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Lk 10, 25 - 37

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Sohn Jesus Christus. Amen.
Entschuldigung? Können sie mir sagen, wo ich ein glückliches und erfülltes Leben bekommen kann?? Können sie mir ein Rezept geben, mit dem ich mir Glück zusammenbrodeln kann?
Fragen, die wahrscheinlich noch nie jemand von ihnen so gestellt hat. Und wen sollten wir auch fragen? Die Fleischverkäuferin im Supermarkt wird uns wohl kein Glück verkaufen und der Sterne-Koch gibt uns auch kein Rezept für Glückseligkeit.
Aber, liebe Gemeinde, stellen sie sich diese Fragen nicht selber? Wie kann ich ein glückliches Leben führen? Ein glückliches Leben, in dem ich selbst von keiner schweren Krankheit betroffen bin und meine Kinder und Enkelkinder in einer intakten Familie aufwachsen können. Intakte Familien, so wie sie sie noch aus den Zeiten der 50er, 60er Jahre kennen, werden seltener. Immer häufiger werden Scheidungen vorgenommen und Ehestreitigkeiten auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.
Diese Geschichten und Bilder können wir täglich in den Talkshows im Fernsehen sehen. Da berichtet das 14jährige Mädchen von den Streitigkeiten zu Hause.
Der Vater ist arbeitslos geworden und die Mutter findet keinen Job. Beide sind deprimiert und streiten sich ständig. Der Vater greift immer häufiger zur Flasche. Und, so erzählt sie vielleicht weiter, wenn er abends aus der Kneipe kommt und betrunken ist, dann kann es schon einmal vorkommen, dass es Prügel setzt. Bilder, die wir täglich sehen können.
Die Antwort auf unsere Frage finden wir in den Talkshows allerdings nicht. Das Elend wird angeschaut und begafft, der Vater wird ausgebuht und das Publikum grölt im Chor, dass das Jugendamt einschreiten muss.
Irgendwann ist es dann zu spät, das Mädchen verlässt das Elternhaus und kommt in ein Heim. Ich könnte mir vorstellen, dass auch die Vorwürfe, die sich die Eltern gegenseitig machen, kein gutes Fundament sind, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen um die alten Gemeinsamkeiten zu suchen und das Leben wieder zu ordnen. Die Familie ist zerbrochen, an Herzlosigkeit, Unerfülltheit und unglücklichem Leben.
Regelmäßig hören wir noch schlimmere Familiendramen in den Nachrichten: "Familienvater erschießt erst seine Kinder, dann seine Frau und beendet am Ende sein eigenes Leben." Grausame Welt! Und überall wird nur gefragt wieso, wie kam es dazu.
Ich glaube, dass es angesichts solcher Schicksale manchmal besser wäre, sich die Frage nach einem glücklichen Leben wieder häufiger zu stellen. Wie kann ich ein erfülltes Leben führen? Das ist die Frage, die sie bewegt und die uns bewegen soll. Die Beantwortung fällt uns dabei nicht leicht. Sie können mir wahrscheinlich zustimmen, wenn ich sage, dass alle Versuche gescheitert sind das Leben durch Geld, Beruf oder ähnliches zu erfüllen. Sicherlich konnten kurze Glückmomente erfahren werden. Ich glaube jedoch nicht, das diese das Leben auf Dauer erfüllen können. Auch Jesus wird mit dieser Frage konfrontiert. Mit der Frage nach einer dauerhaften Erfüllung des Lebens:
"Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?" Ewiges Leben meint in diesem Zusammenhang wohl nichts anderes als das eben beschriebene glückselige Leben. Ein erfülltes Leben, das mich in keine Verzweiflungstaten stürzt, und in dem ich nicht auf die angebliche Hilfe einer anonymen Publikumsgesellschaft angewiesen bin.
Ein Leben, in dem ich froh sein kann und lachen kann. Erfülltes Leben aber auch, das mich zu Gott führt. Erfülltes Leben heißt nicht, dass es nicht auch durchwachsenes Leben mit Höhen und Tiefen sein kann, in denen Gott mir aber immer wieder Halt gibt. Ein Schicksalsschlag trifft dann vielleicht nicht mehr so hart, weil ich mich aufgehoben weiß in Gott.
Vielleicht hätte das Gebet dem Familienvater, der abends betrunken nach Hause kam, besser geholfen als Korn und Bier in der Kneipe. Vielleicht wäre er nicht durch den Alkohol geschwächt worden und hätte seine Aggressivität kontrollieren können, wenn nur jemand für ihn da gewesen wäre. Er fand aber niemanden, der ihm zuhörte, fühlte sich allein und hilflos. Die Hilflosigkeit verwandelte seine Selbstzweifel in blinde Wut, die seine Tochter abbekam. Der verzweifelte Versuch noch einmal Stärke demonstrieren zu können riss ihn immer tiefer in die Selbstaufgabe. Ein Freund hätte ihn vielleicht stärken können und ein Gebet hätte ihm neue Kraft und neuen Mut gegeben.
Religiöses Leben kann erfüllteres Leben sein. Wenn ich sage: Ich glaube an Gott und an Jesus Christus, der für mich gestorben ist und an den Heiligen Geist, der mich stärkt, dann weiß ich mich nicht mehr allein, habe einen Zuhörer gefunden, den meine Sorgen interessieren. Ich kann neue Kraft schöpfen und bin dem erfüllten Leben vielleicht etwas näher gekommen. Wir leben mit unseren Ängsten und Nöten in dieser Welt, aber... wir sind damit nicht alleine.
Als Glaubende wissen wir uns zugehörig zu Gott. Und Gottes Liebe stärkt uns auch in den schwersten Zeiten. Sie berührt ihr Herz und gibt ihnen immer neue Kraft.
Religiöses Leben ist erfülltes Leben; erfüllt durch die Liebe desjenigen, der uns annimmt in unseren Ängsten und mit unseren Nöten. Die Liebe gibt Kraft und soll Fundament des Lebens sein. Aber religiöses Leben wird nicht nur durch die Liebe Gottes bestimmt. In unserem Predigttext wird Gottes- und Nächstenliebe zum Grundstein des Religiösen.

"Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich ewiges Leben ererbe?
Er sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?
Er antwortete und sprach. Du sollst den Herren, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, van allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.
Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet, tu das so wirst du leben.
Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: wer ist denn mein nächster?
Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mann, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit; als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.
Ein Samariter aber, der auf der reise war, kam dahin; und als er ihn sah, da jammerte er ihn: und er ging zu ihm und goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.
Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen wenn ich wieder komme.
Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war. Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen.

Nächstenliebe und Gottesliebe, diese zwei Seiten gehören zusammen und können aus unserem Leben ein erfülltes Leben machen. Ein solches Leben ist das ewige Leben nach dem der Gelehrte im Predigttext fragt. Ewiges Leben können wir auch mit den Worten: Erfülltes Leben beschreiben!
Ewigkeit ist für sie wie für mich aber ein schwieriger Begriff. Gerade heute in unserer Zeit, die so schnelllebig ist, dass die Dinge, die gestern modern waren und als neu galten, schon Morgen veraltet sind. Vielleicht kennen sie das ja von ihren Kindern und Enkeln. Die wünschen sich den neusten GameBoy oder ein ganz neues Spiel. Aber alle drei Tage ändert sich der Wunsch, weil das eben noch so begehrte Spiel veraltet ist und der neue GameBoy schon wieder einen Nachfolger hat. Unsere Zeit ist so schnell, dass für Ewigkeit erst recht wenig Raum ist. Aber betrachten wir das Ewige einmal nicht als eine sehr lange andauernde und entfernte Zeit, von der wir nichts kennen. Versuchen wir uns vorzustellen, dass diese ewige Zeit eigentlich auch die ganz nahe Zeit ist, das Jetzt. Ewige Zeit können wir dann beschreiben als sinnhafte Zeit. Eine Zeit in der wir Sinn finden und dem Sinn unseres Lebens verhaftet sind. Die äußeren Tätigkeiten sind dabei nur ein Teil der Sinnhaftigkeit, aber sie sind nicht der Grundstein des Lebens auf dem das Glück errichtet werden kann. In unserer schnelllebige Zeit wäre auch dieses Fundament nicht vor rasanten Veränderungen durch Neues geschützt. Religiöses Leben, glaubhaftes Leben ist Leben mit einem Sinn außerhalb der schnelllebigen Welt. Da zählt die Arbeitsstelle die vielleicht verloren gegangen ist nicht mehr so viel genauso wie der Job, der nicht zu finden ist.
Wenn der Sinn in diesen Dingen läge, käme und kommt es schnell zu Enttäuschungen, Zerwürfnissen und Notsituationen aller Art. Dann sehen wir wieder junge Mädchen, die ihre Eltern in Talkshows anklagen. Aber müssen wir es soweit kommen lassen?
Jesus sagt: Nein. Erfülltes Leben ergibt sich nicht durch den Beruf, sondern durch einen anderen Sinn, durch Gott. Gottesliebe und Nächstenliebe können mein Leben erfüllen.
Wer aber sind meine Nächsten? Ist es das Kleine Mädchen, dass die Probleme im Elternhaus hat, der ältere Herr, der die Strasse ohne Hilfe kaum überqueren kann, das Kleinkind, das gerade hingefallen ist und nun weint oder wer? Die Frage des Schriftgelehrten beantwortet Jesus nicht. Er erzählt uns das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das sie wahrscheinlich schon oft gehört haben und zu dem es möglicherweise wenig Neues zu sagen gibt. Oder vielleicht doch.
Das Gleichnis Jesu zeigt uns eine Sache überdeutlich. Unser Nächster ist nicht von vorneherein zu bestimmen. Alle Menschen in Not sind unsere Nächsten, da können wir dem Kleinkind wieder auf helfen oder den älteren Herrn über die Strasse begleiten. Zur Menschlichkeit sind wir von Jesus aufgerufen und Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft machen ein Leben erfüllter. Jesu Güte und Mitmenschlichkeit gingen sogar bis zur Selbstaufgabe nur um uns zu helfen.
Nächstenliebe heißt dem Nächsten ein Nächster werden. Dem Menschen ein Freund werden und seine Trauer, sein Leid oder seine Hilflosigkeit nicht an uns vorüber gehen zu lassen.
Durch diese Menschlichkeit kann unser Leben sinnhaft werden, kann es erfüllt werden. Da können wir dem Mädchen ein Zuhörer sein, den Eltern eine Stütze und der Seelenstriptease im Fernsehen ist vielleicht einmal mit einem Happyend verbunden. Da können wir auf Menschen zugehen die hilflos sind und keinen Halt haben und ihnen ein Halt sein.
Unser Leben kann dann auch in unserer schnelllebigen Zeit erfüllt sein von Ruhe und Liebe. Denn wir haben einen Halt, der nicht abhängig ist von den äußeren Gegebenheiten und Veränderungen unserer Welt, wir haben sie Gewissheit in Gott getragen zu sein. Wir können uns sicher sein von Gott geliebt zu sein. Geben wir von dieser Liebe weiter. Gottes Liebe umspannt unsere Welt und gibt ihr einen Sinn außerhalb von Geld, Macht und beruflichen Erfolgen. Gott ist der Grund unseres Lebens. Seine Liebe gibt uns Halt und einen tieferen Sinn. Und Gott lässt seine Liebe durch unsere Liebe aufscheinen und gibt ihr dadurch seine Kraft. Durch ihn gibt unsere Liebe Halt und verschafft anderen Menschen Trost und Hilfe. Seien wir mutig den Nächsten zu lieben und bringen mit Gottes Hilfe ein Stück Ewigkeit in unsere Welt.
Ich glaube fest daran, dass sie und ich dazu beitragen können unsere Welt ein wenig ‚ewig' zu machen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft und tiefer ist als all unsere Ängste, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Begrüßung: Mt 25
Christus spricht. Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. und freie Begrüßung
Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Lied: EG 346 , 1-4 Such wer da will ein ander Ziel.
Psalm: 145 im Wechsel EG 756
Gebet:
Du liebender Gott.
Das Elend von und Menschen siehst du an und es lässt dich nicht kalt.
In deiner Güte hast du uns deinen Sohn geschickt, damit er uns in Liebe diene.
Lass uns nach seinem Vorbild barmherzig werden.
Gib uns die Kraft, dass wir nicht vorübergehen an denen, die uns brauchen.
Erhöre uns um Christi willen.
Amen.
Lesung: Epistel 1.Joh 4, 7-12 - Halleluja (ich)
Lied: EG 395 Vertraut den neuen Wegen
Evangelium Lk 10, 25-37
Lied: EG 613 Liebe ist nicht nur ein Wort
Predigt:
Lied: EG 209 Ich möchte, dass einer mit mir geht.
Abkündigungen: Gottesdienst, Kollekte, getraut, verstorben, getauft...

Fürbitte:
Lassen sie uns gemeinsam Fürbitte halten.

Gott, unser Vater, wir bitten für alle, die Not leiden. Für alle die Angst haben und Hilflos sind, weil sie keinen Ausweg mehr wissen. Lass sie einen Menschen finden der ihnen hilft und zur Seite steht. Sei mit deiner Liebe bei ihnen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Gott, wir bitten für uns, die wir leider nicht immer erkennen wo wir gebraucht werden. Lass uns deinen Sohn, Jesus Christus als Vorbild erkennen. Lass auch uns den Mut haben über Grenzen zwischen Menschen zu springen. Mach, dass wir Gräben überwinden lernen. Wir bitten: Herr erbarme dich.

Gott, Sende der Gemeinde deinen Geist. Hilf ihr gerechte Entscheidungen zu fällen. Lass deinen Geist leuchten, damit wir, deine Gemeinde, deine Botschaft in die Welt bringen können. Wir bitten dich: Herr erbarme dich.

Gott, schenke auch den Mächtigen der Welt deine Zuwendung. Sei bei ihnen und stärke auch sie in deinem Geist, dass auch sie die Botschaft Jesu für ihre Politik und ihr Leben annehmen lernen. Wir bitten dich. Herr erbarme dich.
Gemeinsam bitten wir mit den Worten, die uns dein Sohn Jesus Christus zu beten gelehrt hat:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist das reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen.


Segen: So geht denn hin im Frieden Gottes.

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über dich schenke dir + und schenke dir seinen Frieden.

Lied: EG 163 Unsern Ausgang segne Gott.
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt

von Dennis Sindermann

14. 9. 2003

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Ablauf
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