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Die Predigt ist übernommen von
Dr. Peter Böhlemann, Pfr.
und von mir leicht bearbeitet. Die Fundstelle ist:
http://www.predigten.uni-goettingen.de/archiv-5/031119-2.html
Ich danke herzlich für diese Gedanken.
Die Geschichte vom Feigenbaum, der keine Feigen haben
wollte
Es war einmal ein kleiner knorriger Baum mitten in einem wunderschönen
Garten voller Weinreben.
Unser Baum meinte, das Leben zu kennen, denn er kannte den Boden, auf dem
er stand. Und es war guter Boden, nicht zu trocken und nicht zu feucht.
Eigentlich hätte er ganz zufrieden sein können; aber er war es nicht. Ihn
störten die Weinstöcke um ihn herum. Die taten das ganze Jahr über nichts
anderes, als stolz große saftige Trauben hervorzubringen, um sie sich dann
von den Menschen wegnehmen zu lassen.
Einmal hatte sich eine Rebe, die neben ihm wuchs, zu ihm gedreht und
gefragt: "Warum hast du eigentlich so wenig Blätter? Und wieso wachsen
denn gar keine Früchte an dir?"
Da hatte er mürrisch geantwortet: "Weil ich nicht so dumm bin wie ihr.
Warum soll ich meine Kraft und meinen Saft für Blätter und Früchte
vergeuden, um sie dann herzugeben? Ich lebe doch so viel besser!"
Und als eine andere Rebe erwiderte: "Aber die Menschen freuen sich über
uns", hatte er nur gelacht.
"Seht euch doch mal an! Ihr seid ja nicht mal halb so groß wie ich. Ich
brauche meine Kraft für mich selbst."
Seitdem hatte ihn keiner mehr gefragt.
Eines Tages kam der Besitzer des Gartens zu ihm. Er hatte einen Korb
dabei, blieb damit vor ihm stehen und sah ihn lange an. Offensichtlich
suchte er etwas, denn er murmelte: "Hat der denn noch immer keine Feigen?"
Dann schüttelte er mit dem Kopf, zuckte mit den Schultern und ging nach
Hause.
"Aha!" dachte der Baum, "Ein Feigenbaum bin ich also. - Aber ich bin ein
besonders kluger Feigenbaum, denn ich gehöre nur mir selber. Gut, dass ich
keine Früchte hervorgebracht habe! Jetzt wäre ich sie bestimmt alle los."
Doch dann ereignete sich etwas, was sein Leben völlig verändern sollte.
Wieder einmal war der Weinbergbesitzer gekommen, um Feigen an ihm zu
suchen.
Als er jedoch diesmal erneut keine fand, ging er nicht einfach weg,
sondern rief wütend nach dem Gärtner:
"He, Gärtner, komm her! Wofür bezahle ich dich eigentlich?! Komm her, und
sieh dir das einmal an! Aber bring die Axt mit!"
Schon nach kurzer Zeit kam der Gärtner mit einer Axt auf der Schulter
gelaufen.
"Drei Jahre bin ich jetzt umsonst gekommen", sagte der Besitzer zu dem
Gärtner, "Drei Jahre, und dieser Baum hat keine einzige Frucht gebracht!
Hau ihn ab! Er nimmt dem Boden die Kraft."
Unserem Feigenbaum durchzuckte es alle Äste. Er sollte abgehauen werden?!
Er, der Schönste und Größte, er der Klügste im ganzen Garten?!
Und er glaubte, nicht recht zu hören, als der Gärtner antwortete: "Herr,
lass ihm noch ein Jahr! Ich will um ihn herum graben und ihn düngen und
begießen. Vielleicht nützt es was ..."
"Also gut!", sagte der Weinbergbesitzer und verschwand.
Und der Gärtner legte die Axt beiseite und holte seine Gießkanne und goss
den Baum.
"Warum setzte sich dieser Mann für ihn ein?" Er hatte ihm doch nie etwas
gegeben. "Warum hilft dieser Gärtner mir?", dachte der Baum. Und völlig
verzweifelt ließ er alles mit sich geschehen.
Der Gärtner kam oft. Er düngte ihn, lockerte mit seinem Spaten die Erde um
ihn herum und begoss ihn mit herrlichem Wasser.
Und als die ersten Knospen kamen und sich entrollten, machte unser
Feigenbaum nicht einmal den Versuch, sie zurückzuhalten. Plötzlich zog es
überall an ihm, und es knackte in seinen Zweigen. Riesige gefingerte
Blätter entstanden, und er wurde immer größer. Dann bedeckten sich seine
Zweige mit vielen kleinen Blüten.
Die Weinreben um ihn herum staunten. Auch der Feigenbaum verstand die Welt
nicht mehr: "Ich habe doch gar nichts dazu getan."
Und auf einmal freute er sich, wenn der Gärtner sich mittags in seinen
Schatten setzte. Ja, er lernte, ihn gern zu haben, und dachte gar nicht
mehr daran, ihn nicht an sich arbeiten zu lassen.
Im nächsten Jahr kamen die ersten Früchte, kleine grüne Feigen. Und im
Spätsommer trug er schon wieder neue Früchte. Als dann geerntet wurde,
dachte er: "Merkwürdig, drei Jahre habe ich mich angestrengt, um glücklich
zu leben, und sollte gefällt werden. Jetzt habe ich ein Jahr lang nichts
getan, als an mir arbeiten zu lassen, und die anderen freuen sich über
mich, und ich bin glücklich wie nie."
Fast schien es ihm, als würde er erst jetzt anfangen zu leben ...
Das Gleichnis vom Feigenbaum wurde von Jesus erzählt. Von einem anderen
Bußprediger, von Johannes dem Täufer wird etwas ähnliches erzählt. Auch da
geht es um einen Feigenbaum.
Ich lese es einmal vor: Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging,
um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn
gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu,
bringt rechtschaffene Früchte der Buße; ... Es ist schon die Axt den
Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt,
wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
Vielleicht haben Sie den Bezug zu unserem Gleichnis schon gemerkt. "Jeder
Baum, der keine ordentlichen Früchte bringt, wird abgehauen und
verbrannt." - Ein Bild für das Gericht. So redet Johannes der Täufer, er
gebraucht fast dieselben Worte wie Jesus in seinem Gleichnis vom
Feigenbaum, aber im Grunde genommen sagt er etwas ganz anderes.
Johannes sagt: "Bringt Früchte, sonst werdet ihr abgehauen und
verbrannt!". Das heißt: "Tut das richtige, sonst geht es euch an den
Kragen!"
Es hat im Laufe der Kirchengeschichte viele Bußprediger wie Johannes
gegeben. Aber im Gegensatz zu anderen hat Johannes eines nicht getan. Er
hat nie behauptet, das , was er verkünde, sei das ganze Evangelium. Im
Gegenteil, er hat sogar darauf hingewiesen:
Ich bin nicht der Gesalbte. Es wird nach mir einer kommen, der ist stärker
als ich. Er wird euch mit dem heiligen Geist taufen (Lk 3, 16).
Nach der Predigt des Johannes scheint es so, als wäre Buße Tun aus Angst
vor dem Gericht der Weg, wie wir uns das Himmelreich verdienen könnten.
Aber da hat Jesus noch kein Wort öffentlich gesprochen. Das Evangelium ist
erst angekündigt und noch nicht verkündigt .
Jesus redet ganz anders von der Buße, er redet nicht als Gerichtsprediger,
sondern als guter Gärtner und Weinbauer.
Sein Programm wird im Lukasevangelium gleich zu Beginn laut. Lukas
erzählt, dass Jesus in der Synagoge in Nazareth aufsteht und sagt:
"Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen
das Evangelium ...; zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn." (Lk 4, 18f)
Das ist das Evangelium Jesu Christi: Das Gnadenjahr des Herrn und nicht
das Gericht!
Und jetzt denken Sie noch mal an unsere Geschichte vom Feigenbaum. Wenn
Johannes diese Geschichte erzählt hätte, hätte er nur einen Teil davon
erzählt - etwa so:
Es war einmal ein Feigenbaum, der keine Frucht brachte. Als dann der
Besitzer zum Erntetag kam und keine Früchte fand, ließ er ihn mit der Axt
umhauen und verbrennen, weil er zu nichts nütze war.
Deshalb ändert euch, tut etwas und bringt Früchte der Buße, damit es euch
nicht genauso geht!
Und wir hätten am heutigen Buß- und Bettag Grund genug, in uns zu gehen
und zerknirscht Buße zu tun oder sie wenigstens - wie es ja viel häufiger
üblich ist - Buße oder Umkehr von anderen zu fordern.
Aber Jesus erzählt dieses Gleichnis so, wie wir es gehört haben:
Da ist ein Baum, der nichts tut und nichts bringt. Aber da ist ein
Gärtner, der alles tut. Er verkündigt nicht nur das Gnadenjahr des Herrn,
er vollzieht es auch. Er düngt und begießt den Baum. Er sorgt für ihn. Er
sorgt für uns.
Jesus bewirkt Umkehr, nicht indem wir etwas tun, sondern indem er alles
für uns getan hat. Jesus ist nicht gekommen, um zu fällen und zu
verbrennen, sondern um zu befreien.
Wo ist unsere Rolle in diesem Gleichnis?
Wir sind wohl am ehesten dieser fruchtlose Feigenbaum. Jedenfalls manchmal
fühle ich mich so. Wir versuchen es immer und immer wieder, denken: So
muss die Kirche wachsen, so wird Glaube Strahlkraft haben. Und dann werden
wir auf den Boden der Realität zurückgeworfen und merken wie mühsam echte
Veränderungen sind.
Wir versuchen, Frucht zu bringen, aber spüren immer wieder auch unser
Scheitern. Natürlich haben wir schon den ein oder anderen Erfolg gehabt,
aber dass wir Früchte in großer Fülle hervorgebracht hätten, davon kann
überhaupt keine Rede sein.
Ich will ja gar nicht, dass wir in Sack und Asche gehen, ich will gar
nicht wie Johannes der Täufer als Gerichtsprediger auftreten, - auch wenn
heute Buß- und Bettag ist. Aber ich finde, so ehrlich können wir heute mal
sein. Da ist nichts, was wir als Gemeinde oder auch ich als Christ
wirklich vorweisen könnten, um einen Platz im Garten des Herrn zu
beanspruchen.
Im Gegenteil oft wirken wir oder fühlen uns auch wie ein wertloser Baum,
der nicht mal mehr aufrecht stehen kann, geschweige denn, andere mit
seinen Früchten versorgen könnte. Wir sind manches Mal mit der Kraft am
Ende und dann fehlt uns gerade noch, dass es wie bei diesem Baum heißt: Er
ist nutzlos. Er hat nicht das getan, was er sollte. Er wird abgehauen und
ins Feuer geworfen.
Und nun hören wir heute dieses Gleichnis von Jesus. Dieser Baum wird nicht
abgehauen, weil da ein Gärtner ist, der für ihn sorgen will, der ihm Luft
zum Atmen und Wasser zum Leben geben will. Der Baum, das sind wir oder die
Kirche als ganze, aber der Gärtner, das ist Jesus Christus.
Der Jesus, der von sich gesagt hat: "Der Geist des Herrn ist auf mir, weil
er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich
gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den
Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und
ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn."
Das Jahr, um das der Gärtner den anderen bittet, ist keine Galgenfrist, es
ist das Gnadenjahr des Herrn, in dem Jesus selber für uns sorgen will,
damit wir Frucht bringen. Er will uns befreien, wieder aufrichten, er will
uns die Augen öffnen. Wenn wir Frucht bringen wollen, wenn wir wollen,
dass sich unsere Gemeinde mit Leben füllt, dann müssen wir Jesus an uns
arbeiten lassen. Dann brauchen wir seinen Heiligen Geist, mit der er uns
begießen will, und wir müssen ihn an unsere Wurzeln und unseren harten
Boden heran lassen, damit er uns befreit und Luft zum Atmen gibt.
Jesus will begießen, wo wir ausgetrocknet sind.
Er will helfen, wo wir hilflos bist.
Er will sich um uns kümmern, wo wir verkümmert sind.
Insofern: Lassen wir uns beschenken von der Gnade Gottes!
Er hat alles getan, was zu tun ist.
Jesus selbst ist an unserer Stelle gefällt und getötet worden, damit wir
stehen bleiben können und das Leben wählen. Sein Geist will in uns und
durch uns Früchte bringen. Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure
Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 472, 1-2+4+5
Sündenbekenntnis mit Psalm 51 EG 727
Kyrie eleison
Gnadenzusage:
Gott hat sich unser erbarmt und mit seiner Gnade erfüllt, er hat uns mit
seinem Geist beschenkt durch Jesus Christus. In ihm schenkt er uns einen
neuen Anfang, er gibt Hoffnung auch dort, wo wir über uns selber
verzweifeln. So lasst euch sagen im Namen Jesu Christi: Dir sind deine
Sünden vergeben. Amen
Allein Gott in der Höh sei Ehr
Gebet: EGb S. 405 Gebet 3
Lesung: Lukas 13, 6-9
Glaubensbekenntnis
Lied: 353, 1-4
Predigt
Lied: 503, 13-15
Abendmahlsfeier
Barmherziger, gütiger Gott!
Auf uns selber geworfen sind wir nichts, doch weil du uns annimmst, sind
wir alles. Wir danken dir, dass du Schuld vergibst, wo wir sie bekennen
und dich um Vergebung anrufen. Du lässt uns nicht allein, sondern schenkst
uns neue Zukunft, wo wir auf dich hoffen. Dafür danken wir dir und lobe
und preisen dich mit allen, die vor uns geglaubt haben und mit uns
glauben. Großer Gott wir loben dich.
331, 1-2
Herr, Jesus Christus. Für unsere Schuld hast du den Tod auf dich genommen,
hast erlitten, was wir verdient hätten. Dafür danken wir dir und bitten
dich stärke uns mit deiner Kraft, deinem Vertrauen und mit deiner Liebe,
wenn wir nun empfangen, was du uns hinterlassen hast.
Einsetzungsworte
Geheimnis des Glaubens ....
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns gegeben
hast. Sende deinen Heiligen Geist auf uns herab, auf dass wir durch ihn
erneuert werden, dass wir umkehren zu dir und von dir alles erhoffen. Lass
die Gaben von Brot und Kelch in uns wirksam werden als dein Tun an uns,
auf dass wir durch dich zur Liebe geführt werden und in deiner Nachfolge
Frucht bringen.
Vaterunser - Austeilung
Gott liebt den Sünder, nicht die Sünde, So wollen wir vertrauen auf diese
Liebe und umkehren zu ihm.
Lied: 216
Abkündigungen
Fürbittengebet
Herr, unser Gott, danke, dass Du uns verändern willst.
Danke, dass wir keine Angst haben zu brauchen, nicht genug zu tun, um in
Deinem Garten stehen bleiben zu dürfen.
Danke, dass Du einen Platz für uns hast und für uns sorgen willst. Öffne
uns für Deine Liebe und lass sie in uns wachsen.
Schenk uns die Bereitschaft, uns von Dir begießen zu lassen.
Lass uns Deinen Heiligen Geist schmecken und sehen.
Bring Deine Früchte der Liebe durch uns.
Stärke uns dazu mit deiner Liebe und Barmherzigkeit.
Sei du bei allen, die sich als Nichtig ansehen und bei allen, die sich als
etwas großes ansehen. Schenke ihnen allen deinen Geist, der uns recht
erkennen lässt als solche, die dir nicht gerecht werden, für die du aber
mit offenen Armen da bist.
Für alle, die sich auf dem Weg einer Veränderung befinden bitten wir dich,
begleite du diesen Weg und führe diese Menschen zum Guten.
Das bitten wir durch Jesus Christus, unseren Gärtner, der sich um uns
sorgt und zu guten Früchten treiben will. Amen
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
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