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Wie gut ist es, wenn man gleich nach der Lesung das
Glaubensbekenntnis sprechen muss. Die Gedanken schweifen ab, der
Bibeltext, der eben gelesen wurde ist schnell vergessen. Er hat, so
vermute ich einmal, gar keine Zeit gehabt wirklich tief in uns
einzudringen und Gefühle in uns wachzurufen. Aber die Tatsache, dass
dieser Text uns heute vorgegeben ist, lässt uns nicht so schnell
davonkommen. Er soll weiter wirken bei uns, auch wenn dann viele Gedanken
zur Sprache kommen, die wir aus Bibel nur ungern hören. Ich lese den Text
noch einmal:
Wer unter euch hat einen Knecht, so fragt Jesus seine Zuhörer, der pflügt
oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm
gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen;
Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen
und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? Dankt er etwa
dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? So auch Ihr! Wenn ihr
alles getan habt, was euch befohlen ist-, so sprecht; wir sind unnütze
Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.
Ich sprach zu Beginn von Gefühlen, die aufkommen, wenn wir einen solchen
Text hören. Drei könnten wir mindestens für uns benennen: als erstes
Gleichgültigkeit: Wer unter euch hat einen Knecht? Niemand, so weit ich
das sehen kann. Was geht uns also dieser Text an? Wir beschäftigen weder
Knecht noch Sklaven. Wir kennen tariflichen Dankeslohn, wir kennen
geregelte Arbeitszeit, Arbeitsplatzbeschreibungen, Tarif- und
Arbeitsrecht, Weihnachtsgeld und Urlaubsverordnungen. Das Gleichnis galt
einmal vor langer, langer Zeit. Und selbst diejenigen von uns, die noch
die Zeit der Knechte auf dem Dorf kennen, so schlimm, wie in unserem Text
beschrieben, war es auch damals schon lange nicht mehr, auch wenn die
Arbeit hart war.
Da wir die Geschichte nicht beiseite schieben wollen, sondern uns weiter
mit ihr beschäftigen wollen, da merken wir vielleicht langsam das zweite
Gefühl in uns hochsteigen: den Ärger. Was ist das für ein Herr, der seinem
Knecht nach dem harten Tagewerk nicht einmal die wohlverdiente Ruhe gönnt.
Da hat er hart gearbeitet, und in Palästina war Landwirtschaft eine der
härtesten Arbeiten, und nun muss er auch erst noch einmal im Hause dienen.
Der Herr darf sich satt essen, und wenn der sich dann zurückzieht, darf
auch der Knecht endlich seine Ruhe bekommen.
Angesichts der Errungenschaften heutiger Arbeitsorganisation müsste man
dies nicht nur als Ausbeutung, sondern ein Stück weit auch als verachtend
beschreiben. Und ich vermute mal, dass so nicht einmal die Knechte des
letzten Jahrhunderts behandelt wurden. Selbst zu Zeiten Martin Luthers
hieß es, dass die ganze Familie mit den Knechten und Mägden zusammen am
Tisch gesessen haben. Erst ich, und wenn du deine Schuldigkeit getan hast,
dann du, dieses Denken ist unmenschlich und kann nur unseren Widerspruch
hervorrufen.
Als letztes Gefühl möchte ich die Traurigkeit nennen, die mich ergreift.
Denn Jesus geht am Ende ja aus der Geschichte heraus. So auch ihr! Und
dann beschreibt er unser Leben als ein Leben von Knechten und Sklaven, die
sich selber nur als unnütze Knecht zu verstehen haben. Ich bin nur ein
unnützer Knecht, so werde ich aufgefordert zu sagen, zu denken und zu
fühlen.
Niederschmetternd diese Worte Jesu, der doch sonst so menschlich aufbauend
zu reden und handeln versteht. Und ich weiß nicht ob mancher von ihnen
sich hier getroffen weiß, in seinem eigenen Denken über sich selber. Es
ist doch alles unnütz, was ich tue. Was habe ich denn schon getan, was
kann ich noch tun, was überhaupt kann man in dieser Welt schon großes
leisten, wo doch in der Reget andere über uns bestimmen. Mögen wir auch
keine Knechte oder Sklaven sein, die Herren sind wir auf keinen Fall. Und
Jesus scheint mit diesen Worten die Traurigkeit über die menschliche
Nutzlosigkeit, die menschliche Armseligkeit, die manch einer empfindet,
auch noch zu bestätigen. Und noch mehr. Durch seine Schlussworte stellt er
uns einen Gott vor Augen, der als selbstherrlicher Herrscher die Menschen
zu armseligen Knechten degradiert, die zu spuren, aber von Gott nichts zu
erwarten haben. Wir sind armselige Knechte; wir haben getan, was wir zu
tun schuldig waren. So sollen wir sprechen.
Undank ist der Welten Lohn, ' so sagt der Volksmund, und nun scheint es so
zu sein, dass selbst bei Gott der Dank ausbleibt. Müssen wir uns damit
abfinden? Schreibt Jesus damit ein niederdrückendes Denken über den
Menschen fest, schreibt er damit ein herrschaftliches Verhältnis von
Herren und Knechten fest, das so in der Welt bleiben soll?
Es scheint so, denn Jesus widerspricht in dieser Geschichte ja an keiner
Stelle dem Handeln des Herrn, sondern er nimmt es gar als Beispiel für
Gott selber, der wohl auch so handelt.
Aber schauen wir noch einmal an den Anfang. Wen redet Jesus da an? Wer
unter euch hat einen Knecht? so fragt er. Ein Sklave hat keinen Knecht,
die Herren haben einen Knecht. Die Herren sind die Angeredeten.
Diejenigen, die das Sagen haben, sind angesprochen. Und zwar so, dass sie
nicht gescholten werden für ein in damaliger Zeit scheinbar ganz normales
Verhalten. Sondern sie sollen sich in die Lage der anderen versetzen. Ihr
Herren der Welt schaut einmal auf die andere Seite der Welt. Ihr Reichen
versetzt euch einmal in die Lage der Armen, ihr Arbeitenden, versetzt euch
einmal in die Lage der Arbeitslosen, ihr Wohlhabenden versetzt euch einmal
in die Lage der Harz IV-Empfänger, ihr Einheimischen versetzt euch einmal
in die Lage der Fremden. Schaut einmal auf die andere Seite des
Gartenzaunes und ihr werdet dabei wichtige Erfahrungen machen.
Wem verdankt ihr euren Reichtum? Wirklich nur euch selber und eigener
Arbeit? Oder ist er euch zugefallen, ist er vielleicht gar nur auf Kosten
anderer zustande gekommen?
Ich habe Arbeit, ich werde sie auch nicht verlieren, als Beamter. Habe ich
das verdient, ist das meine besondere Leistung, dass ich diese Arbeit
habe. Wie viele suchen verzweifelt danach, selber die Möglichkeiten und
Fähigkeiten in der Arbeit einzusetzen und können es nicht, weil die
Arbeitsplätze fehlen.
Dass es uns so gut geht und wir eigenen Möglichkeiten haben, ist das ein
Grund, andere schlecht zu machen, und jeden Sozialhilfeempfänger als
Schmarotzer zu bezeichnen, dem man die Sozialhilfe ruhig kürzen kann, nur
weil einige diesen Anspruch ausnutzen?
Dass ich in diesem Land geboren bin, ist das mein Verdienst, ist das ein
Grund einen Stolz weiter zu tragen, der Fremden als Hass entgegenschlägt?
Es gibt über 5 Milliarden Menschen auf der Erde, ganze 75 Millionen davon
sind deutscher Herkunft. Die Bundesrepublik ist nicht viel größer als ein
Fleck auf der Weltkarte, und wir nehmen uns so furchtbar wichtig.
Schau über den Zaun, lerne dich selber richtig wahrnehmen und einschätzen.
Das höre ich heraus aus dieser Geschichte, wo Menschen aufgefordert
werden: schau mal auf die andere Seite, versetz dich doch einmal in die
Lage des anderen und du wirst deine Situation und Position ganz anders
einschätzen lernen. Und genau dieses neu einschätzen lernen geschieht auch
am Ende der Geschichte. Wir lernen unsere Lebensposition ganz anders
einzuschätzen, wenn wir uns von Gott her einmal sagen lassen: Ihr seid
nicht die Herren der Welt, ihr seid die armseligen Knechte, die nur tun,
was sie schuldig sind zu tun. Vor Gott seid ihr alle Knechte und nicht
Herren.
Mit diesen Worten wird jeder Stolz auf Leistung, jedes Vorzeigen von
scheinbaren Qualitäten beiseite geschoben. Nicht Geld, nicht Spenden,
nicht Arbeitsleistung, nicht Frömmigkeit, nicht Kirchenengagement, nicht
soziale Hilfeleistung werden hier aufgerechnet als Posten einer Summe, die
am Ende so etwas wie Heil und Seligkeit versprechen. Was ihr da tut, an
vielem Gutem, ist das nicht alles auch selbstverständlich? Versteht sich
solches Tun nicht von selbst? Wie sehr haben wir uns schon daran gewöhnt,
dass Tätigkeit, auch soziale Tätigkeit belohnt werden muss. Selbst das
Eimer raus Bringen, das Briefe weg Bringen für die Oma, wird für den Enkel
belohnt. Sicher aus liebevoller Zuneigung der Oma zum Enkel, der die
Schokolade oder das 2 Eurostück auch so bekommen hätte. Aber prägen wir
nicht schon durch solche Kleinigkeiten und durch vieles andere mehr das
Denken, das es im Leben nur nach Leistung und Lohn geht. Was kriege ich
dafür, lohnt sich das für mich? Das wird gefragt. So etwas wie
Selbstverständlichkeit, Tun ohne Lohngedanken erleben wir zunehmend
weniger.
Und genau darum wird ja der Wert eines Menschen bei uns auch so häufig
daran orientiert, was er bringt und leistet. Und wo jemand nur empfängt
ohne zu leisten, da muss dieser Mensch entweder beseitigt werden, dh. aus
dem Land gebracht werden, oder diese Menschen werden so an den Rand
gedrängt, dass sie sich völlig zurückziehen müssen und damit geraten sie
aus dem Blickfeld. Ich will mit diesen Gedanken nicht sagen, dass gute
Arbeit nicht auch entlohnt werden soll. Dem Ochsen, der drischt, soll das
Maul nicht verbunden werden, sagt Paulus und beschreibt damit ja auch,
dass Lohn seine Bedeutung hat.
Aber im Verhältnis zu Gott und in der Sicht des Umganges mit Menschen ist
die Kategorie Lohn für Leistung völlig fehl am Platze. Nicht weil Gott
nicht auch lohnt, aber eben völlig anders, als wir es bei uns gewohnt
sind. Wir Menschen empfangen nicht etwas für unser Tun, sondern vor allem
Tun steht längst die Liebe Gottes zum Menschen. Wir empfangen die
Geschenke des Lebens, nicht weit wir sie verdient hätten. Weder die guten
Dingen, noch die schweren Lasten des Lebens sind der Lohn für unser Tun.
Mir geht es nicht gut, weil ich ein guter Menschen bin, mir geht es nicht
schlecht, weil ich ein schlechter Mensch bin. Diese Rechnung bricht Jesus
auf mit seiner Geschichte. Gott begegnet uns ohne unser Tun mit dem
Geschenk seiner Güte.
Unser Tun im Horizont Gottes ist die schlichte Pflicht und Schuldigkeit,
die wir Gott aus Dankbarkeit entgegenbringen. Und vieles davon ist auch
sehr wenig, ja sehr oft sogar mit dem Gefühl verbunden, du hättest noch
viel mehr tun können. Aber Jesus will nicht dies vertiefen, er will uns
nicht schlechter machen als wir sind. Er will uns öffnen dafür, im Blick
auf Gott nicht den gesellschaftlichen Gedanken von Lohn und Anerkennung
einzutragen, sondern er will uns dafür öffnen, unser Tun, unser Leben als
dankbares Leben gegenüber Gott zu sehen und zu verstehen. Was wir tun und
lassen, das sind wir ihm aus Dankbarkeit schuldig.
Und ich finde es schön, dass Gott uns Menschen in seinen Dienst nimmt,
dass wir seine Knechte sein dürfen, dass wir in seiner Welt Dienst für
Gott, Gottesdienst tun dürfen. Denn dieser Dienst ist ein Dienst für das
Leben und für die Hoffnung. Dazu ermutigt uns Jesus heute morgen, auch
wenn wir zunächst ärgerlich und vielleicht auch traurig über seine Sicht
unseres Lebens waren. Es liegt in seinen Worten eine ganz realistische
Ermutigung mit unseren kleinen Möglichkeiten im Dienste Gottes die Welt zu
gestalten und ein Stück mitzubauen an Gottes Reich. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 445, 1-3+5
Psalm 31,20-25
Eingangsliturgie
Gebet EGb S. 287 Gebet 2
Lesung 1. Kor. 9, 24-27
Lied 409, 1,2,4-7
Lesung: Lk 17, 7-10
Glaubensbekenntnis
Lied: 391, 1-4
Predigt
Lied: 334, 1-6
Abkündigungen
Fürbittengebet
Barmherziger und guter Vater, wir danken dir, dass du uns stark sein
lässt, dass wir in geordneten Verhältnissen leben und dass wir genügend
von dem haben, was wir zum Leben brauchen. Das ist nicht unser Verdienst,
es ist uns unverdienter Maßen in unsere Hand gelegt worden. Lass uns dies
immer wieder begreifen, wenn wir auf unser Leben blicken. Darum rufen wir
zu dir: Herr, erbarme dich.
Es ist auch nicht unser Verdienst, wenn wir von Schicksalsschlägen
verschont bleiben, die uns den Lebensmut rauben, wenn wir bisher bewahrt
geblieben sind. Es ist nicht unser Verdienst, wenn wir deiner Liebe gewiss
sein dürfen. Wir sehen es oft als ganz natürlich an, vielleicht gar als
unsere persönliche Leistung. Bewahre uns vor solcher Überheblichkeit.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vergib uns Herr, wo der Mangel an Demut uns hart werden lässt gegenüber
Menschen, wo wir durch den Blick auf das eigene Wohlbefinden, die Lasten
anderer nicht mehr sehen. Hilf uns, über den Zaun unseres eigenen Lebens
hinauszublicken, lass die Not der anderen nicht aus unseren Augen
verschwinden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für die Not der Menschen, bei uns im Dorf, für alle
Kranken, für alle von Sorgen geplagten, für alle am Rande lebenden, für
alle, denen das Leben zu Last geworden ist. Hilf uns, als deine guten
Knechte, weiterzugeben von der Hoffnung, durch die wir selber leben, hilf
uns Vertrauen in deine Güte zu wecken. Darum rufen wir zu dir; Herr,
erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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