGb 437 - 2
Lesung: Röm 3, 21-28
Lied 362,1-4
Lesung
Glaubensbekenntnis
Lied 341,1-4+7
Predigt
Lied 351,1-4+7
Abkündigungen
Fürbittengebet
Fürbittengebet für den Reformationstag 2005
Lieber Vater, wir bitten dich, dass Menschen für ihren christl. Glauben
eintreten. Wir bitten dich für solche Menschen wie Martin Luther, die
für das, was sie glauben, eintreten und die Wahrheit des Glaubens ans
Licht bringen. Hilf ihnen ihre christl. Ideale und Ziele
in der Nachfolge Jesu verwirklichen zu können.
Herr, dafür rufen wir zu dir:
Wir bitten dich für alle die, die sich einsam und verlassen fühlen. Zeig
ihnen, dass du nahe bist. Sende ihnen Menschen, die für sie da sind,
ihnen zuhören, sich um sie sorgen. Desgleichen bitten wir dich für die
Kranken und Schwachen. Lass sie in ihrem Leid nicht allein, sondern zeig
ihnen, dass du auch in Krankheit, Sterben und Trauer sicherer Hort und
Tröster bist.
Herr, wir rufen zu dir:
Wir bitten dich für unsere Familien, Freunde und alle, die unser Leben
lebenswert machen. Sei bei ihnen und begleite sie.
Darum bitten wir dich und rufen zu dir:
Wir bitten dich für eine Welt voll Liebe und Barmherzigkeit. Lass uns
Menschen gegenseitig mit offenen Herzen und Nächstenliebe begegnen, so
dass jeder ein kleines Bisschen zur Veränderung deiner Welt beitragen
kann.
Darum rufen wir zu dir:
In der Stille wollen wir das, was uns bewegt, vor dir ausbreiten.
Für alles Benannte und Unbenannte rufen wir zu dir:
Vaterunser
Segen
163
© dieser Predigt: Dennis Stork
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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