|
|
|
|
Lk 1, 67-79
(eigentlich nur 78b-79) |
Eröffnungsgottesdienst für unseren Adventsbasar
Die Blätter sind von den Bäumen, der Kalender sagt
Dezember, aber es dauert wohl noch ein wenig, bis das in diesem Jahr bei
uns auch im Bauch ankommt. Sonnige Tage, hohe Temperaturen, kaum
merkliche Veränderung im Äußeren, auch wenn wir die Heizung schon
anhaben.
Aber man muss ein wenig schauen, dass man in die Jahreszeit hineinfindet
und auch einen inneren Zugang bekommt, zu dem, was nun gewohnter Weise
in unseren Breiten dran ist: nämlich Winter mit Kälte und entsprechendem
Drumherum.
Nichtsdestotrotz: es ist Advent. Einer von vier Sonntagen, die uns auf
den Weg zum Weihnachtsfest bringen sollen. Für uns hier im Pfarrverband
Elbe heißt dies auch: es ist Basar. Und Basar heißt: Einsatz vieler
Menschen, um hier vor Ort etwas anbieten zu können, das die Menschen
erfreut, das sie kaufen möchten und womit wir dann Menschen an anderen
Orten erfreuen können. Seien es nun die Menschen in Indien, die durch
den Krankenhauszug endlich zu einer ärztlichen Versorgung kommen, die
sie aus räumlichen oder finanziellen Gründen nie erreichen würden. Oder
seien es die Eltern, die in großer Sorge um ihre Kinder im Elternhaus in
Göttingen ankommen und die dort bei der Begleitung ihrer krebskranken
Kinder Hilfe, Kraft und menschliche Wärme empfangen.
In dem Lied von Zacharias, das der Evangelist Lukas aufgeschrieben hat,
heißt es: Es wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit
es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und
richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Es geht darin um das Kommen Jesu in die Welt. Zacharias freut sich über
die Geburt seines Sohnes Johannes. Und er wird vom Heiligen Geist
erfüllt, so heißt es, und rief seine Freude heraus. Doch es ist keine
persönliche Freude, die darin laut wird, sondern es ist ein Lobpreis, in
dem Gottes Handeln unter den Menschen zum Ausdruck kommt. Ja, ich denke
Martin Luther hat es richtig übersetzt, wenn er nicht nur einfach sagt,
das Zacharias diese Worte rief, sondern dass er darin weissagte. Er
deutete an, was sich in dem erfüllen wird, der nach Johannes kommen
wird, nämlich das Kind der Maria.
Es kommt das Licht aus der Höhe. Wenn man die biblische Geschichte so
liest, wird schon vor der Geburt Jesu deutlich gemacht: Jesus ist das
Licht Gottes inmitten unserer Welt. Das Licht aus der Höhe. Er ist nicht
nur ein besonderer Mensch, wie es viele gibt, die als Vorbilder
angesehen werden und insofern auch ein besonderer Gedenken unter den
Menschen haben. Er ist auch kein Machtmensch, der durch Gewalt und Krieg
und daraus entstehende Machtbereiche auf der Landkarte Eingang in die
Geschichtsbücher erfahren hat. Jesu Bedeutsamkeit liegt einfach darin,
dass in ihm deutlich wird, wie sehr Gott an dieser Welt, an den Menschen
dieser Welt hängt, wie sehr sie ihm am Herzen liegen. Dies durchzieht
eigentlich alle Erzählungen von Jesus: in seinem Handeln, in seinem
Reden, in seinem Erdulden, in seiner Hinwendung zum Menschen wird etwas
deutlich, das weit über das hinausgeht, was Menschen tun. Hinter ihm
wird ein anderer sichtbar, nämlich der lebendige Gott. So sieht und
erkennt es der Glaube. Jesus Christus ist das Licht der Welt, Licht des
Höchsten, in ihm wird ein Licht in die Welt getragen, das uns die Welt
neu sehen lässt.
Das Licht der Welt, das Licht der Liebe, das Licht der Güte und
Barmherzigkeit, das Licht von Vergebung und Erneuerung, dieses Licht ist
in der Welt erschienen. Jede Kerze, die wir in dieser Zeit anzünden
erzählt von diesem Licht. Jede Kerze weist mit ihrem Licht und ihrer
Wärme auf das Licht Jesus Christus hin. Das zumindest ist der tiefe Sinn
der Adventszeit, in der die Kerzen eine so große Rolle spielen. Es geht
nicht um Stimmung, sondern es geht um die Wahrheit, dass Gottes Licht in
die Finsternis dieser Welt scheint.
Wie ist das, wenn man um eine Kerze sitzt. Wir schauen auf das Licht,
auf die Lebendigkeit dieser Kerze, die sich selbst verzehrend, sich
selbst hingebend, Wärme spendet und unserer Gesichter erleuchtet. Und in
unseren Augen und in unserem Gesicht ist etwas zu sehen, von diesem
Licht. Es spiegelt sich wider, wird wahrgenommen und bewegt die
Menschen, die unser Gesicht sehen.
Und so ist das auch mit dem Licht Jesus Christus. Wer im Glauben
erkennet, dass er wirklich Licht der Welt ist, Licht Gottes unter uns
Menschen und für uns Menschen, dessen Augen glitzern von diesem Licht,
dessen Gesicht scheint anders, dessen Handeln ist bewegt von dem, was
Jesus Christus in die Welt gebracht hat.
Ich denke, jeder Basar, der heute begangen wird für Menschen in der
Finsternis, spiegelt gerade zu Beginn dir Adventszeit etwas wider von
diesem Licht Gottes, das Jesus in die Welt getragen hat.
Es wird Menschen, die in der Finsternis sitzen ein kleines Licht der
Hoffnung gegeben, ein Zeichen der Fürsorge Gottes für sie.
Wie sieht sie auch die Finsternis in Indien.
Wir hören, dass die Menschen in Indien viele Kilometer entfernt von
ärztlicher Versorgung leben müssen. Die haben keine Möglichkeit sich mal
schnell ins Auto zu setzen, um zum nächsten Arzt zu fahren, der 4km weg
ist und auf asphaltierten Straßen in 3 Minuten zu erreichen ist oder der
gar selber kommt. Fehlende Infrastruktur, fehlende Arztpraxen, zu wenig
Krankenhäuser in erreichbarer Nähe, all das hat dazu geführt, dass
Menschen gesagt haben, wenn die Menschen nicht zu uns kommen können,
dann müssen wir zu ihnen kommen. Selbst der Weg zu den Eisanbahnschienen
ist oft sehr weit. Doch die Menschen nehmen diesen Weg auf sich, weil
sie darum wissen, dass hier eine Einrichtung geschaffen wurde, die ihnen
Erleichterung und Hilfe verschafft. Und hier kommt es nicht darauf an,
dass jemand Geld hat oder nicht. In diesem Zug geht es um medizinische
Hilfe, die steht an erster Stelle. Es geht darum, den Menschen zuerst zu
sehen, seine Not, seine Krankheit, seine ganz persönliche
Lebensfinsternis. In diese Finsternis soll das Licht aus der Höhe
scheinen. Ganz praktisch fühlbar in der liebevollen Zuwendung und
medizinischen Hilfe. Wir hier im Pfarrverband tragen mit dazu bei, dass
diese Hilfe, dieses entzünden eines Hoffnungslichtes für diese Menschen
möglich ist. Durch unsere finanzielle Hilfe, ermöglichen wir, dass die
Finsternis nicht finster bleibt, dass die Schatten des Todes nicht zu
lang werden.
Und das gilt auch für das andere Projekt, das wir fördern. In der
reichen Bundesrepublik, wo medizinische Hilfe kein Problem ist, fehlt es
oft genug an menschlicher Begleitung. Denn eine Krankheit ist nicht nur
ein körperliches Problem, sondern vielfach für die ganze Familie ein
seelisches Problem. Für die Eltern krebskranker Kinder ist diese
Krankheit die oft dunkelste Zeit ihres Lebens. Hier gilt es Licht
hineinzutragen. Ein Licht, das den Menschen in all seiner seelischen Not
ernst nimmt und annimmt. Ein Licht, das in den kleinen Gesten der
Zuwendung, der Ermöglichung von Gemeinschaft aufleuchtet. Ein schwer
krankes Kind, geschwächt von Therapien und Anwendungen kann mal einen
Tag raus aus dem Krankenhausbetrieb. Es darf in geschützter Umgebung,
zusammen mit den Geschwistern und Eltern einfach nur spielen, mit den
Eltern kuscheln, mit dem Bruder kickern oder im Arm der Schwester Pippi
Langstrumpf schauen. Darin liegt so viel, was keine Krankenkasse der
Welt je in einen Leistungskatalog aufnehmen könnte, was aber ein warmes
Licht in die Finsternis bringt, was die Schatten des Todes so viel
kleiner werden lässt. Und auch viele Eltern, die diesen Schatten weiter
auf der Seele tragen, berichten, dass die gemeinsame Zeit in dem
Elternhaus ein ganz bedeutsame und wichtige Zeit war, um die
Gemeinschaft mit dem Kind ganz intensiv zu erleben.
In solch einem Handeln wird lebendig was es heißt, dass das Licht aus
der Höhe in die Finsternis gelangt, dass es zu denen gelangt, die in
dieser Finsternis sitzen, im Schatten des Todes und etwas brauchen, was
ihnen hilft, dort heraus zu kommen oder es in Hoffnung, Würde und Kraft
zu tragen. Das Licht Jesu hat uns solche Hoffnung und Kraft gebracht und
alles, was wir Christen tun, sollte ein Hinweis sein auf diese alles
übersteigende Kraft des Höchsten.
Denn dadurch richtet er unsere Füße auf den Weg des Friedens. Damit ist
ein Friede gemeint, der weit mehr ist, als waffenlose Zeit. Es ist der
Friede, der sich geborgen weiß in der unendlichen Barmherzigkeit dessen,
der Himmel und Erde geschaffen hat, der Anfang und Ende in seinen Händen
hält und der einen jeden von uns ganz persönlich hält und trägt. Es ist
ein Friede, der dem anderen Raum gibt mit seinem Leben, der andere
wahrnimmt in ihren Nöten, der auf andere zugeht, in ihrer Schuld, der
danach sucht dem anderen das Leben hoffnungsvoll zu gestalten. Darin hat
Jesu vieles getan, was wir in seiner Nachfolge heute anderen Menschen
geben können. Und das ist letztlich das größte Lob, das wir Gott
zurückgeben können, es ist Zeichen unserer Dankbarkeit für das Licht aus
der Höhe, wenn wir nicht bei uns selber bleiben, sondern uns der Not der
anderen stellen.
Adventszeit ist Zeit des Ankommens Jesu. Ihn ankommen zu lassen, sein
Licht in uns wirken zu lassen und es weiter zu reichen, das ist Sinn der
Adventszeit. Wir wollen heute besonders darauf schauen, dass wir das
Licht aus der Höhe weiterreichen mit dem, was heute hier geschieht.
Darin geht der Glaube an Jesus nicht auf, er ist viel mehr. Schauen wir
doch einmal genau hin, was Jesus alles zu uns gebracht hat und auch
heute noch bringt. Lassen wir ihn in uns ankommen. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 1,1-3
Psalm 24
Eingangsliturgie
Gebet EGb 243 - 2
Lesung: Mt 21,1-9
Lied 11,1-3
Lesung Lk 1, 67-79
Glaubensbekenntnis
Lied 1,4-6
Predigt
Lied: Gott entzündet ein Licht
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gütiger Gott, Vater und Mutter für uns alle!
Wir leben von deiner Liebe und Güte, von deiner Barmherzigkeit und durch
deinen Frieden, kurz gesagt durch dein Licht, das du durch Jesus
Christus ein für alle mal in unsere Welt gebracht hast.
Hilf uns, dass dieses Licht in alle Finsternisse leuchtet, hilf uns,
dass wir durch dein Licht die Schatten des Todes verkleinern und in
deinem Frieden wirken. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die denen der Einsatz für die Menschen im Finstern
ein Herzensanliegen ist. Erfülle sie mit deiner Kraft und deinem Geist,
auf das ihr Tun und Reden den Menschen hilfreich ist. Darum rufen wir zu
dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die im Krankenhauszug in Indien tätig sind, dass
sie mit Freude und Liebe ihre Arbeit tun, dass sie hilfreich tätig sein
können und nicht verzweifeln, wenn ihre Hilfe zu spät kommt oder nicht
möglich ist. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für die Mitarbeitenden im Elternhaus in Göttingen, dass sie
immer erspüren, was Eltern und Kindern gut tut, was ihnen hilft auf
ihrem gemeinsamen schweren Weg. Gib Liebe, Kraft und Phantasie für alle,
die dort tätig sind. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Für alle Menschen in Not bitten wir dich, dass sie Lichter der Hoffnung
sehen, die sie als dein Licht im Dunkel ihrer Welt erkennen. Darum rufen
wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Stille
Vaterunser
Segen
17,1
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
| |
|