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Gnade sei mit uns ...
Wie mag das wohl gewesen sein, damals als Jesus mit seinen Freunden
durch die Straßen gezogen ist? Großer Bahnhof, wie bei einem Prommi
unserer Tage etwa? Es war sicher alles ein bisschen schlichter, wenn
auch erzählt wird, dass viele Menschen da waren, um Jesus zu hören. Aber
eine große Zuhörerschaft macht noch keine große Bewegung aus. Denn, wie
mag es wohl hinterher gewesen sein? Sind die Menschen alle bekehrt nach
Hause gegangen, sind sie begeistert gewesen und hatten nicht besseres zu
tun, als das Gehörte gleich weiterzusagen?
Ich stelle es mir er so vor, wie bei einem Kirchentag. Vor Ort ist
Begeisterung, da ist dieses Gefühl von Erfülltsein von guten Gedanken,
guten Erfahrungen, fröhlicher Gemeinschaft und religiösen Gefühlen. Auf
dem Weg nach Hause wird noch davon gesprochen, zuhause dann holt der
Alltag wieder schnell ein, und die Enttäuschung ist groß, dass es doch
irgendwie nicht so ist und bleibt wie in den Tagen davor. So wird es
sicher auch den Menschen um Jesus gegangen sein und auch den Jüngern,
die sahen, was aus der Botschaft wurde, die Jesus den Menschen verkündet
hat.
Da macht sich Enttäuschung breit, Enttäuschung, dass die Vorstellungen
keine allgemeine Anerkennung finden, dass so wenige darauf hören und
noch weniger danach leben. Es bleibt so vieles beim Alten. Es verändert
sich nichts. Das macht traurig, das macht bitter, das schafft
Resignation.
Und so geht es ja nicht nur bei Jesus und in der Kirche. So geht das
doch an vielen Stellen unseres Lebens. Das fängt schon in der Familie
an, wo die unterschiedlichen Vorstellungen, die die Familienmitglieder
haben, oft nicht zusammenpassen. So wünschte ich es mir, aber der andere
hört nicht, will nicht hören, kann nicht hören, geht dann doch nur seine
eigenen Wege. Oder wenn ich an das Engagement in den Vereinen und
Gruppen denke, wo es viele gibt, die mit ganz viel Elan herangehen, um
etwas auf die Beine zu stellen. Bei kurzzeitigen Maßnahmen findet man
noch schnell Menschen, die mit zufassen, die auch bei der Stange
bleiben. Aber bei langfristigen Maßnahmen, bei langfristigen
Vorbereitungen, da verlieren immer mehr Menschen die Lust. Da ist die
anfängliche Begeisterung schnell weg und die Übriggebliebenen stehen
dann alleine da, traurig, resigniert, verbittert.
Wie viele gute Ideen sind wohl schon an solchen Umständen gescheitert?
Wie viel gutes ist wohl schon nicht gelebt worden, weil Menschen
resigniert und verbittert waren, angesichts der Resonanz, die man erlebt
hat. Lass mich in Ruhe damit, ich will gar nichts mehr davon hören. Ich
habe keine Lust mehr irgendetwas zu machen. So hört man sie dann reden.
So ist das Leben nun einmal, jeder von uns könnte aus Familie, Freizeit
und Beruf viele solcher Geschichten erzählen, wo das Vorgestellte nicht
umgesetzt wurde, weil die Reaktion anderer keinen Raum für die Umsetzung
gelassen hat.
So ist das Leben. Ist so das Leben? Muss so das Leben sein?
Wir haben vorhin ein Gleichnis von Jesus gehört. Er erzählt von einem
Landwirt, der sein Feld bestellt. Dieser Landwirt geht über seinen
Acker, der viele Hindernisse aufweist. Mitten durch den Acker ging ein
festgetretener Weg. Auch einige felsige Stücke waren in dem Acker,
schlechter Boden also fürs Wachstum. Und an einigen Stellen gab es auch
Bereiche, in denen Diesteln und Dornen nicht wegzubekommen waren. Dies
alles war sein Acker, dies alles galt es nun mit dem Samen für gute
Frucht zu bestreuen. Wie wäre es, wenn der Landwirt nur mit den Augen
für das Negative über seinen Acker ginge, sich anschaute, welche
Probleme er da hat? Vermutlich würden seine Gedanken so aussehen:
Wenn ich nur den Weg sehe, wo all die anderen immer langgehen, da kann
doch nichts draus werden, da kommen gleich wieder die Vögel und picken
mir alles weg. Und dann diese felsigen Stücke. Wo soll denn da was
wachsen? Ich bin wieder stundenlang unterwegs und wofür. Dafür, dass mir
das ganze Kram doch wieder verdorrt. Und wenn ich dann noch dieses
Gestrüpp sehe. Egal was ich tue, immer wieder kommt es hoch und macht
alles drum herum zunichte. Ich habe eigentlich keine Lust irgendwas zu
machen. Da kann ich doch gleich zu Hause bleiben, ob ich hier nun etwas
säe oder nicht, da kommt doch sowieso nichts bei raus.
Wir möchten etwas machen, etwas auf die Beine stellen. Wann soll es denn
sein? Na ja, dann und dann. Ach das geht nicht, da hat der was, da haben
die schon was, da können die nicht. Und eigentlich spricht dies dagegen
und die anderen machen doch schon jenes. Einer nach dem anderen kommt
und zertritt die Vorstellungen und Ideen.
Oder man hat etwas angefangen, die anfängliche Begeisterung ist da, aber
viel Durchhaltevermögen ist nicht zu spüren. Jedes Mal werden es
weniger. Oder es sind da eben immer dieselben, die etwas zu meckern
haben, denen dies nicht gut genug ist, das nicht richtig und die heute
schon wissen, was morgen alles schief geht, aber selber nichts tun
wollen.
So sieht das doch aus auf dem Ackerfeld unseres Lebens. Manchmal macht
es keinen Spaß auch nur irgendeinen Samen auf dieses Ackerfeld zu
streuen, manchmal möchte man alles brach liegen lassen.
Der Landwirt in dem Gleichnis Jesu ist da allerdings anders. Er denkt
überhaupt nicht darüber nach. Der Sämann, wie es so schön heißt, geht
einfach los und streut seinen Samen aus. Er weiß darum, dass manches auf
diesen ausgetretenen Weg fällt. Sollen es doch die Vögel fressen. Er
weiß darum, dass auf dem felsigen Grund nichts wächst. Na und, er geht
weiter seinen Weg weiter. Er weiß darum, dass unter Dornen und Diesteln
nichts wachsen kann, aber er bleibt bei seinem Vorhaben, fleißig sät er
weiter seinen Samen, denn er weiß: es gibt daneben auch viel gutes Land,
auf dem wird mein Same aufgehen, auf dem wird der Same Frucht bringen,
da wird sichtbar, dass sich mein Einsatz gelohnt hat.
Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Wir Menschen schauen oft nur auf das negative, auf das was schwierig
ist, was uns im Wege steht, wo wir drüber schimpfen können. Und es gibt
immer genug zu schimpfen. Wir Pastoren sind da überhaupt nicht von
ausgenommen, im Gegenteil wir schimpfen fleißig mit: zu wenig
Gottesdienstbesucher, zum Bibelgespräch kommt keiner, der Chor hat zu
wenig Sänger und auch in den anderen Kreisen wünschten wir uns mehr
Beteiligung. Die Bibel kennt keiner mehr, und glauben tun die Menschen
auch alle nicht mehr. Und die anderen stimmen mit ein: der Gesangverein
könnte Leute gebrauchen, der Schützenverein wünschte sich noch größere
Beteiligung, die Sportvereine klagen über Nachwuchsmangel und auch in
der Feuerwehr könnte es besser laufen. Irgendwie ist überall etwa zu
bemängeln. Das mag ja alles sein, das mag uns ja alles beschäftigen, das
was in der Kirche, in den Vereinen, im Beruf und auch in der Familie
nicht so klappt. Das soll auch nicht beiseite geredet werden, auch das
Gleichnis Jesu beschreibt die Schwachstellen des Ackers sehr deutlich.
Aber das ist eben nicht alles. Da gibt es immer ein fruchtbares Feld auf
dem sich unsere Arbeit lohnt, auf dem sich unser Einsatz fruchtbar
bemerkbar macht. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Der höre, dass die
schlechten Erfahrungen des Lebens wohl dazugehören, dass das Leben nicht
einfach immer nur glatt geht, dass unsere Vorstellungen und Ideen nicht
immer nur auf Gegenliebe stoßen. Wer Ohren hat zu hören, der höre aber
auch, dass wir trotzdem mit Mut und Fröhlichkeit weitergehen können,
dass wir das, was uns wichtig ist, was uns innerlich als bedeutsam
erscheint, weitergeben können, trotz aller Widrigkeiten, die sich dem
allen in den Weg stellen. Jesus macht in seinem Gleichnis seinen
Freunden Mut, an dem festzuhalten, was sie von ihm erfahren haben und
was ihnen wichtig ist. Das gilt für uns alle in unserem Glauben, aber
ich denke, es ist richtig, wenn ich es nicht nur kirchlich sehe, sondern
bezogen auf alle unsere Vorstellungen und Ideen, die wir in unserem
Leben haben. Wenn diese dem Leben dienlich sind, wenn es für Mensch und
Welt gut ist, dann wird es sich auch gegen alle Unkenrufe von außen
durchsetzen, dann wird da fruchtbares draus entstehen, dann wird man
Früchte ernten können, als neues Samenkorn auch weiter, an anderer
Stelle Früchte bringen.
Wir kennen das Gleichnis als eines, das vom Wort Gottes redet. Das
Samenkorn das Wort Gottes, das von den Menschen in unterschiedlicher
Weise angenommen wird. So legt es Jesus später aus. Ich habe heute
einmal dieses Gleichnis ohne diese Deutung ausgelegt. Dadurch wurde es
zu einem Gleichnis gegen die Resignation, gegen die Resignation in der
Kirche und gegen die Resignation im Alltag. Jesus spricht in diesem
Gleichnis davon, dass wir nicht immer mit negativer Sicht auf das Leben
schauen sollen. Er redet dagegen, dass wir das Gute im Leben schon für
tot halten, nur weil etwas äußeres dagegen steht. Jesus steht ein für
die Hoffnung, für das Vertrauen, dass auch auf widrigem Land
hundertfältige Frucht wächst. Und zu dieser Hoffnung und zu diesem
Vertrauen sind wir berufen, zu dieser Hoffnung und zu diesem Vertrauen
ermutigt er uns alle.
Und das sicher auch im Blick auf den Frieden in der Welt. Reden wir,
beten wir gegen alle Kriegsgedanken an, ermutigen wir zum Frieden,
bitten wir Gott um den Frieden, auch wenn die Nachrichtenlage anders
spricht. Jesus macht Mut, die Gedanken des Friedens gerade jetzt
besonders laut werden zu lassen.
Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 452, 1-5
Eingangsliturgie
Gebet:
Gütiger Gott! Es wird viel gesprochen in der Welt. Wir hören dieses und
wir hören jenes. Wem sollen wir glauben, wem können wir vertrauen,
worauf können wir uns verlassen?
Wir bitten dich, lass uns erkennen, welche Wort hilfreich sind, lass uns
daran festhalten, auf dass wir mutig unseren Weg gehen, einen Weg der
Hoffnung und der Freude. Darum bitten wir durch Jesus Christus, der mit
dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen
Lesung: Hebr 4, 12-13
Lied: 279, 1, 2, 4, 7
Lesung: Lk 8, 4-8
Glaubensbekenntnis
Lied 196, 1-3
Predigt
Lied: 196, 4-6
Abkündigungen -
Fürbittengebet:
Gütiger Vater im Himmel!
Wir danken dir für die Gaben von Brot und Wein, mit denen du uns nahe
gekommen bist. Lass uns aus der Kraft dieser Gaben auf dich hin unser
Leben führen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen, die Verantwortung übernehmen, in der
Kirche, in Vereinen, für andere Menschen, dass sie nicht müde werden in
ihrem Bemühungen, dass sie sich nicht entmutigen lassen, sondern ihre
Kraft einsetzen zum Wohl für andere Menschen und diese Welt. Darum rufen
wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen, die nur auf das Schwierige und die
Probleme im Leben schauen. Öffne ihnen die Augen für das Schöne, für das
Gelingende; gib ihnen den Mut trotz aller Widrigkeiten, nach vorne zu
schauen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für unsere Gemeinden, dass alle in ihr Lebenden zu einem
gelingende Gemeindeleben beitragen, dass wir im Miteinander aller Gaben
und Kräfte Gottes lebendige Gemeinde. Wir bitten, dass notwendige
Konflikte in gegenseitiger Achtung ausgetragen werden, dass Trennungen
überwunden werden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die sich für den Frieden einsetzen. Lass ihre
Geduld nicht zu Ende gehen, und lass auch dein Wort vom Frieden für die
Welt nicht untergehen in den Reden und Gedanken von vermeintlich
notwendiger Gewalt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gütiger Vater, Was wir von dir erbitten, können wir nicht allein von dir
erwarten. So nimm uns in deinen Dienst, hilf dass wir auf guten Wegen
gehen. Vaterunser
Segen
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Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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