| Predigt |
NT |
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25 Jahre Altenkreis in Gustedt, das ist wahrhaft ein schöner Anlaß miteinander einen schönen Nachmittag zu feiern. Seit 25 Jahren treffen sich ungefähr einmal im Monat die älteren Mitbürger des Dorfes im Gemeinderaum in Gustedt, um miteinander zu essen und zu trinken, um miteinander zu reden, um Vorträge zu hören, Fahrten zu machen, um etwas zu erfahren von Land und Leuten und das, was wichtig ist fürs Leben. Ich finde es wunderbar, dass dies seit 25 Jahren möglich ist und dass ihr Kreis sich so lange gehalten hat und in ihm immer wieder eine gute Stimmung herrscht. Als ich darüber nachgedacht habe, welchen biblischen Text ich in diesem Gottesdienst zum Altenkreisjubiläum auslegen möchte, da viel mir eine sehr schnell die vorhin gehörte Geschichte von Maria und Marta ein. Es ist eine der wichtigsten Frauengeschichten in der Bibel, und auch wenn der Altenkreis in Gustedt einige Männer hat, was ich besonders hervorheben möchte, da es eine Seltenheit ist, so ist es doch keine Geschichte, die nur für Frauen ist, sondern uns alle angeht. Die Stichworte, die in der Geschichte fallen, gehören und passen zur Arbeit des Altenkreises in Gustedt. Es geht um aufnehmen, ums hören, ums dienen und um Auseinandersetzung. All das geschieht hier in Gustedt in dem sehr lebendigen Altenkreis. Schauen wir also hin, was uns erzählt wird. Zunächst einmal hören wir davon, dass Jesus unterwegs war und in ein Dorf kam. In diesem Dorf nahm ihn irgendeine Frau auf. Näheres wird nicht berichtet, genauso wenig wie uns von den Jüngern berichtet wird, die ihn ja wohl begleitet haben. Dies scheint aber nicht so wichtig. Wichtig ist die Begegnung Jesu mit den beiden Frauen. Marta nahm ihn auf. Nun muß man wissen, dass in Israel, wie überhaupt im orientalischen Bereich die Gastfreundschaft an erster Stelle stand. Die Versorgung des Gastes hatte oberste Priorität, hier galt es alles aufzubieten, was nur möglich war, um dem Gast in seiner Gastrolle auch zu entsprechen. Marta tut dies. Große Hektik und Aufregung war im Haus. Marta hatte alle Hände voll zu tun, so heißt es. Sie kennen das alle, wenn Gäste kommen, vor allem wenn es unerwartete Gäste sind, dann ist man erst einmal hektisch damit beschäftigt, dem Gast gerecht zu werden. Kaffee kochen, Essen bereitstellen, Wohnstube herrichten und was nicht noch alles getan werden muß. Äußere Geschäftigkeit bestimmt das Handeln. Die Schwester, die im Hause ist, sieht das ganz anders. Sie setzt sich dem Lehrer Jesus zu Füßen und hört, was er zu sagen hat. Das ist für orientalische Ohren schon etwas sehr ungewöhnliches, da ein Lehrer keine Frauen lehrte in damaliger Zeit. Und dann ließ sie ja ihre Schwester auch allein wirtschaften, die sich natürlich beschwert. Jesus wisse doch um die Gepflogenheiten des Umganges mit Gästen und so müsse er ihr doch zustimmen darin, dass auch die Schwester ihren Teil dazu beitragen müsse, den Gast zu bewirten, so beschwert sich Marta. Jesus aber steht dem entgegen. Wohl liegt in seinen Worten die Anerkennung, dass sie sich sehr sorgt und müht und damit auch viel Arbeit hat, aber er macht deutlich, dass alles seine Zeit hat, und im Augenblick die Maria das Richtigere getan hat. Da es in unserer Geschichte nicht um ein Beispiel der Tätigkeit angesichts eines Besuches geht, gilt es die Geschichte noch einmal ganz anders zu betrachten. Hier geht es nicht um die Auseinandersetzung zwischen Hausarbeit und Freizeit, sondern hier geht es um unser Leben im Gegenüber zu Gott. Darum sind Maria und Marta nicht zwei Personen, sondern die zwei Seiten in uns allen, in den Frauen genauso wie in uns Männern. Marta steht für die äußere Geschäftigkeit, für die Erfüllung der äußerlichen Gepflogenheiten. Es heißt in der Geschichte, sie nimmt Jesus auf. Und scheinbar steht Jesus auch im Mittelpunkt ihres Handeln, denn sie will ihn in voller orientalischer Gastfreundlichkeit bewirten. Doch im Grunde ist sie nur mit sich selber und der Sorge der Gestaltung beschäftigt. Sie nimmt Jesus auf, das heißt doch so viel wie, sie läßt Jesus in ihr Leben ein. Sie läßt sich ansprechen, will mit Jesus leben, will mit dem leben, was sie von ihm erfahren hat. Aktivität bedeutet es für die Martaseite des gläubigen Menschen. Eine Geschichte vor der Marta und Mariageschichte steht die Erzählung vom Barmherzigen Samariter. In ihm wird ja gesagt, wir sollen tätig sein, unsere Liebe soll den Menschen dienen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Gehe hin und tue desgleichen. Man könnte fast den Eindruck haben, als ob Marta dies gehört hat. Tätig sein, nicht herumsitzen, sondern etwas tun, das stand für sie im Vordergrund. Aber hat sie damit wirklich Jesus bei sich aufgenommen? Hat sie damit ihren Gast wirklich wahrgenommen und bei sich ankommen lassen? Mir geht es oft so, dass ich Menschen begegne, die vom Glauben reden und oft nichts anderes meinen, als dass wir anständige Menschen sind, die anderen nichts zu leide tun und die anderen, oft bekannten Menschen hilfreich begegnen. Und eine Spende zu Weihnachten für die Armen liegt sicher auch noch drin. Und darin erschöpft sich dann das, was Glaube an Gott ausmacht. Darin spiegelt sich für mich die Martaseite des Lebens wider. Die Geschäftigkeit des Alltages, das Eingebundensein in die Notwendigkeiten dieses Alltages läßt keinen Raum für Gott, für Christus. Nächstenliebe das kennen wir, aber was dieser Jesus uns sonst noch zu sagen hat, das geht unter in der Geschäftigkeit des Lebens. Die Kritik, die in der Geschichte laut wird, ist die Kritik daran, dass Menschen es verlernt haben, darauf zu schauen, dass Gott in ihr Leben tritt. Und wo Gott ins Leben tritt, geht es nicht immer gleich um Geschäftigkeit, sondern um das Hören, um das Aufnehmen, um das Wahrnehmen dessen, der das Sagen über mein Leben hat. Maria, so heißt es, setzt sich dem HERRN zu Füßen. Sie setzt sich nicht einfach Jesus zu Füßen und läßt ihre Schwester in der Küche schuften, sondern hier wird sehr deutlich markiert, dass Maria wahrnimmt, dass hier Gottesbegegnung geschieht. Der Herr, der von dem ich etwas für mein Leben erwarte, sitzt ihr gegenüber, tritt in ihr Haus, tritt in ihr Leben und sie setzt sich dem nun aus. Aber eben nicht so, dass sie in fromme oder soziale Aktivität verfällt, sondern so, dass sie dem Hören Raum gibt, dass sie versucht wahrzunehmen, was dieser Herr ihr zu sagen hat. Nicht das eigene Tun, nicht die eigenen Gedanken stehen im Vordergrund, sondern das Gegenüber, das in ihr Leben getreten ist, ist das wichtige. In der Geschichte wird es von Jesus sogar als das Bessere benannt. Wobei wir das nicht so verstehen dürfen, als ob das Handeln der Marta schlechter sei, sondern so dass das Handeln der Maria in diesem Moment einfach angemessener ist. Jesus ist in ihr Leben getreten, da tritt alles andere hinter zurück. Maria und Marta das sind die beiden wichtigen Seiten unseres christlichen Lebens. Sie gehören beide zusammen, keine von beiden darf in unserem Leben fehlen. Dass Maria in der Geschichte besser wegkommt, das darf nicht dazu führen, diese Seite als die absolut bessere zu sehen. Das wäre ein fatales Mißverständnis. Man muß dies im gesamten Zusammenhang des von Jesus Gesagten sehen und darf es nicht isolieren. Gerade weil eine Geschichte vorher vom Barmherzigen Samariter gesprochen und das tätige Christentum herausgestellt wurde, dann das Hören betont wird und eine Geschichte weiter vom Gebet die Rede ist, nämlich vom Vaterunser, wird dies sehr deutlich: man darf Marias Haltung nicht verabsolutieren, aber eben auch nicht vernachlässigen. Wer nur eine Marta ist, der verzehrt sein Leben darin, es aus sich selbst heraus vor Gott gut und richtig machen zu wollen und er verliert aus den Augen, dass die Bedeutsamkeit des Lebens immer ein Geschenk Gottes ist, von ihm her gegeben wird, und nicht von uns erwirkt wird. Wer nur eine Maria ist, der verbringt sein Leben auf Dauer auch nur bei sich selber, und vergißt, dass zum Leben unter Gottes Wort auch das Tun und der Dienst für den Nächsten, für die Gemeinschaft dazugehört. Beide Seiten gehören zu unserem Leben dazu, im Leben der Männer und der Frauen. Für mich ist die Arbeit des Altenkreises der Versuch, beide Seiten lebendig werden zu lassen. Da geht es auf der einen Seite um das Leben in einer geistlichen Gemeinschaft. Sei es in einer Andacht zu Beginn des gemeinsamen Nachmittages, sei es in der Information, die ich immer wieder einmal weitergebe, oder sei es im Gespräch mit der Nachbarin und dem Nachbar an meiner Seite, überall wird die Mariaseite unseres Lebens angesprochen. Hörende sollen wir sein, solche, die ansprechen und weiterbringen lassen. Und auch das ist wichtig, dass wir über das Gehörte ins Gespräch kommen, nicht nur stumm Dasitzende sind, wie es vielleicht in der Geschichte von Maria den Anschein haben mag. Nein das Gespräch, das Fragen und Bedenken, hat eine ganz wichtige Funktion, weil es das Hören vertieft, weil es die Gedanken erweitert, weil es das Angesprochensein lebendiger macht. Sich Zeit nehmen für Gott, für Jesus, für den Nächsten, sich Zeit nehmen für lebensfördernde Gedanken, das Gespräch in der Gemeinschaft suchen, das ist ein wichtiger Bereich des menschlichen Lebens. Genauso gehört aber auch dazu, dass wir unsere Verantwortung für andere wahrnehmen, dass wir den Dienst für andere nicht vergessen. DA sind dann die fleißigen Helferinnen zu nennen, die den Altenkreis vorbereiten und sich immer sehr viel Mühe geben, einen ansprechenden Nachmittag zu organisieren. Aber ich denke, das Tätigkeitsein füreinander geschieht im Seniorenkreis auch in den Gesprächen. Man hört voneinander, und gibt einander, was noch möglich ist. Die jungen Alten haben viele Möglichkeiten zur Hilfe für den anderen, zum Tätigsein für den, der etwas nicht mehr kann. Hilfe brauchen wir immer wieder einmal. Und manchmal gehört zur Martaseite des Lebens vielleicht auch, dass wir durch finanzielle Unterstützung Hilfe anbieten. Maria und Marta, sie stellen zwei Seiten unseres persönlichen Glaubenslebens vor Augen, sie stellen aber auch die verschiedenen Seiten der Zusammenkunft unserer Senioren vor Augen. Sie Zeigen uns dass menschliche, dass christliche Gemeinschaft vielseitig ist, aber in allem immer geprägt ist davon, dass wir von Gott und mit Gott leben, dass wir von Menschen leben und mit ihnen. Der Seniorenkreis ist ein wichtiger Treffpunkt des Miteinanders hier in Gustedt. Möge Gott diese Arbeit segnen, mögen wir dankbar annehmen, was er uns an Möglichkeiten schenkt. Mögen wir in seinem Geiste füreinander da sein. Als Junge für die Alten, als Alte für Jungen. Amen. Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel Wir bitten dich für die Frauen und Männer unseres Altenkreises Gustedt und aller Kreise, die sich um ältere Menschen bemühen. Geleite sie in ihren Zusammenkünften, laß dort deine Gegenwart spürbar sein. Gib den Helfern Kraft und Geduld ihre Aufgaben in unserer Gemeinde fruchtbringend wahrzunehmen. Schenke den Teilnehmenden freudige und getroste Herzen, die annehmen können, was andere vorbereitet haben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich für alle unsere Gemeinschaften, dass wir in ihnen hilfreich wirken können, dass menschliche Gemeinschaft auch deine Nähe spürbar sein läßt. Hilf dabei Gegensätze zu überwinden, hilf uns unterschiedliches anzunehmen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich, laß uns Hörer deines Wortes sein, laß es in uns wirken, laß uns offen sein dafür. Und gib uns die Kraft und den Mut, auch Täter deines Wortes zu sein, auf das die Welt sehe, dass dein Wort verändert. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir wollen an dieser Stelle all derer Gedenken, die in den vergangenen 25 Jahren den Altenkreis besucht haben, die aber gesundheitlichen Gründen oder weil sie bereits verstorben sind, diesen Tag nicht erleben können. Für den heutigen Tag bitten wir dich um deinen Segen, laß gelingen, was wir uns vorgenommen haben, laß uns dankbar annehmen, was andere uns zukommen lassen wollen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Vaterunser |
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