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Wir haben eben das so genannte Gleichnis von den bösen Weingärtnern
gehört. Eine Geschichte mit viel Blut, mit viel Auseinandersetzung und
Gegnerschaft.
Das Gleichnis erzählt von Gottes Handeln mit seinem Volk Israels. Der
Mensch, der den Weinberg baut, das ist Gott. Er hat sein Volk Israel
auserwählt. Dieses Volk hat einen besonderen Stand unter den Menschen.
Gott hat ihnen Raum zum Leben gegeben, ein Land von dem gesagt wird,
dass dort Milch und Honig fließen. Dann so heißt es, kam die Zeit, dass
die Früchte geerntet werden sollten. Ein Knecht sollte dies besorgen.
Doch man schlug ihn und schickte ihn mit leeren Händen fort. Dahinter
steht die Erfahrung, dass Gott im Laufe der Geschichte seines Volkes
Propheten geschickt hat, die den Menschen zeigten, dass sie nicht so
lebten, wie Gott es von ihnen erwartete. Gott wollte die Früchte seiner
Güte ernten, doch es waren Menschen wie überall: Menschen, die ohne
Rücksicht auf andere ihr Leben gestalteten, es gab Lug und Trug, Arme
hatten nichts zu essen, Fremde wurden schlecht behandelt, Witwen und
Waisen waren schutz- und rechtlos. Wohl gab es eine Art von religiösem
Leben, so etwas wie Frömmigkeit, doch dies alles war oft genug nur
äußerliches Getue.
Und solche Zeiten gab es viele im Laufe der Geschichte des Volkes
Israel. Immer wieder sandte Gott Propheten unter das Volk, damit sich
das Leben unter ihnen ändert, damit es menschlicher wurde, damit es
Gottes Willen entspricht. Doch wer hört das schon gerne. Die Propheten
erlitten oft dasselbe Schicksal. Man hörte nicht auf sie, man lachte sie
aus, oder tat ihnen Gewalt an. Die Menschen wollten lieber aus eigenen
Gedanken leben statt darauf zu hören, was Gott von ihnen wollte. Sie
wollten lieber ihr eigenes Leben leben, wollten sich nichts sagen
lassen. Die Worte Gottes aus dem Mund der Propheten wurden beiseite
geschoben, die Propheten wurden mit Gewalt aus dem Leben der Menschen
vertrieben, damit ja nichts mehr zu hören war.
Gott hätte sich nun überlegen können, sein Volk sich selber zu
überlassen, doch er wollte nicht, dass die Menschen im Weinberg
untergehen. Also sandte er auch noch seinen Sohn. Das war so etwas, wie
der letzte Versuch, sein geliebtes Volk vom falschen Weg abzubringen.
Der Sohn müsste doch ankommen. Vor meinem Sohn werden sie sich scheuen,
heißt es im Gleichnis. Aber auch dies traf nicht zu. Man glaubte das
Land für sich zu haben, wenn man nun auch noch den Sohn tötet. Und das
geschah ja auch: Jesus starb am Kreuz, vor den Toren der Stadt
Jerusalem, draußen, außerhalb des Weinberges.
Doch Gott hat ihn nicht im Tod belassen, er hat ihn auferweckt, hat
seinen Weg bestätigt, hat ihn zum Eckstein gemacht, an dem sich das
Leben auszurichten kann.
Wie wird es weitergehen mit den Führern, wie wird es weitergehen mit dem
Weinberg. Nun: andere werden den Weinberg bekommen, so erzählt das
Gleichnis. Das Land fällt ganz in die Hände der Römer und die Juden
haben nichts mehr zu sagen in ihrem Land. Auch die letzten Rechte werden
ihnen noch genommen werden. So ist es gewesen, erst im Jahre 70 nach
Christus als der Tempel zerstört wurde und dann noch einmal 130 nach
Christus als die Römer dann die Juden wieder einmal aus ihrem Land
vertrieben.
Das Gleichnis also erzählt von den damaligen Ereignissen und ihren
Deutungen aus dem Glauben heraus. Der Tod Jesu, so sagen die Christen,
hat dazu geführt, dass Gott seine gnädige Hand nun nicht mehr dem Volk
Israel, sondern anderen gereicht hat, nämlich denen, die ihr Leben
diesem Christus anvertrauen, die den Sohn nicht vertreiben, sondern von
ihm her das Leben gesalten.
Nun könnten wir sagen, was interessiert uns das. Es ist ja schön zu
hören, was historisch hinter so einer biblischen Geschichte steht. Nur
bleibt dann die Frage: Was hat das mit uns zu tun? Auf den ersten Blick
vielleicht nichts. Aber wenn man dieses Gleichnis einmal ganz anders
liest, dann wird doch auch etwas sichtbar, was für uns seine Bedeutung
entfalten kann.
Der bekannte katholische Geistliche Eugen Drewermann hat darauf
hingewiesen, dass man den Weinberg ja nicht nur als Gleichnis für das
Land Israel verstehen kann, sondern auch als Gleichnis für unsere Seele.
Gott hat in uns einen Weinberg gepflanzt, der einmalig ist für jeden von
uns. Es ist ein Weinberg, der einmalig ist vor und für Gott. Unser
Innerstes, unsere Seele ist ein von Gott vorbereitetes Land, das er uns
zu beackern heißt. Wir sollen etwas daraus machen, es soll gutes Land
werden, auf dem reichlich Früchte wachsen.
Nun kommen Boten, die nach Früchten suchen, die die Früchte des Lebens
ernten wollen. Als die Gottesboten, die in unser Leben gesandt werden,
könnte man jede menschliche Begegnung, jede Seelenregung, jede innere
Vision des eigenen Wesens verstehen. Auch Lebensereignisse, seien es nun
freudige, oder auch traurige, wie Abschied und Tod. All dies begegnet
uns und berührt unsere Seele auf unterschiedlichste Weise. Und wir
reagieren auf diese Begegnungen. Unsere Gefühle, die uns begleiten, die
innere Unruhe, das Suchen nach Sinn und Erfüllung, und die Antworten,
die wir auf dieses Suchen, diese Unruhe und das Gefühl geben, das
könnten wir im Angesicht dieses Gleichnisses Jesus beschreiben als
Auseinandersetzungen mit Gottesboten. Träume, Tagträume, Nachtträume,
Wünsche, Hoffnungen, Visionen, all das sind Gottesboten inmitten unserer
Seele, die unser Leben nach Früchten absuchen.
Aber: wie gehen wir mit diesen Gottesboten um?
In dem Gleichnis wird erzählt, dass diese Gottesboten niedergeschlagen
werden, dass sie verschmäht werden, dass sie gar getötet werden. Die
Pächter spielen sich auf, als ob sie die Eigentümer wären. Ihnen gehört
der Weinberg. Sie bestimmen, was zu tun ist.
Übertragen auf unser Innerstes könnte das Folgendes heißen: Da ist etwas
in uns, das will in unserer Seele Raum gewinnen. Wir spüren es, wir
merken etwas davon, spüren die Kraft die davon ausgeht, die uns
umtreibt. Doch dann kommen sehr schnell auch die Einwände: das geht doch
nicht. So etwas darf man doch nicht machen. Was würde sich alles
verändern, wenn ich dieser inneren Stimme Raum geben würde? Ich wüsste
doch gar nicht, wie das sein würde. Nein, diese Stimme muss verstummen.
Sie muss weg, ich will sie überhören, ich will sie niederschlagen, will
sie aus meinem Leben verbannen, sie töten. Sie führt mich weg von dem,
was mein bisheriges Leben ausmacht und das macht Angst und ist
bedrohlich. Also muss die Stimme schweigen.
Wir handeln so, als wären wir die Eigentümer unserer Seele. Wir gehen
oft genug mit uns so um, als ob wir dieses Innerstes nur so aussehen
darf, wie wir es für richtig halten. Und dementsprechend weisen wir auch
die innere Stimme in seine Schranken.
Und dann kommen da noch andere von außen dazu, die die das Innere des
Gegenüber formen wollen. Ich weiß, was für dich richtig ist, ich sage
dir, wo es lang geht. So sprechen Eltern, Erzieher, Lehrer, Vorgesetzte
und manchmal auch die Kirche. Und so sprechen viele Stimmen in uns, die
der inneren Stimme etwas entgegen setzen wollen, die die innere Stimme
gar nicht zu Wort kommen lassen wollen.
Jesus aber erzählt in diesem Gleichnis, dass die Pächter eben nur
Pächter des Weinberges sind. Für uns gesagt heißt das, unser Innerstes
ist der wichtigste Bereich in uns, der Gott gehört. Er gehört nicht uns.
Die Stimme des Innern ist die Stimme Gottes in uns, die Stimme, die uns
zu einem wahrhaftigen Leben führen will. Wir haben nicht das Recht,
diese innere Stimme einfach abzutöten, sie nieder zu halten, sie klein
zu machen, zu verschmähen oder zu vernichten. Mit dieser Stimme werden
Früchte des inneren Weinberges sichtbar, wird die Frucht sichtbar, die
die jeweilige Person schenken will. Und das sind Früchte, die auch nach
außen kommen sollen, die in der Welt sichtbar werden sollen. Darum
kommen ja die Gottesboten zu uns, die die Früchte des Lebens einbringen
wollen.
Wir sind nur Pächter unserer Seele, das heißt, wir haben unser Innerstes
zu pflegen, es zu beackern, es zu bebauen und zu bewahren, damit die
Früchte wachsen können. Dazu gehört, dass wir die Stimme dieses
Innersten auch hören und wahrnehmen lernen, ihr Raum geben, sich zu
äußern, um so das eigene Leben zu bereichern.
Am Ende des Gleichnisses heißt es: "der Stein, den die Bauleute
verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden." Dies ist sicher auf
Jesus gemünzt. Jesus ist der Eckstein, der Stein an dem sich
wahrhaftiges Leben ausrichtet. An ihm wird sichtbar wie menschliches
Leben gelingen kann.
An ihm wird aber auch sichtbar, wie jemand lebt, der das Innerste
sprechen lässt, der dem Innersten Raum gibt in seinem Leben, der es
wachsen lässt und seine Früchte nach außen trägt. Und dieser Jesus oder
besser gesagt, das jesuanische in uns vernichten wir, töten wir,
kreuzigen wir, wenn wir unserem Innersten kein Gehör schenken. Die
innere Stimme ist so etwas wie der Eckstein des wahrhaftigen Lebens.
Wird er verworfen, wird die Stimme vernachlässigt, dann wird das eigene
Leben nicht gelingen, dann werden andere das Sagen über das eigene Leben
haben.
Ich möchte nun allerdings nicht missverstanden werden. Nicht alles, was
unsere innere Stimme sagt, ist gut und richtig. Es ist ja auch schwer zu
entscheiden, was ist die Stimme des Eigentümers, also die Stimme Gottes,
und was ist die Stimme des Pächters, also meine eigene Stimme. Auf dem
Weg, die richtige Stimme zu erkennen, kann uns helfen, wenn wir jedes
wenn und aber, jedes zögerliche "Darf man das denn", zuerst einmal
beiseite lassen. Ich denke, das ist wie in einem unbekannten Garten. Da
wächst etwas heran, noch sieht man nicht, was daraus wird. Aber sehr
schnell entscheiden wir, es ist Unkraut - weg damit. Warum lassen wir es
nicht einfach wachsen? Warum schauen wir nicht, was wirklich aus diesem
Samenkorn wird, das da zu wachsen beginnt. Vielleicht gibt es guten
Grund, irgendwann zu sagen, nein das soll hier nicht wachsen, diese
Frucht will ich nicht. Vielleicht gibt es aber auch guten Grund, die
Pflanze wachsen zu lassen, ihre Früchte reifen zu lassen und aus dieser
Frucht Gutes entstehen zu lassen. Und so eben auch mit den Gedanken der
Seele, die in uns aufsteigen. Wir werden schon zu entscheiden wissen,
welche Stimme sich da Gehör verschaffen will, sicher nicht gleich, aber
im Laufe der inneren Auseinandersetzung damit.
Das Gleichnis von den Weingärtnern ist nicht nur ein historisches
Gleichnis für eine Zeit vor 2000 Jahren. Es ist ein Gleichnis für unser
Leben, für unser Leben vor und mit Gott. Nehmen wir ernst, dass es Gott
ist, dem unser Innerstes gehört und der darin mit uns ins Gespräch
kommen will. Lassen wir die Früchte heranreifen, die sich da zeigen. Es
sind Früchte, die zum wahrhaftigen Leben führen.
Amen.
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Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 345,1-5
Psalm 10 i.A.
Eingangsliturgie
Gebet des Tages:
Allmächtiger Gott!
Auf der Suche nach Leben begegnen wir deinem Sohn Jesus Christus. Er
will uns auf den Weg führen zu uns selbst, zu einem wahrhaftigen Leben
vor dir. Lass uns seine Stimme hören, hier im Gottesdienst, in den
Begegnungen unseres Lebens, in der Mitte unseres Innern. Lass uns hören
und danach handeln. Das bitten wir durch Jesus Christus....
Lesung Jes 5, 1-7
Lied 366,1-4
Lesung Mk 12, 1-12
Glaubensbekenntnis
Lied: 97,1-6
Predigt
Lied 302,1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet:
Als suchende und Fragende stehen wir vor Gott. Ihn rufen wir an in der
Hoffnung, dass er unser Leben verändern kann.
So bitten wir Gott, für alle Menschen, die zu Opfern von Menschen
werden, sei es körperlich oder seelisch. Hilf ihnen wieder zu sich
selbst zu finden, zu dem was ihr Leben so unverwechselbar macht. Darum
rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die von Unsicherheit und Zweifeln geplagt
werden, für die, die nichts mehr vom Leben erwarten, die nicht an die
Zukunft denken können, die ihren Glauben verloren haben, die immer
wieder enttäuscht werden. Lass sie Worte hören, die sie aufrichten, die
ihnen im innersten Mut zum Leben geben. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir beten für alle, die in Gefahr sind, sich gegen ihre Mitmenschen zu
verschließen und zu vereinsamen, wir beten für junge und alte Menschen.
Öffne sie für sich selber und für andere Menschen, öffne sie für das
Gute der Begegnungen mit anderen Menschen. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir bitten dich gütiger Gott, lass deine Stimme in unserem Leben
erklingen und gib uns die Kraft dieser Stimme zu folgen, gegen alle
Widerstände, die sich ihr in den Weg stellen wollen. Lass du uns so zum
wahrhaftigen Leben gelangen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich um Worte des Trostes und der Zuversicht für alle, die
einen Menschen loslassen mussten. Hilf den Weg der Trauer zu
durchschreiten, hilf die Zeichen des Lebens neu anzunehmen, sei du die
Stimme, die uns Hoffnung schenkt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme
dich.
Vaterunser
Segen
Lied 421
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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