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 Lk 18, 31-43

Es sind zwei Texte, die uns heute morgen aufgegeben sind. Zumindest die anderen Evangelisten trennen diese beiden Geschichten voneinander.

Warum hat wohl Lukas das nicht getan? Das muss man sich ja fragen, wenn man das so liest. Vielleicht steckt ja viel mehr dahinter, als auf den ersten Blick zu sehen ist.

Schauen wir uns die beiden Teile einmal an.

Es beginnt damit, dass Jesus seine zwölf Jünger zu sich nahm. Die zwölf ist gewiss nicht wörtlich zu nehmen, Ich vermute einmal, dass alle Freunde Jesu damit gemeint waren, die benannten 12 Jünger genauso wie die anderen Männer und Frauen, die mit ihm gezogen sind. Wichtig aber ist, dass es diejenigen sind, die eng mit ihm verbunden waren. Menschen also, die in direkter Nähe Jesu waren, ihm vertrauten, ihm etwas zutrauten und die viel von ihm erwarteten. Sie stehen hier stellvertretend für die Menschen, die an Jesus glauben.

Den engsten Vertrauten Jesu wird nun gesagt, dass er nach Jerusalem gehen werde zusammen mit ihnen. Und dort soll vollendet werden, was die Propheten vom Menschensohn vorhergesagt haben. Und was haben die sagt? Zum Beispiel:

Sach. 13, 7; Schwert, mach dich auf über meinen Hirten, über den Mann, der mir der nächste ist!, spricht der HERR Zebaoth. Schlage den Hirten, dass sich die Herde zerstreue;

Jes 53: Der leidende Gottesknecht Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

Ps 118, 22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

Es wurde angedeutet, dass auch der mit Gott am engsten Verbundene, leidend und vermeintlich gottverlassen enden würde.

Den Römern überantwortet, verspottet, misshandelt, angespuckt, gegeißelt und am Ende getötet. Das wird das Schicksal sein. Doch nach drei Tagen wird alles anders sein, er wird auferstehen.

So die Worte Jesu, wie Lukas sie aufgeschrieben hat. Wir werden davon ausgehen dürfen, dass diese Vorhersage eine ist, die erst nach dem Tod Jesus so verfasst wurde. Aber das macht diesen biblischen Text nicht falsch, sondern dadurch erst wird er besonders. Denn wenn nun gesagt wird, dass die Jünger Jesu nicht begriffen, dass sie sozusagen nur „Bahnhof“ verstanden, das ist etwas, was auch die Menschen nach dem Tod Jesu auch so sahen. Denn hier ist ja etwas Ungeheuerliches geschehen. Nach dem Ereignis von Tod und Auferstehung gehen die Christen durch die Lande und machen genau dieses Ereignis zum wichtigsten Inhalt ihres neuen Glaubens. In der letzten Zeit wurde dies auch noch einmal ganz deutlich gesagt: seit zweitausend Jahren ist es die Botschaft vom Leiden, Sterben und Auferstehen des Gottessohnes, die sich durchhält und die die tragende Grundlage des Glaubens ist. Immer wieder mögen Punkte des Glaubens strittig gewesen sein, mag mal das eine, mal das andere im Vordergrund gestanden haben, aber diese Kernaussage, dass der leidende Christus auferstanden ist und dadurch als Sohn Gottes geglaubt wird, das ist etwas, was sich durchgehalten hat.

Aber genau diese Botschaft ist eine, die so ungeheuer unverständlich ist. Der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war. Und seien wir ehrlich, uns geht es doch nicht viel anders. Oder könnten wir auf Anhieb erläutern, was es mit dieser christlichen Aussage auf sich hat? Ich denke, das würde uns sehr schwer fallen. Und die Geschichte des Glaubens zeigt, dass es vielerlei Antworten gibt, die versuchen, dieses Geheimnis zu deuten.

Lukas hat seine Antwort darauf auch gegeben. In der Geschichte von der Heilung des Blinden, hat er auf seine Weise deutlich gemacht, was für ihn der Glaube an diesen Gott bedeutet.

Schauen wir uns also diese Geschichte etwas genauer an. Kurz vor Jerusalem kommt die Gruppe um Jesus nach Jericho. Es wird sich herumgesprochen haben. Die Menschen werden es wie ein Lauffeuer verbreitet haben: der Jesus von Nazareth kommt, der von dem so viel gutes erzählt wird. Die besonderen Ereignisse werden in damaliger Zeit nicht reich gesät gewesen sein. Also: nichts wie hin, den müssen wir sehen, das müssen wir gehört haben. Gleich wie man vorher oder hinterher zu ihm stehen mag.

Es war hektisches Treiben, anders als sonst in der Stadt. Am dem Weg, der hinter dem Stadttor liegt, war also große Unruhe. An diesem Weg saß auch ein Blinder. Es ist einer, dessen Leben dunkel ist, ihm sind die Augen verschlossen. Er sieht nicht, was vor Augen liegt. Er versteht nicht, weil er verschlossene Augen hat. Nur Ohren, die hören, die wahrnehmen, was um sie herum geschieht. Er will wissen, was da geschieht. Und man wird es ihm wohl auch gesagt haben. Jesus kommt. – Jesus, das ist doch der, der Menschen helfen kann. Es ist der, der Menschen eine neue Orientierung geben kann, der gleichsam hilft, neu zu sehen. Oder – und jetzt springe ich etwas aus der Geschichte – Jesus, das ist doch der, der selber die Nacht des Lebens durchlitten hat, der tief ins Dunkle des Lebens hinab gestiegen ist, um dort neues Licht aufleuchten zu lassen.

Der das Dunkle des Lebens durchschritten hat, der wird auch mein Dunkel verändern können. Das war die Hoffnung des Blinden. Er wird genau gehört haben, wann der so sehnlich erwartete an ihm vorüber kam. Er richtet sich auf, nimmt all seinen Mut zusammen und erhebt seine Stimme: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner.

Das Erste, was Lukas berichtet ist, dass der Blinde an die Seite gedrängt wird. Er solle schweigen, den Mund halten. Was will denn so einer von Jesus? Blind, wahrscheinlich sogar blind geboren. Also schon von Geburt an mit Makel behaftet und darum von Gott verstoßen. Mit so einem will dieser Jesus nichts zu haben. Gott und Leiden, das gehört nicht zusammen. Also Ruhe hier.

Das kann doch wohl nicht sein. Das kann doch nicht das letzte Wort über mich sein. So kann man doch nicht denken. Seht und hört ihr denn nicht, was Jesus alles getan hat? Gefangen in ihren Gedanken sind sie, festgenagelt auf das, was schon immer so war. Ein Blinder, der gehört nicht dazu, der mag wohl Almosen bekommen, aber mehr auch nicht. Und wir kennen diesen Blinden nur an dieser Straße, ruhig und unauffällig und so soll es auch bleiben, so denken die, aber das kann und das darf es doch nicht sein!

Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! so hören sie ihn wieder rufen. Und Jesus bleibt stehen, lässt sich zu ihm bringen. Vermittelt durch Menschen kommt Jesus bei dem Blinden an.

Und dann hört der Blinde die Frage Jesu: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Eine merkwürdige Frage. Liegt das nicht auf der Hand? Der Blinde will sehen. - Oder etwa nicht?

Ja, er will sehen. Auch wenn dieses neue Leben für ihn völlig unbekannt ist und er gewiss nicht weiß, wie das weiter geht und ob er damit überhaupt klar kommt. Alles wird noch einmal ganz neu für ihn. Das alte Leben ist er gewohnt, das neue bringt viel Probleme mit sich. Was wird er nun tun, wenn er nicht mehr von Almosen leben kann, wenn er sich selber um sein Leben kümmern muss? Das steht im Raum und das bringt so manchen dazu, die Augen lieber verschlossen zu halten.

Unser Blinder wird gefragt, er kann wählen und seinen Weg selbst bestimmen. Und er will diesen Weg ins Unbekannte gehen. Er will das neue Leben annehmen, wenn es ihm geschenkt wird. Herr, ich will sehen können.

Sei sehend. Dein Glaube hat dir geholfen.

Und er wurde sehend, folgte Jesus nach und pries Gott. Und mit ihm lobte das Volk Gott.

Der gekreuzigte Christus – er ist das Heil der Menschen.

Sie begriffen nichts davon, der Sinn der Rede war ihnen verborgen und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.

Was war damit gesagt, dass Jesus leiden musste? Die Antwort des Lukas ist: damit deutlich wird, dass Gottes Gegenwart, dass Gottes Güte und Barmherzigkeit, dass Gottes Liebe und Zuwendung wirklich an allen Orten und Lebenswirklichkeiten zugegen ist. Es ist doch gerade so, dass das Leiden uns blind macht für Gott. Wir sind gehalten und gefangen in den Gedanken, die uns nur die tragische Seite des Lebens zeigen. Doch nun geht Gott einen Weg mit Jesus, der genau in diese tragische Seite des Lebens hineinführt. Wir sind blind für das Handeln Gottes in den negativen Seiten des Lebens. Unsere Ordnung sieht anders aus. Doch Jesus geht genau in diese andere Seite des Lebens hinein, um in dieses Dunkel Licht zu bringen, genauer gesagt um dorthin das Licht Gottes zu bringen. Der Blinde ist ein Beispiel dafür, dass wir gerade dort Gott am Werke sehen dürfen, wo wir ihn am wenigsten vermuten. Wir dürfen Gott gerade dort erhoffen, wo er weitesten Weg erscheint: im Leiden und Sterben. Jesus ist diesen Weg gegangen, um uns die Augen dafür zu öffnen. Und das ist auch der Grund, warum das Kreuz über Jahrtausende schon das Hoffnungszeichen der Christen ist. Hier wird nicht der Tod eines Menschen verherrlicht, hier wird nicht das Leiden überhöht, sondern hier wird ein klares Zeichen gesetzt, dass mitten in diesem Leiden, mitten im Dunkel des Lebens unser Gott genauso wirksam ist, wie in den hellen und lichtvollen Zeiten des Lebens.

Du Sohn Davids, Herr, das sind Aussagen, die der Blinde da macht, wo all dieser Glaube drin liegt. Dieser Mensch kommt von Gott, es ist der Christus, es ist der wahre Kyrios, der wahre Herr, über mein Leben. Und gleich, was auch kommen mag, gleich wie mein Leben in der Zukunft aussehen mag, dieser Herr, soll mein Leben bestimmen. Ich will sehen, ich will es erkenne und begreifen, Jesus, dass Gott gegenwärtig ist. Auch dort, wo ich ihn nicht sehen kann.

Und Lukas erzählt, dass dort, wo der Glaube da ist, wo Vertrauen lebendig ist, die Augen geöffnet werden, um diese Güte Gottes auch zu erkennen. Und das Volk, das das sah, lobte Gott. Mit dem Blinden wurden auch Augen des Volkes geöffnet. Sie erkannten, hier wirkt Gottes Kraft. Hier ist die Mitte des Lebens. Und die macht sich nicht fest im Strahlen des Superstars, sondern in dem leidenden am Kreuz.

Diese Botschaft ist und bleibt eine, die immer wieder Unverständnis hervorruft – den einen eine Torheit, den anderen ein Ärgernis – aber denen, die glauben, ist es eine Kraft Gottes. Es ist eine Botschaft, die uns die Augen öffnet für Gottes Sein und Wirken in der Welt und für die Menschen, die auf so unterschiedliche Weise in ihr leben. Gelobt sei Gott, der auf diese Weise uns Menschen das Heil gebracht hat. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 619,1-6

Psalm 31 EG NsB 716 mit Leitvers

Eingangsliturgie

Gebet EGb 291 – Gebet 2

Lesung 1. Kor 13

Lied 91, 1-3+5+6

Lesung Lk 18, 31-43

Glaubensbekenntnis

Lied 441,1-5

Predigt

Lied 585, 1-3

Abkündigungen

Fürbittengebet

Gütiger Gott und Vater!

Dich rufen wir an, weil wir durch Dich Hilfe und Erleuchtung erhalten, wenn unsere Augen gehalten sind.

Wir bitten dich, öffne unser Augen und Herzen für die gute Botschaft von deinem Sohn Jesus Christus. Hilf uns in seinem Weg Dein Wirken unter uns Menschen zu erkennen. Stärke so unser Vertrauen zu dir. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Barmherziger Gott und Mutter!

Unser Lebensweg sind nicht immer nur gerade und schön, sie sind krumm und vielfach mit Last verbunden. Hilf uns, unser Kreuz zu tragen, hilf uns anderen Lasten abzunehmen, statt sie zu belasten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Gütige Gott und Geist der Hoffnung, des Glaubens und der Liebe.

Wir leben durch dich und empfangen durch dich die Kraft des Lebens. So stärke all, die von Krankheit, Leiden und Tod belastet sind. Gib Hoffnung nach vorne zu schauen, gib Kraft etwas hinter sich zu lassen, gib Vertrauen in die Zukunft, die du uns schenkst. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Vaterunser

Segen

163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt

18. 2. 2007

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Ablauf
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