Predigt

NT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Mt 1,1.18-25

Heiligabend 18 Uhr 2006
Weihnachten ist bei uns verbunden mit der Weihnachtsgeschichte des Lukas, die wohl zu den bekanntesten Geschichten nicht nur in unserem Lande gehört. Weihnachten ist verbunden mit dem Stall, der Krippe, Ochs und Esel, den Hirten auf dem Felde, denen die Weihnachtsbotschaft gebracht wird. Die vielen Krippen in unseren Häusern zeugen von der Darstellung dieser Weihnachtserzählung. "Es begab sich aber zu der Zeit, als ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet würde." Diese Worte gehören zum Heiligen Abend und zu Weihnachten für uns einfach dazu.
Heute Abend nun haben wir noch eine ganz andere Weihnachtsgeschichte gehört: "Die Geburt Jesu Christi geschah aber so", beginnt sie und dann hören wir von Joseph, dessen Verlobte schwanger war und die er in aller Stille verlassen wollte. Ein Engel jedoch macht ihm deutlich, dass dieses Kind von Gott ist und einen ganz besonderen Auftrag hat. Seine Namen machen diesen Auftrag deutlich: Jesus, das heißt: er rettet, er wird sein Volk von ihre Gottesferne retten; Immanuel: das heißt: Gott mit uns.
Das ist keine Weihnachtsgeschichte für eine Krippe, sie eignet sich auch nicht für Bilder großer Maler. Hier fehlt die bildreiche Idylle. Und doch ist sie ganz Weihnachtsbotschaft, frohe Botschaft für uns alle, denn hier werden wir hinein genommen in eine Wirklichkeit, die ganz und gar auch unsere Wirklichkeit ist, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so aussieht.
Die Geburt Jesu wird uns in dieser Weihnachtsgeschichte des Matthäus als ein wunderhaftes Geschehen beschrieben, als Jungfrau soll sie ein Kind gebären. Dies hat zu viel Streit unter den Theologen geführt, wie dies zu verstehen ist. Die Geschichte selber kümmert sich nicht um die Frage, sie war gar nicht wichtig. Was wichtig war, ist etwas anderes: was in diesem Jesus Christus geschehen ist, das ist etwas das von Gott ist, das ein göttliches Ziel hat, das hineingehört in die menschliche Niedrigkeit ohne seine Besonderheit zu verlieren, und es ist etwas, das auf Widerstand stößt.
Das Kind einer Jungfrau: das ist das Bild für Gottes Wirklichkeit in unserer Welt. Dieses Kind ist nicht auf menschlichem, auf natürlich nachvollziehbarem Wege entstanden. Wir Menschen können Gott nicht auf diese Erde ziehen. Wir können nicht bewirken, dass Gott in die Welt hinein kommt. Das hat etwas Unbegreifbares, etwas, das über alles natürlich Begreifbare hinausgeht, das absolut und völlig unabhängig von uns Menschen ist. In unserem Vertrauen, dass jemand ist, der mir Halt und Stärke gibt, die über das hinausreicht, was ich selber aufbringen kann, darin liegt ein Stück jungfräulicher Empfängnis. Es ist jungfräuliche Empfängnis weil es nicht menschlich machbar ist, sondern durch die Botschaft des Evangeliums nur geistlich empfangbar ist. Dass Jesus Christus als Lebenshalt mein Gefühl, mein Denken und mein Handeln bestimmt, dass Freiheit innerlich spürbar ist, dass Liebe selbstverständlicher wird, dass Hoffnung gegen alle Hoffnungslosigkeit da ist, das ist nicht das Ergebnis gedanklicher Arbeit, das ist nicht Erfolg menschlicher Bemühungen, das ist Wirksamkeit des Heiligen Geistes, der den Keim des Glaubens in uns entstehen lässt.
Maria ist nicht nur die Mutter des Kindes in der Krippe, wir selber tragen Maria in uns. Wir sind selber ein Stück Maria, wenn die Botschaft von Weihnachten uns erreicht, wenn der Glaube in uns Raum greift.
Aber können wir Empfangende sein? Sind wir bereit, uns auf Gottes Wirken in uns und um uns einzulassen, oder stehen wir mehr auf der anderen Seite, auf der Seite des Joseph, der das alles gar nicht wahrhaben möchte, der diese Maria und ihr Kind gerne loswerden möchte. Nicht mit großem Aufsehen, still, so dass Maria keinen Schaden nimmt, Joseph aber unbehindert leben kann.
Auch Joseph ist eine Gestalt unseres inneren Lebens. Wie sieht dieser Joseph in uns aus? Er ist das Bild des nüchternen Menschen, des nachdenkenden, des vernünftigen Menschen damaliger und heutiger Zeit. Realismus kennzeichnet sein Denken und Handeln. Religiös gesagt ist er für mich die Seite in uns Menschen, die Gott wohl einlassen will in das Leben, er will eine Beziehung mit Maria beginnen, aber es muss alles in realen Bahnen verlaufen, es muss alles natürlich verlaufen in der Beziehung. Wenn in dieser Beziehung plötzlich dieses Kind auftaucht, wenn in der Beziehung mit Gott etwas entsteht, was mehr ist, was eine Eigenständigkeit enthält, die mich mehr in Anspruch nehmen könnte, dann mache ich einen Rückzieher. "Er war fromm, gedachte sie aber heimlich zu verlassen."
Wir feiern Weihnachten, mit Gottesdienst und viel Gefühl, aber wenn da etwas bemerken in uns, das wir nicht klar erklären können, wenn da etwas entsteht, das nicht in unser Denken passt, uns dennoch zu betreffen beginnt, dann ziehen wir uns zurück. Weihnachten ja, einige Stunden frommes Gefühl ja, aber die Wirklichkeit Jesu Christi und damit die Wirklichkeit Gottes mitten in meinem Leben, mit allen Konsequenzen für die Zeit danach, nein so weit muss Weihnachen nicht gehen.
Und diese Josephsgedanken sind auch verständlich, denn lebendiger Glaube, der in mir entstehen könnte, der macht ja auch Angst, denn ich weiß nicht, wie dieses Kind sich breit machen wird in meinem Leben, wie es sich entwickeln wird, was alles Unbekanntes auf uns zu kommt. Abwenden, ohne großes Aufsehen, innerlich verlassen, das ist eine mögliche Reaktion auf diese Gefühle in mir, auf Gottes Wirken in mir.
Joseph aber wird daran gehindert, ihm wird zugesprochen: Fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen wird, das ist vom heiligen Geist. Und was sie empfängt, das hat einen Namen: er wird retten.
Fürchte dich nicht, diesem unerwarteten, nicht von dir selber gezeugten Glauben anzunehmen. Habe keine Angst davor dich hineinzubegeben in die Macht dieses Kindes, das im Werden und Wachsen ist und das dein Leben bestimmen will, so höre ich aus diesen Worten. Zieh dich nicht ängstlich heraus aus dieser Situation, zieh dich nicht zurück von Weihnachten, lass dich darauf ein, dass dieses Kind dir und allen Menschen Rettung und Heil bringen wird. Von den Sünden heißt es in unserem Text, wir könnten auch sagen, von unserer Gottesferne in der wir leben. Gottesferne insofern, als dass wir wie Joseph Gott nicht zutrauen, dass er auch ohne unser Zutun Neues entstehen lassen kann, dass er Hoffnung gibt, wo nach menschlichem Ermessen Hoffnung eigentlich aussichtslos erscheint, dass er Liebe schenkt, wo nach menschlichem Empfinden Liebe überhaupt keinen Platz hat, dass Nähe dort erfahren wird, wo Menschen sonst nur Distanz erleben, dass Gerechtigkeit geübt wird, die allen Menschen gerecht wird, wo sonst nur nach Leistung und Verdienst gefragt wird. Rettung aus der Sünde heißt dann für mich, Rettung aus der Gefangenschaft einer Gedankenwelt, die nur sich selber sieht und ihre eigene Vernünftigkeit und die klaren Regeln einer funktionierenden Gesellschaft.
Weihnachten ist deshalb für mich Rettung, weil hier etwas geschieht, was eben nicht aus der Enge unserer Welt kommt, sondern hier werden wir inmitten der eigenen Lebenswelt hinein genommen in eine Wirklichkeit, die weitaus größer ist, als wir selber uns ausmalen können. Und diese Wirklichkeit ist nicht weit weg, sondern sie wird lebendig in dem Kind Jesus Christus, das auch in uns geboren werden will, für das auch wir jungfräuliche Maria werden sollen, auf dass es uns zum Heil und zur Rettung wird und durch uns zur Rettung vieler.
Das, liebe Gemeinde, ist die Weihnachtsbotschaft des Matthäus, ganz anders als die des Lukas und doch ganz weihnachtlich, nicht idyllisch und doch ganz bei uns und hinein nehmend in den Frieden Gottes. Maria, Joseph und das Kind, so realistisch sie uns vor Augen gestellt werden, so sehr sind sie auch in uns selber und in unseren Gefühlen und Empfindungen. Möge Gott uns durch seinen Geist, die Bereitschaft der Maria schenken, die Botschaft und das Kind des Glaubens in uns wachsen zu lassen, möge er dazu dem Joseph in uns immer wieder zusprechen: Fürchte dich nicht, auf dass wir und freudig und mit aller Kraft auf das einlassen können, was Gott Neues in uns und um uns entstehen lassen will. Amen

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 45,1-4
Psalm 96
Eingangsliturgie
Gebet
Herr, ewiger Gott. Die Nacht ist nicht nur die Zeitspanne zwischen Abend und Morgen, die Nacht ist für uns Menschen auch Bild all unserer Dunkelheiten und Nöte tief in uns Menschen. Aber du hast deinen Frieden inmitten der Nacht verkündet. In der Nacht unserer Not rufst du uns zu: Fürchte dich nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren. Frieden auf Erden den Menschen meines Wohlgefallens.
Wir bitten dich, dringe auch in unsere Nacht ein, lass deine frohe Botschaft als Licht im Dunkel unseres Inneren erklingen, lass die Freude an dir in uns Raum greifen. Herr, wir bitten dich, lass in uns Weihnachten werden, lass deinen Sohn Jesus Christus in uns geboren werden, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung Lk 2, 1-20
Lied 35,1-4
Lesung Mt 1,18-25
Glaubensbekenntnis
Lied 24,1-4+15
Predigt
Lied: Stille Nacht
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gütiger, ewiger Gott
Du bist als Mensch geboren in der Zeit, doch diese Geburt trägt in sich die Ewigkeit. Du kommst stets neu zu uns, willst neu in uns geboren werden. So bitten wir dich: öffne uns für die und deine Geburt in uns. Hilf uns, dass wir dich aufnehmen können und dein Geist in uns wirksam sein kann. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Komm zu den Menschen, die heute alleine sind, deren Herzen beschwert ist, deren Fest belastet ist von dem, was das Leben mit sich bringt. Zeige du dein Licht der Hoffnung, lass es in den vielen Lichtern des Abends leuchten und die Herzen dieser Menschen erreichen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen, die im Unfrieden leben, die keine Heimat haben, die auf der Flucht sind, und für die die nach einem Halt im Leben suchen. Hilf, das Leben zu verändern, lass deine Botschaft des Friedens und der Menschenfreundlichkeit sichtbar werden im Leben dieser Menschen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Schenk du, Gott, ein Weihnachten der Freude und der Ruhe, der Miteinanders und des Füreinanders. Lass so den Geist der Heiligen Nacht in der Welt Raum gewinnen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
44

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
Heiligabend 2006
Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote