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Eph, 3, 14-21

Ich habe ihnen und euch etwas mitgebracht. Ein sogenanntes Mandala. Mandalas sind inzwischen ja sehr bei uns beliebt, vor allem bei Kindern in Kindergärten. Mandalas sind Meditationsbilder, die ursprünglich aus den indischen Religionen kommen. Sie sind zumeist als Kreisbilder in verschiedenster Form gestaltet. Gerade in den indischen Religionen dienen sie dazu, bei der Meditation so etwas wie eine Mitte für sich zu haben, einen Ruhepunkt für die Augen, der einem hilft, für sich seine eigene innere Mitte zu finden.
Vielleicht haben wir ja auch bei uns die Möglichkeit einmal mit einem solchen Bild für uns Erfahrungen zu machen im Blick auf unsere eigene Mitte.
Nehmen wir uns erst einmal ein wenig Zeit, das Bild in Ruhe zu betrachten. Wir hören dazu ein wenig Musik.



Wir sehen 3 Bereiche in diese Mandala. Es hat eine Mitte, einen Außenbereich und einen Übergang. Drei grundlegende geometrische Figuren werden gezeigt. Es sind drei sehr unterschiedliche Bereiche, die uns hier gezeigt werden.
In der Mitte eine Vielzahl von Dreiecken. Wir brauchen eine Weile, um uns an diese Unruhe zu gewöhnen, um ein etwas klares Bild zu bekommen. Doch wenn man sich daran gewöhnt hat, dann können wir einiges entdecken.
Die Mitte des Bildes ist die Mitte des kleinsten Dreieckes, das wir sehen können. Ich möchte dieses Dreieck als das Bild unserer eigenen Person sehen. Wir sind die Mitte dieses Bildes, jeder von uns ist die Mitte dieses Bildes. Es ist unser Lebensraum, der hier beschrieben wird. Ein vielleicht für viele ungewöhnlicher Gedanke, doch ich bitte sie einfach mal, sich darauf einzulassen und die eigenen Gedanken, angeregt durch meine Gedanken dazu schweifen zu lassen. Ich werde die unterschiedlichen Gedanken durch Musik untermalen und manchmal auch nur die Musik hören lassen, damit wir unsere eigenen Gedanken dazu entfalten können.

Das kleinste Dreieck in der Mitte unseres Bildes. Ich fühle mich klein und doch bin ich die Mitte. Ich bin allerdings nicht allein. Ich bin die Mitte eines größeren Dreiecks. Drei: Vater, Mutter, Kind. Ich bin nicht einfach so auf der Welt, nicht allein. Einzigartig, einmalig bin ich,  das ist sicher, das kann mir niemand nehmen. Aber ich komme woher, ich habe eine Geschichte, ich bin verbunden mit den Menschen, die mich gezeugt und zur Welt gebracht haben. Ich bin ein Teil von anderen und doch habe ich meine eigene Mitte. Mein Leben ist ein eigenes, eines in dem ich mich entfalten kann.
Die Dreiecke, sie stellen mein Leben dar: Ich bin in einen Lebensraum hineingestellt worden, einen Raum, den ich ausfüllen kann und darf. Ich kann und darf und soll mich entwickeln. Ich darf groß werden, mich ausbreiten, meinen Lebensraum ausdehnen, bis ich an meine Grenzen stoße. Jedes Dreieck steht für meine Lebensentwicklung, jedes Dreieck steht für einen weiteren Schritt in meinem Leben. Jedes Dreieck steht für Stationen in meinem Leben, für meine Gefühle in meinem Leben.
Mal fühle ich mich ganz klein, mal groß, mal aufhoben, gehalten an den Ecken, mal allein inmitten eines großen Raumes. Mal bin ich eng und schlank, mache mich am liebsten dünne, möchte nicht gesehen werden, mal breite ich mich aus, will wahrgenommen werden, möchte gesehen und anerkannt werden.  Es ist schön, zu sehen, welch weiten Raum ich habe, wie viele Möglichkeiten Gott mir zum Leben gegeben hat. Danke, guter Gott, für den Raum meines Lebens. Danke für die alles, was du mir möglich machst. Danke für mein Leben.
Musik
Ich bin die Mitte meines Lebensraumes, doch ich bin nicht allein. Die anderen Dreiecke, das ist nicht nur ein Bild meines Lebens, sondern auch ein Bild für die anderen Menschen um mich herum. Ich lebe nicht allein in meiner Welt. Andere Menschen leben mit mir dort. Sie stehen neben mir, sind - von Gott aus gesehen - ebenfalls Kinder Gottes, sind meine Geschwister. Es sind Menschen, die mein Leben beeinflussen, die mir den Weg weisen, die sich mir in den Weg stellen, die einige Zeit mit mir gehen, oder die mir nur kurz begegnen. Menschen, die mir helfen, das Leben zu meistern, Menschen, die mir das Leben schwer machen, Menschen, die keine Bedeutung für mich haben, Menschen, die ohne Wirkung auf mich bleiben. Sie sind mit mir da in dieser Welt, in der Gott mich gewollt hat.
Andere Menschen neben mir. Das heißt: ich muß mich auf sie einstellen, sie müssen sich auf mich einstellen. Wir leben miteinander, nebeneinander. Wir haben Berührungen, mal mehr und mal weniger. Familie, Freunde, Verwandtschaft, Nachbarn, Schule, Verein, Dorf, Stadt, Landkreis, Land, Welt. Irgendwie haben wir alle etwas miteinander zu tun. Und ich in der Mitte.
Ich in der Mitte? Bin ich die Mitte der Welt? Ich bin die Mitte meiner Welt. Ich möchte mein Leben so gestalten, wie es mir gefällt, wie ich es gerne hätte, wie ich es für gut und richtig, für sinnvoll und angemessen halte. Und doch stoße ich an Grenzen, an die Grenzen des Lebens der anderen. Wir müssen uns aufeinander einstellen, wir müssen uns wahrnehmen, aufeinander Rücksicht nehmen, einander den Lebensraum lassen, den der andere für sich braucht.
Ich spüre, mein Leben ist offen, doch nicht ohne Grenzen, ich kann mich entfalten, doch nicht ohne auch Rücksicht zu nehmen.
Musik
Der Kreis, er ist meine Grenze. Die Welt ist rund, diese Welt ist meine Grenze. Wie ein Blüte wirkt dieser Kreis. Ein Bild der Schönheit der Welt, die es zu entdecken und zu entfalten gilt. Eine Blüte will aufgehen, will ihre ganze Schönheit zeigen. Und in dieser guten und schönen Welt habe ich meinen Platz. Meine Lebensblüte will aufgehen, will ihre ganze Schönheit entfalten. Ich muß mich nicht verstecken, nicht bei mir selber bleiben. Ich darf mich zeigen, meinen Raum einnehmen, sichtbar werden für andere. Ich darf eine gute Blume in Gottes Garten sein.
Dieser Kreis, er ist mein Raum. Es sind da Grenzen, ich stoße an Grenzen, doch es ist mein Lebensraum. Ich ziehe nicht ziellos umher, ohne Ahnung wo ich hingehöre, sondern ich habe meinen Raum. Ich bin gehalten in meinem Raum, in meinem Kreis. Du Gott gewährst mir meinen Raum und ich darf ihn ausfüllen. Dank sei dir dafür.
Musik
Blütenblätter füllen den Kreis. Blütenblätter meines Lebens. Jedes Blütenblatt eine Station meines Lebens. Jedes Blütenblatt eine Erinnerung. Blütenblätter des Lebens, Farben des Lebens, Freuden des Lebens. Erinnerungen, die verblassen, wie die Farben der Blütenblätter. Doch sie sind unvergänglich, denn sie sind in unsere Herzen geschrieben. Sie umgeben unser Leben, umgeben die Mitte unseres Lebens.
Schauen wir ein wenig nach den Blütenblättern unseres Lebens. Danken wir für die Blütenblätter unserer bisherigen Lebenszeit.
Musik
Die Welt setzt Grenzen, sie begrenzt unser Leben und unser Denken. Und doch gibt es etwas darüber hinaus. Das Viereck umgibt den Kreis und die Dreiecke. Das Viereck als Zeichen der Vollendung, wie auch schon das Dreieck oder der Kreis dies andeuten. Das Viereck ist dabei so gestaltet, daß es ein Kreuz ergibt. Das Kreuz weist über den Kreis hinaus.
Das Kreuz übersteigt meine Grenzen, es sprengt meine Grenzen. Das Kreuz umgibt und sichert meinen Raum. Es steht über allem, es umgibt alles, es übersteigt alles. Wir sind gehalten von unseren Gedanken, von unserer Mitte, von unseren Grenzen. Doch das Kreuz es macht irgendwie alles anders.
Ich gehe in meinem Leben nach unten, in die Tiefe, in die dunklen Seiten des Lebens: all mein Suchen nach Leben, nach Liebe, nach Geborgenheit und Nähe, nach Hoffnung und Vertrauen, all die Fragen, die mich begleiten, Fragen, die keine Antworten finden. Mein Bangen, mein Zagen und Zögern im Leben, das Trauern, das Abschied nehmen, die Enttäuschungen, die mich begleitet haben, die Schuld, die ich zu tragen habe, die Angst, die mein Leben immer wieder ergreift. All dies ist umgeben von dem Kreuz, von dem Kreuz Jesu Christi. Es umgibt mein Leben, es gibt ihm in der Tiefe Halt. Es übersteigt den dunklen Raum, bringt Licht ins Leben. Du, Gott, bist nahe, du Gott bist im Dunkeln gegenwärtig, dein Licht leuchtet, auch wenn ich es oft nicht sehe.
Musik
Ich gehe in meinem Leben nach oben, in die Höhe, ins Licht. Mein Sehnen, mein Bitten, mein Hoffen und mein Danken richtet sich an Gott.  Von ihm erwarte ich etwas, er möge mir zugewandt sein. Und ich sehe sein Kreuz und höre die Worte Jesu: nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Ich spüre eine neue Mitte in meinem Leben. Ich spüre, daß da ein anderer meine Mitte sein will, damit ich wirklich zu meiner Mitte komme. Der Schnittpunkt des Kreuzes, er ist der Schnittpunkt des kleinsten Dreieckes. Ich spüre, daß ich dort am Kreuz, daß ich in Jesus Christus, in seiner Liebe und Hingabe, in seinem Sterben und Auferstehen mein Leben finde.
Herr, Jesus Christus, sei du die Mitte meines Lebens und führe du mich zum wahren Leben.
Musik
Gott ist der Vater, der alle Wesen in der himmlischen und der irdischen Welt beim Namen gerufen hat und am Leben erhält.
Er beschenke uns aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit und mache uns innerlich stark durch seinen Geist. Jesus Christus lebe durch den Glauben in uns, in seiner Liebe mögen wir fest verwurzelt und auf sie gegründet sein.
Gott gebe uns seinen Geist, daß wir mit der ganzen Gemeinschaft der Glaubenden begreifen lernen, wie unermeßlich reich er uns beschenkt hat. Wir möge erkennen, was alle menschliche Erkenntnis übersteigt: nämlich die unermeßliche Liebe, die Christus zu uns hat. Dann wird die göttliche Lebensmacht mit ihrer ganzen Fülle uns immer mehr erfüllen. Gott kann unendlich viel mehr an uns tun, als wir jemals von ihm erbitten oder uns ausdenken können. So mächtig ist die Kraft , mit der er in uns wirkt. Ihm gehört die Ehre in der Gemeinde und durch Jesus Christus in allen Generationen, für Zeit und Ewigkeit. Amen.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt
  Abend-
gottesdienst als Mediations-
gottesdienst über ein
Mandala

29.1.2000

Liturgischer
Ablauf
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