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Adventszeit ist Vorbereitungszeit auf Weihnach- ten, das
hören wir jedes Jahr wieder. Aber ich glaube, es muss auch jedes Jahr
wieder gesagt /erden, weil wir es im Organisationstrubel vor Weihnachten
immer wieder vergessen. Noch ist nicht Weihnachten, auch wenn wir von
Stille Nacht bis 0 du fröhliche schon alle Lieder miteinander gesungen
haben. Aber so weit ist es noch nicht. Das 24. Türchen der Adventskalender
ist noch nicht offen, wir müssen noch warten, es "ist noch Zeit bis dahin.
Und ich muss sagen, ich finde das gut. Nicht nur weil für viele
adventliche Gedanken und Gefühle länger brauchen, um bei uns einzukehren.
Oder weil wir doch jedes Jahr immer wieder zu spät mit den Vorbereitungen
anfangen. Ich finde es gut, dass es vor Weihnachten eine wirkliche
Vorbereitungszeit gibt, damit wir die Bedeutung dieses Festes in seinen
vielen Facetten wirklich wahrnehmen können und nicht nur an einem Tag
plötzlich dieses Geschehen feiern und genauso schnell wie es kam, geht es
dann auch wieder. Bei manchen Menschen bleibt ja der Weihnachtsbaum kaum 6
Tage in der Wohnung stehen, dann ist ,er auch schon wieder verschwunden.
Adventszeit, das ist für mich die Vorbereitungszeit auf die vielfältigen
Seiten von Weihnachten. Am l. Advent bedenken wir das 1. Kommen Jesu in
unsere Welt. Der 1. Advent ist Erinnerung an den armen König, der nach
Jerusalem einzieht, um dort am Kreuz zu sterben. Der 2. Advent, stand
unter dem Leitmotiv des 2. Kommens Jesu am Ende der Tage. Auch das hat mit
Weihnachten zu tun, auch wenn für uns das Kind in der Krippe an diesem Tag
im Vordergrund steht und doch hat Weihnachten auch mit der Wiederkunft
Christi zu tun. Heute am 3. Advent kommt ein ganz neuer und wieder anderer
Aspekt in den Blick: ein Mann, der auf das Kommen Jesu hingewiesen hat:
Johannes der Täufer. Der kommende Sonntag steht dann unter der
Überschrift: Freut euch, denn der Herr kommt zu euch. Vorfreude auf den
ankommenden Christus ist angesagt.
Wir wollen uns heute mit Johannes dem Täufer beschäftigen. Er gehört
hinein in die Adventszeit, weil er das Kommen Jesu vorbereitet hat. Die
christlichen Schriftsteller haben diesen Menschen für so wichtig
angesehen, dass sie einen Teil seiner Botschaft mit in ihre Evangelien
hineingeschrieben haben. Was er gesagt hat, so hat z.B. Lukas gemeint, das
hat auch für uns Christen Bedeutung. Seine Worte bereiten vor, was Gott
durch Christus weiter trägt und gleichsam zur Vollendung bringt. Und so
haben die ersten Christen Johannes eingeordnet 1n die Reihe der Propheten,
-in der Reihe der Menschen also, die getragen von Gott Vorherseh- bares
ankündigen.
Diese Aufgabe Johannes des Täufers wird von Lukas schon in seiner
Geburtsgeschichte deutlich gemacht: Er wird vom Volk Israel viele zum
Herrn, ihrem Gott führen. Er wird dem Herrn ein Volk zurichten, das wohl
vorbereitet ist. Diese Aufgabe erfüllte Johannes auf eine ungewöhnliche
Weise: er geht in die Wüste, lebt dort nur von dem, was die Wüste bietet,
und er predigt in der Wüste den Menschen, die zu ihm kommen. Und es kommen
nicht wenige, denn es spricht sich herum, dass dieser Mann etwas zu sagen
hat, dass er auch nicht nur menschlich drohende Worte von sich gibt,
sondern dass er tiefer in die Seele der Menschen dringt, als viele andere
Menschen. Und dieser Johannes ruft Menschen zur Bußtaufe auf, zu einem
Neuan- fang ihres Lebens.
Lukas verbindet diesen Aufruf mit einem Zitat aus dem Alten Testament aus
dem Propheten Jesaja und bietet damit sozusagen den Hintergrund für das,
was der göttliche Auftrag des Johannes ist. Es ist eine Stimme eines
Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige
eben. Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen
erniedrigt werden, und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben
ist, soll ebener Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil Gottes
sehen.
Diese Worte sind nun mehr als nur eine Beschreibung der Person Johannes
des Täufers. Natürlich ist er der Rufer in der Wüste. Mit seinem Wort aber
bereitet er einen Neuanfang vor, auf den sich die Menschen einstellen
sollen. Und es ist eine sehr bildhafte Beschreibung des Neuanfanges, den
Johannes den Menschen ankündigt. Dabei stellt sich für uns die Frage, was
soll das eigentlich diese Rede vom Neuanfang. Die meisten von uns sind
doch schon recht alt, den größten Teil des Lebens haben wir schon hinter
uns, was soll das heißen, dass wir Menschen einen neuen Anfang wagen
dürfen? Natürlich ist das schwer zu verstehen für die Älteren unter uns,
was hier mit Neuanfang gemeint ist. Aber ich möchte doch sagen, dass
gerade in dieser Vorbereitungszeit vor Weihnachten für uns alle so etwas
wie ein Neuanfang möglich ist. Lukas spricht davon, dass Täler erhöht
werden sollen, dass Hügel und Berge erniedrigt werden sollen, dass gerade
wird, was krumm war, dass eben wird, was uneben war.
Blicken Sie doch einmal auf ihr Leben zurück: ich kann mir vorstellen,
dass diese alten Bilder des Propheten Jesaja ganz konkrete
Lebenssituationen und Lebensgefühle in uns anspricht; da gab es viele
Stationen an denen Sie in tiefen Tälern steckten, links und rechts kein
Ausweg, kein Licht, keine Hoffnung, ein bestimmter Weg musste gegangen
werden, ob man wollte oder nicht. Da gab es Hügel und Berge, die man
überwinden musste, schwere Tage, schwere Zeiten, Mühe, Arbeit, ankämpfen
gegen die Beschwernisse der Zeit, gegen Menschen, die einem nichts Gutes
gönnten, Zeiten vielleicht aber auch, an denen man an oberster Stelle
stand, alles überblicken konnte, man sehr weitsichtig war, oder vielleicht
auf andere herabschaute, die mühevoll unterwegs nach oben waren. Und dann
das Bild vom krummen Weg. Wie war eigentlich mein Lebensweg: klar und
gerade, zielstrebig nach vorne, meine Wünschen, Vorstellungen und
Lebensidealen folgend, oder war er krumm und schief: geprägt von vielen
Umwegen und Schlankem. Ich wollte nicht, aber ich musste in eine Richtung
gehen, die eigentlich nicht richtig war, es blieb mir gar nichts anderes
übrig. Ich bin Wege gegangen, die mir nicht recht waren, ich habe Dinge
tun müssen, die ich heute bereue, ich
habe Dinge gedacht und getan, die mir heute leid tun. Krumme Wege, ein
ewiges auf und ab auf den vielen kürzeren und längeren Strecken meines
Lebensweges. Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen vieles einfällt, mit dem
sie diese Worte verbinden können, wo sie selber ihren Platz finden -in den
Worten der Bibel.
Nun sagen uns diese Worte: die Täler sollen erhöht werden, die Berge und
Hügel erniedrigt, was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll
eben werden. Können wir unser Leben rückgängig machen, können wir auch nur
eine Sekunde unseres vergangenen Lebens neu und anders gestalten? Nein,
was gewesen ist, das ist vorbei, daran können wir nichts ändern. Es ist
geschehen, unabänderlich geschehen. Und doch wird Weihnachten zur
Erfüllung dieser alten Verheißung werden. Das Heil Gottes bricht sich zu
Weihnachten Bahn. Der Neuanfang, die Veränderung kommt auf uns zu und
damit kann es auch -in unserem Leben einen Neuanfang geben. Jesus Christus
zeigt uns, dass die Täler nicht Täler bleiben müssen, dass wir die Berge
hinter uns lassen können, dass die krummen Wege uns dennoch zu Gott führen
können, dass die unebenen Wege unseres Lebens nicht ohne unseren Gott
gegangen werden. Wir können das Gewesene gewesen sein lassen, wir dürfen
die Schuld vergangener Tage hinter uns lassen, wir brauchen nicht immer
auf die traurigen Tage früherer Zeiten zu blicken und dem verlorenen
Gestern nachzulaufen. Wir dürfen das Gewesene wirklich gewesen sein
lassen. Es gibt einen Neuanfang, der unbelastet bleiben darf vom Gestern.
Dies hat Johannes damals den Menschen angekündigt, und viele Menschen sind
zu ihm gekommen, um seinen Worten zu lauschen. Als die Menschen nun als
Zeichen der Umkehr die Taufe empfangen haben, blieb allerdings eine
wichtige Frage im Raum stehen. Was sollen wir denn tun? Sie haben gemerkt,
dass Umkehr auf der einen Seite ein geistlicher Akt ist, dass man das Alte
hinter sich lässt, um sich neu an Gott zu orientieren. Aber diese Umkehr,
so spüren sie, hat auch Konsequenzen. Und das gilt in gleicher Weise auch
für den Glauben an Jesus Christus. Dieser Christus bringt uns durch sein
Kommen das Heil Gottes, er nimmt die Schuld unseres Lebens auf sich, er
trägt die Lasten, die wir im Leben auf uns geladen haben. Dessen dürfen
wir gewiss sein, dafür ist er in die Welt gekommen.
Aber diese Gewissheit ist ebenfalls nicht nur ein geistlicher Geschehen,
sondern es hat auch etwas mit unserem Leben zu tun. Sich von Christus
getragen zu wissen, darauf zu vertrauen, dass mein ganzen Leben von ihm
angenommen ist, dass heißt auch zu fragen, wie kann ich nun dieser Güte
Gottes gerecht werden. Was kann ich tun, um es nicht bei schönen frommen
Worten zu belassen, sondern um die Güte Gottes auch anderen weiterzugeben.
Johannes antwortet mit ganz einfachen Bei- spielen: Wer zuviel hat, der
gebe dem ab, der nichts hat: sei es Kleidung, sei es Essen. Notversorgung
für die Menschen, die dringend etwas brauchen, das ist ein Zeichen des
Neuanfanges des Lebens, denn es ist ein Zeichen, dass ich selber mich
nicht mehr so in den Mittelpunkt stelle, sondern weil ich mich von Gott
getragen weiß, kann ich offen sein für andere. Den Zöllnern, die die
Menschen über die Maßen ausgenommen haben, sagt Johannes: Fordert nicht
mehr, als euch vorgeschrieben ist. Jeder soll leben, aber niemand soll
andere ausbeuten und ihnen über Gebühr etwas abverlangen. Die Soldaten
fragen auch nach ihrem neuen Tun: Tut niemandem Ge- walt oder Unrecht und
lasst euch genügen an eurem Sold. Es besteht sicher die Notwendigkeit
eines Schutzes, aber kriegerische Gewalt, die sehr schnell zu Unrecht
wird, da liegen die Grenzen für das neue Leben, das die Schuld von Gestern
nicht in die neue Zeit hinein nehmen soll.
Und genau darum geht es Johannes, darum geht es auch den Christen, wenn
sie seine Botschaft in der Adventszeit laut werden lassen. Unser Leben
soll sich ausrichten an der Umkehr zu Gott, an der Umkehr zu Christus, der
dem neuen Leben Gestalt gegeben hat, der dieses neue Leben hat lebendig
werden lassen. Früchte dieses neuen Lebens sollen sichtbar werden, nicht
um es zu verdienen, sondern um es deutlich zu machen. Dazu sind wir in
dieser Vorbereitungszeit auf Weihnachten aufgerufen, dem Kommenden schon
jetzt in uns Raum zu geben, das Gestern wirklich hinter uns zu lassen, und
das Neue, das Christus bringt, weiter zu tragen. Das können wir gleich wie
alt wir sind, gleich was wir erlebt haben, gleich wo und wie wir leben.
Das Heil ist etwas Kommendes , aber es lebt schon mitten unter uns, durch
unseren Glauben. Machen wir es lebendig, um Christus unter uns lebendig zu
machen. Lassen wir uns durch Johannes zur Umkehr ermutigen, zur Hinkehr zu
Gott. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied 13, 1-3
Psalm 85, 2-8
Eingangsliturgie
Gebet: Allmächtiger Gott, barmherziger Vater!
Auf dem Weg zum Weihnachtsfest willst du uns auf den Weg zu dir führen. So
wie du Johannes den Täufer losgeschickt hast, dein Kommen anzukündigen,
die Menschen auf dein Kommen vorzubereiten, so bist du auch heute unter
uns, unsere Gedanken zum kommenden Christus zu lenken. So bitten wir dich,
öffne uns für die frohe Botschaft deines Kommens, lass uns nicht
unverändert bleiben, sondern führe du uns zu dir. Das bitten wir dich,
durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, der ...
Lesung: Jes 40, 1-11
Lied: 8, 1-6
Lesung: Lk 3, 1-14
Glaubensbekenntnis
Lied: 4,1-4
Predigt
Lied 10,1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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