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Mk 2, 18-22

Wir werden heute abend mit einem biblischen Text konfrontiert, bei dem es ums Fasten geht. Keine schlechte Idee, nach dem Weihnachtsfest ein wenig abzuspecken, denkt vielleicht der eine oder die andere. Aber darum geht es natürlich nicht. Hier geht es nicht um Wohlstandsfasten, sondern um ein in damaliger Zeit übliches religiöses Handeln. Und so werden die Christen gefragt, warum sie dies nicht tun. Sie wollen doch religiöse Menschen sein und handeln so unreligiös. Das kann doch nicht richtig sein.

Jesus antwortet mit einem Bild - dem Bild der Hochzeit, auf der nicht gefastet, sondern gefeiert wird.

Ein merkwürdiger Dialog, der sich da entsponnen hat, und der uns fremd ist und sicher auch in unserem Verstehen beschwer macht.

Ich möchte versuchen, dies für uns heute lebendig zu machen.

Fasten verbinden wir in diesen Tagen eher damit, den Weihnachtsspeck loszuwerden. Die guten Tage waren vielleicht ein wenig zu gut für uns, da tut das Fasten gut, auch wenn wir heute Abend darauf verzichten wollen. Fasten hat für uns heute zuerst etwas damit zu tun, dass wir einem bestimmten Ideal folgen: dem Ideal der Gesundheit, der Schönheit. Nur wer sein Idealgewicht hat, bleibt gesund, wird als schön und sportlich angesehen, entspricht dem Lifestylegedanken heutiger Zeit.

Oder es gibt in verschiedenen Kreisen ein ganz bewußtes Fasten: das Heilfasten oder das Fasten, um mit Hilfe dieser Befreiung vom irdischen neue Bewußtseinsebenen zu erlangen, also dieser Welt zu entfliehen, die so böse, so schlecht und so wenig heil ist. Und manchmal ist dieses Fasten auch ein Stück religiöser Demonstration oder auch ein religiöses Handeln, um Schuld zu tilgen und so seiner Lebenswelt zu entfliehen.

Fasten in all diesen Fällen ist hat etwas damit zu tun, dass die Menschen mit der Welt, in der wir leben, so nicht im Einklang sind. Das beschriebene Fasten möchte versuchen, diese Brüche, zu überwinden.

Und nun sagt Jesus: Bei einer Hochzeit wird nicht gefastet.

Was meint er damit? Hochzeit, das ist die festliche Verbindung zweier unterschiedlicher Menschen. Da sind zwei Personen, die eine unterschiedliche Herkunft und Prägung haben, die mit ganz eigenen Gedanken und Gefühlen ausgestattet sind und die verbinden sich zu einer Einheit. Sie wollen eins sein, wollen miteinander Leben und Welt gestalten.

Hören wir dieses Bild doch auf dem biblischen Hintergrund, da nämlich wird die Hochzeit oft als Verbindung der Menschen mit Gott gesehen, Gott und das Volk wollen miteinander das Leben und die Welt gestalten. Und dann wird Weihnachten wieder lebendig. Gott ist zu Weihnachten eine Verbindung mit der Welt und den Menschen eingegangen, die einmalig ist und die hochzeitlichen Charakter trägt, auch wenn es überhaupt nichts mit Hochzeit in unserem Sinne zu tun hat.

Gott auf der einen Seite: er steht für den Himmel, das Jenseits, die Ewigkeit, das Unerreichbare.
Der Mensch auf der anderen Seite: er steht für die Erde, das Diesseits, die Endlichkeit, das Greifbare.

Und dann zu Weihnachten wird beides miteinander verbunden: da berühren sich Himmel und Erde, werden gleichsam eins in der Person Jesus Christus. Das Himmlische geht zusammen mit dem irdischen. Das, was wir allein dem Jenseits zugeschoben haben, es wird im Diesseits sichtbar. Die Endlichkeit dieser Welt wird umgriffen von der Unendlichkeit Gottes, der Unerreichbare wird greifbar. Gott wird Mensch. Das Bild der Hochzeit ist ein ungewöhnliches Bild und doch eines, das uns die Richtung weist, in die dieses Geschehen uns führt. Die beiden Bereiche, so eigenständig sie waren und auch bleiben, wie bei einer Ehe die Partner eigenständig waren und bleiben, so sind sie doch verbunden, in Christus untrennbar miteinander verbunden.

Das klingt jetzt vielleicht alles sehr mystisch, irgendwie fern von uns. Und doch liegt darin vieles, was unseren Alltag umgreift.

Nehmen wir noch einmal das Beispiel des Fastens. Fasten um ein Ideal für sich zu erreichen. Dahinter steht doch der Gedanke, ich bin so, wie ich bin nicht richtig, vielleicht fühle ich mich gar nicht angenommen. Ich muss so oder so aussehen, dann bekomme ich Anerkennung. Ich muss meiner Welt entfliehen, um das zu bekommen, was wichtig ist für mich als Mensch.

Oder: Fasten um ein neues Bewusstsein zu erhalten: da fliehen Menschen in die Einsamkeit oder eine ganz bewußte Gemeinschaft, um sich von der Welt zu befreien, ihr zu entfliehen, um so den eigenen Stand zu finden. So wie die Juden und die Johannesjünger gefastet haben, um sich ganz auf Gott zu konzentrieren und die Welt außen vor zu lassen.

Jesus aber sagt: es ist Hochzeitszeit. Wir leben als Christen in einer Welt, die Gott so angenommen hat, wie sie ist. Gott ist in dieser Welt Mensch geworden, hat sich mit dieser Welt und diesen Menschen verbunden, um ihnen Anerkennung und Liebe zu geben, um in dieser Welt Schuld zu überwinden und diese Welt zu gestalten. Wir haben es nicht nötig, dieser Welt zu entfliehen, um zu Gott zu gelangen, wir müssen nicht Idealen hinterherlaufen, um Anerkennung zu gewinnen, wir müssen nicht durch unser Tun Schuld tilgen, sondern wir dürfen daraus leben, dass Gott den Weg auf uns zu schon längst gegangen ist.

Ich der Hoch-Zeit zu fasten, in der Verbindungszeit Gottes mit den Menschen und der Welt, dieser Welt entfliehen, das hieße Gottes Tat beiseite zu schieben, sie nicht anzuerkennen.

Wer von Ihnen häufiger einmal Märchen gelesen hat, der weiß, dass am Ende eines Märchens oft die Hochzeit steht. Mit den Augen der Psychologie gesehen bedeutet dies: Der Mensch, der seinen Weg gemacht hat, der die inneren Konflikte überwunden hat, der kommt nun zur Einheit mit sich selber, er findet so etwas wie inneren Frieden mit sich selber.

Ich möchte dies auf Jesus beziehen und das Bild der Hochzeit:

Jesus Christus ist die Einheit von Mensch und Gott. Er ist das Bild des Menschen, der eine innere Einheit gefunden hat, der seinen Stand für sich in dieser Welt und damit zu sich selber gefunden hat.

Der Mensch, der zu sich selber gefunden hat, der weiß, dass er begrenzt und endlich lebt. Dass er nur eine kurze Zeit hier zu leben hat, das nichts auf dieser Welt für ihn unendlich ist und sein wird. Das macht auf der einen Seite demütig, aber auch offen für alles, was in der Zeit unseres Daseins vor Augen ist. Gleichzeitig weiß sich der Mensch, der zu sich selber gefunden hat, aufgehoben in der Unendlichkeit, in der Hand des gütigen Gottes, der Zeit und Ewigkeit umschließt. Die Grenzen werden überschritten, von Gott, um uns Menschen den rechten Platz in dieser Welt zuzuweisen und um uns in die rechte Verantwortung für diese Welt zu stellen.

Der Mensch, der zu sich selber gefunden hat, er weiß um sein irdisches Dasein, um die Fehler und Schwächen, um das zutiefst Menschliche in ihm, in dem sich manchmal sogar Abgründe auftun. Und gleichzeitig weiß er um sein himmlisches Sein, das von Gott her kommt, um das himmlische Ziel, das ihm vor Augen liegt und das ihn um seiner Selbst willen annimmt und aufnimmt.

Der Mensch, der zu sich selber gefunden hat, er weiß um seine Gebundenheit an die Zeit, die kurz ist, die nur geringe Möglichkeiten lässt und gleichzeitig hat er auch Teil an der Ewigkeit, an der von Gott her kommenden Dimension der Tiefe und des Getragenseins.

Er weiß sich als Mensch, ganz und gar und durch und durch, und gleichzeitig ist dieser Mensch Kind Gottes und hat damit eine Würde und Ziel, das über alles menschliche Denken hinausgeht.

Der Weihnachtlich lebende Mensch ist also der, der diese Hochzeit Gottes mit den Menschen und der Welt für sich annehmen kann, der daraus leben kann.

Religiöses Fasten hat oft etwas von Weltflucht, das irdische soll abgestreift werden. Doch Gott hat zu Weihnachten gerade dies überwunden, indem er die Einheit von irdisch und himmlisch aufgebaut hat. Gott und die Welt, Gott und die Menschen, sie werden einen Einheit in Christus, so wie auch bei einer Hochzeit zwei Menschen zu einer Einheit verbunden werden, als eigenständige und doch aneinander gebundene Menschen. Der Unterschied von Gott und Mensch bleibt und doch müssen wir nicht dieser Welt entfliehen um endlich die Wirklichkeit Gottes zu erleben. Der weihnachtliche, christliche Glaube führt gerade zur Einheit mit dieser Welt, sucht die Verantwortung in ihr und für sie, weil der Himmel auch auf Erden lebendig werden will. Für Jesus geht es im Leben um die Bejahung der Welt und nicht um die Flucht aus ihr. Deshalb lautet die Antwort Jesu auf die Frage des Fastens: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Gott ist in der Welt, da können wir ihn finden, das ist der neue Wein, der auch in neue Schläuche gehört. Die Jünger Jesu müssen sich die Welt nicht verbieten, denn sie leben aus der Verbindung Gottes mit der Welt.

Heißt das aber, dass Fasten etwas unchristliches ist, wir werden doch demnächst wieder zu 7 Wochen ohne aufgerufen?

Fasten ist sicherlich nichts unchristliches, aber es gewinnt durch die weihnachtlichen Gedanken eine andere Dimension: Fasten heißt dann, ich verzichte auf etwas, nehme Abstand von etwas, ich nehme Abstand von der Welt, um neu über sie nachzudenken im Angesicht Gottes. Oder anders gesagt: ich begebe mich im Verzicht ganz in Gottes Hand, um mich ganz dieser Welt zuzuwenden.

Und in diesem Sinne wünsche ich uns, die wir alle in dieser Kirche mitarbeiten, dass wir aus der weihnachtlichen Hochzeit heraus unseren Glauben inmitten dieser Welt freudig leben können, zum Wohle der Menschen, für die wir da sein wollen und zur Ehre Gottes, dem wir uns verbunden wissen. Amen

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Liturgischer Ablauf

Begrüßung - Orgelvorspiel

Lied: 481, 1-3 (Abendgottesdienst)

Eingangsliturgie - Gebet:

Gott der Barmherzigkeit, du hast Jesus, deinen Sohn, in die Welt gesandt, damit er durch sein Licht die Dunkelheit vertreibe. Lass uns dieses Licht sehen und ihm vertrauen an jedem Tag unseres Lebens. Das bitten wir ....

Lesung: Mk 2, 18-22

Glaubensbekenntnis

Lied: 66,1-3

Predigt

Lied: 398, 1-2

Abkündigungen - Fürbittengebet

Barmherziger Gott!

Deine Liebe zu dieser Welt und damit zu uns Menschen ist die Kraft, die uns verwandeln kann. Hilf uns in dieser Liebe zu leben, als Menschen, die sich deiner Gegenwart gewiss sein können:

so lass du Freude wachsen aus der Trauer, die uns Menschen begleitet,

schaffe Frieden wo Streit herrscht und hilf uns Frieden untereinander zu ermöglichen.

Vergib, wo wir schuldig werden, und schenke uns Vertrauen in der Hoffnungslosigkeit.

Hilf, dass unser Leben gelingt und lass uns zuversichtlich sein, wo anderen die Zuversicht fehlt.

Das bitten wir durch Jesus Christus, mit dessen Worten wir gemeinsam beten: Vaterunser

Segen

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
 Abend-
gottesdienst
zum
Neujahrs-
empfang
der
Mitarbeitenden
der Gemeinden

11.1.2001

Liturgische
Hinweise
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