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Lk 11, 5-13

Ich hatte es schon gesagt, der heutige Sonntag tragt den Namen Rogate: betet/ bittet. Und wir sind dieser Aufforderung Ja auch schon im Laufe dieses Gottesdienstes in vielfältiger Form nachgekommen: wir haben den Tagespsalm gebetet, in den Lieder, die ja auch Gebete sind, Gott gelobt, haben im Kyriegebet Gott angerufen und im Glaubensbekenntnis unseren Glauben öffentlich gemacht, auch das ist eine Form von Anrufung Gottes. Und nach der Predigt werden wir noch das Fürbittengebet sprechen.
Nun könnte man fragen, ob wir dann eine solche Aufförderung überhaupt brauchen: betet/bittet, wir beten und bitten doch an jedem Sonntag im Gottesdienst. Das gemeinsame Gebet ist doch neben Wort und Sakrament das eigentlich prägende eines Gottesdienstes.
Das ist sicherlich richtig. Eigentlich brauchten wir für den sonntäglichen Gottesdienst eine solche Aufforderung nicht. Das Gebet ist im Gottesdienst eine Selbstverständlichkeit. Aber nun hört unser Gottesdienst ja nicht; am Sonntagmorgen um 10.15 / 11.15 Uhr auf. Er geht vielmehr weiter in unserem Alltag, als Gottesdienst im Alltag der Welt., wie es Paulus einmal ausgedrückt hat.
Wie sieht es denn da aus mit, der Selbstverständlichkeit des Gebetes? Können wir da auch von uns sagen, dass wir die Aufforderung betet/bittet nicht brauchen? Ist uns auch
dort das Gebet geläufig? Die Erfahrung zeigt doch, dass es eben auch unter Christen nicht so ist, dass das Beten selbstverständlich ist. Und das liegt nicht nur daran, dass Menschen, die Gott leugnen, das Gebet als reines menschliches Selbstgespräch abtun, als Mittel sich menschlicher Verantwortung zu entziehen.
Viel schwerer aber als diese Einwände wiegt doch dass so viele Menschen sagen: unser beten nützt doch nichts. Gott, erhört unsere Gebete nicht. Das sagen ja viele Menschen.
Und damit sprechen diese Menschen Erfahrungen an, die wir alle schon einmal gemacht haben: wie viele Gebete haben wir schon gesprochen, ohne dass eingetroffen ist, worum wir gebeten haben. Um Verschonung vor Krankheit, um Heilung von Krankheit, m einen Neuanfang in der Ehe. Um Trost in
Verzweifelung und was ich noch alles aufzählen konnte. Doch es hat sich nichts geändert. Die Krankheit kam, es gab keine Veränderung, keine Heilung. Die Ehe ist auseinander gebrochen, der Trost ist ausgeblieben, die Welt hat sich nicht verändert. Und das heißt doch: Gott; hat die Gebete nicht gehört. unser Leid hat ihn nicht berührt. Wozu also beten.
Aber auf der anderen Seite stehen da aber auch die oft so
fremde Erfahrungen geben über. Da sind Menschen, die ganz offen davon sprechen, dass das Gebet ihnen Hilfe gegeben hat, dass Menschen durch das Gebet gesund geworden sind, dass sie wieder zueinander gefunden haben durch gemeinsames Gebet, dass ihr Leben wieder eine neue Ausrichtung erhalten hat.
Ich persönlich habe immer so meine Probleme mit solchen Äußerungen, möchte sie aber nicht klein reden. Ich glaube schon, dass etwas ganz wichtiges für die Menschen dahinter steckt.
Allerdings erlebe wir viel häufiger, dass die Worte des 13. Psalmes Menschen auf den Lippen liegen: Herr. wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir: Schaue doch und erhöre mich, Herr, mein Gott. Diese drängende Klage des Beters der verzweifelt darauf schaut, dass er doch nach vielen Gebeten endlich von Gott erhört wird, ist eine Klage, die auch viele Christen mitsprechen können. Denn das macht unser Beten und unser Glauben doch so schwer, dass wir so viele Gebete nicht erhört und erfüllt sehen.
Führen wir uns aber an dieser Stelle nun noch einmal vor Augen, was Jesus seinen Jüngern über das Beten sagt, so fällt auf, dass Jesus selber sich gar nicht auf lange auf Erklärungen zum Gebet einlässt. Es wird nicht darüber diskutiert, warum Gott Gebete erhört oder warum nicht.
Mit eindringlichen Bildern ruft Jesus seine Jünger einfach auf;
bittet, es wird euch gegeben. Er ist völlig davon überzeugt, wo Gott angerufen wird, da werden diese Gebete nicht im leeren Raum verhallen.|
Und er macht das deutlich an einem ganz menschlichen Beispiel. Schon in einer menschlichen Freundschaftsbeziehung können wir es doch immer wieder beobachten: Hilfe wird gewährt. Der gebetene Freund hätte zwar gute Argumente die Hilfe abzulehnen – das Haus ist bereits verriegelt, er würde die ganze Familie wecken und das bedeutet, das keiner mehr schlafen kann und es viel Unruhe gibt und am nächsten Tag ist man müde und schlechter Laune - aber die Freundschaft und auch sein guter Ruf und die eindringliche Bitte zwingen ihn gleichsam dazu, dem Freund die Bitte zu erfüllen.
Und noch mehr im familiären Bereich: Wer gibt seinem Sohn, der einen Fisch haben möchte, schon etwas in die Hand, das sich als Schlange entpuppt, oder wenn er um ein Ei bittet, etwas, dass zwar aussehen kann wie ein Ei, aber sich dann als ein gefährlicher Skorpion herausstellt. Kein Vater und keine Mutter tun so etwas, und seien sie auch sonst noch so schlechte Menschen. Niemand wird seinem Kind wirklich unnützes oder gar schädliches geben. Wenn wir schon im menschlichen Bereich so, miteinander umgehen, aus welchem Gründe sollte dann der Vater im Himmel anders an uns handeln. Gott, den wir doch als unseren Vater ansprechen, gibt uns, was wir brauchen, davon ist Jesus überzeugt. Aus dieser Überzeugung, hat er auch sein ganzes Leben gelebt.
Jesus sagt dies nicht nur einfach so wie wir, wenn wir Menschen zum Beten ermutigen wollen. Hinter seinen Worten steht sein eigenes Leben, das von dem absoluten Vertrauen geprägt war: Gott ist da und hört. Das ging hin bis zu dem berühmten Gebet im Garten Getsemane, wo er – seinen Weg schon vorausahnend – vor Gott trat, mit all seiner Angst, vor dem was kommen wird. Er hat dort, wie es wohl jeder von uns getan hätte, den Vater Angerufen: Vater, wenn’s möglich ist,
gehe dieser Kelch an mir vorüber.
Auch Jesus suchte einen Ausweg aus seiner Situation. Er wäre diesen Weg am liebsten nicht gegangen. Doch er blieb nicht bei diesem Wunsch stehen, nicht das Ausweichen vor diesem Weg stand im Vordergrund; denn es heißt weiter; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Jesus hat mit seinem Gegenüber im Gebet vollends Ernst gemacht. Er hat seine ganze menschliche Sorge und Not offen vor Gott ausgesprochen und sie ihm in die Hände gelegt. Aber eben nicht so, dass diese Hände dann seine Angst einfach weglegen oder beiseite schieben, und von dieser Angst befreien , sondern so, dass in aller Angst und Sorge Gottes Handeln und sein Wille an erster Stelle stehen. Und das bedeutete für Jesus, dass er auch den Weg ins Leiden, und Sterben aus Gottes Hand entgegen nehmen konnte. im Vertrauen darauf. ; dass er diesen Weg nicht alleine gehen wird.
Gegen unsere Fragen und Hindernisse spricht uns Jesus aus voller Überzeugung zu; bittet, so wird euch gegeben. Wer bittet, der empfängt. Jesus ruft uns zum inständigen Bitten auf, er ruft uns auch auf in alltäglichen Dingen Gott anzurufen, Aber in all dem macht uns, Jesus durch seine eigenes Leben und Beten auch deutlich, dass wir in unseren Gebeten nicht Gabe und Geber verwechseln dürfen. Wir erhoffen uns von unseren Gebeten Erfüllung. Wir suchen dann in unserem Leben danach ob eingetroffen ist, worum wir gebeten haben. Wir fixieren uns völlig darauf und vergessen ganz, dass unser eigentliches Hoffen auf Gott selber gerichtet sein soll. Nicht wie ich will, sondern wie du willst, so hat Jesus in Gethsemene gebetet. Dein Wille geschehe, so heißt es im Vaterunser.
Luther schreibt dazu: Gottes guter, gnädiger Wille geschieht auch ohne unser Gebet; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns geschehe.
Nicht unsere menschlichen Wünsche; so ernsthaft und dringend sie auch sein mögen sind Zielpunkt unseres Lebens und unseres Glaubens, sondern doch letztlich Gott, sein Wille
und sein Handeln an und mit uns. Nicht die Gaben, sondern der Geber ist letztlich ZieIpunkt unserer Gebete.
Das können wir an vielen Psalmen lernen. Nach eindringlicher Klage und Bitte, steht am Ende oftmals der Lobpreis Gottes, in dem der Beter sich ganz in die Hand Gottes gibt und darum zum Ausdruck bringt, was du willst Gott, das ist das, was ich annehmen und tragen will.
Und das macht uns auch das Vaterunser deutlich wenn wir in den ersten drei Bitten Gott in den Mittelpunkt stellen, um ihn darin wahrhaft Gott sein zu lassen. Darin liegt letztlich die Tiefe unseres Glaubens und die Tiefe des Gebetes. Gott wirklich Gott sein zu lassen. Jesus ermutigt uns, diesem Gott vertrauensvoll gegenüber zu treten, ihn anzurufen und ihm unser ganzes Leben anzuvertrauen. Er steht mit seinem Leben und Sterben dafür ein, dass wir wirklich mit Gott rechnen können, wie bei einem guten Freund, der uns die Tür öffnet, auch wenn es eigentlich nicht passt. Wir können mit Gottes Handeln in unserem Leben rechnen, wenn auch nicht immer so, wie wir es uns vorstellen.
Schenke Gott uns durch seinen Heiligen Geist das Vertrauen, dass wir am Ende aller Bitten mit Jesus sprechen: aber nicht wie ich will, sondern wie du willst. So können wir vertrauensvoll empfangen, was Gott uns schenkt. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 503, 1-4+8
Psalm 95, 1-7b
Eingangsliturgie
Gott, unser Herr, du willst unsere Klage hören und helfen, darum rufen wir dich an: Kyrie eleison. (178.9)
Gemeinde: Kyrie eleison.
Gott, du Schöpfer der Erde und Hüter des Lebens, was du geschaffen hast, ist durch uns Menschen immer wieder bedroht: Breite deinen Schutz aus über das Werk deiner Hände, gebiete der Zerstörung Einhalt und erhalte deinen Geschöpfen ihren Lebensort. Gemeinsam rufen wir zu dir:
Gemeinde: Kyrie eleison.
Gott, du Hort des Friedens und Hoffnung der Völker, so viele Menschen leiden unter Streit und Gewalt und Terror: Breite deinen Frieden aus über alle Menschen, versöhne die Völker und führe sie zusammen durch Christus, in dem wir Frieden haben. Darum rufen wir zu dir: Kyrie eleison.
Gemeinde: Kyrie eleison.
Gott, du Trost in der Trauer und Zuflucht in der Angst, lass uns nicht versinken in dem, was uns bedrückt. Sei du unser Halt. Stärke unser Vertrauen zu dir. Gib uns neuen Mut, deine Zukunft zu erwarten, und lass die Gemeinschaft unter uns wachsen, die Geborgenheit schenkt. Darum rufen wir zu dir: Kyrie eleison.
Gemeinde: Kyrie eleison.
Erbarmender Gott,
du hast uns verheißen, dass du uns geben willst, was wir im Namen deines Sohnes erbitten. Stärke unser Vertrauen, dass wir alle Hilfe von dir erwarten.
Darum wollen wir dich loben und dir allein die Ehre geben.
(Nach: Evangelisches Gottesdienstbuch – Ergänzungsband – S. 41)
Lied: 179
Gebet
Du, Gott, hörst uns, wenn wir zu dir sprechen. Unseren lauten und leisen Worten schenkst du Gehör. Dein Ohr und Herz verschließt du nicht vor unseren Sorgen. Was uns bedrückt und krümmt, dürfen wir vor dich bringen, genauso wie all unsere Freude und unseren Dank. Alle unsere Gedanken dürfen wir dir anvertrauen. Du, Gott, bist offen für uns. Du bist uns nahe. Dafür gilt dir unser Lob in Ewigkeit. Amen.
Lesung
Lied 501, 1-4
Lesung
Glaubensbekenntnis
Lied: 322, 1-5
Predigt
Lied 288, 1,2,4-6
Abkündigungen
Fürbittengebet
Lasst uns beten
für unsere Mitmenschen,
für alle, die unserer Sorge anvertraut sind,
für die Familie, die uns gegeben ist,
für alle, die uns nahe stehen,
für alle, mit denen wir täglich zu tun haben.
Lasst uns zum Herrn beten:
Erbarme dich, Gott.
Lasst uns beten
um eine lebensfähige und menschliche Gesellschaft,
um wechselseitiges Vertrauen und Solidarität
überall, wo Menschen zusammen leben und arbeiten,
um Ehrlichkeit im Geschäftsleben,
um gute Arbeitsbedingungen und um gerechten Lohn.
Lasst uns zum Herrn beten:
Erbarme dich, Gott.
Lasst uns beten
um den Geist der Ehrfurcht, des Taktes und der Liebe
in Krankenhäusern und Altersheimen,
um Offenheit und Verständnis für die Menschen, die anders sind als wir, dass sie einen Platz in unserer Mitte finden.
Lasst uns zum Herrn beten: Erbarme dich, Gott.
Lasst uns beten
für die Unglücklichen, für alle, die uns nicht ins Bild passen,
dass sie nicht ausgestoßen oder vernachlässigt werden,
und für alle, mit denen das Zusammenleben schwierig ist,
dass sie Geduld und Toleranz erfahren.
Lasst uns zum Herrn beten: Erbarme dich, Gott.
Lasst uns beten
für die Menschen, die Macht haben in dieser Welt,
und für alle, die berufen oder gewählt wurden,
um zu regieren und zu verwalten,
dass sie das Leben sichern,
der Gewalt nicht weichen
und dem Missbrauch der Macht nicht nachgeben,
sondern sich einsetzen für Recht und Gerechtigkeit.
Lasst uns zum Herrn beten: Erbarme dich, Gott.
Lasst uns beten
für alle, die an das Evangelium glauben, wo immer sie leben,
dass sie in der Liebe zu Gott und den Menschen wachsen,
für alle Gemeinden, dass sie nicht selbst genügsam werden,
sondern in Zeugnis und Dienst an der Welt
dem Ruf ihres Herrn folgen,
dass sie seinen Geist empfangen.
Lasst uns zum Herrn beten: Erbarme dich, Gott.
Barmherziger Gott, wir bitten dich durch Jesus Christus,
deinen Sohn, mit dessen wir Worten wir sprechen:

(aus: Ev. Gottesdienstbuch - S. 565f)
Vaterunser
Segen
163
 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

1. 5. 2005

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