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Lk 17, 7-10

Wie gut ist es, wenn man gleich nach der Lesung das Glaubensbekenntnis sprechen muss. Die Gedanken schweifen ab, der Bibeltext, der eben gelesen wurde ist schnell vergessen. Er hat, so vermute ich einmal, gar keine Zeit gehabt wirklich tief in uns einzudringen und Gefühle in uns wachzurufen. Aber die Tatsache, dass dieser Text uns heute vorgegeben ist, lässt uns nicht so schnell davonkommen. Er soll weiter wirken bei uns, auch wenn dann viele Gedanken zur Sprache kommen, die wir aus Bibel nur ungern hören. Ich lese den Text noch einmal:
Wer unter euch hat einen Knecht, so fragt Jesus seine Zuhörer, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen; Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? So auch Ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist-, so sprecht; wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.
Ich sprach zu Beginn von Gefühlen, die aufkommen, wenn wir einen solchen Text hören. Drei könnten wir mindestens für uns benennen: als erstes Gleichgültigkeit: Wer unter euch hat einen Knecht? Niemand, so weit ich das sehen kann. Was geht uns also dieser Text an? Wir beschäftigen weder Knecht noch Sklaven. Wir kennen tariflichen Dankeslohn, wir kennen geregelte Arbeitszeit, Arbeitsplatzbeschreibungen, Tarif- und Arbeitsrecht, Weihnachtsgeld und Urlaubsverordnungen. Das Gleichnis galt einmal vor langer, langer Zeit. Und selbst diejenigen von uns, die noch die Zeit der Knechte auf dem Dorf kennen, so schlimm, wie in unserem Text beschrieben, war es auch damals schon lange nicht mehr, auch wenn die Arbeit hart war.
Da wir die Geschichte nicht beiseite schieben wollen, sondern uns weiter mit ihr beschäftigen wollen, da merken wir vielleicht langsam das zweite Gefühl in uns hochsteigen: den Ärger. Was ist das für ein Herr, der seinem Knecht nach dem harten Tagewerk nicht einmal die wohlverdiente Ruhe gönnt. Da hat er hart gearbeitet, und in Palästina war Landwirtschaft eine der härtesten Arbeiten, und nun muss er auch erst noch einmal im Hause dienen. Der Herr darf sich satt essen, und wenn der sich dann zurückzieht, darf auch der Knecht endlich seine Ruhe bekommen.
Angesichts der Errungenschaften heutiger Arbeitsorganisation müsste man dies nicht nur als Ausbeutung, sondern ein Stück weit auch als verachtend beschreiben. Und ich vermute mal, dass so nicht einmal die Knechte des letzten Jahrhunderts behandelt wurden. Selbst zu Zeiten Martin Luthers hieß es, dass die ganze Familie mit den Knechten und Mägden zusammen am Tisch gesessen haben. Erst ich, und wenn du deine Schuldigkeit getan hast, dann du, dieses Denken ist unmenschlich und kann nur unseren Widerspruch hervorrufen.
Als letztes Gefühl möchte ich die Traurigkeit nennen, die mich ergreift. Denn Jesus geht am Ende ja aus der Geschichte heraus. So auch ihr! Und dann beschreibt er unser Leben als ein Leben von Knechten und Sklaven, die sich selber nur als unnütze Knecht zu verstehen haben. Ich bin nur ein unnützer Knecht, so werde ich aufgefordert zu sagen, zu denken und zu fühlen.
Niederschmetternd diese Worte Jesu, der doch sonst so menschlich aufbauend zu reden und handeln versteht. Und ich weiß nicht ob mancher von ihnen sich hier getroffen weiß, in seinem eigenen Denken über sich selber. Es ist doch alles unnütz, was ich tue. Was habe ich denn schon getan, was kann ich noch tun, was überhaupt kann man in dieser Welt schon großes leisten, wo doch in der Reget andere über uns bestimmen. Mögen wir auch keine Knechte oder Sklaven sein, die Herren sind wir auf keinen Fall. Und Jesus scheint mit diesen Worten die Traurigkeit über die menschliche Nutzlosigkeit, die menschliche Armseligkeit, die manch einer empfindet, auch noch zu bestätigen. Und noch mehr. Durch seine Schlussworte stellt er uns einen Gott vor Augen, der als selbstherrlicher Herrscher die Menschen zu armseligen Knechten degradiert, die zu spuren, aber von Gott nichts zu erwarten haben. Wir sind armselige Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. So sollen wir sprechen.
Undank ist der Welten Lohn, ' so sagt der Volksmund, und nun scheint es so zu sein, dass selbst bei Gott der Dank ausbleibt. Müssen wir uns damit abfinden? Schreibt Jesus damit ein niederdrückendes Denken über den Menschen fest, schreibt er damit ein herrschaftliches Verhältnis von Herren und Knechten fest, das so in der Welt bleiben soll?
Es scheint so, denn Jesus widerspricht in dieser Geschichte ja an keiner Stelle dem Handeln des Herrn, sondern er nimmt es gar als Beispiel für Gott selber, der wohl auch so handelt.
Aber schauen wir noch einmal an den Anfang. Wen redet Jesus da an? Wer unter euch hat einen Knecht? so fragt er. Ein Sklave hat keinen Knecht, die Herren haben einen Knecht. Die Herren sind die Angeredeten. Diejenigen, die das Sagen haben, sind angesprochen. Und zwar so, dass sie nicht gescholten werden für ein in damaliger Zeit scheinbar ganz normales Verhalten. Sondern sie sollen sich in die Lage der anderen versetzen. Ihr Herren der Welt schaut einmal auf die andere Seite der Welt. Ihr Reichen versetzt euch einmal in die Lage der Armen, ihr Arbeitenden, versetzt euch einmal in die Lage der Arbeitslosen, ihr Wohlhabenden versetzt euch einmal in die Lage der Harz IV-Empfänger, ihr Einheimischen versetzt euch einmal in die Lage der Fremden. Schaut einmal auf die andere Seite des Gartenzaunes und ihr werdet dabei wichtige Erfahrungen machen.
Wem verdankt ihr euren Reichtum? Wirklich nur euch selber und eigener Arbeit? Oder ist er euch zugefallen, ist er vielleicht gar nur auf Kosten anderer zustande gekommen?
Ich habe Arbeit, ich werde sie auch nicht verlieren, als Beamter. Habe ich das verdient, ist das meine besondere Leistung, dass ich diese Arbeit habe. Wie viele suchen verzweifelt danach, selber die Möglichkeiten und Fähigkeiten in der Arbeit einzusetzen und können es nicht, weil die Arbeitsplätze fehlen.
Dass es uns so gut geht und wir eigenen Möglichkeiten haben, ist das ein Grund, andere schlecht zu machen, und jeden Sozialhilfeempfänger als Schmarotzer zu bezeichnen, dem man die Sozialhilfe ruhig kürzen kann, nur weil einige diesen Anspruch ausnutzen?
Dass ich in diesem Land geboren bin, ist das mein Verdienst, ist das ein Grund einen Stolz weiter zu tragen, der Fremden als Hass entgegenschlägt? Es gibt über 5 Milliarden Menschen auf der Erde, ganze 75 Millionen davon sind deutscher Herkunft. Die Bundesrepublik ist nicht viel größer als ein Fleck auf der Weltkarte, und wir nehmen uns so furchtbar wichtig.
Schau über den Zaun, lerne dich selber richtig wahrnehmen und einschätzen. Das höre ich heraus aus dieser Geschichte, wo Menschen aufgefordert werden: schau mal auf die andere Seite, versetz dich doch einmal in die Lage des anderen und du wirst deine Situation und Position ganz anders einschätzen lernen. Und genau dieses neu einschätzen lernen geschieht auch am Ende der Geschichte. Wir lernen unsere Lebensposition ganz anders einzuschätzen, wenn wir uns von Gott her einmal sagen lassen: Ihr seid nicht die Herren der Welt, ihr seid die armseligen Knechte, die nur tun, was sie schuldig sind zu tun. Vor Gott seid ihr alle Knechte und nicht Herren.
Mit diesen Worten wird jeder Stolz auf Leistung, jedes Vorzeigen von scheinbaren Qualitäten beiseite geschoben. Nicht Geld, nicht Spenden, nicht Arbeitsleistung, nicht Frömmigkeit, nicht Kirchenengagement, nicht soziale Hilfeleistung werden hier aufgerechnet als Posten einer Summe, die am Ende so etwas wie Heil und Seligkeit versprechen. Was ihr da tut, an vielem Gutem, ist das nicht alles auch selbstverständlich? Versteht sich solches Tun nicht von selbst? Wie sehr haben wir uns schon daran gewöhnt, dass Tätigkeit, auch soziale Tätigkeit belohnt werden muss. Selbst das Eimer raus Bringen, das Briefe weg Bringen für die Oma, wird für den Enkel belohnt. Sicher aus liebevoller Zuneigung der Oma zum Enkel, der die Schokolade oder das 2 Eurostück auch so bekommen hätte. Aber prägen wir nicht schon durch solche Kleinigkeiten und durch vieles andere mehr das Denken, das es im Leben nur nach Leistung und Lohn geht. Was kriege ich dafür, lohnt sich das für mich? Das wird gefragt. So etwas wie Selbstverständlichkeit, Tun ohne Lohngedanken erleben wir zunehmend weniger.
Und genau darum wird ja der Wert eines Menschen bei uns auch so häufig daran orientiert, was er bringt und leistet. Und wo jemand nur empfängt ohne zu leisten, da muss dieser Mensch entweder beseitigt werden, dh. aus dem Land gebracht werden, oder diese Menschen werden so an den Rand gedrängt, dass sie sich völlig zurückziehen müssen und damit geraten sie aus dem Blickfeld. Ich will mit diesen Gedanken nicht sagen, dass gute Arbeit nicht auch entlohnt werden soll. Dem Ochsen, der drischt, soll das Maul nicht verbunden werden, sagt Paulus und beschreibt damit ja auch, dass Lohn seine Bedeutung hat.
Aber im Verhältnis zu Gott und in der Sicht des Umganges mit Menschen ist die Kategorie Lohn für Leistung völlig fehl am Platze. Nicht weil Gott nicht auch lohnt, aber eben völlig anders, als wir es bei uns gewohnt sind. Wir Menschen empfangen nicht etwas für unser Tun, sondern vor allem Tun steht längst die Liebe Gottes zum Menschen. Wir empfangen die Geschenke des Lebens, nicht weit wir sie verdient hätten. Weder die guten Dingen, noch die schweren Lasten des Lebens sind der Lohn für unser Tun. Mir geht es nicht gut, weil ich ein guter Menschen bin, mir geht es nicht schlecht, weil ich ein schlechter Mensch bin. Diese Rechnung bricht Jesus auf mit seiner Geschichte. Gott begegnet uns ohne unser Tun mit dem Geschenk seiner Güte.
Unser Tun im Horizont Gottes ist die schlichte Pflicht und Schuldigkeit, die wir Gott aus Dankbarkeit entgegenbringen. Und vieles davon ist auch sehr wenig, ja sehr oft sogar mit dem Gefühl verbunden, du hättest noch viel mehr tun können. Aber Jesus will nicht dies vertiefen, er will uns nicht schlechter machen als wir sind. Er will uns öffnen dafür, im Blick auf Gott nicht den gesellschaftlichen Gedanken von Lohn und Anerkennung einzutragen, sondern er will uns dafür öffnen, unser Tun, unser Leben als dankbares Leben gegenüber Gott zu sehen und zu verstehen. Was wir tun und lassen, das sind wir ihm aus Dankbarkeit schuldig.
Und ich finde es schön, dass Gott uns Menschen in seinen Dienst nimmt, dass wir seine Knechte sein dürfen, dass wir in seiner Welt Dienst für Gott, Gottesdienst tun dürfen. Denn dieser Dienst ist ein Dienst für das Leben und für die Hoffnung. Dazu ermutigt uns Jesus heute morgen, auch wenn wir zunächst ärgerlich und vielleicht auch traurig über seine Sicht unseres Lebens waren. Es liegt in seinen Worten eine ganz realistische Ermutigung mit unseren kleinen Möglichkeiten im Dienste Gottes die Welt zu gestalten und ein Stück mitzubauen an Gottes Reich. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 445, 1-3+5
Psalm 31,20-25
Eingangsliturgie
Gebet EGb S. 287 Gebet 2
Lesung 1. Kor. 9, 24-27
Lied 409, 1,2,4-7
Lesung: Lk 17, 7-10
Glaubensbekenntnis
Lied: 391, 1-4
Predigt
Lied: 334, 1-6
Abkündigungen
Fürbittengebet
Barmherziger und guter Vater, wir danken dir, dass du uns stark sein lässt, dass wir in geordneten Verhältnissen leben und dass wir genügend von dem haben, was wir zum Leben brauchen. Das ist nicht unser Verdienst, es ist uns unverdienter Maßen in unsere Hand gelegt worden. Lass uns dies immer wieder begreifen, wenn wir auf unser Leben blicken. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Es ist auch nicht unser Verdienst, wenn wir von Schicksalsschlägen verschont bleiben, die uns den Lebensmut rauben, wenn wir bisher bewahrt geblieben sind. Es ist nicht unser Verdienst, wenn wir deiner Liebe gewiss sein dürfen. Wir sehen es oft als ganz natürlich an, vielleicht gar als unsere persönliche Leistung. Bewahre uns vor solcher Überheblichkeit. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vergib uns Herr, wo der Mangel an Demut uns hart werden lässt gegenüber Menschen, wo wir durch den Blick auf das eigene Wohlbefinden, die Lasten anderer nicht mehr sehen. Hilf uns, über den Zaun unseres eigenen Lebens hinauszublicken, lass die Not der anderen nicht aus unseren Augen verschwinden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für die Not der Menschen, bei uns im Dorf, für alle Kranken, für alle von Sorgen geplagten, für alle am Rande lebenden, für alle, denen das Leben zu Last geworden ist. Hilf uns, als deine guten Knechte, weiterzugeben von der Hoffnung, durch die wir selber leben, hilf uns Vertrauen in deine Güte zu wecken. Darum rufen wir zu dir; Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

23. 1. 2005

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Ablauf
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