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Mk 2, 1-12

Ich möchte heute einen für Sie vielleicht ungewöhnlichen Weg gehen, um den heutigen Predigttext auszulegen. Ich möchte Ihnen ein Gespräch zwischen 2 Personen erzählen, die sich über das Geschehen der Heilung des Gelähmten unterhalten.
In einer kleinen Stadt in der Nähe von Kapernaum kam der Fischer Andreas zu Philippus seinem Freund.
Schalom Philippus.
Schalom mit dir Andreas. Was ist den mit dir los. Du läufst ja ganz aufgeregt durch die Straße. Ist etwas passiert?
Ja, passiert ist schon etwas, aber weißt du, ich kann das gar nicht recht erklären, ich bin noch ganz durcheinander.
Also Andreas, ich verstehe überhaupt nichts. Setz dich erst mal hin, trink einen Becher Wasser und dann erzähl; aber bitte der Reihe nach.
Danke, das Wasser tut gut. Also pass auf. Du hast schon von diesem Jesus gehört, diesem Zimmermann aus Nazareth?
Ja, ja, warte mal, das ist doch der Wanderprediger. Ich habe gehört, der hat sich von Johannes taufen lassen, obwohl der das gar nicht wollte. Johannes hat sich so verhalten, als ob dieser Jesus der leibhaftige Messias ist.
Stimmt genau, Philippus, das hab ich auch gehört und das ist es ja was mich hier so unruhig macht. Aber lass mich erstmal weiter erzählen. Ich hab ja auch diese Geschichte von der Taufe gehört, aber dabei habe ich mir nichts gedacht. Dummes Gerede der Leute, hab ich gedacht, die wollen sich nur aufspielen. Aber vor zwei Wochen, da soll Jesus in der Synagoge zu Kapernaum gewesen sein. In gewaltigen Worten soll er vom Reich Gottes gesprochen haben. Es wird bald da sein, soll er gesagt haben, wir sollen uns auf das Kommen Gottes einrichten.
Von Heil und Frieden, davon, dass die Heilszeit anbrechen soll, hat er gesprochen. Und dann - ich war nicht dabei, man hat es mir nur erzählt - kam einer in die Synagoge hinein, brüllte plötzlich herum und störte den Gottesdienst und die Rede von Jesus. Dieser Verrückte soll Jesus den Heiligen Gottes genannt haben. Diesen Zimmermann, den heiligen Gottes, das musst du dir mal vorstellen. Ein Handwerker, einer wie wir, einer aus diesem Städtchen Nazareth und dann soll er der Heilige Gottes sein. Aber dann hat Jesus diesen Mann ganz ruhig angesprochen und hat ihn geheilt und von da an war der Verrückte ganz normal.
Nun ja, ich war ja nicht dabei, aber irgendwie hat mich das schon beschäftigt, was die Leute erzählt haben. Erst die Sache mit der Taufe, dann dieser Ausspruch, er sei der Heilige Gottes, und dann auch noch die Heilung dieses Verrückten.

Und er scheint ja auch noch weiter herumzuziehen, zu predigen und Kranke zu heilen. Sogar einen mit Aussatz soll er geheilt haben, einfach so. Habe ich gehört. Aber erzähl weiter. Was macht dich hier so unruhig.

Zuerst einmal war ich eher neugierig. Er kam nämlich wieder mal nach Kapernaum. Und weil ich sowieso gerade dort zu tun hatte, da dachte ich mir, geh mal hin und sieh dir den mal an. Ich wollte hören, was er zu sagen hat. vielleicht ist ja etwas dran was die Leute sagen. Nun ja, ich bin also hingegangen zu ihm. Da war vielleicht was los. Das hat sich natürlich herumgesprochen, was Jesus alles gemacht hat.
Ich hab gerade noch einen Platz an der Tür bekommen und konnte ins Haus sehen. Kurz danach war ich von allen Seiten eingekeilt, da konnte ich nicht vor und nicht zurück.
Und Jesus hat gesprochen. Wieder, dass bald das Heil kommt. Er sprach davon, dass man gerüstet sein soll, dass man sich doch Gott wieder zuwenden solle. Wir dürfen mit all unseren Fehlern zu ihm kommen. Wir können ihm uns anvertrauen wie einem Vater oder einer Mutter.
Und noch viel mehr hat er gesagt, ich konnte das gar nicht alles behalten. Es war beeindruckend, was er alles gesagt hat.
Und dann passierte etwas. Mitten in der Rede, da wurde es auf einmal unruhig hinter mir. Ich wusste nicht was los war, danach war es auch wieder ruhig. Aber plötzlich fiel der Lehm von der Decke, Lehm und Holz. Wir wussten gar nicht, was da auf einmal geschah. Auch Jesus guckte ganz erstaunt. Er wusste wohl auch nicht so recht, was da vor sich ging. Und dann sahen wir es. Von oben haben sie ein riesiges Loch in die Decke gehauen und dann sah man vier Männer. Diese vier haben an Seilen auf einer Trage einen Gelähmten heruntergelassen. Einige mussten noch mit anfassen, sonst wäre der Kranke noch runtergefallen.
Und dann lag er vor Jesus. Es wurde mucksmäuschenstill. Wir waren alle gespannt, was Jesus nun machen würde. Und weißt du was Jesus getan hat? Er hat nur einen einzigen Satz zu dem Gelähmten gesagt: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
Stell dir das mal vor. Nicht nur dass er so ruhig bleibt, als sie das Dach dieses Hauses vollkommen kaputt machen, nein dann auch noch dieser Satz: deine Sünden sind dir vergeben.
Das Jesus sich hier anmaßt, Sündenvergeben. Das kann doch nur Gott. Das steht schon in den Psalmen: Bei dir, Gott, ist Vergebung, auf dass man dich fürchte. Und Jesaja hat uns das doch noch viel klarer überliefert: Ich, ich, spricht der Herr, tilge die Missetat um meinetwillen und ich will deine Sünde nicht mehr erinnern. Das haben wir doch so gelernt, allein Gott vergibt die Sünde und nicht wir Menschen. Sünde, das ist doch gegen Gott gerichtet, also kann doch auch nur Gott vergeben. Und da sagt dieser Zimmermann aus Nazareth: Deine Sünden sind dir vergeben. Das ist doch Gotteslästerung. Jesus maßt sich an, wie Gott zu sein, er handelt, als ob er Gott selber wäre. Darauf steht die Todesstrafe, so steht es geschrieben.
Sag mal, unterbricht ihn Philippus, war denn niemand dabei, der Jesus mal gefragt hätte, wie er dazu kommt? Da müssen doch unsere Schriftgelehrten und Theologen eingeschaltet werden. Es kann doch nicht jeder kommen und hier Sünden vergeben. Wofür haben wir denn unsere Gesetze?
Doch, antwortet Andreas, als ich mich umgesehen haben, .da habe ich auch einige Schriftgelehrte gesehen. Deren Gesichter hättest du mal sehen müssen. So etwas wütendes habe ich lange nicht gesehen. Aber sie waren so verblüfft über das, was da geschah, dass sie dazu gar nichts sagen konnten, und auch die anderen waren so erstaunt über das was Jesus hier gemacht hat. Keiner wagte etwas zu sagen. Alle warteten, was nun passieren würde.
Jesus stand ruhig in der Mitte, mal schaute er zu dem Kranken und mal zu den Schriftgelehrten, bis sein Blick bei ihnen hängen blieb. Er schaute sie lange an, er wusste genau was sie dachten. Dann frage er sie ganz .direkt: warum denkt ihr ich würde Gott lästern. Was ist leichter: zu dem Gelähmten zu sagen: deine Sünden sind dir vergeben oder zu sagen, nimm dein Bett und geh hinweg?
Na, Andreas, was würdest du antworten?
Nun ja, meinte Philippus, diesen Satz zu sagen, deine Sünden sind dir vergeben, das ist doch wohl leicht. Das kann doch keiner nachprüfen. Ob es stimmt oder nicht, das merkt doch keiner. Aber wenn du zu dem Gelähmten sagst, steh auf und geh, da kann ich doch sehen, was passiert. Da kann ich sehen, ob das leere Worte sind. Aber mal ehrlich, hast du so etwas schon gesehen? Ich nicht, Das war dich gewiss nur eine Verlegenheitsfrage.
Nein, nein. ganz im Gegenteil, antwortete Andreas. So wie du hab ich auch gedacht, ganz genau dasselbe und bisher habe ich so etwas auch noch nicht erlebt. Aber seit gestern, in Kapernaum. Ich weiß nicht, irgendwie versteh ich das alles noch nicht. Da sagte Jesus nämlich weiter zu den Schriftgelehrten: und damit ihr seht, dass der Sohn des Menschen Macht hat, Sünde zu vergeben - und dann drehte er sich um zu dem Gelähmten - ich sage dir: steh auf, hebe dein Bett auf und geh in dein Haus.
Und ich sage dir, der Mann stand auf, nahm sein Bett und hinaus. Jesus fordert ihn auf zu zu gehen und dieser Gelähmte geht los. Das gibt's doch gar nicht. Der kann doch nicht Menschen so verändern.
Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Wer ist dieser Jesus? Ich kann mir das nicht erklären. Jesus hat diesen Mann wieder ins normale Leben zurückgerufen - einfach durch sein Wort. Da ist doch etwas passiert, was eigentlich unmöglich ist. Und dann noch das mit der Sündenvergebung. Was da passiert ist, das habe ich bisher nur von Gott gedacht, aber doch nicht von einem Menschen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Irgendetwas ist an diesem Jesus, da kann man sagen, was man will.

Liebe Gemeinde!
Irgendetwas ist an, diesem Jesus, da kann man sagen, was man will. Seit dem Geschehen in Jerusalem, seit dem Tod am Kreuz und dem Geschehen von Ostern, wird diese indirekte Frage des Andreas von den Christen beantwortet:
Jesus von Nazareth wird als der Gesalbte Gottes, als der Christus, als der Sohn Gottes, ja als Gott selber geglaubt und verkündigt. Das Geschehen, was uns in der Bibel Markus berichtet und was ich eben in anderer Form nacherzählt habe, ist ein Teil dieser Verkündigung. Was es mit Jesus auf sich hat, das wollen uns die Evangelien schildern. Und deshalb gehen die verschiedenen Geschichten und Erzählungen der Bibel auch immer sehr viel tiefer, als wir zunächst meinen. Die Eindrücke aus dem Leben Jesu sind Stationen, Bilder und Zeichen, in denen immer wieder Gottes Gegenwart aufleuchtet. Es wird uns bildhaft vor Augen gestellt, was der christliche Glaube bekennt: in Jesus Christus ist Gott am Werk. Wo er auftritt, redet und handelt, da Geschehen Dinge, die nur Gott möglich sind. Mir ist dabei gar nicht so wichtig, ob Jesus nun die Kranken nun wirklich auf wundersame Weise geheilt hat. Er hat ja auch nicht alle Kranken geheilt, und es gab immer noch Krankheit und wird es auch weiterhin geben. Aber wie gesagt, das ist gar nicht so wichtig. Ich verstehe all diese Geschichten als Zeichen, als Zeichen des Glaubens an Jesus Christus. An Jesus und seinem Handeln wird deutlich und greifbar, wie Gott an uns handelt, wie nah Gott uns sein will, und dass er alles, was wir uns selber in den Weg legen aus dem Weg räumen will, damit wir ihm nahe sein können.
Wie oft sind wir Gelähmte: wenn wir mal an unsere Ängste denken, an unsere Unzufriedenheiten, die Mut- und Hoffnungslosigkeiten, oder auch an die Überheblichkeiten, daran, dass wir in dieser Welt alles selbst in die Hand nehmen wollen. All das macht uns doch zu Menschen, die gar keine Möglichkeit mehr haben oder sehen zu Gott und einem wirklich erfülltem Leben zu finden. Da brauchen wir auch Menschen, die uns in unserer Gelähmtheit nehmen und irgendwo ein Dach aufreißen und damit den Weg zum Himmel freimachen.
Jesus ermöglicht diesen Weg zum Himmel. Er sieht unsere Lähmungen, er sieht, was in unserem Leben uns von Gott trennt und er überwindet es, indem er uns nahe kommt und so Gott nahe bringt. Jesus rüttelt uns auf und befreit uns zum Gehen, er befreit uns von dem, was uns lahm macht. Und das ist das Besondere seiner Person, das ist es, was ihn ausmacht und darin ist er der befreiende Gott. Philippus hat etwas davon gespürt, die Osterzeugen haben es erfahren und wir dürfen von dieser Gewissheit heute leben. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 322,1-4
Psalm 32 - EG 717
Eingangsliturgie
Gebet
Gott. Du legst uns nicht fest auf unsere Versäumnisse, auf unsere Fehler und unsere Schuld. Du willst uns befreien davon, du willst uns fähig machen zum Leben. So lass uns dein Heil erfahren, schenke uns Befreiung aus allem, was uns hält und lähmt. Das bitten wir ....
Lesung 1. Mose 34, 4-10 (mit Vorspruch zur Situation)
Lied: 295, 1-4
Lesung Mk 2, 1-12
Glaubensbekenntnis
Lied: 320, 1-5
Predigt
Lied: 391 1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet - 322, 5-9
Vaterunser
Segen
163

 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe

26. 10. 2003

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