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Mk 10, 35-45

40 Jahre Sportverein Gustedt
Sport ist im Augenblick in aller Munde, vor allem der Fußball und die Fußballnationalmannschaft.
Für Sie, die sie hier an diesem Vereinsjubiläum teilnehmen geht es auch um den Sport und um den Sportverein. Nun feiern wir heute morgen einen ökumenischen Gottesdienst zu diesem Anlass, so dass es sich gewiss auch lohnt über das Nachzudenken, was den Sport ausmacht, und was der Glaube dazu zu sagen hat.
Kernpunkt des Sportes ist, so denke ich, der Wettstreit. Es geht um Sieg. Wer ist der Beste? Wer kann eine Sportart am Besten, so dass er ganz oben auf dem Treppchen steht, den Pokal in Empfang nimmt, die Ehrungen bekommt. Wir alle fiebern mit unserer Deutschen Fußballnationalmannschaft – oder haben gefiebert – und wenn hier am Spielfeldrand in Gustedt gestanden wird, dann fiebert man eben mit seiner Mannschaft mit oder gibt alles, damit das Spiel gewonnen wird. In den Mannschaftssportarten versucht man, dieses Ziel gemeinsam zu erreichen, in den Einzelsportarten versucht es jeder alleine, das gesteckte Ziel zu erreichen. Ganz vorne will ich mitmachen.
Natürlich gibt es auch Sport nur zum Spaß, einfach zur körperlichen Ertüchtigung, damit das Herz mal ein bisschen in Wallungen kommt, der Körper fit bleibt und die überschüssigen Hormone abgebaut werden in einer Zeit, wo Bewegung immer weniger wird, weil Maschinen uns die Arbeit und die Wege erleichtern.
Oben sein, Sieger sein. Das ist ein schönes Gefühl, gerade auch im Sport. Es ist ein wunderbarer Anreiz, sich selber zu fordern, gefordert zu werden, um das Ziel zu erreichen. Wir Menschen brauchen solche Herausforderungen, um auch über uns hinauszuwachsen. Es fördert das menschliche Streben, der Sport tut das seine dazu. Vor allem aber ist der Sport auch eine schöne Sache, um ein gewisses Gegeneinander zu praktizieren, eben einen Wettstreit, ohne wirklich gegeneinander zu sein. Ich finde es gut, wenn z.B. bei der Weltmeisterschaft jetzt, jede Mannschaft großen Ehrgeiz entwickelt, das Spiel zu gewinnen. Jeder kämpft um jeden Ball, sicherlich manchmal auch mit einem Foul. Aber dabei gibt es immer wieder die sportlichen Gesten, vor allem wenn man am Ende einander die Hände schütteln kann und hoffentlich auch gemeinsam ein Bier trinken kann. Das ist gewiss nicht immer so leicht, weil es im großen Fußball ja auch um Geld, um viel Geld geht, so dass eine Niederlage auch in diesem Bereich Konsequenzen hat. Aber hier auf dem Spielfeld in Gustedt geht es darum nicht, hier geht es die Ehre und den Spaß. Hier geht es um Konkurrenz, um Wettstreit, um Siege, aber vor allem auch um die Gemeinschaft.
Wir haben vorhin einen Text aus der Bibel gehört, in dem geht es nicht um Sport – ob Jesus Fußball gespielt hat, wissen wir nicht, ich bin aber sicher, dass er auch mit seinen Freuden in Nazareth Wettspiele gemacht hat. Aber in dem Text geht es auch um die besten Plätze. Die beiden Jünger Jesu, Jakobus und Johannes, sie wollten ganz oben stehen, und das hieß, sie wollten zur Rechten und zur Linken seiner Herrlichkeit sitzen. Ganz oben sein, die ersten, die besten. Das gefiel den anderen Jüngern überhaupt nicht, als sie das hörten. DA wollen zwei für sich Privilegien haben, wollen sich vor die anderen Stellen, wollen einen besonderen Platz für sich erobern. Und was sie damit tun ist, sich gegen die Gemeinschaft stellen.
Wie sähe das aus, wenn der Libero für sich sagt, ich probiere alles alleine. Ich alleine möchte der Star des Spieles sein. Er wird sich abmühen und vielleicht sogar gute Einzelaktionen zeigen, aber das Spiel wird er kaum gewinnen können.
Wer groß unter euch sein will, der soll euer Diener sein, wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn so sagt Jesus weiter: auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
Dieses Wort Jesu ist für das alltägliche Leben der Menschen dieser Welt immer wieder eine Anfechtung. Wir erleben es doch in so vielen Bereichen des Lebens anders. Menschen wollen Macht, sie wollen Einfluss, sie wollen das Sagen haben. Wir erleben das in der Politik, wir erleben es im Beruf, wir erleben es auch in unseren Vereinen, manchmal auch in der Familie, und wir erleben es auch im Sport – vor allem in den politischen Entscheidungen der Sportverbände. Die vorne stehen wollen das Sagen haben, wollen oft genug um ihrer eigenen Person vorne stehen, wollen darin Ansehen, Anerkennung und entsprechende Reputation haben.
Jesus sagt: nein, nein, so nicht. Nicht bei uns, nicht, wenn du dein Leben an mir ausrichtest. Ich bin gekommen zu dienen, ich bin gekommen, um den Menschen gutes zu tun. Ich suche nicht meine eigene Macht, ich suche nicht mein Ansehen, ich suche die Gemeinschaft, ich suche die Menschen, die mich brauchen, ich will hier nichts für mich erreichen, sondern für uns alle. Dienst ist das Stichwort, nicht Macht, nicht Ansehen, nicht Herausgehoben sein. Sich zum Knecht aller machen, klein und gering, das ist Nachfolge Jesu im Glauben.
Was bedeutet das für den Sport? Ich selber war als Jugendlicher viele Jahre Leiter einer Jugendabteilung. Ich weiß, was heißt, ehrenamtlich im Sport tätig zu sein. Es ist Dienst, es ist Knechtschaft. Wie heißt es so schön: Ehren-Amt – wenig Ehre, viel Amt. Aber nur so kann ein Verein, ein Sportverein allzumal gelingen, wenn jeder – und nicht nur die, die Verantwortung übernehmen – sich als solcher versteht, der dem Ganzen dienen will. Beim Fußball kommt es im Spiel nicht darauf an, dass einer im Mittelpunkt steht, sondern dass alle gemeinsam ein Ziel verfolgen und jeder seinen Teil dazu beiträgt. Und so ist es auch im Einzelsport: natürlich stehe ich da als Sportler alleine, muss meine Leistung bringen, aber da sind die anderen die mir dienen und denen ich diene, um zu meiner Leistung zu kommen. Es geht auch im Sport nicht ohne dieses dienen, sonst verkommt der Sport zu einem Machtgerangel und verliert seine Attraktivität. Sport braucht Gemeinschaft, Sport führt zur Gemeinschaft, Sport schafft Gemeinschaft und er lebt auch nur durch die Gemeinschaft, eine Gemeinschaft des Dienens, des Füreinander Einstehens,
Wenn einer aus der Reihe tanzt, dann sieht auch die schönste Jazztanzgruppe nicht mehr gut aus, wenn einer allein seine Vorstellungen durchsetzen will, dann brechen Gemeinschaften auseinander. Deshalb ist das, was Jesus da vom dienen sagt, etwas ganz wichtiges für unser Leben in Gemeinschaften, allzumal im Sport.
Was den Sport noch so bedeutsam macht, ist, dass wir dort erleben, wie wir mit Niederlagen umgehen können im Leben. Wie oft geht man enttäuscht vom Platz – wieder nicht gewonnen. Das drückt, das zieht einen runter. Hier kann man sagen, es ist doch nur ein Spiel, aber wir spüren, wie sehr wir uns da hineingeben können mit der ganzen Person. Und man wird ja auch schon mal ganz schön angegangen, wenn man den entscheidenden Schuss vergeigt hat. Manchmal sieht man auch die Grenzen seiner körperlichen Beweglichkeit. Oder die Kinder beim Kinderturnen, für die Niederlagen oft sehr schmerzlich sind. Für die Kinder bereitet es sicher aufs Leben vor, wo Niederlagen, Enttäuschungen, Bedrückungen dazu gehören. Hier aber ist es wichtig zu sehen, dass es beim Sport nur um Sport geht und nicht um die Person. Wir mögen eine Leistung nicht erbracht haben, mögen Menschen enttäuscht haben, aber damit sind wir als Menschen nicht wertlos und enttäuschend. Ich gebe mein Leben als Lösegeld für viele, sagt Jesus. Das heißt: eure Niederlagen, eure Enttäuschungen, eure Fehler, eure Schwächen, eure Schuld im Leben, die könnt ihr bei mir ablegen. Niemand muss deswegen verurteilt werden, denn ich nehme diese Urteil auf mich und trage es. Du bist auch mit deinen Niederlagen, mit deinen Schwächen angesehen, wichtig und wertvoll. Oder vielleicht noch anders gesagt: Im Sport geht es oft genug um die Plätze 1, 2, 3 – die anderen finden Erwähnung unter: „ferner liefen“. Das ist bei Gott anders. Da ist jeder von uns ganz oben, ganz bedeutsam, ganz im Blick, auch dann, wenn wir bei den Menschen ganz hinten anstehen. Für Gott ist jeder von uns eine Nr. 1. Jeder wertvoll, besonders, einzigartig, da wird niemand in die zweite Reihe gestellt, da gibt es kein „ferner liefen“. Und in der Nachfolge Jesu gilt es, dies den Menschen weiter zu geben.
Das haben die beiden Jünger Jakobus und Johannes nicht kapiert. Sie wollten vorne stehen, oder eben sitzen zur Rechten und zur Linken der Herrlichkeit. Aber genau darum soll es nicht gehen: nicht im Glauben und auch nicht im Leben. Sondern es soll darum gehen, dass wir einander wahrnehmen, einander annehmen und im sportlichen Wettstreit trotz aller Siegertreppchen wissen, jeder ist hier wichtig und wert, jedem gilt es das zukommen zu lassen, was für sein Leben wichtig ist. Der Sieger mag seinen Sieg feiern, der Unterlegene wird trauern, aber bei Gott stehen sie als Menschen auf der gleichen Stufe – und das ist gut so, denn nur so können wir Menschen wirklich die Siege und Niederlagen des Lebens richtig werten. Die einen sind nicht besser, die anderen nicht schlechter ein jeder hat seinen Platz in dieser Welt und ist vor Gott wert und wichtig. Zeigen uns das immer wieder in unserem Leben und gestalten es darin so, wie Gott es sich gedacht hat: als ein Füreinander da sein – trotz und inmitten aller Wettstreite in unserem Leben. Den Menschen, die im SV Gustedt Sport treiben wünsche ich solche Erfahrungen der Annahme, der Gemeinschaft und des Füreinanders. Möge Gott all euer Tun für die Menschen mit seinem Segen begleiten. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 331
Psalm - Dittrich
Gütiger Gott, in einen Gottesdienst bringen wir unser Leben, das was uns bewegt an gutem und schwierigem mit. Wir tragen es in uns und bringen es vor dich. Nimm du es uns ab, auf dass wir erleichtert unseren Weg gehen können. Darum bitten wir dich um dein Erbarmen.
Und so erfülle uns mit deiner Barmherzigkeit und Güte, lass uns dein Wort hören, auf dass wir gestärkt die Schritte unseres Lebens gehen können, nach deinem Willen und in deiner Liebe. Darum bitten wir dich, durch Jesus Christus unseren Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: Brandt mit Glaubensbekenntnis
Glaubensbekenntnis
Lied Jesu geh voran 391
Predigt
Lied: Nun danket alle Gott
Abkündigungen
Fürbittengebet Dietrich
Vaterunser
Segen
163
 

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Die Predigt wurde gehalten in
Gustedt 

2. 07. 2006

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