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Erntedank 2009 - Lk 12,15-21

Der Evangeliumstext für den Erntedanktag – jedes Jahr wieder ein Ärgernis für manche Menschen. Der Mann, der einen guten Ertrag erwirtschaftet hat, wird als schlechtes Vorbild hingestellt. Wir freuen uns über eine gute Ernte, aber irgendwie hat man das Gefühl, man wird an diesem Tag ein wenig beschimpft von diesem Text, wenn man denn so auf den eigenen wirtschaftlichen Erfolg zurückblicken kann, wie es der Mann unserer Geschichte tut.
Jesus will nicht beschimpfen, er will in seinen Gleichnissen, die manchmal auch hart daherkommen, Menschen aufrütteln. Er will bestimmte Lebensweisen deutlich machen, die letztlich nicht hilfreich sind fürs Leben.
Was macht der reiche Mensch, was führt dazu, dass er am Ende so schlecht dasteht?
Er war ein vermutlich fleißiger Mensch, der etwas erreicht hat. Seine Felder haben gut getragen. Er schaut auf die Ernte und sieht, dass seine Scheunen nicht ausreichen, er muss investieren, neu bauen. Eine sicher gute Idee, denn Nahrungsmittel dürfen nicht verkommen, sie brauchen Schutz, damit sie für die Menschen nützlich sind.
Bis dahin gibt es wohl nichts auszusetzen am Verhalten des reichen Mannes. Viel anderes hätte er in diesem Moment nicht tun können. Ganz ähnlich hatte ja auch viele Jahrhunderte vorher Joseph gehandelt. Das war der, der die seltsamen Träume des Pharao gedeutet hat. Sie erinnern sich vielleicht. Der hatte von fetten Kühen geträumt, die von mageren Kühen aufgefressen wurde. Und von gut tragenden Ähren, die von Hungerähren aufgefressen wurden. Die fetten Jahre sollten dazu dienen, in den kommenden mageren Jahres einen Vorrat zu haben. Das Konzept ist aufgegangen, das Volk musste nicht hungern.
Gut also, wenn man Vorrat hat, um das äußere überleben zu sichern. Was ja auch der reiche Mann tut.
Doch das weitere Selbstgespräch des Mannes geht in eine andere Richtung. Er spricht nun zu seiner Seele. Er spricht zu seinem Innersten, dem Ort, wo der innere Lebenshalt seinen Ort hat. Und hier wird nun gesagt: Liebe Seele, du hast einen guten Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und haben guten Mut!
Närrisches Denken, närrisches Reden, das hier in diesem einen Satz des Gleichnisses zutage tritt. Der innere Halt des Lebens soll ruhen auf den wirtschaftlichen Erfolgen, so ruhen auf dem Erwirtschafteten. Die Ruhe der Seele wird abhängig gemacht davon, wie die äußeren Gegebenheiten des Lebens sind. Wirtschaftlicher Erfolg als Ruhekissen für den Menschen. Dieses Denken stellt Jesus mit seinem Gleichnis in Frage. Du Narr, sagt Jesus. Meinst du, dass du mit diesem wirtschaftlichen Erfolg etwas in der Hand hast, was dein Leben trägt? Meinst du das du damit etwas hast, was zu einem erfüllten Leben führt? Nichts davon kann dir wirklich Halt im Leben geben. Es wird alles zunichte. Denn es fehlt etwas in dem Leben und Denken dieses Menschen.
Ich denke es fehlt dreierlei:
Es fehlt der Blick über sich hinaus.
Es fehlt der Blick auf die Verantwortung, die aus dem Erfolg resultiert.
Es fehlt der Blick auf den, der den Erfolg ermöglicht.
Es fehlt der Blick über sich hinaus. Der reiche Mann hat in seinem Erfolg nur sich selber im Blick. Der Hinweis, dass man nicht weiß, wem alles gehören würde, wenn er denn stirbt zeigt, dass er ganz allein ist und darin wohl auch den Blick nur auf sich selber gerichtet hat. Das erwirtschaftet dient dem persönlichen Wohl, die Seele, das Ich soll darin Ruhe finden. Da haben andere Menschen keinen Platz.
Und das führt dann dazu, dass er die Verantwortung aus dem Blick verliert. Eigentum verpflichtet, heißt es in unserem Grundgesetz. Was Gott anvertraut, sei es nun im landwirtschaftlichen Ertrag oder bei den erwirtschafteten Gütern in anderen Bereichen, das ist nicht nur persönliches Eigentum, das hat immer auch mit den anderen zu tun, die mit mir und neben leben. Viele Geschichten des Alten und neuen Testamentes erzählen davon, dass ichbezogenes Denken letztlich zum Unheil führt, weil eben die anderen nicht mehr im Blick sind, sondern nur noch das eigene Leben.
Darum ist der Blick auf den so wichtig, der den Erfolg ermöglicht hat – auf Gott. Der reiche Mann geht mit seinem Ertrag so um, als sei dies allein sein Verdienst, als hätte er allein all das getan, was dazu führt, dass die Scheunen übervoll sind.
Dem Mann fehlt der Bezug zu Gott dem Schöpfer und Erhalter des Lebens. Jesus spricht vom reich sein bei Gott. Der größte Reichtum, den wir bei Gott haben können ist der Reichtum der Dankbarkeit gegenüber Gott. Denn die Dankbarkeit gegenüber Gott schafft ein Vertrauen, dass sich nicht gründet auf den eigenen Erfolg, sondern auf die lebendige Beziehung zu Gott. Denn Unruhe der Seele entsteht vor allem dort, wo diese Beziehung gefährdet ist, und nicht dort, wo der Erfolg nur gering ist oder gar ganz ausbleibt.
Wer dankbar leben kann, hat ein größeres Zutrauen ins Leben, der weiß um seine Begrenztheit, er weiß aber auch darum, dass er in dieser Begrenztheit getragen ist. Denn wir danken ja, weil wir unser Leben ihm ver-danken, weil wir von seiner Güte leben. Und weil Erntedankfest ist, wollen wir Gott unseren Dank gegenüber darbringen, das soll im zweiten Teil der Predigt geschehen.

Ich möchte nicht darüber reden, dass wir Danken sollen. Sondern ich möchte Gott danken in meinen Überlegungen, die ich nun weitergeben möchte. Ich möchte Danken und Anregungen zum persönlichen Dank geben. Und orientieren möchte ich mich an der Brotbitte des Vaterunser, die Martin Luther in seinem kleinen Katechismus so wunderbar ausgelegt hat.
Was heißt denn tägliches Brot? fragt Luther.
Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.
Wir leben in einer Gegend, die äußerst fruchtbares Land bietet. Alle landwirtschaftlichen Bemühungen auf den Felder und in den Gärten werden in der Regel von guten Erträgen belohnt. Gott meint es gut mit uns hier. Der Blick in andere Regionen unsres Landes reicht aus, um dies zu erkennen, der Blick in die Welt macht das noch auf andere Weise deutlich. Die globale Vernetzung macht es möglich, dass wir zu jeder Zeit alles haben können, meist mehr als wir wirklich verbrauchen können. Machen wir uns das doch einmal klar am heutigen Tag und danken Gott, dass er uns in solcher Weise leben lässt jeden Tag unseres Lebens.
Danke, Gott, dass wir nicht not leiden müssen, dass wir gesegnet sind mit gutem Land und reichlich Gütern, die wir zum Leben brauchen.
Kleider und Schuh zählt Luther auf. Wir haben es und wir haben es zu Preisen, die wir oftmals kaum nachvollziehen können. Da arbeiten Menschen für uns in den Armutsländern, leider oft genug unter schlechten Arbeitsbedingungen, mit wenig Lohn, damit auf den Kleiderständern der Kaufhäuser Top-Angebote hängen. Mir fällt das etwas schwer hierfür dankbar zu sein, dass ich so leben kann, dass die allermeisten von uns das nutzen können und damit sorglos leben. Aber ich möchte diese Dankbarkeit für die Menschen aufbringen, die diese Arbeit leisten, sie sollen so ein Teil unseres Lebens werden und auch unserer Verantwortung, damit wir alles dafür zu tun, dass sie nicht in Armut verharren und irgendwann dorthin flüchten müssen, wo sie mehr erhoffen, sondern dass sie dort wo sie leben und sich wohlfühlen ein gutes Auskommen haben.
Danke Gott, dass es Menschen gibt, die für mich arbeiten, die mir mein Leben erleichtern und verschönen. Hilf mir, diese Menschen nicht aus den Augen zu verlieren, auf dass auch deren Leben von Dankbarkeit erfüllt werde.

Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut,
Arbeitsplatz, Arbeitsmöglichkeit, ein gutes Einkommen, ein Dach über dem Kopf, Einrichtung und Luxusgüter. Vieles davon haben wir, die wir hier heute sitzen. Und wir haben ein Rentensystem, das im Alter die Menschen versorgt, wir haben soziale Sicherungssysteme, die Menschen am Rande Unterstützung bieten, um in unserem Lande nicht unterzugehen. Toll, dass wir das einrichten können. Es ist großartig, dass wir alle zusammen das schaffen und erhalten können und es ist gut, dass es selbstverständlich in unseren Köpfen ist, dass solche Sicherungssysteme notwendig sind. Diese zu erhalten ist ein Stück Dankbarkeit derer, die Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld und Gut haben. Darin wird das von Gott gewollte Miteinander und Füreinander sichtbar.
Danke Gott, dass wir gut leben können und dass du uns diese Hilfe für andere ermöglichst. So können wir friedvoll miteinander leben.
Zum dankbaren Leben gehört auch, dass wir die Menschen neben uns immer wieder einmal unter dieser Brille wahrnehmen. Natürlich weiß ich, dass wir Menschen uns das Leben auch manchmal schwer machen, aber es ist dennoch gut, dass sie an unserer Seite sind: die Partner, die uns lieben, die Kinder, die wir ins Leben begleiten dürfen, die Freunde, die das Leben erfüllter machen, die Nachbarn, die einem ein Gefühl des Aufgehobenseins, des Zuhausseins geben. Die Kollegen, die im Arbeitsleben Unterstützung und Hilfe geben. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich will ihm Menschen an die Seite stellen, so war schon das Grundanliegen der Schöpfung. Wie oft verlieren wir die Dankbarkeit für diese Menschen aus den Augen.
Darum, Gott, hab dank für alle Menschen, die mit mir zusammen sind und leben an den verschiedensten Orten, wo ich bin. Lass mich erkennen, wie hilfreich sie sind für mein Leben, für alles, was mir selber so wichtig ist. Und lass mich rücksichtvoll sein mit denen, die mir im Wege stehen, die mir das Leben schwer machen. Hilf uns, damit so umzugehen, dass wir einander in aller Verschiedenheit dennoch annehmen können.
Am Schluss seien noch fromme und treue Oberherren und die gute Regierung genannt. Luther lebte zu politisch anderen Zeiten, die wesentlich weniger demokratisch waren. Dennoch gehörte es für ihn dazu, dankbar zu sein dafür, dass es eine leitende Regierung gab. Wir haben in unserem Lande eine Demokratie und haben am vergangenen Sonntag unsere Regierung wählen dürfen. Je nach politischer Ausrichtung mögen wir das Ergebnis unterschiedlich beurteilen und annehmen. Doch mir kommt es darauf an, dass wir erkennen, dass wir in einem Land leben, in dem wir nicht gegängelt werden, in dem wir zwei Diktaturen überwunden haben und dadurch ein zutiefst freiheitliches und demokratisches Denken in uns tragen. Unser Land lebt seit zwanzig Jahren nicht mehr mit einer menschenunwürdigen Trennung, auch wenn das Zusammenwachsen nicht immer einfach war und ist. Aber für diese Lebenssituation können wir dankbar sein. Die innere Freiheit des Glaubens, hat sein Gegenüber in der äußeren Freiheit des Denkens und der Kontrolle von Regierungen durch das demokratische System. Das ist bei uns möglich.
Auch dafür danken wir dir Gott, der du uns in der Freiheit des Denkens Raum gibst, weil du die Freiheit der Menschen suchst und willst. Wir sind gebunden an dich, doch du machst uns frei, um in allem deine Menschenfreundlichkeit sichtbar werden zu lassen. Schenke uns deinen Geist, dass uns dies immer wieder gelingt.
Man kann all das, was ich eben benannt habe, auch sehr kritisch sehen. Ich könnte jetzt hier die schwierigen Seiten dieser Lebensbereiche aufzeigen und heftig diskutieren und ihnen und mir so manches eindringliche dazu sagen. Aber das soll heute nicht dran sein.
Wir wollen heute dankbar sein, dankbar für unser Leben, wie wir es hier führen können. Amen
Und der Friede Gottes …
 

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 508,1-4
Psalm 104 mit Liedruf
Eingangsliturgie
Gebet
Gütiger Gott, barmherziger Vater!
Du tust deine milde Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen. Wir danken dir, dass du uns so am Leben erhältst, dass wir aus deiner Hand so viel gutes erfahren. Öffne unser Herzen und unseren Verstand für all das und lass uns daraus leben, mit getroster Seele in der Verantwortung für die Menschen. Das bitten wir durch Jesus Christus …
Lesung
Glaubensbekenntnis
Lied 322,1-5
Predigt
Lied 227,1-5
Abendmahl
Gott, du Schöpfer allen Lebens. In der Vielfalt des Leben können wir deine Größe und deine Macht erkennen, wir schauen in der Natur das Wunder deiner Taten. Darum loben und preisen wir dich mit allen, die vor uns geglaubt haben und die heute mit uns dir vertrauen.
Großer Gott wir loben dich.
331,1+2
Herr Jesus Christus, du Geschenk Gottes an uns Menschen. An dir können wir lernen, was es heißt, dankbar gegen Gott zu sein und daraus den Menschen entgegen zu treten. So danken wir dir für alles, was du uns getan hast, vor allem was du uns hinterlassen hast, am Tage vor deinem Tod.
Einsetzungsworte
So erfülle uns mit deiner Kraft, schenke uns deinen Geist, auf dass wir dankbar leben können. Stärke in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe.
Vaterunser - Austeilung
Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gott wir vertrauen auf dich, denn wir wissen: du bist stark und mächtig. So danken wir dir für alles, was du an uns tust in unserem Leben.
Wir danken dir für die Unterbrechungen des Lebens, für die freudigen und die schwierigen. Denn darin lässt du uns innehalten, um unserem Leben neue Richtung zu geben auf das Ziel hin, das du bist. Danke für deine Weisung.
Wir danken dir für alles, was in unserem Leben schön ist und bereichernd, für alles, was wir selber tun können, für alles, was andere für uns tun. Und wir danken dir für alles, was schief gelaufen ist, wo wir an Grenzen kamen, wo wir auf dich geworfen waren. Gut zu wissen, dass du da bist, mit deiner Liebe und Fürsorge, mit deinem Halt für unser Leben. Danke, guter Gott.
Wir danken dir für alle Menschen, die sich einsetzen für andere, die dankbar sind für das, was sie haben und dies andere spüren lassen. Erfülle sie mit guten Gefühlen, segne ihre guten Taten und lass dich sehen darin, auf dass viele Menschen erkennen: du bist ein Gott für uns. Danke dass du da bist.
Segen
163

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe

4.10. 2009

Liturgischer
Ablauf
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