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Lk 16, 19-31

Eine interessante Geschichte, die uns da am heutigen Sonntag vorgelegt wird. Der reiche Mann und der arme Lazarus. Eine Geschichte die viele Gedanken auslöst und viele Fragen aufwirft.

Beginnen tut die Geschichte mit der Beschreibung zweier Leben. Zuerst der Reiche Mann - in Purpur und kostbare Leinen gekleidet. Er lebt alle Tage herrlich und in Freuden. Reichtum und Wohlstand, das war in Jahrhunderten zuvor ein Ausdruck des Segens Gottes. Wer reich war an Gütern, an Vieh und Familie, der war von Gott gesegnet. So beschreiben es die Erzählungen der Bibel am Anfang. Doch das Bild des Reichtums kippt im Laufe der Zeit. Reichtum wird anders angesehen, nicht mehr der Segen Gottes steht im Vordergrund, sondern die Frage: wie gehst du, Mensch, mit dem Reichtum, den der Segen Gottes dir gebracht hat, um?

In unserer Geschichte wird erzählt, dass ein Mensch vor der Tür des Reichen lag. Ein Armer, und er hat sogar einen Namen: er heißt Lazarus – Gott hat geholfen bedeutet das. Ihm scheint er nicht geholfen zu haben. Denn er bleibt mitten im Leben ein Mensch, der das Leiden des Lebens ertragen musste, mit Hunger, Krankheit und Erniedrigung. Und es scheint so zu sein, dass nicht einmal die Abfälle des Reichen – es waren die Brotfladen mit denen man sich die Finger beim Essen säuberte – ihn nicht erreichten. Er wollte sich davon sättigen, ob er es konnte, wird nicht erzählt.

Bilder heutiger Zeit kommen uns in den Sinn. Die Armen vor der Haustür, die ein wenig von dem abbekommen möchten, was die Reichen so haben. Es stehen die Menschen vor Augen, die als Bootsflüchtlinge in Afrika große Strapazen auf sich nehmen, um Richtung Italien oder Spanien zu gelangen, um dort eventuell eine Chance auf Leben zu haben. Es fallen uns die Menschen ein, die als Flüchtlinge leben müssen, verfolgt von den Schergen der Machthaber, die lieber ihren eigenen Wohlstand fördern, statt der Bevölkerung ihres Landes zu dienen und den Wohlstand aller zu mehren.

Sie sind weit weg, doch werden uns immer wieder auf den Fernsehbildschirmen bis ins Wohnzimmer gelegt.

Ebenso wie die Armen unseres Landes, deren Armut wir oft genug nicht sehen. Die Rentner, die kaum Rente für ihr Existenzminimum haben und sich nicht trauen, Hilfe anzunehmen. Ich denke an die Kinder, die Mittags in den Räumen der Tafeln stehen, um eine warme Mahlzeit zu erhalten. Neben ihnen auch so manche Menschen, die mit Harz IV nicht auskommen und auf die Hilfe der Tafeln angewiesen sind. Die Reste des Wohlstandes, die gespendet werden, um Armen Menschen nötige Lebensmittel zukommen zu lassen. Die Zahl der Menschen, die dies in Anspruch nehmen, wächst zunehmend, ich hörte jetzt eine Zahl von einer Millionen Menschen, die auf die Tafeln angewiesen sind. Und es heißt, dass es wohl noch mehr werden, wenn die Wirtschaftskrise weiter durchschlägt  und noch mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit entlassen werden.

Armut vor der Tür, kein Bild von gestern, sondern leider Realität in unserer Welt.

Und daneben eine Welt der Reichen, die eine Welt derer, die in unersättlicher Gier eigene Profite suchen ohne Rücksicht auf Verluste. Daneben, die Welt der Reichen, die versuchen mit dem Blick auf das Eigene, den persönlichen Wohlstand zu sichern. Und das geht hin bis in die Parolen: Ausländer raus, weil die Wirtschaftsflüchtlinge ja nur unser Geld wollen.

Arm und reich, diese Schere zieht sich durch die Geschichte und ist immer wieder eine Anfrage an uns: wie wir Menschen leben im Angesicht der Tatsache, dass Armut und Reichtum eben immer eng beieinander sind.

In drastischer Weise erzählt Jesus nun, den weiteren Werdegang der beiden.

Der eine landet in Abrahams Schoß – der andere in der Hölle.

Ich gehe davon aus, dass Jesus hier keine Geschichte erzählt darüber, dass Gott am Ende der Zeit, die einen in den Himmel hebt und die anderen in der Hölle schmoren lässt. Es will keine Geschichte sein, die arme Menschen auf hier auf Erden vertrösten will auf ein besseres Jenseits. Sie will auch nicht Reichtum und Besitz verteufeln. Es ist eine Geschichte, die in ihre Lebendigkeit uns Menschen darauf anspricht, was bedeutet dir dein Reichtum? Wie lebst du im Angesicht der Armen vor deiner Haustür?

Vom Reichen wird erzählt, dass er Qualen leidet, dass er seine Situation verändern möchte. Er will mit einem Tröpfchen Wasser Linderung erfahren. Doch er wird abgewiesen, auch mit dem Hinweis, dass hier nichts mehr verändert werden kann.

Für mich ist das ein Bild dafür, dass wir Menschen mit dem, was wir oder nicht tun, in voller Verantwortung vor Gott dastehen. Der Reiche blickt von weitem jetzt auf Lazarus. Er sieht ihn – jetzt, viel zu spät – sieht, was er gemacht hat, und kann nichts mehr verändern. Wir kennen das vielleicht auf anderer Ebene auch von uns. Viel später, wenn alles schon vorbei ist, dann entdecken wir plötzlich, was wir mit einem bestimmten Tun, mit einem bestimmten Unterlassen angerichtet haben. Wir entdecken plötzlich, was wir übersehen haben, wo wir hätten angerührt sein müssen. Wir spüren, wie es uns bedrückt, wie es uns umtreibt. Es muss nicht gleich die Hölle sein, die wir da erleben. Das wäre überzeichnet. Aber für manch einen wird es zur persönlichen Hölle damit leben zu müssen.

Und dazwischen die Kluft der Zeit, die Kluft, die uns vom gewesenen trennt. Die Unmöglichkeit etwas verändern zu können.

Die Geschichte erzählt: du bist verantwortlich für dein Handeln. Schau, was du tust. Schau wo du jemanden übersehen hast, wo du etwas übersehen hast? Schau einmal auf die andere Seite deines Lebens, dort, wo du bisher nicht hingeschaut hast. Da wirst du so manches entdecken, was du im Blick auf dein eigenes Leben, im Blick auf den Reichtum nicht siehst, weil du gefangen bist in dir selber. Es liegt vor der Tür, es ist ganz in deiner Nähe, übersieh es nicht.

Oder anders gesagt: bleib nicht nur bei dir selber. Bleib mit deinen Gedanken nicht nur bei dem, was dein Leben äußerlich bereichert, glanzvoll und schön macht. Letztlich ist das die Hölle des Lebens, weil es einsam macht, weil es begehrlich macht, weil es blind macht. Die Seele findet keine Ruhe, du wirst immer heiß bleiben, auf mehr.

Diese Geschichte ist den Lebenden erzählt. Sie will die Lebenden auf den Weg bringen, ein rechtes Verhältnis zum Besitz und eine Beziehung zu den Armen zu finden. Hier wird nicht der Reichtum an sich gescholten, das tut die Bibel nie. Sie stellt nicht das reichsein in Frage, sie fragt immer nur: was tust du mit dem, was Gott dir anvertraut hat? Ist es etwas mit dem wir nur bei uns selber bleiben, um unser eigenes Leben zu fördern? Hält uns der Reichtum ab davon, dem Armen sein Recht zu geben, ihm Lebensraum zu geben: sowohl im äußeren Leben als auch in meinem Inneren? Der Arme ist ja auch Bedrohung für den Reichen, so zumindest sieht es aus, wenn die Armen zu uns kommen, um für sich ein Stück der Brosamen zu erhalten, die unser Sozialsystem abwirft. Allerdings verkennen wir dabei, welche Bedrohung wir Reichen für die Armen sind, wenn wir unseren Reichtum auf Kosten der Armen mehren. Darum ist es wichtig im Innern, im Herzen einen Platz für diese Menschen zu haben, um in unserer Welt auch verantwortungsvoll mit ihnen in Gemeinschaft zu leben.

Das sollen nun auch die Brüder erkennen, die noch die Möglichkeit haben, ihr Leben zu verändern, denkt der in der Hölle Schmorende. So möchte er, dass Lazarus zu ihnen gehen solle, um das weiter zu sagen. Doch Abraham verweist darauf, dass die Menschen doch die Worte der Bibel haben. Dort heißt es unter anderem: es ist dir gesagt Mensch, was gut und was böse ist.

Eigentlich müssten wir Menschen aus uns selber heraus wissen, wie Menschen gut miteinander leben können. Was du nicht willst, das man dir tun, das füg auch keinem andern zu, das ist nicht nur ein Ausspruch Jesu,  das ist in Worte gefasstes menschliches Grundgefühl. Wir könnten aus eigenen Gedanken wissen, wie eine bessere Welt aussehen könnte, in der arm und reich miteinander leben könnten. Gerechtigkeit ist nicht so schwer auszudenken, genügend kluge Köpfe hätten wir dafür. Aber der Mensch ist schwach und er zumeist ist ein auf sich selbst bezogenes Wesen. Darum ist das äußere Wort wichtig, das auf den Weg bringt. Gottes Wort, Mose und die Propheten, wie es in unserem Text heißt. Aber das wird eben nicht ernst genommen. Der Reiche in der Geschichte, wird diese Wort auch gekannt haben, doch es fehlte an Überzeugung, es fehlte an Glauben, dass diese Worte wichtig sind, dass es Gottes Wort sind. So will uns diese Geschichte auch daran erinnern, dass wir unsere Verantwortung vor Gott aus den heiligen Schriften entnehmen können. Mehr brauchen wir nicht. Und wer diesen Worten kein Gehör schenkt, der wird auch einem, der von den Toten kommt, nicht folgen. Zu sehen am Glauben an Christus.

Die Schrift sagt uns, wie wir vor Gott recht leben können, wie wir gleichsam in Abrahams Schoß leben können. Eben nicht indem wir nur auf uns selber bezogen leben, sondern den anderen wahrnehmen, ihn und sie einbeziehen ins eigene Leben. Und das rechtzeitig genug, nicht erst dann, wenn es zu spät ist. Der Reiche musste dies schmerzvoll erfahren. Davor will Jesus mit seinem Gleichnis bewahren, wenn er dies vor Augen stellt. Er will die Hörenden aufmerksam machen dafür, dass das Leben nur gelingt, wenn wir auf das Wort Gottes hören, wenn wir Gott vertrauen und den Nächsten im Blick haben.

Zum Schluss noch ein Blick auf den Armen Lazarus. Von ihm hören wir in der ganzen Geschichte gar nichts weiter. Er spricht kein Wort. Und doch ist er jemand, der eine besondere Stellung hat. Er hat schon seit Beginn der Geschichte einen Namen. Er ist nicht namenlos, wie die vielen Armen dieser Welt, die uns namenlos sind. In der Geschichte Jesu hat der Arme einen Namen, er ist wer. Ja, wir können sagen, er ist bei Gott wer, er ist nicht einfach ein Armer, sondern der Lazarus, dem Gott zugewandt ist. Armut, am Rande stehen, ein Leben mit Einschränkung und Bedrückung führen, das heißt nicht, dass wir beiseite stehen müssen, das heißt nicht, dass wir bei Gott nicht gesehen werden. Die Namensgebung für diesen Armen in der Geschichte will deutlich machen, dass gerade der Arme, der Geschundene bei Gott eine hohe Bedeutung hat, dass derjenige wichtig ist und bleibt. Aufgehoben in Abrahams Schoß. In dieser Zuwendung Gottes liegt eine Geborgenheit ganz anderer Art, die durch anderes nicht gegeben werden kann. Selig sind die da Leid tragen, sie werden getröstet. Selig die da geistlich arm sind, ihrer ist das Himmelreich, Selig, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, sie werden satt werden.

Es klingt immer ein Stück nach dem Jenseits, doch schon hier im Diesseits gelten diese Worte. Selbst dann, wenn diese Wirklichkeit durch das Äußere verdeckt ist, Gott tröstet, sättigt und öffnet den Himmel für alle, die ihn brauchen und suchen. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 440,1-4

Psalm Ps 34   718

Eingangsliturgie

Gebet

Gott unser Vater!

Wir kommen zu dir mit allem, was uns auf der Seele liegt. Wir bringen mit hierher, was uns freut und was uns bedrückt.

Nimm an unseren Dank und unsere Klage, unsere Fragen und Zweifel, höre unsere Wünsche, stärke unsere Hoffnungen. Öffne uns so für dein Wort der Liebe zu uns Menschen. Darum bitten wir dich, der du mit Jesus Christus ….

Lesung: 1 Joh 4, 16b- 21

Lied 605

Lesung Lk 16, 19-32

Glaubensbekenntnis

Lied 124,1-4

Predigt

Lied 420,1-5

Abkündigungen

Fürbittengebet

Gott, Vater aller Menschen, wir bitten dich:

Schenke den Hungernden und Dürstenden Brot und Wasser, damit sie leben können.

Schenke den Obdachlosen und Heimatlosen ein Dach über dem Kopf, unter dem sie Schutz finden.

Schenke den Kranken an Leib und Seele Hoffnung auf Besserung.

Schenke den Verfolgten und Unterdrückten die Zuversicht, dass auch das Böse in der Welt einmal ein Ende hat.

Schenke den Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft Weitsicht, Großmut und Verantwortungsbewusstsein.

Schenke uns allen Augen und Ohren, die das Leid der Mitmenschen sehen und die Hilferufe der Bedürftigen hören.

Schenke uns allen ein weites Herz, das Platz hat für den Nächsten

Vaterunser

Segen

163

 Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

14. 6. 2009

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Ablauf
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