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Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die
Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende öle, um hinzugehen und ihn
zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche sehr früh, als
die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den
Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen ihn und wurden gewahr, dass der
Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in
das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein
langes, weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu
ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den
Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die
Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und
Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn
sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem
Grab, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen.
Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich.
Wir feiern Ostern und die Kirche ist schön geschmückt und sie ist damit
Ausdruck österlicher Freude, die zu unserer Gefühlswelt dazugehört. Und
dann hören wir diesen Text aus dem Markusevangelium, der scheinbar eine
ganz andere Sprache spricht: Sorge, Furcht, Entsetzen, Flucht und Angst.
Das sind die Gefühle von Menschen, die uns im ältesten Osterbericht der
Bibel vor Augen gestellt werden. Zittern und Entsetzen hatte sie
ergriffen und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich sehr.
Ist das die eigentliche Gefühlswelt von Ostern? Die sieht doch wie schon
angedeutet im Allgemeinen ganz anders bei uns aus? Oder vielleicht doch
nicht?
Da sind drei Frauen auf dem Weg zum Grab. Die Pflege des Toten bestimmt
ihren Weg. Sie gehen, wie viele von uns es tun, mit vollen Händen los,
Öl und Balsam für die damaligen Riten. Schaufel, Hacke und Gießkanne,
das sind unsere Utensilien auf dem Weg zum Friedhof. Und wir gehen still
hin, rechnen kaum mit etwas außergewöhnlichem, außer dass wir uns wieder
über den Kleinkram auf dem Friedhof aufregen. Pflege der Gräber das ist
Pflege der Toten. So liegt der Schatten des Karfreitag über den Gräbern,
nichts was uns zur Freude bewegt, die traurigen Gedanken gehen zurück.
Die Freude von Ostern ist tief verborgen bei den Frauen unserer
Geschichte, verborgen im Entsetzen, das Reden ist in Schweigen gehüllt,
das neue Leben ist verklammert von der Hinreise zum Tod. Und dabei sind
sie ganz aktiv, sie wollen noch etwas tun, wollen ihrer Sehnsucht nach
Nähe Ausdruck verleihen, wollen dem geliebten Toten den letzten Dienst
erweisen. Bei den Frauen, die hier unterwegs sind, da herrscht eine
Mischung von Pietät und Resignation. Ihr Weg ist der Gang der nach
rückwärts gewandten Vorwärtsgehenden, der nach rückwärts gewandten
Vorwärtsgehenden.
Ja, liebe Gemeinde, das kann man. Die Knie gehen nach vorne, die
Kniespitzen weisen nach vorne, aber die Gedanken und das Herz gehen
zurück, sind ganz nach hinten gewandt. Das Leben dieser Frauen, das
Leben der Trauernden wird oft empfunden als ein Weg durch die Fremde.
Mitten im Leben sind sie nicht mehr zuhause, das Gestern, der Tod
bestimmt das Denken und das Fühlen, das Kreuz des Karfreitag
überschattet alles Leben. Wen wundert es, dass die Frauen nicht in
Freude ausbrechen, als sie die Botschaft hören. Da ist kein Osterjubel,
kein Lächeln auf den Gesichtern, keine Freudentränen in ihren Augen. Auf
dem Weg zum Friedhof ist noch kein Ostern. Noch ist Karfreitag, noch
herrscht der Tod in den Gedanken und Handlungen. Die Botschaft von der
Auferstehung löst zunächst nicht Freude, sondern Entsetzen und Furcht
aus.
So war das am Anfang und so ist das bis heute. Die Osterbotschaft ist in
der Kirche das Kernstück unseres Glaubens und dennoch besteht da eine
große Kluft zwischen dem standhaften Bekennen der Auferstehung mit
unseren Worten auf der einen Seite und der gefühlsmäßigen
Bedeutungslosigkeit dieser befreienden Botschaft in unserem Leben. Sie
sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich sehr. So heißt es in
der Geschichte. Sie sagten niemandem etwas, so ist es auch unter uns. Da
haben wir Furcht: Furcht vor dem Spott der Nachbarn, vor dem Spott
derer, die immer alles besser wissen, Furcht vor den Zweifeln der
anderen oder vor den Zweifeln in uns selber. Auferstehung, so etwas kann
nicht sein, vor allem aber, so etwas darf nicht sein, das stört unser
Denken, das stört unser Leben, das bringt etwas durcheinander in uns. Wo
es Auferstehung gibt, da erleben wir, dass nicht alles beim Alten
bleibt, da ist Veränderung, da bleibt das Leben nicht so wie es war.
Furcht und Entsetzen löst die Osterbotschaft aus, weil sie uns in eine
Welt führt, die eben nicht mehr so sicher und greifbar ist wie der Tod.
Der Tod, das Ende, das Negative, das ist sicher und fest, damit gehen
wir um, damit leben wir, damit beschäftigen wir uns. Und wir klopfen den
Tod fest, indem wir uns überwiegend mit den Endpunkten beschäftigen. Und
wir pflegen die Gedanken des Karfreitages, die Strukturen des Todes und
die Gedanken des: so ist es nun einmal. Mit vielen Worten und mit Ölen
balsamieren wir den Tod ein und lassen uns damit vom Gestern bestimmen.
Die Osterbotschaft vom auferstandenen Christus sagt dagegen nun: der Tod
ist nicht die letzte Station, das Leben gilt es zu gestalten. Das Grab
ist leer, der Tod führt euch nicht weiter, die festgefahrenen Strukturen
belassen euch im Tod. Die Friedhofsruhe des eingefahrenen Lebens ist zu
Ende, über dem Tod in all seinen persönlichen und gesellschaftlichen
Schattierungen steht nun das Leben. Ihr findet das Leben nicht im Tod,
so wird den Frauen zugerufen. Geht los, Jesus geht vor euch her nach
Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.
Das ist die Osterbotschaft heute Morgen. Geht los, Jesus geht vor euch
her nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Das Leben ist nicht bei dem
Toten zu finden, das Leben liegt vor uns und darin wird Jesus uns
begegnen. Nicht das Wie der Auferstehung oder des Auferstandenen ist
das, was uns Glaubenden zugemutet wird, sondern die Frage, ob wir uns
darauf einlassen können, dass das Leben vor uns liegt, dass es für jeden
von uns ein Galiläa gibt, einen Ort der Hoffnung und der Zukunft, einen
Ort an dem Jesus Christus uns begegnet als Herr des Lebens.
Der Ruf nach Galiläa hin ist der Ruf weg vom Kultivieren des Todes,
angefangen bei übertriebener Trauer bis hin zur Ansicht, dass Krieg das
Leben zum Besseren führt. Es ist der Ruf weg von den enttäuschten
Hoffnungen, weg von toten Beziehungen, weg von gescheiterten Plänen und
Lebenswegen, weg von dem Weg der scheinbar nach vorne geht und uns doch
nur rückwärts führt. Der Ruf nach Galiläa ist der Ruf, sich dem
anzuvertrauen, was nicht sichtbar ist, es ist der Ruf, sich dem Gott
anzuvertrauen, der Leben schafft aus dem Tod, es ist der Ruf, der
Hoffnung neuen Raum zu geben, auch dann wenn noch nicht klar ist, in
welcher Gestalt das Ziel der Hoffnung uns gegenüber stehen wird.
Der Engel im leeren Grab, das ist der Engel, der aus den Gedanken des
Todes ruft, der uns zum Leben anstiftet, der im Krankenzimmer, inmitten
von Schmerz und Leid Hoffnung verbreitet. Hoffnung, die sich nicht immer
nur auf Genesung richten muss, sondern Hoffnung, die es schafft auch den
schwersten Weg gemeinsam zu gehen, offen und ehrlich miteinander zu
sein, um darin auch im Angesicht des Todes die Kraft des Lebens zu
spüren. Es ist die Hoffnung, die den letzten Weg annehmen lässt in dem
Vertrauen, dass Tod nicht Ende, sondern Anfang für ein neues Leben in
der Gemeinschaft mit Gott heißt, so dass dem Tod die Kraft genommen ist
und auch dem Sterbenden ein Lichtblick gegeben wird.
Es ist der Engel, der den Schwarzmalern widerspricht, an den
Fabriktoren, in den Arbeitsämtern und Sozialbehörden. Es ist der Engel,
der uns nicht niederdrückt, sondern aufrichtet, uns wichtig und
bedeutsam macht. Es ist der Engel, der uns zuruft: du hast dein Leben
nicht hinter dir, du hast das Leben voll und ganz vor dir, gleich wie
jung oder alt du bist, gleich welche Wegstrecke des Lebens du schon
gegangen bist und wie dunkel diese auch gewesen sein mag. Der Stein, der
alles besiegelt, der alles festschreibt und sich nicht mehr bewegen
lässt, dieser Stein ist weggerollt. Gott hat den Anfang gemacht, Jesus
Christus geht vor uns her, Gottes Leben liegt vor uns.
Der Glaube an die Auferstehung ist für mich die stärkste Kraft, allem zu
widerstehen, was das Leben niederdrücken will. Und es gibt vieles in
unserem Leben, was uns niederdrücken will, was uns Lebenskraft nimmt,
was uns im Wege steht und uns nicht weitergehen lässt. Oft genug ist es
aus unserer Sicht unbeweglich, unabänderlich, wie das Kreuz auf Golgatha
oder der Stein vor dem Grab. Ich kann ja doch nichts machen, es ist nun
einmal so, wie es ist, so sagen wir dann. Ostern ruft uns zu: nein, es
ist nichts nun einmal so, wie es ist. Gott will nicht Lebenssituationen
festschreiben, er lässt das Kreuz nicht stehen und den Stein vor dem
Grab. So wie Jesus vom Kreuz abgenommen wurde, so wie der Stein vor dem
Grab weggewälzt war, so dürfen auch wir für unser Leben darauf hoffen,
dass sich Veränderungen einstellen. Mit jedem neuen Tag wird uns ein
Stück neues Leben geschenkt, wird uns die Möglichkeit gegeben, Leben zu
verändern und zu erneuern.
Die Botschaft von Ostern lässt uns entsetzen, weil nichts fest liegt,
wie es ist, nichts bleibt beim Alten. Gerade deshalb aber wird das
Entsetzten dann auch zur Freude. Zur Freude darüber, dass unser aller
Leben eine Perspektive hat. Durch die Auferstehung Jesu Christi ist
unser Leben offen für eine hoffnungsvolle Zukunft. Möge der Engel uns
begegnen und möge Jesus Christus, der uns vorangegangen ist, uns auch
entgegengehen, auf dass diese Botschaft zu einer lebendigen Erfahrung
für uns alle wird.
Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Einzug mit Osterkerze - Aufstellen der Osterkerze mit biblischen Voten
Lied: 99
EG 747 - Psalm 118
Eingangsliturgie
Gebet
EGb S. 319 - Gebet 3
Lesung: 1. Kor. 15, 1-11
Lied: 106, 1+4-5
Lesung:
Glaubensbekenntnis
Lied: 116,1-5
Predigt
Lied: 229, 1-3
Feier des Abendmahles
Am Tag vor seinem Tod saß Jesus mit seinen Freunden zusammen und hat
ihnen ein Zeichen der Gemeinschaft hinterlassen. Das letzte Abendmahl.
Zwei Jünger haben nach dem Karfreitag und den Ostertag erlebt, dass
Jesus sich zeigt. Erkannt haben sie in der Feier des Abendmahles.
Und so wurde diese Feier zu einem lebendigen Zeichen der Gemeinschaft
mit Christus. So wollen auch wir dieses heilige Mahl miteinander feiern
im Vertrauen auf darauf, dass Jesus Christus, der Auferstandene, uns
darin ganz nahe ist.
Wir beten: allmächtiger und gütiger Gott! Wir danken dir, dass du dem
Tod nicht das letzte Wort gibst, sondern dass deine Lebenskraft weiter
reicht und wir an ihr Anteil haben können. Durch Jesus Christus wissen
wir: unser Leben hat bei dir immer eine Zukunft. Darum wollen wir dich
loben mit allen, die vor uns geglaubt haben und die mit uns auf dich
vertrauen.
331, 1+2
Einsetzungsworte
189
Ja, komm, Herr, Jesus Christus, zeige dich unter uns als lebendig.
Erneuere uns durch deinen heilige Geist, schenke uns Mut und Freude zum
Leben.
Vaterunser - Einladung
Austeilung
Abkündigungen
Fürbittengebet (nach EGb S. 567)
Du, Herr, bist auferstanden, wahrhaftig auferstanden, du, Herr, bist
auferstanden, lass leuchten uns dein Licht. (Melodie:
Jürgen Grote)
Midi
Lass dein Licht leuchten für die Kinder in der Welt, dass kleinen und
großen Hoffnungen nicht enttäuscht werden, dass sie in eine freundliche
und friedvolle Welt hineinwachsen, in der sie Geborgenheit finden. Darum
rufen wir zu dir: Du, Herr, bist auferstanden
Lass dein Licht leuchten für Ehepartner, Familien und
Lebensgemeinschaften, dass sie Freundlichkeit und Offenheit ausstrahlen,
ihre Konflikte liebevoll bewältigen durch Vergeben und Zuwendung, dass
sie auch in Enttäuschungen gemeinsame finden. Darum rufen wir zu dir:
Du, Herr, bist auferstanden
Lass dein Licht leuchten für alle, die vor den Kreuzen und Steinen ihres
Lebens stehen, dass sie Mut zur Veränderung finden, dass sie dem
Zukünftigen getrost entgegengehen und hoffnungsvoll nach vorne schauen.
Darum rufen wir zu dir: Du, Herr, bist auferstanden
Lass dein Licht leuchten für alle, die einsam oder krank sind, die sich
um Sterbende bemühen oder selber dem Sterben entgegen gehen, dass sie
menschliche Wärme und Nähe erfahren, dass sie Hoffnung im Glauben an die
Zukunft Gottes haben und sich bei ihm geborgen wissen. Darum rufen wir
zu dir: Du, Herr, bist auferstanden
Lass dein Licht leuchten für alle, die sich für den Frieden in der Welt
einsetzen, dass sie sich von den Waffen dieser Welt nicht entmutigen
lassen, und dass wir alle, die Wege des Friedens stärker machen. Darum
rufen wir zu dir: Du, Herr, bist auferstanden
Vaterunser
Segen
100,1,2,5
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
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