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Lk 8, 4-15

Weil wir zur Zeit Winterkirche haben und daher in einem anderen Raum sind, können auch andere Medien eingesetzt werden. So möchte ich in diesem Gottesdienst bei der Evangeliumslesung ein Bodenbild entstehen lassen, dass dann während der Predigt weiter gestaltet und bedacht wird.

Bodenbild am Ende des Gottesdienstes

Wir hatten nun schon ein wenig Gelegenheit uns in das Gleichnis des heutigen Tages hinein zu sehen.

Vor uns liegt der so genannte vierfache Acker. Es ist ein Gleichnis, das von Jesus später auch gedeutet wird. Doch ich möchte das noch nicht einbeziehen in meine Gedanken. Sondern ich möchte dieses Gleichnis einmal losgelöst von der Deutung Jesu sehen.

Es ist für unsere modernen Ohren schon merkwürdig, dass ein Sämann so handelt. Er geht über ein Stück Land und sät den Samen aus. Er tut das, ohne Rücksicht zu nehmen auf die verschiedenen Bereiche seines Ackers. Denn mal ehrlich, es wird doch jedes Jahr dasselbe sein, was da passiert. Und doch geht er los und verrichtet in gleicher Weise seine Arbeit. Er verrichtet sie in guter Hoffnung, dass etwas Gutes darauf wird.

Für mich ist das ein Beispiel dafür, dass nicht der Pessimismus das leitende Element des Lebens sein soll, sondern der Optimismus. Die Erfahrung könnte dem Bauern sagen: ach lass es mal bleiben. Da läuft doch so viel schief. Da ist der Weg, auf dem alles zertreten wird, die Vögel, die alles wegpicken, da sind die Felsen, auf denen die Samen keinen rechten Halt finden, da sind die Dornen und Disteln, die ein Wachsen unmöglich machen. Sich auf diesem Acker abzumühen, das ist doch unerquicklich. Ich will es mal lieber lassen. Das bringt sowie nichts.

Seien wir mal ehrlich: kennen wir das nicht aus vielem in unserem Leben. Wir wollen etwas anfangen, haben eine schöne Idee, malen uns was aus, und dann kommen die Bedenken. Und je mehr wir uns da hineindenken, desto größer werden diese Bedenken. Und am Ende hat man gar keine Lust mehr sich damit zu beschäftigen und die Idee verschwindet in der Versenkung der Bedenken. Der Acker bleibt ohne die Samen, auf dem Acker wächst sowieso nichts.

Unser Bauer macht es anders. Er sät seinen Samen in freudiger Erwartung, und das obwohl er weis, was mit vielen Samen geschieht. Dennoch geht er seinen Weg und lässt sich nicht beirren, er tut seine Arbeit und hofft auf Erfolg.

Ich finde, das könnte auch für uns Vorbild sein, sich nicht zu schnell ermutigen zu lassen. Natürlich ist es schwer, wenn sich so manches in den Weg stellt, da braucht man schon Durchhaltevermögen. Da muss man auch Niederlagen einstecken, doch das Ziel, die Ernte sie sollte es uns wert sein, den Weg weiter zu gehen.

Was stellt sich da in den Weg? Das Gleichnis spricht von dem Weg und den Vögeln. Was ist in unserem Leben der Weg und die Vögel? Das kommt natürlich darauf an, was man jetzt konkret vor Augen hat. Gedanken auf denen herum getrampelt wird. Gedanken, die andere nicht hören wollen, die vielleicht nicht angebracht sind. Wie oft geht es uns so, ob als Kinder oder Erwachsene, dass wir Gedanken zurückhalten, weil wir meinen, die will keiner Hören, die passen nicht hierher, vor allem, die werden gleich niedergemacht. Schüler kennen das, aber auch jeder Erwachsene, der sich in Gruppen aufhält, wo über manches gesprochen wird. Je mehr wir innerlich mit bestimmten Gedanken verbunden sind, desto wichtiger sind sie uns auch. Und desto anfälliger werden wir für Kritik oder Gegenstimmen. Nein es gibt auch Dinge, die geben wir nicht preis, die lassen wir uns nicht von anderen kaputtmachen. Da sagen wir lieber gar nichts, ehe die anderen kommen und uns zutiefst treffen.

Schade, denn es waren vielleicht gute Gedanken, es waren Gedanken, die Menschen hilfreich sind, oder Gedanken, die ein ganz neues Licht auf die Sache werfen. Doch sie bleiben ungesagt, bleiben im Korb des Sämannes und können keine Frucht bringen, weil die kritischen Gedanken sagen: lass es mal lieber sein. Und das überträgt sich dann auf die anderen Orte des Lebens, wo diese Erfahrung wieder hochkommt und wir auch an diesem anderen Ort nichts sagen, nichts weitergeben von unseren Gedanken.

Ein anderer Teil des Feldes: der felsige Boden. Die Frucht geht auf, fängt an zu wachsen, doch dann fehlt es an weiterer Nahrung. Ich würde ja gerne, doch die Ausdauer fehlt, es fehlt daran, dass von außen neue Motivation kommt, und das Vorhaben wird immer halbherziger und irgendwann stirbt es ab. Wir denken gewiss an die vielen guten Vorsätze, die wir in unserem Leben schon gefasst haben. Das waren und sind gute und wichtige Gedanken gewesen. Sie hatten viel für sich und wir waren oder sind auch überzeugt, dass es gut für uns ist. Ja, aber dann fehlt es doch an Konsequenz und vielleicht auch an äußerer Hilfe, diesen Weg entsprechend weiter zu verfolgen. Langsam aber sicher stirbt dieser gute Vorsatz in uns ab, verwelkt und verdorrt. Schade, dass es wieder nicht geklappt hat.

Oder, und damit sind wir schon beim dritten Feld: es kommen die anderen, die neben uns, die mit ihren Gedanken und Vorstellungen sich besser durchsetzen können. Sie mögen nicht viel bringen, daraus mag nicht viel entstehen, ja sogar viel Unkraut ist da drunter, aber sie machen sich breit, diese Leute und verhindern, dass ich mich entwickeln kann. In der Schule sind es die Dummschwätzer, die immer was zu sagen haben, auch wenn es sich am Ende nur als heiße Luft herausstellt. An anderer Stelle, diejenigen, die immer ein großes Wort führen, letztlich dann aber doch an dem scheitern, was sie da gesagt haben. Sie nehmen einen großen Platz ein, werden beachtet, finden auch Resonanz, aber sie erdrücken eben auch viele andere, die dann keine Möglichkeit mehr haben, sich zu entwickeln und auch ihre Stimme zu erheben, ihren Platz zu finden an diesem Ort. Mobbing bei der Arbeit, das wäre auch so ein Bereich, der dazu passt. Beiseitegeschoben werden, weil man nicht zu den anderen passt oder weil einer da sein muss, der den Frust der anderen abbekommen muss. Dornen und Diesteln gibt es überall.

So kann man viele Bereiche des Lebens in diesem Gleichnis wiederfinden. Bereiche, die das Leben schwierig gestalten und die unser Leben auch beeinflussen. Aber es gibt auch den vierten Bereich, den, an dem wir zuhause sind, wo unser Leben nach unseren Vorstellungen gelingt, wo wir glücklich sind und uns wohl fühlen. Hier kann es gedeihen, hier wächst Frucht heran.

Und das alles gehört zusammen.

Ich möchte das deutlich machen, indem ich nun einmal diese vier Bereiche noch einmal weiter gestalte.

Es entsteht ein Kreuz. Man könnte nun denken, dass ich diese vier Bereiche abgrenze. Das ist aber nicht gemeint, sondern ganz im Gegenteil, sie gekommen eine gemeinsame Mitte. Das Kreuz verbindet diese verschiedenen Bereiche. Und das finde ich gut und wichtig. Durch unseren Glauben, durch das Vertrauen zu Jesus Christus haben wir in unserem Leben eine unausschöpfliche Mitte, die uns trägt in allem, was uns widerfährt und geschieht. Der Glaube führt uns nicht nur auf grünen Weiden, auf denen sattes Grün wächst und wir mit frischem Wasser getränkt werden. Der Glaube führt uns durchs Leben, wo wir und unsere Gedanken auch mit Füßen getreten werden, wo so manches von außen einfach weggepickt wird. Wir sind auch manchmal allein, wüstengleich, felsengleich und wissen gar nicht mehr, wo wir die Kraft hernehme sollen, um weiter zu machen. Wir werden bedrängt von außen, von den Umständen, von den Widernissen des Leben, von Menschen, die uns nicht wohlgesonnen sind. Und wir haben eben die Bereiche, in denen wir uns wohlfühlen und das Leben sich als wunderbar erweist.

All das gehört zusammen und all das ist begleitet von Gott. Der Weg des Lebens ist der Weg des Bauern, der seinen Lebenssamen ausstreut, ohne zu wissen, was an welcher Stelle damit geschieht. Doch er nimmt es für sich an, er lässt es zu, bezieht es ein in sein Leben und geht getrost voran und geht seinen Weg, ohne sich von den negativen Bereichen beirren zu lassen. Der Glaubende weiß, ich bin in allem bei Gott geborgen. Es mag nicht alles so laufen in meinem Leben, wie ich mir das wünsche, es gibt so manches, was sehr frustrierend ist, doch ich bin bei Gott aufgehoben, er ist Mitte und Ziel meines Lebens. Alles hat bei ihm seinen Sinn – auch wenn ich ihn nicht verstehe. Darum kann ich vertrauensvoll nach vorne schauen, darum muss ich das, was schief geht, nicht bestimmend werden lassen für mein Leben. Das Leben bringt seine Früchte, das ist gewiss. Und sie sind hundertfältig, wie es in dem Gleichnis heißt, wir müssen nur hoffnungsvoll säen.

Musik

Ich hatte gesagt, dass es noch ein Deutung Jesu zu dem Gleichnis gibt. Manch einer kennt sie ja auch.

Jesus sagt: Der Same, das ist Gottes Wort. Dieses Wort wird ausgestreut unter den Menschen. Doch wie ist das so mit dem Wort Gottes: es gibt immer Leute, die was anderes sagen, die scheinbar einleuchtender, oder fürs Leben leichter und einfacher. Das Wort Gottes wird aufgepickt, verschluckt und vernichtet. Der Felsen, dass sind die Menschen, die annehmen, was sie hören. Eine zeit lang finden sie es gut, dann aber wird es zu schwierig, dann fehlt die wirkliche innere Bindung und das Interesse geht verloren. Die unter den Dornen und Disteln, das sind die, die von den äußeren Bedingungen des Lebens erdrückt werden: von den Sorgen, die sie haben, oder auch von dem Reichtum und den Freuden, die das Leben so bringt, aber dann keinen Raum mehr lassen, für diesen Glauben, der seinen Platz braucht im Leben, um sich zu entwickeln. Und so geht der Glaube auch bei ihnen verloren. Aber es gibt auch viele, die sich Gott anvertrauen und bei denen sein Wort bringt.

Das sagt Jesus zu denen, die sich mit ihrem Glauben auf den Weg machen, um ihn anderen weiter zu geben. Jesus ist da realistisch. Er sagt: nicht überall habt ihr Erfolg. Doch vertraut darauf, euer Tun wird seine Frucht bringen. Bleibt vertrauensvoll optimistisch, es gibt viel Land, das dieser Botschaft einen guten Boden abgibt.

Mit dieser Hoffnung das persönliche Leben gestalten, mit dieser Hoffnung dem Wort von Gott vertrauen, dazu ruft uns Jesus auf und macht mit seinem Gleichnis Mut. Er macht Mut zum Leben, Mut, die Enttäuschungen anzunehmen und doch hoffnungsvoll zu bleiben.

Vielleicht vermag dieser Gottesdienst solche Hoffnung in uns lebendig zu halten. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 454, 1-6

Psalm

Eingangsliturgie

Gebet

Wir sind zu dir gekommen, Gott, mit dem, was uns freut, und mit dem, was uns Angst macht. Wir sind gekommen mit unserem Dank, mit unseren Sorgen und auch mit dem Dunkel, das in uns ist. Wir bitten dich: Sprich zu uns in deinem helfenden Wort, erleuchte unsere Herzen, damit dieser Gottesdienst hineinwirkt in unser Leben, in unseren Alltag, in unsere Familien, in unsere ganze Gemeinde. Das bitten wir …

Lesung Hebr 04, 12-13  

Lied 198,1-2

Lesung: Legen eines Bodenbildes nach Lk 08, 4-8

Lied: 408,1-6

Predigt

Glaubensbekenntnis

Lied: 196,1-4

Abkündigungen

Fürbittengebet

Vaterunser

Segen

163

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

15. 2. 2009

Liturgischer
Ablauf
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